Was Sie über Geldanlage wissen sollten - Michael Ferber - E-Book

Was Sie über Geldanlage wissen sollten E-Book

Michael Ferber

0,0

Beschreibung

Wie schütze ich mein Vermögen? Wie wappne ich mich für das Gespräch mit dem Bankberater? Welche Finanzprodukte eignen sich, und von welchen sollte ich besser die Finger lassen? Der praxiserfahrene Betriebswirtschaftler und Journalist Michael Ferber antwortet auf all diese Fragen. 'Was Sie über Geldanlage wissen sollten' gibt einen Überblick über die in der Schweiz vertriebenen Geldanlage-Produkte, ist ein unabhängiger Leitfaden und Ratgeber für Privatinvestoren, Private-Banking-Kunden und Altersvorsorgende und unterstützt Bankkunden in ihren Gesprächen mit dem Finanzberater. Die 3., überarbeitete Auflage enthält neue Kapitel zum Sparen und Investieren in der Finanz- und Schuldenkrise sowie zu Immobilien und Edelmetallen (Gold, Silber). Ausserdem greift der Autor das Thema Vermögensschutz stärker auf und legt den Fokus auf Sachwerte als Geldanlage.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 515

Veröffentlichungsjahr: 2015

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



MICHAEL FERBER

WAS SIE ÜBER GELDANLAGEWISSEN SOLLTEN

Ein Wegweiser der Neuen Zürcher Zeitungfür Privatanleger

Verlag Neue Zürcher Zeitung

Haftungsausschluss

Die Aussagen und Bewertungen in diesem Buch sind sorgfältig recherchiert. Weder der Autor noch der Verlag übernehmen aber in irgendeiner Form eine Haftung für die Vollständigkeit und Richtigkeit der darin enthaltenen Informationen. Dasselbe gilt für Schäden bei der Wertpapieranlage, die aus der Interpretation oder der Umsetzung der in diesem Buch getroffenen Aussagen entstehen könnten. Bei den Äusserungen in diesem Buch handelt es sich um Meinungsäusserungen, die der Autor nach bestem Wissen und Gewissen getroffen hat. Sie sind aber in keinem Fall als Anlage- oder Produkteempfehlungen oder -angebote zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten zu verstehen. Der Autor ist fest angestellter Redaktor der Neuen Zürcher Zeitung und steht in keinerlei geschäftlicher Beziehung zu Banken, Vermögensverwaltern oder Geldanlageproduktanbietern.

Aus Gründen der Einfachheit und Lesbarkeit verzichtet dieses Buch auf feminine Substantivformen. Die Leserinnen dieses Buchs mögen dies bitte verzeihen. Ausserdem ist darauf hinzuweisen, dass längere Textpassagen in diesem Buch bereits als Artikel unter dem Kürzel feb. (Michael Ferber) in der Neuen Zürcher Zeitung erschienen sind. Die Stellen, an denen die Artikel in diesem Buch verarbeitet wurden, sind mit Fussnoten gekennzeichnet. Der entsprechende NZZ-Artikel wird jeweils genannt.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikationin der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Datensind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© 2012 Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich

Der Text des E-Books folgt der gedruckten 3., überarbeiteten Auflage 2015 (ISBN 978-3-03810-033-1)

Titelgestaltung und Grafik: icona basel

Datenkonvertierung: CPI books GmbH, Leck

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begründeten Rechte, insbesondere die der Übersetzung, des Nachdrucks, des Vortrags, der Entnahme von Abbildungen und Tabellen, der Funksendung, der Mikroverfilmung oder der Vervielfältigung auf anderen Wegen und der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, bleiben, auch bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten. Eine Vervielfältigung dieses Werks oder von Teilen dieses Werks ist auch im Einzelfall nur in den Grenzen der gesetzlichen Bestimmungen des Urheberrechtsgesetzes in der jeweils geltenden Fassung zulässig. Sie ist grundsätzlich vergütungspflichtig. Zuwiderhandlungen unterliegen den Strafbestimmungen des Urheberrechts.

ISBN E-Book 978-3-03810-117-8

www.nzz-libro.ch

NZZ Libro ist ein Imprint der Neuen Zürcher Zeitung

Vorwort

Längst vorbei sind die Zeiten, als sich finanzieller Wagemut darin ausdrückte, Geld statt auf dem Sparbuch in Kassenobligationen der Hausbank anzulegen. Die Liberalisierung der Finanzmärkte und die Digitalisierung haben einen regelrechten Innovationsschub im Finanzsektor ausgelöst. Dank ihm sind heute nicht nur Vermögensverwalter und Spezialisten, sondern auch Private in der Lage, bereits mit verhältnismässig geringen Summen in spezifische Branchen, Wachstumsunternehmen oder entfernte Schwellenländer zu investieren oder statt nur auf steigende auch auf sinkende Kurse zu spekulieren. Unzählige verschiedene aktiv und passiv verwaltete Fonds erlauben es den Anlegern, ihr Risiko auch mit kleineren Einsätzen zu diversifizieren. Aus komplizierten Derivaten strukturierte Produkte bieten die Möglichkeit, sich gegen Kapitalverluste oder Währungsrisiken bis zu einem gewissen Grad zu versichern oder sich über Hebelprodukte gegenüber Kursbewegungen verstärkt zu exponieren.

Vielen Sparern hat allerdings erst die Finanzkrise so richtig bewusst gemacht, dass die neue Vielfalt auch ihren Preis hat. Hinter komplexen Produkten und intransparenten Anlagevehikeln verstecken sich oft unerwartete Verlust-, Liquiditäts- und Gegenparteirisiken. Aktivistische Anlagestrategien führen häufig zu hohen Transaktionskosten, die den grössten Teil der erhandelten Rendite aufzehren. Kundenberater von Banken verfolgen vielfach ihre eigenen (Provisions-)Interessen, die den Privatanleger stattliche Summen des mühsam Ersparten kosten können. Und in der Regel sind es gerade die besonders schön und verlockend klingenden Strategien, die auf mittlere bis längere Frist eher schlechter abschneiden als der Markt. Hinzu kommt, dass es in der anhaltenden Finanz- und Schuldenkrise immer schwieriger wird, die Kaufkraft des Vermögens aufrechtzuerhalten. Sparer werden durch die Folgen der ultraexpansiven Geldpolitik der Zentralbanken (un-)heimlich enteignet. Wer sein Geld aber nicht auf dem Sparbuch lassen und zusehen will, wie sein Erspartes an Wert verliert, braucht heute fundierte Grundkenntnisse zu den vorhandenen Anlagemöglichkeiten und dem Wirken der Finanzmärkte. Diese sollten es ihm zumindest erlauben, dem Kundenberater die richtigen Fragen zu stellen und «Tipps» korrekt einzuordnen. Auch Privatanleger müssen sich dabei bewusst sein, dass es kaum auf alle zutreffende optimale Anlagestrategien gibt, sondern ein «richtig» zusammengestelltes Portfolio zunehmend massgeschneidert die Lebenslage, Risikoneigung und Sparziele von Individuen berücksichtigen kann und soll.

Der «Börsen und Märkte»- sowie Geldanlage-Teil der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) und die publizistischen Leistungen auf dem Finanzportal von NZZ Online geben denn auch bewusst keine Kauf- oder Verkaufstipps. Sie wollen aber Tag für Tag und Woche für Woche aufklären über das Geschehen an den Finanzmärkten und über Chancen und Risiken von Finanzinstrumenten, Finanzinnovationen, Vorsorgeprodukten, Immobilien und Sachwerten als Geldanlage. In der laufenden Berichterstattung können dabei immer nur Teilaspekte beleuchtet werden. Mit dem vorliegenden Werk hat Michael Ferber, der Mitglied der NZZ-Wirtschaftsredaktion ist, verdankenswerterweise einen systematischen Überblick über das Universum an Geldanlageprodukten aus NZZ-Sicht erstellt. Das Buch möchte Privatanlegern als Handbuch dienen für einen informierten Umgang mit den Chancen und Risiken der schönen neuen Börsenwelt. Der NZZ-Wegweiser wird vom Autor persönlich verantwortet, wurde aber in seiner Entstehung von der Wirtschaftsredaktion der NZZ und speziell von deren «Börsen und Märkte»-Team unter Leitung von Michael Rasch tatkräftig unterstützt. Das Buch greift bereits in der NZZ erschienene Beiträge erweiternd und ergänzend auf. Die vorliegende bereits dritte Auflage von Was Sie über Geldanlage wissen sollten enthält neue Kapitel zum Sparen und Investieren in Zeiten von Schuldenkrise und Negativzinsen sowie zu den Anlagebereichen Immobilien und Edelmetalle. Ausserdem greift der Autor das Thema Vermögensschutz stärker auf und legt einen Fokus auf Sachwerte als Geldanlage. Es kann die kontinuierliche interessenfreie Berichterstattung als Informationsquelle nicht ersetzen, will ihr aber einen hilfreichen Kontext bieten. Die NZZ-Wirtschaftsredaktion wünscht den Lesern dieses Buches eine aufschlussreiche und kurzweilige Lektüre.

Zürich, im Frühjahr 2015

Peter A. Fischer

Leiter der Wirtschaftsredaktion

Neue Zürcher Zeitung

EINLEITUNG:WARUM SIE SICH FÜR GELDANLAGEINTERESSIEREN SOLLTEN

«Der Kleinaktionär ist das Kanonenfutter des Wertpapierhandels.» 1

Helmar Nahr, deutscher Wirtschaftswissenschafter und Mathematiker

Niemand gilt gerne als schlechter Autofahrer. So ergab eine Erhebung des Psychologen Ola Svenson unter amerikanischen Studenten, dass 93 Prozent der Befragten sich zu den besten 50 Prozent der Autofahrer auf amerikanischen Strassen zählten. Knapp ein Fünftel der Studenten gab an, sie gehörten sicherlich zur Elite der besten 10 Prozent.2 Die Umfrage gilt gemeinhin als Beispiel dafür, dass Menschen sich und ihre Fähigkeiten zu gut bewerten.

In der Psychologie redet man von einem Hang zur Selbstüberschätzung («overconfidence bias») – und diesen gibt es nicht nur hinter dem Steuerrad, sondern auch bei der Geldanlage. Bei der Studie Aktienbesitz in der Schweiz 2010, herausgegeben von Wissenschaftern der Universität Zürich, gaben 90 Prozent der Befragten bei einer Selbsteinschätzung an, sie verfügten zumindest über Basiskenntnisse in Finanzangelegenheiten. Rund ein Drittel davon attestierte sich sogar gute bis sehr gute Fähigkeiten in diesem Bereich.3

Privatanleger verschenken Rendite

In der Praxis ist es mit den guten Kenntnissen aber oft weniger weit her. Dies zeigt ein Blick auf die Portfolios der Schweizer Privatanleger, die in derselben Studie behandelt wurden.

