Warum das Sein so unerträglich sein kann - Uwe Trevisan - E-Book

Warum das Sein so unerträglich sein kann E-Book

Uwe Trevisan

0,0
7,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

In seinem Buch zeigt er auf, wie unser unbewusstes Denken unser Leben beeinflusst und dafür sorgt, dass wir unsere Dramen und Probleme im Alltag selbst

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 330

Veröffentlichungsjahr: 2013

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



DANKSAGUNG

Ich danke meiner lieben Mutter dafür, dass sie mir das Wichtigste gegeben hat: mein Leben. Weiterhin danke ich meinem Freund Michael Weisgerber für seine Anregungen und Inspirationen, dieses Buch zu schreiben. Ein ganz besonderer Dank gilt meiner geliebten Frau Maggy, die mich mit ihrer liebevollen und herzlichen Art immer wieder bei der Umsetzung unterstützt und motiviert hat.

Ich danke von Herzen allen, die mich beim Lektorat und bei den Korrekturen unterstützt haben. Einen speziellen Dank auch an Hanns-Friedrich Beckmann, der das Cover gestaltet und das Skript in die Buchform gebracht hat.

Danke an euch alle!

Von Herzen Uwe

Uwe Trevisan

Warum das Sein so unerträglich sein kann

Der Weg zur Freiheit und zum bewussten Leben

IMPRESSUM

© 2013 Uwe Trevisan

Herausgeber: Uwe Trevisan

Autor: Uwe Trevisan

Umschlagbild: ©peppi18, Gestaltung: Hanns-Friedrich Beckmann

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN: 978-3-8495-5042-4

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.deabrufbar.

VORWORT

Ich habe für dieses Buch die „Du-Form“ gewählt, weil es im Gegensatz zu der „Sie-Form“ persönlicher ist. Aus Respekt und Wertschätzung jedem einzelnen Leser gegenüber schreibe ich bewusst das „Du“ groß. Mit der „Du-Form“ will ich das Herz jedes einzelnen Lesers erreichen und ihn an meinen Gedanken und Gefühlen teilhaben lassen.

Ich beginne dieses Buch mit einem wichtigen Ausschnitt aus meinem Leben, um ein besseres Verständnis dafür aufzubauen, warum mein SEIN so unerträglich für mich war. Das ganze Buch ist mit meinen Erfahrungen und mit der persönlichen Note meines Lebens angereichert.

Die direkten Personennamen aus den Geschichten und Beispielen habe ich bewusst ausgelassen, um die Anonymität der jeweiligen Personen zu bewahren.

Ich erzähle oft von meinen „Teilnehmern“ – damit meine ich meine Teilnehmer aus den verschiedenen Ausbildungs- und Seminargruppen.

Alles, was ich hier schreibe, ist meine persönliche Erfahrung und Wahrnehmung.

Ich bin kein Gelehrter und habe auch nicht studiert. Allerdings hat ein weiser Mann einmal gesagt: „Geh’ mit den Fragen des Lebens nicht zu einem Gelehrten, sondern zu einem Erfahrenen“.

Ich lade dich dazu ein, herauszufinden, wer Du bist und wo Du in deinem Leben gerade wirklich stehst. Ich möchte dir zeigen, was alles dazu geführt hat, dass mein SEIN so unerträglich für mich war und wie ich die Fülle und Leichtigkeit im Leben gefunden habe. Meine Lösung war, dass ich mich selber gefunden habe, mit allem was in mir steckt und was ich heute bin.

Jeder Mensch geht seinen eigenen Weg. Und wie immer auch dein Lebensweg sein wird, eins ist klar: Du gehst ihn von hier aus los, in diesem Moment. „JETZT“.

Ich wünsche dir offene Augen und Ohren beim Lesen dieses Buches und dass dein Herz erkennt, was für dich stimmig ist.

1. WARUM MEIN SEIN SO UNERTRÄGLICH WAR

Der längste Weg war der Weg zu mir!

Ich spüre wie ich langsam erwache, mein Geist kehrt zurück in meinen Körper. Meine ersten Gedanken, noch bevor ich die Augen öffne, sind: „Danke große Macht, dass es nicht die letzte Nacht war, nach der ich ohne Schmerzen und Beschwerden erwache. Und Danke für alles, was das Leben mir präsentiert, damit ich daraus lernen kann.“

Ich öffne meine Augen und sehe, dass alles gut ist. Neben mir liegt die Frau meines Herzens. Auf dem Boden neben dem Bett schaut mich mein kleiner Hund mit seinen dunklen Augen an. Er springt hoch auf das Bett und kuschelt sich an mich, während meine Katze Polli mich von ihrem Kratzbaum aus mit einem zufriedenen Schnurren begrüßt. Meine Frau legt ihren Arm auf meine Brust und seufzt in völliger Zufriedenheit. Ich mache mir (wie an jedem Morgen der letzten 15 Jahre) bewusst, dass ich so viel Fülle in meinem Leben habe und dass ich heute genau dort bin, wo ich mich hin gewünscht, hin gedacht und hin gebracht habe.

Ich habe eine erfüllende Arbeit, die mich an jedem Morgen der letzten fünfzehn Jahre mit Freude aus dem Bett holt. Ich nenne es auch Berufung, denn da kommt dieser Begriff ja auch her. Heute weiß ich, was es bedeutet, zu etwas berufen zu sein, was einem das Herz erfüllt.

