9,99 €
Es ist Zeit! Jetzt oder nie gilt es, radikal zu werden. Erheben wir uns. Rebellieren wir! Dieses Buch enthält alles dafür Nötige. Extinction Rebellion (XR) ist eine Bewegung, die in England entstanden ist. Im April 2019 legte sie London mehrere Tage lahm, gab der Innenstadt mit Straßen- und Brückenblockaden ihr eigenes Tempo und ihre eigenen Farben - das Pink der Rebellion. Ziel ist es, mit Mitteln des gewaltfreien zivilen Ungehorsams auf die existentielle Krise - das sich rasant ausbreitende Artensterben, was auch uns Menschen erfasst - aufmerksam zu machen und einen Systemwandel herbeizuführen. Das Buch versammelt Fakten über bereits sichtbare Folgen der Klimakrise und ruft zum Handeln auf. Für alle nachvollziehbar, konkret und undogmatisch erklärt es, wie sich das Rebellieren organisieren lässt: Von der gewaltfreien Kommunikation über das Errichten von Straßenblockaden und die Vorbereitung anderer Protestaktionen bis hin zum Kochrezept für mehrere hundert Menschen. Die XR-Aktivisten Sina Kamala Kaufmann, Annemarie Botzki und Michael Timmermann ordnen XR in den deutschen Kontext ein und ergänzen das Buch um wichtige und konkrete Informationen für das Rebellieren in Deutschland. Jeder kann Teil der Bewegung werden – und zusammen können wir Geschichte schreiben. Dies ist erst der Anfang! Ab dem 7. Oktober beginnt die Rebellionswelle! Unter dem Motto "Rebell without borders" wird in Berlin, London, New York und Paris der Alltag unterbrochen. Extinction Rebellion (XR), Greta Thunberg, Fridays for Future u.a. rufen auf zum Generalstreik gegen die zögerliche Klimapolitik: • 20.9.2019 deutschlandweit • 27.9.2019 weltweit, Earth Strike
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 238
Veröffentlichungsjahr: 2019
Es ist Zeit!
Jetzt oder nie gilt es, radikal zu werden. Erheben wir uns. Rebellieren wir!
Dieses Buch enthält alles dafür Nötige.
Extinction Rebellion (XR) ist eine Bewegung, die in England entstanden ist. Im April 2019 legte sie London mehrere Tage lahm, gab der Innenstadt mit Straßen- und Brückenblockaden ihr eigenes Tempo und ihre eigenen Farben - das Pink der Rebellion. Ziel ist es, mit Mitteln des gewaltfreien zivilen Ungehorsams auf die existentielle Krise - das sich rasant ausbreitende Artensterben, was auch uns Menschen erfasst - aufmerksam zu machen und einen Systemwandel herbeizuführen.
Das Buch versammelt Fakten über bereits sichtbare Folgen der Klimakrise und ruft zum Handeln auf. Für alle nachvollziehbar, konkret und undogmatisch erklärt es, wie sich das Rebellieren organisieren lässt: Von der gewaltfreien Kommunikation über das Errichten von Straßenblockaden und die Vorbereitung anderer Protestaktionen bis hin zum Kochrezept für mehrere hundert Menschen.
Die XR-Aktivisten Sina Kamala Kaufmann, Annemarie Botzki und Michael Timmermann ordnen XR in den deutschen Kontext ein und ergänzen das Buch um wichtige und konkrete Informationen für das Rebellieren in Deutschland.
Jeder kann Teil der Bewegung werden – und zusammen können wir Geschichte schreiben. Dies ist erst der Anfang!
Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de
Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de
Erweiterte Deutsche Erstausgabe
Herausgegeben von Sina Kamala Kaufmann, Michael Timmermann und Annemarie Botzki
unter Mitarbeit von Steffen Greiner
Erschienen bei FISCHER E-Books
Die englische Originalausgabe erschien 2019 im Verlag Penguin Books, London
unter dem Titel »This is not a Drill. An Extinction Rebellion Handbook«
Herausgegeben von Claire Farrell, Alison Green, Sam Knights und William Skeaping
© Extinction Rebellion 2019
Für die deutsche Ausgabe:
© 2019 S. Fischer Verlag GmbH, Hedderichstr. 114, D - 60596 Frankfurt am Main
Die mit einem * versehenen Texte sind Originalbeiträge, alle anderen stammen aus der englischen Ausgabe und wurden übersetzt von Ulrike Bischoff.
Covergestaltung: This Ain’t Rock’n’Roll – Clive Russell & Charlie Waterhouse
Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.
Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.
ISBN 978-3-10-491221-9
Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.
Die Nutzung unserer Werke für Text- und Data-Mining im Sinne von § 44b UrhG behalten wir uns explizit vor.
Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.
Im Text enthaltene externe Links begründen keine inhaltliche Verantwortung des Verlages, sondern sind allein von dem jeweiligen Dienstanbieter zu verantworten. Der Verlag hat die verlinkten externen Seiten zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung sorgfältig überprüft, mögliche Rechtsverstöße waren zum Zeitpunkt der Verlinkung nicht erkennbar. Auf spätere Veränderungen besteht keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.
