WECHSELhaft - Roswitha Scholler - E-Book

WECHSELhaft E-Book

Roswitha Scholler

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Beschreibung

Viele Frauen erleben um das 40. Lebensjahr Symptome wie Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Gelenkschmerzen oder Gewichtszunahme bis hin zu Herzrhythmusstörungen. Die allerwenigsten sehen zu diesem Zeitpunkt einen möglichen Zusammenhang mit der Hormonumstellung im Zuge der Wechseljahre. Leicht verständlich erklärt die Autorin, wie sich die einzelnen Hormone unabhängig vom Zyklus bereits Ende dreißig verändern und welche Auswirkungen dies haben kann. Sie bietet wertvolle Informationen zu den Themen Ernährung, Bewegung und Selfcare, um die neue Lebensphase der Wechseljahre kraftvoll und selbstbestimmt zu meistern.

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Seitenzahl: 164

Veröffentlichungsjahr: 2024

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ROSWITHA SCHOLLER

WECHSELHAFT

In diesem Buch wird das generische Femininum verwendet.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind

im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Copyright © 2024 maudrich Verlag

Facultas Verlags- und Buchhandels AG

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten.

Lektorat: Katharina Schindl, Wien

Typografie und Satz: Florian Spielauer, Wien

Umschlagbild: © BNP Design Studio, stock.adobe.com

Bildnachweis:

Abbildungen: Klara Schweifer

Abbildung S. 80: Österreichische Gesundheitskasse

Fotos: Roswitha Scholler

Fotos S. 134, 136: Adobe Stock

Druck: finidr

Printed in the EU

ISBN 978-3-99002-173-6

E-ISBN 978-3-99111-865-7

Inhalt

VORWORT

1 EINFÜHRUNG

2 FRAU SEIN – HORMONE UND ZYKLUS

2.1 Die weiblichen Hormone und ihre Bedeutung

Östrogen

Progesteron

Testosteron

FSH und LH

2.2 Der Zyklus der Frau im Überblick

Die vier Zyklusphasen angelehnt an die Jahreszeiten

Ein Zyklustagebuch kann helfen

3 DIE WECHSELJAHRE VERSTEHEN

3.1 Die vier Phasen der Wechseljahre

Prämenopause

Perimenopause

Menopause und Postmenopause

Zusammenfassung der vier Phasen

3.2 Change Chance

3.3 Hormonstatus und Hormonersatz

Wann ist ein Hormonstatus sinnvoll?

Was ist eine Hormonersatztherapie?

Persönliche Anmerkungen zur Hormonersatztherapie

4 KRAFTVOLL MIT ERNÄHRUNG

4.1 Deine Figur verändert sich

Die Empfehlung „400–500 Kalorien weniger“ kann ich nicht unterstützen!

Mach Schluss mit strengen Diäten

Einflussfaktoren auf unser Gewicht

4.2 So kannst du deinen Körper gut versorgen

4.3 Wasser ist Leben

4.4 Die Superkraft in pflanzlichen Lebensmitteln

Vitalstoffe im Fokus

Gemüse

Obst

Hülsenfrüchte

Pilze

Kräuter und Sprossen

Nüsse, Mandeln, Samen und Kerne

Je bunter, desto besser!

