Wattmessung für Läufer - Jim Vance - E-Book

Wattmessung für Läufer E-Book

Jim Vance

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Beschreibung

Aus dem Radsport sind Wattmessgeräte nicht mehr wegzudenken – sie können nämlich objektive Aussagen über die erbrachte Leistung treffen: Präzise und zuverlässig messen sie die Leistung in Watt. Läufer waren bisher auf Messgrößen wie die Herzfrequenz oder Geschwindigkeit angewiesen, diese Werte geben aber nur sehr ungenaue Aufschlüsse über die erzeugte Leistung. Das erste Wattmessgerät für Läufer löst dieses Problem und ermöglicht es Läufern, ihr Training mit objektiven Parametern auszuwerten und zu steuern. Ein Power Meter zeigt, wie hart ein Läufer trainiert, wie effizient er läuft und wie er seine Energie während eines Rennens oder einer Einheit optimal einteilen kann. Jim Vance erklärt anschaulich und leicht verständlich, welche Zahlen eine Schlüsselrolle bei der Analyse spielen, wie Läufer ihr Training exakt auf ihre Saison ausrichten und ihre Leistung Schritt für Schritt steigern, wie sie Fitnessverbesserungen nachvollziehen und Leistungshöhepunkte perfekt timen können.

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Seitenzahl: 506

Veröffentlichungsjahr: 2016

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JIM VANCE

WATTMESSUNG

FÜR LÄUFER

Professionell trainieren und laufen mit dem Power Meter

Übersetzt von Michael Pfingstl

 

 

 

Die Originalausgabe erschien 2016 unter dem Titel „Run with Power: The Complete Guide to Power Meters for Running“ bei VeloPress, 3002 Sterling Circle, Suite 100, Boulder, CO 80301-2338, USA; www.velopress.com.

 

Copyright © 2016 by Jim Vance

 

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

 

© der deutschsprachigen Ausgabe: spomedis GmbH, Hamburg 2016

 

Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten. Dieses Buch oder Teile dieses Buchs dürfen nicht ohne die schriftliche Genehmigung des Verlags vervielfältigt, elektronisch gespeichert oder auf andere Medien übertragen werden.

 

Übersetzung: Michael Pfingstl

Übersetzungslektorat: Gabi Hagedorn

Layout und Satz: Sünje Carstensen

Umschlagabbildung: dreamstime.com (Andrey Anishchenko)

 

ISBN 978-3-95590-121-9

 

www.spomedis.de

Einführung: Die Zukunft beginnt jetzt

Einführung: Die Zukunft beginnt jetzt

Wir stehen kurz vor einer Revolution im Laufsport. Das Zusammenspiel zwischen Trainingswissenschaften und Coaching wird immer feiner und enger. Das Power Meter gibt uns die Möglichkeit, sportliche Leistung direkt, objektiv und durchgängig zu messen. Wir können die vom Athleten erzeugte Leistung nicht nur während des Trainings, sondern auch im Wettkampf präzise erfassen. Dadurch wird es möglich, sich genau auf die spezifischen Anforderungen eines bevorstehenden Wettkampfs einzustellen und sich dabei die Stärken des Athleten zunutze zu machen. Das Power Meter ist mit Abstand das beste Werkzeug, das es je gab, um Laufstil, Fitness und Leistungspotenzial zu beurteilen. Richtig eingesetzt, wird es Sie zu einem besseren, schnelleren Läufer machen.

Vielleicht denken Sie jetzt, Sie hätten das alles schon einmal gehört. In gewisser Weise stimmt das auch. Als Pulsmessgeräte auf den Markt kamen, gab es viele Sportler, die sich zunächst nicht die Mühe machten, zu lernen, wie die neue Technologie verwendet wird. Wer heute allerdings nur einen Pulsmesser – oder gar eine Stoppuhr – verwendet, gilt schon als altmodisch, weil er kein GPS benutzt. Die Einführung von GPS war und ist eine wichtige Verbesserung für unser Training. Aber sobald Sie das volle Potenzial von Power Metern erkannt haben, werden Sie merken, dass GPS nur ein erster Schritt war, vor allem für Athleten mit hochgesteckten Zielen.

Was wird kommen?