Dieser zufolge beherzigten die Privatinvestoren beispielsweise die Risikostreuung ihres Vermögens auf verschiedene Anlageklassen wenig, obwohl es sich dabei um den wohl wichtigsten Grundsatz bei der Geldanlage handelt. Nur 17 Prozent der Anleger investierten überhaupt direkt oder indirekt in Aktien, und die wenigen Aktionäre streuten die Risiken im Durchschnitt auf lediglich fünf Titel, 46 Prozent von ihnen sogar nur auf einen oder zwei.4

Renditearme Bankkonten sind gemäss der Studie der Wissenschafter der Universität Zürich mit einem Medianwert von 50 Prozent bei der prozentualen Aufteilung des Vermögens eine der wichtigsten Anlageklassen der Schweizer Privatanleger.5 Ohnehin investieren diese mit Vorliebe in niedrig verzinste Produkte. Neben den Bank- und Postkonten zählen hierzu auch Lebensversicherungen oder Geldmarktanlagen. So verschenken die Privatanleger nicht nur kurzfristig Rendite, beim Vermögensaufbau kommt auch der Zinseszinseffekt weniger stark zum Tragen. Gerade bei einer längeren Anlagedauer hat dies negative Auswirkungen.

Ein weiteres Ergebnis der Studie war indessen die ausgeprägte Heimatneigung der Anleger. Vier Fünftel des Aktienbestands der Schweizer Privatinvestoren lagen in der Schweiz, und dieser Trend («home bias») hatte sich in den vergangenen Jahren noch verstärkt. In Krisenzeiten fuhren die Anleger damit nicht schlecht, schliesslich vermieden sie so Verluste von Währungen wie dem Euro oder dem US-Dollar gegenüber dem starken Franken. An den Obligationenmärkten ist es in der Tat sehr wichtig, Fremdwährungsrisiken zu umgehen oder abzusichern. An den Aktienmärkten sollten sich Währungseffekte aber über die Zeit hinweg weitgehend ausgleichen.6 Nach der Aufhebung der Mindestgrenze des Frankens zum Euro am 15. Januar 2015 durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) könnte ein starker «home bias» aber hinderlich sein.

Ausserdem sind Privatanleger in den vergangenen Jahren immer wieder Opfer von verlustträchtigen Anlageprodukten geworden. Dazu zählen beispielsweise die Garantiezertifikate der kurz vor dem Kollaps stehenden US-Investmentbank Lehman Brothers oder die Absolute-Return-Fonds der Schweizer Grossbanken, die unter anderem in amerikanische Ramschhypotheken investiert waren und geschlossen werden mussten. Auch beim Schneeballsystem des amerikanischen Hedgefondsbetrügers Bernard Madoff waren Privatinvestoren dabei und verloren viel Geld.

Dies sind aber nur die augenscheinlichen Fälle. Privatanleger werden von Banken und Vermögensverwaltern oft «beraten und verkauft». Sie zahlen zu hohe Gebühren, in ihren Depots finden sich zu teure Geldanlageprodukte, und hinter ihrem Rücken nehmen ihre Berater Provisionen ein. Vielen Privatanlegern bleiben hingegen hohe Kosten und Risiken – und oft merken sie dies nicht einmal.

Überhaupt sind viele Kleininvestoren Banken und Vermögensverwaltern gegenüber zu naiv. Die Finanzhäuser stehen unter dem Druck, gute Geschäftszahlen zu erwirtschaften. Sie wollen deshalb vor allem selbst an den Produkten und der Beratung verdienen und möglichst wenig an die Anleger weitergeben. Deshalb ist es nicht einfach, als Privatanleger mit den Produkten der Finanzbranche Geld zu verdienen. Ausserdem haben Bankberater das Interesse, Börsentransaktionen zu tätigen und so Einnahmen für ihr Finanzhaus zu schaffen. Ein solches Hin und Her kostet den Anleger aber viel Geld.

Es ist nicht verwunderlich, dass sich dies in niedrigen Renditen von Privatanlegern an der Börse niederschlägt. Gerd Kommer erwähnt in diesem Zusammenhang eine Untersuchung des amerikanischen Forschungsinstituts Dalbar für den Zeitraum von 1984 bis 2002. Dieser zufolge kam der durchschnittliche US-Aktienfondsanleger in dieser Periode auf eine Rendite von 2,6 Prozent pro Jahr, während der amerikanische Aktienmarkt um 12,2 Prozent pro Jahr zulegte.7 In der Schweiz und anderen europäischen Ländern dürften die meisten Privatanleger sich ebenfalls sehr schwer damit tun, die Marktrenditen zu erreichen.

Drohende Verluste in der Finanz- und Schuldenkrise

Problematisch an der oben dargestellten Vermögensverteilung ist ausserdem, dass die Schweizer Privatanleger ihr Vermögen laut dieser Studie zu grossen Teilen in Papierwerten wie Obligationen, Lebensversicherungen oder strukturierten Produkten angelegt haben. Auch liegt sehr viel Geld auf Spar- und Postkonten. Viele Sparer sind sich dabei nicht bewusst, dass sie dabei zum Gläubiger der jeweiligen Bank werden und lediglich eine Forderung gegenüber dem Finanzinstitut haben. Für die Schweiz mag dies vorerst nicht drohen, aber Sparer in Zypern und Spanien mussten diese Lektion bitter lernen, als die jeweiligen Regierungen auf das Geld von Sparern zugriffen. Dass sich die Schweiz der Schuldenkrise aber nicht entziehen kann, wurde am 15. Januar 2015 wieder offenbar, als die Schweizerische Nationalbank beschloss, den Mindestkurs des Frankens zum Euro aufzuheben. Danach fielen die Renditen von Schweizer Staatsanleihen, selbst von solchen mit längeren Laufzeiten, in den Minusbereich. Die Anlage in Obligationen und andere Zinsprodukte wird also zum Verlustgeschäft.

Derzeit sind wir Zeugen der grössten Experimente in der Geschichte der Geldpolitik. Die internationalen Zentralbanken haben Milliarden und Abermilliarden an Geld neu geschaffen, um das Finanzsystem zu retten. Dieses stand nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 kurz vor dem Zusammenbruch. Die milliardenschweren Geldspritzen haben die Lage zwar vorübergehend stabilisiert, doch vieles spricht dafür, dass die Finanz- und Schuldenkrise keineswegs vorbei ist und dass lediglich Zeit gewonnen wurde. Ein ähnlich starker oder gar noch schlimmerer Crash des Finanzsystems wie derjenige des Jahres 2008 ist keinesfalls auszuschliessen.

Käme es dazu oder würden Inflationsraten aufgrund der extrem expansiven Geldpolitik schliesslich ansteigen, wären Anleger und Sparer mit Papierwerten schlecht bedient. Solche Anlagen sind nicht mit realen Werten unterlegt, sie beruhen auf Versprechungen, die auf Papier oder sogar nur elektronisch festgehalten sind. Bei einer weiteren Verschärfung dürften jedoch vor allem Sachwerte gefragt sein. Dies sind reale, greifbare Vermögenswerte. Zudem versprechen viele von ihnen auch einen Schutz vor Teuerung. Beispiele für Sachwerte sind Immobilien, Edelmetalle wie Gold und Silber und andere Rohstoffe. Auch Aktien werden meist dazu gezählt. Hinzu kommen auch Liebhaberanlagen, die sich oftmals schlecht zur Vermögensanlage eignen.

Jedenfalls ist derzeit nicht abzusehen, wie die riesigen Mengen an neu geschaffenem Geld durch die Zentralbanken wieder abgeschöpft werden sollen. Hinzu kommen die immense Verschuldung der Industriestaaten sowie drohende weitere Bankenkrisen. Beobachter erwarten verschiedene Arten möglicher Schuldenreformen, die Vermögende treffen würden.

Angesichts der drohenden Turbulenzen infolge der extrem expansiven Geldpolitik ist es beruhigend, dass die Vermögen der Schweizer eben doch zu grossen Teilen in Sachwerten angelegt sind. Bei den oben genannten Umfrageergebnissen ist zu beachten, dass sie die wichtigsten Vermögenspositionen der Schweizer nicht umfassen: Wohneigentum und Pensionskassenvermögen.

Wie die im November 2014 publizierte Statistik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zum Vermögen der privaten Haushalte zeigt, lag der Wert der Wohnimmobilien der Schweizer per Ende 2013 bei 1739 Milliarden Franken, während das gesamte Reinvermögen der privaten Schweizer Haushalte 3186 Milliarden Franken betrug.8 Die zweitwichtigste Position waren Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionskassen, diese betrugen per Ende 2012 rund 919 Milliarden Franken. Um die wahre Aufteilung der Vermögen der Schweizer zu erfassen, müssten diese Vermögensposten in die Studie eingerechnet werden. Unterdessen zeigt sich in der SNB-Statistik eine gewisse Risikoscheu: Von den 3186 Milliarden Franken lagen nur 267 Milliarden Franken in Aktien. Das Volumen von Bargeld und Einlagen bei Banken betrug hingegen 706 Milliarden Franken.

Der sehr starke Anstieg des Werts der Immobilien in der Grafik der Schweizerischen Nationalbank zeigt übrigens, dass viele Anleger in den vergangenen Jahren bereits in den Sachwert Immobilien geflüchtet sind. Dies hat zu einem deutlichen Anstieg der Preise für Liegenschaften geführt. Ökonomen sprechen diesbezüglich von einer Inflation der Vermögenspreise, die ihre Ursache in der laxen Geldpolitik der Zentralbanken hat. Die befürchtete Teuerung ist also zum Teil bereits Realität, nur kommt dies in den publizierten Inflationszahlen nicht zur Geltung.

Höhere Inflationsraten sind nur eine Form der Enteignung der Sparer und Anleger. Durch die Geldschwemme der Zentralbanken kommt es bereits seit einigen Jahren zu einer heimlichen Enteignung. Schliesslich drückt das viele aus dem Nichts geschaffene Geld die Zinsen und erschwert es damit Investoren, bei der Vermögensanlage Renditen zu erzielen. Neuerdings sind sogar Negativzinsen zu beobachten.

Wie oben bereits erwähnt, schrecken manche Staaten mittlerweile auch vor direkten Arten der Enteignung nicht zurück. In Zypern wurden im März 2013 private Sparguthaben auf Bankguthaben oberhalb der von der Einlagensicherung geschützten Grenze von 100000 Euro verwendet, als grosse Teile des Bankensystems zu kollabieren drohten.9 Als im Juli 2014 die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit stark auf die Fussballweltmeisterschaft in Brasilien gerichtet war, kündigte zudem die spanische Regierung an, eine Steuer auf alle Spareinlagen in Höhe von 0,03 Prozent erheben zu wollen.

