Was hat das Kind? Was kann ich tun? - Jörg Nase - E-Book

Was hat das Kind? Was kann ich tun? E-Book

Jörg Nase

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Beschreibung

Wenn ein Kind krank wird, stellen sich die Fragen: Was kann es sein? Was kann ich tun? Wann ist eine ärztliche Versorgung erforderlich? Dieses Buch soll dazu dienen, sich rasch einen Überblick über Symptome oder Erkrankungen im Kindesalter zu verschaffen, um entsprechende Maßnahmen ergreifen zu können oder sich auf die ärztliche Untersuchung vorzubereiten. Es soll bei Fragen und Entscheidungen hilfreich sein.

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Seitenzahl: 374

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Für Eltern und alle, die Kinder betreuen

Symptome, Erkrankungen, Maßnahmen

Die Entwicklung und Ernährung des Kindes

Maßnahmen beim Notfall

Die gemalten Bilder auf dem Cover stammen aus dem Projekt der Kinderwerkstatt Drolshagen "Jeder Mensch ist etwas Besonderes!".

Besonderer Dank für Anregungen und Ergänzungen gilt den Kolleginnen und Kollegen der Kinderarztpraxis Bergneustadt:

Dr. med. Barbara Hütt

Dr. med. Maren Roth

Cara Hittmeyer

Dr. med. Tim Hertrich

Ludger Roschinsky

Liebe Eltern und betreuende Personen von Kindern!

Wenn ein Kind krank wird, dann sind Sie besorgt und es stellen sich häufig Fragen:

Was kann es sein?

Was kann ich tun?

Wann ist eine ärztliche Versorgung erforderlich?

Durch die Recherche im Internet kann man sich zwar schnell und gut informieren, doch häufig bleibt Verunsicherung. Um sich einen raschen Überblick über Erkrankungen zu verschaffen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, dazu soll dieses Buch dienen.

Basierend auf meiner langjährigen Erfahrung als niedergelassener Kinderarzt und meinen früher herausgegebenen Büchern, aktuellen Informationen und Recherchen habe ich das Buch für Sie zusammengestellt.

In diesem Buch finden Sie im ...

1. Kapitel die wesentlichen Symptome, Erkrankungen und ihre Maßnahmen von der Neugeborenenzeit bis ins Jugendalter alphabetisch aufgelistet. Das Zeichen ► mit Angabe einer Seite führt Sie im Buch zu weiterführenden Informationen über Erkrankungen oder Maßnahmen.

2. Kapitel die wichtigsten Informationen über die Entwicklung eines Kindes und Empfehlungen zu seiner Ernährung.

3. Kapitel wichtige lebensrettende Maßnahmen bei Notfällen.

Natürlich kann dieser Ratgeber nicht auf alle Fragen eine Antwort geben, wenn ein Kind krank ist oder krank erscheint, aber ich hoffe, dass ich Ihnen mit dieser Lektüre Informationen, Wissen und etwas mehr Sicherheit vermitteln kann.

Jörg Nase

Inhaltsverzeichnis

1. Symptome, Erkrankungen und ihre Maßnahmen von A bis Z

Abgeschlagenheit, Erschöpfung, Schwäche

Abszess

Adenoide (Polypen, Rachenmandelvergrößerung)

Adrenogenitales Syndrom (AGS)

Akne

Allergien

Anämie

Anfälle

Appetitlosigkeit

Armschmerzen

Arzneimittelausschlag

Asthma

Atembeschwerden, Luftnot

Atemwegsinfekte durch Viren

Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung

Aufmerksamkeitsstörung (ADS / ADHS)

Augenprobleme

Autismus-Spektrum-Störungen

Ängste

Bauchschmerzen

Beinfehlstellungen/Beinlängendifferenz

Bisse

Blähungen

Blasenentzündung (Zystitis)

Blässe

Blinddarmentzündung (Appendizitis)

Bluthochdruck

Blut im Stuhl

Blut im Urin

Blutschwämmchen (Hämangiom)

Borreliose (Lyme disease)

Brennen beim Wasserlassen

Bronchitis, Bronchiolitis des Säuglings oder Kleinkinds

Brustschmerzen

Cholesteatom

Colitis ulcerosa

Corona-Infektion

Darmeinstülpung (Invagination)

Darmerkrankungen, chronisch entzündliche

Darmverschlingung (Volvulus)

Darmverschluss (Ileus)

Depression (Stimmungsschwankung)

Diabetes mellitus

Diphtherie

Dreitagefieber (Exanthema subitum)

Durchfall

Einkoten (Enkopresis)

Einnässen (Harninkontinenz)

Entwicklungsverzögerung, Entwicklungsstörung

Erbrechen

Ertrinkungsunfälle

Erysipel (Wundrose)

Ess- und Appetitstörungen

Feuermai (Naevus flammeus)

Fieber

Fremdkörper im Verdauungstrakt

Fremdkörper in den Atemwegen

Fremdkörper in Nase oder Ohr

Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME)

Fruktoseunverträglichkeit

Furunkel, Karbunkel

Fußfehlstellung

Galaktosämie

Gallenblasenerkrankung

Gastroösophagealer Reflux

Gehirn- und Rückenmarkentzündung

Gehörgangsentzündung (Otitis externa)

Gelbsucht

Gelenkbeschwerden

Gesichtsnervlähmung (Fazialisparese)

Glieder- und Knochenschmerzen

Grippe

Gürtelrose (Herpes Zoster)

Haarprobleme

Haemophilus influenzae B (Hiß)

Halsschmerzen

Haltungsschwächen, Haltungsstörungen

Hand-Mund-Fuß-Krankheit

Harnwegsfehlbildungen

Harnwegsinfekt

Hautausschlag

Hautentzündung in Hautfalten (Intertrigo, „Hautwolf")

Hepatitis A

Hepatitis B

Herpes Simplex Virus (HSV)- Erkrankung

Herzprobleme

Hirnhautentzündung (Meningitis)

Hirninfarkt

Hirntumoren

Hitzepickel, Schwitzpickel (Miliaria)

Hitzeschäden

Hodenprobleme

Hörstörungen

Hüftprobleme

Husten

Hyperventilation

Immunthrombozytopenie (ITP)

Impetigo contagiosa (Grind, Borkenflechte)

Impfen

Infektanfälligkeit

Juckreiz

Kälteschäden

Kawasaki-Syndrom

Kehldeckelentzündung (Epiglottitis)

Keuchhusten (Pertussis)

Kinderlähmung (Poliomyelitis)

Kleinwuchs

Knochenbrüche

Knochenentzündung

Knochentumor

Kontaktekzem

Koordinationsstörung, motorische Ungeschicklichkeit

Kopfgneis

Kopfschmerzen

Krätze (Skabies)

Kreislaufprobleme, Ohnmacht, Orthostase-Syndrom

Krupp

Kuhmilchunverträglichkeit

Lähmungen

Laktoseintoleranz (Milchzuckerunerträglichkeit)

Lambliasis

Läuse

Leistenbruch, Wasserbruch, Varikozele

Leseschwäche/Rechtschreibschwäche/Rechenschwäche

Leukämie

Lidschwellungen

Lippen-Kiefer-Gaumenspalten

Lungenentzündung (Pneumonie)

Lymphknotenschwellungen

Magenpförtnerkrampf (hypertrophe Pylorusstenose)

Magenschleimhautentzündung (Gastritis)

Magersucht (Anorexia nervosa), Bulimie

Mandelentzündung (Tonsillitis)

Mandelvergrößerung

Masern

Mastoiditis

Mediennutzungszeiten

Meningitis

Meningokokken-Erkrankung (siehe auch Hirnhautentzündung)

Migräne

Milchschorf

Milien im Säuglingsalter

Mittelohrentzündung (Otitis media)

Morbus Crohn

Mukoviszidose (zystische Fibrose, CF)

Mumps

Mundgeruch

Mundhöhlenentzündung

Muskelschmerzen

Muskelschwäche

Nabelprobleme

Nachtangst (Nachtschreck, Pavor nocturnus)

Nagelentzündung

Nagelveränderungen

Nahrungsmittelallergien

Nasenbluten

Nasennebenhöhlenentzündung (Rhinosinusitis)

Nesselsucht (Urticaria)

Neugeborenenexanthem

Neuroblastom

Neurodermitis

Nierenerkrankungen

Ohrenschmerzen

Paukenerguss (Mucoserotympanon)

Peritonsillarabszess

Pfeiffersches Drüsenfieber (Infektiöse Mononukleose)

Phenylketonurie

Phlegmone

Pigmentierungsstörungen und Pigmentflecken

Pilzerkrankungen der Haut

Plötzlicher Kindstod (Vorbeugemaßnahmen)

Pneumokokken-Erkrankungen

Prellungen, Blutergüsse

Purpura Schönlein-Henoch (Vasculitis allergica)

Rachenmandelvergrößerung

Reizdarm (Colon irritabile)

Reye-Syndrom

Rheuma, kindliches (Juvenile idiopathische Arthritis)

Rheumatisches Fieber

Ringelröteln

Rippenfellentzündung (Pleuritis)

Röteln

RSV-Erkrankung

Rückenschmerzen

Schädelprellung, Schädel-Hirn-Trauma

Schädelverformung im Säuglingsalter

Schamlippenverklebung (Labiensynechie)

