Von morgens bis mitternachts - Georg Kaiser - E-Book

Von morgens bis mitternachts E-Book

Georg Kaiser

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Beschreibung

"Von morgens bis mitternachts" von Georg Kaiser. Veröffentlicht von e-artnow. e-artnow ist Herausgeber einer breiten Büchervielfalt mit Titeln jeden Genres. Von bekannten Klassikern, Belletristik und Sachbüchern bis hin zu in Vergessenheit geratenen bzw. noch unentdeckten Werken der grenzüberschreitenden Literatur, bringen wir Bücher heraus, die man gelesen haben muss. Jede eBook-Ausgabe von e-artnow wurde sorgfältig bearbeitet und formatiert, um das Leseerlebnis für alle eReader und Geräte zu verbessern. Unser Ziel ist es, benutzerfreundliche eBooks auf den Markt zu bringen, die für jeden in hochwertigem digitalem Format zugänglich sind.

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Georg Kaiser

Von morgens bis mitternachts

 
e-artnow, 2023 Contact: [email protected]
EAN 4066339567474

Inhaltsverzeichnis

Cover
Titelblatt
ERSTER TEIL
ZWEITER TEIL

ERSTER TEIL

Inhaltsverzeichnis

Kleinbankkassenraum. Links Schalteranlage und Tür mit Aufschrift: Direktor. In der Mitte Tür mit Schild: Zur Stahlkammer. Ausgangstür rechts hinter Barriere. Daneben Rohrsofa und Tisch mit Wasserflasche und Glas.

Im Schalter Kassierer und am Pult Gehilfe, schreibend. Im Rohrsofa sitzt der fette Herr, prustet. Jemand geht rechts hinaus. Am Schalter Laufjunge sieht ihm nach.

KASSIERER

klopft auf die Schalterplatte.

LAUFJUNGE

legt rasch seinen Zettel auf die wartende Hand.

KASSIERER

schreibt, holt Geld unter dem Schalter hervor, zählt sich in die Hand — dann auf das Zahlbrett.

LAUFJUNGE

rückt mit dem Zahlbrett auf die Seite und schüttet das Geld in einen Leinenbeutel.

HERR

steht auf.

Dann sind wir Dicken an der Reihe.

Er holt einen prallen Lederbeutel aus dem Mantelinnern.

Dame kommt. Kostbarer Pelz, Geknister von Seide.

HERR

stutzt.

DAME

klinkt mit einigem Bemühen die Barriere auf, lächelt unwillkürlich den Herrn an.

Endlich.

HERR

verzieht den Mund.

KASSIERER

klopft ungeduldig.

DAME

fragende Geste gegen den Herrn.

HERR

zurückstehend.

Wir Dicken immer zuletzt.

DAME

verneigt sich leicht, tritt an den Schalter.

KASSIERER

klopft.

DAME

öffnet ihre Handtasche, entnimmt ein Kuvert und legt es auf die Hand des Kassierers.

Ich bitte dreitausend.

KASSIERER

dreht und wendet das Kuvert, schiebt es zurück.

DAME

begreift.

Pardon.

Sie zieht den Brief aus dem Umschlag und reicht ihn hin.

KASSIERER

wie vorher.

DAME

entfaltet noch das Papier.

Dreitausend bitte.

KASSIERER

überfliegt das Papier und legt es dem Gehilfen hin.

GEHILFE

steht auf und geht aus der Tür mit dem Schild: Direktor.

HERR

sich wieder im Rohrsofa niederlassend.

Bei mir dauert es länger. Bei uns Dicken dauert es immer etwas länger.

KASSIERER

beschäftigt sich mit Geldzählen.

DAME

Ich bitte: in Scheinen.

KASSIERER

verharrt gebückt.

DIREKTOR

jung, kugelrund — mit dem Papier links heraus.

Wer ist —

Er verstummt der Dame gegenüber.

GEHILFE

schreibt wieder an seinem Pult.

HERR

laut.

Morgen, Direktor.

DIREKTOR

flüchtig dahin.

Geht's gut?

HERR

sich auf den Bauch klopfend.

Es kugelt sich, Direktor.

DIREKTOR

lacht kurz. Zur Dame.

Sie wollen bei uns abheben?

DAME

Dreitausend.

DIREKTOR

Ja drei — dreitausend würde ich mit Vergnügen auszahlen —

DAME

Ist der Brief nicht in Ordnung?

DIREKTOR

süßlich, wichtig.

Der Brief geht in Ordnung. Über zwölftausend —

Buchstabierend.

Banko —

DAME

Meine Bank in Florenz versicherte mich —

DIREKTOR

Die Bank in Florenz hat Ihnen den Brief richtig ausgestellt.

DAME

Dann begreife ich nicht —

DIREKTOR

Sie haben in Florenz die Ausfertigung dieses Briefes beantragt —

DAME

Allerdings.

DIREKTOR

Zwölftausend — und zahlbar an den Plätzen —

DAME

Die ich auf der Reise berühre.

