18,99 €
Die Kunst des Gebens: Wie man echte Beziehungen aufbaut und pflegt Die Ergebnisse aktueller Studien zum Thema Lebensglück zeigen, dass diejenigen zufriedener sind, die gute Beziehungen zu den richtigen Menschen pflegen. Wie man echte und langfristige Verbindungen aufbaut, weiß Joe Polish, der wohl »am besten vernetzte Mensch der Welt«: Indem man nicht immer nur auf seine eigenen Vorteile bedacht ist, sondern anderen dabei hilft, ihre Ziele zu erreichen. Der Netzwerk-Experte verrät die neun wichtigsten Networking- Prinzipien, um mit Menschen richtig umzugehen, ihre Bedürfnisse zu erkennen und sie dort zu unterstützen, wo es notwendig ist. Das macht nicht nur glücklich, sondern man erhält im Gegenzug auch selbst Hilfe, sollte man sie benötigen. Ein gutes Netzwerk ist schließlich nicht nur persönlich bereichernd, sondern auch oft für den beruflichen Erfolg matchentscheidend.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 332
Veröffentlichungsjahr: 2023
Joe Polish
Was ist für Sie drin?
Joe Polish
WAS IST FÜR SIE DRIN?
Wie man alles erreicht, was man will, indem man anderen hilft
Übersetzung aus dem Englischen von Philipp Seedorf
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen
Wichtiger Hinweis
Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wurde auf eine genderspezifische Schreibweise sowie eine Mehrfachbezeichnung verzichtet. Alle personenbezogenen Bezeichnungen sind somit geschlechtsneutral zu verstehen.
1. Auflage 2023
© 2023 by Redline Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
Türkenstraße 89
80799 München
Tel.: 089 651285-0
Fax: 089 652096
© der Originalausgabe by Joe Polish
Die englische Originalausgabe erschien 2022 bei HayHouse Inc. unter dem Titel What’s in it for them?.
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Wir behalten uns die Nutzung unserer Inhalte für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG ausdrücklich vor.
Übersetzung: Philipp Seedorf
Redaktion: Britta Fietzke
Umschlaggestaltung: Pamela Machleidt
Umschlagabbildung: Gapingvoid
Satz: Achim Münster, Overath
eBook by tool-e-byte
IISBN Print 978-3-86881-937-3
ISBN E-Book (PDF) 978-3-96267-515-8
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-96267-516-5
Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter
www.redline-verlag.de
Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de
WEITERE TITEL VON JOE POLISH
The Average Joe’s Marketing Book Life Gives to the Giver The Miracle Morning for Addiction Recovery The Little Book of Ass Kickers Understanding Addiction Recovery (mit Anna David)
Sean Stephenson, Dave Kekich und Dr. Janice Dorn gewidmet – drei unglaublichen Menschen und guten Freunden, die der Welt so viel gegeben haben; und Eunice Miller, meiner Chief of Staff, die schon seit 27 Jahren für mich arbeitet; und allen meinen Teammitgliedern bei Piranha Marketing und dem Genius Network.
Wir erleichtern Ihnen das Abrufen der Ressourcen, Tools und Übungen im Verlauf dieses Buchs: Richten Sie einfach nur Ihr Smartphone auf den unten dargestellten QR-Code, und Sie werden direkt auf die Ressourcenseite geleitet:
www.WIIFTbook.com/resources
Ein Teil der Erträge aus dem Verkauf von Was ist für sie drin? geht als Spende an Genius Recovery, eine Non-Profit-Organisation, die von Joe Polish für einen weltweit positiven Einfluss auf die Debatte um Substanzabhängigkeit und Rekonvaleszenz nach einer Sucht geschaffen wurde.
www.GeniusRecovery.org
INHALT
Einleitung
1. Kapitel Wie leiden sie und wie kann ich helfen?
2. Kapitel Investieren Sie Zeit, Aufmerksamkeit, Geld, Aufwand und Energie in Beziehungen
3. Kapitel Werden Sie zu jemandem, bei dem alle gern ans Telefon gehen
4. Kapitel Seien Sie nützlich, dankbar und wertvoll
5. Kapitel Behandeln Sie andere so, wie Sie sie gerne behandelt werden wollen
6. Kapitel Lieber informell, lustig und unvergesslich (statt langweilig)
7. Kapitel Wertschätzen Sie die Menschen
8. Kapitel Bieten Sie umgehend einen Wert
9. Kapitel Kommen Sie möglichst nah ran
Schlussgedanken
Lektionen aus Joes Sabbatical
Hilfsmittel
Danksagung
Lobende Stimmen für Was ist für sie drin?
Über den Autor
EINLEITUNG
Ich möchte gleich auf der ersten Seite mit einer Vogelperspektive auf das Buch beginnen:
Das Geheimnis des Erfolgs im Leben und im Business liegt darin, zu lernen, wie man eine Verbindung zu anderen Menschen herstellt und Beziehungen aufbaut -aber die meisten wissen nicht, wie das geht.
Wenn Sie je einen Entrepreneur haben sagen hören, er hasse »das Netzwerken« (oder wenn Sie einer dieser Entrepreneure sind), gibt es zumeist exakt einen Grund dafür: Sie wissen nicht genau, wie sie das machen sollen. »Netzwerken« impliziert heutzutage seichte Gespräche, transaktionale Beziehungen und die Nervosität davor, andere Menschen beeindrucken zu müssen, sodass sie etwas für einen tun. Das Netzwerken muss so aber nicht aussehen - und das werden Sie auf den vor Ihnen liegenden Seiten erfahren.
Dieses Buch hier würde nicht existieren, wenn Dale Carnegie seinen Klassiker Wie man Freunde gewinnt und Menschen beeinflusst nicht geschrieben hätte. Ich liebe dieses Buch und es ist für mich nach wie vor eine grundlegende Lektüre. Mir wurde jedoch aufgrund meines Wachstums als Unternehmer in den letzten mehr als 30 Jahren bewusst, dass es ein umfassendes Update benötigt. Ich habe aus erster Hand (und manchmal auf die harte Tour) gelernt, dass Erfolg und Glück nicht davon abhängen, nur Freunde zu gewinnen und Menschen zu beeinflussen, sondern davon ab, die richtigen Freunde zu gewinnen und die richtigen Menschen zu beeinflussen - und erst einmal festzustellen, wer diese Menschen sind. Je erfolgreicher Sie im Leben werden, desto wichtiger werden diese Skills.