Einen Marathon unter zwei Stunden zu laufen, gilt im Moment als magische Grenze, ganz ähnlich wie die 4-Minuten-Schallmauer beim Meilenlauf, die Roger Bannister 1954 durchbrochen hat. Viele bezweifeln, dass der Mensch überhaupt in der Lage ist, eine solche Marathonzeit zu erzielen. Zahllose Artikel, Publikationen und Foren beschäftigen sich mit der Frage. Topläufer und Experten streiten noch darüber, wann es (wenn überhaupt) so weit sein wird, wie die Anforderungen an den Athleten aussehen und wie die Strecke beschaffen sein muss, dass eine so spektakuläre Leistung möglich wird.

Lange Zeit glaubte man, es wäre nicht oder nur sehr schwer machbar, einen Halbmarathon unter einer Stunde zu laufen, doch 1993 geschah es. Im Jahr 2011 war die vermeintlich unüberwindbare Grenze sogar über 150 Mal durchbrochen worden.

Wenn wir zurückschauen auf die Mitte der 1990er-Jahre, sehen wir eine Generation junger ostafrikanischer Läufer, die die Geschichte der Rekorde über 5000 und 10.000 Meter regelrecht umgeschrieben hat, und das Monat für Monat, Jahr für Jahr. Anfangs fragten wir uns, ob noch jemand außer Saïd Aouita die 5000 Meter in weniger als 13 Minuten laufen kann, wie er es 1987 getan hat – im Jahr 2011 war es über 250 Mal passiert. Während ich diese Zeilen schreibe, steht der Rekord bei 12:37 Minuten, das entspricht einer Pace von beinahe 4 Minuten pro Meile, doch es kommt noch besser: Der Weltrekord für den Meilenlauf der Männer steht mittlerweile bei 3:43 Minuten, das ist pro Stadionrunde über 4 Sekunden schneller, als Bannister war! Der Weltrekord der Frauen liegt immer noch bei 4:12 Minuten. Werden auch die Frauen die magische 4-Minuten-pro-Meile-Grenze durchbrechen? Wahrscheinlich schon früher, als wir denken.

Sie mögen mich für übertrieben optimistisch halten, aber ich glaube, die 2-Stunden-Marke beim Marathon wird schon bald fallen. Wahrscheinlich spätestens bei den Olympischen Spielen 2028. Und das ist erst der Anfang. 2028 mag noch weit weg klingen, aber vielen von uns sind die unglaublichen Leistungen der 1990er-Jahre noch so gut in Erinnerung, als wäre es erst gestern gewesen.

Das Problem an der Überzeugung, eine bestimmte Leistung wäre unmöglich oder noch so weit weg, dass wir sie nicht mehr erleben werden, ist, dass wir dabei nur auf das Ergebnis schauen, nicht aber auf den Weg, der dorthin führt. Als professioneller Coach glaube ich, dass die Ergebnisse von selbst folgen, wenn sich das Training verbessert.

Ich bin ein Trainer, der viel von Daten und technologischen Trainingswerkzeugen hält. Im Radsport haben Power Meter Training und Wettkampfleistungen regelrecht revolutioniert. Schwimmer profitieren enorm vom Training mit Kraftmessplatten oder in Strömungskanälen, von Technikanalysen per Video, außerdem von den Erkenntnissen mutiger und sachkundiger Trainer, die neue Periodisierungsmodelle und Trainingspläne entwickeln. In vielen Ausdauersportarten haben Training und Wettkampfleistungen ebenso große Fortschritte gemacht wie die eingesetzte Technologie, nur beim Laufen war das bisher anders. Damit ist es nun vorbei.

Wie ist der momentane Stand?

Was beim Laufsport bisher gefehlt hat, war eine Methode, mit der sich die erzeugte Leistung durchgängig messen lässt: während der Saison, im Wettkampf, auf Strecken mit unterschiedlichem Profil, bei wechselnden Wetterbedingungen und so weiter. Nun gibt es dieses Werkzeug, und es ist so einfach, dass man sich fragt, weshalb es so lange gedauert hat. Ich bin der Überzeugung, dass die Marathonzeit von unter 2 Stunden nur der Anfang sein wird. Die Weltrekorde werden nur so purzeln, vom Marathon bis zum 100-Meter-Sprint. Sobald auch in den anderen Bereichen der Leichtathletik wie Weit- und Hochsprung, Stabhochsprung sowie den Wurfdisziplinen ein Power Meter verfügbar ist, wird es dort genauso sein.