Angesichts der Finanznot der Staaten könnten solche Massnahmen erst der Anfang gewesen sein. Nicht wenige Beobachter befürchten, dass bei der nächsten Verschärfung der Krise die Sparer in Europa direkt zur Kasse gebeten werden, um kollabierende Banken zu retten. Da die verschuldeten Industriestaaten aber händeringend nach Einnahmequellen suchen, könnte auch die Schweiz verstärkt ins Visier geraten. Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit sind die Aufweichung des Schweizer Bankgeheimnisses sowie die teilweise horrenden Bussen, die Schweizer Banken an Behörden in den USA und Europa bezahlen mussten.

Auch die Deflationsgefahren sind nicht gebannt. In einem solchen Szenario drohen neben sinkenden Preisen Überkapazitäten in der Wirtschaft, eine Schrumpfung der Wirtschaft und damit einhergehend Einbrüche bei Aktienkursen und Immobilienpreisen. Beispiele dafür sind die Weltwirtschaftskrise, die 1929 in den USA begann und praktisch die ganze Welt erfasste. Auch Japan befindet sich nach dem Platzen einer Immobilienblase Anfang der 1990er-Jahre in einer hartnäckigen Deflation.

Die Gefahr der Vorsorgelücke

Die schwierige Lage im Finanzsystem ist insofern problematisch, als dem Vermögensaufbau und der privaten Vorsorge für das Alter eine immer grössere Bedeutung zukommt. Auch wenn das Schweizer Altersvorsorgesystem mit Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), Pensionskasse und dritter Säule international gesehen gut dasteht, tun sich auch hierzulande Lücken auf.10 Die demografische Entwicklung und die extrem niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten setzen das schweizerische System unter Druck. Angesichts der starken Aktienmärkte in den vergangenen Jahren war es nicht offensichtlich, aber die von den Zentralbanken künstlich gedrückten Zinsen könnten potenziell verheerende Auswirkungen haben. Schliesslich erschweren sie den Pensionskassen die Aufgabe erheblich, die für die Erfüllung der Vorsorgeverpflichtungen nötigen Renditen zu erreichen.

De facto erfolgt bereits heute eine Umverteilung von den aktiven Erwerbstätigen zu den Rentnern. Die Umwandlungssätze, also der Prozentsatz des angesparten Vermögens, der den Rentnern jährlich ausbezahlt wird, sind bei vielen Pensionskassen angesichts der extrem niedrigen Zinsen zu hoch angesetzt. Das Volk wendet sich trotzdem gegen Reformen, wie sich bei dem eindeutigen Nein gegen die Senkung des BVG-Mindestumwandlungssatzes im März 2010 gezeigt hat.

Die Schweizer Denkfabrik Avenir Suisse beziffert die daraus resultierenden systemwidrigen Umverteilungen in einer Publikation auf zwischen 600 Millionen bis 1,5 Milliarden Franken pro Jahr. Jeder Rentner erhalte zurzeit bis zu seinem Tod zwischen 20000 und 50000 Franken mehr Rente, als er angespart habe.11 Dies geht zulasten der aktiven Bevölkerung.

Bleiben Reformen aus, dürfte sich die Lage in den kommenden Jahren noch zuspitzen. Die Schweiz steht also wie viele Industrieländer vor einer «grauen Revolution». Gemäss dem Bundesamt für Sozialversicherungen wird sich der Altersquotient, also die Zahl der Pensionierten in Relation zu den Erwerbstätigen, von momentan 28 Prozent auf 52 Prozent im Jahr 2050 erhöhen.12 Diese Entwicklung ist schon seit vielen Jahren zu beobachten.

So droht vor allem jüngeren Bürgern bei der Altersvorsorge eine Vorsorgelücke, die sie selbst füllen müssen. Arbeitnehmende dürften zunehmend gezwungen sein, sich rechtzeitig Gedanken darüber zu machen, wie sie finanziell für ihren Ruhestand aufgestellt sind. Dies wird wohl dazu führen, dass die dritte Säule des Schweizer Altersvorsorgesystems an Bedeutung gewinnt. Sie dient der privaten Vorsorge für den Ruhestand und teilt sich in zwei Bereiche auf: die Säule 3a, in der Sparer gebunden anlegen, sowie die Säule 3b, in der sie freie Vorsorge betreiben.

Vermögensanlage unter erschwerten Bedingungen

Allerdings dürfte der Vermögensaufbau in den kommenden Jahren sowohl aufgrund der andauernden Finanz- und Schuldenkrise als auch der demografischen Entwicklung, die das Wirtschaftswachstum in vielen Ländern bremsen dürfte, schwierig werden. Durch die Krise erhält ein gutes Finanzwissen zusätzliche Bedeutung. Zunächst einmal dürfte die Lage an den Finanzmärkten weiterhin von erheblichen Schwankungen geprägt bleiben, was die Geldanlage alles andere als einfach macht. Ausserdem hat sich durch die vielen Rettungsmassnahmen von Regierungen und Zentralbanken ein erhebliches Inflationspotenzial aufgebaut. Gleichzeitig ist die Gefahr einer Deflation bzw. einer Depression in Europa nicht gebannt. Derzeit kommt es bereits zu einer heimlichen Enteignung der Sparer durch manipulierte, zu niedrige Zinsen. So droht die schleichende Entwertung von Vermögens- und Pensionsguthaben. In manchen Ländern könnten auch direkte Enteignungsmassnahmen folgen, die Beispiele Zypern und Spanien könnten hier lediglich erste Schritte gewesen sein.

Dieses Buch soll Sparern und Vorsorgenden helfen, ihr Wissen über Finanzen und Geldanlage zu verbessern. Angesichts der fragilen Lage an den internationalen Finanzmärkten ist dies umso wichtiger. In den kommenden Jahren wird es schwierig werden, die Kaufkraft des Vermögens und der Altersguthaben über die Krise hinwegzuretten – von möglichen Renditen ganz zu schweigen. Wahrscheinlicher ist es, dass der Grossteil der Anleger und Sparer an Wohlstand verliert. Die Rechtsanwaltskanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek drückt es folgendermassen aus: «Bildhaft gesprochen ist davon auszugehen, dass im Sturm wohl alle nass werden, aber vom Blitz getroffen wird nur derjenige, der die dunklen Wolken nicht ernst nimmt.»13

Angesichts der schwierigen Lage im Finanzsystem sollte das erste Ziel eines Anlegers sein, sein Vermögen zu erhalten. Dies ist bereits eine ziemliche Herausforderung. Die Zahl wirklich sicherer Obligationenschuldner sinkt, die Renditen von Schweizer Staatsobligationen sind sogar negativ (Stand: Februar 2015), und bei vielen Anlagevarianten drohen Ausfallrisiken. Hinzu kommen starke Schwankungen an den Börsen, die dazu führen können, dass Anleger innerhalb kurzer Zeit grosse Teile ihres eingesetzten Kapitals verlieren. In Zeiten, in denen Staaten die Zahlungsunfähigkeit droht und weitere Schieflagen von Banken eine Frage der Zeit sind, ist Geldanlage ein risikoreiches Unterfangen.

Trotzdem sollten Sparer nicht vergessen, dass sie auch Geld verlieren, wenn sie dieses auf dem Konto herumliegen lassen. Überdeutlich macht dies eine Studie der Deutschen Bundesbank, die Anfang 2011 die Veränderung der Kaufkraft in verschiedenen Währungen seit dem Jahr 1971 berechnet hat.14 Die Erhebung stützte sich auf zwei verschiedene Berechnungsmethoden. Gemäss der einen verlor der Schweizer Franken im Zeitraum von 1971 bis 2011 um 41,3 Prozent an Kaufkraft, gemäss der anderen sogar um 65,5 Prozent. Dafür sorgte die Inflation von in diesem Zeitraum jährlich durchschnittlich 2,7 Prozent in der Schweiz. Ein weiteres Risiko von Bankeinlagen ist die Tatsache, dass der Sparer sich zum Gläubiger der Bank macht und lediglich eine Forderung gegenüber dem Finanzinstitut hält. Erst wenn der Sparer das Bargeld physisch in der Hand hält, gehört es ihm tatsächlich.

Inhalt des Buchs

Angesichts der schwierigen Lage ist es umso wichtiger, dass Anleger nicht in die zahlreichen Fallen tappen, die sich bei der Geldanlage auftun. Dieses Buch zeigt auf, wie das Finanzgeschäft tatsächlich funktioniert und welche Schlüsse daraus zu ziehen sind. Dabei werden wichtige Grundregeln der Geldanlage vorgestellt. Es macht auf die grössten Fehler bei der Geldanlage aufmerksam und hilft, diese zu vermeiden.

Anschliessend geht das Buch auf die derzeitige Lage an den Finanzmärkten ein und zeigt die Folgen der extrem expansiven Geldpolitik der Zentralbanken auf. Dieser heimlichen Enteignung könnte alsbald in manchen europäischen Ländern eine direkte Enteignung folgen – der direkte Zugriff auf die Vermögen von Sparern und Anlegern. In Organisationen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) werden mögliche Szenarien längst diskutiert, in Zypern und Spanien sind sie bereits teilweise Realität geworden. Das Kapitel gibt einen Überblick über diese Gedankenspiele und Massnahmen und zeigt die Folgen für Anleger auf.

Was bedeutet dies für den Kauf von Geldanlagen und Finanzprodukten? Wie krisensicher sind diese? Privatanleger finden sich in dem Dschungel an Finanzprodukten oft kaum zurecht. Das Buch gibt einen Überblick über dieses Dickicht und hilft dabei, Vor- und Nachteile der verschiedenen Geldanlageprodukte gegeneinander abzuwägen. Es umfasst alle gängigen Anlagen wie Aktien, Obligationen, Anlagefonds, Exchange-Traded Funds (ETFs), strukturierte Produkte, Vorsorgeprodukte und alternative Finanzprodukte wie Dachhedgefonds und Private-Equity-Anlagen. Dabei zeigt es auf, welche Arten von Geldanlageprodukten sich für Privatanleger eignen und welche nicht. Ausserdem geht das Buch auf die Chancen und Tücken beim Kauf von Immobilien und Edelmetallen ein.

Nach der Lektüre dieses Buchs können Sie beim Gespräch mit Ihrem Anlageberater selbstbewusst auftreten, ihm die richtigen Fragen stellen und die angebotenen Finanzprodukte hinterfragen. Oder, noch besser: Sie nehmen Ihre Geldanlage gleich selbst in die Hand. Die im abschliessenden Kapitel aufgelisteten zwölf Grundregeln der Geldanlage bilden hierfür eine gute Grundlage. Bitte haben Sie allerdings Verständnis dafür, dass das Buch gemäss den Leitlinien der Neuen Zürcher Zeitung keine Produkte empfehlen kann.

