Was in uns liegt - Surika Kötter - E-Book

Was in uns liegt E-Book

Surika Kötter

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Beschreibung

Wie können Frauen im Berufsleben gleichberechtigt und ebenso erfolgreich sein wie Männer? Welche Steine werden uns in den Weg gelegt und welche Hindernisse stellen wir selbst auf? Anhand von eigenen beruflichen Erfahrungen beantwortet Surika Kötter genau diese Fragen. Sie schildert, welche typischen weiblichen Glaubenssätze existieren, die Frauen daran hindern, ihren Platz im Beruf aber auch in privaten Beziehungen zu bekommen. Wie diese im Coaching verändert werden können und was Frauen auch selbst tun können, davon handelt dieses Buch.

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Seitenzahl: 82

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Für meine Eltern

Inhalt

Vorwort

Erstes Kapitel: Chronologie einer Karriere – als Frau in der Bank

1. Ausbildung: Bankkauffrau – eine pragmatische Entscheidung

2. Erste Schritte im Berufsleben: Wenn schon Bank, dann Berlin

3. Trainee-Zeit: Wegweiser für meine berufliche Entwicklung

4. Mitten im Job: HR is calling

5. Neuorientierung: Bye, bye Bank – Menschen im Mittelpunkt meiner Arbeit

Zweites Kapitel: Ursachenanalyse – Stehen sich Frauen selbst im Weg?

1. Muster und Parallelen

2. Und täglich grüßt der Glaubenssatz

Ursprung von Glaubenssätzen

Die drei Killersätze und ihre Auswirkungen

»Ich bin nicht gut (genug)«

»Es ist sehr wichtig, was die anderen von mir denken«

»Ich will keine Konflikte«

Das Hochstapler-Syndrom

3. Rollenbilder in der Gesellschaft

Drittes Kapitel: Mein Ansatz für das Coaching von Frauen

1. »Was will ich?«

Der Preis der Veränderung

Innere Gegenwehr und »Wunderfrage«

2. Identifizierung einschränkender Glaubenssätze

Glaubenssätze provozieren über Satzvervollständigungen

Der Antreiber-Test aus der Transaktionsanalyse

Das Innere Team

3. Arbeit mit einschränkenden Glaubenssätzen

Veränderung durch Gegenbeispiele

»Glaubenssätze in den Spiegeln der Zukunft«

Re-Imprint (Neu-Prägung)

Rescripting & Reprocessing

EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing)

4. Das Selbstbewusstsein stärken

Das »Kraftressourcen-Modell«

Aufs Bauchgefühl hören

Eigene Bedürfnisse äußern

5. Vertiefen der erworbenen Kenntnisse und Überzeugungen

Viertes Kapitel: Fallbeispiele aus der Coaching-Praxis

1. Zwischen zwei Männern

2. Als erste Akademikerin in der Familie

3. Bin ich kompetent genug?

4. Krise und Selbstzweifel

Fünftes Kapitel: Was Frauen selbst tun können

Ich sage Danke

Quellen und Literatur

Vorwort

Mein Vater gab meiner Schwester und mir Folgendes mit auf den Weg: »Ihr seid genauso schlau und könnt genauso viel wie die Jungs – manches sogar noch besser.«

Meine Eltern waren beide berufstätig – wenn auch in unterschiedlichem Umfang, teilten sich den Haushalt, mein Vater spielte mit uns und las uns vor. Ich bin also nicht mit einer klassischen Rollenverteilung aufgewachsen. In der Schule hatten wir annähernd gleich viele Lehrerinnen und Lehrer, manche waren gut, andere weniger. Das hatte nichts mit ihrem Geschlecht zu tun, sondern vielmehr damit, wie sehr sie sich für ihr jeweiliges Fach begeisterten und in der Lage waren, dies auch zu vermitteln.

Ich hatte also keinen Grund zu der Annahme, dass Gleichberechtigung nicht möglich war. Mit Beendigung der Schule und dem Eintritt ins Berufsleben schlug ich allerdings in der harten Realität auf: In nahezu allen Funktionen, in denen jemand etwas zu sagen hatte, saßen Männer! Frauen fanden sich eher in beratenden oder Assistenzfunktionen. Wenn sie eine Leitungsposition innehatten, hatten sie auf alle Fälle keine Kinder, waren geschieden oder, wie es damals wenig schmeichelhaft hieß, »Alte Jungfern«.