Mein Leben ist genauso, wie ich es haben will; es gibt nichts, was ich anders haben will. Denn mein Leben sehe ich wie ein Musikstück, das ich komponiert habe. Du lernst die Noten, übst die Griffe, und am Anfang klingt es noch nach gar nichts. Zudem ist es auch noch anstrengend. Doch mit der Zeit, nach einer langen Übung und dem Zusammensetzen der Noten, ist dieses wunderbare Stück entstanden mit dem Titel: Mein Leben in der Verantwortung!

Weißt Du denn schon, wie dein Musikstück (deine Berufung) in deinem Leben heißt?

Weißt Du, warum Du jeden Morgen aufstehst? Voller Freude und Neugier auf diesen Tag, der einzigartig und voller neuer Abenteuer ist? Oder bist Du nur hier, um deine Zeit abzusitzen mit irgendwelchen Beschäftigungen? Doch diese machen dich nicht froh, sondern lenken nur ab. Sie ‚helfen‘ dir, deine Zeit auf Erden rumzukriegen.

Mein Leben war eine einzige Achterbahn. Angefangen in der Kindheit bis zu jenem Tag vor gut 15 Jahren. Bis dahin habe ich die meiste Zeit meines Lebens damit verbracht (wie so viele Menschen), mich mit Problemen des Alltags herumzuschlagen. Ich habe mich selber schlecht behandelt durch zu viel Essen, Fernsehen, Sport, Drogen, Alkohol und was sonst noch so aufregend war.

Da war immer diese Leere und Langeweile in mir, die ich versucht habe zu füllen.

Ich wusste nicht, wo der richtige Platz für mich auf dieser Erde war. Liebe war für mich immer nur mit Verlust verbunden und Vertrauen war für mich ein Fremdwort. Ich habe scheinbar mein Leben kontrolliert und wollte viel Geld verdienen, um genug Sicherheit zu erlangen. Ja! Sicherheit! Das war ein Thema, bei dem es in Wirklichkeit nur darum ging, von anderen geliebt und akzeptiert zu werden.

Aus dieser Haltung heraus habe ich immer den Unterhalter und Partyclown gespielt und war dadurch natürlich beliebt. Ich habe immer versucht mich anzupassen und mich so zu verhalten, dass andere mich mögen und toll finden. Das hat dazu geführt, dass ich gar nicht bei mir war und ich es mit mir alleine nicht mehr aushalten konnte. Ich brauchte ständig Leute um mich herum und viel Bestätigung durch sie.

Nach außen, wenn andere in der Nähe waren, habe ich immer gute Laune, Stärke und Kraft präsentiert! Bloß keine Schwäche zeigen! Indianer weinen nicht! Schwäche ist etwas für Mädchen! Dieser ganze Quatsch hinderte mich daran, ich selbst zu sein. Wenn es mir dann schlecht ging, zog ich mich zurück, um alleine zu sein und um zu leiden. Somit konnte keiner sehen, wie es mir wirklich ging. Alle Menschen in meinem Umkreis dachten nur, ich wäre immer gut drauf.

Ich habe im Verlauf meiner Selbstverleugnung zu allen möglichen Mitteln gegriffen. Um mein Leben zu kontrollieren, habe ich alles übertrieben und für meinen Körper und Geist regelmäßig gesunde Grenzen nicht beachtet.

Grenzen habe ich für mich immer überrannt und mich meistens mit zu viel Arbeit und übertriebenem Sport überfordert. Ich habe die Waffen auf mich gerichtet, indem ich mir immer mehr zugemutet habe. Mein ganzes Leben hatte ich so eingerichtet, dass ich meistens unter Strom stand. Hinzu kam, dass ich auch noch eine Lebenspartnerin ausgesucht hatte, die eine Perfektionistin war und mich in meinem ungesunden Lebenswandel ‚unterstützte‘. Mein inneres Programm lief weiter (ich bin schuld, nicht liebenswert, streng dich an, u.s.w.).

Gemeinsam hatten meine damalige Partnerin und ich viel erreicht. Finanziell waren wir richtig gut betucht und konnten uns alle Wünsche erfüllen. Das Geschäft lief großartig und ich habe mich mit allen Kräften reingehängt, von morgens um 7:00 bis nachts um 24:00 Uhr. Ich hatte eine neue Droge, durch die ich nicht fühlen musste, was in mir so leer war. Ich dachte, ich gebe jetzt meinem Leben ein Denkmal, in dem ich etwas ganz Großes schaffe.

Tja, für einige klingt das nach normalem Alltag. Aber glaubt mir, das ist es nicht.

Ich fühlte mich selbst am Ende gar nicht mehr und funktionierte nur noch. Ich definierte mich über Leistung und Besitz. Ich lachte über die anderen und glaubte, dass ich etwas Besseres bin. Ich sei größer, erfolgreicher, klüger, einfach besser.

Bis es dann passierte!

Der Verlust der Stille

Ich war in voller Aktivität: Ich war in der Textilbranche selbstständig, am Wochenende als DJ tätig und habe noch eine Ausbildung zum Kaufmann für Bürokommunikation gemacht. Und das alles gleichzeitig!

Dann bekam ich einen Hörsturz, mit anschließenden starken Ohrgeräuschen. Also ging ich zum Arzt und habe da vor Ort einige Infusionen bekommen und das Geräusch war nach einigen Tagen weg.

„Na also! Geht doch!“ – habe ich gedacht. Und anstatt das alles als eine Warnung und ein Zeichen der Überforderung und des falschen Weges zu sehen (was ich damals natürlich noch nicht wusste), bin ich wieder voll durchgestartet. Jetzt erst recht!