PRIVATANLEGERALS KANONENFUTTERIM FINANZGESCHÄFT

«Wer sich nach den Tipps von Brokern richtet, kann auch einen Coiffeur fragen, ob er einen neuen Haarschnitt empfiehlt.» 15

Warren Buffett, amerikanischer Grossinvestor

«Beraten und verkauft»: unterschiedliche Interessenlagen bei Bank und Anleger

Manche Bankberater am Finanzplatz Zürich sprudeln regelrecht vor Anekdoten aus dem Berufsalltag.16 Eine davon handelt von einem wohlhabenden Kunden aus der Kunstbranche, der 2010 einen Teil seines Vermögens bei einem Bankhaus angelegt haben soll. Während des kurzen Gesprächs mit dem Berater habe er diesem gesagt, er solle das Geld einfach irgendwie investieren, er vertraue ihm. Beim abschliessenden Händeschütteln habe er sich mit den Worten «Wie heisst nochmals Ihre Bank?» verabschiedet.

Was der Banker dem Kunden dann tatsächlich empfohlen hat, ist nicht bekannt. Bei den Bankberatern und Vermögensverwaltern sind solche unbedarften Kunden ohne Finanzwissen jedenfalls gern gesehen. Sie stellen keine unangenehmen Fragen, und oft kann man mit ihnen viel Geld verdienen, indem man ihnen überteuerte und riskante Finanzprodukte verkauft. Vor der letzten Krise gelang dies beispielsweise mit dem Verkauf von Garantiezertifikaten der später kollabierten US-Investmentbank Lehman Brothers oder mit Empfehlungen, in das Schneeballsystem des Milliardenbetrügers Bernard Madoff zu investieren. In diesen beiden Fällen sollen besonders hohe Provisionen an die Verkäufer geflossen sein. Die Leidtragenden waren die Anleger, die ihre Investitionen mit grossen Verlusten büssten.

Berater als Produkteverkäufer

In der Banken- und Finanzwerbung geht es meist um Vertrauen. In den Spots und auf den Plakaten sind Kunden und Vermögensberater ein eingespieltes Team: Die Kunden gehen ihrer Arbeit nach, und die Berater vermehren deren Geld. In Wahrheit klaffen die Interessen der beiden Seiten aber oft weit auseinander. Als zentrale Dienstleistung preisen die Institute zwar an, sie berieten die Kunden neutral und nach bestem Gewissen. In der Realität sind die meisten Berater aber nicht viel mehr als Produkteverkäufer. Ihnen werden interne Vertriebsziele vorgegeben, die sie erfüllen müssen. Es besteht der Anreiz, den Anlegern möglichst teure, margenträchtige Produkte zu verkaufen, um Einnahmen für das Finanzinstitut zu generieren und die Margen zu steigern. Oft halten diese Anlagen dann aber nicht, was sie versprechen.

Günstige Produkte, die Börsenindizes passiv abbilden, kommen trotz ihrer vielen Vorteile für die Anleger nur spärlich zum Einsatz. Die Banken verdienen daran zu wenig. Bevorzugt placieren die Berater Finanzprodukte aus dem eigenen Haus in den Depots der Kunden – denn hier nehmen die Banken besonders hohe Gebühren ein. Wer als Berater innerhalb eines Finanzinstituts erfolgreich sein will, orientiert sich an diesen Strukturen. Schliesslich richten sich auch die Bonuszahlungen der Mitarbeiter vor allem danach, wie gut es gelingt, die vom Arbeitgeber gewünschten Produkte bei den Kunden unterzubringen.

Dies ist allerdings nicht nur im Finanzgeschäft so. Wer für den Autokauf zum Fiat-Händler geht, dem wird im Allgemeinen auch kein Volkswagen empfohlen – und wer bei Gebrauchtwagenhändlern nicht aufpasst, der erwirbt ein Auto mit allerhand Mängeln und Problemen. Vielen Anlegern ist aber nach wie vor nicht klar, dass auch die Berater in den Banken zuerst einmal ihr eigenes Wohl sowie das der Bank und dann erst das des Kunden verfolgen.

Gewachsenes Misstrauen nach der Krise

Die jüngste Krise hat indessen viele Kunden misstrauisch gemacht. Dies zeigt sich beispielsweise in der Rangliste der Zeitschrift Reader’s Digest zu den vertrauenswürdigsten Berufen in 15 europäischen Ländern, die im März 201 2 veröffentlicht wurde. Ganz vorne lagen die Feuerwehrleute, dicht gefolgt von den Piloten und den Krankenschwestern. Unter den 20 vorgegebenen Berufen schnitten Politiker, Autoverkäufer, Fussballer und Gewerkschaftsführer am schlechtesten ab. Wenig Vertrauen brachten die befragten Konsumenten auch den Finanzberatern entgegen, die in dem Ranking auf Platz 16 landeten. Nur 26 Prozent der Befragten sagten, sie hätten ein «sehr hohes» oder «ziemlich hohes» Vertrauen in diesen Berufsstand.

Das Gedächtnis der Anleger ist aber zumeist kurz. Geht es an der Börse aufwärts, wächst bei den Kunden der Wunsch nach höheren Renditen. Die Risikofreude nimmt zu, und die Anleger werden empfänglicher für die oftmals falschen Tipps von Beratern.

Im Beratungsgeschäft greifen zudem die alten Mechanismen. So widersprechen die Eigenschaften der Finanzprodukte in den Depots der beratenen Anleger oft deren Bedürfnissen. Passen die Kunden nicht auf, haben sie schnell komplizierte, teure und überdies renditeschwache Produkte im Portfolio. Dabei verletzen die Zusammenstellungen oft Grundregeln wie beispielsweise die der Risikodiversifikation. Um Kommissionen für die Bank zu generieren, halten viele Berater ihre Kunden ausserdem zum Umschichten ihrer Depots an. Das hektische Kaufen und Verkaufen von Wertpapieren hat für den Anleger meist die Folge, die eine alte Börsenweisheit beschreibt: «Hin und Her macht Taschen leer.» Auch versteckte Gebühren von Finanzprodukten und Dienstleistungen schmälern die Rendite. Viele Finanzinstitute schaffen bewusst Intransparenz, beispielsweise hüten die meisten Banken ihre Private-Banking-Preislisten strengstens.

Einige Banken haben auf die im Zuge der Finanzkrise lauter gewordene Kritik mit Verbesserungen bei der Ausbildung ihrer Berater reagiert. Immerhin nimmt die Bedeutung Rückgewinnung des Kundenvertrauens zu. Allerdings lassen sich durch eine bessere Ausbildung der Berater die Interessenkonflikte nicht auflösen.

Die Anleger sind teilweise selbst schuld

Trotzdem ist ein reines Bashing von Banken und Vermögensverwaltern nicht angebracht. Die Kunden müssen sich auch an die eigene Nase fassen, denn sie tragen an der weitverbreiteten Fehlberatung eine Mitschuld. Die meisten Anleger sind schlicht nicht gut genug über Finanzangelegenheiten informiert und kümmern sich auch zu wenig darum. Den wenigsten ist bewusst, dass die Höhe der Gebühren eine sehr wichtige Rolle für den Erfolg eines Finanzprodukts spielt, besonders in einem Umfeld mit niedrigen Zinsen. Viele Kunden stellen zwar beim Kauf eines neuen Kühlschranks oder eines Fernsehers ausführliche Angebotsvergleiche an. Bei der Geldanlage unterlassen sie dies dagegen, obwohl es hier meist um viel mehr Geld geht.

Ausserdem versäumen es viele Kunden, ihre Gebührenkonditionen mit der Bank zu verhandeln. Gerade vermögenden Anlegern im Private Banking bietet sich hier Spielraum. Viele Investoren sind auch schlicht zu ambitiös und ungeduldig. Sie überschätzen sich und glauben daran, den Markt schlagen zu können. Dabei ist dies, wie die Finanzpraxis zeigt, auf längere Sicht sehr, sehr schwierig. Eine zweifelhafte Rolle kommt dabei manchen Medien zu, die ihre Auflage mit heissen Tipps steigern wollen und den Lesern Wege zu schnellem Reichtum vorgaukeln. Manche Privatanleger leben ihren Spieltrieb aus und verlangen nach neumodischen Finanzprodukten. So ist es wohl nicht ganz falsch zu sagen, dass viele Anleger in den Banken die Beratung erhalten, die sie verdienen.

Auch sich als unabhängig bezeichnende Vermögensverwalter sind oftmals lediglich verlängerte Arme von Banken oder Versicherungen. Ihr Geschäftsmodell beruht darauf, hinter dem Rücken der Kunden Provisionen von Produktanbietern einzunehmen. Durch solche versteckten Gebühren kommt die Kunden die Beratung indirekt oft sehr teuer zu stehen.

Ausschalten lassen sich die Interessenkonflikte nur, wenn der Berater auf ein Zeithonorar arbeitet, vergleichbar mit einem Anwalt. Honorarberater gelten als gute Alternative für Anleger und Sparer, die bei Investitionen unabhängigen Rat suchen. Allerdings sind die meisten Anleger nicht bereit, für die Beratung direkt zu bezahlen. In der Schweiz gibt es nur wenige wirklich unabhängige Honorarberater. Ein Honorarberater dürfte laut Marktbeobachtern pro Stunde rund 120 bis 250 Franken kosten, eine grundlegende Vermögensanalyse kommt oftmals auf mehr als 1000 Franken.17

Dies ist einer der Gründe dafür, dass es auch bei Honorarberatern wieder aufzupassen gilt. Auch von ihnen lassen sich viele trotz angeblicher Unabhängigkeit mit Provisionen von Produkteanbietern bezahlen. Sie verdienen also doppelt: Einerseits verlangen sie ein Honorar für die Beratung und anderseits kassieren sie gleichzeitig Kickbacks. An einer individuellen Prüfung des Finanzberaters führt also kein Weg vorbei. Im Zweifelsfall sollten Kunden ihren Berater direkt fragen, ob er Provisionen von der Finanzbranche einnimmt. Zudem ist der Vertrag mit dem Berater zu überprüfen. Steht darin nicht, dass dieser auf Provisionen verzichtet, dürfte dies im Allgemeinen auch nicht der Fall sein. Laut Experten sollten sich Anleger schriftlich bestätigen lassen, dass der Berater keine Provisionen kassiert, dass er diese gegebenenfalls offenlegt und dem Kunden zurückbezahlt. Noch besser wäre es aus Expertensicht, sich dies von der Prüfungsgesellschaft des Beraters bescheinigen zu lassen.

Provisionen, Kickbacks und Co.

Wie bereits erwähnt, lassen sich Banken und Vermögensverwalter oftmals indirekt entlöhnen – über Provisionen, im Fachjargon auch Retrozessionen oder Kickbacks genannt.18 Dies sind Rückvergütungen von Produkteanbietern an den Vertrieb. Sie sind für den Kunden nicht sichtbar, kommen ihn letztlich aber indirekt oft teuer zu stehen.

