Was macht der Kanzler eigentlich beruflich? - Gebrüder Moped - E-Book
Beschreibung

Manchmal, wenn alles nichts hilft, muss einem die Wahrheit in Form von Schmäh bunt und prägnant ins Gesicht geknallt werden. In your face auf österreichisch: die Gebrüder Moped. Welche mediale Leere es bedeutet, wenn Niki Lauda krank ist; warum Andreas Gabalier auf sein japanischen Wurzeln stolz ist und weshalb der Wiener den Niederösterreicher fürchten muss, erklären die beiden Kabarettisten Gebrüder Moped in ihren Texten und scheuen dabei weder Seitenhieb noch Gnackwatschn. Die Politlandschaft wird ebenso schonungslos analysiert wie die Unterhaltungsmaschinerie, und sogar die Religion muss sich so einiges gefallen lassen - zu Recht und mit Witz, versteht sich. Und was tausend Worte nicht zu sagen vermögen, wird durch Bilder ausgedrückt: Das Buch versammelt ihre besten und lustigsten gefakten Werbe- und Wahlplakate, Ortsschilder und illustratives Gaudium jeder Art. Achtung: Suchtgefahr!

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Seitenzahl:88

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© Leo Bauer

GEBRÜDER MOPED

Die Gebrüder Moped leben und werken unter ihren Decknamen Martin Strecha-Derkics und Franz Stanzl in Wien, schreiben Kolumnen für Print und Web, Texte für Bühne und TV und spielen Kabarett. Sie kuratieren im Villacher Kulturhofkeller die »Kabarett-Koalition«, in der Wiener Kulisse den politischen Aschermittwoch und packen – neu und unverbraucht – erstmals alles in ein Buch.

GEBRÜDER MOPED

WAS MACHT DER

KANZLER

EIGENTLICH

BERUFLICH?

INHALT

1. NOCH NIE HATTEN WIR SO LEICHTEN ZUGANG ZU WISSEN. UND TROTZDEM STELLEN IMMER NOCH MENSCHEN NUTELLA IN DEN KÜHLSCHRANK

2. MIT »BINGO BONGO« HAT DIE FILMKUNST IHREN ZENIT ERREICHT. VON NUN AN GING’S BERGAB

3. ÖSTERREICH IST GUT IN: WELTKRIEG AUSLÖSEN. ÖSTERREICH IST WENIGER GUT IN: RETTUNGSGASSE

4. MAN KANN VON GOTT HALTEN, WAS MAN WILL, ABER HANDWERKLICH WAR ER SCHWER OK

5. DIE INLÄNDER KÖNNEN NICHTS FÜRS SCHLECHTE WETTER. DAS MUSS MAN AUCH EINMAL IN ALLER DEUTLICHKEIT SAGEN DÜRFEN

6. KEINE ANGST VOR DEM BUNDESKANZLER! DER TUT NICHTS

7. GEHEN WIR SORGSAM MIT UNSEREM PLANETEN UM. DIE NEANDERTALER DÜRFEN NICHT AUSSTERBEN!

8. NETTO LEBEN MÄNNER IM SCHNITT NUR 20 JAHRE. DEN REST MÜSSEN SIE FEMINISTISCHE AUSSAGEN ÜBERPRÜFEN, IN FRAGE STELLEN UND MISSVERSTEHEN

9. SOLANGE DIE METALLER NICHT STREIKEN, WERDEN WIR HEADBANGEN

10. WAS WURDE EIGENTLICH AUS DEN BEIDEN TISCHTENNISBÄLLEN, DIE WOLFGANG PRIKLOPIL AUF SEINEM EINZIGEN FOTO IM MUND HATTE?

11. SEITDEM ÖSTERREICH EUROFIGHTER HAT, HAT DAS LAND NOCH KEINEN EINZIGEN WELTKRIEG VERLOREN

AUFGRUND SÄMTLICHER ALLGEMEINER GESCHÄFTSBEDINGUNGEN WELTWEIT WIDERSPRECHEN WIR HIERMIT ALLEM. GENERELL UND ÜBERHAUPT.

–– Wir distanzieren uns vom Urknall. Geht nicht auf unsere Kappe.