Ich habe aktiv einen Rahmen geschaffen, um die passenden von den unpassenden Menschen zu trennen. Jede Beziehung, die ich mit »ELF« (Einfach, Lukrativ und Fröhlich) klassifizieren kann, ist gut, aber jede, die ich mit »HALF« (Hart, An-den-Nerven-zerrend, Lahm und Frustrierend) klassifiziere, nicht. Sie können ELF-Kunden und ELF-Teammitglieder haben, oder Sie können HALF-Klienten und HALF-Teammitglieder haben. Früher war ich zu Geschäften mit HALFs bereit, denn diese Connections führten zu lukrativen Gelegenheiten. Man braucht Mut, um diese Connections hinter sich zu lassen, aber aktuell will ich in meinem Leben nur ELF-Beziehungen haben.
Und genau das will ich auch für Sie - es ist der Zweck dieses Buches: Ihre Perspektive auf die Interaktion mit anderen zu ändern, sodass Sie die richtigen Verbindungen zu den richtigen Leuten auf die richtige Weise und in jeder Situation knüpfen können.
Um dies wirklich meisterlich zu beherrschen, muss man sich zu Beginn eine einfache Frage stellen:
Was ist für sie drin?
Indem Sie sich diese Frage stellen, verändern Sie den Fokus von sich auf Ihre Nützlichkeit für andere. Sie verlassen somit das transaktionale Networking-Mindset und bauen transformierende, bedeutende und kollaborative Beziehungen auf (die übrigens meist ELF sind).
Indem Sie sich diese Frage immer wieder stellen, werden Sie mit Menschen eine Verbindung eingehen, denn Sie finden heraus, was diese brauchen, werden ihnen helfen, dies zu bekommen, und ihr Leben dadurch verbessern. Sie reduzieren somit mithilfe dieser Frage auf sehr reale Weise das Leiden anderer, und indem Sie es lindern, werden Sie zu einer anziehenden und wertvollen Person, die von anderen wertgeschätzt wird und mit der andere zusammenarbeiten wollen. Zudem reduzieren Sie durch die reichen Beziehungen, die sich dadurch bilden, und die Türen, die sich Ihnen mit diesen Beziehungen auftun, Ihr eigenes Leiden, verbessern Ihr eigenes Leben und machen die Welt insgesamt zu einem besseren Ort.
Bevor wir uns jedoch den Details widmen, fragen Sie sich vielleicht, wer ich denn überhaupt sei, dass ich mir über diese Dinge eine relevante Meinung anmaßen könne.
Ich bin Joe Polish (ausgesprochen wie das Englische »shoe polish« und nicht wie die Nationalität der Polen, »polish«). Als Kind hatte ich Probleme, wurde drogensüchtig, spreche mich daher für Menschen aus, die einen Drogenentzug machen, bin professionell im Marketing tätig und noch vieles mehr. Heute gehört mir eine 16 Hektar große Geisterstadt in Cleator, Arizona, und ich bin Mitgründer eines Virtual-Reality-Unternehmens, GeniusX, aber am bekanntesten bin ich vermutlich für zwei der höchstrangigen Marketinggruppen der Welt - das Genius Network und 100K, für das Mitglieder einen jährlichen Beitrag von 25.000 US-Dollar beziehungsweise 100.000 US-Dollar zahlen - das ursprüngliche »Mastermind«-Modell, das von zahllosen anderen im Laufe der Jahre übernommen wurde. Man hat mich schon den »bestvernetzten Menschen der Welt« genannt. (Ich selbst würde mich nicht so beschreiben, aber andere haben es getan.)
Meine Mission besteht heute aus zwei Schwerpunkten: Entrepreneuren zu helfen, indem ich ihnen beibringe, wie sie ein ELF-Leben und -Unternehmen aufbauen, und die Debatte auf globaler Ebene darum zu ändern, wie Drogensüchtige gesehen und behandelt werden. Das mag wie zwei deutlich verschiedene Punkten klingen, aber für mich sind sie zutiefst miteinander verwoben.
Das ist meine heutige Position, aber meine Anfänge sahen anders aus. Denn ich begann mein Arbeitsleben als völlig abgebrannter Teppichreiniger in Chandler, Arizona. Ich baute mithilfe all meiner Ersparnisse - 1500 Dollar - mein eigenes Unternehmen für Teppichreinigung auf, denn ich wollte für mich eine bessere Zukunft und das war meine beste Option. Schnell lernte ich, dass Teppichreinigung schmutzige und harte Arbeit ist. Mit der Zeit beschäftigte ich mich weniger mit der eigentlichen Reinigung und verlagerte mein Geschäft darauf, Reinigungsprodukte für Teppiche zu verkaufen. Schließlich verkaufte und vermarktete ich Produkte und Dienstleistungen - im Wert von Milliarden von Dollar - für alle möglichen Unternehmen.
Während mein Business wuchs, gab es Momente, Lektionen und Beziehungen, die mir beim Weiterkommen halfen. Ich stelle mir diese als »Dominosteine« vor, denn so, wie ein Dominostein den nächsten umwirft, führt jede Erfahrung zur nächsten - wie eine kontinuierliche Kettenreaktion.
Man weiß nie, wie weit einen ein bestimmter Dominostein bringt. Und ich hoffe, dieses Buch wird zu einem Dominostein in Ihrem Leben - der eine Stein, der schließlich umfällt und eine ganze Kaskade von Veränderungen und Erfolgen für Sie auslöst.
Im Folgenden eine Erklärung der Funktionsweise dieses Buchs:
Jedes Kapitel nimmt ein Kernprinzip unter die Lupe, das für das Knüpfen von Verbindungen wesentlich ist, basierend auf der »Magischen Rapport-Formel«, ein ursprünglich von Fabienne Fredrickson geprägter Begriff, mit der ich ausgiebig zusammen mit meinem Co-Moderator Dean Jackson in unserem Podcast
I Love Marketing
gesprochen habe.
Jedes Kapitel beinhaltet Geschichten von meiner Arbeit mit den Mitgliedern des Genius Networks und aus meinem eigenen Leben. Sie werden über einige bekannte Namen stolpern, einfach weil ich diese Menschen kenne, mit ihnen gearbeitet und eine Menge von ihnen gelernt habe.
