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Wenn ein Kind krank wird, stellen sich die Fragen: Was kann es sein? Was kann ich tun? Wann ist eine ärztliche Versorgung erforderlich? Dieses Buch soll dazu dienen, sich rasch einen Überblick über Symptome oder Erkrankungen im Kindesalter zu verschaffen, um entsprechende Maßnahmen ergreifen zu können oder sich auf die ärztliche Untersuchung vorzubereiten. Es soll bei Fragen und Entscheidungen hilfreich sein.
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Seitenzahl: 374
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Symptome, Erkrankungen, Maßnahmen
Die Entwicklung und Ernährung des Kindes
Maßnahmen beim Notfall
Die gemalten Bilder auf dem Cover stammen aus dem Projekt der Kinderwerkstatt Drolshagen "Jeder Mensch ist etwas Besonderes!".
Besonderer Dank für Anregungen und Ergänzungen gilt den Kolleginnen und Kollegen der Kinderarztpraxis Bergneustadt:
Dr. med. Barbara Hütt
Dr. med. Maren Roth
Cara Hittmeyer
Dr. med. Tim Hertrich
Ludger Roschinsky
Liebe Eltern und betreuende Personen von Kindern!
Wenn ein Kind krank wird, dann sind Sie besorgt und es stellen sich häufig Fragen:
Was kann es sein?
Was kann ich tun?
Wann ist eine ärztliche Versorgung erforderlich?
Durch die Recherche im Internet kann man sich zwar schnell und gut informieren, doch häufig bleibt Verunsicherung. Um sich einen raschen Überblick über Erkrankungen zu verschaffen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, dazu soll dieses Buch dienen.
Basierend auf meiner langjährigen Erfahrung als niedergelassener Kinderarzt und meinen früher herausgegebenen Büchern, aktuellen Informationen und Recherchen habe ich das Buch für Sie zusammengestellt.
In diesem Buch finden Sie im ...
1. Kapitel die wesentlichen Symptome, Erkrankungen und ihre Maßnahmen von der Neugeborenenzeit bis ins Jugendalter alphabetisch aufgelistet. Das Zeichen ► mit Angabe einer Seite führt Sie im Buch zu weiterführenden Informationen über Erkrankungen oder Maßnahmen.
2. Kapitel die wichtigsten Informationen über die Entwicklung eines Kindes und Empfehlungen zu seiner Ernährung.
3. Kapitel wichtige lebensrettende Maßnahmen bei Notfällen.
Natürlich kann dieser Ratgeber nicht auf alle Fragen eine Antwort geben, wenn ein Kind krank ist oder krank erscheint, aber ich hoffe, dass ich Ihnen mit dieser Lektüre Informationen, Wissen und etwas mehr Sicherheit vermitteln kann.
Jörg Nase
Inhaltsverzeichnis
1. Symptome, Erkrankungen und ihre Maßnahmen von A bis Z
Abgeschlagenheit, Erschöpfung, Schwäche
Abszess
Adenoide (Polypen, Rachenmandelvergrößerung)
Adrenogenitales Syndrom (AGS)
Akne
Allergien
Anämie
Anfälle
Appetitlosigkeit
Armschmerzen
Arzneimittelausschlag
Asthma
Atembeschwerden, Luftnot
Atemwegsinfekte durch Viren
Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung
Aufmerksamkeitsstörung (ADS / ADHS)
Augenprobleme
Autismus-Spektrum-Störungen
Ängste
Bauchschmerzen
Beinfehlstellungen/Beinlängendifferenz
Bisse
Blähungen
Blasenentzündung (Zystitis)
Blässe
Blinddarmentzündung (Appendizitis)
Bluthochdruck
Blut im Stuhl
Blut im Urin
Blutschwämmchen (Hämangiom)
Borreliose (Lyme disease)
Brennen beim Wasserlassen
Bronchitis, Bronchiolitis des Säuglings oder Kleinkinds
Brustschmerzen
Cholesteatom
Colitis ulcerosa
Corona-Infektion
Darmeinstülpung (Invagination)
Darmerkrankungen, chronisch entzündliche
Darmverschlingung (Volvulus)
Darmverschluss (Ileus)
Depression (Stimmungsschwankung)
Diabetes mellitus
Diphtherie
Dreitagefieber (Exanthema subitum)
Durchfall
Einkoten (Enkopresis)
Einnässen (Harninkontinenz)
Entwicklungsverzögerung, Entwicklungsstörung
Erbrechen
Ertrinkungsunfälle
Erysipel (Wundrose)
Ess- und Appetitstörungen
Feuermai (Naevus flammeus)
Fieber
Fremdkörper im Verdauungstrakt
Fremdkörper in den Atemwegen
Fremdkörper in Nase oder Ohr
Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME)
Fruktoseunverträglichkeit
Furunkel, Karbunkel
Fußfehlstellung
Galaktosämie
Gallenblasenerkrankung
Gastroösophagealer Reflux
Gehirn- und Rückenmarkentzündung
Gehörgangsentzündung (Otitis externa)
Gelbsucht
Gelenkbeschwerden
Gesichtsnervlähmung (Fazialisparese)
Glieder- und Knochenschmerzen
Grippe
Gürtelrose (Herpes Zoster)
Haarprobleme
Haemophilus influenzae B (Hiß)
Halsschmerzen
Haltungsschwächen, Haltungsstörungen
Hand-Mund-Fuß-Krankheit
Harnwegsfehlbildungen
Harnwegsinfekt
Hautausschlag
Hautentzündung in Hautfalten (Intertrigo, „Hautwolf")
Hepatitis A
Hepatitis B
Herpes Simplex Virus (HSV)- Erkrankung
Herzprobleme
Hirnhautentzündung (Meningitis)
Hirninfarkt
Hirntumoren
Hitzepickel, Schwitzpickel (Miliaria)
Hitzeschäden
Hodenprobleme
Hörstörungen
Hüftprobleme
Husten
Hyperventilation
Immunthrombozytopenie (ITP)
Impetigo contagiosa (Grind, Borkenflechte)
Impfen
Infektanfälligkeit
Juckreiz
Kälteschäden
Kawasaki-Syndrom
Kehldeckelentzündung (Epiglottitis)
Keuchhusten (Pertussis)
Kinderlähmung (Poliomyelitis)
Kleinwuchs
Knochenbrüche
Knochenentzündung
Knochentumor
Kontaktekzem
Koordinationsstörung, motorische Ungeschicklichkeit
Kopfgneis
Kopfschmerzen