Verdeckte Zahlungen schaffen Interessenkonflikte

Solche Provisionen schaffen oft falsche Anreizsysteme und Interessenkonflikte bei den Beratern. Der Kunde erhält so nicht die für ihn am besten geeigneten Geldanlageprodukte, sondern die, bei denen der Berater die höchsten Kickbacks einnimmt. Gutgläubige und für eine unabhängige Beratung zu geizige Privatinvestoren kommen so oft an teure und ungeeignete Finanzprodukte. Dies zeigt der Anlageskandal um die Lehman-Garantiezertifikate.

In der Schweiz sind Provisionen und Retrozessionen weitverbreitet. Gemäss der Winterthurer Beratungsfirma Vermögenspartner nimmt ein externer Vermögensverwalter beispielsweise bei einem Umschichtungsvolumen von 50000 Franken bis zu 500 Franken pro Transaktion von der Depotbank im Hintergrund als Provision ein und verdient bei fast allen anderen Bankgebühren mit.19 Die Abschlussprovision bei einer gemischten Lebensversicherung mit einer jährlichen Prämie von 5000 Franken kann mehr als 10000 Franken betragen. Bei Aktienfonds liegt die jährliche Bestandsprovision laut dem Unternehmen durchschnittlich bei mehr als 0,7 Prozent des investierten Kapitals. Retrozessionen fliessen also nicht nur beim Abschluss eines Vertrags, sondern auch danach.

Die folgende Liste zeigt auf, bei welchen Geldanlageprodukten besonders hohe Kickbacks fliessen:

Bundesgerichtsurteile gegen Retrozessionen

Allerdings gerät dieses Geschäftsmodell zunehmend in Verruf. In Grossbritannien sind Retrozessionen beispielsweise mittlerweile verboten, und auch in anderen Ländern sind die versteckten Provisionen ins Visier der Gesetzgeber geraten.

In der Schweiz hat das Lausanner Bundesgericht im Oktober 2012 entschieden, dass Finanzhäuser Retrozessionen, die sie beim Verkauf von Finanzprodukten an Vermögensverwaltungskunden erhalten haben, herausgeben müssen. Bereits im März 2006 hatte das Bundesgericht geurteilt, dass Retrozessionen, die ein Vermögensverwalter von der Depotbank eines gemeinsamen Kunden erhält, Letzterem offenzulegen und abzuliefern sind. In der Praxis passierte allerdings zunächst wenig. Die meisten Kunden unterzeichneten bei ihren Finanzinstituten allgemeine Geschäftsbedingungen, in denen sie auf Herausgabe und Offenlegung der Provisionen verzichten.

Nun steigt aber der Druck. Da es bei dem Verzicht auf Retrozessionen aber zumindest um hohe dreistellige Millionenbeträge geht, spielen viele Banken bei dem Thema auf Zeit. Allerdings zeigt sich anhand der Beispiele einiger Schweizer Finanzhäuser doch, dass sich diese zunehmend auf eine Geschäftswelt mit weniger Retrozessionen vorbereiten.

Anleger, die sich diesem Dilemma entziehen und auf Nummer sicher gehen wollen, suchen sich einen unabhängigen Honorarberater, der die Retrozessionen offenlegt und sie ihnen zurückgibt.

Kommissionen, Courtagen, Erfolgsbeteiligungen: hohe Gebühren bei der Geldanlage

«Am Ende gewinnt immer die Bank», lautet eine alte Investorenweisheit.20 Banken und Fondsgesellschaften erheben bei der Geldanlage eine Vielzahl an ausgewiesenen und auch versteckten Gebühren. Die hohen Kosten der Konten und Finanzprodukte belasten die Renditen der Privatinvestoren. Diese sollten sich bewusst sein, dass die Kosten einer Geldanlage am Ende stark ausschlaggebend sind für den Anlageerfolg. Deshalb lohnt es sich für Anleger, sich über die Gebühren genau zu informieren.

Ein Reigen an Kosten

Ein Vermögensverwalter, der anonym bleiben will, hat für die Neue Zürcher Zeitung eine Modellrechnung erstellt, die die hohe Gebührenbelastung vor allem kleiner Kunden bei manchen Banken aufzeigt. Bei diesem fiktiven Anlageszenario eröffnet eine Privatperson ein Fremdwährungskonto bei einer Schweizer Bank. Dieses lautet auf Euro, nicht auf Franken, und die Person zahlt 50000 Euro in bar ein. Anschliessend kauft sie zwei Anlagefonds, nämlich für 20000 Euro einen Schweizer Aktienfonds und für 20000 Euro einen deutschen Aktienfonds. Zudem erwirbt der Anleger für die restlichen 10000 Euro eine norwegische Staatsanleihe.

Für die Bareinzahlung berechnet die Bank ein Disagio (einen Abschlag) von bis zu 1 Prozent, also 500 Euro. Der Tausch von 20000 Euro in Franken für den Schweizer Aktienfonds kann bei Beträgen dieser Grösse eine Gebühr von 1,5 Prozent, also 300 Euro, kosten, und der anschliessende Fondskauf schlägt mit zusätzlichen 1,25 Prozent bzw. 250 Euro zu Buche. Hinzu kommt in der Regel eine Ausgabekommission von bis zu 5 Prozent, also 1000 Euro. Ob diese dem Fondsemittenten oder der Bank zugutekommt, ist für den Kunden nicht ersichtlich. Die Kaufgebühr für den deutschen Aktienfonds liegt ebenfalls bei 1,25 Prozent bzw. 250 Euro; hinzu kommt wieder eine Ausgabekommission von bis zu 5 Prozent, also 1000 Euro.

Der Gebührenreigen geht noch weiter: Beim Anleihekauf berechnet die Bank für den Tausch von 10000 Euro in norwegische Kronen eine Gebühr von 1,5 Prozent bzw. 150 Euro und zusätzlich eine Kaufgebühr für die Anleihe in Höhe von 0,9 Prozent, also 90 Euro. Hinzu kommen Kontoführungs- und Depotkosten in Höhe von 125 Euro und Gebühren innerhalb der Anlagefonds von 1,5 Prozent, also weitere 600 Euro. Zusätzlich gewähren Fonds häufig Bestandskommissionen, sodass sich eine weitere Einnahmequelle ergibt.

Am Schluss summieren sich die Gebühren in dem Beispiel im ersten Jahr auf sage und schreibe 4265 Euro, was 8,53 Prozent der Anlagesumme entspricht. Selbst ohne das Einzahlungsdisagio und die Ausgabekommissionen sind es noch 1765 Euro, also 3,53 Prozent. In einem Umfeld mit eher niedrigen Zinsen ist es bereits schwierig, diese Rendite zu erzielen, sodass nicht gut informierte Anleger im ersten Jahr oft Verluste machen dürften. Sicherlich liegen die Aufwendungen in dem Beispiel am oberen Ende der Gebührenskala, völlig unrealistisch sind sie aber nicht.

Versteckte Gebühren

Andere Marktteilnehmer und Beobachter kommen zu ähnlichen Schlüssen. Laut Angaben von Branchenvertretern nehmen viele Finanzhäuser neben dem vereinbarten Vermögensverwaltungshonorar von ihren Kunden zahlreiche weitere, für den Kunden nicht überprüfbare Gebühren und Kommissionen ein. Kundenunfreundlich sei, dass verschiedene Anbieter durch die mangelnde Transparenz nur schwer miteinander verglichen werden könnten. Zudem fehlten Branchenstandards zur Gebührenberechnung.

Um Anlegern einen Überblick zu geben, hat die Beratungsgesellschaft Vermögenspartner eine Tabelle mit den verschiedenen Kosten und Gebühren, die bei der Vermögensverwaltung anfallen können, erstellt (vgl. Tabelle). Diese unterteilt die Gebühren in drei Blöcke: erstens in Verwaltungskosten, zweitens in Bankgebühren und drittens in Produktkosten. Verwaltungsgebühren fallen für die Betreuung des Portfolios sowie des Kunden und zudem für das Research an. Zu den Bankgebühren gehören die Depotführungskosten, die Spanne zwischen dem An- und dem Verkaufskurs bei Devisengeschäften sowie Courtagen für Transaktionen. Hinzu kommt eine Vielzahl weiterer Kommissionen, die die Bank einnimmt. Produktkosten entstehen, wenn Vermögensverwalter anstatt Direktanlagen wie Aktien oder Anleihen Finanzprodukte wie Hedgefonds oder strukturierte Produkte kaufen. Dabei bleibt oft nichts anderes übrig, als Annahmen über die Gebühren zu treffen, da die Banken diese nicht bekannt geben.

Auch das sogenannte Churning, das sich mit Gebührenschinderei übersetzen lässt, kommt vor. Die Professorin und Advokatin Monika Roth drückt es folgendermassen aus: «(Z)um Konflikt über die Auswahl der Investitionsobjekte kommt das Interesse des Kundenberaters, allenfalls die Umschlagshäufigkeit des Depots zu erhöhen, weil im Rahmen der laufenden Verwaltung ein Augenmerk auf die transaktionsabhängigen Gebühren gerichtet wird. Das ist eine Aufforderung oder Einladung zum Churning, zur Spesenschinderei.»21

Fremdwährungen als unterschätzte Kostenfalle

Fremdwährungstransaktionen sind eine grosse Kostenfalle – und oftmals merken die Anleger dies nicht.22 Zwar sind die Kunden in den vergangenen Jahren vorsichtiger geworden, was die Gebühren von Geldanlageprodukten angeht. Doch die Kosten von Devisentransaktionen sind weiterhin sehr intransparent. Nur wenige Investoren kümmern sich darum, und die meisten Anlageberater lassen sie überdies im Dunkeln. Dabei geht es um viel Geld.

Die Beratungsgesellschaft Moneypark hat im März 2013 in einer Studie errechnet, dass die versteckten Kosten beim Devisentausch bei rund 1,35 bis 1,5 Prozent pro Transaktion liegen dürften. Zu diesem Ergebnis kommt das Unternehmen nach einer Auswertung der Devisenkurse, die verschiedene Banken auf ihren Websites veröffentlicht haben. Zwischen den Geld- und den Briefkursen bei Devisentransaktionen gibt es stets gewisse Spannen (Spreads).

Auseinanderklaffende Spannen

Der durchschnittliche Wert bei Euro-Franken-Transaktionen lag bei Schweizer Banken zum Zeitpunkt der Untersuchung im März 2013 bei 2,72 Prozent, beim Dollar-Franken-Tausch sogar bei 3 Prozent. Diese Spreads gelten jeweils für Beträge bis 50000 Franken. Moneypark geht davon aus, dass der Kunde bei jeder Währungstransaktion rund die Hälfte der Spanne bezahlt.