Das alles war für mich neu und völlig unverständlich, hatte mir das Leben bis dahin solche Probleme noch nicht serviert. Ich merkte, dass das positive Beispiel meiner Eltern und das Empowerment durch meinen Vater allein nicht reichten, um mich im Berufsleben in einer männlich dominierten Welt zu behaupten.

Erst später, als ich das Bankgewerbe hinter mir gelassen und das Coaching als neuen Berufsweg für mich gewählt hatte, stellte ich fest, wie viel in uns Frauen selbst liegt: Wir verfestigen oft selbst die Strukturen, die uns persönlich und beruflich behindern, weil uns deren Einfluss auf unser Denken und Fühlen oft nicht bewusst ist.

Ich habe mich viel mit der Frage beschäftigt, warum das so ist und vor allen Dingen, was wir dagegen tun und wo wir selbst ansetzen können.

Meine Beobachtungen und die Erfahrungen, die ich im Bankgewerbe und in meiner Arbeit als Coach gemacht habe, habe ich in diesem Buch aufgeschrieben. Aus meinen Erkenntnissen und Analysen habe ich einen Coaching-Ansatz entwickelt, der Frauen stärkt und selbstbewusster werden lässt – sie also kurz und neudeutsch empowert. Sie werden schnell sehen, dass wir nicht bei grauer Theorie bleiben, sondern uns durch und durch mit der Praxis beschäftigen. Um meine Herangehensweise zu veranschaulichen, finden Sie zudem vier konkrete Fallbeispiele, die einen Einblick in den Coachingprozess erlauben. Und last but not least gebe ich im letzten Kapitel Tipps für ein unterstützendes »Selbst-Coaching« zu Hause.

Ich wünsche mir, dass Frauen sich in diesem Buch wiedererkennen und Lösungen für ihre eigenen Probleme entwickeln können.

Wir sind genauso schlau und können genauso viel wie die Männer. Manches sogar noch besser.

Erstes Kapitel: Chronologie einer Karriere – als Frau in der Bank

1. Ausbildung: Bankkauffrau – eine pragmatische Entscheidung

Im letzten Schuljahr, das mit dem Abitur enden sollte, machte ich mir Gedanken um meine berufliche Zukunft. Was wollte ich mit meinem Leben anstellen? Um ehrlich zu sein, hatte ich keine Idee. Ich wusste zwar, was ich nicht wollte, aber sonst?

Ich verfuhr also nach dem Ausschlussprinzip: Ein Studium kam für mich zunächst gar nicht in Frage, ich wollte nicht weiter die Schulbank drücken, sondern praktisch arbeiten und Geld verdienen. Alle handwerklichen Tätigkeiten konnte ich komplett ausschließen, ich habe dafür wirklich null Talent. Mir kam die Idee, etwas in kaufmännischer Richtung zu machen, eine solide Grundlage, auf der man aufbauen kann. Außerdem lagen mir Zahlen, sofern es sich nicht um Geometrie handelte und ich räumliches Vorstellungsvermögen benötigte. Darin war ich genauso untalentiert wie im Handwerken.

Seit jeher hatte ich ein Faible für das Thema Werbung: Wie man mit Sprache und Bildern Menschen beeinflussen konnte, faszinierte mich. Leider wohnte ich in einer Gegend, in der es nur eine örtliche Werbeagentur gab, die viel zu klein war, um jemanden auszubilden. Auch als ich meinen Radius vergrößerte, ergaben sich keine brauchbaren Möglichkeiten. Dazu muss man sagen, dass ich zur Generation der Babyboomer gehöre, mein Abiturjahrgang in der Kleinstadt hatte 147 AbsolventInnen. Ganz schön viele also.

Mein Vater schlug das Finanzamt vor (Sicherheit! Guter Verdienst!). Allein beim Gedanken daran kam mir schon der Staub aus den Amtsstuben entgegen. Ein Industriebetrieb interessierte mich nicht. Beim Thema Dienstleistung blieb also entweder Bank oder Versicherung. Letzteres habe ich sofort gestrichen, ich stellte mir mein Berufsleben dort als ständig reisende und an den Haustüren klingelnde Angestellte vor. Nein danke!

Blieb also die Bank. Ich schickte genau fünf Bewerbungen los, was, gemessen an der damaligen Ausbildungssituation einigermaßen naiv war, wurde aber zu gleich vier Einstellungstests eingeladen. Bei meinem ersten Test bei der Commerzbank erzählte uns der zuständige Ausbilder gleich, dass auf vier Ausbildungsplätze 400 Bewerber kommen würden. Komischerweise beunruhigte mich das kein bisschen. Eingestellt werden sollten zwei Frauen und zwei Männer – wirklich paritätisch – mit Mittlerer Reife (heute MSA) oder Abitur. Tatsächlich bekam ich einen der begehrten Ausbildungsverträge und fing am 01.08.1983 mit meiner Ausbildung an.