Krätze (Skabies)
Kreislaufprobleme, Ohnmacht, Orthostase-Syndrom
Krupp
Kuhmilchunverträglichkeit
Lähmungen
Laktoseintoleranz (Milchzuckerunerträglichkeit)
Lambliasis
Läuse
Leistenbruch, Wasserbruch, Varikozele
Leseschwäche/Rechtschreibschwäche/Rechenschwäche
Leukämie
Lidschwellungen
Lippen-Kiefer-Gaumenspalten
Lungenentzündung (Pneumonie)
Lymphknotenschwellungen
Magenpförtnerkrampf (hypertrophe Pylorusstenose)
Magenschleimhautentzündung (Gastritis)
Magersucht (Anorexia nervosa), Bulimie
Mandelentzündung (Tonsillitis)
Mandelvergrößerung
Masern
Mastoiditis
Mediennutzungszeiten
Meningitis
Meningokokken-Erkrankung (siehe auch Hirnhautentzündung)
Migräne
Milchschorf
Milien im Säuglingsalter
Mittelohrentzündung (Otitis media)
Morbus Crohn
Mukoviszidose (zystische Fibrose, CF)
Mumps
Mundgeruch
Mundhöhlenentzündung
Muskelschmerzen
Muskelschwäche
Nabelprobleme
Nachtangst (Nachtschreck, Pavor nocturnus)
Nagelentzündung
Nagelveränderungen
Nahrungsmittelallergien
Nasenbluten
Nasennebenhöhlenentzündung (Rhinosinusitis)
Nesselsucht (Urticaria)
Neugeborenenexanthem
Neuroblastom
Neurodermitis
Nierenerkrankungen
Ohrenschmerzen
Paukenerguss (Mucoserotympanon)
Peritonsillarabszess
Pfeiffersches Drüsenfieber (Infektiöse Mononukleose)
Phenylketonurie
Phlegmone
Pigmentierungsstörungen und Pigmentflecken
Pilzerkrankungen der Haut
Plötzlicher Kindstod (Vorbeugemaßnahmen)
Pneumokokken-Erkrankungen
Prellungen, Blutergüsse
Purpura Schönlein-Henoch (Vasculitis allergica)
Rachenmandelvergrößerung
Reizdarm (Colon irritabile)
Reye-Syndrom
Rheuma, kindliches (Juvenile idiopathische Arthritis)
Rheumatisches Fieber
Ringelröteln
Rippenfellentzündung (Pleuritis)
Röteln
RSV-Erkrankung
Rückenschmerzen
Schädelprellung, Schädel-Hirn-Trauma
Schädelverformung im Säuglingsalter
Schamlippenverklebung (Labiensynechie)
Scharlach
Schiefhals
Schilddrüsenerkrankungen
Schlafstörungen
Schluckauf (Singultus)
Schnupfen (Rhinitis)
Schock
Schreiender Säugling
Schreikrampf (Respiratorischer Affektkrampf)
Schuppenflechte (Psoriasis)
Schuppenröschenflechte (Pityriasis rosea)
Schwindel
Seborrhoisches Ekzem
Seitenstrangangina
Sprachentwicklungsstörungen
Staphylokokkeninfekte
Stiche durch Insekten und Milben
Streptokokken der Gruppe A/ Scharlach
Streptokokken der Gruppe B
Stromunfall
Tics
Toxoplasmose
Tumorerkrankungen im Kindesalter (Häufigkeiten)
Übergewicht und Untergewicht
Unfälle im Kindesalter
Verbrennungen und Verbrühungen
Vergiftungen
Verhaltensstörungen
Verletzungen (große Blutgefäße, kleine Verletzungen)
Verstopfung
Virusinfekt, grippaler
Vorhautentzündung, Vorhautverengung
Vulvitis/Vulvovaginitis, Lichen sclerosus
Wachstumsstörungen
Wahrnehmungsstörungen
Warzen
Windeldermatitis, Windelsoor
Windpocken (Varizellen)
Wundstarrkrampf (Tetanus)
Wurmerkrankungen
Zahnungsbeschwerden, Zahnschmerzen
Zeckenbiss
Zerebralparese
Zöliakie (Einheimische Sprue)
2. Entwicklung, Ernährung
Entwicklung des Kindes
Ernährung
3. Der Notfall
Defibrillator
Das Verhalten beim Notfall
Beurteilung eines kranken Kindes
Bewusstlosigkeit, Atemstillstand
Atemspende
Herzdruckmassage (Thoraxkompression)
Was ist zu tun, wenn man allein ist?
Was gehört in eine Hausapotheke?
Anmerkungen
Wenn ein Kind erschöpft ist, hat es keine Energie, fühlt sich schlapp, ist müde und kommt einfach „nicht in die Gänge"
Möglicherweise ist das Kind durch die alltäglichen Anforderungen überfordert oder befindet sich in einem Entwicklungsschub. Erschöpfung kann auch zu Beginn eines grippalen Infektes auftreten.
Seltener können bei zusätzlichen Auffälligkeiten wie Leistungsschwäche, Fieber, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust oder vermehrtem Durstgefühl auch schwerwiegende Erkrankungen wie eine Herzentzündung ► →, ein Diabetes mellitus ► → oder eine Tumorerkrankung ► → zu Grunde liegen. Auch an das Long Covid Syndrom ► → oder an ein chronisches Erschöpfungssyndrom zum Beispiel nach einem Virusinfekt sollte gedacht werden.
Beim seltenen chronischen Erschöpfungssyndrom liegen möglicherweise Fehlregulationen im Immunsystem und autonomen Nervensystem vor, die zu einer extremen Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit, einer schweren geistigen und körperlichen Ermüdbarkeit führen und über mehrere Monate andauern. Eine allgemein gültige Therapie gibt es derzeit nicht. Therapiemaßnahmen müssen individuell und symptomorientiert angepasst werden.
Bei Jugendlichen können dauerhafte Abgeschlagenheit und Teilnahmslosigkeit beispielsweise ein erstes Zeichen für eine beginnende depressive Verstimmung oder einen Drogenkonsum sein.
Ein Abszess ist eine umschlossene Eiteransammlung durch eine Infektion. So gibt es zum Beispiel Hautabszesse (Furunkel), Zahnabszesse oder Abszesse im Mandelbereich (Peritonsillarabszess ► →). Aber auch Abszesse im Körper sind möglich. Häufig sind es bakterielle Erreger wie etwa Staphylokokken, die in die Haut oder Schleimhaut eindringen und typische Symptome machen.
Rachenmandelvergrößerungen (Polypenvergrößerungen) kann man nicht von außen sehen, jedoch ist eine ständige Mundatmung ein indirektes Zeichen dafür.