Dieses E-Book enthält möglicherweise Abbildungen. Der Verlag kann die korrekte Darstellung auf den unterschiedlichen E-Book-Readern nicht gewährleisten.
Wir empfehlen Ihnen, bei Bedarf das Format Ihres E-Book-Readers von Hoch- auf Querformat zu ändern. So werden insbesondere Abbildungen im Querformat optimal dargestellt.
Anleitungen finden sich i.d.R. auf den Hilfeseiten der Anbieter.
[Kapitel]
Erklärung der Rebellion
Vorwort
Einleitung Was bisher geschah
Wir* – Vorwort
Teil Eins Die Wahrheit sagen
1 Sterben, überleben oder aufblühen?
2 So weitermachen ist keine Option
3 Wir sind nicht bereit zu sterben
4 Die Hitze lässt die Berge schmelzen
5 Ohne Ausweg
6 Indigene Völker und der Kampf ums Überleben
7 Überleben der Reichsten
8 Klima, Flucht und Vertreibung
9 Klimakummer
10 Teile desselben Systems
11 Untergang und Lebensfreude: Anpassung an den Zusammenbruch
12 Wissen, was wir tun
13 Bürgerinnenversammlungen
14 European Dream
15 Rohdaten statt Propaganda
Teil Zwei Jetzt handeln!
16 Festnahmen herausfordern
17 Das Modell des zivilen Widerstandes
18 Eine Bewegung aufbauen
19 Gorleben, Hambi: eine Bewegungsrevue
20 Gewaltfreiheit: »The Revolution is Love«
21 Eine Aktion organisieren
22 Nahrung für die Rebellion
23 Kreative Strassenblockaden
24 Arts Factory
Warum eine XR-Arts Factory?
Recherche und Entwicklungsphase
Muster und Lieferantinnen besorgen
Rekrutiert glorreiche Sieben
Sagt allen alles
Übersicht über Ziele und Fortschritte
Erledigt die Arbeiten nach dem Rotationsprinzip
Macht die Factory zu einem Mikrokosmos der Bewegung
Veränderung unseres Sprachgebrauchs
Reflexion, Recherche und Fortbildung
Workshops und Öffentlichkeitsarbeit
Was wir machen und worüber wir nachdenken:
25 Eins nach dem anderen: eine Medienstrategie
26 Sicherheit in Selbstorganisierenden Systemen
27 Ins Gefängnis gehen
28 Polizei, Festnahme und Unterstützung
29 Verstärkung und Mitternachtssnacks
30 Pessimistisch im Geiste, optimistisch im Herzen
31 Den Wandel verkörpern
32 Eine neue Ökonomie
33 Erde für alle: Agrarvisionen
34 Was wäre, wenn … wir die Kohlenstoffemissionen bis 2025 auf null reduzierten?
35 Jetzt ist der richtige Zeitpunkt
Nachwort
Wo steht ihr in diesen Zeiten?
Teil drei?
Danksagung
Hinweis
Abbildungsnachweis
Planet Erde, Berlin, am 15. April 2019 um 12.05 Uhr.
Wir sehen düsteren Zeiten entgegen.
Die Menschheit befindet sich in einer Situation, wie es sie in unserer Geschichte noch nie zuvor gegeben hat. Eine Situation, eine Krise, die, wenn wir sie weiterhin ignorieren, alles zerstören wird, was uns lieb und teuer ist: unsere Heimat, unsere Mitmenschen, unsere Ökosysteme und die Zukunft unserer Kinder.
Die Wissenschaft formuliert es unmissverständlich: Wir befinden uns mitten im sechsten Massenaussterben der Erdgeschichte! Wir steuern unaufhaltsam auf die Katastrophe zu – wenn wir nicht sofort und entschieden handeln.