1.

NOCH NIE HATTEN WIR SO LEICHTEN ZUGANG ZU WISSEN. UND TROTZDEM STELLEN IMMER NOCH MENSCHEN NUTELLA IN DEN KÜHLSCHRANK.

–– Und wann kommt die Gesamtschule?

Das steht in den Sternen.

BABA, BILDUNG

Datum abgelaufen, Ware in Ordnung. Schicken wir dieses verdammte Bildungswesen doch endlich in seine verdiente Pension. Österreich ist klug genug. Was gibt’s denn da noch viel zu bilden? Alles, was unsere neunmalklugen Kinder jetzt noch immer nicht auf die Reihe bekommen, sollen sie gefälligst ihre Suchmaschinen fragen, diese G’scheiterln. Das werden sie doch zustande bringen, zur Not mittels Spracheingabe. Und wenn nicht, wird’s auch niemandem auffallen. Zumindest nicht jener Million Österreicherinnen und Österreicher, die schon heute nicht sinnerfassend lesen kann. Die hat doch bis jetzt auch keinen gestört. Im Gegenteil sollte die Republik auf genau diese Vorzeige-Million künftig bauen. Warum nicht zwei daraus machen? Oder gar verdoppeln – auf drei? Bitte nicht immer alles so eng sehen. Erst der erhabene Blick aus bildungsfernen Schichten lässt uns die Vorteile erkennen: weniger Sorgen, übersichtliche Sündenböcke und unreflektiertes Kaufverhalten. Das belebt die Wirtschaft bei gleichzeitig ungeahnten Einsparungsmöglichkeiten. Und die Lehrer sollen sich gerne andere Teilzeitjobs suchen.

Es wird wohl an der Sozialdemokratie liegen, uns vom lästigen Orchideen-Freifach namens Bildung zu befreien. Denn das hat sie – das müssen jetzt auch die üblichen Suderanten einsehen – in ihren Wahlkämpfen auch ordnungsgemäß angekündigt. Sie plakatierte schlicht: Bildung. Weiß auf Rot, nicht mehr, nicht weniger. Ja, so wollte uns die Partei offensichtlich vermitteln, mit der Bildung haben wir etwas ganz Spezielles vor. Wir stanzen sie. Zum Beispiel.

Mit der Österreichischen Volkspartei rund um den niederösterreichischen Buchbesitzer George W. Pröll konnte man glücklicherweise einen guten Partner für das innovative Zukunftsprojekt finden. In ihrer intelligenzelastischen Flexibilität ist die ÖVP bekanntlich für Sämtliches offen – sofern die Idee weltanschaulich nicht allzu weit aus dem 19. Jahrhundert herausragt. Also vorwärts, das Raiffeisen schmieden, solange es noch heiß ist:

Exakt 240 Jahre nach Einführung der allgemeinen Schulpflicht (die Lehrergewerkschaft war ursprünglich dagegen) legte die rote Unterrichtsministerin und Erziehungsbeauftragte für sozialistische Jung-Frechdachse umgehend einen Masterplan vor, wie man uns Österreicherinnen und Österreicher am schnellsten deppertsparen könnte. Alles auf Schiene und startklar für den ultimativen Bildungs-Crash, erkannte die Meisterin ihres Faches jedoch im letzten Moment, dass einige ihrer jungen und lästigen Parteikollegen aufmuckten und der roten Regierungsriege in den Rücken zu fallen drohten. Grundsätzlich völlig egal, wie die Parteigeschichte zeigt, wenn da nicht irgendwann auch wieder irgendwelche Wahlen anstünden. Daher bremste die Ministerin kurzerhand die Kiste, um auch die besagten Problem-Sektionen und Teilzeitkritiker fit zu machen fürs gemeinsame Verteilen von roten Feuerzeugen. Die Bildungsbombe kann warten. Zumindest bis nach der Wahl. Dann sind die ehemaligen Wahlhelfer ohnedies wieder damit beschäftigt, die Partei einmal mehr von innen heraus zu verändern. Jedenfalls bis zur nächsten Wahl und zu den nächsten Feuerzeugen.