Polypenvergrößerungen treten besonders in den ersten Lebensjahren auf und verschwinden nach dem sechsten Lebensjahr allmählich. Auch bei Infekten der oberen Luftwege schwellen Polypen für einige Zeit an.
Vergrößerte Polypen können die Verbindung von der Nase zum Mittelohr verschließen, was zu einer Flüssigkeitsansammlung in diesem Bereich führt. Ein Paukenerguss ► → mit einer Hörstörung ist dann die Folge. Zusätzlich werden die weiter unten liegenden Atemwege (Bronchien, Lunge) durch die Mundatmung stärker belastet, weil die Luft ungereinigt und nicht erwärmt zu ihnen gelangt.
Das „Adrenogenitale Syndrom" (AGS) ist eine angeborene Stoffwechselkrankheit, bei der die Hormonsynthese in der Nebennierenrinde gestört ist. Seit Jahren ist in Deutschland die Untersuchung auf das „klassische AGS vom Typ des 21-Hydroxylase-Mangels" Bestandteil des gesetzlichen Neugeborenenscreening.
Beim Neugeborenen:
Später:
Weitere Information
Die Nebenniere besteht aus Nebennierenmark und Nebennebenrinde. Während im Nebennierenmark die „Stresshormone" Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin gebildet werden, ist die Nebennierenrinde für die Produktion von Kortisol, Aldosteron und Testosteron verantwortlich. Diese Hormone werden dort vom Cholesterin ausgehend gebildet. Störungen bei der Bildung eines dieser Hormone hat gravierende Folgen, da die Unterproduktion eines Hormons durch Regelkreise eine Überproduktion der anderen nach sich ziehen kann. Beim AGS kommt es zu einer verminderten Kortisol-Synthese und eventuell auch Aldosteron-Synthese, was zu Störungen im Salzhaushalt und einer stärkeren Vermännlichung führt. Die Häufigkeit des AGS mit seinen verschiedenen Schweregraden beträgt 1:12.000.
Wesentliche Wirkung der Hormone:
Aldosteron wirkt auf Salzhaushalt und Blutdruck (erhöht den Blutdruck).
Cortisol wirkt auf Immunsystem, Zucker- und Fettstoffwechsel (Stresshormon).
Androgene wirken auf die männliche Geschlechtsentwicklung, Sexualität und Fortpflanzung.
Je nach Alter gibt es die:
Neugeborenen-Akne
Akne im Säuglingsalter
Akne im Kindesalter
Akne in der Vorpubertät
Akne vulgaris (Pubertät und Erwachsenenalter)
Die Akne ist eine Erkrankung der Talgdrüsen. Talgdrüsen sind über den ganzen Körper verteilt und besonders häufig anzutreffen am Kopf, im Gesicht, im oberen Brustbereich, im Anal- und Genitalbereich. Sehr wenige gibt es in den Handinnenflächen und an den Fußsohlen. Talgdrüsen münden bis auf wenige Stellen im Bereich der Haarfollikel, sodass der Talg am Haarschaft auf die Haut gelangt. Wird Talg übermäßig gebildet entstehen sogenannte Komedonen, kleine, weiße oder auch schwarze, punktförmige Knötchen. Entzünden sie sich, entstehen kleinere oder größere Eiterbläschen, Pusteln genannt. Hormonelle Einflüsse beeinflussen die Talgproduktion und seine Zusammensetzung. Hier spielt Testosteron eine große Rolle.
Weitere Informationen
Der Einfluss des Testosterons ist um die Geburt und zur Pubertät besonders groß, was die Häufigkeit einer Akne zu diesen Zeiten erklärt. Wenn eine Akne im Kindesalter (Kleinkind bis beginnendes Schulalter) auftritt, kann dies ein Zeichen einer anderen zugrundeliegenden Erkrankung sein und sollte genauer abgeklärt werden. Die Akne in der Vorpubertät ist dann von Bedeutung, wenn andere körperliche Auffälligkeiten entstehen, wie vorzeitige Pubertätszeichen, eine vermehrte Behaarung oder zunehmende Behaarung vom männlichen Typ. Die Akne ist im Pubertätsalter und Erwachsenenalter besonders belastend.
Allergien sind krankhafte Überempfindlichkeitsreaktionen des Körpers auf Fremdstoffe. Sie führen zu Symptomen an der Haut oder der Schleimhaut oder auch im Körper. Je nach dem Mechanismus, wie eine Allergie im Körper abläuft, werden 4 verschiedene Allergietypen unterschieden. Die Vorgänge sind sehr komplex.
Die Typ-I-Allergie (Soforttyp) ist der häufigste Typ. Er tritt meist sofort ein, manchmal auch verzögert nach 4-6 Stunden. Hier gelangen Allergene über die Atemwege, die Haut oder den Magen-Darm-Kanal in den Körper. Dort regen sie bei einigen Menschen das Immunsystem an IgE- Antikörper zu bilden. Diese IgE-Antikörper können dann bei Kontakt mit dem Allergen eine überschießende Reaktion bis zum Schock auslösen (Allergisches Asthma, Heuschnupfen, Arzneimittelallergie, Nahrungsmittelallergie). Die die Allergietypen-II- und-lll- sind im Kindesalter seltener. Bei einer Typ-II-Allergie (zytotoxischer Typ) kommt es nach 6-12 Stunden zur Zerstörung körpereigener Zellen infolge Einnahme von Medikamenten oder einer Blutgruppenunverträglichkeit (z.B. Hämolyse bei Transfusionszwischenfällen). Bei einer Typ-III-Allergie (Immunkomplex-Typ) kommt es nach 6-12 Stunden durch neugebildete Immunkomplexe zu Schädigungen von Gewebe besonders an den Gefäßen (z.B. allergische Vaskulitis). Die Typ-IV-Allergie (Spättyp) ist wiederum häufiger. Die Reaktionen zeigen sich nach 12-72 Stunden. Er wird durch sensibilisierte T-Lymphozyten verursacht. Ein Beispiel ist das allergisch bedingte Kontaktekzem.
Die Veranlagung an einer Allergie zu erkranken, kann vererbt werden. Wenn Eltern an Allergien leiden, erhöht sich beim Kind die Wahrscheinlichkeit allergischer Reaktionen.