Jedes Kapitel betont einige Schlüsselaspekte oder »Dominosteine«, die Sie behalten sollten, sowie Fragen, um die in Ihrem Leben wirkenden Prinzipien besser erkennen zu lernen.
Neben den positiven Aspekten jedes Prinzips behandelt jedes Kapitel auch die Nachteile und potenziellen, damit einhergehenden Fallstricke - damit Sie diese vermeiden können.
Jedes Kapitel endet mit bestimmten Übungen und meinen Handlungsschritten, um einige der weltweit erfolgreichsten Unternehmer im Genius Network zu coachen. Einige davon liegen vielleicht völlig außerhalb Ihrer Komfortzone - oder würden Ihnen nie in den Sinn kommen -, teils so sehr, dass manche sie nie ausprobieren werden. Das ist mir durchaus bewusst. Wenn Sie sich aber an diese halten, werden Sie beachtliche Resultate erzielen. (Danken Sie mir hinterher.)
Vor dem tatsächlichen Start möchte ich hier noch ein paar Disclaimer anbringen. Zuerst einmal heißt es in diesem Buch häufig, man solle in Interaktionen mit anderen nett sein, aber »nett« lässt sich auf mannigfaltige Weise interpretieren: cool, interessant, fesselnd, sogar sarkastisch - abhängig vom Kontext. Das soll vielmehr aussagen, dass Sie mit anderen auf eine Art umgehen sollten, die diese verstehen und auf die sie reagieren können.
Zweitens: Angesichts all der Ratschläge in diesem Buch möchte ich nicht von mir behaupten, ich hätte die Antwort auf bestimmte Probleme. Für die besten Resultate sollten Sie das, was Sie hier lesen, mit derselben Herangehensweise angehen, die oft bei den Versammlungen eines »12-Schritte-Programms« vorherrscht: »Nimm, was dir gefällt, aber vergiss den Rest.«
Man sollte sich bewusstmachen, dass es in diesem Buch nicht nur um persönliche Fertigkeiten geht, sondern auch um den Charakter - Ihren eigenen und den anderer -, und um das Verständnis, wie dieser Charakter die Art von Verbindungen schafft, die Ihr Leben verändern können. Obwohl ich Ihnen also einen ganzen Schatz praktischer Werkzeuge und spezifischer Erfolgsstrategien mit an die Hand gebe, möchte ich Sie doch auch bitten, sich umfassend mit den psychologischen und emotionalen Fragen zu beschäftigen, die sich Ihnen unterwegs stellen.
Ich habe das in jüngster Zeit selbst häufig getan. Während ich diese Seiten fülle, habe ich gerade ein einjähriges Sabbatical hinter mir, bei dem ich einschätzen und reflektieren wollte, wie sehr mein Leben, mein Business und meine Beziehungen in den Jahren bereichert wurden und gewachsen sind. Ich wollte besser verstehen, wie ich den richtigen Menschen nützlich sein kann, um dieses Wissen besser mit Ihnen zu teilen.
Ich begann meine Karriere mit einer Frage an mich selbst: »Was ist für sie drin?«
Jahre später stelle ich immer noch diese Frage, auch wenn sich einige meiner Antworten verändert haben. Ich hoffe, dass Sie dieses Buch auch zu dieser Frage inspiriert.
EIN HINWEIS AN DIE LESER
Meiner Erfahrung nach lesen Menschen mit einem Interesse an der persönlichen Weiterentwicklung eine Menge Bücher, denn sie suchen immer nach neuen Ideen und Konzepten, um sich selbst und die von ihnen erbrachte Leistung auf die nächsthöhere Stufe zu heben. Dieses Buch ist für diese Menschen gedacht, aber es unterscheidet sich doch etwas von der Konkurrenz.
Denn alles, was ich in diesem Buch geschrieben habe, schrieb ich unter der Annahme, dass die Leser, die es zur Hand nehmen würden, gewissenhafte Menschen seien, für die es wichtig sei, anderen zu helfen und etwas weiterzugeben.
In diesem Geist möchte ich Sie darum bitten, dass Sie sich wirklich Zeit für die folgenden Seiten nehmen und die Ideen nicht nur als Gimmick oder Bonus für etwas anderes verstehen. Es ist dabei meine Hoffnung, dass Sie diese Ideen als maßgeblich ansehen. Wenn Sie diese Prinzipien verinnerlichen und in Ihr Leben integrieren, werden Sie in jeder Hinsicht viel effizienter in Beziehungen, beim Lernen und bei der Interaktion mit anderen werden. Wenn Sie die Ideen in diesem Buch wirklich absorbieren, werden diese Ihnen dabei helfen, auch aus jedem anderen Buch, Seminar, Kurs oder jedem Versuch der Selbstoptimierung mehr Gewinn zu ziehen.
Diese Ideen werden alles in Ihrem Leben verbessern und das aus einem einfachen Grund: An allem, was Sie im Leben tun, sind auch andere beteiligt.
Generell erinnere ich mich nicht mehr an viel aus meiner Kindheit, aber ich habe drei herausstechende Erinnerungen. In der ersten bin ich vier Jahre alt und hüpfe auf meinem Bett herum. Mein Vater zerrt mich daraufhin grob vom Bett. Wir wohnten zu der Zeit in einem ulkigen kleinen Haus in Kerrville, Texas, in dem sich vorn der Schlüsseldienst meines Vaters befand und im hinteren Teil unser Wohnbereich. Meine Mom liegt auf dem Bett und ich glaube, sie wollte, dass ich bei ihr war, aber mein Vater glaubte vielleicht, ich würde ihr wehtun. Sie hatte Eierstockkrebs, was ich aber nicht wusste. Ich wollte einfach nur Spaß mit meiner Mutter haben.
In meiner zweiten Erinnerung stehen mein Bruder, mein Vater und ich dicht nebeneinander am Krankenhausbett meiner Mutter. Ein Schlauch führt aus ihrer Nase heraus und sie sagt etwas wie: »Hört auf euren Vater. Liebt Gott. Seid brav. Ich liebe euch.« Das war das letzte Mal, dass ich sie sah.
In meiner dritten Erinnerung steht mein Vater an einen Baum gelehnt und weint. Es ist ein surrealer Moment, denn ich kann mich nicht daran erinnern, wo wir uns befanden oder wer noch dabei war. Ich kann mich einzig an seinen Schmerz erinnern, und dass ich versuchte, ihn zu trösten, mich aber auch völlig verloren fühlte.