Weltweit wird die biologische Vielfalt vernichtet. Unsere Ozeane werden vergiftet, übersäuert – und der Meeresspiegel steigt. Überschwemmungen und Wüstenbildung werden riesige Landstriche unbewohnbar machen und Menschen werden millionenfach in die Flucht getrieben. Die Luft, die wir atmen, ist derart vergiftet, dass Luftverschmutzung weltweit bereits heute mehr Opfer fordert als Krieg und Hungersnöte, Malaria und HIV zusammen. Sie schädigt bereits Ungeborene und verursacht den vorzeitigen Tod von Millionen von Menschen. Der Kollaps unseres Klimas hat begonnen: Waldbrände, unberechenbare Stürme, Hungerkatastrophen und ausgedehnte Dürreperioden werden zunehmen, während Nahrungsmittel und Süßwasser knapp werden. Der Kampf um die schwindenden Ressourcen führt zur weltweiten Ausbreitung von Konflikten. Kein vernunftbegabtes Wesen, das ein moralisches Gewissen besitzt – sei es ethisch oder im Glauben fundiert –, kann die ökologischen Krisen, die diesen Planeten und seine Tier- und Pflanzenwelt heimsuchen, leugnen, ignorieren oder tatenlos zusehen. Im Einklang mit unseren Werten, aus Liebe zum Leben und in Übereinstimmung mit der überwältigenden wissenschaftlichen Evidenz erachten wir es als unsere Pflicht zu handeln – im Interesse der Sicherheit und des Wohlergehens unserer Kinder, der Vielfalt und Einzigartigkeit menschlichen Lebens und der Zukunft des Planeten Erde. Gestützt auf unser Gewissen und unsere Vernunft, erklären wir unseren Regierungen und ihren korrumpierten, untauglichen Institutionen, deren Versagen unsere Zukunft bedroht, die Rebellion! Den massenhaften, friedlichen Aufstand gegen das Aussterben – für das Leben! Unsere Regierungen haben, in Anbetracht ihrer vorsätzlichen Komplizenschaft mit denjenigen, die das Gemeinwohl zugunsten kurzfristiger individueller Gewinne opfern, unser Vertrauen verspielt. Wenn weder die gewählte Volksvertretung noch das Gesetz den angemessenen Schutz und das Wohlergehen der Bevölkerung gewährleisten können, liegt es in der Hand der Bürgerinnen, die notwendigen Veränderungen einzuleiten – zur Abwendung der Katastrophe und für die Zukunft unserer Kinder. Dann ist es nicht nur unser Recht zu rebellieren, sondern unsere Pflicht.
Wir rufen alle Bürgerinnen auf, sich gemeinsam mit uns friedlich zu erheben.
Wir fordern, gehört zu werden, um mit Unterstützung der Wissenschaft fundierte Lösungen für die Bewältigung der beispiellosen ökologischen Krisen zu finden. Wir fordern, Bürgerinnenversammlungen einzuberufen, die die notwendigen Schritte erarbeiten, unseren gegenwärtigen, katastrophalen Kurs zu ändern.
Wir weigern uns, zukünftigen Generationen einen sterbenden Planeten zu hinterlassen!
Es ist Zeit zu handeln!
WIR handeln! Wir können nicht anders!
Wir handeln friedfertig und mit unbändiger Liebe in unseren Herzen.
WIR handeln! Zivil und ungehorsam!
Wir handeln gewaltfrei, respektvoll und aus Liebe zu unseren Mitmenschen.
Wir* handeln! Aus Liebe zu ALLEN Lebewesen – die sich selbst nicht schützen können.
Wir handeln aus Liebe zu unserer einzigen Heimat – aus Liebe zum Planeten Erde!
Wir* handeln!
Im Namen des Lebens!
Vandana Shiva
Die Zeichen sind laut und deutlich: die der Erde. Der Wissenschaft. Der Frauen. Der Kinder. Der indigenen Gemeinschaften. Unseres Alltags.
Das Leben auf diesem Planeten und unsere eigene Zukunft sind ernstlich bedroht.
Wir erleben das sechste massenhafte Artensterben, angetrieben von der grenzenlosen Gier des einen Prozents, von seiner Blindheit für die ökologischen Grenzen der Erde und die Grenzen, die soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte setzen. Wir vergessen, dass wir eine Menschheit auf einem Planeten sind. Es gibt keinen Planeten B. Auf dieser Erde werden wir leben oder als Spezies aussterben, zusammen mit den Millionen, die durch die Gewalt und Bedenkenlosigkeit jener brutalen Kraft, die man irreführend Ökonomie nennt, zum Aussterben verurteilt wurden.
»Ökonomie« wie auch »Ökologie« leiten sich von dem griechischen Wort oikos ab, das für das Heim, die Haus- und Wirtschaftsgemeinschaft, also für unsere Erde steht. Eine Ökonomie, die unser Heim zerstört, ist keine Wirtschaft mehr. Sie ist ein Krieg gegen den Planeten, die Bevölkerung und unsere Zukunft.
Die Hopi in Nordamerika bezeichnen das Phänomen, alles zu zerstören, was eine Gesellschaft erhält, als Powaqqatsi: »eine Entität, eine Lebensweise, die die Lebenskräfte anderer zum Wohle ihres eigenen Lebens aufzehrt«.
Das Powaqqatsi-Phänomen der Hopi tritt gegenwärtig eindeutig zutage. Wir haben es mit einer destruktiven Macht zu tun, die Lebenskräfte vernichtet, wo sie nur kann. Wenn die Konzerne sich durchsetzen, wird unser fragiles Lebensgespinst vergiftet und zerstört, Arten werden zum Aussterben gebracht, Menschen verlieren ihren gesamten freien Zugang zu Saatgut, Nahrung, Wissen und Entscheidungen, und sämtliche sozialen Beziehungen werden zerstört.
Leben, Gesellschaft und Demokratie sind gefährdet. Wir weigern uns, diese Zukunft zuzulassen. Wir lieben die Erde; wir lieben die Menschheit. Wir feiern unsere biologische und kulturelle Vielfalt und werden die Rechte der Erde und die Rechte aller Bürgerinnen bis hin zum letzten Kind mit unserer furchtlosen Liebe und unserem teilnahmsvollen Mut verteidigen.