Scharlach

Schiefhals

Schilddrüsenerkrankungen

Schlafstörungen

Schluckauf (Singultus)

Schnupfen (Rhinitis)

Schock

Schreiender Säugling

Schreikrampf (Respiratorischer Affektkrampf)

Schuppenflechte (Psoriasis)

Schuppenröschenflechte (Pityriasis rosea)

Schwindel

Seborrhoisches Ekzem

Seitenstrangangina

Sprachentwicklungsstörungen

Staphylokokkeninfekte

Stiche durch Insekten und Milben

Streptokokken der Gruppe A/ Scharlach

Streptokokken der Gruppe B

Stromunfall

Tics

Toxoplasmose

Tumorerkrankungen im Kindesalter (Häufigkeiten)

Übergewicht und Untergewicht

Unfälle im Kindesalter

Verbrennungen und Verbrühungen

Vergiftungen

Verhaltensstörungen

Verletzungen (große Blutgefäße, kleine Verletzungen)

Verstopfung

Virusinfekt, grippaler

Vorhautentzündung, Vorhautverengung

Vulvitis/Vulvovaginitis, Lichen sclerosus

Wachstumsstörungen

Wahrnehmungsstörungen

Warzen

Windeldermatitis, Windelsoor

Windpocken (Varizellen)

Wundstarrkrampf (Tetanus)

Wurmerkrankungen

Zahnungsbeschwerden, Zahnschmerzen

Zeckenbiss

Zerebralparese

Zöliakie (Einheimische Sprue)

2. Entwicklung, Ernährung

Entwicklung des Kindes

Ernährung

3. Der Notfall

Defibrillator

Das Verhalten beim Notfall

Beurteilung eines kranken Kindes

Bewusstlosigkeit, Atemstillstand

Atemspende

Herzdruckmassage (Thoraxkompression)

Was ist zu tun, wenn man allein ist?

Was gehört in eine Hausapotheke?

Anmerkungen

1. Symptome, Erkrankungen und ihre Maßnahmen von A bis Z

Abgeschlagenheit, Erschöpfung, Schwäche

Wenn ein Kind erschöpft ist, hat es keine Energie, fühlt sich schlapp, ist müde und kommt einfach „nicht in die Gänge"

Möglicherweise ist das Kind durch die alltäglichen Anforderungen überfordert oder befindet sich in einem Entwicklungsschub. Erschöpfung kann auch zu Beginn eines grippalen Infektes auftreten.

Seltener können bei zusätzlichen Auffälligkeiten wie Leistungsschwäche, Fieber, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust oder vermehrtem Durstgefühl auch schwerwiegende Erkrankungen wie eine Herzentzündung ► →, ein Diabetes mellitus ► → oder eine Tumorerkrankung ► → zu Grunde liegen. Auch an das Long Covid Syndrom ► → oder an ein chronisches Erschöpfungssyndrom zum Beispiel nach einem Virusinfekt sollte gedacht werden.

Beim seltenen chronischen Erschöpfungssyndrom liegen möglicherweise Fehlregulationen im Immunsystem und autonomen Nervensystem vor, die zu einer extremen Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit, einer schweren geistigen und körperlichen Ermüdbarkeit führen und über mehrere Monate andauern. Eine allgemein gültige Therapie gibt es derzeit nicht. Therapiemaßnahmen müssen individuell und symptomorientiert angepasst werden.

Bei Jugendlichen können dauerhafte Abgeschlagenheit und Teilnahmslosigkeit beispielsweise ein erstes Zeichen für eine beginnende depressive Verstimmung oder einen Drogenkonsum sein.

Was kann ich tun?

Achten Sie bei dem Kind auf genügend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und sorgen Sie dafür, dass es sich wohlfühlt. Nehmen Sie sich genug Zeit, damit es auch über ein Problem reden kann.Hält die Erschöpfung an oder verschlimmert sie sich, dann sollte dies medizinisch abgeklärt werden.

Abszess

Symptome:

Rötung, Überwärmung, Schwellung meist mit entzündlicher Gewebseinschmelzung (Eiterbildung)Schmerzen, evtl. Fieber

Ein Abszess ist eine umschlossene Eiteransammlung durch eine Infektion. So gibt es zum Beispiel Hautabszesse (Furunkel), Zahnabszesse oder Abszesse im Mandelbereich (Peritonsillarabszess ► →). Aber auch Abszesse im Körper sind möglich. Häufig sind es bakterielle Erreger wie etwa Staphylokokken, die in die Haut oder Schleimhaut eindringen und typische Symptome machen.

Ärztliche Maßnahmen:

Bei kleineren Abszessen an der Haut reichen häufig eine lokale Desinfektion und Eröffnung des Abszesses aus, falls er sich nicht von allein öffnet.Je nach Ort und Schwere des Abszesses sind allerdings weiterführende chirurgische und antibiotische Maßnahmen erforderlich.

Adenoide (Polypen, Rachenmandelvergrößerung)

Symptome:

MundatmungNächtliches SchnarchenPaukenergüsseHörstörungen

Rachenmandelvergrößerungen (Polypenvergrößerungen) kann man nicht von außen sehen, jedoch ist eine ständige Mundatmung ein indirektes Zeichen dafür.

Polypenvergrößerungen treten besonders in den ersten Lebensjahren auf und verschwinden nach dem sechsten Lebensjahr allmählich. Auch bei Infekten der oberen Luftwege schwellen Polypen für einige Zeit an.

Vergrößerte Polypen können die Verbindung von der Nase zum Mittelohr verschließen, was zu einer Flüssigkeitsansammlung in diesem Bereich führt. Ein Paukenerguss ► → mit einer Hörstörung ist dann die Folge. Zusätzlich werden die weiter unten liegenden Atemwege (Bronchien, Lunge) durch die Mundatmung stärker belastet, weil die Luft ungereinigt und nicht erwärmt zu ihnen gelangt.

Was kann ich tun?

Achten Sie auf eine optimale Wohn- und Schlafumgebung und pflegen Sie die Nasenwege.Eine optimale Schlafumgebung, die Befeuchtung der Nasenwege mit Kochsalzlösung und schleimlösende Säfte können die Atmung erleichtern.Bedenken Sie auch, dass die obengenannten Symptome auch im Rahmen von Infekten auftreten und sich wieder zurückbilden können.

Ärztliche Maßnahmen:

Falls Hörstörungen mit häufigen Infekten und Schlafstörungen die Folge der Polypen sind, kann eine operative Entfernung nötig werden. Besteht gleichzeitig ein Paukenerguss, wird häufig zur Belüftung des Mittelohres ein Paukenröhrchen eingesetzt.

Adrenogenitales Syndrom (AGS)

Das „Adrenogenitale Syndrom" (AGS) ist eine angeborene Stoffwechselkrankheit, bei der die Hormonsynthese in der Nebennierenrinde gestört ist. Seit Jahren ist in Deutschland die Untersuchung auf das „klassische AGS vom Typ des 21-Hydroxylase-Mangels" Bestandteil des gesetzlichen Neugeborenenscreening.

Symptome:

Beim Neugeborenen:

Vergrößerte, auch veränderte Klitoris bei den MädchenTrinkschwäche, Lethargie, Erbrechen und zunehmendes Austrocknen in den ersten Lebenswochen

Später:

Vorzeitige Pubertät mit Schambehaarung, Penis- und KlitorisvergrößerungKleinwuchs durch beschleunigtes Längenwachstum mit vorzeitigem Wachstumsstopp

Ärztliche Maßnahmen:

Der frühzeitige und lebenslange Ersatz der fehlenden Hormone ermöglicht eine weitgehend normale Entwicklung.in der Regel ist eine enge Zusammenarbeit mit einem Spezialisten erforderlich.

Weitere Information

Die Nebenniere besteht aus Nebennierenmark und Nebennebenrinde. Während im Nebennierenmark die „Stresshormone" Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin gebildet werden, ist die Nebennierenrinde für die Produktion von Kortisol, Aldosteron und Testosteron verantwortlich. Diese Hormone werden dort vom Cholesterin ausgehend gebildet. Störungen bei der Bildung eines dieser Hormone hat gravierende Folgen, da die Unterproduktion eines Hormons durch Regelkreise eine Überproduktion der anderen nach sich ziehen kann. Beim AGS kommt es zu einer verminderten Kortisol-Synthese und eventuell auch Aldosteron-Synthese, was zu Störungen im Salzhaushalt und einer stärkeren Vermännlichung führt. Die Häufigkeit des AGS mit seinen verschiedenen Schweregraden beträgt 1:12.000.

Wesentliche Wirkung der Hormone:

Aldosteron wirkt auf Salzhaushalt und Blutdruck (erhöht den Blutdruck).

Cortisol wirkt auf Immunsystem, Zucker- und Fettstoffwechsel (Stresshormon).

Androgene wirken auf die männliche Geschlechtsentwicklung, Sexualität und Fortpflanzung.