Jetzt als Erwachsener weiß ich, dass man nicht sagen kann, wie Menschen auf eine Situation reagieren. Wie ich auf den Tod meiner Mutter und das Leid meines Vaters reagierte, war einfach: Ich wollte nur seinen Schmerz lindern - egal wie. Darüber hinaus wollte ich diejenigen um mich herum trösten.
Zum Beispiel sollte irgendwann ein Baum hinter unserem Haus gefällt werden, um Platz für ein neues Gebäude zu schaffen. Ich glaubte, die Tiere in diesem Baum würden sterben. Also ging ich, nachdem die Baustelle verlassen war, zu dem herumstehenden Bulldozer und versuchte, einen Plan auszuhecken. Ich könnte die Räder blockieren, sodass der Bulldozer nicht mehr vom Fleck kommen würde. Schließlich könnte der Baum nicht gefällt werden, wenn die Maschine festgesetzt wäre, und die Tiere würden überleben. Ich rannte nach Hause, schnappte mir so viele Bausteine, Spielzeuge und leere Blechdosen, wie ich tragen konnte, und packte sie vor die Reifen des Bulldozers.
Mein Plan funktionierte natürlich nicht. Mein Spielzeug wurde entweder überfahren oder ich bekam es zurück - ich kann mich nicht mehr genau erinnern. Der Baum wurde gefällt, aber das machte mich nur zu einem noch entschlosseneren Menschen.
Mir wurde in jungen Jahren klar, dass die von mir geliebten Menschen litten, und ich wollte unbewusst, dass mein Leben sich darum drehte, Menschen auf möglichst tiefe und bedeutsame Weise zu helfen. Obwohl ich meinen eigenen Schmerz und das Leid aushalten musste, beschloss ich, alles dafür zu tun, der Welt um mich herum etwas Positives mitzugeben. Manchmal hatte ich Erfolg, aber manchmal scheiterte ich kläglich.
Auch wenn ich nicht jeden einzelnen Bulldozer aufhalten konnte, machte ich mir ein Mindset zu eigen, das die Grundlage all meines späteren Erfolgs wurde: Inwiefern leiden Menschen und wie kann ich helfen?
Dominostein: Um Ihr Leben und Ihre Beziehungen zu verbessern, gewöhnen Sie sich folgende Frage an: »Inwiefern leiden sie und wie kann ich ihnen helfen?«
Frage an Sie: Denken Sie über einen wichtigen Menschen in Ihrem Leben nach und stellen Sie sich die Frage: »Inwiefern leidet die Person und wie kann ich helfen?«
Bevor Sie die leidenden Menschen identifizieren und ihnen helfen können, müssen Sie wissen, wonach Sie suchen. Kurz gesagt: Leiden ist Schmerz.
Leiden kann körperlich, emotional, mental oder spirituell sein - und man muss nicht religiös sein, um tiefen, spirituellen Schmerz zu empfinden. Die verschiedenen Einflüsse darauf reichen vom Leben in Kriegszeiten, über schlechtem Wetter bis hin zu körperlichen Behinderungen. Diese offensichtlichen Formen des Schmerzes sind ein Teil des Lebens, den wir alle beobachten können - andere Formen des Leidens sind jedoch schwieriger zu erkennen.
Es gibt emotionales Leiden wie Scham, Traurigkeit und Bedauern, aber auch das mentale Elend in Form von Angst, Paranoia und Depression sowie den spirituellen Schmerz von Bindungsverlust, Isolation und Sucht.
Einen eindrücklichen Schnappschuss spirituellen Leidens bieten Menschen mit Suchtkrankheit:
Physische Abhängigkeit von Drogen und ständiges Unbehagen? Ja.Beschädigte Beziehungen und verzerrtes Selbstbild aufgrund von Kontrollverlust? Ja.Mehrere mentale Probleme wie Angststörungen, Narzissmus und Depression? Ja.Das Gefühl, die Verbindung zu sich selbst, zu geliebten Menschen und zur Welt im Allgemeinen zu verlieren? Ja.Kurz gesagt, es gibt überall Leiden und viel mehr davon, als den meisten bewusst ist.
Auf körperlicher Ebene ist die Quelle des Leidens für jeden verständlich: Schmerz ist, wenn Sie mit der Hand einen heißen Ofen berühren und das Brennen spüren, bis Sie Ihre Hand wegnehmen; Leiden ist das Magenknurren, wenn es nicht genug zu essen gibt.
Aber es gibt noch eine tiefere Sicht auf Leid, das von Denkern wie dem Philosophen und Autor Eckhart Tolle oder den Lehren des Zenbuddhismus betrachtet wird. Aus dieser Perspektive wird das Leid nicht nur durch physische Existenz verursacht, sondern durch unsere Gedanken, Gefühle, Glaubenssätze und unser Urteil über diese Erfahrungen. Wir multiplizieren unser Leiden durch unser Festhalten an den Gedanken und Geschichten, die wir uns selbst über unsere Erfahrungen erzählen, und wie diese Geschichten für weiteres Leiden zusammenwirken. Um den Autor und Mystiker Neville Goddard zu zitieren: »Du siehst nie die Außenwelt, du siehst nur deine eigene Reaktion darauf.« Wenn man sich nicht aktiv die eigenen Reaktionen und Narrative bewusst macht, wird man beträchtliches Leid erfahren, ohne zu wissen, dass man selbst die Ursache ist.
Dominostein: Leiden ist zum Teil eine Sache der Perspektive und unserer Einstellung. Wenn wir unser Leiden, egal in welchem Ausmaß, betrachten, haben wir immer noch die Wahl: den Schmerz zu empfinden oder unsere Perspektive zu ändern.
Frage an Sie: Was ist die Quelle Ihres hartnäckigsten Leidens? Denken Sie an jemanden in Ihrem Leben, der Sie seit Langem frustriert oder eine Herausforderung für Sie ist - wieso verursacht das Ihnen immer noch Schmerz?
Ich weiß, was Sie jetzt denken: Meint er die Frage ernst?
Zweifellos ist Leiden unangenehm. Das Verspüren von Schmerzen erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass wir anderen ebenfalls Schmerzen zufügen. Es hängt jedoch von Ihrer Perspektive ab, was gut oder böse ist.