Bindehautentzündung ►
→
Heuschnupfen (allergische Rhinitis), siehe Schnupfen ►
→
Asthma ►
→
Obstruktive Bronchitis ►
→
Neurodermitis ►
→
Insektengiftallergie ►
→
Nahrungsmittelallergien ►
→
Nesselsucht ►
→
Arzneimittelallergie/-unverträglichkeit ►
→
Säuglingsalter
Säuglings- und Kleinkindalter
Kleinkindalter
Jugendalter
Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie)
Gegen einige Allergene, die besondere Beschwerden machen, kann eine Hyposensibilisierung erfolgreich geführt werden. Dadurch werden die Symptome der Allergie verringert oder sogar beseitigt. Zur Hyposensibilisierung wird das Allergen stark verdünnt und in ganz geringer Menge dem Körper in bestimmten Abständen verabreicht. Dies erfolgt bei einer Spritzenbehandlung durch Gabe unter die Haut (Subkutane Immuntherapie (SCIT)) anfangs wöchentlich und später in mehrwöchigen Abstand. Wird die Therapie mit entsprechenden Tropfen oder Tabletten durchgeführt (Sublinguale Immuntherapie (SLIT)), muss dies täglich geschehen.
Eine Hyposensibilisierungsbehandlung wird über mehrere Jahre durchgeführt. So kann sich der Körper an das Allergen gewöhnen und reagiert nicht mehr so stark. Wegen möglicher Nebenwirkungen sind bei einer solchen Behandlung bestimmte Vorschriften zu beachten. Werden sie eingehalten, ist das Risiko besonders schockartiger Reaktionen gering.
Therapiert wird besonders gegen Pollen, Hausstaubmilben, Bienen- oder Wespengift.
Kreuzallerqien
Manchmal richten sich die bei einer Allergie entstandenen IgE-Antikörper auch gegen andere Fremdstoffe, weil diese Fremdstoffe auf ihrer Oberfläche in manchen Bereichen eine ähnliche Struktur aufweisen wie das eigentliche Allergen. So können beispielsweise Antikörper gegen Birkenpollen auch bei dem Kontakt mit Kernobst und Steinobst, aber auch auf den Kontakt mit Nüssen oder Pollen von Hasel und Erle, usw. reagieren.
Anaphylaxie
Eine überschießende allergische Reaktion des Immunsystems auf Fremdeiweiße wie Nahrungsmittel, Insektenstiche oder Arzneimittel wird Anaphylaxie genannt. Diese Reaktion kann innerhalb einiger Sekunden oder Minuten, aber auch nach wenigen Stunden beginnen und zu einem lebensbedrohlichen Zustand werden. Die Symptome können an verschiedenen Organsystemen (Haut, Atemwege, Herz-Kreislauf, Magen-Darm) allein, parallel oder nacheinander in nicht vorhersehbarer Reihenfolge auftreten. Die Schweregrade sind fließend und die therapeutischen Maßnahmen bei Schock (anaphylaktischer) ► → aufgeführt.
Eine Anämie ist eine Blutarmut, die vorliegt, wenn Erythrozyten und/oder Hämoglobin vermindert sind und nicht den Altersnormwerten entsprechen.
Die Erythrozyten mit dem Sauerstoff tragenden roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) machen den größten Teil der festen Bestandteile im Blut aus. Sie werden im Knochenmark gebildet und nach ca. 120 Tagen in Milz und Leber abgebaut. Bei diesem Abbau entsteht der gelbe Blutfarbstoff Bilirubin, der über die Leber und Galle ausgeschieden wird. Für die Bildung von rotem Blutfarbstoff werden Eisen, Vitamin B12 und Folsäure benötigt.
Erkrankungen, bei denen es zu einem vorzeitigen Abbau der Erythrozyten kommt.
Erkrankungen, bei denen es zu einer verminderten Neubildung der Erythrozyten kommt.
Blutverlust, Infekte oder chronische Erkrankungen.
Eisen-, Vitamin B12- oder Folsäure-Mangel.
Die häufigsten Ursachen im Kindesalter sind die Eisenmangel- und Infektanämie, seltener genetische Störungen (z.B. Thalassämie) oder Fehlernährung.
Im Gehirn laufen ständig elektrische Vorgänge ab. Sie dienen der Weiterleitung von Informationen. Bei einem Krampfanfall kommt es zu einer plötzlichen Funktionsstörung des Gehirns, wobei sich in größeren Arealen des Gehirns elektrische Impulse gleichzeitig entladende nach Ort der Funktionsstörung kann es sich dabei um Anfälle handeln, die sich über den ganzen Körper ausdehnen oder aber nur lokalisiert ablaufen.
Anfälle im Kindesalter sind ernst zu nehmende Zustände, bedürfen einer sofortigen Therapie und einer raschen diagnostischen Klärung. Anfälle gehen nicht immer vom Gehirn aus. Zu klären ist also die Frage, ob es sich um einen epileptischen oder nichtepileptischen Anfall handelt und ob sich aus dem Anfall eventuell eine Epilepsie entwickeln kann. Besonders bei epileptischen Anfällen ist die Zusammenarbeit zwischen der Kinderärztin/dem Kinderarzt und einem dafür ausgebildeten Spezialambulanz wichtig. Anfälle können eingeteilt werden in (siehe weiter unten):
Gelegenheitskrämpfe, z.B. Fieberkrampf
Epileptische Anfälle
Nicht-epileptische Anfälle
Falls Fieberkrämpfe oder ein Anfallsleiden bekannt sind:
Gelegenheitskrämpfe sind epileptische Anfälle, die nur in bestimmten Situationen auftreten und dann nicht wieder. Solche Ursachen können beispielsweise sein: Fieber (Fieberkrampf), Unterzuckerungen bei Diabetes, Gehirnentzündung, Schädeltraumen und andere mehr.
Fieberkrampf
Fieberkrämpfe sind keine Seltenheit. Sie treten in den ersten sechs Lebensjahren auf und haben in der Regel keine Folgen. Statistisch erleidet etwa jedes 30. Kind in seinem Leben einen Fieberkrampf, der für die Eltern und andere Beteiligte ein stressiges Ereignis ist. Häufig nehmen sie nicht wahr, dass es sich „nur" um einen Fieberkrampf handelt. Denn das Fieber wird meist nicht bemerkt. Erst wenn das Kind im Krankenhaus ist, wird festgestellt, dass es Fieber hat.
Beteiligte, die einen Krampfanfall zum ersten Mal erleben, sind in größter Sorge, dass dem Kind jetzt etwas Ernsthaftes passiert und es vielleicht sterben könnte.
Bei einem Krampfanfall zuckt ein Kind häufig mit Armen und Beinen oder spannt sie an, ist blau, atmet nur sehr unregelmäßig, verdreht die Augen noch oben und meist zu einer Seite und ist nicht ansprechbar.