Dann kam der nächste Hörsturz und diesmal mit einem Hörverlust auf der rechten Seite und doppelt so starken Ohrgeräuschen auf beiden Seiten, die dann eine lange Zeit geblieben sind.

Das war der Beginn von meinem großen Leiden! Ich konnte wegen der Geräusche keine Nacht mehr richtig schlafen. Dann habe ich Angst bekommen, dass ich verrückt werde. Ich bin zu allen möglichen Ärzten gerannt, doch keiner konnte mir helfen.

Als Nächstes kamen in regelmäßigen Abständen die Panikattacken, gefolgt von zwei bis drei richtigen Nervenzusammenbrüchen. Ich hatte jetzt richtig Stress und wollte das alles nicht annehmen. Ich wollte unbedingt zurück in mein altes Leben. Es sollte alles wieder so wie früher werden. Mit dieser Haltung baute ich innerlich einen starken Widerstand auf gegen das, was das Leben mir zeigen wollte. Die Folgen waren weitere Panikattacken und Nierenkoliken, gefolgt von Nierensteinen. Das alles nur, weil ich den Sprung ins eigentliche Leben nicht machen wollte.

Im Grunde hat meine Seele laut um Hilfe gerufen und wollte nur gehört werden. Sie wollte mir den Weg in die Freiheit zeigen.

Du kannst dir vorstellen, dass es nun richtig bergab ging. Ich war in wenigen Tagen von Hundertneunzig auf Null. Es war für mich unfassbar und unverständlich. Wieso gerade ich? Was soll das, lieber Gott? Ich wollte in meiner Verzweiflung mit Gott und dem Leben handeln, einen Pakt schließen, der hieß: „Bitte lass mich wieder so werden wie früher! Lass mich in mein altes Leben zurückkehren.“

Aus heutiger Sicht bin ich froh, dass mir diese Bitte nicht erfüllt wurde.

In dieser Zeit bekam ich schwere Depressionen, mein Leben war eine einzige Verzweiflung, nirgendwo Verständnis oder Unterstützung.

Es traf mich all das, was ich abgelehnt hatte und wogegen ich mich absichern wollte: Schwäche, Hilflosigkeit, Verlust, Schmerz, Einsamkeit, starke Gefühle.

In dieser Zeit ging es mit allem bergab. Ich konnte meine Arbeit nicht mehr ausführen. Sobald ich in die Räume kam, setzte eine Angst und Unsicherheit ein. Ich fühlte, wie der Boden unter mir schwankte.

Meine bis dahin angeblich guten Freunde waren nicht mehr für mich da. Sie begegneten mir mit großem Unverständnis und Ratlosigkeit.

Tinitus! Was ist denn das? Kein Arzt und auch kein anderer Mensch kann sich ohne die eigene Erfahrung vorstellen, was dies bedeutet, welchen Einfluss es auf dich hat.

Das Problem an der Sache „Tinitus“ ist, dass man dir nicht ansieht, wie du leidest. Du siehst aus wie immer, na ja, zumindest am Anfang. Nach ein paar Tagen ohne einen richtigen Schlaf und der Verzweiflung siehst du dann etwas älter aus, als du eigentlich bist. Aber dein Ohr ist ja noch dran! Allerdings wird dir, besonders während der Stille in der Nacht, bewusst, dass es im Ohr pfeift und rauscht. Es ist so, als wäre in deinem Ohr ein Radio installiert, das ständig nach einem Sender sucht und nichts als Frequenzrauschen findet.

Du lenkst deine gesamte Aufmerksamkeit auf diese Geräusche und bist ihnen ausgeliefert. In diesem Zustand glaubte ich, in der Hölle zu sein. Nein, noch schlimmer! Im Fegefeuer. Keine Ruhe mehr, kein Frieden! Mir wurde bewusst, dass ich meine Chance auf Ruhe und den inneren Frieden im Leben vertan hatte.

Ich betete und flehte Gott um Hilfe an. Auch die Ärzte bat ich um Rat. Ich erinnere mich besonders an die Aussage eines Ohrenarztes nach der letzten Infusion: „Da kann ich leider nichts mehr für Sie tun, Sie müssen jetzt stark sein. Wir hatten letztens einen Patienten, der sich wegen der Geräusche aus dem Fenster gestürzt hat.“

Na prima! Mein Ehrgeiz war am Boden und die Verzweiflung gestärkt.

Das hatte der Arzt echt gut gemacht.

Jeder weitere Tag auf dieser Erde war für mich das reinste Überlebenstraining. Die Geräusche ließen sich nicht kontrollieren und niemand konnte sich in mich hineinversetzen. Kein Arzt und auch sonst keiner.

Für meine damalige Frau war das alles zu viel und so dauerte es nicht lange, bis auch die Beziehung zu Ende war.

Ich war wochenlang arbeitsunfähig und hatte am Ende kein Geld mehr.

Das Gesparte hatte ich aus Angst vor Verlust falsch investiert. Der eine oder andere Ratschlag des Bankberaters hatte dazu geführt, dass irgendwann alles weg war.

Ich kam zu dem Punkt, an dem mir alles genommen wurde, was ich absichern wollte.

Ich erinnere mich noch genau an diesen Tag. Ich saß alleine auf der Terrasse in tiefer Verzweiflung, Trauer und Schmerz.

Ich saß vor den Scherben meines Lebens: Eine gescheiterte Beziehung, keine Freunde und keine Unterstützung. Die Verzweiflung und der Druck in mir waren sehr groß. Ich war mental und körperlich ganz unten angekommen, ich war schwach, krank und voller Ängste und in absolut tiefer Verzweiflung. Ich hätte niemals gedacht, dass es mich so schlimm treffen könnte.