Und all das wegen eines einfachen Werkzeugs, dass es im Laufsport jetzt schon gibt. Mit dem Power Meter können wir die erzeugte Leistung direkt messen, noch während sie erbracht wird, statt lediglich indirekt anhand der erzielten Zeit oder anderen, erst nach der Leistung erfassten Parametern. Mit diesem Werkzeug erweitern wir unseren Datenschatz um Messgrößen und Maße, von denen wir bisher nicht einmal etwas wussten, und diese Erweiterung wird uns ein vollkommen neues Leistungsniveau erschließen.

Neue Technologien können einschüchternd sein. Manche werden sich gegen ein Power Meter entscheiden und lieber so weitermachen wie bisher. Doch ich garantiere Ihnen: Wenn Sie diese Gelegenheit mit offenen Armen empfangen und lernen, wie man mit einem Power Meter trainiert, werden die im Training gewonnenen Daten Sie auf smarte Weise schneller machen. Die Informationsflut mag für Trainer und Athleten zunächst überwältigend sein, aber wer sie bewältigt und lernt, sie zu seinem Vorteil zu nutzen, wird den Wettbewerbsvorteil schnell spüren. Wenn die besten Athleten mit den besten Trainern zusammenarbeiten, die wissen, wie sich anhand der Daten optimale Trainingsprogramme erstellen lassen, um an den Schwächen eines Athleten zu arbeiten, beginnt eine Revolution. Wir werden Leistungen sehen, die uns den Kiefer nach unten klappen lassen. Falls Sie mir nicht glauben, werfen Sie einmal einen Blick auf die historische Entwicklung des Laufsports. Sie werden sehen, die Stunde hat geschlagen: Die Geschichte wiederholt sich, und die Zukunft beginnt jetzt.

3 Am Anfang

Kapitel 3

Am Anfang

Jetzt, da Sie ein Power Meter haben, ist es an der Zeit zu lernen, wie man es benutzt. Gerne würde ich Ihnen gleich zu Anfang des Kapitels erklären, wie Sie mit dem Gerät auf Anhieb eine neue persönliche Bestzeit erzielen, doch leider müssen wir die Dinge etwas langsamer angehen. Sie sollten zwar gleich bei Ihrem nächsten Training mit dem Datensammeln beginnen, aber wir brauchen zunächst einen Grundstock an Leistungsdaten, damit Sie verstehen, was all die neuen Zahlen für Sie und Ihr Training bedeuten.

Die ersten Schritte

Damit das Power Meter Ihre Bewegungen korrekt aufzeichnet, müssen Sie es kalibrieren. Falsch oder gar nicht kalibriert liefert es falsche Daten, die nicht das wiedergeben, was Sie tatsächlich tun, und somit auch nicht zu einer Leistungsverbesserung beitragen können.

Zur Kalibrierung brauchen Sie wahrscheinlich eine Smartphone-App oder Sie nehmen ein paar Einstellungen an Ihrer GPS-Uhr vor, damit das Power Meter Sie besser kennenlernt. Zu diesen Einstellungen gehören Ihr Gewicht, Körpergröße und die Stelle, an der Sie den Sensor tragen (abhängig vom Modell). Arbeitet Ihr Power Meter mit einem Sohlensensor, werden Sie wahrscheinlich ein paar Einstellungen im Stehen oder Gehen vornehmen müssen.

Über ANT+ oder Bluetooth können Sie das Power Meter drahtlos mit Ihrem Anzeigegerät verbinden (Smartphone oder GPS-Uhr). Dort werden die Daten in Echtzeit angezeigt und für die spätere Analyse gespeichert.

Ist das Gerät korrekt konfiguriert, sollten Sie es bei jedem Lauf tragen, um einen Datengrundstock zu bekommen. Mein Rat ist, wirklich alles zu sammeln, selbst wenn Sie die Daten für unwichtig halten. Sie können sie später immer noch löschen oder einfach ignorieren, aber während der Gewöhnungsphase sollten Sie alles mitnehmen, was geht. Wichtig sind vor allem Daten von …

 

...leichten Läufen, mittleren Läufen, harten Läufen und Läufen mit harten Intervallen,

...der gesamten Einheit. Beginnen Sie die Aufzeichnung schon beim Aufwärmen und beenden Sie sie erst nach abgeschlossenem Cool-down.