Generalisiert ablaufende Fieberkrämpfe von einer Dauer bis zu 15 Minuten zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem fünften Lebensjahr können häufig als harmlos eingestuft werden. Fieberkrämpfe treten in Familien gehäuft auf.
Tritt ein solches Ereignis zum ersten Mal auf, ist eine genaue Untersuchung wichtig, denn neben Fieberkrämpfen gibt es auch andere Ursachen für Krampfanfälle wie eine Hirnhautentzündung oder ein beginnendes Anfallsleiden.
Die Epilepsie (Fallsucht) ist der Oberbegriff für Anfallsleiden. Von Epilepsie spricht man, wenn epileptische Anfälle mit ihrer fokalen (teilweise, partiell) oder generalisierten (vollständigen) Funktionsstörung des Gehirns ohne erkennbare Auslöser wiederkehrend auftreten. Die Ursachen können vielfältig sein.
Bei den partiellen Anfällen treten Zuckungen nur in Teilbereichen des Körpers auf. Manchmal ist die Sensibilität gestört oder es kommt zu Erbrechen oder Einnässen. Auch das Bewusstsein kann dabei beeinträchtigt sein. Ausgangspunkt ist ein umschriebener Bereich in einer Hirnhälfte, von dem die Störung ausgeht. Bei generalisierten Anfällen sind beide Hirnhälften von einer vorübergehenden Störung betroffen. So kann es zu einem den ganzen Körper erfassenden Anfall mit Störungen des Bewusstseins kommen.
Bei Absencen kommt es für einige Sekunden zu plötzlichen Bewusstseinsstörungen mit Unterbrechung der Tätigkeit und einem starren, leeren Blick manchmal kombiniert mit neurologischen Auffälligkeiten (zum Beispiel Zuckungen). Anschließend wird die Tätigkeit wieder fortgesetzt.
Bei den nicht-epileptischen Anfällen handelt es sich um scheinbare Anfälle, die nicht durch eine Funktionsstörung des Gehirns verursacht werden wie
Schreikrampf
(Respiratorischer Affektkrampf „Wegschreien") Schreikrampf (Respiratorischer Affektkrampf) ►
→
„Nachtschreck"
(Pavor nocturnus) ►
→
Ohnmacht
►
→
Psychogene Anfälle
Tics
►
→
Das Essverhalten der Kinder ist ein zentrales Thema in jungen Familien. Es ist ein wichtiger Gradmesser für Gesundheit. Aber es wird von vielen Eltern schnell überbewertet. Nicht essen wollen kann manchmal ein Machtinstrument des Kindes sein.
Häufiges Essen zwischen den Mahlzeiten kann zu einer scheinbaren Ess- und Appetitstörung führen, genauso wie der wechselnde Kalorienbedarf zwischen Wachstumsschüben.
Eine normale Entwicklung, Leistungsfähigkeit und körperliche Fitness, kein Vorliegen von Durchfall und Erbrechen oder Gewichtsabnahme sprechen gegen eine schwerwiegende Störung.
Anhaltende Appetitlosigkeit kann ein Begleitsymptom bei schwelenden Infekten, chronischen Erkrankungen oder Stress sein.
Stellen Sie das Kind bei anhaltender Appetitlosigkeit zur diagnostischen Abklärung Ihrer Kinderärztin/Ihrem Kinderarzt vor, besonders wenn zusätzliche Auffälligkeiten bestehen.
Armschmerzen ohne ein vorangegangenes traumatisches Ereignis sind im Kindesalter selten.
Folgen eines traumatischen Ereignisses und den damit verbundenen Schmerzen am Arm können sein:
Knochenbruch ►
→
Grünholzfraktur (unvollständiger Knochenbruch an den Extremitäten).
Schlüsselbeinbruch (Clavicula-Fraktur)
Chassaignac (Teilausrenkung des Ellenbogengelenks)
Bei einer Grünholzfraktur ist die einhüllende Knochenhaut intakt oder fast intakt. Bei einem Chassaignac kann bei kleinen Kindern im Ellenbogengelenk die Verbindung zwischen Unterarm und Oberarm gelockert werden, wenn man beim Spielen oder Hochheben am Arm zieht. Dabei rutscht das Ende der Speiche (Radiusköpfchen) aus seiner Verbindung mit dem Oberarm. Es entsteht plötzlich eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung, sodass das Kind kaum greifen oder den Arm hochheben kann.
Gelegentlich entstehen an der Haut nach Medikamenteneinnahme rasch, aber auch noch nach einigen Tagen, blassrote Flecken.
Es ist nicht immer sofort eindeutig, ob es sich um eine allergische oder eine scheinbar allergische (pseudoallergische, nicht immunologisch verursachte) Reaktion handelt.
Bei einer Erkrankung mit dem Epstein-Barr-Virus (Pfeifferschen Drüsenfieber ► →) tritt nach circa 1 Woche häufig dann ein Ausschlag auf, wenn „fälschlicherweise" das Antibiotikum Amoxicillin verabreicht wurde. In der Regel ist dieser Ausschlag eine pseudoallergische Reaktion und verschwindet wieder.
Nur sehr selten rufen Arzneimittel schwere allergische Reaktionen an der Haut mit Blasenbildungen und an den inneren Organen hervor (Stevens-Johnson-Syndrom).
Asthma ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. In Deutschland sind etwa 10 % aller Kinder betroffen. 80 % der Kinder haben ihre ersten asthmatischen Beschwerden vor dem zehnten Lebensjahr, mit einem Maximum zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr.
Asthma ist eine chronische Entzündung der unteren Atemwege und Folge einer gesteigerten Überempfindlichkeit auf innere und äußere Reize. Dies führt phasenweise, immer wiederkehrend oder anhaltend zur Verengung der Bronchien und ihren Aufzweigungen (Bronchiolen).
Hierdurch überbläht sich die Lunge und die eingeatmete Luft kann nur mit zusätzlicher Kraft wieder ausgeatmet werden. Es entsteht eine verlängerte Ausatmungsphase mit einem gelegentlich pfeifenden Geräusch (Giemen).
Allergien
Infekte
Belastung
Schadstoffe
Stresssituationen
Asthma wird je nach seiner Ausprägung in verschiedene Schweregrade eingeteilt und nach der Häufigkeit des Auftretens der asthmatischen Episoden nach einem speziellen Stufenschema therapiert.
Leichter Anfall (häufig)
Mittelstarker Anfall (manchmal)
Schwerer Anfall (selten)
Sehr schwerer Anfall (fast nie)
Lippenbremse - Hierbei werden die Lippen beim Ausatmen durch den Mund etwas zusammengepresst. Dadurch wird das Atmen erleichtert.
