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Einfach zu gesunden Blutzuckerwerten und stabilem Stoffwechsel
Ihr Gesundheits-Check weist zu hohe Blutzuckerwerte aus und Ihr Arzt will das beobachten? Oder sind bereits die Begriffe Prädiabetes oder beginnender Diabetes gefallen? Dann liegen Sie mit diesem Ratgeber richtig. Denn das 4-Wochenprogramm ermöglicht die Kehrtwende zurück zu einem gesunden Stoffwechsel – ohne die Sorge vor Diabetes. Bereits früh aktiv zu werden lohnt sich! Denn Insulinresistenz und hohe Blutzuckerwerte richten schon frühzeitig massiven Schaden an Nervenzellen und Blutgefäßen an – Herz, Gehirn, Augen und Nieren sind in Gefahr.
Reißen Sie das Ruder rum!
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 173
Veröffentlichungsjahr: 2025
Prof. Dr. med. Karsten Müssig, Marlen Harms, Andrea Stallmann
1. Auflage 2026
35 Abbildungen
Liebe Leserin, lieber Leser,wenn es um die eigene Gesundheit geht, darf man nichts dem Zufall überlassen. »Für eine bessere Medizin und mehr Gesundheit im Leben«: So lautet das Qualitätsversprechen der Marke Thieme. Ärztlich Tätige, Pflegekräfte, Physiotherapeuten oder Hebammen – sie alle verlassen sich darauf, dass sie von Thieme, dem führenden Anbieter von medizinischen Fachinformationen und Services, die entscheidenden Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort bekommen. So können sie die Menschen, die sich ihnen anvertrauen, bestmöglich unterstützen. Auch Sie können sich auf die TRIAS Ratgeber mit dem Thieme Qualitätssiegel verlassen! Diese Informationsangebote helfen Ihnen dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen, wenn es um Ihre Gesundheit geht, selbst daran mitzuwirken, gesund zu werden, sich gesund zu erhalten oder das Fortschreiten einer Erkrankung zu vermeiden. Mit einem TRIAS Titel aus dem Hause Thieme überlassen Sie Ihre Gesundheit nicht dem Zufall!Ihr TRIAS Team
Diabetes betrifft in Deutschland bereits mehr als neun Millionen Erwachsene – das heißt: Jeder zehnte Mensch ist betroffen. In den meisten Fällen handelt es sich um einen Typ-2-Diabetes, der eng mit unserem modernen Lebensstil zusammenhängt. Bewegungsmangel, unausgewogene Ernährung und das daraus resultierende Übergewicht sind häufige Auslöser. Besonders alarmierend: Jedes Jahr wächst die Zahl der Betroffenen um eine halbe Million.
Oft beginnt alles schleichend – mit einem sogenannten Prädiabetes. Rund 40 % der Erwachsenen sind davon betroffen, meist ohne es zu wissen. Denn: Symptome gibt es selten, doch im Körper laufen bereits Prozesse ab, die langfristig zu ernsten Folgeerkrankungen führen können – insbesondere am Herz-Kreislauf-System. Früh zu handeln lohnt sich daher: Durch gezielte Veränderungen im Alltag lässt sich der Stoffwechsel normalisieren – und ein Fortschreiten zum Typ-2-Diabetes verhindern.
In diesem Ratgeber möchten wir Ihnen zeigen, was genau bei einer Insulinresistenz im Körper geschieht, wie man ein erhöhtes Risiko erkennt – und was Sie aktiv tun können, um gegenzusteuern. Unser 4-Wochen-Programm unterstützt Sie dabei, Schritt für Schritt neue, gesunde Gewohnheiten zu entwickeln – mit alltagstauglichen Rezepten, die nicht nur guttun, sondern auch gut schmecken. Und Sie werden erleben: Bewegung kann Freude machen – besonders, wenn man sie gemeinsam erlebt.
Machen Sie den ersten Schritt – für Ihre Gesundheit. Wir begleiten Sie dabei.
Titelei
Liebe Leserinnen und liebe Leser,
Prädiabetes & Insulinresistenz – die Grundlagen
Prädiabetes: Was ist das eigentlich?
Ganz ohne Definitionen geht es nicht
Machen Sie sich Ihr Prädiabetes-Risiko bewusst
Prädiabetes – die unterschätzte Gefahr
Prädiabetes – inzwischen eine Pandemie
Risikofaktoren für den Prädiabetes
Gehäufte Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bereits bei Prädiabetes erhöht
Auch die kleineren Blutgefäße sind betroffen
Wie entsteht Prädiabetes?