Akne

Symptome:

Mitesser, Papeln und Pusteln

Je nach Alter gibt es die:

Neugeborenen-Akne

Akne im Säuglingsalter

Akne im Kindesalter

Akne in der Vorpubertät

Akne vulgaris (Pubertät und Erwachsenenalter)

Die Akne ist eine Erkrankung der Talgdrüsen. Talgdrüsen sind über den ganzen Körper verteilt und besonders häufig anzutreffen am Kopf, im Gesicht, im oberen Brustbereich, im Anal- und Genitalbereich. Sehr wenige gibt es in den Handinnenflächen und an den Fußsohlen. Talgdrüsen münden bis auf wenige Stellen im Bereich der Haarfollikel, sodass der Talg am Haarschaft auf die Haut gelangt. Wird Talg übermäßig gebildet entstehen sogenannte Komedonen, kleine, weiße oder auch schwarze, punktförmige Knötchen. Entzünden sie sich, entstehen kleinere oder größere Eiterbläschen, Pusteln genannt. Hormonelle Einflüsse beeinflussen die Talgproduktion und seine Zusammensetzung. Hier spielt Testosteron eine große Rolle.

Was kann ich tun?

Reinigung mit Syndets oder speziellen Gele für Akne.Keine Hautpflege mit fetthaltigen Salben oder Cremes, sondern wenn möglich hydrophile Lotionen oder Gele benutzen.Auf ausgewogene, gesunde Ernährung achten. Nur wenig Milchprodukte und möglichst keine fettreiche Ernährung zu sich nehmen.

Ärztliche Maßnahmen:

Je nach Schweregrad und Alter sind lokale Maßnahmen mit Benzoylperoxid, topischen Retinoiden oder Antibiotika erforderlich. Auch eine Therapie mit Tabletten kann je nach Alter und Schwere des Befundes erwogen werden. Zu beachten ist, dass bei Gabe mancher Medikamente bei Sonneneinstrahlung Vorsicht geboten ist wie bei Retinoiden oder Tetracylinen.

Weitere Informationen

Der Einfluss des Testosterons ist um die Geburt und zur Pubertät besonders groß, was die Häufigkeit einer Akne zu diesen Zeiten erklärt. Wenn eine Akne im Kindesalter (Kleinkind bis beginnendes Schulalter) auftritt, kann dies ein Zeichen einer anderen zugrundeliegenden Erkrankung sein und sollte genauer abgeklärt werden. Die Akne in der Vorpubertät ist dann von Bedeutung, wenn andere körperliche Auffälligkeiten entstehen, wie vorzeitige Pubertätszeichen, eine vermehrte Behaarung oder zunehmende Behaarung vom männlichen Typ. Die Akne ist im Pubertätsalter und Erwachsenenalter besonders belastend.

Allergien

Allergien sind krankhafte Überempfindlichkeitsreaktionen des Körpers auf Fremdstoffe. Sie führen zu Symptomen an der Haut oder der Schleimhaut oder auch im Körper. Je nach dem Mechanismus, wie eine Allergie im Körper abläuft, werden 4 verschiedene Allergietypen unterschieden. Die Vorgänge sind sehr komplex.

Die Typ-I-Allergie (Soforttyp) ist der häufigste Typ. Er tritt meist sofort ein, manchmal auch verzögert nach 4-6 Stunden. Hier gelangen Allergene über die Atemwege, die Haut oder den Magen-Darm-Kanal in den Körper. Dort regen sie bei einigen Menschen das Immunsystem an IgE- Antikörper zu bilden. Diese IgE-Antikörper können dann bei Kontakt mit dem Allergen eine überschießende Reaktion bis zum Schock auslösen (Allergisches Asthma, Heuschnupfen, Arzneimittelallergie, Nahrungsmittelallergie). Die die Allergietypen-II- und-lll- sind im Kindesalter seltener. Bei einer Typ-II-Allergie (zytotoxischer Typ) kommt es nach 6-12 Stunden zur Zerstörung körpereigener Zellen infolge Einnahme von Medikamenten oder einer Blutgruppenunverträglichkeit (z.B. Hämolyse bei Transfusionszwischenfällen). Bei einer Typ-III-Allergie (Immunkomplex-Typ) kommt es nach 6-12 Stunden durch neugebildete Immunkomplexe zu Schädigungen von Gewebe besonders an den Gefäßen (z.B. allergische Vaskulitis). Die Typ-IV-Allergie (Spättyp) ist wiederum häufiger. Die Reaktionen zeigen sich nach 12-72 Stunden. Er wird durch sensibilisierte T-Lymphozyten verursacht. Ein Beispiel ist das allergisch bedingte Kontaktekzem.

Die Veranlagung an einer Allergie zu erkranken, kann vererbt werden. Wenn Eltern an Allergien leiden, erhöht sich beim Kind die Wahrscheinlichkeit allergischer Reaktionen.

Allergien können auftreten als:

Bindehautentzündung ►

Heuschnupfen (allergische Rhinitis), siehe Schnupfen ►

Asthma ►

Obstruktive Bronchitis ►

Neurodermitis ►

Insektengiftallergie ►

Nahrungsmittelallergien ►

Nesselsucht ►

Arzneimittelallergie/-unverträglichkeit ►

Symptome im Kindesalter zeigen eine Altersabhängigkeit:

Säuglingsalter

Im Säuglingsalter überwiegen die Nahrungsmittelallergien. Besonders häufig reagieren Säuglinge auf Milch, Hühnerei, Weizen und Soja. Dies äußert sich in Durchfall, krampfartigen Bauchschmerzen, Erbrechen und chronischen Hautveränderungen und Quaddelbildung.

Säuglings- und Kleinkindalter

Im Säuglings- und Kleinkindalter tritt besonders die Neurodermitis im Gesicht, den großen Gelenkbeugen, aber auch am Hals und am Rumpf auf. Sie ist gekennzeichnet durch rote, schuppige, zum Teil nässende Hautveränderungen, die bei den Kindern einen starken Juckreiz auslösen können.

Kleinkindalter

Ab dem vierten Lebensjahr häufen sich die asthmatischen Beschwerden.

Jugendalter

Im Jugendalter machen allergischer Schnupfen (Rhinitis) und allergische Bindehautentzündung (Konjunktivitis) häufig Probleme. Sie äußern sich in ständigem Schnupfen und Reizzuständen der Augen, meist zur Pollenflugzeit. Häufig lösen Gräser- und Baumpollen die Beschwerden aus.

Weitere Informationen

Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie)

Gegen einige Allergene, die besondere Beschwerden machen, kann eine Hyposensibilisierung erfolgreich geführt werden. Dadurch werden die Symptome der Allergie verringert oder sogar beseitigt. Zur Hyposensibilisierung wird das Allergen stark verdünnt und in ganz geringer Menge dem Körper in bestimmten Abständen verabreicht. Dies erfolgt bei einer Spritzenbehandlung durch Gabe unter die Haut (Subkutane Immuntherapie (SCIT)) anfangs wöchentlich und später in mehrwöchigen Abstand. Wird die Therapie mit entsprechenden Tropfen oder Tabletten durchgeführt (Sublinguale Immuntherapie (SLIT)), muss dies täglich geschehen.

Eine Hyposensibilisierungsbehandlung wird über mehrere Jahre durchgeführt. So kann sich der Körper an das Allergen gewöhnen und reagiert nicht mehr so stark. Wegen möglicher Nebenwirkungen sind bei einer solchen Behandlung bestimmte Vorschriften zu beachten. Werden sie eingehalten, ist das Risiko besonders schockartiger Reaktionen gering.

Therapiert wird besonders gegen Pollen, Hausstaubmilben, Bienen- oder Wespengift.

Kreuzallerqien

Manchmal richten sich die bei einer Allergie entstandenen IgE-Antikörper auch gegen andere Fremdstoffe, weil diese Fremdstoffe auf ihrer Oberfläche in manchen Bereichen eine ähnliche Struktur aufweisen wie das eigentliche Allergen. So können beispielsweise Antikörper gegen Birkenpollen auch bei dem Kontakt mit Kernobst und Steinobst, aber auch auf den Kontakt mit Nüssen oder Pollen von Hasel und Erle, usw. reagieren.

Anaphylaxie

Eine überschießende allergische Reaktion des Immunsystems auf Fremdeiweiße wie Nahrungsmittel, Insektenstiche oder Arzneimittel wird Anaphylaxie genannt. Diese Reaktion kann innerhalb einiger Sekunden oder Minuten, aber auch nach wenigen Stunden beginnen und zu einem lebensbedrohlichen Zustand werden. Die Symptome können an verschiedenen Organsystemen (Haut, Atemwege, Herz-Kreislauf, Magen-Darm) allein, parallel oder nacheinander in nicht vorhersehbarer Reihenfolge auftreten. Die Schweregrade sind fließend und die therapeutischen Maßnahmen bei Schock (anaphylaktischer) ► → aufgeführt.

Anämie

Symptome:

Blässe, besonders Lippen, MundschleimhautMüdigkeit

Eine Anämie ist eine Blutarmut, die vorliegt, wenn Erythrozyten und/oder Hämoglobin vermindert sind und nicht den Altersnormwerten entsprechen.

Die Erythrozyten mit dem Sauerstoff tragenden roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) machen den größten Teil der festen Bestandteile im Blut aus. Sie werden im Knochenmark gebildet und nach ca. 120 Tagen in Milz und Leber abgebaut. Bei diesem Abbau entsteht der gelbe Blutfarbstoff Bilirubin, der über die Leber und Galle ausgeschieden wird. Für die Bildung von rotem Blutfarbstoff werden Eisen, Vitamin B12 und Folsäure benötigt.