DIREKTOR

Der Bank in Florenz haben Sie mehrere Unterschriften geben müssen —

DAME

Die an die im Brief bezeichneten Banken geschickt sind, um mich auszuweisen.

DIREKTOR

Wir haben den Avis mit Ihrer Unterschrift nicht bekommen.

HERR

hustet; blinzelt den Direktor an.

DAME

Dann müßte ich mich gedulden, bis —

DIREKTOR

Irgendwas müssen wir doch in Händen haben!

EIN HERR

winterlich mit Fellmütze und Wollschal vermummt — kommt, stellt sich am Schalter auf. Er schießt wütende Blicke nach der Dame.

DAME

Darauf bin ich so wenig vorbereitet —

DIREKTOR

plump lachend.

Wir sind noch weniger vorbereitet, nämlich gar nicht!

DAME

Ich brauche so notwendig das Geld!

HERR

im Sofa lacht laut.

DIREKTOR

Ja, wer brauchte keins?

HERR

im Sofa wiehert.

DIREKTOR

sich ein Publikum machend.

Ich zum Beispiel —

zum Herrn am Schalter.

Sie haben wohl mehr Zeit als ich. Sie sehen doch, ich spreche mit der Dame noch. — Ja, gnädige Frau, wie haben Sie sich das gedacht? Soll ich Ihnen auszahlen — auf Ihre —

HERR

im Sofa kichert.

DAME

rasch.

Ich wohne im Elefant.

HERR

im Sofa prustet.

DIREKTOR

Ihre Adresse erfahre ich mit Vergnügen, gnädige Frau. Im Elefant verkehre ich am Stammtisch.

DAME

Kann der Besitzer mich nicht legitimieren?

DIREKTOR

Kennt Sie der Wirt schon näher?

HERR

im Sofa amüsiert sich köstlich.

DAME

Ich habe mein Gepäck im Hotel.

DIREKTOR

Soll ich Koffer und Köfferchen auf seinen Inhalt untersuchen?

DAME

Ich bin in der fatalsten Situation.

DIREKTOR

Dann reichen wir uns die Hände: Sie sind nicht in der Lage — ich bin nicht in der Lage. Das ist die Lage.

Er gibt ihr das Papier zurück.

DAME

Was raten Sie mir nun zu tun?

DIREKTOR

Unser Städtchen ist doch ein nettes Nest — der Elefant ein renommiertes Haus — die Gegend hat Umgegend — Sie machen diese oder jene angenehme Bekanntschaften — und die Zeit geht hin — mal Tag, mal Nacht — wie sich's macht.

DAME

Es kommt mir hier auf einige Tage nicht an.

DIREKTOR

Die Gesellschaft im Elefant wird sich freuen, etwas beizutragen.

DAME

Nur heute liegt es mir dringend an dreitausend!

DIREKTOR

zum Herrn im Sofa.

Bürgt jemand hier für eine Dame aus der Fremde auf dreitausend?

DAME

Das könnte ich wohl nicht annehmen. Darf ich bitten, mir sofort, wenn die Bestätigung von Florenz eintrifft, telephonisch Mitteilung zu machen. Ich bleibe im Elefant auf meinem Zimmer.

DIREKTOR

Persönlich — wie gnädige Frau es wünschen!

DAME

Wie ich am raschesten benachrichtigt werde.

Sie schiebt das Papier in das Kuvert und steckt es in die Tasche.

Ich spreche am Nachmittag noch selbst vor.

DIREKTOR

Ich stehe zur Verfügung.

DAME

grüßt kurz, ab.

HERR

am Schalter rückt vor und knallt in der Faust einen zerknüllten Zettel auf die Platte.

DIREKTOR

ohne davon Notiz zu nehmen, sieht belustigt nach dem Herrn im Sofa.

HERR

im Sofa zieht die Luft ein.

DIREKTOR

lacht.

Sämtliche Wohlgerüche Italiens — aus der Parfümflasche.

HERR

im Sofa fächelt sich mit der flachen Hand.

DIREKTOR

Das macht heiß, was?

HERR

im Sofa, gießt sich Wasser in ein Glas.

Dreitausend ist ein bißchen hastig.

Er trinkt.

Dreihundert klappern auch nicht schlecht.

DIREKTOR

Vielleicht machen Sie billigere Offerte — im Elefant, auf dem Zimmer?

HERR

im Sofa.

Für uns Dicke ist das nichts.

DIREKTOR

Wir sind mit unserm moralischen Bauch gesetzlich geschützt.

HERR

am Schalter knallt zum zweitenmal die Faust auf die Platte.

DIREKTOR

gleichmütig.

Was haben Sie denn?

Er glättet den Zettel und reicht ihn dem Kassierer hin.

LAUFJUNGE

hatte die Dame angegafft, dann die Sprechenden — verfehlt die Barriere und rennt gegen den Herrn im Sofa.