4.5 Eiweiß ist jetzt besonders wichtig

Pflanzliche Eiweißquellen

Tierisches Eiweiß

Biologische Wertigkeit

Eiweißbedarf

4.6 Das Universum der Fette

Das kleine Einmaleins der Fette

Fette Lebensmittel im Porträt

Fette in der Praxis

4.7 Kohlenhydrate

Kohlenhydrate in der Praxis

Zucker

„Verpacke“ Kohlenhydrate geschickt

4.8 Alkohol und Kaffee

4.9 Kritische Nährstoffe in den Wechseljahren

Vitamin D

Jod

Selen

Eisen

Calcium und Magnesium

Omega-3-Fettsäuren

4.10 Von den Ernährungsempfehlungen hin zum Essen

Iss mindestens drei Mahlzeiten am Tag

Nimm dir Zeit zum Essen

Die Eigenschaften einer guten Mahlzeit

Verwende vorwiegend natürliche Zutaten

Tipps für einen guten Umgang mit Gelüsten

Essverhalten ändern leicht(er) gemacht

5 KRAFTVOLL MIT BEWEGUNG

EXKURS: STRESS UND DEINE HORMONBALANCE

6 KRAFTVOLL MIT SELFCARE

Selfcare ist mehr als Luxus

Sei deine eigene beste Freundin

Pflege soziale Kontakte

Verbringe Zeit in der Natur

Lade regelmäßig deinen Akku auf

Limitiere deine Handyzeit

Ein Nein zu anderen ist ein Ja zu dir selbst

Nimm dir Zeit, die ausschließlich dir gehört

Entspannung durch Genuss

Der Zauber der Dankbarkeit

Hole Unterstützung, wenn du Hilfe brauchst

7 ERNÄHRUNG, BEWEGUNG UND SELFCARE – EIN STARKES TRIO

7.1 Pflege deinen Schlaf

Dein Schlafplatz

Verhaltensregeln für einen guten Schlaf

7.2 Sorge für deine Muskeln

Der Beckenboden – ein Muskel, der gerne verschwiegen wird

7.3 Halte deine Knochen stark

Knochenaufbau und -entwicklung

Die Knochen-Stärker

7.4 Deine Gesundheit sitzt im Darm

Die Darmbarriere

So stärkst du deinen Darm

7.5 Vergiss nicht auf deine Leber

7.6 Halte deine Gefäße jung

8 DIE SCHILDDRÜSE – KLEINES ORGAN MIT GROSSER WIRKUNG

9 KRAFTVOLL IN DIE UMSETZUNG

Lerne am Erfolg

Lerne am Modell

10 EINIGE GENUSS-REZEPTE

11 DREI FRAUEN – DREI GESCHICHTEN

12 DANKSAGUNG

VORWORT

Die Wechseljahre – ein Thema, das gerne weggewischt wird mit: „Ich habe meine Periode noch!“ Viele Frauen denken, es gehe sie daher nichts an. Außerdem haben sie keine Hitzewallungen und ihr Schlaf ist ruhig. Kurzum: Sie fühlen sich meilenweit von den Wechseljahren entfernt.

Genau dieser Irrglaube und das Stigma „Das ist doch nur was für alte Weiber“ unterstreichen, warum das Thema Wechseljahre noch immer als unsexy gilt und viel zu selten besprochen wird.

Aber wen betreffen nun die Wechseljahre? Die Reise beginnt in der Regel um die 38. Ich empfinde sie als eine Art Pubertät 2.0, in vier Phasen unterteilt: Prämenopause, Perimenopause, Menopause und Postmenopause. Jede Phase birgt ihre eigene Dynamik und ihre Herausforderungen, oft unbemerkt oder missverstanden, getarnt hinter Symptomen, die wir nicht sofort den Wechseljahren zuschreiben.

Das Schöne an den Wechseljahren? Viele Frauen nehmen sich endlich wieder Zeit für sich. Prioritäten verschieben sich und man stellt sich selbst an die erste Stelle. Diese Zeit ist eine Chance, sich besser kennenzulernen und zu erfahren, was Selbstfürsorge wirklich bedeutet.

Was hilft in den Wechseljahren?

Wissen– denn jede Frau erlebt diese Phase ganz individuell. Viele Ärztinnen bieten leider (durch ihr Unwissen) noch viel zu wenig Hilfe. Aber es gibt sie, die Expertinnen, und es gibt tolle Literatur – wie dieses Buch, das du gerade in Händen hältst.

Aufklärung– noch hinken wir dem Thema hinterher. Aber immer mehr Plattformen, Bücher und Podcasts widmen sich den Wechseljahren. Keine der rund 1,3 Millionen Frauen in Österreich und 9 Millionen Frauen in Deutschland ist alleine.

Austausch– Ganz egal, ob du zu dem Drittel der Frauen gehörst, die von den Wechseljahren gar nichts spürt, zu dem Drittel, die „so lala“ durch die Wechseljahre kommen, oder ob du dem Drittel angehörst, das wirklich leidet und scheinbar verzweifelt: Es gibt Hilfe, es gibt Möglichkeiten und Perspektiven. Rede darüber!

Wenn wir wissen, womit wir es zu tun haben und gut informiert in diese spannende Phase unseres Lebens starten, bin ich überzeugt: Die Wechseljahre sind eine Chance und kein Problem! Bist du dafür bereit?

Herzliche Grüße

Daniela Ullrich, Host von MENOMIO – Der Podcast für glückliche Wechseljahre

1 EINFÜHRUNG

Willkommen, ich freue mich, dass du mein Buch in deinen Händen hältst! Ich erlaube mir, dich zu duzen, und bedanke mich gleich vorweg für dein Einverständnis.

