Warum PEGIDA hässlich ist … - Armin Nassehi - E-Book

Warum PEGIDA hässlich ist … E-Book

Armin Nassehi

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Beschreibung

"Kunst konfrontiert nicht nur mit anderen Versionen der Welt, sondern macht alles zur Version." Armin Nassehi beschreibt in seinem Beitrag, was die Kunst macht, und behauptet, dass diese als Hinweis auf die Kontingenz von Blicken und Sehgewohnheiten auch eine ästhetische Kritik des Politischen erlaubt.

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Seitenzahl: 22

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Armin Nassehi Warum PEGIDA hässlich ist …

… und daran deutlich wird, was die Kunst macht

Der Soziologe Georg Simmel schrieb vor etwa 100 Jahren: »Die soziale Frage ist nicht nur eine ethische, sondern auch eine ästhetische.«1 Und es stimmt: Generationen, Schichten, Klassen oder Milieus werden an ihrer Kleidung, an ihrem Geschmack, an ihrer Mode, an ihren Stilen, an ihrer Musik und ihren Konsumgewohnheiten erkannt und bemessen. An der Form ihrer Automobile und Kleider, an der Stimmigkeit ihrer Erscheinung, an dem Bild, das sie abgeben, werden sie gemessen. Von Armin Mohler, dem rechten Vordenker des Antiliberalismus, stammt der ebenso böse wie schöne Satz, die Liberalen beurteilten die Menschen danach, was sie sagten, nicht danach, was sie seien.2 Heute würde man wohl eher insinuieren, dass es nicht einmal mehr darauf ankommt, was sie sagen, sondern wie sie aussehen oder welches Bild ihrer selbst sie erzeugen. Die rechte Forderung nach einer eigentlichen Identität, einer unvordenklichen, einer solchen, die man gar nicht sagen muss, ja nicht einmal sagen darf, damit sie funktioniert, hat sich damit überlebt. Nicht einmal liberal im mohlerschen Sinne vermögen wir zu sein, sondern eher postliberal: Was sie sagen, wird gebrochen durch die ästhetische Erscheinung.

Aber diejenigen, die im Kampf gegen die Islamisierung des Abendlandes und für die völkische Identität des Eigenen demonstrieren, müssten für sich in Anspruch nehmen, danach beurteilt zu werden, was sie sind. Was sie sind, scheint tatsächlich der kleinste gemeinsame Nenner dieser Leute zu sein, und wenn es bei ihnen welche gibt, die danach beurteilt werden wollen, was sie sagen – man könnte in der mohlerschen Logik sagen: die Liberalen unter den Verächtern der Liberalen –, bleibt ihnen kaum etwas anderes, als darauf zu verweisen, was sie sind: deutsch nämlich. So nachzulesen in einem Briefwechsel, den ich im Jahre 2014 mit Götz Kubitschek, einem der führenden Rechtsintellektuellen des Landes, geführt habe.3 Das letzte Argument war stets, dass das Besondere des Eigenen die Besonderheit des Eigenen sei, das besonders zu nennen zugleich ein besonderes Qualitätsmerkmal darstellen soll und nicht nur die Gesondertheit von anderem Besonderem. Also selbst jemand, der durchaus geübt darin ist, danach beurteilt zu werden, was er sagt, kommt nicht umhin, zu verstummen, wenn es um die Frage geht, was er denn im Unterschied dazu sei.