Den Widerstand aufgeben!

Ich war bereit! Ich dachte: „OK, dann war es das. Ich gebe den Kampf auf, ich will nicht mehr. Lass mich doch einfach sterben, lieber Gott.“

Auf einmal fühlte ich einen Frieden in mir, den ich so lange vermisst hatte. Ich war bis jetzt ja damit beschäftigt, gegen mich selbst zu kämpfen. Und das mein ganzes Leben lang.

Es war wie eine Botschaft aus dem Inneren, die mich plötzlich erreichte. Der ganze Druck fiel von mir ab und es war auf einmal still.

Die Stimme meines Herzens sprach zu mir. Ein leises Flüstern, das endlich von mir gehört wurde. Die Stimme war liebevoll und doch traurig. Sie versuchte doch schon so lange zu mir durchzudringen. Sie wollte mir sagen, was gut für mich ist, und dass ich auf sie hören soll. Aber ich war taub und habe den Herzensruf nicht gehört.

Ich verstand, dass ich mein ganzes Leben nur versucht hatte, jemand zu sein, der ich nicht bin, zu tun, was ich nicht will und verschwendete dafür meine Lebensenergie. Ich war nicht wirklich ich selbst.

Ich war jemand anders: Eine Marionette, ein Automat, der einfach draufloslebte und auf alles, was passierte, nur völlig unbewusst reagierte.

Das war mir bis dahin alles nicht bewusst. Doch ab hier fühlte ich, dass sich etwas veränderte. In mir war eine innere Gewissheit.

Ich hatte losgelassen. Ich wusste noch nicht, was sich veränderte. Aber da war der Funke in mir, den ich schon vorher in schmerzvollen Situationen gespürt hatte. Diese Stimme, die mir als Kind in einsamen Stunden Trost und Hoffnung gespendet hatte.

Die Stimme meines Herzens! Ich fühlte mich geborgen und im Frieden.

Da war dieses Wissen in mir, dass ich es schaffen kann und einen Weg finden werde.

Wegweiser!

Plötzlich klingelte es an der Tür und ein alter Freund, den ich seit 5 Jahren nicht mehr gesehen hatte, stand vor der Tür. Früher waren wir einmal beste Freunde, doch die Umstände hatten uns auseinander gebracht. So musste jeder von uns seine eigenen Erfahrungen machen, bis zu diesem Moment. Er sagte, dass er die letzten Tage intensiv an mich denken musste. Er fand im Telefonbuch meine Adresse und fuhr sofort zu mir.

Wir haben lange geredet. Das alte Vertrauen stellte sich wieder ein. Endlich war jemand einfach für mich da. Das führte dazu, dass ich endlich erzählen konnte, wie es mir ergangen war. Ich erzählte von meiner Einsamkeit und wie hilflos ich mich nun fühlte.

Von diesem Tag an hatte ich endlich wieder einen Freund, einen Freund, der mich unterstützte.

Doch es geschah noch mehr. Ich war körperlich und vor allem mit meinen Nerven durch diese lange Belastung und den Stress so am Ende, dass ich an einem Abend einen Heulkrampf bekam. Meine damalige Freundin fuhr daraufhin mit mir zu einem Arzt. Wir hielten an einem Arztschild an, wo sich eine Naturheilpraktikerin niedergelassen hatte (Zufall?). Wir gingen hinein und es war sofort anders. Diese Ärztin war anders. Ich konnte spüren, dass ich am richtigen Ort war. Sie hatte genau das, was mir bei so vielen anderen Ärzten fehlte. Sie zeigte Empathie, Verständnis und Fürsorge. Sie gab mir das Gefühl, ernst genommen zu werden. Sie hörte mir zu und zeigte mir meinen Weg der Heilung.

Zunächst einmal ging es darum, mich komplett zu untersuchen. Sie wollte sicher sein, dass keine körperlichen bzw. organischen Erkrankungen vorlagen, die zu alldem geführt hatten. Also wurde ich schnell und einfach von verschiedenen Ärzten aus verschiedenen Fachrichtungen untersucht.

In dieser Zeit behandelte die Ärztin mich mit Akupunktur, was mir Linderung verschaffte. Im weiteren Verlauf hatte sie mich an einen Kollegen überwiesen, der Neurologe war und sich mit traditioneller Chinesischer Medizin beschäftigte.

Nach der letzten Untersuchung stand nun fest, dass ich keine ernsthaften organischen Erkrankungen hatte. Es gab keinen Tumor und auch sonst nichts Schlimmes. Ich brauchte Ruhe und musste irgendwie lernen, mit meiner neuen Lebenssituation umzugehen.

Mein behandelnder Neurologe gab mir einen guten Rat: Ich sollte mal Joga ausprobieren.

Joga? Das war für mich immer so ein spiritueller Blödsinn! OMMM…..

Trotzdem wollte ich es nicht unversucht lassen. Ich bin einer Zeitungsanzeige über eine skandinavische Jogaschule, die ich „zufällig“ entdeckt hatte, nachgegangen. Ich rief dort sofort an und fuhr kurz darauf mit meiner 300 PS Corvette vor den Schuleingang. Vor der Tür standen all diese „Ökos“ mit ihren Fahrrädern (man stelle sich dieses Bild vor). Mein altes Denken verurteilte gleich mal alle. Doch es kam alles anders als erwartet. Ich wurde von all diesen Menschen liebevoll und freundlich aufgenommen. Ich kam mit einer großartigen Lehrerin namens Harie Prenn zusammen, die mir den neuen Weg aufzeigte. Ich war endlich da, wo ich sein konnte, wie ich bin. Unter den Menschen, die mich nicht verurteilten.