...Erholungsintervallen. Die Erholungsphasen während eines harten Trainings sind genauso wichtig wie die Intervalle selbst. Dazu später mehr.

 

Keine Analyse! Das ist sehr wichtig. Versuchen Sie während der ersten zwei Wochen lieber erst gar nicht, die Zahlen zu interpretieren. Das ist sehr schwierig zu befolgen. Der Wunsch, die Daten zu analysieren, ist nur verständlich. Sie haben sich gerade dieses tolle Gerät zugelegt, und nun kommt einer und sagt Ihnen, Sie sollen nicht einmal aufs Display schauen! Natürlich werden Sie es dennoch tun, wie könnten Sie auch anders? Als ehrgeiziger Athlet machen Sie damit im Prinzip auch nichts verkehrt. Was ich Ihnen nahelegen möchte, ist Folgendes: Sie sollen zwei Wochen lang trainieren wie immer, als hätten Sie gar kein Power Meter, ja, als hätten Sie noch nie von einem solchen Gerät gehört. Tragen Sie es beim Laufen, aber schenken Sie den angezeigten Zahlen möglichst keine Aufmerksamkeit. Der Hintergedanke ist, dass Sie Trainingsdaten sammeln, die zusammengenommen ein möglichst umfassendes Bild von Ihren Gewohnheiten, Eigenheiten, Stärken und Schwächen ergeben.

Da wir beide wissen, dass Sie ja doch aufs Display schauen werden, möchte ich Ihnen an dieser Stelle ein paar der dort angezeigten Werte erklären. Die angezeigte Wattzahl wird umso größer ausfallen, je schneller Sie laufen beziehungsweise je härter Sie trainieren. Bei gemächlicher Pace ist sie niedriger als bei hoher. Außerdem wird Ihnen ein Zusammenhang zwischen Wattzahl und Terrain auffallen, je nachdem ob Sie bergauf, bergab oder im Flachen laufen. Auch Zwischenspurts und Temposteigerungen werden sich bemerkbar machen. Nehmen Sie diese Tendenzen zur Kenntnis, aber lassen Sie sich nicht davon beeinflussen. Das heißt, trainieren Sie wie immer. Widerstehen Sie der Versuchung auszuprobieren, wie viel Watt Sie bergauf maximal schaffen, sammeln Sie einfach nur Daten. In den folgenden Kapiteln werden wir sehen, wie sich auf diesem Grundstock ein Trainingsplan aufbauen lässt, der Sie fitter und schneller macht.

Wichtige Messgrößen, Einheiten und Konzepte

Ein Power Meter zeichnet verschiedenste Daten mit unterschiedlichen Einheiten auf, die alle ihre ganz eigene Faszination haben. Einige werden Sie kennen, andere nicht, außer Sie sind vom Radtraining bereits mit Wattmessung vertraut. Welche dieser Messwerte schon während des Laufens angezeigt werden können, hängt vom Modell ab und dem Anzeigegerät, das Sie verwenden.

Es folgt ein Überblick über die Messwerte, die Power Meter im Allgemeinen liefern. Die meisten davon lassen sich in Echtzeit anzeigen, ausnahmslos alle werden zur späteren eventuellen Analyse gespeichert. Wenn Sie ausreichend mit Ihrem Power Meter vertraut sind und wissen, wie Sie es im Training verwenden möchten, werden Sie sich vielleicht auf einige wenige dieser Werte konzentrieren wollen und alle anderen ignorieren. Jetzt zu den wichtigsten und deren Bedeutung.

Leistung

Leistung wird in Watt angegeben, aber sie lässt sich auf unterschiedliche Weise erfassen und darstellen, beispielsweise sofort und in Echtzeit oder als Durchschnittsleistung über einen frei gewählten Zeitraum. Dieser Zeitraum kann einen bestimmten Abschnitt Ihrer Trainingsstrecke umfassen oder die gesamte Trainingseinheit beziehungsweise den gesamten Wettkampf.

Manchen Läufern macht es Spaß, Ihre momentane Wattleistung stets im Auge zu behalten, andere empfinden die ständigen Schwankungen als irritierend. Diese Schwankungen sind normal, selbst wenn Pace oder Belastungsniveau gleich bleiben. Lassen Sie sich davon nicht ärgern. Je mehr Erfahrung Sie als Läufer sammeln, desto geringer werden die Schwankungen ausfallen. Im Lauf der Zeit werden Sie wahrscheinlich eine Vorliebe dafür entwickeln, sich entweder die momentane Wattleistung dauerhaft im Display anzeigen zu lassen oder die Durchschnittsleistung. Hierzu später in diesem Kapitel noch mehr.