Wie wird der Blutzucker normalerweise reguliert?
Insulin lässt die Glukose in die Zellen
Zusammenhang von Insulinsensitivität und -sekretion
Folgen der Insulinresistenz
Insulinresistenz entwickelt sich über Jahre
Die verschiedenen Diabetestypen
Risikofaktoren für einen Typ-2-Diabetes
Bestimmen Sie Ihr Diabetesrisiko
Grundlagen der Behandlung des Typ-2-Diabetes
Ozempic und Oatzempic
Was Sie selbst tun können
Lebensstiländerung verhindert Diabetes
Welche Ernährung empfehlen die Fachgesellschaften?
Die Stellschrauben zurück zur Gesundheit
Die Chance, das Ruder herumzureißen
Stellschraube Ernährung
Der gesunde Teller
Der gesunde Teller als Leitfaden
Stellschraube Bewegung
Was passiert bei körperlicher Aktivität im Körper?
Auswirkungen körperlicher Inaktivität
Was passiert im Körper beim Sitzen?
Unsere Bewegung
Stellschraube Stressmanagement
Dauerstress
Stellschraube Gewohnheiten
Der Einfluss von Rauchen auf den Blutzucker
Alkohol als Risikofaktor
Die Bedeutung des Schlafs
Das 4-Wochen-Programm – los geht’s!
Hilfreiche Anregungen, bevor es richtig losgeht
Setzen Sie sich SMARTE Ziele
Spezifisch: Was wollen Sie wirklich erreichen?
Messbar: Wie können Sie Ihren Fortschritt verfolgen?
Attraktiv: Warum ist dieses Ziel für Sie wichtig?
Realistisch: Ist das Ziel erreichbar?
Terminiert: Bis wann möchten Sie Ihr Ziel erreichen?
Die WOOP-Methode
Wunsch (Wish)
Ergebnis (Outcome)
Hindernis (Obstacle)
Plan (Plan)
Ihr persönliches Gewohnheits-Protokoll
Woche 1: Selbstreflexion & Struktur schaffen
Mahlzeitenstruktur
1. Struktur und Regelmäßigkeit schaffen
2. Achtsamkeit beim Essen
3. Planung als Schlüssel zum Erfolg
4. Augen auf bei der Getränkeauswahl
5. Motivation und Ausblick
Die Signale unseres Körpers bei Prädiabetes
Was ist eigentlich Hunger?
Was ist eigentlich Appetit?
Warum ist der Unterschied so wichtig?
Was ist eigentlich Sättigung?
Warum ist der Unterschied so wichtig?
Bewegung: Snacks mit großer Wirkung
Der rote Faden – Bewegungsanker am Arbeitsplatz
»Dynamisches Sitzen« statt »stilles Sitzen«!
Wochenaufgabe: Selbstreflexion & Struktur schaffen
Teil 1: Struktur im Alltag verbessern
Teil 2: Selbstreflexion – bewusste Wahrnehmung stärken
Wochenaufgabe: Bewegungs-Snacks
Teil 3: Bewusst aktiv werden mit der WOOP-Methode
Rückblick – Reflexion
Woche 2: Blutzucker stabilisieren
Kohlenhydrate – Freund oder Feind?
Einfache Kohlenhydrate – die schnellen Zuckerlieferanten
Komplexe Kohlenhydrate – die langsamen Energielieferanten
Kohlenhydrate und ihre Resorptionsgeschwindigkeit
Ballaststoffe – die unscheinbaren Helfer
Ballaststoffe – kein Ballast, sondern Schlüssel zur Gesundheit
Fazit: Ballaststoffe – ein Segen für Ihre Gesundheit
Bewegung: Ausdauertraining
Der »Was passt zu mir?«-Fragebogen
Das richtige Maß: moderates Training
Wochenaufgabe: Blutzucker stabilisieren
Teil 1: Blick in das Protokoll
Teil 2: Schrittweise Umsetzung
Wochenaufgabe: Ausdauertraining
Teil 3: Bewusst aktiv werden mit der WOOP-Methode
Rückblick – Reflexion
Woche 3: Eiweißtrick & Ölwechsel
Der Eiweißtrick
Eiweiß und Prädiabetes
Ölwechsel – die Kraft der richtigen Fette nutzen
Gute Fette als Schutzschild
So gelingt der »Ölwechsel« in Ihrer Küche
Bewegung: Krafttraining
Wochenaufgabe: Eiweißtrick & Ölwechsel
Teil 1: Blick in das Protokoll
Teil 2: Schrittweise Umsetzung
Wochenaufgabe: Krafttraining
Teil 3: Bewusst aktiv werden mit der WOOP-Methode
Rückblick – Reflexion
Woche 4: Genuss mit Balance
Bewusste Entscheidungen statt Verbote
Die 80-20-Regel
Bewegung: Beweglichkeits- und Koordinationstraining
Ein paar Übungen
Wochenaufgabe: Genuss mit Balance
Teil 1: Blick in das Protokoll
Teil 2: Schrittweise Umsetzung
Wochenaufgabe: mobil und koordiniert
Teil 3: Bewusst aktiv werden mit der WOOP-Methode
Rückblick – Reflexion
Rezepte
Willkommen im Rezeptteil!