Leiden kann auch eine Chance sein, um mit anderen eine Verbindung einzugehen.
Leiden kann sehr wirkungsvoll und nützlich sein. Die Unannehmlichkeiten, die es mit sich bringt, können Ihnen helfen, sich aus schädlichen Beziehungen und von Menschen zu lösen, die Ihnen Energie wie Vampire das Blut aussaugen. Unter anderen Umständen kann Leiden auch helfen, eine tiefe Verbindung zu anderen Menschen und hilfreiche Beziehungen aufzubauen.
Selten halten die Menschen einen Moment inne, um darüber nachzudenken, wie Beziehungen gebildet werden und wofür sie eigentlich da sind. Die Beziehung entsteht aus einem Grund - normalerweise, um irgendeine Form von Leid zu entfernen, das von einer der beteiligten Parteien empfunden wird -, auch wenn die Verbindung beide Parteien verändert. Schnell einen Rapport mit leidenden Menschen herzustellen, ist also ein natürlicher Multiplikator für Erfolg im Leben - auf persönlicher und beruflicher Ebene.
Mein guter Freund Dan Sullivan, Gründer des Programms The Strategic Coach®, sagt: »Schlechte Neuigkeiten für andere sind gute Neuigkeiten für Sie.« Als Entrepreneur ist es Ihre Aufgabe, die Herausforderungen anderer zu reduzieren oder gar zu eliminieren. Sie sind die guten Neuigkeiten für die schlechten der anderen; die Lösung für deren Leid. Sie halten den Schlüssel für eine faszinierende und bessere Zukunft für andere in der Hand.
Eine Verbindung mit Menschen einzugehen, bedeutet ihnen zu helfen, zu bekommen, was sie wollen, und zu vermindern oder zu entfernen, was ihnen Leid verursacht. Ich will noch einmal wiederholen, was ich in der Einleitung gesagt habe: Indem Sie mit anderen eine Verbindung eingehen, reduzieren Sie Ihr eigenes Leiden, verbessern Ihr eigenes Leben, bereichern Ihre Beziehungen und machen die Welt insgesamt zu einem besseren Ort. Wie aber macht man nun aus dem Leid ein Werkzeug, um damit Verbindungen zu schmieden?
Dominostein: Leiden kann nützlich sein, wenn es Gelegenheiten schafft, sich mit anderen zu verbinden.
Frage für Sie: Mit wem könnten Sie eine tiefere Verbindung eingehen, indem Sie dessen Leid besser verstehen?
Wenn ich mir die Erinnerungsschnipsel ansehe, die aus meiner Zeit als Vierjähriger stammen, habe ich heute in meinen Fünfzigern eine andere Perspektive darauf. Als mein Dad mich an diesem Tag aus dem Bett zerrte, fühlte ich mich verletzt, denn es war mir peinlich, ich schämte mich und es ärgerte mich. Mom und ich haben hier gerade einen besonderen Moment, Dad. Siehst du das nicht?
Mein Dad sah es eindeutig nicht. Er verstand in diesem Moment nicht, dass ich nur etwas Zeit mit meiner Mutter verbringen wollte. Im Alter von vier Jahren verstand ich meinen Dad aber ebenfalls nicht.
Mein Vater wuchs bettelarm auf und fühlte sich als Opfer, da er das jüngste von neun Kindern war. Einen Großteil seiner Kindheit musste er sich um andere kümmern, das reicht bis hin zur Co-Abhängigkeit. In jungen Jahren wurde er zur Armee eingezogen; bei seiner Rückkehr war er traumatisiert und sogar paranoid. Nach all dem fand er dann doch dank seiner Beziehung zu meiner Mutter sein Glück, bis der Krebs sie dahinraffte. Danach musste er sich erneut allein um andere kümmern.
Nachdem meine Mom gestorben war, verhielt sich mein Vater manchmal körperlich, emotional und mental missbräuchlich gegenüber meinem Bruder und mir. Er hat zwar keine Zigaretten auf unseren Armen ausgedrückt, aber uns mit dem Gürtel geschlagen, angeschrien und ständig kritisiert: Nichts, was wir taten, war jemals gut genug.
Trotz seines oft heftigen Verhaltens spürte ich, dass mein Dad uns liebte, sich sorgte und für uns da sein wollte. Ich hatte den Eindruck, er tat, was er konnte. Statt seine harsche Energie mit Wut oder Schuldzuweisungen zu erwidern, wählte ich etwas anderes: Neugier. Ich sah genauer hin. Selbst wenn mein Dad mit einer Gewitterwolke über dem Kopf herumlief, saß ich in seiner Werkstatt und hatte ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Kunden blieben stehen und kommentierte es meinem Vater gegenüber: »Was für ein fröhliches Kind.«
Das stimmte eigentlich nicht, aber der Kommentar hob die Laune meines Vaters ein wenig an und ich erhielt etwas mehr Spielraum. Irgendwann machte es bei mir Klick: Ich stellte bei meinen Beobachtungen fest, dass mein Vater einen gewaltigen Schmerz in sich trug - mindestens genauso viel wie ich, vermutlich sogar mehr. Ich beobachtete außerdem, dass allein mein Lächeln und einige nette Worte bereits sehr viel bewirkten. Selbst, ohne die Nuancen dessen zu verstehen, schien mir das interessant.
Ich lächelte also in meiner Kindheit und Jugend weiter, schuf damit Raum und bot Menschen überall, wo ich hinkam, Hilfe an. Mir fiel auf, welch enorme Wirkung ich auf andere haben konnte. Nachdem mein Vater, mein Bruder und ich von Texas nach New Mexico gezogen waren, war ich in der Schule zuerst schüchtern und wenig beliebt, aber ich wendete weiter meine Methode an. Ich war immer noch neugierig auf andere. Nach und nach wurde ich nicht mehr so viel gehänselt und schloss Freundschaften.
Mein Experiment, ausnahmslos zu allen freundlich zu sein, funktionierte anscheinend. Da ich dabei feststellte, mit welch einfachen Mitteln man so viel Schmerz anderer Menschen lindern konnte, wurde ich noch neugieriger: Wie konnte ich Traurigkeit in Freude verwandeln? Wut in Begeisterung? Leiden in Wohlbehagen? Ich wurde langsam des energetischen Feldes gewahr, das unter allen menschlichen Interaktionen wirkt - der Parallelwelt, über die niemand spricht, die aber alles zu bestimmen scheint.
