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Die meisten Menschen werden bei der Frage nach den Voraussetzungen für ein glückliches Leben eine Antwort in religiösen, spirituellen oder philosophischen Antworten suchen. Sie werden sich dem reichlichen Markt an entsprechender Literatur und Veröffentlichungen widmen und dabei häufig übersehen, dass die Lösung der Frage nach der richtigen Lebensgestaltung weniger in den Überlegungen, Gedanken oder gar Regeln Dritter liegen, sondern in ihnen selber. Introspektion (die innere Betrachtung) und das Finden der eigenen, prägenden Lebensüberzeugungen in Anerkennung der Lebensinteressen und -dispositionen Anderer zeigen die Wege zu einem glücklichen Leben. Ein Leben in Übereinstimmung mit den eigenen Werten. In der Anwendung solchermaßen gewonnener eigener Regeln und Werte liegt auch - richtig verstanden - ein Beitrag zur Lösung von Krisen.
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Seitenzahl: 107
Veröffentlichungsjahr: 2015
Was in der Krise zahlt
Über Essenzen des Lebens, Werte und Befindlichkeiten
ANNOTATIONEN UND GEDANKEN ZU EINEM SITTENBILD
UWE GESPER
UWE GESPER – WAS IN DER KRISE ZÄHLT –
2014 DÜSSELDORF/MANNHEIM/ 1. AUFLAGE
TREDITION VERLAG, HAMBURG
ISBN 978-3-7323-1433-1 (Paperback)
ISBN 978-3-7323-1434-8 (Hardcover)
ISBN 978-3-7323-1435-5 (e-Book)
FÜR MARA
OHNE DIE ICH NICHT WÄRE, WAS ICH BIN,DIE DAS LEBEN MEISTERT, OHNE ZU VERBITTERN,DIE DIE SONNE HINTER DEN WOLKEN SIEHT UND DEN SILBERSTREIFEN BEI CDF.
Inhalt
Vorwort
Krise und Neuanfang
Die philosophische Perspektive
Zu den Werten
Richtige Werte
Was alles nicht zählt
Hauptsache gesund und am Leben
Hauptsache reich
Ist Glücklichsein alles
Hauptsache Status
Hauptsache Erfolg
Das gelungene und das geglückte Leben
Glücklichsein ist eine Frage des Augenblicks und ein Gefühl von Dauer
Tugend
Tugend in der Krise
Achtsamkeit auf das Leben
Der Einzelne in der Gesellschaft
Der Mensch als Teil der Gesellschaft
Die Krise und die Verzerrung der Werte
Gesellschaftskrisen und ihre Bewältigung
Aufbruch und Leitlinien
Prioritäten und nochmals: der Weg zur eigenen Entwicklung
Zu guter Letzt
Vorwort
Über Jesuiten erzählt man sich viel. Oft berichtet man über ihren Gehorsam gegenüber dem Papst, die Treue zur katholischen Religion und einer hohen Disziplin. Jesuiten äußern sich seit Jahrhunderten. Zu abtrünnigen Glaubensrichtungen wie der der Lutheraner, Fragen der Inquisition und der Missionierung und Fragen der Selbstfindung und deren Auswirkung auf die Wirtschaft und unser Leben. Gewichtig, aber man sollte ihnen nicht die alleinige Deutungshoheit überlassen. Ohne dass man die vielen richtigen Gedanken negieren muss. Eine der modernen Äußerungen fiel mir vor einiger Zeit in die Hände und fesselte mich. WAS IN KRISEN ZÄHLT1. Ich habe mich mein ganzes bisheriges Leben zu einem nicht unerheblichen Teil mit Krisenbewältigung – wirtschaftlicher und privater Krisen – beschäftigt und eine schwere gesundheitliche Krise hat mir nun zudem noch die Zeit für ein weiteres Nachdenken verschafft. Insofern veranlassen mich das Buch und die unfreiwillige freie Zeit, meine Gedanken zu einigen Fragen in diesem Zusammenhang zu notieren. Eigentlich zu „annotieren“, denn meine Gedanken folgen in Teilen auch der Publikation von Bordt.
In seinen Ausführungen zu den Ursachen der Wirtschafts- und Finanzkrise ergründet Bordt einen Aspekt dieser Krisen im Verlust der Werte und im Unvermögen vieler moderner Menschen, glücklich zu sein, weil sie nicht den richtigen Werten folgen. Eine Ansicht, die der eine oder andere teilen wird.