Um Frieden unter Menschen zu schaffen, müssen wir Frieden mit der Erde schließen. Um die Menschenrechte zu verteidigen, müssen wir die Rechte von Mutter Erde anerkennen. Wir müssen durch unsere Kreativität und ihre Großzügigkeit leben, um unseren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren und unser planetares Bewusstsein zu erweitern, dass wir eine Erdenfamilie mit einem gemeinsamen Zuhause sind.
Die Zerstörung der Artenvielfalt und der indigenen Kulturen, die mit Mutter Erde in Frieden zu leben verstehen, ist Teil ein und derselben Vernichtung, ein und desselben miteinander verbundenen Kampfes gegen das Leben. Ökozid und Genozid sind ein untrennbarer Prozess, der mit der Vorstellung begann, die Kolonisierung der Erde sei die »zivilisatorische Mission« einer »überlegenen Rasse«.
In seiner fünften Rede zur Lage der Nation vor dem Kongress erklärte US-Präsident Andrew Jackson am 3. Dezember 1833:
Dass diese Stämme nicht umgeben von unseren Siedlungen und in ständigem Kontakt mit unseren Bürgern leben können, steht fest. Sie besitzen weder die Intelligenz, den Fleiß, die Moral, noch den Besserungswunsch, die für jede vorteilhafte Änderung ihrer Lage notwendig sind. Da sie inmitten einer anderen, überlegenen Rasse leben und keinerlei Verständnis für die Ursachen ihrer Unterlegenheit und kein Bestreben haben, sie zu beheben, müssen sie sich zwangsläufig der Macht der Umstände beugen und in Kürze verschwinden.
Und sie verschwanden tatsächlich. Lebten 1492 noch schätzungsweise 18 Millionen Angehörige indigener Völker auf dem Kontinent nördlich von Mesoamerika, so war ihre Zahl bis 1890 auf 228000 zurückgegangen.
Gandhi schrieb in seinem Buch Hind Swaraj oder indische Selbstregierung (in Ausgewählte Werke, Göttingen 2011, Bd. 3, S. 100): »Diese Zivilisation ist so geartet, dass man nur geduldig abwarten muss, bis sie sich selbst zerstört.«
Daher ist es ein moralischer Imperativ, gegen ein System zu rebellieren, das die Vernichtung vorantreibt und Arten und Kulturen zum Aussterben bringt. Nicht mit ihr zu kooperieren, ist ein moralischer Imperativ geworden – ein Imperativ des Überlebens. Die Nichtkooperation muss mit der Weigerung anfangen, ein System, das auf Ökozid und Genozid basiert, als »Zivilisation« gelten zu lassen. Es gibt bessere Weisen zu leben, zu produzieren und zu konsumieren. Extinction Rebellion beginnt mit der Befreiung unseres Denkens von Kolonialkategorien. Wir sind unterschiedlich, aber gleich – nicht »überlegen« und »unterlegen«. Die Vernichtung des Lebens in seiner Vielfalt lässt sich nicht dadurch rechtfertigen, dass man andere Arten und andere Kulturen zu »niederen Kreaturen Gottes« erklärt.
Die Erde ist für alle Lebewesen da, heute und morgen.
Ich bezeichne Extinction Rebellion als »Satyagraha für das Leben«. Für Gandhi war Satyagraha die auf der Kraft der Wahrheit beruhende Nichtkooperation.
Im heutigen Kampf um Wahrheit geht es um die Tatsache, dass Vernichtung und Ausrottung nicht unausweichlich sind. Sie sind Verbrechen gegen die Erde und gegen die Menschheit. Und wir können diesen Verbrechen ein Ende setzen, indem wir uns weigern, uns an diesem Projekt des Ökozids und Genozids zu beteiligen und daran mitzuwirken.
Gemeinsam haben wir als diverse Spezies und diverse Kulturen die schöpferische Kraft, durch Nichtkooperation auf allen Ebenen diese Vernichtung zu beenden, angefangen bei jeder Einzelnen von uns, und die Rebellion in »immer größeren, nie ansteigenden Kreisen« eines miteinander verbundenen Lebens und der Freiheit auszuweiten.
Das ist die Forderung nach Erdendemokratie. Das ist unsere höchste Pflicht als Erdenbürgerinnen.
Sam Knights
In diesem Buch geht es um Rebellion – eine Rebellion, die gegenwärtig stattfindet.
Aber wenn dieses Buch erscheint, ist die Rebellion vielleicht schon wieder vorbei. Vielleicht ist sie bis dahin plötzlich und ohne Vorwarnung erloschen. Vielleicht ist sie einfach verebbt und in eine lange Geschichte gescheiterter Revolutionen und fruchtloser Kampagnen eingegangen. Vielleicht hat sie aber auch zum Erfolg geführt. Vielleicht seid ihr mittlerweile alle vollauf damit beschäftigt, eine neue Welt zu schaffen. Eine Welt, in der alle gleich sind und kein Mensch, keine Partei und kein Konzern die Herrschaft über die Mitmenschen oder – sogar – die Erde besitzt.