Sind Sie bereits mit der Asthmatherapie vertraut, dann handeln Sie so, wie Ihre Ärztin/lhr Arzt es Ihnen empfohlen hat.
Sinnvoll sind Asthmaschulungen, um im Umgang mit dem Asthma sicherer zu werden und die Lebensqualität zu erhöhen. Ein Kind, das zu Asthma neigt, sollte so beraten und gegebenenfalls behandelt werden, dass normale körperliche und sportliche Aktivitäten möglich sind. Es sollten keine Fehlzeiten in der Schule entstehen und seine Entwicklung nicht beeinträchtigt sein.
Spezielle Maßnahmen bei einem Asthmaanfall:
Medikamentöse Langzeittherapie:
Wie häufig ein Asthma auftritt oder wie gut es durch Medikamente eingestellt ist, wird durch folgende 4 Fragen ermittelt und beurteilt:
In den letzten 4 Wochen...
traten häufiger als 2-mal in der Woche tagsüber Beschwerden auf?
wurde nachts der Schlaf durch die Erkrankung gestört?
wurde häufiger als 2-mal in der Woche das Bedarfs-Medikament eingesetzt?
wurde der Alltag durch das Asthma eingeschränkt?
Beurteilung
Keine Frage mit Ja: Das Asthma ist gut kontrolliert.
1-2 Fragen mit Ja: Es besteht ein teilweise kontrolliertes Asthma.
3-4 Fragen mit Ja: Das Asthma ist unkontrolliert.
Asthma
►
→
oder
obstruktive Bronchitis
►
→
mit einem verlängerten Ausatmungsgeräusch und Husten
Krupp
►
→
mit einem ziehenden Einatmungsgeräusch und bellendem Husten
Lungenentzündung
►
→
mit Husten und Fieber
Rippenfellentzündung
►
→
mit Schmerzen, besonders beim tiefen Einatmen, evtl. Fieber
Seltene Erkrankungen, die Atembeschwerden verursachen, und ihre typischen Symptome sind:
Fremdkörper in den Atemwegen
►
→
mit Husten, dem Ringen nach Luft und einem ziehenden Atemgeräusch
Schock
►
→
mit einer kalten schwitzigen Haut, Blässe und schnellem Puls
Kehldeckelentzündung
(Epiglottitis) ►
→
mit einer kloßigen Sprache, Speichelfluss, sitzender Haltung, Fieber und schwerem Kranksein
Pneumothorax
mit plötzlicher Luftnot durch den Ausfall eines Lungenflügels. Hierbei dringt Luft in den Spalt zwischen Lunge und Brustkorb, was die Lunge zusammenfallen lässt
Panikattacke mit Hyperventilation
►
→
( zu schnelles Atmen) mit dem Gefühl, nicht genügend Luft zu bekommen, Angstzustände, Verkrampfung der Hände
Aber auch Polypen, vergrößerte Mandeln, Herz-, Lungen- und Baucherkrankungen können eine leichte chronische Luftnot verursachen.
Beim Säugling kann bereits ein Schnupfen eine leichte Atemnot auslösen.
Die Atemfrequenz ist altersabhängig. Ist die Atemfrequenz erhöht, kann dies ein Zeichen für eine Erkrankung der Atemwege sein. Die Standardwerte gelten für ruhige und gut schlafende Kinder, die kein Fieber haben.
Eine erhöhte Atemfrequenz/min in Ruhe liegt vor bei:
Ist das Kind kurzatmig, dann hat es Luftnot. Tritt zusätzlich eine blaue Hautfarbe auf als Zeichen einer zu geringen Sauerstoffzufuhr oder sogar Bewusstseinsveränderungen wie Verwirrtheit oder Benommenheit besteht höchste Gefahr und dringende Hilfe ist erforderlich.
Ziehende, pfeifende Atemgeräusche (Stridor) entstehen durch eine Einengung der Atemwege bei Entzündungen, Schwellungszuständen, einer muskulären Verkrampfung der Bronchien, einer zu weichen Luftröhre beim Säugling oder auch einmal durch einen Fremdkörper. Der Krupp und eine Luftröhrenentzündung sind typische Beispiele. Selten sind es Fehlbildungen oder Fremdkörper im Bereich der Atemwege oder eine Kehldeckelentzündung.
Brodelnd klingende, schleimige Atemgeräusche beim Ein- und Ausatmen werden durch eine Verlegung der Atemwege verursacht.
Auch lockerer Schnupfen und Schleim in den oberen Atemwegen können solche Geräusche hervorrufen.
Das Giemen entsteht beim Ausatmen durch eine Verengung der Bronchien und seinen kleinen Verästelungen. Meist ist es zäher Schleim, eine Schleimhautschwellung oder die Anspannung der dort liegenden Muskelfasern. Giemen kann phasenweise oder dauerhaft auftreten.
Phasenweise tritt Giemen im Kleinkindalter bis zu 3 Jahren häufig auf, meist durch wiederkehrende Infekte verursacht und verschwindet mit der Zeit. Auch andere Ursachen wie Rauchen in der Umgebung, eine Allergieneigung oder körperliche Belastung können Auslöser sein.
Tritt Giemen dauerhaft oder gehäuft auf, kann es ein Zeichen für ein (beginnendes) Asthma, aber auch für andere seltene Ursachen wie Mukoviszidose ► → oder einen gastroösophagealen Reflux (Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre) ► → sein. Asthmatische Beschwerden sind in der Regel mit Giemen verbunden.
Sofort müssen Sie die Notärztin/den Notarzt informieren bei:
Kleine Gegenstände, auch kleine Spielzeugartikel, sollten wegen der Einatmungsgefahr für Säuglinge und Kleinkinder nicht erreichbar sein. Das gilt auch für kleine Nahrungsmittel wie Erdnüsse, harte Apfel- oder ungekochte Möhrenstücke, Pistazienkerne und Popcorn. Puder sollten Sie als Pflegemittel nicht benutzen, weil er bei unsachgemäßer Verwendung eingeatmet werden kann. Das kann eine Lungenentzündung nach sich ziehen.