Als die erste Yogastunde vorbei war, versammelte sich eine kleine Gruppe vor dem Eingang, um über die Dinge des Lebens zu reden. Und ich stand mitten drin. Auf einmal wurde ich ganz still und stellte fest, dass meine Ohrgeräusche fast verschwunden waren. Es war wie ein Wunder! Mir wurde blitzartig bewusst: Dies ist eine Möglichkeit, zu mir zu kommen! So konnte ich in meinem Körper und in meinem Geist etwas verändern. Ich wusste plötzlich, dass ich mir selber helfen konnte. Ich hörte endlich auf meine innere Herzensstimme.

Ich glaube, dass wir als Kinder diese Stimme hören können und mit ihr verbunden sind. Später, als Erwachsene, sind wir zu sehr im Verstand, im Kopf und die Stimme des Herzens wird immer leiser. Wenn Du nicht anhältst und nach innen gehst, dann kann es dir wie mir passieren. Du hörst die Stimme nicht mehr und kannst dadurch in deine persönliche Krise geraten.

Gefahr oder Chance?

Das Chinesische Schriftzeichen für Krise besteht aus zwei Teilen:

Der eine Teil symbolisiert die Gefahr, der andere die Chance.

Eine Krise bietet dir daher zwei Möglichkeiten, um dein Leben zu gestalten:

Gefahr: durch die Krise glaubst Du, dass Du ein armes Opfer bist und vom Leben gestraft wirst. Du bist am Ende und versinkst im Selbstmitleid, z. B. mit Alkohol, Drogen, usw.

Chance: Du kannst die Krise als eine Chance zur Veränderung und zu deinem neuen Wachstum sehen.

Und somit kam ich an den Punkt der wichtigsten Entscheidung in meinem Leben. Krankheit (Gefahr) oder Leben (Chance)?

Was glaubst Du, wofür ich mich entschieden habe?

„Für die Chance meines Lebens!“

Mit diesem Buch möchte ich dich an meinen Gedanken und Erfahrungen teilhaben lassen.

Vielleicht bringt es dich auch dazu, dein Leben zu überdenken. Vielleicht denkst Du ja, dass die Krise mir ja auch geholfen hat. Das stimmt! Die Krisen sind dazu da, uns aufzuzeigen, wo das Leben nicht mehr im Fluss ist.

Leider lernen wir in den meisten Fällen erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, wie man so schön zu sagen pflegt.

Bei näherer Betrachtung würde ich sagen, dass es beim Thema Krise nur zwei Möglichkeiten gibt zu lernen. Freiwillig oder durch Schmerz.

Aber wer lernt schon freiwillig?

Heute bin ich auf dem rechten Ohr fast taub und die Geräusche sind immer noch da. Allerdings weiß ich erst durch die Erfahrung der Krise, was Hören bedeutet. Vor allem habe ich gelernt, mir selber zuzuhören und zu fühlen, was in meinem Leben von Bedeutung ist und was ich brauche. Ich akzeptiere und nehme an, was das Leben mir präsentiert. Heute ist da einfach eine Stille in mir und ich fühle mich wohl mit mir. Die Geräusche höre ich zwar noch, doch ich verbinde sie mit keinerlei Gedanken mehr oder irgendwelchem Leiden. Heute weiß ich, was innerer Frieden bedeutet und ich kann es einfach genießen, am Leben zu sein.

Wenn Du also bewusst akzeptierst, was dir das Leben präsentiert, wenn Du weiterhin bereit bist zu schauen, was in deinem Leben wirklich passiert, dann bleibt nur noch die nötige Entschlossenheit für die Veränderung.

Für die Veränderung, die dein Leben braucht, um mehr Glück und Freude zu spüren. Der letzte Schritt ist die Entscheidung und dann das verantwortungsvolle Handeln. Das bedeutet, dass Du dich für dein Leben einsetzt und alles dafür tust, dass es genauso wird wie es dein Herz sich wünscht und nicht dein Kopf.

Frage dein Herz immer, wie es für dich richtig ist, denn es kennt die Antwort.

Was mich damals betraf, so lebte ich nur in meinem Kopf und zwang mich in alles hinein, ohne auf mein Herz zu hören. Ich hörte die Stimme meines Herzens zwar ab und zu, jedoch war mir das viel zu kindisch. Ich hatte schon als Kind sehr früh gelernt, diese Stimme mit allen möglichen Genussmitteln zu betäuben. Also zu viel von allem, was mir schadete.

Das war mein Ersatz für fehlende Liebe in meinem Leben, die Liebe zu mir selber und zu anderen.

Schon als kleines Kind hatte ich gelernt, dass ich nicht liebenswert bin. Immer hing es davon ab, ob ich mich brav und nett verhielt oder nicht.

Ich erlebte all diese Dinge in meinem Leben, über die ich hier schreibe, bekam es zu spüren. Ich weiß genau, wie es sich anfühlt, schutz- und wehrlos zu sein und als Opfer durch die Welt zu laufen. In meiner Kindheit wurde ich regelmäßig geprügelt und geschlagen, mit und ohne Grund. In meiner Familie waren alle sehr aggressiv und mit sich und ihrem Leben unzufrieden. Das führte dazu, dass ich all diesen Unmut auf meiner Haut fast täglich spüren durfte.