Ursachen können sein:

Erkrankungen, bei denen es zu einem vorzeitigen Abbau der Erythrozyten kommt.

Erkrankungen, bei denen es zu einer verminderten Neubildung der Erythrozyten kommt.

Blutverlust, Infekte oder chronische Erkrankungen.

Eisen-, Vitamin B12- oder Folsäure-Mangel.

Die häufigsten Ursachen im Kindesalter sind die Eisenmangel- und Infektanämie, seltener genetische Störungen (z.B. Thalassämie) oder Fehlernährung.

Was kann ich tun?

Achten Sie auf eine gute ausgewogene, altersgerechte Ernährung. Falls Sie das Kind rein vegetarisch oder vegan ernähren, informieren Sie sich eventuell bei Ihrer Kinderärztin/Ihrem Kinderarzt oder der Ernährungsberaterin, damit das Kind alle die Nährstoffe bekommt, die es braucht.

Ärztiiche Maßnahmen:

Klärung der Ursache durch Laboruntersuchungen und falls erforderlich weiterführende Diagnostik.

Anfälle

Symptome eines Krampfanfalls:

Plötzliche BewusstlosigkeitAtemstörungBlaufärbung der HautVerdrehen der Augen, Blickwendung zu einer SeiteZucken oder Anspannen einer, mehrerer oder aller ExtremitätenEinnässen, EinkotenSchaum vor dem MundEventuell Fieber (wird häufig nicht wahrgenommen)

Im Gehirn laufen ständig elektrische Vorgänge ab. Sie dienen der Weiterleitung von Informationen. Bei einem Krampfanfall kommt es zu einer plötzlichen Funktionsstörung des Gehirns, wobei sich in größeren Arealen des Gehirns elektrische Impulse gleichzeitig entladende nach Ort der Funktionsstörung kann es sich dabei um Anfälle handeln, die sich über den ganzen Körper ausdehnen oder aber nur lokalisiert ablaufen.

Anfälle im Kindesalter sind ernst zu nehmende Zustände, bedürfen einer sofortigen Therapie und einer raschen diagnostischen Klärung. Anfälle gehen nicht immer vom Gehirn aus. Zu klären ist also die Frage, ob es sich um einen epileptischen oder nichtepileptischen Anfall handelt und ob sich aus dem Anfall eventuell eine Epilepsie entwickeln kann. Besonders bei epileptischen Anfällen ist die Zusammenarbeit zwischen der Kinderärztin/dem Kinderarzt und einem dafür ausgebildeten Spezialambulanz wichtig. Anfälle können eingeteilt werden in (siehe weiter unten):

Gelegenheitskrämpfe, z.B. Fieberkrampf

Epileptische Anfälle

Nicht-epileptische Anfälle

Was kann ich tun?

Weil ein Krampfanfall plötzlich auftritt, ist er ein belastendes Ereignis. Trotzdem sollten Sie versuchen, ruhig zu bleiben.Schließen Sie aus, dass das Kind einen Fremdkörper verschluckt hat und deswegen nach Luft ringt.Versuchen Sie nicht, den Mund zu öffnen, wenn der Kiefer durch den Anfall verkrampft ist. Sie könnten sich Ihre Finger verletzen.Drehen Sie das Kind auf die Seite und stützen Sie es so, damit es frei atmen kann. Informieren Sie sofort den Rettungsdienst (112).Sichern Sie eine etwaige Gefahrenzone, damit es nicht durch andere äußere Einflüsse zusätzlich verletzt wird (Straßenverkehr, Strom, zerbrochenes Glas, etc.).Achten Sie auf die Dauer des Anfalls, und ob das Kind mit beiden Armen und/oder beiden Beinen krampft oder ob örtliche Zuckungen (Gesicht, Mund) oder Zuckungen asymmetrisch auftreten. Das können Informationen für die spätere Diagnose sein.

Falls Fieberkrämpfe oder ein Anfallsleiden bekannt sind:

Falls Sie eine krampflösende Lösung (Midazolam, altersgerechte Dosierung), die zwischen Zahnfleisch und Wange mit einer Fertigspritze eingeführt wird, oder ein krampflösendes Klistier (Diazepam) zur Hand haben, geben Sie es nach Absprache wie empfohlen. In der Regel hört ein Krampfanfall nach einigen Minuten von allein auf.Sind solche Anfälle mehrfach aufgetreten und ist der Ablauf des Anfalls bekannt, dann gehen Eltern oder betreuende Personen mit einer solchen Situation ruhiger um. Sie sollten sich aber immer professionelle Hilfe hin­zuholen.Besonders bei einem ersten Krampfanfall mit und ohne Fieber ist eine genaue Abklärung wichtig (z.B. Fieberkrampf, Meningitis, beginnendes Anfallsleiden, Tumor).

Ärztliche Maßnahmen:

Bei einem ersten Krampfanfall mit und ohne Fieber müssen Sie immer die Notärztin/den Notarzt informieren. Denn Sie wissen nie, wie lange der Krampfanfall dauern wird und welche Ursache er hat.Ist beim Kind eine Epilepsie bekannt und sind Sie mit dem Umgang vertraut, sollten Sie das jeweilige Vorgehen mit Ihrem Arzt absprechen.

Weitere Informationen

Gelegenheitskrämpfe

Gelegenheitskrämpfe sind epileptische Anfälle, die nur in bestimmten Situationen auftreten und dann nicht wieder. Solche Ursachen können beispielsweise sein: Fieber (Fieberkrampf), Unterzuckerungen bei Diabetes, Gehirnentzündung, Schädeltraumen und andere mehr.

Fieberkrampf

Fieberkrämpfe sind keine Seltenheit. Sie treten in den ersten sechs Lebensjahren auf und haben in der Regel keine Folgen. Statistisch erleidet etwa jedes 30. Kind in seinem Leben einen Fieberkrampf, der für die Eltern und andere Beteiligte ein stressiges Ereignis ist. Häufig nehmen sie nicht wahr, dass es sich „nur" um einen Fieberkrampf handelt. Denn das Fieber wird meist nicht bemerkt. Erst wenn das Kind im Krankenhaus ist, wird festgestellt, dass es Fieber hat.

Beteiligte, die einen Krampfanfall zum ersten Mal erleben, sind in größter Sorge, dass dem Kind jetzt etwas Ernsthaftes passiert und es vielleicht sterben könnte.

Bei einem Krampfanfall zuckt ein Kind häufig mit Armen und Beinen oder spannt sie an, ist blau, atmet nur sehr unregelmäßig, verdreht die Augen noch oben und meist zu einer Seite und ist nicht ansprechbar.

Generalisiert ablaufende Fieberkrämpfe von einer Dauer bis zu 15 Minuten zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem fünften Lebensjahr können häufig als harmlos eingestuft werden. Fieberkrämpfe treten in Familien gehäuft auf.

Tritt ein solches Ereignis zum ersten Mal auf, ist eine genaue Untersuchung wichtig, denn neben Fieberkrämpfen gibt es auch andere Ursachen für Krampfanfälle wie eine Hirnhautentzündung oder ein beginnendes Anfallsleiden.

Epilepsie, epileptische Anfälle

Die Epilepsie (Fallsucht) ist der Oberbegriff für Anfallsleiden. Von Epilepsie spricht man, wenn epileptische Anfälle mit ihrer fokalen (teilweise, partiell) oder generalisierten (vollständigen) Funktionsstörung des Gehirns ohne erkennbare Auslöser wiederkehrend auftreten. Die Ursachen können vielfältig sein.

Bei den partiellen Anfällen treten Zuckungen nur in Teilbereichen des Körpers auf. Manchmal ist die Sensibilität gestört oder es kommt zu Erbrechen oder Einnässen. Auch das Bewusstsein kann dabei beeinträchtigt sein. Ausgangspunkt ist ein umschriebener Bereich in einer Hirnhälfte, von dem die Störung ausgeht. Bei generalisierten Anfällen sind beide Hirnhälften von einer vorübergehenden Störung betroffen. So kann es zu einem den ganzen Körper erfassenden Anfall mit Störungen des Bewusstseins kommen.

Bei Absencen kommt es für einige Sekunden zu plötzlichen Bewusstseinsstörungen mit Unterbrechung der Tätigkeit und einem starren, leeren Blick manchmal kombiniert mit neurologischen Auffälligkeiten (zum Beispiel Zuckungen). Anschließend wird die Tätigkeit wieder fortgesetzt.

Nicht-epileptische Anfälle

Bei den nicht-epileptischen Anfällen handelt es sich um scheinbare Anfälle, die nicht durch eine Funktionsstörung des Gehirns verursacht werden wie

Schreikrampf

(Respiratorischer Affektkrampf „Wegschreien") Schreikrampf (Respiratorischer Affektkrampf) ►

„Nachtschreck"

(Pavor nocturnus) ►

Ohnmacht

Psychogene Anfälle

Tics

Appetitlosigkeit

Das Essverhalten der Kinder ist ein zentrales Thema in jungen Familien. Es ist ein wichtiger Gradmesser für Gesundheit. Aber es wird von vielen Eltern schnell überbewertet. Nicht essen wollen kann manchmal ein Machtinstrument des Kindes sein.