Die Geld-Brief-Spannen bei den Fremdwährungstransaktionen haben zwar durchaus einen Sinn. Schliesslich müssen Banken beim Kauf von Fremdwährungen auch ihre Kursrisiken abdecken. Allerdings klaffen die Spreads bei vielen Transaktionen so weit auseinander, dass es hier oft wohl um mehr geht als um eine Abdeckung von Risiken: darum nämlich, eine attraktive Einnahmequelle auf Kosten des Kunden zu erschliessen.

Die Geld-Brief-Spannen bei Devisentransaktionen seien die wohl meist unterschätzten Kosten bei der Geldanlage und bei vielen Banken eines der bestgehüteten Geheimnisse, heisst es bei Moneypark. Gerade beim langfristigen Vermögensaufbau schlagen diese Gebühren erheblich zu Buche.

Für Schweizer Anleger besonders relevant

Gemäss der Studie hätte ein Anleger mit einem Vermögen von 200000 Franken und einer aktiven Gewichtung von Regionen im Portfolio über 14 Jahre hinweg rund 43000 Franken durch Währungsspreads verloren (vgl. Grafik). Bei einem Start im Januar 1999 hätte das Portfolio ohne Währungstransaktionen per Ende 2012 einen Wert von rund 335000 Franken erreicht. Die Kosten der Devisentransaktionen eingerechnet, habe die Summe aber nur bei 292000 Franken gelegen, wie Moneypark angibt. In einem kleinen Währungsraum wie der Schweiz sind diese Gebühren besonders relevant, da viele Anleger zur Risikostreuung in Fremdwährungen anlegen.

Die hohen Gebühren bei Währungstransaktionen verursachen im Allgemeinen einen Interessenkonflikt für Finanzhäuser und Anlageberater mit eigenen Depotbanken und Abwicklungslösungen. Schliesslich ist der Bereich der Fremdwährungstransaktionen für Banken ein hochattraktiver Ertragsbringer. Moneypark ging bei der Vorstellung der Studie davon aus, dass Schweizer Banken so jährliche Erträge von rund 2,2 bis 4,9 Milliarden Franken generieren.

Franken-ETFs als Ausweg

Gemäss der Vermögensberatungsgesellschaft können Anleger die Fremdwährungskosten grösstenteils umgehen, indem sie in Franken ausgegebene Exchange-Traded Funds (ETFs) einsetzen. Ein Franken-ETF bietet oft die gleiche Währungs- und Marktexponierung wie ein entsprechender Euro- oder Dollar-ETF, er erspart dem Investor aber einen Grossteil der genannten Kosten. Bei ungehedgten Produkten in Franken wird die Währung zu einem Bruchteil der Kosten innerhalb des Exchange-Traded Funds umgewandelt. An der Schweizer Börse SIX waren im März 2013 gemäss der Studie 70 von 208 untersuchten Exchange-Traded Funds in wichtigen Anlageklassen auch in Franken handelbar, es gibt also eine grosse Auswahl.

Gerade bei höheren Volumina sollten Privatanleger die Gebühren für Fremdwährungstransaktionen mit der jeweiligen Bank verhandeln. Laut Experten dürfte dies aber wohl weniger für Beträge zwischen 10000 Franken und 50000 Franken als eher für solche von 200000 Franken an aufwärts gelten. Anleger sollten ausserdem aufpassen, dass Banken oder Berater nicht zu viele Transaktionen durchführen. Hier gilt einmal mehr der alte Börsianerspruch «Hin und Her macht Taschen leer». Gerade wenn man zwischen Währungen und Anlagen hin und her wechselt, steigen die Kosten sehr schnell. Ausserdem wird es dann immer schwieriger für die Kunden, nachzuvollziehen, welche Gebühren überhaupt angefallen sind.

Sehr intransparenter Bereich

Da der Bereich der Spreads bei Devisentransaktionen sehr intransparent ist, raten Experten Anlegern dazu, von ihren Finanzinstituten den verrechneten Aufschlag auf den Interbankenkurs zu verlangen. Ob die Banken diesen ihren Kunden mitteilen, ist aber fraglich.

Bei Margenvorteilen kommen Sparer oft zu kurz

Dass Kleinsparer bei Veränderungen an den Finanzmärkten oft zu kurz kommen, hat eine im August 2013 veröffentlichte Studie des Vermögensberatungsunternehmens Vermögenspartner gezeigt.23 Laut dieser gaben die meisten Schweizer Banken die zwischen Dezember 2012 und August 2013 mit Unterbrechungen gestiegenen Zinsen nicht an die Sparer weiter. Bei den Hypotheken verlangten sie hingegen höhere Sätze.

Festhypotheken versus Kassenobligationen

Wie die Studie zeigte, waren beispielsweise die Zinsen von achtjährigen Festhypotheken bei 44 untersuchten Finanzinstituten in diesem Zeitraum um durchschnittlich 0,76 Prozentpunkte gestiegen. Alle untersuchten Anbieter hätten die Zinsen erhöht, hiess es. Bei von den Banken angebotenen achtjährigen Kassenobligationen blieben die Zinsen, welche die Sparer erhielten, hingegen im Durchschnitt unverändert. Von 48 untersuchten Finanzinstituten hatten 16 die Zinsen erhöht, 16 hatten sie belassen und weitere 16 hatten sie reduziert – einer der Anbieter sogar um nicht weniger als 0,475 Prozentpunkte.

Der Säule-3a-Vergleich ist noch ernüchternder

Gemäss den Studienautoren eignet sich der Vergleich von Festhypotheken mit Kassenobligationen gleicher Laufzeit, da beide Produkte während der gesamten Laufzeit gebunden sind. Bei Konten in der Säule 3a fiel das Ergebnis der Analyse noch ernüchternder aus: Der durchschnittliche Zinssatz der Konten von 53 untersuchten Anbietern war seit dem Beginn des Zinsanstiegs um 0,26 Prozentpunkte gefallen. Dabei hätten 49 Finanzinstitute den Zinssatz der 3a-Konten reduziert, während kein einziges diesen erhöht hatte. Die stärkste Herabsetzung der Zinsen eines 3a-Kontos seit Dezember 2012 betrug dabei mehr als 0,6 Prozentpunkte.

Dies bedeutet, dass die Banken während des Zinsanstiegs mit einer höheren Bruttozinsmarge operierten. Dies sei für Sparer nachteilig, kommentierten die Studienautoren. Geht es an den Märkten in die andere Richtung, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Mechanismen dann andersherum greifen – wieder zum Vorteil der Finanzhäuser und zum Nachteil der Sparer.

Das Gebührendickicht im Private Banking

Unwissende Kleinanleger zahlen also sehr hohe Gebühren, wenn sie nicht aufpassen, und kommen bei Veränderungen an den Finanzmärkten oft zu kurz.24 Was passiert aber bei wohlhabenden Bankkunden? Für diese gibt es das Private Banking, das die Finanzhäuser als Luxusdienstleistung vermarkten. Dabei treiben sie oft gehörigen Aufwand. Die Kunden erhalten persönliche Betreuer und laufende Vermögensanalysen, zudem laden sie viele Finanzhäuser zu exklusiven Veranstaltungen wie Formel-1-Rennen, Golfturnieren oder Segelregattas ein.

Das muss durch Gebühreneinnahmen finanziert werden. Laut der Professorin und Advokatin Monika Roth «entpuppt sich die als Beratung und Vermögensverwaltung angepriesene Dienstleistung als Hommage nicht an den Kunden, sondern an die hauseigenen Fonds und Zertifikate. Absatzvorgaben an die Kundenberater lauten entsprechend und richten sich weiter auf Fremdprodukte mit hohen Vertriebsprovisionen. Daher werden die Kundengelder wenn immer möglich entweder in hauseigene Produkte oder in solche von Dritten mit hohen Provisionen investiert. […] Wer Produkte vertreiben will, kann schwerlich objektiv beraten, und die unabhängige Beratung verkommt zur inhaltsleeren Werbefloskel.»25

Verschärfter Wettbewerb

Die Gebühren im Private-Banking-Sektor sind sehr undurchsichtig. Die Finanzhäuser halten ihre Preislisten streng geheim. Nicht wenige Marktbeobachter glauben derweil, die Banken hätten in Zukunft keine andere Wahl, als die Gebühren offener zu kommunizieren. Durch das Internet böten sich den Kunden heutzutage viel bessere Vergleichsmöglichkeiten, weshalb die Transparenz in den vergangenen Jahren bereits deutlich gestiegen sei. Viele Schwarzgeldkunden hätten sich früher nicht getraut, bei den Gebühren zu verhandeln, heutige Weissgeldkunden hingegen schon.26

Zudem setzen die Finanzkrise und die Aufweichung des Schweizer Bankgeheimnisses die Banken unter Druck und verschärfen den Wettbewerb um Kunden. Laut der Beratungsgesellschaft McKinsey sind die Margen im Private-Banking-Geschäft im Zeitraum von 2007 bis Juli 2010 um 15 Prozent gefallen. Dafür verantwortlich seien einerseits der Einsatz von risikoärmeren und damit margenschwächeren Finanzprodukten auf Wunsch der Kunden, anderseits aber auch gewisse Preisreduktionen.27

Nachverhandlungen der Kunden

Viele Private-Banking-Kunden haben also mit den Banken ihre Gebühren nachverhandelt und Rabatte erhalten. Dies wiederum hat dazu geführt, dass heute im Private Banking der Schweizer Banken sehr unterschiedliche Konditionen verlangt werden. Sogar unter demselben Dach einer Bank kann es grosse Ungleichgewichte geben, wie am Markt zu hören ist. Dies kann zu geradezu absurden Situationen führen. Ein Beobachter berichtet von einer Situation, in der ein mit seiner Bank unzufriedener, vermögender Private-Banking-Kunde bei einem Berater Offerten für die Vermögensverwaltung einholte. Als er die Angebote verglich, sei ihm aufgefallen, dass die günstigste Offerte von seiner eigenen Bank gestammt habe. Dabei hätten die verlangten Gebühren rund ein Viertel von dem betragen, was er aktuell bezahlte. Dies habe einer Summe von mehreren Zehntausend Franken entsprochen.

Dass die Finanzhäuser unter dem Druck des Wettbewerbs und der Krise bei den Gebühren durchaus mit sich verhandeln lassen, zeigen Zahlen der Unternehmensberatung McKinsey zu den besonders wohlhabenden Kunden mit einem Vermögen von mehr als 30 Millionen Euro. Im Branchenjargon werden diese Kunden «ultra high net worth individuals» (UNHWI) genannt. Diese zahlten 2010 gemäss McKinsey bei europäischen Banken eine Durchschnittsmarge von 0,41 Prozentpunkten für die Verwaltung ihrer Gelder, während kleinere Kunden mit einem Vermögen von unter 500000 Euro im Schnitt 1,69 Prozentpunkte entrichten mussten.28 Marktbeobachter gehen davon aus, dass Klienten ab einem mindestens siebenstelligen Betrag bei einer Bank eine gewisse Verhandlungsmacht besitzen.