Neben den Schlägen waren das Bloßstellen und die Erniedrigungen an der Tagesordnung. Was mich sehr prägte war die Tatsache, dass ich immer Gewalt mit dem Hintergrund vermittelt bekam, dass ich ja selber schuld bin und somit Schläge verdient hatte.

Als Kind glaubst Du deiner Familie alles, besonders deinen Eltern.

Wem denn sonst? Sie sind deine Lehrer und Vorbilder, von ihnen lernst Du, wie das Leben am besten funktioniert und was richtig und falsch ist. Egal, was Du als Elternteil tust, deine Kinder lernen durch das Verhalten der Erwachsenen.

Oder wie man in Köln so schön sagt: „Eigene Kinder kommen selten auf fremde Leute“ oder „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“.

Weil ich meinen Eltern und ihren Botschaften glaubte und dies als Kind für wahr hielt, waren die wichtigsten Programme meiner Kindheit früh installiert: Du bist nicht liebenswürdig, nicht gut genug, Du bist schuld. Das waren schon mal drei von den vielen Glaubenssätzen und Überzeugungen, die mich jahrzehntelang begleiteten.

Ich glaube heute ganz fest daran, dass kein Kind Schläge oder Gewalt verdient hat. Wenn Eltern ihre Kinder mit dieser Haltung bestrafen, installieren sie genau diese falschen Glaubenssätze und auch die empfangene Gewalt in ihnen. Später, als Heranwachsende und Erwachsene, werden sie sich zumeist ungeliebt und schuldig fühlen (Schuldprogramm). Die Gefahr ist groß, dass sie sich gegenüber anderen Personen so verhalten, wie sie es von ihren Eltern gelernt haben.

Übrigens: Gerade als ich diesen letzten Absatz schreibe, springen hinter mir zwei Kinder in den Pool und das Wasser spritzt mir auf meinen Laptop. Meine Frau schaut ganz entsetzt und ich muss schmunzeln. Manch Erwachsener würde jetzt ausflippen und losmeckern, jedoch hätte ich mich ja auch etwas weiter vom Pool wegsetzen können.

Aber keine Sorge, lieber Leser, mein Laptop hat den Anschlag überlebt und somit konnte ich das Buch zu Ende schreiben.

Heute habe ich verstanden, dass ich als Kind wenig Einfluss auf mein Leben hatte und dass ich die Botschaften der Erwachsenen, die mich betrafen, für wahr hielt. Ich glaubte diese Botschaften lange und lebte in diesem Glauben weiter.

Erst als ich durch die Krise erwachte und den Weg zu mir selbst beschreiten konnte, wurde ich wirklich frei.

Was das für mein Leben bedeutete?

Erwachsen zu werden und die volle Verantwortung für alles in meinem Leben zu übernehmen.

Die Verantwortung für mein Denken, Fühlen, Sprechen und Handeln, und vor allem für mein geistiges und seelisches Wohlbefinden.

Ein weiterer wichtiger Schritt war die Vergebung und das Verständnis, dass alles im Leben einen Sinn hat und dass wahrer Frieden nur in mir selbst entstehen kann, ohne die Last der Vergangenheit oder der Zukunft.

Was dieser Weg alles beinhaltet, möchte ich dir nun in den nächsten Kapiteln mitteilen.

Gegenwart

Was genau ist das? Es ist einfach dieser Moment, mit allem was jetzt, in diesem Moment, da ist. Dein Leben findet jetzt statt, nicht vorher und auch nicht nachher. Alles, was vorher war, ist vorbei und bleibt Vergangenheit und die Zukunft ist noch nicht da. Wenn ich mit Leuten bei einem Vortrag sitze, erkläre ich es gerne folgendermaßen:

Die einzige Wirklichkeit ist, dass Du jetzt hier auf diesem Stuhl sitzt. Bitte mach dir das bewusst, fühle den Stuhl auf dem Du sitzt und spüre, wie Du ein- und ausatmest. Sei dir bewusst, dass wir alle gemeinsam die gleiche Luft in diesem Raum atmen und dass wir mit allem jetzt und hier verbunden sind. Du sitzt jetzt einfach nur da, mehr nicht. Alles andere sind Gedanken, Gedanken an vorher oder nachher.

Das Einzige, wofür Du in diesem Moment Sorge tragen kannst, ist der nächste Schritt, die nächste Handlung. Mach dich völlig frei von allen Vorstellungen und sei einfach nur hier. Denken ist Vergangenheit.

Dann frage ich, ob irgendjemand jetzt, in diesem Augenblick wirklich ein Problem hat, außer vielleicht Schmerzen? Die Antwort ist meistens Nein. Denn die Probleme macht unser Verstand selber.

Unser denkender Verstand will immer vor der Gegenwart fliehen und uns mit Gedanken beschäftigen. Nur selten erlaubt er Momente totaler Gegenwärtigkeit.

Gegenwart bedeutet HIER zu sein. Nicht nur körperlich, sondern mit allem was ist, ohne Urteile und Ablehnung.

Gedicht „Hier und Jetzt“

Komm ins Hier und Jetzt.

Es ist der Ort,

an dem alles ist, wie es ist.

Der Ort, an dem alle Gefühle richtig sind, egal was du fühlst.

Der Ort, an dem es keine Probleme gibt.

Hier und Jetzt.

Dort bist du in Sicherheit,

vor all den Lügen und Täuschungen,

die du dir selber machst.