Häufiges Essen zwischen den Mahlzeiten kann zu einer scheinbaren Ess- und Appetitstörung führen, genauso wie der wechselnde Kalorienbedarf zwischen Wachstumsschüben.

Eine normale Entwicklung, Leistungsfähigkeit und körperliche Fitness, kein Vorliegen von Durchfall und Erbrechen oder Gewichtsabnahme sprechen gegen eine schwerwiegende Störung.

Anhaltende Appetitlosigkeit kann ein Begleitsymptom bei schwelenden Infekten, chronischen Erkrankungen oder Stress sein.

Was kann ich tun?

Kleine, kindgerechte Mahlzeiten anbieten.Nur so viel Nahrung anbieten, wie das Kind auch wirklich essen kann.Das Kind entscheiden lassen, wie viel es essen möchte.Schaffen einer angenehmen Essatmosphäre, ohne dabei fernzusehen.Mahlzeiten gemeinsam einnehmen und zu geregelten Zeiten.

Stellen Sie das Kind bei anhaltender Appetitlosigkeit zur diagnostischen Abklärung Ihrer Kinderärztin/Ihrem Kinderarzt vor, besonders wenn zusätzliche Auffälligkeiten bestehen.

Ärztliche Maßnahmen:

Körperliche Untersuchung, Gespräch, Laborabnahme und falls erforderlich weiterführende diagnostische Schritte klären die Ursache ab.

Armschmerzen

Armschmerzen ohne ein vorangegangenes traumatisches Ereignis sind im Kindesalter selten.

Folgen eines traumatischen Ereignisses und den damit verbundenen Schmerzen am Arm können sein:

Knochenbruch ►

Grünholzfraktur (unvollständiger Knochenbruch an den Extremitäten).

Schlüsselbeinbruch (Clavicula-Fraktur)

Chassaignac (Teilausrenkung des Ellenbogengelenks)

Bei einer Grünholzfraktur ist die einhüllende Knochenhaut intakt oder fast intakt. Bei einem Chassaignac kann bei kleinen Kindern im Ellenbogengelenk die Verbindung zwischen Unterarm und Oberarm gelockert werden, wenn man beim Spielen oder Hochheben am Arm zieht. Dabei rutscht das Ende der Speiche (Radiusköpfchen) aus seiner Verbindung mit dem Oberarm. Es entsteht plötzlich eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung, sodass das Kind kaum greifen oder den Arm hochheben kann.

Ärztliche Maßnahmen:

Bei anhaltenden Beschwerden ohne ein vorgegangenes Trauma sind eine weiterführende Diagnostik und gegebenenfalls Therapie erforderlich.Ein Chassaignac kann durch fachgerechtes Einrenken rasch behoben werden.

Arzneimittelausschlag

Symptome:

Mittel- bis großfleckiger Ausschlag unterschiedlicher Lokalisation, meist symmetrisch und stammbetontNormalerweise kein Fieber

Gelegentlich entstehen an der Haut nach Medikamenteneinnahme rasch, aber auch noch nach einigen Tagen, blassrote Flecken.

Es ist nicht immer sofort eindeutig, ob es sich um eine allergische oder eine scheinbar allergische (pseudoallergische, nicht immunologisch verursachte) Reaktion handelt.

Bei einer Erkrankung mit dem Epstein-Barr-Virus (Pfeifferschen Drüsenfieber ► →) tritt nach circa 1 Woche häufig dann ein Ausschlag auf, wenn „fälschlicherweise" das Antibiotikum Amoxicillin verabreicht wurde. In der Regel ist dieser Ausschlag eine pseudoallergische Reaktion und verschwindet wieder.

Nur sehr selten rufen Arzneimittel schwere allergische Reaktionen an der Haut mit Blasenbildungen und an den inneren Organen hervor (Stevens-Johnson-Syndrom).

Ärztliche Maßnahmen:

Nach Klärung der Ursache des Ausschlags wird das Medikament abgesetzt und falls erforderlich durch ein anderes ersetzt.Eine weitere allergologische Abklärung ist sinnvoll, damit das Medikament später wieder eingesetzt werden kann, wenn keine Allergie dagegen vorliegt.

Asthma

Symptome:

HustenPfeifende Atemgeräusche beim AusatmenGegebenenfalls AtemnotEngegefühl in der Brust

Asthma ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. In Deutschland sind etwa 10 % aller Kinder betroffen. 80 % der Kinder haben ihre ersten asthmatischen Beschwerden vor dem zehnten Lebensjahr, mit einem Maximum zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr.

Asthma ist eine chronische Entzündung der unteren Atemwege und Folge einer gesteigerten Überempfindlichkeit auf innere und äußere Reize. Dies führt phasenweise, immer wiederkehrend oder anhaltend zur Verengung der Bronchien und ihren Aufzweigungen (Bronchiolen).

Hierdurch überbläht sich die Lunge und die eingeatmete Luft kann nur mit zusätzlicher Kraft wieder ausgeatmet werden. Es entsteht eine verlängerte Ausatmungsphase mit einem gelegentlich pfeifenden Geräusch (Giemen).

Asthma kann ausgelöst werden durch:

Allergien

Infekte

Belastung

Schadstoffe

Stresssituationen

Die Schweregrade eines Asthmaanfalls

Asthma wird je nach seiner Ausprägung in verschiedene Schweregrade eingeteilt und nach der Häufigkeit des Auftretens der asthmatischen Episoden nach einem speziellen Stufenschema therapiert.

Symptome

Leichter Anfall (häufig)

Atemnot bei Belastung, keine Einziehungen zwischen den Rippen, mäßige Atemgeräusche

Mittelstarker Anfall (manchmal)

Atemnot beim Sprechen, laute Atemgeräusche, Einziehungen zwischen den Rippen

Schwerer Anfall (selten)

Atemnot in Ruhe, meist laute Atemgeräusche, Einziehungen zwischen den Rippen, sehr unruhig

Sehr schwerer Anfall (fast nie)

Oft keine Atemgeräusche mehr, ausgeprägte Einziehungen zwischen den Rippen, verwirrt, drohender Atemstillstand

Was kann ich tun?

Ruhe bewahren.Schnell ärztliche Hilfe holen, gegebenenfalls in die Klinik fahren.Frische Luft und sitzende Haltung, Torwartstellung, Lippenbremse.

Lippenbremse - Hierbei werden die Lippen beim Ausatmen durch den Mund etwas zusammengepresst. Dadurch wird das Atmen erleichtert.

Sind Sie bereits mit der Asthmatherapie vertraut, dann handeln Sie so, wie Ihre Ärztin/lhr Arzt es Ihnen empfohlen hat.

Sinnvoll sind Asthmaschulungen, um im Umgang mit dem Asthma sicherer zu werden und die Lebensqualität zu erhöhen. Ein Kind, das zu Asthma neigt, sollte so beraten und gegebenenfalls behandelt werden, dass normale körperliche und sportliche Aktivitäten möglich sind. Es sollten keine Fehlzeiten in der Schule entstehen und seine Entwicklung nicht beeinträchtigt sein.

Ärztliche Maßnahmen:

Spezielle Maßnahmen bei einem Asthmaanfall:

Inhalation eines kurzwirksamen β2-Symphatomimetikum (Salbutamol) als Dosieraerosol mit Inhalierhilfe oder als Inhalationslösung mit Düsenvernebler in altersentsprechender Dosierung (Bedarfsmedikament).Zusätzlich eventuell Inhalation von Ipatropiumbromid bei kleinen Kindern in altersentsprechender Dosierung.Zusätzlich eventuell Cortison als Spray, oral oder i.v.Falls der Zustand sich nicht bessert stationäre Therapie.

Medikamentöse Langzeittherapie:

Treten Asthmaattacken gehäuft auf, wird eine medikamentöse Langzeittherapie nach einem Stufenschema mit inhalativen Corticosteroiden und gegebenenfalls weiteren Medikamenten empfohlen.

Asthmakontrolle

Wie häufig ein Asthma auftritt oder wie gut es durch Medikamente eingestellt ist, wird durch folgende 4 Fragen ermittelt und beurteilt:

In den letzten 4 Wochen...

traten häufiger als 2-mal in der Woche tagsüber Beschwerden auf?

wurde nachts der Schlaf durch die Erkrankung gestört?

wurde häufiger als 2-mal in der Woche das Bedarfs-Medikament eingesetzt?

wurde der Alltag durch das Asthma eingeschränkt?

Beurteilung

Keine Frage mit Ja: Das Asthma ist gut kontrolliert.

1-2 Fragen mit Ja: Es besteht ein teilweise kontrolliertes Asthma.

3-4 Fragen mit Ja: Das Asthma ist unkontrolliert.