Die Bedeutung dessen, was wir inzwischen erreicht haben, lässt sich kaum überschätzen. Der Weg hierher war lang und mühsam und wurde von Tausenden Wissenschaftlerinnen, Akademikerinnen und Aktivistinnen auf der ganzen Welt erkämpft. Er war hart, strapaziös und manchmal sehr einsam.
Extinction Rebellion begann in einer englischen Kleinstadt mit fünfzehn Leuten, die Möglichkeiten erforschten und untersuchten, einen radikalen Wandel herbeizuführen.
Gemeinsam beschlossen diese fünfzehn Leute, eine lange Kampagne des zivilen Ungehorsams zu starten, eine Kampagne, die verändern sollte, wie wir über die Klimakrise und den ökologischen Notstand reden, und die Staaten auf der ganzen Welt zum Handeln zwingen sollte. Zunächst fuhren wir durch Großbritannien, besuchten Gemeinden, Dörfer, Klein- und Großstädte. Wir hielten Vorträge, führten Aktionen durch und begannen, allmählich eine Bewegung zu schaffen. Unsere Vorträge waren klar, geradeheraus und von wissenschaftlichen Erkenntnissen geleitet. Wir legten den Leuten die Fakten dar und zeigten am Ende der Präsentation eine notwendige und rationale Reaktion auf: massenhaften zivilen Ungehorsam.
Und so erklärten wir am 31. Oktober 2018 unsere offene Rebellion gegen den britischen Staat. Seitdem sind innerhalb dieser kurzen Zeit Hunderte Extinction-Rebellion-Gruppen in vielen Ländern der Welt entstanden. Die Bewegung ist mittlerweile auf jedem Kontinent bis auf die Antarktis aktiv. Hunderttausende engagieren sich bei Straßensperren, Brückenblockaden und sind – notfalls – bereit, sich festnehmen zu lassen.
Im April 2019 begann unsere erste Phase der International Rebellion. In Pakistan zogen wir in einem Protestmarsch durch die Hauptstadt. In den USA klebten wir uns am Eingang eines Bankgebäudes fest. In den Niederlanden blockierten wir verschiedene Einrichtungen in Den Haag. In Österreich blockierten wir Straßen. In Chile legten wir uns auf die Straße. In Ghana signalisierten wir den Klimaalarm mit einem Pfeifkonzert.
In Großbritannien blockierten wir fünf symbolträchtige Orte in der Londoner Innenstadt: Oxford Circus, Marble Arch, Waterloo Bridge, Piccadilly Circus und Parliament Square. Wir hielten die Straßensperren zehn Tage lang aufrecht und veranstalteten ein fortlaufendes Programm mit Reden, Diskussionen und öffentlichen Kundgebungen. Wir blockierten Erdölunternehmen und die Straßen um das Finanzministerium und klebten uns an der Londoner Börse fest. Dabei bemühten wir uns, Wirtschaftsabläufe zu stören, soweit wir nur konnten.
Am Ende der zweiwöchigen Aktionen waren über tausend Leute festgenommen worden.
Die Proteste hatten die Stadt zig Millionen Pfund gekostet und die ohnehin schon strapazierten Polizeikräfte völlig überlastet. Umgehend erhielten wir Einladungen, uns mit führenden Politikerinnen aller großen Parteien zu treffen, unter anderem mit dem Minister für Umwelt, Ernährung und den ländlichen Raum.
Am nächsten Tag erklärte Großbritannien als erstes Land den klimatischen und ökologischen Notstand.
Wir haben bereits einen erheblichen Umschwung der öffentlichen Meinung erlebt. Immer mehr Leute schließen sich dieser Bewegung an, da sie erkennen, dass die Klimakrise – und die damit verbundenen Krisen des Kapitalismus und Kolonialismus, die sie verursacht haben – nicht durch allmähliche Reformen und faule Kompromisse zu lösen sind. Diese Krise erfordert einen radikalen Systemwechsel in noch nie dagewesenem Ausmaß.
Extinction Rebellion ist eine dezentralisierte Massenbewegung besorgter Bürgerinnen. Sie steht allen offen, die sich gewaltfrei für die aktive Schwächung der Macht einsetzen und zu den von uns organisierten Aktionen stehen. Wir arbeiten auf eine Gesellschaft hin, die von Mitgefühl, Inklusion, Nachhaltigkeit, Gleichheit und Zusammenhalt geprägt ist, in der Kreativität Vorrang hat und die die Vielfalt unserer Gaben und Talente anerkennt, feiert und in ihrer Entfaltung fördert.