Trotz einer normal angelegten Abwehr erkranken Säuglinge und besonders Kleinkinder bis zu acht Mal pro Jahr an Infekten der oberen und unteren Luftwege, was natürlich beunruhigend ist. Allerdings brauchen Kinder auch diesen Reiz, um „immunologisch kompetent" zu werden. Atemwegsinfekte sind häufiger durch Viren als durch Bakterien verursacht und meist harmlos. Sie können aber auch besonders im Säuglingsalter schwer verlaufen. Das betrifft vor allem die RSV-lnfektionen ► →. Frühgeborene mit vorgeschädigter Lunge, Säuglinge und Kleinkinder entwickeln dann eine Bronchiolitis ► → od er asthmatische Bronchitis ► →, die je nach Verlauf stationär behandelt werden muss.
Erreger: Rhinoviren, RS-Viren, Adenoviren, Influenzaviren (A, B), Parainfluenzaviren, Coronaviren, Enteroviren, SARS-CoV-2
Inkubationszeit: 12 Stunden bis Tage, gelegentlich 1 Woche
Ansteckungsfähigkeit: bei Influenza 1 Tag vor Ausbruch, sonst in der Regel im Akutstadium
Impfempfehlungen für bestimmte Personengruppen zum Schutz vor Erkrankungen mit RS-Viren, Coronaviren und Influenzaviren werden in Deutschland von der ständigen Impfkommission ausgesprochen und ständig ergänzt.
Bei auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen geht man von einer Störung in der Verarbeitung von Schallereignissen aus. Dabei geht es im Besonderen um die Verarbeitung von Sprachlauten, Silben, Wörtern und Sätzen. Folgen sind eine Beeinträchtigung in Sprache, Schrift und im Verstehen und Umsetzen von akustischen Informationen.
Zeichen können eine verminderte akustische Merkfähigkeit beim Hören von Sätzen, Reimen oder Liedern sein. Aber auch häufiges Verwechseln klangähnlicher Laute, die mangelhafte Ortung einer Schallquelle, eine Geräuschüberempfindlichkeit, ein vermindertes Sprachverständnis oder eine verminderte Aufmerksamkeit bei normalem Lärmpegel können auf eine auditive Wahrnehmungsstörung hinweisen.
Die zentrale Therapie einer auditiven Wahrnehmungsstörung nach Diagnostik besteht in einer gezielten logopädischen Behandlung und Beratung. Gelegentlich werden dabei auch apparative Therapiemaßnahmen zum Hörtraining eingesetzt.
Eine Aufmerksamkeitsstörung tritt meist im Rahmen von ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) auf. Sie kann aber auch ein begleitendes Symptom anderer psychischer Erkrankungen oder Belastungen sein.
Die Aufmerksamkeitsstörung ist eine erhöhte, nicht altersgemäße Ablenkbarkeit durch äußere Reize. Sie führt zu erhöhter Unruhe und „nicht bei der Sache bleiben können".
Kinder mit ADHS sind ablenkbar, unorganisiert, meist impulsiv und können sich daher meist schlecht konzentrieren. Die Folgen: häufige Konfliktsituationen zu Hause, im Kindergarten oder in der Schule, verbunden mit Verhaltensauffälligkeiten und einer Verminderung der Leistungsfähigkeit. Dem steht oft eine starke Begeisterungsfähigkeit, Hilfsbereitschaft und Kreativität gegenüber.
Gelegentlich besteht auch eine Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität (ADS). Da die „Träumer" (vorwiegend Mädchen) weniger deutlich auffallen, wird dieses Krankheitsbild häufig erst später diagnostiziert.
Als Ursache werden Störungen von Kontrollmechanismen und Steuerungsprozessen im Gehirn vermutet. Derzeit geht man davon aus, dass circa 2-6% aller Kinder und Jugendlichen eine Aufmerksamkeitsstörung haben.
Haben Sie, der Kindergarten oder die Schule den Verdacht, dass das Kind eine Hyperaktivitäts- oder Aufmerksamkeitsstörung haben könnte, dann nehmen Sie Kontakt mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt auf.
Ihre Kinderärztin/Ihr Kinderarzt braucht Informationen über das Verhalten des Kindes von Ihnen, vom Kindergarten oder der Schule. Häufig sind zusätzlich Tests erforderlich. Dazu wird meist eine Vorstellung in einem sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) oder bei einer Fach person für Kinder- und Jugendpsychiatrie erforderlich.
Der Aufbau eines Auges ist sehr komplex und besteht vereinfacht aus: Hornhaut (Cornea), Bindehaut (Konjunktiva), Lederhaut (Sklera), Regenbogenhaut (Iris) mit Ziliarkörper, Aderhaut, Pupille, Netzhaut (Retina) Linse, Glaskörper, und Sehnerv.
Probleme an den Augen können vielfältig sein. Entzündungen, Verletzungen oder plötzlich auftretende Sehstörungen können ernsthafte Ursachen und Folgen haben.
Augenreizungen durch Seife oder Parfüm verschwinden in der Regel nach Auswaschen nach kurzer Zeit von allein und bedürfen keiner weiteren Therapie.
Eine Bindehautentzündung wird durch Viren, Bakterien, Allergien oder andere äußere Reize ausgelöst. Sie ist durch eine Rötung der Bindehaut, ein brennendes, juckendes Fremdkörpergefühl im Augenbereich, vermehrtem Tränenfluss und Sekretoder Eiterbildung gekennzeichnet.
Bindehautschwellung
Eitrige Konjunktivitis
Allerg. Konjunktivitis
Ab dem späten Kleinkindalter machen Allergien auch an der Bindehaut der Augen (allergische Konjunktivitis) und an der Nasenschleimhaut (Heuschnupfen, allergische Rhinitis) Beschwerden. Bei Kontakt zu Allergenen, insbesondere Pollen, kommt es zu einem vermehrten klarsichtigen Sekretfluss, der die Kinder und deren Lebensqualität stark beeinflussen kann. Die Beschwerden können zeitlich begrenzt, aber auch ganzjährig sein. Dies hängt ganz vom Allergen ab. Frühblüher wie Hasel und Erle machen beispielsweise schon im Januar bis Anfang April Beschwerden. Gräser in der Zeit von Mai bis August. Hausstaubmilben eher ganzjährig. Das Führen eines Beschwerdetagebuchs und die Beobachtung des Pollenflugkalenders helfen, das krankmachende Allergen zu erkennen. Die genaue Diagnostik wird durch Haut und- Bluttests geführt.
Entzündungen der Regenbogenhaut und des Ziliarkörpers, der für die Nah- und Ferneinstellung der Linse verantwortlich ist, führen gelegentlich zu Augenschmerzen, Lichtscheue, Fremdkörpergefühl, einem tränenden Auge mit Rötung und auf Dauer zur Sehverschlechterung. Rheumatische Erkrankungen sind häufig damit verbunden oder stellen ein erstes Symptom dar.