Herzfrequenz

Wenn Sie schon länger Ausdauersport betreiben, kennen Sie das Training nach Herzfrequenz (HF) und Herzfrequenzbereichen wahrscheinlich bereits und möchten beides vielleicht weiterhin im Training verwenden. Sollte Ihr Power Meter nicht über Herzfrequenzmessung verfügen, nutzen Sie hierzu einfach Ihre Puls- oder GPS-Uhr.

Das Verhältnis von Herzfrequenz zu Wattleistung ist eine wichtige Messgröße. Es lohnt sich, die Entwicklung dieses Verhältnisses über längere Zeit zu verfolgen, um den Trainingserfolg zu beurteilen. Auch hierzu später mehr, wenn wir mit der Analyse der Leistungsdaten beginnen.

Pace

Die Pace dürfte die beim Laufen am weitesten verbreitete Messgröße sein. Sie wird in Minuten pro Meile (min/mi) oder Minuten pro Kilometer (min/km) angegeben. Die meisten Läufer legen wert auf ihr Tempo, an der erzielten Pace messen sie ihre Trainingserfolge und ziehen umso mehr Befriedigung aus dem Sport, je höher sie ausfällt. Allein die Tatsache, dass Sie dieses Buch lesen, zeigt, dass auch Sie schneller werden möchten – also ist auch Ihnen die Pace wichtig. Wie wir noch sehen werden, ist das Verhältnis von Pace zu Wattleistung ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Die Pace permanent auf dem Display anzeigen zu lassen und sie mit der Wattleistung zu vergleichen, ist eine hervorragende Methode, das Wechselspiel zwischen beiden Werten besser kennenzulernen und zu interpretieren.

Dauer/Distanz

Anhand von Leistung, Pace und Herzfrequenz lässt sich die Intensität einer Trainingseinheit bestimmen. Zwei weitere wichtige Faktoren sind Dauer und Distanz, die sich ebenfalls im Display anzeigen lassen. Vor dem Siegeszug der GPS-Uhren stoppten die meisten schlicht ihre über eine bestimmte Strecke gelaufene Zeit – je kürzer die Zeit, desto höher die Intensität der Trainingseinheit. GPS-Uhren hingegen messen nicht nur die Zeit, sondern auch die zurückgelegte Distanz. Die Strecke muss also nicht mehr bekannt sein, um Geschwindigkeit und Intensität abschätzen zu können. Viele GPS-Uhren können auch Rundenzeiten erfassen und zur späteren Analyse speichern.

Läufer orientieren sich im Training normalerweise an der Zeit. Sie nehmen sich beispielsweise vor, eine Stunde am Stück zu laufen, oder sie absolvieren Intervalle wie 5 mal 3 Minuten mit jeweils 3 Minuten Erholung dazwischen. Andere legen vor dem Training eine Distanz fest, beispielsweise 10 Kilometer oder Intervalle von 5 mal 1 Kilometer. In jedem dieser Fälle ist es sinnvoll, wenn Sie sich die benötigte Zeit pro Strecke beziehungsweise pro Intervall zurückgelegte Strecke auf dem Display anzeigen lassen.

Schrittfrequenz

Wie wir aus Kapitel 2 wissen, entspricht die verrichtete Arbeit dem Produkt aus Kraft und Weg. Fürs Laufen relevant sind die Kraft, die wir beim Abstoßen auf den Untergrund übertragen, sowie der Weg, den der sich nach vorne bewegende Fuß bis zum nächsten Bodenkontakt zurücklegt, und wie oft dies pro Minute geschieht. Die entsprechende Messgröße wird Schrittfrequenz genannt oder auch Kadenz. Sie wird in Schritten pro Minute (spm) angegeben, wenn die Bodenkontakte beider Füße gezählt werden, oder in Doppelschritten pro Minute (rpm), wenn man nur die Bodenkontakte eines Fußes zählt. Macht ein Athlet 90 Doppelschritte pro Minute, ergibt das 90 rpm beziehungsweise 180 spm.