Dominostein: Werden Sie zum »Schmerzdetektiv«, um eine Verbindung zu anderen aufzubauen. Konzentrieren Sie sich zuerst auf die andere Person und deren Leiden. Sie und Ihre möglichen Lösungen kommen erst danach dran.
Frage an Sie: Wie hat es Ihnen in der Vergangenheit geholfen, mit anderen eine Verbindung einzugehen, wenn Sie genau auf deren Emotionen geachtet haben?
Mein Freund und Mitglied des Genius Networks, Dr. Don Wood, ist ein ehemaliger Hockeyspieler, der zum Traumaarzt wurde. Nicht er wuchs mit einem Trauma auf, denn er hatte sich als Kind sicher gefühlt und verstand nicht, wieso einige Menschen so nervös und ängstlich waren. Jedoch litt seine Frau zu Beginn ihrer Beziehung an Ängsten, die in ihrer Kindheit verwurzelt waren, und langsam, aber sicher ergaben ihre Reaktionen auf bestimmte Sachen für ihn einen Sinn. Er ließ sich einen treffenden Begriff einfallen, der beschreiben sollte, was die Menschen zu der Person macht, die sie sind: atmosphärische Bedingungen. »Wenn man die atmosphärischen Bedingungen im Leben eines Menschen versteht«, sagte er mir, »ergibt ihr Tun und Verhalten erst einen Sinn.«
Dieses wichtige Konzept ist eines der wertvollsten, das man verstehen sollte, wenn man eine Verbindung zu anderen Menschen schaffen will: Je besser man den Kontext eines Menschen versteht, desto besser wird die Verbindung zu ihm. Manche Leute brauchen ein Leben lang, um das zu verstehen, aber sich des Konzepts bewusst zu sein, kann die Lernkurve schon beschleunigen.
Die Atmosphäre meiner Kindheit machte mich auf natürliche Weise zu einem empathischen Menschen, zu einem Schmerzdetektiv und später in meinem Leben zu jemandem, der die atmosphärischen Bedingungen anderer Menschen ganz genau untersuchte. Sie ließ mich eine Neugier dafür entwickeln, wie die Menschen tickten. Natürlich bedeutete das auch, herauszufinden, wie man anderen mehr Wohlbefinden bescheren könnte, was für mich darin resultierte, dass ich meine eigenen Bedürfnisse hintanstellte, kaum Grenzen setzte, sodass man häufig auf mir herumtrampelte.
Es muss aber nicht so sein. Und Sie müssen nicht über eine natürliche Gabe an Empathie verfügen, um vom Dasein als Schmerzdetektiv zu profitieren. Indem Sie den emotionalen Hintergrund eines Menschen verstehen, können Sie eine Verbindung zu diesem Menschen herstellen. Es gibt mehrere Schritte, um die atmosphärischen Bedingungen eines Menschen zu verstehen, und diese dann für eine bedeutungsvolle Verbindung zu nutzen.
Als Schmerzdetektiv ist man sich der Emotionen anderer bewusst, erfährt ihre Geschichte und will eine Verbindung aufgrund eines geteilten Schmerzes eingehen. Das ist die Grundlage dafür, ihre emotionale Atmosphäre kennenzulernen. Seien Sie aufrichtig neugierig, wenn es um andere sowie Hilfsmöglichkeiten geht. Wenn Sie mit dieser Einstellung an die Sache herangehen, wird daraus viel Gutes entstehen.
Beim Verbindungsaufbau besteht eine große Angst der Menschen darin, nicht zu wissen, was sie sagen sollen. Sie bleiben dann im Small Talk stecken oder fühlen sich unbehaglich, weil sie nicht wissen, wie man zuhört oder sein authentisches Selbst zeigt. Dieses Unbehagen ist verständlich, wenn man über dessen emotionale Ursache nachdenkt. Wenn Sie in einer Unterhaltung Mühe bei der Inspiration für das nächste Thema haben, könnten Sie sich durchaus in der Defensive befinden oder etwas vermeiden. Statt die Unterhaltung einfach fließen zu lassen und die eigenen Emotionen einer anderen Person gegenüber auszudrücken, haben Sie ...
Sorge, was Sie als Nächstes sagen werden (oder das Gegenüber sagen wird);Angst, dass die Unterhaltung ins Stocken gerät;Eile, die Pausen zu füllen.Solche Unterhaltungen wirken dann so, als würde sich eine Person der anderen »verkaufen« wollen, es fühlt sich unauthentisch an. Dieses »Verkaufen« ist allerdings nicht das Problem, sondern es ist das Fehlen einer echten Verbindung. Wenn diese authentisch ist, dann ist das »Verkaufen« transformierend und nicht transaktional. Denken Sie immer daran: Es geht um Ihr Gegenüber, nicht um Sie!
Ich habe Dan Sullivan einmal nach seiner Definition von Verkaufen gefragt. Er erwiderte: »Verkaufen bedeutet, jemanden intellektuell an einem künftigen Ergebnis teilhaben zu lassen, das für beide gut ist, und dann die Person dazu zu bringen, sich emotional einer bestimmten Aktion zum Erzielen dieses Ergebnisses zu verschreiben.«
Es herrscht allgemein die Vorstellung, dass es manipulativ oder in gewisser Weise böse sei, etwas verkaufen zu wollen, aber per definitionem ist es ein durchaus positives Verhalten. Sie verkaufen sich selbst in Interaktionen mit anderen - ob Sie das nun wollen oder nicht. Wenn Sie nicht Ihr wahres Selbst verkaufen, verkaufen Sie eine Persona, die ein zweitrangiges Produkt darstellt, und Sie werden es vermutlich nicht besonders gut angepriesen bekommen. Ihre Produktqualität hängt von Ihrem Wissen darüber ab, wer Sie sind, wie Sie ehrlich damit umgehen und wie Sie sich auf die andere Person konzentrieren können.
Wenn Sie Ihr wahres Selbst in Interaktionen einbringen und Ihre ehrliche Meinung einfühlsam darlegen, zeigen Sie anderen Ihr authentisches Selbst. Auf sehr reale Weise bieten Sie damit einen Wert. Indem Sie anderen zuerst etwas geben, ohne im Gegenzug um etwas zu bitten, zeigen Sie, dass Sie anders sind als andere: Sie wollen helfen, denn Sie sind vor allem ein Geber statt eines Nehmers.