Frühstück – ein gesunder Start in den Tag
Dips & Aufstriche – vielseitig, gesund und praktisch!
Salate – bunt, nährstoffreich und vielfältig!
Meal-Prep – einmal zubereiten, mehrmals genießen
Suppen – herzhaft, gesund und immer passend
Herzhafte Gerichte – von Beilagen bis zu Hauptgerichten
Snacks – kleine Happen, großer Genuss
Süßes – gesund genießen
Service
Literatur
Wichtige Kennzahlen bei Prädiabetes im Blick behalten:
Sachverzeichnis
Impressum
Impressum
Verstehen, was im Körper passiert: In diesem Buchteil erfahren Sie, wie Prädiabetes und Insulinresistenz entstehen – und warum frühes Handeln so wichtig ist. Lernen Sie, Warnsignale zu erkennen und aktiv gegenzusteuern.
Prädiabetes ist mehr als nur ein leicht erhöhter Blutzucker – es ist ein Warnsignal des Körpers. Dieses Kapitel erklärt, was genau der Begriff bedeutet und warum ein Prädiabetes ernst genommen werden sollte.
Der Begriff Prädiabetes ist Ihnen möglicherweise beim Lesen von Zeitschriften oder Internetbeiträgen untergekommen und Sie haben sich gefragt, was damit eigentlich gemeint ist. Prädiabetes stellt eine vielfach unerkannte Vorstufe des Typ-2-Diabetes dar. Aber manche Experten sind nicht glücklich mit diesem Begriff, da nicht alle Menschen mit Prädiabetes automatisch auch an Diabetes erkranken werden, auch wenn sie ein erhöhtes Diabetesrisiko aufweisen. Tatsächlich handelt es sich nicht um eine Einbahnstraße, vielmehr ist jederzeit der Weg zurück zu einem gesunden Stoffwechsel möglich, wie wir Ihnen in diesem Buch aufzeigen möchten.
Aber noch einmal zurück zur Definition des Prädiabetes. Bei dieser Stoffwechselstörung sind die Blutzuckerwerte bereits erhöht, aber eben noch nicht so hoch, dass sich die Diagnose eines Diabetes stellen ließe. Aber welche Werte werden zur Beurteilung des Zuckerstoffwechsels herangezogen?
Es sind – wie immer – aller guten Dinge drei:
der Nüchternblutzucker, also der Blutzucker, der am Morgen vor dem Frühstücken gemessen wird, nachdem Sie über acht Stunden keine Nahrung zu sich genommen haben
der 2-Stunden-Blutzuckerwert im sogenannten oralen Glukosetoleranztest, einem Zuckerbelastungstest
der Langzeitblutzuckerwert, das glykosylierte Hämoglobin, oder kurz HbA1c
Wie sollten die Werte sein, damit ein Prädiabetes festgestellt wird? Und wie sind die Werte beim Diabetes? Zur besseren Übersicht sind die auffälligen Werte beim Prädiabetes und Diabetes den Werten eines stoffwechselgesunden Menschen in der nachfolgenden Tabelle gegenübergestellt.