Was mir dabei nicht so klar war: Banken sind wirklich erzkonservative Unternehmen. Fast alle Frauen trugen Röcke und Perlenketten. Nach meinem ersten Tag sagte ich zu meinen Eltern: »Wenn ich nur Kleider und Röcke tragen darf, kündige ich«. Soweit kam es aber nicht. Ich schlug mich tatsächlich ganz erfolgreich durch und stellte fest, dass ich das Beratungsgeschäft am spannendsten fand, weil man dort am meisten mit Menschen zu tun hat. Das fiel mir leicht.

Doch nicht nur optisch bot die Bank ein konservatives Bild: Bis auf die Position der Leitung Auslandsabteilung waren alle Führungspositionen mit Männern besetzt. Leitung der Filiale: zwei Männer, Leitung der Kreditabteilung: ein Mann, Leitung der Privatkundenabteilung: ein Mann, Leitung des Zahlungsverkehrs: ein Mann, Innenleitung: ein Mann. Die Leiterin der Auslandsabteilung hatte, als einzige Frau, im Hinblick auf Mitarbeiter und Geschäftsumsatz auch noch den kleinsten Bereich zu verantworten.

Unverheiratete Frauen wurden mit »Fräulein« angesprochen.

Auch heute noch prägt es das Unternehmensklima, wenn fast ausschließlich Männer das Sagen haben. Es fehlt jungen Frauen an Vorbildern, die Mut machen und zeigen, dass es zum Beispiel in einer Bank auch andere Möglichkeiten gibt als eine einfache Beratungstätigkeit. Und nicht jede kommt aus einem Elternhaus wie meinem und wurde in puncto Karriere so unterstützt.

Im Hinblick auf die rein zahlenmäßige Verteilung aller Angestellten kann man nicht sagen, dass das Bankgewerbe grundsätzlich eine Männerdomäne ist. Laut Statista1 betrug im Jahr 2018 der Anteil aller weiblichen Beschäftigten in der deutschen Bank- und Versicherungsbranche 56%. Blickt man hingegen auf den Frauenanteil in Vorständen, beträgt er nur noch 9%, in Aufsichtsräten, also den Kontrollgremien, liegt er bei 23%. «Im Vergleich zu Männern haben Frauen im Finanzsektor so geringe Aufstiegschancen in hohe Führungspositionen wie in keiner anderen Branche. Dies dürfte unter anderem an besonders unflexiblen Arbeitsstrukturen für Führungskräfte liegen, die dafür sorgen, dass Frauen auch in der zweiten Führungsebene kaum vertreten sind, obwohl sie die Mehrheit der Beschäftigten stellen«, so die Wirtschaftswissenschaftlerinnen Elke Holst und Katharine Wrohlich.2

Aber zurück zu meiner Ausbildung: Trotz der äußeren Grundbedingungen kann ich nicht sagen, dass ich während meiner Ausbildung schlechter gestellt wurde als die männlichen Mit-Azubis. Bis auf den Leiter der Kreditabteilung, der ein regelrechter Frauen-Hasser war, wurde ich grundsätzlich respektvoll behandelt.

Allerdings hatte ich auch nicht den Eindruck, dass es mit der Frauen-Solidarität weit her war. In der Kantine wurde gelästert, vor allem über Äußerlichkeiten wie Kleidung und Frisur oder über auch über die Lebenssituationen der anderen (geschieden oder mit 60 noch nie verheiratet etc.) –, und zwar von Frauen! Mein persönlicher Kleidungsstil war auch immer wieder Thema und wurde sogar in Beurteilungen erwähnt. Da ich aber gute Leistungen erbrachte, wurde es nicht nachteilig bewertet. Dieser Eindruck wurde – zumindest bis zu einer gewissen Führungsebene - während der weiteren Berufsjahre immer wieder bestätigt:

Stimmt die Leistung, kommst Du weiter. Egal, ob Mann oder Frau.

2. Erste Schritte im Berufsleben: Wenn schon Bank, dann Berlin

Nach Beendigung der Ausbildung wollte ich meine Heimat unbedingt verlassen. Es zog mich nach Berlin. Erstens lebte meine Schwester dort, daher kannte ich die Stadt schon ein bisschen und zweitens wollte ich unbedingt in eine Großstadt und München oder Hamburg passten einfach nicht zu mir. Also Berlin.