Wir sind der Ansicht, dass die Regierung den Ernst dieser Krise nicht erfasst hat. Daher sind wir überzeugt, dass wir nun radikale Maßnahmen ergreifen müssen, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimazusammenbruchs abzuschwächen und in diesem Prozess unsere zerrüttete Demokratie zu reformieren und auszuweiten. Unsere drei Hauptforderungen lauten:
Die Regierung muss die Wahrheit sagen, indem sie einen klimatischen und ökologischen Notstand erklärt und in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen die Dringlichkeit eines Wandels vermittelt.
Die Regierung muss umgehend handeln, um den Verlust der Artenvielfalt zu stoppen und die Treibhausgasemissionen bis 2025 auf null zu reduzieren.
Die Regierung muss eine Bürgerversammlung für Klima- und Ökogerechtigkeit schaffen und sich von deren Beschlüssen leiten lassen.
In Einklang mit unserem dezentralisierten Organisationssystem haben verschiedene internationale Gruppen diese Forderungen übernommen. Die Taktiken, die wir in Großbritannien oder den Vereinigten Staaten anwenden, sind in anderen Ländern, besonders in solchen mit repressiven Regimen oder Diktaturen, nicht immer eine effektive oder sichere Strategie.
Die Mehrheit der Welt braucht von uns keine Lektionen. Sie steht seit Jahrhunderten an der Frontlinie dieses Kampfes, und wir maßen uns nicht an, ihr zu sagen, wie sie eine Rebellion gestalten soll. Wir handeln solidarisch mit ihr und ihrem Kampf und verneigen uns von ihrer Erfahrung und Klugheit. Schließlich ist dies eine Bewegung, die von indigenen Gemeinschaften und der Bevölkerung der Mehrheitswelt angeführt wird, von Frauen, Kindern und People of Colour, von den Menschen, die am stärksten von dieser Krise in Mitleidenschaft gezogen werden – die gegenwärtig vertrieben werden, sterben und uns seit Jahren zu warnen versuchen.
Uns ist klar, dass Extinction Rebellion lediglich ein möglicher Ausdruck eines Gefühls ist, das Menschen auf der ganzen Welt empfinden. Wir verstehen uns als ein Zweig einer erheblich größeren, stärkeren und klügeren Bewegung.
Die Zukunft wird nicht so aussehen wie die Gegenwart. Das wissen wir mit Sicherheit. Die Rebellion wird nicht unter einem Banner oder einer einzigen Parole stattfinden. Die Zukunft wird bescheiden aussehen. Denn wenn dies funktionieren soll, müssen wir alle zusammenarbeiten. Schließlich sind wir mit einem beispiellosen globalen Notstand konfrontiert, und unsere Regierungen haben völlig darin versagt, uns zu beschützen. Um zu überleben, brauchen wir alles, was wir haben. Und alle, die wir kennen.
Die Herausforderung, vor der wir gegenwärtig stehen, ist enorm einschüchternd. Denn das Problem besteht leider nicht nur im Klima, sondern in der Ökologie. Das Problem ist die Umwelt, die Artenvielfalt. Es ist der Kapitalismus, der Kolonialismus, es sind die Machtverhältnisse, die Ungleichheit, die Gier, die Korruption, das Geld und dieses erschöpfte, kaputte System.
Das Problem ist unsere völlige, äußerste Unfähigkeit, uns eine sinnvolle Alternative auch nur vorzustellen.
Vielleicht trägt dieses Buch ja dazu bei, das zu ändern. Wir müssen die Welt renaturieren, das liegt auf der Hand. Aber zunächst müssen wir unsere Vorstellungskraft renaturieren und wieder lernen zu träumen, und zwar alle gemeinsam. Wir müssen die alten Denkweisen überwinden und über unsere gegenwärtigen Vorstellungen, was möglich ist und was nicht, hinausgehen.
Dieses Buch ist als Handbuch gedacht, dass ihr bei euch tragt, das euch helfen, informieren und zum Handeln befähigen will. Ein Buch, das euch dazu bewegt, euch der Rebellion in jeder für euch sinnvollen Weise anzuschließen.
Im ersten Teil dieses Buches geht es darum, die Wahrheit zu sagen: Er beschreibt den Ernst der Lage und die Auswirkungen des Klimazusammenbruchs in allen Details. Er schildert die Fakten ungeschminkt, präsentiert Berichte von der Frontlinie des Klimawandels und bemüht sich, Jahrzehnte der Verleugnung zu analysieren. Er befasst sich mit den psychologischen Folgeschäden der Klimakrise und der Rolle von Liebe, Kummer und Courage für die Suche nach einem Ausweg aus den Trümmern. Im zweiten Teil geht es um Aktionen: Er gibt praktische Anleitungen, was nun zu tun ist und wie wir reagieren sollten. Er gibt Aktivistinnen Instrumente an die Hand und zeigt auf, was als Nächstes passiert.
Wir wissen, dass dieses Buch für manche eine schwierige Lektüre sein dürfte. Einige werden sich anschließend vielleicht traurig, leer, schuldig, wütend, verängstigt oder wie betäubt fühlen. Aber letztlich geht es in diesem Buch um Liebe. Um die Liebe, die wir für die Menschheit und für unseren Planeten empfinden sollten.