Die Kunden melken?

Solche Verhandlungen erschweren könnte allerdings das Retrozessionenurteil des Bundesgerichts vom Oktober 2012, wonach Banken Vermögensverwaltungskunden die Gebühren zurückgeben müssen, welche die Bank für den Vertrieb von Geldanlageprodukten eingenommen hat.

Die Manager in den Banken denken derzeit darüber nach, wie sie die Einnahmeverluste, die durch das Urteil entstehen, allenfalls wettmachen könnten. So beschloss beispielsweise die Grossbank UBS, ab 1. Mai 2013 die bei den Retrozessionen entgangenen Erträge in ihre Private-Banking-Tarife einzuberechnen und änderte die Gebührenstruktur. Ein verwaltetes, ausgewogenes Fondsmandat Schweiz im Volumen von bis zu 0,5 Millionen Franken wurde gemäss Gabrielle Lang von dem Beratungsunternehmen Frontwerks neu mit Gebühren in Höhe von 1,75 Prozent anstatt wie bisher mit 1,4 Prozent belastet. Bei einem Portfoliomandat Schweiz von bis zu 5 Millionen Franken sei der Preis von 1,3 auf 1,7 Prozent gestiegen.

Laut Lang versuchen viele Finanzhäuser, die schwindenden Erträge auch mit anderen, weniger transparenten Mitteln wettzumachen. So gebe es bereits Banken, die Depotgebühren für das Gesamtvermögen, also nicht nur für die Depotwerte, verlangten. Die Kunden merkten dies teilweise gar nicht. Laut der unabhängigen Honorarberaterin Anita Rüegsegger bleibt den Banken in der derzeitigen Situation nur zweierlei übrig: Entweder geben sie sich mit deutlich geringeren Erträgen zufrieden oder sie versuchen, ihre Kunden stärker zu melken. Laut Lang bemühen sich die Banken ausserdem, Kunden von nicht betreuten, günstigen Mandaten in verwaltete Mandate oder zumindest in Beratungsmandate zu bringen. Gelinge es, die Kunden vom Wechsel zu überzeugen, liessen sich höhere Einnahmen erzielen.

Banken sichern sich ab

Rüegsegger hat auch bereits beobachtet, dass Banken sich für den möglichen Fall eines Musterprozesses zum Umgang mit Retrozessionen, der neben den Vermögensverwaltungskunden auch das Anlageberatungsgeschäft einschliesst, absichern. Sie nennt als Beispiel ein überarbeitetes Basisdokument, das ein Finanzinstitut seinen Kunden unterbreitet. Darin heisst es etwa: «Verzicht auf Herausgabeanspruch. Der Kunde verzichtet auf einen Herausgabeanspruch gemäss Art.400 Abs.1 OR sowie allfällige weitere Herausgabeansprüche hinsichtlich von Drittvergütungen in Kenntnis der in der Preistabelle ausgewiesenen Berechnungswerte für Drittvergütungen. Dieser Verzicht wirkt auch bei einer Änderung der Höhe der aktuellen Drittvergütungen unverändert fort.»

Dabei bestehe zwar ein 30-tägiges Widerrufsrecht, das die Bank in der Praxis aber nicht akzeptiere. Mit Transparenz habe ein solches Vorgehen bedauerlicherweise wenig zu tun, kritisiert die Honorarberaterin. Klarer und kundenfreundlicher wären aus ihrer Sicht die Einführung von Beratungsgebühren und der gleichzeitige vollständige Verzicht auf Retrozessionen. Davor schreckten aber viele Banken aus der Angst heraus zurück, Kunden zu verlieren.

Analytiker als Cheerleader der Banken

«Das Problem ist: Die Analysten flirten mit den Aktien, die Anleger sind mit ihnen verheiratet.»29

Udo Bandow, Hamburger Börsianer

«Der Aktienkurs profitierte von einer positiven Bankstudie und der Heraufsetzung des Kursziels», heisst es oft in Börsenberichten.30 Solche Urteile fällen von Banken angestellte Analytiker, und ihre in Markt- oder Branchenberichten geäusserten Meinungen bewegen oft die Kurse der Aktien. Für Privatanleger ist solch ein Research schwer zugänglich. Allerdings sollten sie den dort geäusserten Handlungsempfehlungen und Kurszielen für Wertpapiere und andere Geldanlagen aus mehreren Gründen ohnehin nicht trauen.

Zunächst einmal kennen Bankanalytiker die Zukunft genauso wenig wie irgendein anderer Marktbeobachter. Die Theorie der effizienten Märkte geht davon aus, dass alles Wissen über ein Unternehmen in dessen Aktienkurs bereits enthalten ist. Dies ist gerade bei grösseren Firmen der Fall, da diese von sehr vielen Bankanalytikern beobachtet werden. Vor diesem Hintergrund ist aber nicht zu verstehen, wie Kursziele seriös prognostiziert werden können.

Mit Vorsicht zu geniessende Tipps

Wenn die Einschätzungen von Analytikern Aktienkurse bewegen, dann liegt dies in erster Linie daran, dass sie als selbst erfüllende Prophezeiungen wirken. Investoren gehen davon aus, dass andere Anleger gemäss der Empfehlung handeln und agieren deshalb selbst. Dass die Analytikereinschätzungen aber mit grosser Vorsicht zu geniessen sind, hat die Börsengeschichte immer wieder gezeigt. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hat erst im Januar 2011 ein Beispiel dafür geliefert. Laut ihr hatten zu diesem Zeitpunkt die im US-Aktienindex S & P 500 enthaltenen Aktien mit den positivsten Urteilen der Bankanalytiker seit März 2009 um 73 Prozent zugelegt, während die mit den schlechtesten Bewertungen im selben Zeitraum ein Plus von 165 Prozent verbuchten.31

Analytiker neigen dazu, die ihnen innerhalb der Bank zugeteilten Branchen in einem zu rosigen Licht darzustellen. Schliesslich will keiner von ihnen derjenige sein, der einen schlechten Sektor betreut, in dem es nichts zu verdienen gibt. Zudem sollten Investoren nie vergessen, dass Analytiker Bankangestellte sind und folglich nicht unabhängig über Unternehmen urteilen können – vor allem nicht über solche, mit denen ihr Arbeitgeber Geschäfte macht.

Bloss keine schlechte Stimmung

Ein drastisches Beispiel aus dem Jahr 2000 ist das des Credit-Suisse-Analytikers Christopher Chandiramani, der die Bank nach einem negativen Kommentar über die später insolvente Swissair (damals SAirGroup) verlassen musste. Die Finanzhäuser fordern also von ihren Angestellten in erster Linie Researchberichte, die das Geschäft ankurbeln. Dies macht Analytiker allzu oft zu Cheerleadern der Bank, die Aktien, Anlagebereiche und Geldanlageprodukte bejubeln. Ein Zeichen hierfür ist, dass Analytiker die Kaufempfehlung «buy» (kaufen) im Allgemeinen viel häufiger aussprechen als die Urteile «hold» (halten) oder «sell» (verkaufen).

Die Unternehmensbeobachter der Banken erfüllen aber auch eine wichtige Aufgabe. Durch ihre Analysen machen sie die Finanzmärkte erst effizient. Dies zeigt sich gerade bei grossen Aktienwerten, die von sehr vielen Analytikern betreut werden. Hier ist es für Anleger besonders schwierig, mit ihren Einschätzungen, Käufen und Verkäufen den Markt zu schlagen. Schliesslich stehen solche Unternehmen im Rampenlicht. Der Vielzahl an Analytikern, die solche Standardwerte beobachten, entgeht so leicht nichts. So lässt sich also sagen: Je grösser ein Aktienwert, desto weniger wert ist das Research eines einzelnen Analytikers.

«Lehman-Omas» und abgewickelte Fonds: die Haken mancher Geldanlageprodukte

Wenn provisionsgetriebene Bankberater und gierige oder unwissende Kunden zusammen Anlageentscheidungen treffen, fällt das Ergebnis meist nicht gut aus. Dies hat sich in der jüngsten Finanzmarktkrise erneut gezeigt. Mit Investitionen in das Schneeballsystem des New Yorker Finanzbetrügers Bernard Madoff und in Garantiezertifikate der im September 2008 kollabierten Bank Lehman Brothers haben auch Schweizer Anleger Vermögen in Millionenhöhe verloren. Dies verschaffte dem Schweizerischen Bankenombudsman, bei dem sich Kunden über Banken beschweren können, 2009 ein Rekordjahr mit 4198 behandelten Fällen (vgl. Grafik). Dabei lagen die meisten Schadenssummen zwischen 10000 und 100000 Franken, es gab aber auch Schäden in Höhe von mehreren Hunderttausend Franken.32 Ab 2009 ging es an den Börsen mit kleineren Unterbrechungen aufwärts. Folglich blieben weitere Anlageskandale mit Finanzprodukten vorerst aus. Beim nächsten Kursabsturz wird das Thema aber sicherlich wieder aktuell.

Weder Garantien noch Absolute Return

Vor dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman verkauften verschiedene Schweizer Banken die angeblich sehr sicheren Lehman-Garantiezertifikate auch an gutgläubige Pensionäre. Für diese Anleger bürgerte sich der Begriff der «Lehman-Omas» ein. Ein weiteres Beispiel, bei dem Anlageprodukte sich völlig anders entwickelten als von den Beratern der Banken prophezeit, sind die Absolute-Return-Fonds. Anstatt, wie versprochen, positive Renditen in jeder Marktphase zu generieren, brachten beispielsweise die Produkte der Schweizer Grossbanken hohe Verluste – bis UBS und Credit Suisse sie vom Markt nahmen.

Sich vor überteuerten und fehlerhaften Produkten zu schützen, ist allerdings nicht ganz einfach. In der Schweiz sind Zehntausende Fonds, strukturierte Produkte und zum Vermögensaufbau vorgesehene Lebensversicherungen auf dem Markt. Wie findet man sich in diesem Dschungel zurecht? Sicherlich hilft dabei zunächst einmal eine gesunde Skepsis gegenüber den Anlageprodukten. Bei vielen von ihnen ist der Nutzen für den Investor nämlich begrenzt.

Oftmals klägliche Renditen

Dies zeigt sich bereits bei einem Blick auf die Renditen. Netto, also nach Abzug der Gebühren, sind diese bei vielen Anlageprodukten sehr gering – vor allem, wenn man längere Zeiträume betrachtet. Dies zeigt sich, wenn man die Performance der Produkte in Relation setzt. Anlagefonds beispielsweise orientieren sich im Allgemeinen an einem Vergleichsbarometer wie dem Swiss Performance Index (SPI) oder dem Euro Stoxx 50. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass es auf längere Sicht kaum einem Fondsmanager gelingt, eine höhere Rendite zu erzielen als sein Vergleichsindex. Mehr dazu finden Sie im Kapitel «Aktives Fondsmanagement nagt an der Rendite».