Es gibt drei Positionen, die jeder Mensch bei einer Interaktion einnehmen kann, wenn man eine Bindung oder Connection herstellen möchte: entweder man kommuniziert, verbindet sich oder weicht aus. Wenn Sie wirklich kommunizieren, tauschen Sie Energie und Informationen aus. Sie stimmen einander vielleicht nicht perfekt überein, aber Sie spielen sich einen Ball gegenseitig zu, lernen sich dabei gegenseitig kennen und dazu.
Wenn Sie eine Verbindung herstellen, sind Sie über das reine Kommunizieren hinaus und knüpfen ein echtes Band zu Ihrem Gegenüber. Sie erkennen sich selbst zu einem gewissen Grad in der anderen Person wieder und bauen gegenseitiges Vertrauen auf. Sie haben mehr Rapport, fühlen sich wohl und sind Ihrem Gegenüber herzlicher eingestellt.
Wenn Sie nicht kommunizieren oder keine Verbindung herstellen, versuchen Sie auszuweichen. Das passiert sowohl auf Makro- als auch Mikroebene, während eine Interaktion mit jemandem intensiver oder schwächer wird.
Wie reagiert die andere Person auf das, was Sie sagen?
Bringt sich Ihr Gegenüber ein oder zieht es sich zurück?
Gibt Ihr Gegenüber kurze oder ausführliche Antworten?
Wenn man über diese drei Positionen Bescheid weiß, kann man sein Gesagtes ändern, um mehr über die atmosphärischen Bedingungen eines anderen Menschen zu erfahren.
Der Produzent Jason Headly hat ein Video mit dem Titel It’s Not about the Nail gemacht, das mehr als 20 Millionen Views hat. Dieses Video zeigt eine Frau, die sich über schreckliche Kopfschmerzen beschwert, während ein Nagel aus Ihrer Stirn ragt. Als ihr Partner sie auf den Nagel hinweist, beschwert sie sich bei ihm, »immer alles in Ordnung bringen zu wollen«, obwohl sie nur wolle, dass er zuhöre.
Darin sind ein paar Lektionen verborgen, von denen eine lautet, dass man eine Wahl bei den Narrativen anderer Menschen hat: Zuerst einmal kann man Empathie bezeugen und jemanden in seiner eigenen Story leben lassen. Oder man kann wie ein Schmerzdetektiv sagen: »Du hast einen Nagel im Kopf und wir können ihn herausziehen.«
Wenn sich eine Mitarbeiterin beschwert, dass sie überarbeitet sei, und zudem anmerkt, dass sie in der Nacht zuvor nur eine Stunde aufgrund ihres kranken Kindes geschlafen habe, würde ein mitfühlender, empathischer Chef, der ein Schmerzdetektiv ist, sich nicht nur die Geschichte anhören. Abhängig vom Grund ihrer Müdigkeit könnte der Chef sogar gestatten, dass sie nach Hause geht und sich, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen, ausruht.
Eine Art könnte also sein, zu sagen: »Gehen Sie nach Hause und ruhen Sie sich aus.« Effektiver wäre die Frage: »Wenn Sie sich jetzt ausruhen würden, könnten Sie dann später Ihre Arbeit voller Energie und erholt erledigen?«
Wenn man einer Person sagt, sie habe das Äquivalent eines Nagels im Kopf, könnte man damit vielleicht eine Grenze in der Beziehung überschreiten, weil man etwas sagt, das nicht gesagt werden kann - aber es muss gesagt werden, und je schneller man den Schmerzpunkt findet, desto besser.
Dominostein: Wir alle sind von unterschiedlichen Hintergründen geformt und beeinflusst. Dieser stellt zusammen mit den gegenwärtigen Lebensumständen die emotionale Atmosphäre eines Menschen dar. Es kann also hilfreich sein, etwas über die emotionale Atmosphäre eines Menschen zu erfahren, um ihn besser zu verstehen und einfacher eine Verbindung herzustellen.
Frage an Sie: Welche atmosphärischen Bedingungen herrschen in Ihrem Leben und schaffen in einer bestimmten Form Leiden für Sie? Wie sehen die atmosphärischen Bedingungen der Menschen aus, mit denen Sie eine tiefere Verbindung eingehen wollen?
Kurz nach meinem Eintritt in die Highschool versuchte ich, mich dort zurechtzufinden, und tat mein Bestes, ein netter und hilfreicher Schmerzdetektiv zu sein. Dennoch hatte ich trotz dieser Bemühungen das Gefühl, als hätte ich zu niemandem eine Verbindung.
In der zehnten Klasse fing ich mit meinem Drogenkonsum an. Ich machte aber in diesem Jahr auch einen Töpferkurs und liebte es, zu meiner Überraschung, sehr. Ich war schüchtern und introvertiert, mochte keinen Mannschaftssport, hatte keine Lust auf die Theatergruppe oder die meisten anderen Klubs in der Schule, aber ich wusste eines: Töpfern war toll. Die Kombination aus der sich drehenden Scheibe und meinen Händen, die das Chaos des feuchten Tons zu etwas Greifbarem formten, ließ die Stunden wie Minuten vergehen. Ich vergaß meine Probleme und war im Flow mit dem Ton. Ich mochte Töpfern so sehr, dass ich es drei Jahre lang machte.
Je älter ich wurde, desto mehr Drogen nahm ich und desto mehr ging ich auf Partys, um mit all meinen heftigen Gefühlen fertigzuwerden. Parallel half mir die Arbeit mit dem Ton dabei, einen Teil meines Schmerzes zu betäuben, sodass ich weniger gehemmt war, mehr aus mir herausging und mehr Selbstvertrauen hatte.
Nach und nach lernte ich mehr Leute kennen und wurde beliebter, aber ich hatte nie das Gefühl, meinen Freunden besonders nahezustehen. Wir rauchten und tranken gemeinsam, aber wir entwickelten nicht die festen Bande, nach denen ich eigentlich suchte.