Du hast das Buch vermutlich in die Hand genommen, weil du das Gefühl hast, noch nicht genug über die Wechseljahre zu wissen, und weil du neugierig bist. Das finde ich großartig! Schließlich reden nicht viele Frauen über die Veränderungen in der Lebensmitte. Der Begriff „Wechseljahre“ hat für sehr viele Frauen nach wie vor den bitteren Beigeschmack, alt zu werden und nicht mehr begehrt zu sein. Umso mehr freut es mich, dass du dich dem Thema öffnest.

Wie kam es zu diesem Buch?

Als ich mit Anfang vierzig ein vermehrtes Brustspannen bemerkte, fragte ich meinen damaligen Gynäkologen, ob es mit den Wechseljahren in Zusammenhang stehen könnte. Er meinte: „Die Wechseljahre beginnen erst mit Ende vierzig.“ Somit war das Thema für mich fürs Erste vom Tisch. Andere Symptome wie Schlaflosigkeit, gehäufte schlechte Laune oder Morgensteifigkeit gesellten sich gelegentlich dazu.

Ähnlich wie mir ergeht es vielen Frauen. Es fehlt an Aufklärung. Selbst im Medizinstudium wird wenig über die Wechseljahre gelehrt. Somit denken auch viele Ärztinnen nicht an die Hormonumstellung, wenn eine Frau Ende dreißig bis Mitte vierzig mit Beschwerden in die Praxis kommt.

Als ich im Alter von 46 Jahren an einer Fortbildung für Diätologinnen zum Thema Wechseljahre teilnahm, wurden mir die Augen geöffnet. Durch einen glücklichen Zufall entstand gemeinsam mit dem facultas-Verlag die Idee zu diesem Buch. Wir möchten vor allem Frauen erreichen, die sich entweder am Anfang der Wechseljahre befinden oder sich noch nicht in den Wechseljahren sehen. Zweiteres betrifft den Großteil der Frauen Mitte vierzig und deutlich darüber hinaus. Aus diesem Grund haben wir den Untertitel „Informiert und kraftvoll in die Wechseljahre“ gewählt, wobei wir uns bewusst sind, dass du dich möglicherweise schon in der Perimenopause befindest.

In meinem Buch geht es nicht um die Linderung von Wechseljahressymptomen – dazu gibt es bereits ausreichend Literatur. Es ist mir vielmehr ein Anliegen, dich darüber zu informieren, was in deinem Körper passiert und wie du die wechselhafte Zeit mit Ernährung, Bewegung und Selfcare unterstützen kannst. Die Inhalte, die ich im Buch wiedergebe, entstammen einerseits Fortbildungen, Büchern, Studien, Podcasts und Gesprächen mit Expertinnen und andererseits Erlebnissen aus meinem Beratungsalltag als Diätologin und persönlichen Erfahrungen.

Die Idee für den Titel „Wechselhaft“ wurde auf der Fahrt in den Schiurlaub bei April-Wetter geboren. Denn die Gemütszustände und Beschwerden der Frauen in den Wechseljahren können genauso wechselhaft sein wie das Wetter. Manchmal passiert es völlig unvorhergesehen von einem Moment auf den anderen. Frauen mit starken Symptomen erleben die Wechseljahre möglicherweise sogar wie eine Haft, sie fühlen sich eingesperrt und ausgeliefert, ohne eine Möglichkeit zu sehen, etwas daran zu ändern.

Fakt ist, jede Frau kommt irgendwann in die Wechseljahre – die Quote liegt bei 100 %. Je mehr du über die Wechseljahre, die damit einhergehende Hormonumstellung sowie mögliche Symptome weißt, desto entspannter und selbstbestimmter wirst du diese wechselhafte Reise meistern.

2 FRAU SEIN – HORMONE UND ZYKLUS

2.1 Die weiblichen Hormone und ihre Bedeutung

Damit du die Wechseljahre besser verstehen und etwaige Beschwerden zuordnen kannst, möchte ich dir zu Beginn die Geschlechtshormone der Frau sowie den weiblichen Zyklus näherbringen.

Unsere Hormone haben in unserem Leben ein bedeutendes Wörtchen mitzureden – meistens sind wir uns dessen gar nicht bewusst. Sie entscheiden mit, wie wir uns fühlen. Sie steuern unseren Stoffwechsel und unsere Fortpflanzung, sie beeinflussen unseren Hunger und vieles mehr.