Um die Liebe, die uns gegenwärtig fehlt. Und um die Liebe, die wir dringend brauchen.
In Liebe und Frieden. Rebelliert fürs Leben.
Sina Kamala Kaufmann
»Die beste Waffe gegen Aktivismus ist den Menschen einzureden, sie seien unbedeutend, im Sinne von: ›das ändert sowieso nichts!‹ dann stehen sie nicht auf und man kann weitermachen mit business as usual.«
Alexandria Ocasio-Cortez, US-Demokratin, im Gespräch mit Greta Thunberg
Was Sie hier in den Händen halten ist kein gewöhnliches Buch – es ist Aktivismus. Innerhalb von wenigen Wochen haben wir dieses Handbuch für den deutschsprachigen Raum zusammengestellt, um Zugang zu einer Bewegung zu gewähren, die gerade erst beginnt. Sie beginnt neu mit jedem Menschen, der sich von unserem entschlossenen Eintreten für unser Überleben und die Demokratie inspirieren lässt. Und darin verbirgt sich ein kollektives emanzipatorisches Ideal: ein inklusives Wir*, wir alle! Denn niemand verfolgt wohl ernsthaft das Ziel, die Menschheit oder das Leben auf diesem Planeten zu zerstören. Insofern liegt in diesem inklusiven Wir* die ganze Hoffnung, Menschenliebe, Opferbereitschaft und Gewaltfreiheit, die unserem Handeln zugrunde liegt.
Unsere Macht liegt zunächst darin, unsere Aufmerksamkeit zu lenken – das ist die große Freiheit, die große Herausforderung. Wem oder was wir unsere Energie und bewusste Aufmerksamkeit widmen, ist das Geschenk, das wir einander machen können. In vielen Beiträgen dieses Buches wird diese Art Aufmerksamkeit »Liebe« genannt – als Aufgabe und Grundlage mitfühlenden Handelns, mit der Offenheit sich stets zu erweitern.
Sich vom Hass auf sich selbst, auf seine Zeitgenossen oder von Desillusionierung mitreißen zu lassen, ist zu einfach. Wir sollten uns nicht von einem vereinfachten Menschenbild verführen lassen, indem wir uns unseren negativen Anteilen ausliefern, indem wir uns ohnmächtig, hilflos und schuldig fühlen. Wir* sind verantwortlich!
Die Demokratie ist ein Kampf mit Wörtern, um Worte, um Deutungshoheit, ein Kampf um Glaubwürdigkeit und Vertrauen.
Der globale Markt hat keine Hände und schon gar keine magischen. Es ist unsere Vorstellungskraft, unser Glaube an die positiven Potentiale. Indem wir üben, diese Potentiale wahrzunehmen und wider alle toxischen Strukturen zu bestärken, verhelfen wir ihnen dazu, Realität zu werden. Die Zukunft ist offen und wenn sie es nicht ist, dann ist es unsere Aufgabe, sie zu öffnen. Unsere Zukunft ist nur dann besiegelt, verkauft oder bereits festgeschrieben, wenn wir das akzeptieren, wenn wir weiter jene Spiele mitspielen, von denen wir bereits wissen, wohin sie uns führen. Wir können die Spielregeln – unsere Gesetze und Systeme der sozialen Anerkennung – verändern!
Haben wir mit der globalen Ermächtigung des freien Marktes etwa versucht, die Evolution nachzubilden? Haben wir uns, als Menschen, angemaßt, uns über uns selbst zu erheben? Haben wir angenommen, ein System schaffen zu können, das uns die Selbstbeschränkung abnimmt? Uns von Ziel- und Wertesetzungen befreit? Ein System, das sich selbst reguliert? Was uns befreit von Verantwortung? Haben wir angenommen, eine in uns vorhandene Zweckrationalität – im Wettbewerb der individuellen Freiheit – würde uns erlösen? Wie naiv! Und faul. Aber zugegeben: raffiniert.
Survival of the fittest. Das Überleben des Anpassungsfähigsten.
Wir sind wohl Teil der Evolution, ihr zu entkommen, sie auszutricksen, indem wir uns bemühen sie nachzubauen – damit sind wir gescheitert. Nicht weniger als die Herausforderung, uns und unsere Freiheit neu zu organisieren, liegt vor uns.
Extinction Rebellion versammelt viele unterschiedliche Stimmen, die in der Überzeugung verbunden sind, dass wir so nicht weitermachen können. Es ist Zeit, alle unsere Routinen zu hinterfragen und vernünftig, demokratisch Wege zu finden radikal umzusteuern, um das von uns ausgelöste massenhafte Artensterben aufzuhalten und uns für eine Zukunft bereit zu machen, in der wir überleben können. Wir sind Teil eines toxischen Systems, das es nun gilt behutsam, kreativ aber entschlossen umzugestalten.