Ähnlich ist es bei strukturierten Produkten. Diese Finanzinstrumente setzen stark Derivate ein, ihre Strukturen sind oft kompliziert, und bei den Produktenamen wimmelt es von Fachausdrücken. Letztlich gebiert dieser Berg dann allzu oft nur eine Renditemaus. Diese Entwicklung ist auch zusehends im Sektor der Exchange-Traded Funds (ETFs) zu beobachten. Exchange-Traded Funds sind in ihrer Ursprungsform als einfache und transparente Indexfonds eine positive Erscheinung in der Welt der Geldanlageprodukte. Mittlerweile kommen aber immer mehr kompliziert gestaltete Exchange-Traded Funds auf den Markt, die mit deren ursprünglichen Idee wenig gemein haben.

Manche Finanzhäuser versuchen auch, die niedrigen Renditen ihrer Produkte zu kaschieren. Bei dieser «Renditekosmetik» wählen sie beispielsweise falsche Vergleichsindizes oder weisen Performancezahlen für Zeiträume aus, in denen ihre Produkte noch gar nicht existierten. Eine beliebte Technik ist auch, die Renditen brutto, also vor Abzug der Gebühren, anzugeben.

Vorsicht bei komplexen Produkten

In der Vergangenheit hat sich oft gezeigt, dass gerade bei den von den Finanzhäusern als besonders innovativ dargestellten Finanzprodukten Vorsicht geboten ist. Hier wird oft hoher Aufwand betrieben, der bezahlt werden muss – was letztlich zulasten der Nettorendite des Anlegers geht. Viele solcher neuartigen Geldanlageprodukte haben sich letztlich am Markt nicht durchgesetzt.

So haben Absolute-Return-Fonds von UBS und Credit Suisse einen derartigen Fehlstart hingelegt, dass diese sie in der Finanzkrise vom Markt nehmen mussten. Ein weiteres Beispiel sind die «Geldmarktfonds plus», die Anlegern im Vergleich mit herkömmlichen Geldmarktfonds eine sichere Zusatzrendite versprachen. Viele von ihnen wurden in der Krise illiquide und anschliessend ebenfalls geschlossen. Nicht zu vergessen sind die 130-30-Fonds, die mittels Derivateeinsatz auch auf fallende Kurse setzen und so höhere Renditen erzielen sollten. Ihr neues Instrumentarium brachte den Anlegern keinen Mehrwert, und einige der Produkte sind bereits wieder vom Markt verschwunden. Ein weiteres Beispiel für «innovative» Finanzinstrumente, die alsbald erhebliche Nebenwirkungen aufwiesen, sind die oben erwähnten Lehman-Garantiezertifikate. Bei einem Kollaps der dahinter stehenden Bank ist das Geld der Anleger hier trotz des im Produktnamen enthaltenen Versprechens nicht geschützt.

Hohe Gebühren und mangelnde Transparenz

Privatinvestoren sollten bei der Investition in Geldanlageprodukte also keine wirklichen Garantien erwarten – diese gibt es nicht. Für gute Renditen braucht es steigende Märkte, dafür sorgen schon die hohen Gebühren vieler Finanzprodukte. Auch hier sind es wieder die neuartigen Produktkategorien, die negativ auffallen. So sorgt beispielsweise das zunehmende Zusammenwachsen von Hedgefonds und Anlagefonds für höhere Gebühren. Während klassische Aktienfonds eine bereits stolze Managementgebühr von 1,5 bis 2 Prozent verlangen, lautete bei den Hedgefonds die übliche Gebührenformel lange 2 + 20: Zu einer Managementgebühr von 2 Prozent kommt noch eine erfolgsabhängige 20-prozentige Gebühr auf die Performance hinzu. Diese soll jüngst allerdings zurückgegangen sein, wie Marktbeobachter berichten. Jedenfalls lassen sich heutzutage auch herkömmliche Anlagefondsmanager ihre Dienstleistungen oft mit Erfolgsprämien vergüten.

Immerhin hat die Anlagefondsbranche in den vergangenen Jahren Fortschritte bei der Transparenz gemacht. Die Fondsanbieter weisen mittlerweile die Kostenkennzahl Total Expense Ratio (TER) aus. Auch wenn diese nicht alle Gebühren enthält – die Transaktionskosten sind darin nicht enthalten –, so ist sie doch ein wichtiger Gradmesser. Bei strukturierten Produkten sind die Kosten weiterhin weniger klar, obwohl es auch hier einen Trend hin zu mehr Transparenz gibt.

Die Banken stehen unter dem Druck, gute Geschäftszahlen zu erwirtschaften. Deshalb versuchen die Finanzhäuser, bei ihren Dienstleistungen und Produkten möglichst hohe Gebühren durchzusetzen. Gerade bei einem langen Anlagehorizont schmälern teure Geldanlageprodukte die Rendite der Investoren aber erheblich.

Vorsicht vor dubiosen Finanzakteuren!

Während die extrem niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten seriösen Anbietern das Leben schwer machen, bietet diese Entwicklung unerlaubt tätigen Finanzakteuren sogar Chancen.33 Angesichts des Niedrigzinsumfelds steigt für Anleger die Verlockung, Anbietern mit deutlich höheren Renditeversprechungen Gelder anzuvertrauen. Diese sind oftmals unseriös bis kriminell.

Die Finanzmarktaufsicht Finma hat ihre Massnahmen in diesem Graubereich in den vergangenen Jahren verstärkt. 2013 gingen bei ihr 428 Hinweise auf unerlaubt tätige Gesellschaften ein, die Finma schloss 253 Abklärungen gegen illegal tätige Finanzanbieter ab, und 29 wurden liquidiert. Anleger sollten sich aber nicht nur auf die Aufsicht, die nicht aktiv nach solchen schwarzen Schafen sucht, verlassen, sondern vor allem auf ihren gesunden Menschenverstand.

Wenn versprochene Renditen zu hoch sind, um wahr zu sein, ist besondere Vorsicht geboten. Die Finma rät, sich bei der Geldanlage nie unter Druck setzen und sich von Hochglanzprospekten oder geschicktem Telefonmarketing nicht blenden zu lassen. Bei Schweizer Anbietern empfiehlt es sich, im Internet den Eintrag im Handelsregister des jeweiligen Kantons zu überprüfen. Die Finanzmarktaufsicht hat auf ihrer Website auch eine Negativliste von Anbietern publiziert, bei denen sie zu grösster Vorsicht rät.34

Zu den Praktiken dubioser Firmen gehört beispielsweise der Verkauf wertloser Aktien angeblicher Start-up-Unternehmen, beispielsweise in Bereichen wie Solar- oder Windenergie, Rohstoffe oder Medizintechnik. Solche Titel werden laut Finma nicht selten mit Notierung an Börsen in Deutschland im sogenannten Freiverkehr verkauft, sie sind allerdings nicht börsenüberwacht. Als weitere Beispiele, bei denen Anleger getäuscht wurden, nennt die Behörde Firmen mit vermeintlicher Geschäftstätigkeit im Ausland – beispielsweise Windparks in Rumänien bzw. Goldminen oder Baumplantagen in Südafrika.

Finanzmarktaufsicht Finma: Wie kann ich mich als Anleger schützen?

Nehmen Sie sich Zeit – recherchieren Sie – diversifizieren Sie – seien Sie kritisch! Angebliche Traumrenditen sollen Anleger zu Investitionen verleiten. Seien Sie deshalb vorsichtig bei Angeboten, die schlicht zu gut sind, um wahr zu sein.

Oft handelt es sich um Veruntreuungs- und Betrugsszenarien wie Schneeballsysteme, mit denen hohe Renditen versprochen werden. Zu Beginn werden diese – zur Vertrauensbildung – oft auch bezahlt. Am Schluss werden die Investitionen jedoch nicht zurückbezahlt.

Es gibt viele betrügerische und illegale Anbieter von Finanzprodukten. Mit den zehn nachfolgenden Regeln können Sie selbst die Wahrscheinlichkeit verringern, Opfer entsprechender Machenschaften zu werden:

1. Nehmen Sie sich Zeit, um über Geldanlagen und Investitionen zu entscheiden. Lassen Sie sich nie unter Druck setzen.

2. Treffen Sie vor einer Geldanlage eigene Abklärungen über Anbieter und Produkte. Lassen Sie sich nicht von Hochglanzprospekten oder geschicktem Telefonmarketing blenden. Recherchieren Sie über Google oder andere Suchmaschinen Informationen über die Anbieter und Produkte.

3. Überprüfen Sie, ob die Anbieter über eine Bewilligung der Finma verfügen. Die Liste der beaufsichtigten Institute ist auf unserer Webseite zu finden. Seien Sie sich bewusst: Nicht jede Gesellschaft, die der Finma unterstellt ist, wird umfassend und gleich intensiv überwacht.

4. Überprüfen Sie auch, ob die Anbieter auf der Finma-Negativliste figurieren. Falls ja, raten wir Ihnen zu grösster Vorsicht und Zurückhaltung.

5. Überprüfen Sie den Handelsregisterauszug von Schweizer Anbietern im Zentralen Firmenindex (http://www.zefix.ch). Häufige Mutationen des Firmennamens, der Adresse oder der Zeichnungsberechtigten sollten Sie misstrauisch machen.

6. Bei Anbietern oder Angeboten aus dem Ausland überlegen Sie sich stets, an wen Sie sich bei Problemen wenden können: Wie (gegen wen, wo und zu welchen Kosten) könnten Sie einen allfälligen Anspruch geltend machen.

7. Nutzen Sie die entsprechenden Internetforen und Konsumentenseiten. Hinweise von verunsicherten oder bereits geschädigten Anlegern sind ein Warnzeichen.

8. Vergleichen Sie die Produkte, Renditen und Kommissionen mit anderen Anbietern. Sollten diese deutlich besser sein als insbesondere solche von bei der Finma bewilligten Instituten, ist Vorsicht angezeigt.

9. Diversifizieren Sie in jedem Fall Ihre Anlagen, setzen Sie nicht alles auf eine Karte.

10. Vergegenwärtigen Sie sich immer die Grundregel des Anlegens: Hohe Renditen sind immer mit hohen Verlustrisiken verbunden. Verlustrisiken sind oft sehr viel realer als Renditechancen.

Quelle: Finanzmarktaufsicht Finma, www.finma.ch

Im Jahresbericht der Behörde sowie in der Finma-Publikation Wie sich Anleger gegen unerlaubt tätige Finanzmarktanbieter schützen können finden sich weitere Beispiele. Zudem hat die Behörde eine Liste mit Ratschlägen für Privatanleger veröffentlicht, um sie vor solchen Gefahren zu bewahren.

Die Plage mit der Klage