Atembeschwerden, Luftnot

Symptome:

KurzatmigkeitAngestrengte Ein- oder AusatmungMitbewegen der Nasenflügel beim AtmenEinziehungen oberhalb des Brustkorbes und an den ZwischenrippenräumenAuffällige Atemgeräusche (Pfeifen, Giemen)

Häufige Erkrankungen, die Atembeschwerden verursachen, und ihre typischen Symptome sind:

Asthma

oder

obstruktive Bronchitis

mit einem verlängerten Ausatmungsgeräusch und Husten

Krupp

mit einem ziehenden Einatmungsgeräusch und bellendem Husten

Lungenentzündung

mit Husten und Fieber

Rippenfellentzündung

mit Schmerzen, besonders beim tiefen Einatmen, evtl. Fieber

Seltene Erkrankungen, die Atembeschwerden verursachen, und ihre typischen Symptome sind:

Fremdkörper in den Atemwegen

mit Husten, dem Ringen nach Luft und einem ziehenden Atemgeräusch

Schock

mit einer kalten schwitzigen Haut, Blässe und schnellem Puls

Kehldeckelentzündung

(Epiglottitis) ►

mit einer kloßigen Sprache, Speichelfluss, sitzender Haltung, Fieber und schwerem Kranksein

Pneumothorax

mit plötzlicher Luftnot durch den Ausfall eines Lungenflügels. Hierbei dringt Luft in den Spalt zwischen Lunge und Brustkorb, was die Lunge zusammenfallen lässt

Panikattacke mit Hyperventilation

( zu schnelles Atmen) mit dem Gefühl, nicht genügend Luft zu bekommen, Angstzustände, Verkrampfung der Hände

Aber auch Polypen, vergrößerte Mandeln, Herz-, Lungen- und Baucherkrankungen können eine leichte chronische Luftnot verursachen.

Beim Säugling kann bereits ein Schnupfen eine leichte Atemnot auslösen.

Allgemeine Infos:

Die Atemfrequenz ist altersabhängig. Ist die Atemfrequenz erhöht, kann dies ein Zeichen für eine Erkrankung der Atemwege sein. Die Standardwerte gelten für ruhige und gut schlafende Kinder, die kein Fieber haben.

Eine erhöhte Atemfrequenz/min in Ruhe liegt vor bei:

Säuglingen unter einem Jahr über 50/minKleinkindern zwischen 1 bis 5 Jahren über 40/minKindern über 6 Jahre bis etwa 10 Jahre über 30/min

Ist das Kind kurzatmig, dann hat es Luftnot. Tritt zusätzlich eine blaue Hautfarbe auf als Zeichen einer zu geringen Sauerstoffzufuhr oder sogar Bewusstseinsveränderungen wie Verwirrtheit oder Benommenheit besteht höchste Gefahr und dringende Hilfe ist erforderlich.

Ziehende, pfeifende Atemgeräusche (Stridor) entstehen durch eine Einengung der Atemwege bei Entzündungen, Schwellungszuständen, einer muskulären Verkrampfung der Bronchien, einer zu weichen Luftröhre beim Säugling oder auch einmal durch einen Fremdkörper. Der Krupp und eine Luftröhrenentzündung sind typische Beispiele. Selten sind es Fehlbildungen oder Fremdkörper im Bereich der Atemwege oder eine Kehldeckelentzündung.

Brodelnd klingende, schleimige Atemgeräusche beim Ein- und Ausatmen werden durch eine Verlegung der Atemwege verursacht.

Auch lockerer Schnupfen und Schleim in den oberen Atemwegen können solche Geräusche hervorrufen.

Das Giemen entsteht beim Ausatmen durch eine Verengung der Bronchien und seinen kleinen Verästelungen. Meist ist es zäher Schleim, eine Schleimhautschwellung oder die Anspannung der dort liegenden Muskelfasern. Giemen kann phasenweise oder dauerhaft auftreten.

Phasenweise tritt Giemen im Kleinkindalter bis zu 3 Jahren häufig auf, meist durch wiederkehrende Infekte verursacht und verschwindet mit der Zeit. Auch andere Ursachen wie Rauchen in der Umgebung, eine Allergieneigung oder körperliche Belastung können Auslöser sein.

Tritt Giemen dauerhaft oder gehäuft auf, kann es ein Zeichen für ein (beginnendes) Asthma, aber auch für andere seltene Ursachen wie Mukoviszidose ► → oder einen gastroösophagealen Reflux (Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre) ► → sein. Asthmatische Beschwerden sind in der Regel mit Giemen verbunden.

Was kann ich tun?

Kommt das Atemgeräusch durch einen Schnupfen zustande, dann können Sie sich entsprechend den Empfehlungen bei Schnupfen ► → verhalten.Bei den Säuglingen hilft auch mal ein Lagewechsel, um den Schleim aus den oberen Atemwegen besser abfließen zu lassen.Wenn Sie wissen, dass ein Krupp ► → oder ein Asthmaanfall ► → vorliegt, verhalten Sie sich bitte so wie dort angegeben.Bei Luftnot beruhigen Sie das Kind, bis Hilfe da ist. Nehmen Sie es auf den Schoß in einer möglichst aufrechten Haltung. Dies kann das Atmen etwas erleichtern.Lassen Sie aber auch unklare Atemgeräusche und Atembeschwerden, wenn sie anhalten, immer von einer Ärztin/einem Arzt abklären, egal ob es dem Kind gut oder schlecht geht.

Sofort müssen Sie die Notärztin/den Notarzt informieren bei:

AtemlosigkeitAtemnot verbunden mit auffällig blasser oder bläulicher HautfarbeAtemschwierigkeiten mit eingeschränkter BewusstseinslageFremdkörper in den AtemwegenUnklaren Atembeschwerden, die lebensbedrohlich erscheinen

Ärztliche Maßnahmen:

Luftnot kann lebensgefährlich sein und muss entsprechend der Ursache dringend behandelt werden.

Was Sie sonst noch wissen sollten:

Kleine Gegenstände, auch kleine Spielzeugartikel, sollten wegen der Einatmungsgefahr für Säuglinge und Kleinkinder nicht erreichbar sein. Das gilt auch für kleine Nahrungsmittel wie Erdnüsse, harte Apfel- oder ungekochte Möhrenstücke, Pistazienkerne und Popcorn. Puder sollten Sie als Pflegemittel nicht benutzen, weil er bei unsachgemäßer Verwendung eingeatmet werden kann. Das kann eine Lungenentzündung nach sich ziehen.

Atemwegsinfekte durch Viren

Symptome:

Husten und SchnupfenGrippeähnliche Symptome mit FieberBei Säuglingen und Kleinkindern auch asthmaähnliche Symptome manchmal mit ausgeprägten Atembeschwerden

Trotz einer normal angelegten Abwehr erkranken Säuglinge und besonders Kleinkinder bis zu acht Mal pro Jahr an Infekten der oberen und unteren Luftwege, was natürlich beunruhigend ist. Allerdings brauchen Kinder auch diesen Reiz, um „immunologisch kompetent" zu werden. Atemwegsinfekte sind häufiger durch Viren als durch Bakterien verursacht und meist harmlos. Sie können aber auch besonders im Säuglingsalter schwer verlaufen. Das betrifft vor allem die RSV-lnfektionen ► →. Frühgeborene mit vorgeschädigter Lunge, Säuglinge und Kleinkinder entwickeln dann eine Bronchiolitis ► → od er asthmatische Bronchitis ► →, die je nach Verlauf stationär behandelt werden muss.

Erreger: Rhinoviren, RS-Viren, Adenoviren, Influenzaviren (A, B), Parainfluenzaviren, Coronaviren, Enteroviren, SARS-CoV-2

Inkubationszeit: 12 Stunden bis Tage, gelegentlich 1 Woche

Ansteckungsfähigkeit: bei Influenza 1 Tag vor Ausbruch, sonst in der Regel im Akutstadium

Impfempfehlungen für bestimmte Personengruppen zum Schutz vor Erkrankungen mit RS-Viren, Coronaviren und Influenzaviren werden in Deutschland von der ständigen Impfkommission ausgesprochen und ständig ergänzt.

Was kann ich tun?

Siehe Empfehlungen bei: Husten ► →, Schnupfen ► →.

Ärztliche Maßnahmen:

Fiebersenkung, Förderung der Schleimproduktion, Flüssigkeitszufuhr und Befreiung der Nasenwege von Schleim. In der Regel sind keine weiteren Medikamente erforderlich. Bei ausgeprägten Atemproblemen kann eine stationäre Behandlung erforderlich werden- besonders beim Säugling.Impfempfehlungen der ständigen Impfkommission für bestimmte Personengruppen zum Schutz vor Erkrankungen mit RS-Viren, Coronaviren und Influenzaviren liegen vor und werden ständig überarbeitet.

Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung

Bei auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen geht man von einer Störung in der Verarbeitung von Schallereignissen aus. Dabei geht es im Besonderen um die Verarbeitung von Sprachlauten, Silben, Wörtern und Sätzen. Folgen sind eine Beeinträchtigung in Sprache, Schrift und im Verstehen und Umsetzen von akustischen Informationen.

Zeichen können eine verminderte akustische Merkfähigkeit beim Hören von Sätzen, Reimen oder Liedern sein. Aber auch häufiges Verwechseln klangähnlicher Laute, die mangelhafte Ortung einer Schallquelle, eine Geräuschüberempfindlichkeit, ein vermindertes Sprachverständnis oder eine verminderte Aufmerksamkeit bei normalem Lärmpegel können auf eine auditive Wahrnehmungsstörung hinweisen.

Die zentrale Therapie einer auditiven Wahrnehmungsstörung nach Diagnostik besteht in einer gezielten logopädischen Behandlung und Beratung. Gelegentlich werden dabei auch apparative Therapiemaßnahmen zum Hörtraining eingesetzt.