Laborwerte bei Prädiabetes und Diabetes
Nüchternblutzucker
oGTT 2-Stunden-Blutzucker
HbA1c
normal
< 100 mg/dl (< 5,6 mmol/l)
< 140 mg/dl (< 7,8 mmol/l)
< 5,7 % (< 39 mmol/mol)
Prädiabetes
100–125 mg/dl (5,6–6,9 mmol/l)
140–199 mg/dl (7,8–11,0 mmol/l)
5,7–6,4 % (39–47 mmol/mol)
Diabetes
≥ 126 mg/dl (≥7,0 mmol/l)
≥ 200 mg/dl (≥ 11,1 mmol/l)
≥ 6,5 % (≥ 48 mmol/mol)
Um Sie auch mit weiteren Begrifflichkeiten, die aus den auffälligen Werten resultieren und die Ihnen in Beiträgen zum Glukosestoffwechsel begegnen können, vertraut zu machen, hier noch wenige Definitionen:
Ein erhöhter Nüchternblutzucker wird auch als gestörte Nüchternglukose oder im Englischen auch als impaired fasting glucose (IFG) bezeichnet. Hingegen spricht man im Falle eines erhöhten 2-Stunden-Blutzuckers im Zuckerbelastungstest von einer gestörten Glukosetoleranz oder im Englischen von impaired glucose tolerance (IGT).
Wichtig zu wissen ist, dass bei Vorliegen eines Prädiabetes nicht alle Werte auffällig sein müssen. So kann beispielsweise bei manchen der HbA1c-Wert im Prädiabetesbereich liegen, der Nüchternblutzucker aber normal sein. Wenn der erste Screening-Test normale Ergebnisse liefert, aber der Verdacht auf Prädiabetes bei Ihnen groß ist, kann es daher sinnvoll sein, zu einem anderen Screening-Test zu wechseln oder den ersten Test – auch innerhalb eines Jahres – zu wiederholen.
Oraler Glukosetoleranztest (oGTT): Im oGTT nimmt der Patient im nüchternen Zustand eine Lösung zu sich, die 75 g Glukose (Traubenzucker) enthält. Vor der Einnahme und zwei Stunden danach wird der Blutzucker bestimmt.
Glykiertes Hämoglobin (HbA1c): Das HbA1c zeigt an, wie hoch der Blutzucker in den vergangenen 8–12 Wochen war. Es ist der Anteil des roten Blutfarbstoffes in den roten Blutkörperchen, bei dem Glukose an eine bestimmte Aminogruppe des unveränderten Hämoglobins gebunden wird.
Egal welche Screening-Methode Sie verwenden, einmal diagnostiziert, können Sie, um Ihr erhöhtes Diabetesrisiko wissend, dem Prädiabetes auf die Pelle rücken. Und dabei sind vor allem zwei Faktoren wichtig: eine ausgewogene Ernährung – was damit gemeint ist , werden wir Ihnen in diesem Buch nahebringen – und regelmäßige körperliche Bewegung – auch dieser werden wir uns widmen. So können Sie die Entstehung eines Typ-2-Diabetes hinauszögern oder im besten Falle ganz verhindern. Auch reduzieren Sie damit Ihr Risiko für Folgeerkrankungen des Diabetes, wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Das Wichtigste in Kürze:
Prädiabetes ist eine Vorstufe des Typ-2-Diabetes.
Die Blutzuckerwerte sind erhöht, ohne dass die Kriterien für einen Diabetes vorliegen:
Nüchternblutzucker: 100–125 mg/dl (5,6–6,9 mmol/l)
2-Stunden-Blutzucker: 140–199 mg/dl (7,8–11,0 mmol/l)
Langzeitblutzucker HbA1c: 5,7–6,4 % (39–47 mmol/mol Hb)
Nur ein Kriterium muss zur Diagnose vorliegen.
Prädiabetes ist oft der stille Vorbote für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hier erfahren Sie, wie die Prozesse im Körper aus dem Gleichgewicht geraten – oft lange, bevor erste Symptome spürbar werden.
Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit bis zum Jahr 2030 fast 500 Millionen Menschen einen Prädiabetes haben werden. Eine ungeheure Zahl, bedenkt man, dass dies der Zahl der Menschen entspricht, die in den Ländern der Europäischen Union leben. Wobei viele Betroffene gar nicht wissen, dass bei ihnen ein Prädiabetes besteht. So weiß von den fast 100 Millionen Erwachsenen mit Prädiabetes in den USA – dies entspricht fast 40 % der erwachsenen Bevölkerung – jeder Fünfte nichts von seinem Zustand.
Merke: 20 % der Menschen mit Prädiabetes wissen nicht um ihr erhöhtes Risiko.