Die Herleitung seiner richtigen Werte ist spannend, traditionell und in einigen Punkten von meiner eigenen Auffassung abweichend. Pointiert möchte ich sagen: Ich vertrete die Auffassung, dass der Mensch „in sich“ nach seinen eigenen, individuellen Werten suchen muss und diese auf die Welt anwenden sollte.2 Eine Aufforderung zu einer „kapitalistischen“ Suche im Sinne eines Wettbewerbs der Ideen und Werte. Dabei müssen auch Ergebnisse, die der (den) Gesellschaft(en) nicht passen, nicht falsch sein. Eine persönliche Sicht, die in ihrer Vielfältigkeit das Salz des Lebens darstellt und dadurch vermeidet, dass Gesellschaften in Agonie erstarren.
Wenn auch die abweichende Sicht des Einzelnen von der Gesellschaft akzeptiert werden sollte, bedeutet das nicht, Maßlosigkeit und Gier Vorschub zu leisten.
Wie diese zu bremsen oder zu korrigieren sind, wird sich noch zeigen.
Gesellschaft als Institution wäre ohne die Charaktere, die normabweichende An- und Einsichten haben, auf Sicht zum Stillstand und dem reinen Existieren ohne Entwicklung verurteilt. Vielleicht auch zum unreflektierten Rückschritt.
Was Gesellschaft braucht, ist ein Weg, die Extreme von Werten zu befrieden, einzuschränken. Und die Fähigkeit, diesen Weg zu finden, speist sich aus der Wurzel der inneren Werte des Einzelnen, seiner eigenen Reflexion auf die Gesellschaft, der Bereitschaft, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, Ehrlichkeit im Umgang miteinander und Vertrauen in die Einhaltung von (miteinander) gefundenen Regeln.
Ausgangspunkt der Betrachtungen von Bordt ist – so wie ich es verstehe – demgegenüber ein außerhalb des Einzelnen stehendes Menschenbild, dem er die Regeln für ein Glücklichsein entnimmt, die der Mensch übernehmen sollte.
Darin mag Verantwortung, Ehrlichkeit und Vertrauen eine Rolle spielen, aber oktroyiert und ausgestaltet durch andere, nicht durch den Einzelnen.
Provokant gesagt: Diese Sicht von Bordt ist falsch. Gängig, aber falsch.
Auch damit lassen sich durchaus Lösungen von Krisen erzielen. Reichweite und Möglichkeiten sind aber weitaus eingeschränkter als der hier vertretene Ansatz. Das hängt mit den Schwierigkeiten zusammen, den Diskurs der Werte in einer multikulturellen Gesellschaft drittbestimmt auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Denn es konkurrieren die dogmatischen Systeme und nicht die selbstgefundenen Lebensanwendungen.
Aber dazu später mehr.
In jedem Fall hat ein Wertekanon des Einzelnen aber auch aus meiner Sicht mit seinem Glücklichsein zu tun. Mit den Werten, die er autark für sich selber entwickelt, oder denen, die er für sich adaptiert und eventuell umgestaltet für sich selber annimmt.
Es gibt viele Ansätze, wie man sich der Frage, wann ein Mensch glücklich ist, nähert. Deskriptive, analytische, vergleichende, statistische Methoden und was die Wissenschaften sonst noch so anbieten.
Die Verwendung äußerer Betrachtung und äußerer Regeln, an denen der Mensch gemessen wird, hilft da aber nicht wirklich weiter. Sie lässt die Tatsache vermissen, dass Glück – auch das Gefühl davon – Introspektion voraussetzt. Der Mensch definiert seine Vorstellung von Glück und damit sein Ziel (mein Postulat: Innere Zielerreichung ermöglicht das Glücklichsein), die Gesellschaft kommt – vielleicht – zum selben Ergebnis oder hindert die Verwirklichung des Glücks (Frustration beim Einzelnen und Teilen der Gesellschaft, aber keine Krise). Und manchmal leidet die Gesellschaft unter der Verwirklichung des Glücks des Einzelnen (weil er seine Ziele auf Kosten der Gesellschaft auslebt; dann gibt es vielleicht weitere Krisen oder auch Probleme minderer Intensität). Das hindert aber diesen Menschen nicht unbedingt am Glücklichsein.
Glücklichsein bezieht sich in erster Linie auf das Empfinden des Menschen selber, von sich und der Situation, in der er lebt.
Ziele und Werte stehen miteinander in einer Beziehung. Werte können selber ein Ziel darstellen, das ist dann eine idealistische Sicht für das Leben. Werte können aber auch nur der Maßstab sein, mit dem Ziele erreicht werden. Das ist dann eine ethische und vielleicht schon pragmatische Sicht des Lebens. Wertanwendung zur weitestgehenden Werterreichung. Für den Einzelnen und die Gesellschaft. Wertfragen sind wichtig, aber als Essenzen, nicht als beliebige Befindlichkeiten und Wunschvorstellungen. Dass Werte, Befindlichkeiten und Wunschvorstellungen Auswirkungen auf die Struktur der Gesellschaft haben, ist nicht von der Hand zu weisen, aber wenn man Ursachenforschung betreibt, ist doch der Wert an sich nicht das Problem. Eher der Prozess der Bildung und Findung dieser Werte.