Aufmerksamkeitsstörung (ADS / ADHS)

Eine Aufmerksamkeitsstörung tritt meist im Rahmen von ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) auf. Sie kann aber auch ein begleitendes Symptom anderer psychischer Erkrankungen oder Belastungen sein.

Die Aufmerksamkeitsstörung ist eine erhöhte, nicht altersgemäße Ablenkbarkeit durch äußere Reize. Sie führt zu erhöhter Unruhe und „nicht bei der Sache bleiben können".

Kinder mit ADHS sind ablenkbar, unorganisiert, meist impulsiv und können sich daher meist schlecht konzentrieren. Die Folgen: häufige Konfliktsituationen zu Hause, im Kindergarten oder in der Schule, verbunden mit Verhaltensauffälligkeiten und einer Verminderung der Leistungsfähigkeit. Dem steht oft eine starke Begeisterungsfähigkeit, Hilfsbereitschaft und Kreativität gegenüber.

Gelegentlich besteht auch eine Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität (ADS). Da die „Träumer" (vorwiegend Mädchen) weniger deutlich auffallen, wird dieses Krankheitsbild häufig erst später diagnostiziert.

Als Ursache werden Störungen von Kontrollmechanismen und Steuerungsprozessen im Gehirn vermutet. Derzeit geht man davon aus, dass circa 2-6% aller Kinder und Jugendlichen eine Aufmerksamkeitsstörung haben.

Was kann ich tun?

Nicht bei jedem sehr lebhaften Kind - und auch nicht bei jedem Kind, das gern in den Tag hineinträumt - muss gleich ein AD(H)S dahinterstecken.Sie sollten je nach Alter des Kindes mit der Erzieherin, dem Erzieher oder der Lehrperson Kontakt aufnehmen, wenn die Lebhaftigkeit und Unkonzentriertheit für das Kind, die Familie und für die Umgebung zum Problem wird. Gemeinsam können sie den Umgang mit dem Kind optimieren. Sie können zum Beispiel gemeinsam Regeln für das Kind aufstellen, nach denen überall gleich verfahren wird - in der Familie, im Kindergarten bzw. in der Schule. Denn Konzentrationshilfen funktionieren nur, wenn alle Bezugspersonen (Eltern, Geschwister, Erzieherinnen, Erzieher, Lehrerinnen, Lehrer) am selben Strang ziehen und das Kind als Team unterstützen.

Haben Sie, der Kindergarten oder die Schule den Verdacht, dass das Kind eine Hyperaktivitäts- oder Aufmerksamkeitsstörung haben könnte, dann nehmen Sie Kontakt mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt auf.

Ärztliche Maßnahmen:

Ihre Kinderärztin/Ihr Kinderarzt braucht Informationen über das Verhalten des Kindes von Ihnen, vom Kindergarten oder der Schule. Häufig sind zusätzlich Tests erforderlich. Dazu wird meist eine Vorstellung in einem sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) oder bei einer Fach person für Kinder- und Jugendpsychiatrie erforderlich.

Die Therapie besteht zum einen in der Aufklärung und regelmäßigen Beratung der Eltern. So wird das Verständnis für ein solches Kind verbessert und der Umgang mit ihm erleichtert.Begleitende Probleme wie Wahrnehmungs- und Verhaltensstörungen können durch verhaltens- oder ergotherapeutische, heilpädagogische und psychomotorische Maßnahmen positiv beeinflusst werden.Wenn diese Ansätze nicht erfolgreich sind, kann auch eine medikamentöse Therapie sinnvoll sein. Hier werden in der Regel Psychostimulanzien (zum Beispiel Methylphenidat) eingesetzt. Bei vielen Kindern mindern sie die Ablenkbarkeit, fördern die Aufmerksamkeit und erleichtern so die soziale Integration.

Augenprobleme

Der Aufbau eines Auges ist sehr komplex und besteht vereinfacht aus: Hornhaut (Cornea), Bindehaut (Konjunktiva), Lederhaut (Sklera), Regenbogenhaut (Iris) mit Ziliarkörper, Aderhaut, Pupille, Netzhaut (Retina) Linse, Glaskörper, und Sehnerv.

Probleme an den Augen können vielfältig sein. Entzündungen, Verletzungen oder plötzlich auftretende Sehstörungen können ernsthafte Ursachen und Folgen haben.

Augenreizungen

Augenreizungen durch Seife oder Parfüm verschwinden in der Regel nach Auswaschen nach kurzer Zeit von allein und bedürfen keiner weiteren Therapie.

Bindehautentzündung (Konjunktivitis)

Eine Bindehautentzündung wird durch Viren, Bakterien, Allergien oder andere äußere Reize ausgelöst. Sie ist durch eine Rötung der Bindehaut, ein brennendes, juckendes Fremdkörpergefühl im Augenbereich, vermehrtem Tränenfluss und Sekretoder Eiterbildung gekennzeichnet.

Bindehautschwellung

Eitrige Konjunktivitis

Allerg. Konjunktivitis

Ab dem späten Kleinkindalter machen Allergien auch an der Bindehaut der Augen (allergische Konjunktivitis) und an der Nasenschleimhaut (Heuschnupfen, allergische Rhinitis) Beschwerden. Bei Kontakt zu Allergenen, insbesondere Pollen, kommt es zu einem vermehrten klarsichtigen Sekretfluss, der die Kinder und deren Lebensqualität stark beeinflussen kann. Die Beschwerden können zeitlich begrenzt, aber auch ganzjährig sein. Dies hängt ganz vom Allergen ab. Frühblüher wie Hasel und Erle machen beispielsweise schon im Januar bis Anfang April Beschwerden. Gräser in der Zeit von Mai bis August. Hausstaubmilben eher ganzjährig. Das Führen eines Beschwerdetagebuchs und die Beobachtung des Pollenflugkalenders helfen, das krankmachende Allergen zu erkennen. Die genaue Diagnostik wird durch Haut und- Bluttests geführt.

Was kann ich tun?

Bakterielle und virale Bindehaut-Entzündungen der Augen können mehr oder weniger stark ansteckend sein. Säubern Sie die Augen mit Wasser und einem sauberen, feuchten, weichen Tuch, indem Sie den Schleim vorsichtig auswischen. Waschen Sie sich nach Kontakt regelmäßig die Hände. Stellen Sie das Kind der Ärztin oder dem Arzt vor. Bei allergischen Bindehautentzündungen können kühle Umschläge die Reizung lindern. Sprechen Sie die weitere Therapie ab.Eine wichtige therapeutische Maßnahme ist das Vermeiden des Kontaktes zum Allergen.

Ärztliche Maßnahmen:

Ihre Kinderärztin/Ihr Kinderarzt wird die entsprechende Therapie einleiten, antibiotische oder antiallergische Augentropfen verschreiben oder zu eineraugenärztlichen Vorstellung raten. Möglicherweise wird eine allergologische Diagnostik durchgeführt.Beschwerden können durch antiallergische Augen- und Nasentropfen und Tabletten gelindert werden, aber auch durch kurzzeitig lokal angewendete Cortisonpräparate und abschwellende Nasentropfen.Eine Hyposensibilisierungsbehandlung kann dauerhaft die Überempfindlichkeit unterbrechen und so das Ausbreiten der Allergie auf die Atemwege und damit die Entwicklung eines Asthmas verhindern.

Iridozyklitis

Entzündungen der Regenbogenhaut und des Ziliarkörpers, der für die Nah- und Ferneinstellung der Linse verantwortlich ist, führen gelegentlich zu Augenschmerzen, Lichtscheue, Fremdkörpergefühl, einem tränenden Auge mit Rötung und auf Dauer zur Sehverschlechterung. Rheumatische Erkrankungen sind häufig damit verbunden oder stellen ein erstes Symptom dar.

Ärztliche Maßnahmen:

Bei solchen Beschwerden ist zur Abklärung eine zeitnahe Vorstellung bei einer Augenärztin/einem Augenarzt erforderlich.

Gerstenkorn (Hordeolum)

Ein Gerstenkorn entwickelt sich entweder am Ansatz der Wimpern oder aus tiefer gelegenen Liddrüsen. Es ist durch eine Rötung und Schwellung im Lidbereich durch einwandernde Bakterien mit Eiterbildung gekennzeichnet. Es verläuft oft schnell und heftig und tut weh.

Was kann ich tun und ärztliche Maßnahmen:

Bei einem Gerstenkorn kann nach Rücksprache mit der Ärztin/dem Arzt vorsichtig angewandte Wärme mit Rotlicht oder Kompressen helfen.Bei starker Entzündung kann eine frühzeitige Gabe von antibiotischen Augensalbe oder -tropfen eine rasche Abheilung bringen.

Hagelkorn (Chalazion)

Ein Hagelkorn ist eine kaum schmerzhafte Verstopfung des Drüsenausführungsganges einer Talgdrüse mit Schwellung des Lids und als verschieblicher Knoten im Lid

Was kann ich tun und ärztliche Maßnahmen:

Eine (augen)ärztliche Vorstellung ist empfohlen. Wärme (Rotlicht, Wärmekompressen), Lidmassage, cortisonhaltige Salben können die Schwellung minimieren. Manchmal wird eine operative Entfernung erforderlich.