Dort findest du die Geborgenheit und die Gewissheit zu leben.

Wach auf und komm zurück!

Nach Hier und Jetzt!

Für immer und ewig,

verbunden mit dir und dem Leben.

Uwe Trevisan

2. DENKEN UND SEIN! – GEHT DAS?

Warum „DAS SEIN“ so unerträglich sein kann

Es gibt so viele Ansichten und Aussagen über das Sein, und immer wieder stellt sich die Frage: Was ist denn das SEIN?

Für die meisten Menschen ist diese Frage kaum zu beantworten, da sie ja genau davor auf der Flucht sind und in ihrem Denken das Rezept für das SEIN unerträglich ist.

Viele Menschen laufen durch den Tag und verhalten sich, als wären sie ständig auf der Flucht oder in einer Gefahr. Immer muss was los sein oder getan werden. Wenn nichts los ist oder getan werden kann, dann beschäftigt sich unser Verstand mit Sorgen und Problemen.

Warum fliehen wir vor dem SEIN?

Nun, zunächst müssen wir verstehen, wie wir das machen und warum? Dazu möchte ich mit dir ein kleines Experiment machen.

Setz dich auf einen Stuhl, mache alle Geräte aus, den Fernseher, das Radio und so weiter. Wenn es jetzt einigermaßen still ist, bleib fünfzehn Minuten einfach sitzen und beobachte, was in dir geschieht. Tu einfach gar nichts.

Und: Wie war es?

Wahrscheinlich haben deine Gedanken die Kontrolle übernommen und gefragt: „Wieso sitze ich hier herum, was soll der Blödsinn? Ich könnte dieses oder jenes tun. Das ist doch Zeitverschwendung. Ich halte das nicht aus! Macht doch keinen Sinn. Usw.“

Wie waren deine Gefühle?

Völlig ruhig und entspannt?

Wahrscheinlich waren es Langeweile, Unruhe, Ärger und was sonst noch so hochgekommen ist.

Was hast Du getan? Hast Du die Übung abgebrochen? Oder es gar nicht erst versucht? Wenn ja, warum?

Frage dich doch einmal, warum es so schwierig ist, einfach nur DA ZU SEIN.

Ich frage dich: Wenn Du einfach nur da bist, auf deinem Stuhl, wem begegnest Du dann?

Wahrscheinlich kennst Du die Antwort:

Dir selbst! Wer bist Du denn so Schlimmes, dass Du vor dir selbst flüchtest?

Und siehe, was alles geschieht, während Du einfach mit dir da sitzt.

Dein Verstand versucht dich ständig von dir wegzubringen mit Gedanken über die Situation, in der Du dich befindest. Er bewertet sie und dreht in deinem Kopf Filme.

Das heißt übersetzt: Du bist zwar jetzt hier, aber deine Gedanken sind woanders.

Bei mir war das auch so. Ich war immer woanders in meinen Gedanken und immer auf der Flucht vor mir selbst. Allerdings wusste ich nichts davon. Es war für mich normal, so zu leben und mich permanent mit allem Möglichen zu beschäftigen, nur nicht mit mir selbst und meinem Leben.

Warum sind wir die meiste Zeit unseres Lebens auf der Flucht vor uns selbst?

Wir lernen schon sehr früh, mit unserer Aufmerksamkeit im Außen zu sein. Dort sollen wir lernen, arbeiten, das Leben kontrollieren und uns absichern. Wir sind die ganze Zeit in Aktion und nur selten kommen wir zur Ruhe. Die Stimme im Kopf, der Verstand, fordert ständig mehr Leistung und treibt uns an. Sie kritisiert und macht uns Angst, sie gibt dir Schuld und macht dich schlecht.

Deshalb ist es ja auch kein Wunder, dass wir uns ständig ablenken um sie nicht zu hören. Wenn Du dann dasitzt und der Stimme zuhörst, glaubst Du, verrückt zu werden. Was sagt die Stimme? „Streng dich an! Du bist zu dick! Hässlich, kompliziert, faul usw.“ Ja, wir alle kennen diese Stimme, und sie hat schon so manchen in den Wahnsinn getrieben.

Also: Was tun?

Dieses Buch soll dir dabei helfen, deinen Verstand mit seinen Tricks kennenzulernen und dein Leben freier zu leben. Du kannst lernen, deinen Verstand zu beobachten, ohne dich von ihm herumkommandieren zu lassen. Dadurch wirst Du in deinen Entscheidungen frei und unabhängig.

Alle Schwierigkeiten und sogenannten Probleme, die Du hast, werden in deinem Kopf produziert. Das ist zunächst schwierig einzusehen. Und das kann ich richtig verstehen. Am Anfang habe ich es auch nicht geglaubt. Doch heute bin ich davon überzeugt.

Das unbewusste Denken, auf das ich immer wieder hinweise, steuert uns in die Krise und in Lebensdramen. Stattdessen könnte ein bisschen mehr Bewusstheit und Klarheit sofort alles verändern. Ich möchte dir anhand vieler einfacher Beispiele aus dem täglichen Leben aufzeigen, wie unser Verstand die Kontrolle übernimmt und dafür sorgt, dass wir in Schwierigkeiten geraten, ohne es selbst zu bemerken. Die Art und Weise, wie wir über bestimmte Situationen denken, führt zu den Problemen, die wir haben. Ich selbst war der Knecht meines Verstandes und habe mich ihm gebeugt. Ich habe für eine Menge Unfrieden in meinem Leben gesorgt. Dann verstand ich, dass ich Einfluss auf mein Denken und somit auch auf mein Handeln habe.