Auch wenn es mir damals noch nicht bewusst war, so brachte mich das Töpfern in Verbindung zu mir selbst, während die Drogen diese löste. Auch wenn es auf mich so wirkte, als hätten sie beim Umgang mit meinem Schmerz eine ähnliche Wirkung, so hätte der Unterschied nicht größer sein können.
Worauf man dabei achten sollte: Wenn man Schmerz empfindet oder leidet, sucht man nach einer Verbindung, um diesen Schmerz um jeden Preis zu lindern - aber wie gut das funktioniert und wie die Ergebnisse aussehen, hängt von der Absicht dahinter ab, größtenteils davon, wie geerdet und »verbunden« man mit sich selbst ist. Wenn Sie eine Verbindung zu sich selbst haben, werden Sie sich selbst genügen und können der Welt um sich herum etwas geben. Ohne Verbindung zu sich selbst werden Sie sich gebrochen fühlen oder so, als wären Sie sich selbst nicht genug und das resultiert darin, sich etwas zu nehmen, um diese Lücke zu schließen. In meinem Fall war das der Drogen- und Alkoholmissbrauch, um den Schmerz zu betäuben oder nach Bestätigung und Status zu suchen, wenn ich mit anderen zusammen war, statt meine Kreativität der Welt mithilfe der Töpferei zu geben.
Es kann knifflig sein, den Unterschied zu erkennen, denn oft geht es nicht wirklich um unser Handeln, sondern um unsere Art und Intention dahinter. Sie können den beliebtesten Menschen in Ihrem Umfeld teure Geschenke geben, um den Eindruck von Großzügigkeit zu erwecken, das wird Sie nur mit sich selbst in Verbindung bringen, wenn Sie auch auf andere Art tatsächlich großzügig sind. Ich habe unzählige Male Menschen erlebt, die ihnen völlig gleichgültigen Wohltätigkeitsorganisationen Geld gespendet haben, nur damit sie selbst besser dastanden und ihren unethischen Background verschleiern konnten. Wenn Sie wissen, dass Sie nicht wirklich so sind und somit die Leute nur zum Narren halten, dann nutzen Sie in Wahrheit Menschen aus, wenn Sie ihnen etwas »geben«.
Es geht hierbei nicht darum, über alles zu sehr nachzudenken oder die Punkte zu überanalysieren, sondern sich der Nuancen bewusst zu sein, wenn man zu anderen eine Verbindung aufbaut oder sie löst. Um sich wirklich mit anderen zu verbinden, müssen Sie zuerst mit sich selbst auf grundlegende Weise im Reinen sein, trotz Ihrer Makel. Sie können charmant und weltgewandt sein, wenn Sie sich mit anderen vernetzen, aber wenn Sie tief in Ihrem Herzen glauben, dass Sie die Zeit dieser Menschen nicht wert sind, oder den Eindruck haben, immer charmant sein zu müssen, weil sonst alle Ihr wahres Ich sehen würden, das Sie selbst nicht leiden können, dann werden die Menschen das spüren. Sie werden das Gefühl haben, keine echte Verbindung zu sich selbst zu haben und irgendwann werden sich auch andere Ihnen nicht mehr verbunden fühlen.
Nicht alle haben wie ich mit einer Sucht zu kämpfen, aber das Prinzip, nach Verbindung zu sich selbst und anderen zu streben, weil man verbunden sein will, gilt für alle. Für das Erschaffen starker Beziehungen ist eine einfache Wahrheit essenziell: Alle wollen sich verbunden fühlen und niemand will ohne derartige Verbindungen leben, aber für solche Verbindungen, nach denen Sie streben, müssen Sie eine Verbindung zu sich selbst haben. Und zu guter Letzt muss man immer präsent sein, Geduld haben und es üben, wenn man den Unterschied zwischen einer echten Verbindung und der Unverbundenheit erkennen will.
Dominostein: Verbundenheit und Unverbundenheit können sich manchmal ähnlich anfühlen, aber sie sind sehr verschieden. Suchen Sie sich Aktivitäten und Menschen, bei denen Sie in sicherer Umgebung einen Zugang zu Ihren Emotionen finden, aber vermeiden Sie Aktivitäten, die Sie Ihre Emotionen beiseiteschieben oder sich davon dissoziieren lassen.
Frage an Sie: Welche Aktivitäten sorgen dafür, dass Sie sich am wenigsten mit sich selbst verbunden fühlen? Welche Aktivitäten bringen Sie authentisch mit Ihrem innersten Selbst in Verbindung?
Eine Verbindung zu anderen Menschen erfordert ein Gleichgewicht aus Vertrauen, Rapport und Geborgenheit - selbst, wenn sich alle drei Punkte ähnlich anhören, lassen sie sich tatsächlich deutlich unterscheiden. Normalerweise dreht es sich bei diesem Thema oft darum, anderen gegenüber Vertrauen, Rapport und Geborgenheit zu empfinden, aber das lässt sich auch auf Ihre Verbindung zu sich selbst anwenden. Glauben Sie daran, dass Sie Erfolg haben könnten? Verfügen Sie über »Rapport« mit sich selbst (stellen Sie es sich als eine Art Sinn für Humor vor - können Sie über sich selbst lachen)? Kommen Sie mit sich selbst aus?
Eine der vielleicht berühmtesten Stimmen zum Thema Rapport - sowohl mit anderen als auch mit sich selbst - ist mein Freund Neil Strauss, der Die perfekte Masche: Bekenntnisse eines Aufreißers und Die nackte Wahrheit: Von der erregenden Kunst, treu zu sein geschrieben hat. Bei Letzterem habe ich mitgewirkt. In Die perfekte Masche beobachtete Neil eine Gruppe von Pick-up-Artists in Los Angeles und dokumentierte ihre Beziehungen sowohl zueinander als auch zu Frauen. An einer Stelle im Buch bietet er eine einfache Formel dafür, wie man Verbindungen zu anderen Leuten herstellt: »Rapport ist Vertrauen plus Geborgenheit.«
Es mag seltsam wirken, eine Definition für Rapport aus der Welt der Pick-up-Artists zu hören, aber die Wahrheit ist - unabhängig von den verfolgten Absichten -, dass kaum jemand die Funktionsweise von Rapport so genau analysiert hat wie diese Gruppe Männer. Interessanterweise haben die Gründe für ihre Fähigkeiten eine Menge mit Leiden und dem Unterschied zwischen Verbundenheit und dem Gefühl der Unverbundenheit zu tun.