Jetzt könnte man meinen, dass sich das Problem auf die USA beschränkt und in Deutschland alles viel besser ist, aber weit gefehlt. In Deutschland finden sich ähnlich hohe Prädiabetes-Häufigkeiten, mit allerdings erheblichen regionalen Unterschieden. Ist in Nordostdeutschland fast jeder Zweite betroffen, so ist es in Süddeutschland »nur« etwa jeder Dritte.
Ähnlich wie beim Typ-2-Diabetes besteht bei der Prädiabetes-Häufigkeit eine starke Abhängigkeit vom Alter und die Zahl der Betroffenen steigt mit zunehmendem Lebensalter an. So klettert die Prädiabetes-Häufigkeit vom mittleren Erwachsenenalter hin zum höheren Erwachsenenalter fast auf das Vierfache. Weitere wichtige Risikofaktoren sind Übergewicht und Adipositas (insbesondere die bauchbetonte Adipositas), Bewegungsarmut, erstgradige Verwandte mit Typ-2-Diabetes, Schwangerschaftsdiabetes, Polyzystisches Ovarialsyndrom, Schlafapnoe-Syndrom (bei dem es zu nächtlichen Atemaussetzern kommt) und Nachtarbeit.
Aber wie hoch ist denn nun das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, wenn bei Ihnen ein Prädiabetes festgestellt wurde? Es ist davon auszugehen, dass jährlich etwa jeder zehnte Mensch mit Prädiabetes an Typ-2-Diabetes erkranken wird.
Risikofaktoren für Prädiabetes
Übergewicht und Adipositas
familiäre Veranlagung
Bewegungsmangel
ungünstige Ernährungsweise
vorangegangener Schwangerschaftsdiabetes
höheres Lebensalter
Dass Menschen mit Typ-2-Diabetes häufiger von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen sind, ist allgemein bekannt. Ihr Risiko für Krankheiten wie Arteriosklerose der Herzkranzgefäße, Herzinfarkt, Schlaganfall, Vorhofflimmern, Herzschwäche und die Schaufensterkrankheit ist etwa doppelt so hoch wie bei Menschen mit normalen Blutzuckerwerten. Der Grund dafür ist, dass sie nicht nur erhöhte Blutzuckerwerte haben, sondern auch zwei- bis dreimal so häufig weitere Risikofaktoren für Herz- und Gefäßerkrankungen aufweisen. Dazu gehören insbesondere Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Übergewicht.
Hingegen ist viel weniger bekannt, dass auch Menschen mit Prädiabetes im Vergleich zu Menschen mit normalen Blutzuckerwerten früher versterben und häufiger an Herz- und Gefäßerkrankungen leiden. Oft werden die Organschäden von den Betroffenen nicht wahrgenommen. Aber auch solche Herz- und Gefäßerkrankungen, die bereits diagnostiziert wurden, treten bei Menschen mit Prädiabetes häufiger auf als bei Stoffwechselgesunden. Die beim Prädiabetes leicht erhöhten Blutzuckerwerte können sich bei Menschen mit einer entsprechenden Veranlagung ungünstig auf das Herz-Kreislauf-System auswirken. Darüber hinaus sind Risikofaktoren, die das Herz und das Gefäßsystem betreffen, bei Menschen mit Prädiabetes um 50 % häufiger als bei Menschen mit normalen Blutzuckerwerten.
Menschen mit Prädiabetes weisen aber nicht nur ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen der großen Blutgefäße, die als Makroangiopathien bezeichnet werden, sondern auch der kleineren Blutgefäße auf, die als Mikroangiopathien bezeichnet werden. Zu den Diabeteskomplikationen, die die kleineren Blutgefäße betreffen, zählen Schäden an der Netzhaut (diabetische Retinopathie), an den Nieren (diabetische Nephropathie) sowie an den Nerven (diabetische Neuropathie).
Diabetische Retinopathie: Durch Diabetes verursachte Netzhautschäden sind die dritthäufigste Erblindungsursache in Deutschland und sogar die häufigste bei Menschen zwischen 40 und 80 Jahren.
Eine diabetische Netzhauterkrankung liegt bereits bei jedem zehnten Menschen mit Prädiabetes vor. Die Häufigkeit der diabetischen Netzhauterkrankung bei Menschen mit Prädiabetes steigt linear mit dem HbA1c an und verdoppelt sich von einem normalen HbA1c von < 5,7 % zu einem leicht erhöhten HbA1c von 6,0–6,4 %.