Ich war mit meiner Aufmerksamkeit immer nur im Außen, bei den Anderen, und bei dem, was geschieht. Ich habe die Fehler immer nur außerhalb gesucht. Und genau da liegt das Problem.

Außer sich SEIN – bei sich SEIN

Wenn Du mit deiner Aufmerksamkeit immer nur im Außen bist und Du für alles, was in deinem Leben geschieht, außerhalb die Ursachen und die Verantwortlichen suchst, dann bist Du wörtlich gesehen „außer dir“. Das geschieht auch, wenn wir wütend sind und die Menschen in unserer Umgebung beschimpfen oder für unseren Ärger verantwortlich machen.

Dann sagen die Anderen oft: „Er war total außer sich.“ Das heißt, Du bist nicht bei dir. Du verlierst die Kontrolle, weil Du die Ursache an der falschen Stelle suchst.

Bei dir sein, heißt: Du schaust zuerst bei dir nach. Du fragst dich: Was hat das mit mir zu tun? Was sind meine Wünsche und Bedürfnisse? Was will das Leben mir beibringen?

Das Leben besteht nämlich aus einer Reihe von Lektionen, die Du lernen sollst. Und meistens sind diese Aufgaben direkt vor deiner Nase.

Wenn Du wach bist und dich für deine Lektionen öffnest, oder wenn das, was ich hier schreibe, dein Bewusstsein erreicht, dann zeigt sich dir sofort, was als Nächstes dran ist. Das Leben ist immer für dich! Es will dir den richtigen Weg zeigen. Du musst nur lernen, wieder auf die Stimme in deinem Herzen zu hören. Du musst lernen, zuzuhören und zu beobachten, was in dir abläuft. Die Stimmen in deinem Kopf erzählen dir eine Menge Unsinn, den Du nicht einfach glauben solltest.

Achte doch selbst einmal darauf, wie schnell bestimmte Gedanken in deinen Kopf kommen und dir das Leben schwer machen. Sicherlich hast Du solche Momente schon erlebt, in denen Du dir gewünscht hast, dass die Gedanken verschwinden sollen. Du brauchst deinen denkenden Verstand tagsüber auf der Arbeit, um bestimmte Abläufe zu überdenken. Doch wenn Du nach Hause zu deiner Familie kommst, braucht dein Kopf einen Knopf zum Abschalten. Da ist dein Verstand nicht mehr wichtig, hier brauchst Du dein Herz und deine Liebe, um erfolgreich zu sein.

Für zwischenmenschliche Beziehungen ist der denkende Verstand ungeeignet. Der Verstand ist immer berechnend und kann keine Freundschaften und Liebesbeziehungen knüpfen. Deshalb musst Du die Kontrolle übernehmen und der Herr (oder Frau) im Haus sein und nicht der denkende Verstand.

Alles, was wir ERLEBEN, ist unser LEBEN!

Wahrscheinlich denkst Du: Na klar, was sonst.

Was bedeutet es denn wirklich?

Es bedeutet nichts anderes, als dass wir unser eigenes Erleben erschaffen. Und das tun wir ganz alleine, unabhängig davon, was im Außen geschieht.

Ich lade dich zu einem kleinen Experiment ein.

Suche dir einen Gegenstand, zum Beispiel eine Uhr. Schau dir den Gegenstand mal genau an und stell dir folgende Fragen: Welche Form hat er? Wie fühlt er sich an? Könnte man ihn verkaufen? Wem könnte er gefallen? Wie gefällt mir dieser Gegenstand?

Du hast dir nun ein vollständiges Erleben von diesem Gegenstand geschaffen. Nur Du und niemand anderes. Nicht deine Mutter und auch nicht dein Vater oder sonst noch jemand. Nur Du ganz alleine.

Ist das nicht toll? Wir machen unser eigenes Erleben über Menschen, Dinge und Situationen!

Was heißt das für dich? Es bedeutet, dass Du dein Erleben selbst bestimmen kannst und dass Du die Verantwortung dafür trägst. Frei nach dem weisen Spruch:

„Nicht die Dinge, die geschehen, sind schlimm, sondern unser Denken und Bewerten darüber.“

Da ist doch was dran! Findest Du nicht auch? Nimm dir mal Zeit für diesen Gedankengang und mach das Experiment mit Menschen oder anderen Gegenständen. Du wirst feststellen, dass Du es bist, der sich das Erleben zu allem macht. Das ist toll! Denn damit erhältst Du auf alles Einfluss und kannst dein Erleben jederzeit überprüfen.

Klingt einfach, ist es aber leider nicht. Du kannst es zwar jetzt machen, aber ich garantiere dir, dass es keine 20 Minuten dauert und Du hast es im Alltag vergessen. Dein Verstand wird dich sofort wieder in Beschlag nehmen und dir erzählen, dass alles, was Du erlebst, durch andere verursacht wird. Und das führt dich sogleich wieder in den ganz normalen Wahnsinn des Alltagsgeschehens, in dem Du wie ein Automat reagierst und wiederholst.

Ich möchte dir dabei helfen, etwas mehr Licht und Klarheit in dein Bewusstsein zu bringen und dir anhand meiner Erfahrungen eine Richtung aufzeigen.

Ob es dir gefällt oder nicht, das Leben präsentiert dir ständig deine Lektionen und Du wirst sie so lange wiederholen, bis Du es endlich anders machst und deine Aufgabe löst, anstatt ständig in dieselbe Falle zu tappen.