Und wenn’s mit den Roten gar nicht klappt, dann muss eben ein Bildungsferner höchstpersönlich ans Ruder. So einen gibt’s ja auch noch. Und dessen Partei kommt in Umfragen immerhin schon auf über 23 Prozent. Oder wie der gemeine FPÖ-Funktionär zu sagen pflegt: 2 Mal alle Finger und dann noch 3 Bier.

–– Geh bitte! Wer hat denn heute noch eine reale Oma? Das rennt doch alles schon über Computer.

Erkenntnisse des 21. Jahrhunderts

Rund macht depressiv

Untersuchungen beweisen: Der runde Geburtstag regt zum Nachdenken an. Immer mehr Neunjährige sind depressiv: Was hab ich denn erreicht im Leben? Zweimal Rechenkönig, viermal Tafelordner und nicht einmal ein halb volles Billa-Pickerl-Sammelalbum in der Schultasche! Der Sex ist auch nicht mehr, was er einmal war. Wozu zehn werden? Ich nehme mir das Leben.

–– Für unsere jungen LeserInnen:

Bücher sind diese sperrigen Quader aus abgemurksten Bäumen ohne »Gefällt mir«. Die können nichts: keine Suchfunktion, keine Updates, und in der Dunkelheit funktionieren die Dinger nicht einmal.

WIR SIND IMMER DIE DUMMEN

In Österreich kann eine Million Menschen nicht wirklich lesen. Vorschlag daher: Künftig sollen Wahlen und Anrainerbefragungen unter das Glücksspielgesetz fallen, ergo steuerpflichtig sein. Ein Vorschlag zur Budgetsanierung. Gern geschehen.

Das viel Spannendere aber: Der Mensch wird generell immer dümmer. Und ausgerechnet dabei erweisen wir Österreicher uns als Musterschüler. Im Koma-Saufen, Langlaufen und in sonstigen Doping-Disziplinen an sich schon top aufgestellt, erfreuen sich die Bewohner der Bundeshauptstadt am Umstand, dass die Wiener Kinder besonders danebenliegen. Jedes vierte Kind in Wien plagt sich mit Buchstabenkombinationen, die über SCR, FAK und AUTO hinausgehen. Da gluckst der kapitale Wasserkopf.

In unserer Kindheit damals konntest du uns mitten in der Nacht aufwecken und prüfen:

WER IST WIENER BÜRGERMEISTER?

WIE LAUTET DAS VOLUMEN DER KUGEL?

Wenn die Großen etwas wissen wollten, standen wir Kleine noch im Schlaf parat: Leopold Gratz und 4r3p/3. Brav. Heute hingegen:

WIENER BÜRGERMEISTER? KEINE AHNUNG

VOLUMEN DER KUGEL? MICHAEL HÄUPL

So ticken die Nullen hinter dem Komma. Keine Frage, es herrscht akuter Handlungsbedarf im Bildungsbereich. Jedoch erweisen sich die diskutierten sozialromantischen Alternativen als völlig ungeeignet. Die Gesamtschule zum Beispiel – strikt abzulehnen. Ja, wir sind gegen eine gemeinsame Schule für alle Zehn- bis Vierzehnjährigen! Wie soll das denn bitte auch funktionieren? Was, wenn diese Schule in Vorarlberg liegt?

Eher schon sollte der Staat die Bildungspolitik handhaben, wie er es mit dem Bundesheer vorgezeigt hat. Habt Mut, fragt das Volk:

SIND SIE FÜR DIE ABSCHAFFUNG DER

ALLGEMEINEN SCHULPFLICHT

BEI GLEICHZEITIGER EINFÜHRUNG VON

BEZAHLTEN BERUFSTROTTELN?

Da wären zumindest die Fronten klar, und wir würden uns nicht in stumpfsinnige Details verrennen.

Zeit aber auch, de- zu eskalieren (© Peter Hojac, 2000)! Die nächste Pisa-Studie kommt bestimmt und wird entsprechend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. In Österreich wird diese Studie kaum noch jemand lesen können. Und wirklich spannend wird ohnedies erst der Pisa-Test 2018. Er wird nämlich bereits von jener Generation erhoben, die bei der ersten Pisa-Studie 2000 so eklatant durchgerasselt ist und unser Land zum B-Zug Europas gemacht hat. Diese Generation wird ihren Youngsters wohl nicht mehr viel abverlangen. Korrektes Einkleben von Panini-Pickerln (unfallfrei!) und das sinnerfassende Zubinden von Schuhbändern sollten für einen amtlichen AHS-Abschluss reichen.