Diabetische Nephropathie: Die diabetische Nierenerkrankung stellt weltweit die häufigste Ursache für ein dialysepflichtiges Nierenversagen dar. Aber nicht nur der Diabetes, sondern bereits der Prädiabetes ist ein starker Risikofaktor für eine chronische Nierenerkrankung, unabhängig von möglichen anderen Risikofaktoren.
Menschen mit Prädiabetes erkranken doppelt so oft an einer chronischen Nierenerkrankung wie Stoffwechselgesunde.
Diabetische Neuropathie: Die diabetische Nervenerkrankung stellt die häufigste Ursache für Amputationen an den Beinen dar. Lange Zeit galt die diabetische Nervenerkrankung als Spätkomplikation des Diabetes. Inzwischen wissen wir, dass es bereits beim Prädiabetes zu Nervenschädigungen kommt. Jeder vierte Mensch mit Prädiabetes hat eine diabetische Nervenerkrankung und jeder fünfte leidet unter Nervenschmerzen.
Die diabetische Nervenerkrankung ist auch die häufigste Komplikation bei einem neu diagnostizierten Diabetes.
Die Häufigkeit der diabetischen Nervenerkrankung steigt proportional zur Höhe der Blutzuckerwerte an – von Menschen mit normalem Blutzucker über Menschen mit Prädiabetes bis hin zu Menschen mit Diabetes. Eine diabetische Nervenerkrankung tritt häufiger auf, wenn sowohl die Nüchternglukose erhöht als auch die Glukosetoleranz vermindert ist – also die Blutzuckerwerte vor und nach dem Essen erhöht sind – als bei einer einzelnen dieser Veränderungen. Die erhöhte Sterblichkeit von Menschen mit Diabetes erklärt sich nicht allein durch Erkrankungen infolge von Veränderungen an den kleinen und großen Blutgefäßen, sondern auch durch das erhöhte Risiko für Krebserkrankungen. Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus leiden häufiger an bösartigen Erkrankungen, wie etwa der Bauchspeicheldrüse, der Leber, der Gallenblase, der Gallengänge, der Speiseröhre, des Magens und des Dickdarms. Auch erkranken sie früher und weisen geringere Überlebensraten als Menschen ohne Diabetes auf.
Menschen mit Typ-2-Diabetes sind zudem durch Beeinträchtigungen der Hirnleistungen und deren Verschlechterung im Alter gefährdet. So ist bei älteren Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes der Abbau wichtiger Hirnleistungen doppelt so stark wie bei Menschen mit normalem Blutzucker. Auch erkranken Menschen mit Typ-2-Diabetes doppelt so oft an Demenz und sie versterben früher, wenn sie bereits an Demenz erkrankt sind. Insbesondere die Typ-2-Diabetes-Diagnose in jüngeren Lebensjahren geht mit einem früheren Demenzbeginn und einem erhöhten Demenzrisiko einher.
Nicht nur Menschen mit Diabetes, sondern auch solche mit Prädiabetes weisen eine beschleunigte Alterung des Gehirns auf, insbesondere bei Vorliegen weiterer Risikofaktoren für Herz- und Gefäßerkrankungen.
Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stress: Viele Alltagsfaktoren beeinflussen unseren Stoffwechsel. Dieses Kapitel zeigt, wie Prädiabetes entsteht – und warum es keine »Schicksalsdiagnose« sein muss.
Bei stoffwechselgesunden Menschen ist der Blutzuckerspiegel in engen Grenzen reguliert. Der Nüchternblutzucker überschreitet normalerweise nicht 100 mg/dl (5,6 mmol/l).
An der Regulation des Kohlenhydratstoffwechsels sind vor allem die beiden Hormone Insulin und sein natürlicher Gegenspieler Glukagon beteiligt. Der Name Insulin ist auf das lateinische Wort »insula« (Insel) zurückzuführen, da Insulin in den nach dem Erstbeschreiber benannten Langerhansschen Inselzellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gebildet wird. Die Inselzellen gehören zum endokrinen, also hormonbildenden Anteil der Bauchspeicheldrüse und sind eingebettet in den exokrinen Anteil, in dem Verdauungsenzyme gebildet und in den Zwölffingerdarm (Duodenum) freigesetzt werden. Die Insulin-produzierenden Inselzellen werden auch als Beta-Zellen (β-Zellen) bezeichnet und machen mehr als zwei Drittel der Inselzellen aus. Hingegen wird Glukagon in den sogenannten Alpha-Zellen (α-Zellen) gebildet, die bis zu ein Fünftel der Inselzellen umfassen. Während Glukagon, im Falle eines zu niedrigen Blutzuckers, den Blutzuckerspiegel durch vermehrte Freisetzung der in der Leber gespeicherten Glukose ansteigen lässt, senkt Insulin als einziges Hormon den Blutzuckerspiegel ab. Aber wie genau kommt es dazu?