Wahrscheinlich haben Sie sich schon mehr als einmal gefragt, was die richtige Schrittfrequenz beim Laufen ist. Das ist eine berechtigte und sehr gute Frage. Auch wenn es individuelle Unterschiede gibt, gilt die Faustformel: je niedriger die Schrittfrequenz, desto langsamer der Läufer. Der Fuß auf dem Boden bewegt sich nicht. Je schneller er sich wieder vom Boden löst, desto höher die Bewegungsgeschwindigkeit, die entscheidend für die Leistung ist. Für die meisten Läufer ist eine Schrittfrequenz von 90 rpm oder mehr ideal. Wenn Sie noch weit von diesem Wert entfernt sind, ihn schlichtweg nicht kennen oder das Gefühl haben, Sie müssten an Ihrer Schrittfrequenz arbeiten, könnte es Ihnen helfen, sich den Wert permanent anzeigen zu lassen, um Ihre Schrittfrequenz zu erhöhen.

Andere

Es gibt noch einige weitere Messgrößen, über die wir im Folgenden sprechen werden. Sobald Sie mit ihnen vertraut sind, werden Sie sich einige davon permanent anzeigen lassen wollen. Dazu gehören: normalisierte Leistung (NP), Intensitätsfaktor (IF), Training Stress Score (TSS; dt.: Trainingsbelastung), Effizienzindex (EI), Kilojoule pro Kilometer (kJ/km) und verschiedene Effizienzfaktoren (EF).

Um die Dinge noch komplizierter zu machen, werden im Zuge ständiger Firmware-Weiterentwicklungen in den kommenden Jahren sehr wahrscheinlich noch andere Messgrößen hinzukommen, die eine noch genauere Analyse ermöglichen. Wie sie genau aussehen, wird davon abhängen, wie Ihr Power Meter die Daten misst beziehungsweise berechnet, außerdem davon, was die Anzeigegeräte bis dahin zu leisten in der Lage sind. Denkbare zusätzliche Messgrößen wären die Kraftverteilung zwischen linkem und rechtem Bein (Balance) oder das Verhältnis der in den verschiedenen Bewegungsebenen erzeugten Leistung zueinander. Beide Messgrößen könnten helfen, überflüssige Bewegungen zu erkennen, die nichts zur Vorwärtsbewegung beitragen.

Kilojoule, Durchschnittsleistung, normalisierte Leistung und Normalized Graded Pace

Es gibt noch weitere Größen, die Sie sich zwar nicht in Echtzeit anzeigen zu lassen brauchen, die aber zur Trainingsanalyse unverzichtbar sind, da sie entscheidende Bedeutung für die Messung von Leistung und Trainingsbelastung haben.

Kilojoule

In Kapitel 2 wurde besprochen, dass eine entscheidende Komponente der mechanischen Arbeit ist, wie schnell sie verrichtet wird. Arbeit erfordert Energie, und die Wattzahl sagt uns, wie schnell wir unsere Energiespeicher beim Laufen verbrauchen. Je mehr Arbeit wir verrichten, desto höher ist der Energieverbrauch.

Hier ist als Einheit die Kalorie gebräuchlich, angegeben als Kilokalorie, entspricht 1000 Kalorien. Ihr Power Meter wird Ihnen den Energieverbrauch allerdings in Kilojoule (kJ) anzeigen, wie es in der Physik üblich ist.

Abhängig vom Körpergewicht verbrauchen wir beim Laufen ungefähr zwischen 50 und 100 Kilokalorien (kcal) pro Kilometer. Von der mechanischen Effizienz hängt ab, wie gut wir diese Energie in Geschwindigkeit umsetzen.

Sammeln Sie möglichst viele Daten aus Ihrem täglichen Training, zusammen ergeben sie ein umfassendes Bild von Ihren Gewohnheiten, Stärken und Schwächen.

Eine Kalorie entspricht circa 4,1868 Joule. Dies müssen Sie bei der Erstellung eines Ernährungsplans vor einem Rennen oder die Berechnung, wie viel Energie bei der letzten Ausfahrt verbraucht wurde, natürlich berücksichtigen. In unserem Sport ist das etwas komplizierter, da manche Lauf-Power-Meter die verrichtete Arbeit in zwei Dimensionen messen, andere in drei. Ein 2-D-Power-Meter erfasst möglicherweise nicht den gesamten Energieverbrauch, ein 3-D-Gerät zeigt vielleicht zu viel an. Die Unterschiede sind allerdings gering.