Nicht als Abbildung, Vorgabe oder reine Übernahme, sondern als Lebenserkenntnis der Individuen in der Gesellschaft.
Bilden sich diese Werte nicht mehr in einem hinreichenden Gleichklang, dann entstehen gesellschaftliche Probleme und – vielleicht – auch Probleme in der Verortung des eigenen Glücks. In multikulturellen Gesellschaften ist dennoch das Glücklichsein des Einzelnen nicht ausgeschlossen, auch wenn die Gesellschaft oder Teile davon im Unglück verharren. Der oligopolistische Markt (den gibt es auch bei hehren, ethischen Werten) mag erdrückend sein, Nischen gibt es aber immer wieder, man muss sie nur sehen und sich nehmen (das ist jetzt durchaus auch kapitalistisch gemeint).
Und wo liegen nun unsere Schwierigkeiten, das persönliche Glück zu finden? Wo liegt eine eventuelle gesellschaftliche Störung im Wertekanon? Wir werden sehen.
Wir werden auch sehen, ob aus den Erkenntnissen, die wir im Einzelnen betrachten werden, Folgerungen für Führungsfragen und in der privaten Lebensführung zu gewinnen sind.
Noch ein Wort zu Krisen und „den“ Krisen: Die Finanz- und Wirtschaftskrise ist nur vordergründig vorbei, kontrolliert oder geklärt. Die Vielzahl der „Parkplätze“ für aufgeblähte Schulden – Bad-Bank-Strukturen, ESFS, ESM, Sonderfonds et alia – spricht für eine rein zeitliche Verschiebung. Schulden beseitigt man durch Gewinne oder durch einen Schuldschnitt, hilfsweise durch Inflation oder Währungsmaßnahmen.
Davon ist bei dieser Krisenbewältigung keine Rede.
Und betrachtet man den Finanzsektor einmal unter dem Gesichtspunkt des erzielten realwirtschaftlichen Vermögens, stellt man eine nachhaltige Disparität, ein Ungleichgewicht, zwischen dem behaupteten pekuniären Vermögen und der Vermögensschöpfung in den volkswirtschaftlichen Einheiten fest. Ob nun auf 1 € realer Produkte (Waren und Dienstleistungen) 50 oder 70 € Finanzprodukte3 kommen (wobei es selbst dem Fachmann schwerfällt, den „Vermögenswert“ festzustellen), sei dahin gestellt. Dass es Preisblasen gibt und bilanzielle „Blähungen“, ist aber wohl nicht von der Hand zu weisen. Und unsere Chancen, mit diesen Auswüchsen weiterhin konfrontiert zu werden, drängen sich auf. Zu hoffen ist, dass es nur eine schöpferische Zerstörung im Sinne Schumpeters sein wird und keine Katastrophe.
Und die Klimakrise(n), Terrorismusgefahren und die vielen kriegerischen Ambitionen? Das heben wir uns für später auf.
Ob Krisen zu Katastrophen werden oder man Schwierigkeiten in Chancen wendet, hängt auch, wenn nicht sogar wesentlich, von den Wertvorstellungen einer Gesellschaft und ihrer Selbstorganisation ab. Und diese Werteordnung hängt von der Verfasstheit der Individuen in einer Gesellschaft ab. Dem Umgang mit den eigenen Zielen und Werten, dem eigenen Glücklichsein.
Darin liegen in der Tat ein Kompass und ein Plan für die Lösung von Problemen, Krisen oder Katastrophen.
Divergierende Werteordnungen führen zu kopflosem Suchen und Alternieren bei den Lösungsmodellen. Das hindert eine Entscheidungsfindung und verzögert angemessene Lösungen, weil man sich in Grundsatzdiskussionen verliert, ohne dass man wirklich über die Grundlagen redet. Dogmatismusdebatten. Vielleicht stellt eine Divergenz der Werte – sofern man diese feststellen muss – eine besondere Form unzutreffender Allokation von Ressourcen dar. Aber diese beseitigt man nicht durch den Diskurs über die Macht- und Dogmatismusfragen.