Aufbau der Bauspeicheldrüse.
Nach der Nahrungsaufnahme und der Aufspaltung der Nahrung in ihre Einzelbestandteile Fett, Eiweiß und einfache Kohlenhydrate steigt der Blutzucker an. Dieser Anstieg wird von den β-Zellen in den Langerhansschen Inseln über entsprechende Sensoren wahrgenommen. Daraufhin wird das schon vorher gebildete und in besonderen abgegrenzten Bereichen gelagerte Insulin vermehrt freigesetzt.
Insulin dockt dann an seine Rezeptoren an, die wie kleine Antennen an der Zelloberfläche verschiedener Gewebe (Skelettmuskel, Leber, Fettgewebe u. a.), gelegen sind. Durch diese Interaktion wird eine Signalkaskade in Gang gesetzt, die zur Folge hat, dass Glukosetransporter von dem Zellinnern an die äußere Zellmembran gebracht werden und Glukose in die Zelle aufgenommen wird. Hingegen ist das Gehirn autark, da Nervenzellen Glukose unabhängig von Insulin aufnehmen können. In den Zellen stellt Glukose als eine Art Treibstoff die Energie zur Verfügung, die die Zellen zur Aufrechterhaltung ihrer Funktion benötigen. Glukose, die die Körperzellen nicht sofort verbrauchen, wird in der Leber und in den Muskeln in Form von Glykogen, einem komplexen Kohlenhydrat, gespeichert. Überschüssige Glukose wird in Fett umgewandelt, was die Entwicklung von Übergewicht begünstigen kann.
Merke: Insulin ist mit einem Schlüssel vergleichbar, der die Zellen aufschließt, damit Glukose in die Zelle gelangen kann.
Entstehung von Prädiabetes und Typ-2-Diabetes.
Mit Insulinsensitivität ist die Insulinwirkung gemeint, also wie gut es Insulin gelingt, Glukose in die Zelle zu lassen. Hingegen versteht man unter Insulinsekretion die Fähigkeit der β-Zellen der Bauspeicheldrüse, Insulin freizusetzen. Zwischen Insulinsensitivität und -sekretion besteht ein antiproportionaler Zusammenhang: Je größer die Insulinsensitivität, desto geringer die Menge an Insulin, die benötigt wird, um nach einer Nahrungsaufnahme den Blutzucker wieder in den Normbereich zu bringen. Dies ist z. B. bei einem Menschen der Fall, der regelmäßig körperlich aktiv ist. Hingegen steigt mit abnehmender Insulinsensitivität der Bedarf an freizusetzendem Insulin nach Nahrungsaufnahme. Eine verminderte Insulinsensitivität liegt z. B. bei einem Menschen mit Adipositas vor.
Solange die β-Zellen in der Lage sind, die abnehmende Insulinsensitivität durch eine gesteigerte Insulinsekretion zu kompensieren, ist der Blutzucker normal (NGT). Nimmt jedoch die Fähigkeit zur Insulinproduktion ab, entstehen eine gestörte Nüchternglukose (IFG) und/oder eine gestörte Glukosetoleranz (IGT). In dem ersten Fall ist der Nüchternblutzucker erhöht und in dem zweiten Fall der Blutzucker nach einer Mahlzeit. Schreitet die Fehlfunktion der β-Zellen voran, entwickelt sich aus dem Ungleichgewicht zwischen Insulinwirkung (Insulinsensitivität) und Insulinfreisetzung (Insulinsekretion) ein Typ-2-Diabetes.
Merke: Im Falle einer herabgesetzten Insulinwirkung klemmt der Schlüssel und die Zellen lassen sich nicht ohne Weiteres aufschließen.
Inverser Zusammenhang zwischen Insulinsensitivität und Insulinsekretion.
Diesem Zustand, der auch als Insulinresistenz