Lidrandentzündung

Lidrandentzündungen entstehen durch Reizung (Staub, Wärme, Kälte, reizende Substanzen, etc.) oder durch eine bakterielle Besiedlung und häufig in Verbindung mit einer Bindehautentzündung.

Was kann ich tun und ärztliche Maßnahmen:

Lidrandentzündungen lassen sich durch regelmäßiges Säubern mit Wasser behandeln. Auch Rotlicht für einige Minuten und warme Kompressen 2 x täglich angewendet können helfen. Produkte zur Lidrandpflege sind in der Apotheke erhältlich. Gelegentlich ist eine antibiotische Therapie nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt sinnvoll. Manchmal ist eine augenärztliche Abklärung erforderlich.

Tränengangsverengung (Tränengangsstenose)

Ein ständig tränendes und verklebtes Auge im Säuglingsalter wird meist durch einen zu engen oder verschlossenen Tränenkanal verursacht. Eine Tränengangsverengung (Tränengangsstenose) weitet sich normalerweise im Laufe der ersten Lebensmonate.

Was kann ich tun und ärztliche Maßnahmen:

Ein ständig verklebtes Auge können Sie mit einem sauberen, weichen, angefeuchteten Waschlappen oder einer Mullkompresse reinigen und den Schleim zum Augeninnenwinkel hin auswischen. Massieren Sie vorsichtig mit der Fingerkuppe die Haut seitlich der Nase vom inneren Augenwinkel abwärts. Lassen Sie sich das Vorgehen von der Ärztin/dem Arzt erklären. Sehr selten ist eine Tränenwegsondierung und -Spülung erforderlich.

Verletzungen oder Verätzungen

Verletzungen oder Verätzungen müssen rasch versorgt werden, weil sie zu bleibenden Schäden führen können. Verätzungen müssen sofort mit Wasser ausgespült werden.

Was kann ich tun und ärztliche Maßnahmen:

Augenverätzungen müssen Sie sofort mit viel Wasser ausspülen. Sie können das Kind auch unter einen sanft laufenden, lauwarmen Wasserstrahl halten und das Auge mit zwei Fingern aufhalten. Achten Sie aber darauf, dass das Wasser nicht heiß ist. Ein gleiches Vorgehen empfiehlt sich auch bei einem Fremdkörper im Auge (beispielsweise Sand). Wenn sich keine Besserung einstellt, ist eine Vorstellung bei einer Augenärztin/einem Augenarzt erforderlich. Hat sich das Kind mit einem Fremdkörper im Auge verletzt, dann versuchen Sie diesen nicht zu entfernen, sondern decken das Auge zu und stellen das Kind umgehend einer Augenärztin/einem Augenarzt vor.

Sehschärfe, Sehfehler, Schielen, Farbsinnstörung

Sehschärfe

Die Sehschärfe bei Kindern entwickelt sich. Mit einem Jahr haben Kinder circa 50 % der Sehschärfe eines Erwachsenen. Mit circa 6 Jahren ist sie häufig schon voll ausgebildet. Eine Sehschärfe von 100 % (entsprechend einem Visus von 1,0) bedeutet zwei Gegenstände, die zueinander einen Abstand von 1,5 mm haben, noch aus 5 m getrennt wahrnehmen zu können. Zur Prüfung gibt es entsprechende Sehtesttafeln.

Ein gut funktionierendes Zusammenspiel beider Augen ermöglicht ein räumliches Sehen. Dazu ist allerdings die intakte Sehkraft beider Augen nötig.

Sehfehler

Die häufigsten Sehfehler sind:

Weitsichtigkeit:

Weitsicht gut, Nahsicht nur mit Anstrengung gut.

Kurzsichtigkeit:

Nahsicht gut, Weitsicht schlecht.

Hornhautverkrümmung (Astigmatismus=Stabsichtigkeit):

Im Auge werden punktförmige Lichtquellen stabförmig (länglich) und Gegenstände daher verzerrt abgebildet.

Schielen (Strabismus):

Das Zusammenspiel der Augenmuskeln ist gestört und beeinträchtigt die Entwicklung der Sehkraft. Häufige Ursache im Kindesalter ist eine unbehandelte Weitsichtigkeit. Bei plötzlich aufgetretenem Schielen oder Sehstörungen an Hirntumor denken! Es wird unterteilt in:

Begleitschielen:

Die Augen können einwärts oder auswärts schielen. Der Schielwinkel bleibt in allen Blickrichtungen gleich.

Lähmungsschielen:

Das Schielen nimmt in bestimmten Blickwinkeln zu. Ursache ist die Lähmung eines Augenmuskels.

Scheinschielen:

Durch eine breite Nasenwurzel sieht es nur so aus, als ob ein Schielen vorliegt.

Farbsinnstörung

Störungen des Farbensehens können angeboren, aber auch später durch Krankheit erworben oder Medikamente ausgelöst werden. Von einer angeborenen Störung des Farbenunterscheidungsvermögens sind ca. 8 % der Bevölkerung betroffen, vornehmlich Männer. Am häufigsten liegt eine Rot-Grün-Sehschwäche vor. Hier fällt es den Menschen schwer, die Farben Rot und Grün zu unterscheiden. Untersuchungen mit entsprechenden Farbkarten (Ishihara-Karten) geben Hinweise. Die Rot-Grün-Schwäche wird x-chromosomal rezessiv vererbt.

Ärztliche Maßnahmen:

Der Verdacht auf Sehfehler und Schielen muss frühzeitig abgeklärt werden, damit die Sehkraft sich voll entwickeln kann oder erhalten bleibt. Besonders das plötzliche Auftreten von Schielen, Doppelbildern oder Gesichtsfeldausfällen können Zeichen von sehr ernst zu nehmenden Erkrankungen sein und müssen zügig geklärt werden.

Weitere Informationen

Amblyopie

Ein- oder beidseitige Sehschwäche, die durch eine Beeinträchtigung der sich in der Säuglings- und Kleinkindzeit entwickelnden Sehschärfe verursacht wird. Häufige Ursache ist das Schielen.

Exophthalmus und Enophthalmus

Vorstehen und/oder Zurücktreten des Auges in die Augenhöhle durch mannigfaltige Ursachen (Schilddrüsenerkrankungen, Entzündungen, Gefäßfehlbildungen, Tumoren).

Glaukom (grüner Star)

Verlust von Nervenfasern im Auge mit der Folge von Gesichtsfeldausfällen bis zur Erblindung durch verschiedene Augenerkrankungen.

Katarakt (grauer Star)

Trübung der Linse. Häufig ungeklärt, manchmal angeboren, durch Stoffwechselerkrankungen, Infektionen, Verletzungen ausgelöst oder genetisch bedingt.

Leukokorie

Auffälliger weißer Veränderung in der Pupille bei einfallendem Licht. Trübung von Linse und Glaskörper bis hin zum Tumor (Retinoblastom) können die Ursache sein.

Retinoblastom

Seltener,

bösartiger Tumor im Auge. Es tritt im Kleinkindalter auf und zeigt sich durch Sehverschlechterung, Schielen und Leukokorie.

Frühgeborenen-Retinopathie

Fehlentwicklung an den Gefäßen der Netzhaut bei Frühgeborenen, die wegen Atemproblemen zusätzlich Sauerstoff bekommen haben.

Autismus-Spektrum-Störungen

Autistische Störungen werden aufgrund ihrer verschiedenen Formen und Schweregrade in ihrer Gesamtheit Autismus-Spektrum-Störungen genannt. Es handelt sich um eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die in den ersten 30 Lebensmonaten beginnt. Autismus-Spektrum-Störungen sind durch ausgeprägte Kontaktstörungen und sprachliche, motorische und psychische Auffälligkeiten gekennzeichnet.

Die wichtigen Zeichen für Autismus-Spektrum-Störungen sind ...

Deutliche KontaktstörungenDeutliche KommunikationsstörungenEigentümliches Sprechverhalten (Eigensprache, eigentümliches Nachsprechen und andere Auffälligkeiten)Ausgeprägte Rituale, Veränderungsängste („zwanghaftes Verhalten")Übermäßige Bindung an GegenständeUngewöhnliche InteressenUngewöhnliche Empfindlichkeiten (Geräusche, Geschmack, Geruch)Sehr unterschiedliche Intelligenz, oft heterogene Begabung mit ausgeprägten Stärken und Schwächen

Frühkindlicher Autismus

Der frühkindliche Autismus mit ausgeprägter autistischer Symptomatik fällt meist bereits in den ersten drei Lebensjahren auf. Häufig besteht auch eine Intelligenzminderung.

Asperger-Syndrom

Beim Asperger-Syndrom sind die Symptome anders ausgeprägt. Störungen in der Kommunikation und sozialen Interaktion, gepaart mit stereotypem und eingeschränktem Interesse für bestimmte Dinge, lassen solche Kinder in ihrer Umgebung „merkwürdig" und „besonders" erscheinen. Manchmal ist dies kombiniert mit Aufmerksamkeits- und Lernschwierigkeiten, aber auch mit hoher Intelligenz oder sog. Inselbegabungen, bei der eine hohe Begabung nur für bestimmte Bereiche vorliegt. Kinder mit einem Asperger-Syndrom fallen häufig erst in der Schulzeit auf.