Noch ein Wort vorab zum Thema Werte. In den nachfolgenden Ausführungen werde ich mich – ohne Dogmatismus – bemühen, den Begriff des Wertes von der Vielzahl der im täglichen Umgang geliebten „Werte“ – also eher den abgeleiteten Werten – zu trennen, Befindlichkeit und angenehme Gefühlssituation und Zielpunkte des täglichen Lebens von den wirklichen Grundsatzwerten zu scheiden und zu unterscheiden. Die prägenden, grundsätzlichen Werte, aus denen man Entscheidungen ableiten kann oder die diese beeinflussen, möchte ich gerne unter den Begriff der Essenz fassen. Essenz deshalb, weil sie ein Konzentrat unseres Bemühens darstellt, die wichtigsten Entscheidungsmaßstäbe für die wichtigen Entscheidungen zu prägen. Man kann das auch als Kardinaltugenden, Grundwerte oder Ähnliches bezeichnen. Auf die Bezeichnung kommt es nicht an. Da bin ich dekonstruktivistisch. Es ist aber bedeutsam, weil man interkulturell durchaus eine Übereinstimmung in diesen wichtigen Grundentscheidungen erzielen kann. Und das ist Ausgangspunkt für die Lösung von Widersprüchen in abgeleiteten Werten. Was eine gemeinsame Lösung von Fragestellungen – und damit die Lösung von Problemen – ermöglicht. Die Vereinzelung von Diskursen über eine Vielzahl von Befindlichkeiten und Benefits, positiven Gefühlszielen verlangt viel Zeit und bietet viel Raum für Missverständnisse. In der Vielzahl Aspekte, die einer Lösung von Krisen abträglich sind. Und im Übrigen auch das eigene Glücklichsein tangieren. Leben in Übereinstimmung mit den eigenen Essenzen und daraus abgeleiteten Werten führt zu einem positiven, ich meine punktuellen und dauerhaft glücklichen Leben.
Im Ergebnis werde ich also versuchen aufzuzeigen, dass Glücklichsein eine Konsequenz bewusster Lebensführung ist, die mit hinreichender Einheitlichkeit und auch bei Divergenz zur Gesellschaft die Grundlage zum Glücklichsein und damit auch zum Erfolg der Gesellschaft selber in sich birgt.
Auch wenn ich im Weiteren eine andere Position vertrete als Bordt, verdanken die nachfolgenden Gedanken seinem Buch die Anregung und stellen eine Annotation zu einem Teil seiner Ausführungen dar. Deshalb habe ich mir auch erlaubt, mich (fast) desselben Titels zu bedienen.
Und wenn ich dabei bin, auch ein Dank an meinen Schwager, Götz Neumann, der mich bewusst oder unbewusst zu einem Niederschreiben angestiftet hat. Wertevermittlung der besonderen Art.
UWE GESPER
DÜSSELDORF IM SEPTEMBER 20144
1 Michael Bordt SJ, Was in Krisen zählt, 2013
2 Falls man darin – und auch in weiteren Ideen und Aspekten – philosophische Richtungen wie den Existenzialismus von Sartre, Beauvoir, Camus und anderen sehen will, mag man das so sehen. Ich bin ein renitenter Antidogmatiker und versuche mir – ohne Zitatpflicht – meine eigenen Gedanken zu machen und so sind auch die nachfolgenden Überlegungen zu verstehen. Vielleicht sind sie auch Anleihen an Gelesenes von Platon, Schopenhauer, Nietzsche, Derrida, Husserl, Jonas oder an Populärphilosophen wie R. D. Precht oder Peter Sloterdijk.
3 Allein wegen dieses Aufblähens der Vermögensstruktur sind auch die Thesen von Piketty – Capital XXI. Century, 2014 – über die Verarmung falsch, denn die Vermögensausweise, die er zugrunde legt, sind auch entsprechend überzogen. Hinzu kommen die kritischen Anmerkungen zur statistischen Aufarbeitung. Im Übrigen ist hier auch der Markt der US-REPO-Finanzierung – Überlassung von Wertpapiersicherheiten gegen Geld im Interbankenverkehr zur Kreditschöpfung – interessant. Hier geht man davon aus, dass 2/3 des Volumens nicht mit Kreditsicherheiten unterlegt sind, also in dieser Größenordnung Geld geschaffen wird, das (zumindest noch) zum Zeitpunkt der Kreditvergabe keiner Wirtschaftsleistung gegenübersteht. So die Wirtschaftswoche Nr. 38/2014.
4 Und noch ein Hinweis: Das ist kein Buch für Schnellleser. Die Themen sind komplex, das prägt die Sprache. Und die Begriffe sind mehr- und vieldeutig und das verlangt Verharren, BeDenken. Also versuchen Sie es nicht mit 700 WpM, sondern takten Sie sich eher auf 200-300 WpM. Bleiben Sie achtsam und kritisch.
Krise und Neuanfang
GIBT ES KRISEN UND VERLANGEN SIE EINEN NEUANFANG?