Ein Gerstenkorn entwickelt sich entweder am Ansatz der Wimpern oder aus tiefer gelegenen Liddrüsen. Es ist durch eine Rötung und Schwellung im Lidbereich durch einwandernde Bakterien mit Eiterbildung gekennzeichnet. Es verläuft oft schnell und heftig und tut weh.
Ein Hagelkorn ist eine kaum schmerzhafte Verstopfung des Drüsenausführungsganges einer Talgdrüse mit Schwellung des Lids und als verschieblicher Knoten im Lid
Lidrandentzündungen entstehen durch Reizung (Staub, Wärme, Kälte, reizende Substanzen, etc.) oder durch eine bakterielle Besiedlung und häufig in Verbindung mit einer Bindehautentzündung.
Ein ständig tränendes und verklebtes Auge im Säuglingsalter wird meist durch einen zu engen oder verschlossenen Tränenkanal verursacht. Eine Tränengangsverengung (Tränengangsstenose) weitet sich normalerweise im Laufe der ersten Lebensmonate.
Verletzungen oder Verätzungen müssen rasch versorgt werden, weil sie zu bleibenden Schäden führen können. Verätzungen müssen sofort mit Wasser ausgespült werden.
Sehschärfe
Die Sehschärfe bei Kindern entwickelt sich. Mit einem Jahr haben Kinder circa 50 % der Sehschärfe eines Erwachsenen. Mit circa 6 Jahren ist sie häufig schon voll ausgebildet. Eine Sehschärfe von 100 % (entsprechend einem Visus von 1,0) bedeutet zwei Gegenstände, die zueinander einen Abstand von 1,5 mm haben, noch aus 5 m getrennt wahrnehmen zu können. Zur Prüfung gibt es entsprechende Sehtesttafeln.
Ein gut funktionierendes Zusammenspiel beider Augen ermöglicht ein räumliches Sehen. Dazu ist allerdings die intakte Sehkraft beider Augen nötig.
Sehfehler
Die häufigsten Sehfehler sind:
Weitsichtigkeit:
Weitsicht gut, Nahsicht nur mit Anstrengung gut.
Kurzsichtigkeit:
Nahsicht gut, Weitsicht schlecht.
Hornhautverkrümmung (Astigmatismus=Stabsichtigkeit):
Im Auge werden punktförmige Lichtquellen stabförmig (länglich) und Gegenstände daher verzerrt abgebildet.
Schielen (Strabismus):
Das Zusammenspiel der Augenmuskeln ist gestört und beeinträchtigt die Entwicklung der Sehkraft. Häufige Ursache im Kindesalter ist eine unbehandelte Weitsichtigkeit. Bei plötzlich aufgetretenem Schielen oder Sehstörungen an Hirntumor denken! Es wird unterteilt in:
Begleitschielen:
Die Augen können einwärts oder auswärts schielen. Der Schielwinkel bleibt in allen Blickrichtungen gleich.
Lähmungsschielen:
Das Schielen nimmt in bestimmten Blickwinkeln zu. Ursache ist die Lähmung eines Augenmuskels.
Scheinschielen:
Durch eine breite Nasenwurzel sieht es nur so aus, als ob ein Schielen vorliegt.
Farbsinnstörung
Störungen des Farbensehens können angeboren, aber auch später durch Krankheit erworben oder Medikamente ausgelöst werden. Von einer angeborenen Störung des Farbenunterscheidungsvermögens sind ca. 8 % der Bevölkerung betroffen, vornehmlich Männer. Am häufigsten liegt eine Rot-Grün-Sehschwäche vor. Hier fällt es den Menschen schwer, die Farben Rot und Grün zu unterscheiden. Untersuchungen mit entsprechenden Farbkarten (Ishihara-Karten) geben Hinweise. Die Rot-Grün-Schwäche wird x-chromosomal rezessiv vererbt.
Amblyopie
Ein- oder beidseitige Sehschwäche, die durch eine Beeinträchtigung der sich in der Säuglings- und Kleinkindzeit entwickelnden Sehschärfe verursacht wird. Häufige Ursache ist das Schielen.
Exophthalmus und Enophthalmus
Vorstehen und/oder Zurücktreten des Auges in die Augenhöhle durch mannigfaltige Ursachen (Schilddrüsenerkrankungen, Entzündungen, Gefäßfehlbildungen, Tumoren).
Glaukom (grüner Star)
Verlust von Nervenfasern im Auge mit der Folge von Gesichtsfeldausfällen bis zur Erblindung durch verschiedene Augenerkrankungen.
Katarakt (grauer Star)
Trübung der Linse. Häufig ungeklärt, manchmal angeboren, durch Stoffwechselerkrankungen, Infektionen, Verletzungen ausgelöst oder genetisch bedingt.
Leukokorie
Auffälliger weißer Veränderung in der Pupille bei einfallendem Licht. Trübung von Linse und Glaskörper bis hin zum Tumor (Retinoblastom) können die Ursache sein.
Retinoblastom
Seltener,
bösartiger Tumor im Auge. Es tritt im Kleinkindalter auf und zeigt sich durch Sehverschlechterung, Schielen und Leukokorie.
Frühgeborenen-Retinopathie
Fehlentwicklung an den Gefäßen der Netzhaut bei Frühgeborenen, die wegen Atemproblemen zusätzlich Sauerstoff bekommen haben.
Autistische Störungen werden aufgrund ihrer verschiedenen Formen und Schweregrade in ihrer Gesamtheit Autismus-Spektrum-Störungen genannt. Es handelt sich um eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die in den ersten 30 Lebensmonaten beginnt. Autismus-Spektrum-Störungen sind durch ausgeprägte Kontaktstörungen und sprachliche, motorische und psychische Auffälligkeiten gekennzeichnet.
Der frühkindliche Autismus mit ausgeprägter autistischer Symptomatik fällt meist bereits in den ersten drei Lebensjahren auf. Häufig besteht auch eine Intelligenzminderung.
Beim Asperger-Syndrom sind die Symptome anders ausgeprägt. Störungen in der Kommunikation und sozialen Interaktion, gepaart mit stereotypem und eingeschränktem Interesse für bestimmte Dinge, lassen solche Kinder in ihrer Umgebung „merkwürdig" und „besonders" erscheinen. Manchmal ist dies kombiniert mit Aufmerksamkeits- und Lernschwierigkeiten, aber auch mit hoher Intelligenz oder sog. Inselbegabungen, bei der eine hohe Begabung nur für bestimmte Bereiche vorliegt. Kinder mit einem Asperger-Syndrom fallen häufig erst in der Schulzeit auf.