Mit diesem Buch möchten wir Raum für neue Optionen öffnen – in Herzen und Köpfen – und inspirieren, gegen den toxischen Sachzwang zu rebellieren wo und wie immer es Ihnen je möglich ist. Trauen Sie sich, traut euch, die Zeiten stehen gut.
Wir* sehen uns – auf der Straße!
Farhana Yamin
Am gegenwärtigen Punkt der Menschheitsgeschichte haben wir die Wahl zwischen drei Möglichkeiten: sterben, überleben oder aufblühen.
Von den Waldbränden in den USA über das Korallensterben in den Tropen bis hin zu den tödlichen Hurrikans, die über kleine Inseln hinwegfegen, sind die Zeichen kristallklar: Die Klimakatastrophe ist bereits da. Die ärmsten Menschen der Welt und die indigenen Gemeinschaften stehen an vorderster Front. Sie tragen die Hauptlast des sechsten massenhaften Artensterbens, das derzeit stattfindet, weil ihre Wälder, Feuchtgebiete und andere naturbelassene Landschaften in Betonstädte, Stauseen und Sojafelder umgewandelt werden.
Ich habe mich Extinction Rebellion angeschlossen, um gegen die Klimakatastrophe und den ökologischen Notstand zu kämpfen, mit dem wir uns derzeit konfrontiert sehen – einem Notstand, der die Grundvoraussetzungen allen Lebens auf der Erde bedroht. Ich bin seit dreißig Jahren Umweltanwältin und arbeite an der Entwicklung neuer Abkommen, EU-Vereinbarungen und nationaler Gesetze, die darauf abzielen, eine Situation wie die, in der wir uns nun befinden, zu verhindern. Leider weiß ich, dass die Katastrophe sich nicht dadurch abwenden lässt, dass Staaten schwache Übereinkünfte und freiwillige Vereinbarungen mit den größten Umweltverschmutzern der Erde treffen. Und ebenso wenig lässt sie sich abwenden, indem man an Kohlenstoffmärkten herumdoktert, denen Lobbyisten der fossilen Brennstoffindustrie jegliche Klimaambitionen genommen haben. Wir müssen unsere politischen Systeme so reformieren, dass der Zugang der Großkonzerne zur Regierung eingeschränkt wird. Wir brauchen Bürgerinnenversammlungen, die es gewöhnlichen Bürgerinnen ermöglichen, auf der Basis unabhängiger wissenschaftlicher Empfehlungen über Umfang und Geschwindigkeit des Wandels zu entscheiden.
Wir brauchen Gesetze, die Ökozid verhindern – also die Vernichtung von Insekten, Pflanzen und Ökosystemen, die die Menschheit für Nahrung, Bestäubung, sauberes Wasser und gesunde Meere braucht. Alle Parlamente auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene müssen einen Klima- und Umweltnotstand ausrufen, wie es 91 Volksvertretungen in Großbritannien getan haben, darunter London und das britische Parlament, und sie müssen anfangen, Ressourcen anders zu verteilen.
Die Wahrheit ist, dass Politikerinnen und mächtige Eliten, die vom business as usual profitieren, ihre destruktiven Praktiken nicht einstellen und ihre Kontrolle über die finanziellen und ökonomischen Hebel nicht lockern werden. Sie werden weiterhin Subventionen für fossile Brennstoffe fordern. Nach offiziellen Schätzungen belief sich die finanzielle Unterstützung für fossile Brennstoffe von 2010 bis 2015 auf 370 bis 620 Milliarden US-Dollar, wobei Großbritannien jährlich 10,5 Milliarden Pfund und damit innerhalb der EU die meisten Subventionen für fossile Brennstoffe aufwendete. Sie fordern, dass wir ihr ungehindertes Recht anerkennen, weiterhin neue Kohlebergwerke und Fracking zu finanzieren und Gas- und Ölreserven selbst in den letzten verbliebenen Flecken unberührter Natur auf der Erde zu erschließen. Wir müssen darauf drängen, dass unsere Regierungen Menschenrechte und Ökosysteme unter gesetzlichen Schutz stellen und sie endlich ins Zentrum unserer rechtlichen, politischen und ökonomischen Systeme rücken.
Die herkömmliche Politik lässt uns im Stich. Sie hat den ganzen Planeten an den Rand einer ökologischen Katastrophe gebracht. Wir können nicht auf die unzulänglichen rechtlichen Mittel der vergangenen dreißig Jahre setzen und denen vertrauen, die diese Krise zugelassen haben. Es ist notwendig, dass alle sich zusammenschließen – Linke, Rechte und jede politische Couleur dazwischen, und besonders junge Leute, von denen viele zu desillusioniert sind, um sich an Wahlen zu beteiligen, oder die ausgeschlossen sind, weil sie erst sechzehn Jahre alt sind. Es ist notwendig, dass alle sich massenhaft an zivilem Ungehorsam beteiligen, um auf der ganzen Welt eine neue politische Realität zu schaffen.
Das erreichen wir jedoch nicht, wenn wir uns in einzelnen Lagern abschotten. Wir brauchen eine movement of movements