Pädagogisch wertlos sind leere Belehrungen – wir Erwachsene sollen den Jungen Vorbild sein. Nur: Was soll die Jugend denn ausgerechnet von uns erlernen? Von einer Generation, die selbst intellektuell maßlos überfordert scheint und an so banalen Dingen wie der Bildung einer Rettungsgasse scheitert?

Wir müssen uns damit abfinden. Die Jugend ist dumm. Aber wir Große dürfen trotzdem stolz sein. Wenn schon nicht auf sie, dann zumindest auf uns. Denn wir haben die nötigen Strukturen geschaffen, dass diese Jugend sich in ihrer sagenhaften Blödheit entsprechend entfalten kann. Medienwelt und Verwaltungsapparat passen punktgenau zum einfachen Strickmuster unserer Kinder. Das perfekte All-inclusive-Paket.

Denn wir wissen: So beschämend und blödsinnig kann ein Thema hierzulande gar nicht sein, als dass unsere Medien nicht immer noch jemanden finden, der etwas noch Beschämenderes und Blödsinnigeres dazu sagen könnte. Und wenn der ganz, ganz seltene Fall eintritt, dass unsere Medien ausnahmsweise doch niemanden finden, der zu einem beschämenden und blödsinnigen Thema etwas noch Beschämenderes und Blödsinnigeres hinzuzufügen weiß, dann wissen wir zumindest: Niki Lauda ist krank.

–– Spitze, dass unsere Bahnhöfe zunehmend auch für bildungsferne Schichten geöffnet werden. Aber warum müssen die Uniform tragen?

–– 29. April: Welttag des Tanzes. Der Tag der Zentralmatura in Waldorfschulen. »Können Sie uns von Ihren Ausführungen auch einen Ausdruck machen?« »Gerne. Auf Papier oder getanzt?«

KIFFEN ALS SCHULFACH?

Die Neos, Österreichs politische Antwort auf alle ungestellten Fragen der Menschheit, setzen neuerdings auf Pink-Punk. Unmissverständlich platzieren sie ihre Forderung im Parteiprogramm: Legalize it! Cannabis soll künftig in der Apotheke verkauft werden.

GRÜNE ENTTÄUSCHEN KIFFER

Gerade im urbanen Raum ist damit mächtig Wahlvolk zu erobern. Unzählige Kifferinnen und Kiffer, die eben noch den Grünen ihre Stimme gegeben haben, sind maßlos enttäuscht, dass die Öko-Lobby wohl eines ihrer herausragendsten Wahlversprechen gebrochen hat: Jahrelang waren die Grünen in Wien an der Macht, und unsere Millionenstadt verfügt nach wie vor über keine einzige Haschtrafik.

PRIVATISIERUNG DER WASSERPFEIFE

Die Neos-Spitze ist offensichtlich mit der geforderten Freigabe nicht ganz so glücklich wie die pinke Parteibasis. Der harte Kern wünscht sich eine parteitaugliche Adaption: Ja zur Wasserpfeife, sofern das Wasser privatisiert ist, der Besitzer nichts dagegen hat und die Cannabis-Pflanze vorher vom Parteichef persönlich umarmt wurde.

WIRD KIFFEN PFLICHT?

Der symbolische Charakter ist jedenfalls kaum zu übersehen, wenn mittlerweile die zweite Partei derart offensiv mit der Zielgruppe der Kifferinnen und Kiffer liebäugelt. Stellt die geforderte Entkriminalisierung aber am Ende nicht nur eine windelweiche Übergangslösung dar? Plant eine grün-pinke Schattenregierung nicht schon längst das Pflichtfach Kiffen an den Schulen?

–– Die konstruktive Diskussion bereichert Geist und Verstand, solange sich nicht irgendein verficktes Arschloch im Ton vergreift.

NIKOLO-VERBOT IM KINDERGARTEN