Bei Frauen nehmen drei Hormone die Hauptrolle ein: das Östrogen, das Progesteron und das Testosteron. Wie stark der Einfluss dieser Geschlechtshormone ist, merken wir vor allem daran, wie sehr sich unser Körper im Alter von zehn bis fünfzehn Jahren verändert. Diese drei Hormone sind für unsere Kurven, unseren Zyklus und unser Interesse für das andere oder das gleiche Geschlecht zuständig. Sie beeinflussen unsere Stimmung und unseren Schlaf. Sie haben jeweils bestimmte Aufgaben und auch Stärken und Schwächen. Darf ich vorstellen?

Östrogen

Das Östrogen gilt als das Hormon der Weiblichkeit. Mit dem Einsetzen der Pubertät beginnt der weibliche Körper, größere Mengen Östrogen herzustellen. Östrogen beeinflusst nicht nur körperliche Funktionen, sondern auch die emotionale Ebene. Ist der Östrogenspiegel hoch, achten viele Frauen besonders auf ihr Äußeres. Östrogen trägt auch zum Bedürfnis nach Familie und Harmonie bei. Nicht selten laufen wir dabei Gefahr, unsere eigenen Bedürfnisse zum Wohle der anderen hintanzustellen. Neben den Hormonen spielen hierbei allerdings auch die Glaubenssätze und das Vorleben innerhalb der Familie eine entscheidende Rolle.

Der Östrogenspiegel ist vor dem Eisprung am höchsten, also zur Zeit der Fruchtbarkeit.

Lange hat man gedacht, dass Östrogene nur für die Fortpflanzung wichtig sind. Tatsächlich ist Östrogen ein richtiger Tausendsassa. Östrogenrezeptoren (das sind die Andockstellen an den Zellen, in die Östrogene passen wie ein Schlüssel ins Schloss) sitzen fast überall im Körper, daher wirkt es an sehr vielen verschiedenen Stellen.

Das sind die Aufgaben von Östrogen in unserem Körper:

In der Pubertät veranlasst es das Wachstum der weiblichen Geschlechtsorgane.

Es sorgt für die typische Fettverteilung bei Frauen – also die weiblichen Kurven und die Brustentwicklung.

Es fördert das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut in der ersten Zyklushälfte, damit sich eine befruchtete Eizelle einnisten kann.

Es bestimmt den Wassergehalt im Gewebe. Ausreichend Östrogen unterstützt die vaginale Feuchtigkeit, die Blase und das Hautbild.

Viel Östrogen im Körper (vor dem Eisprung) kann zu Brustspannen führen.

Es sorgt durch den Kollagenaufbau in der Haut und im Bindegewebe für straffe Haut und geschmeidige Gelenke.

Es leistet Aufbauarbeit am Knochen, indem es die sogenannten Osteoblasten (= „Knochenbauer“) fördert und die Osteoklasten (= „Knochenabreißer“) in Zaum hält.

Es verbessert die Konzentrations- und Merkfähigkeit.

Es stellt die Gefäße weit und sorgt für eine bessere Durchblutung. Dadurch schützt es vor Bluthochdruck und Arteriosklerose (Arterienverkalkung).

Es beauftragt die Leber, mehr vom guten und weniger vom schlechten Cholesterin herzustellen. (Daher haben Frauen bis zu den Wechseljahren weniger mit Herz-Kreislauf-Problemen zu tun als Männer, wobei natürlich auch der Lebensstil eine entscheidende Rolle spielt.)

Du siehst, dass Östrogen für sehr viele verschiedene Bereiche zuständig ist.

Östrogen wird vorwiegend in den Eierstöcken gebildet, ein kleiner Teil auch im Fettgewebe.

Es gibt drei Arten von Östrogen:

Östradiol (auch 17-β-Östradiol oder E2 genannt): Es ist die wirksamste Substanz und wird von den Eierstöcken gebildet. Diese Form wird für den Hormonstatus im Blut der Frau bestimmt und ist die Hauptkomponente beim körperidentischen Hormonersatz (dazu komme ich später).

Östron: wirkt schwächer als Östradiol und wird in den Eierstöcken sowie im Fettgewebe gebildet.

Östriol: ist die schwächste Form von Östrogen. Östriol ist wichtig für die Funktion aller Schleimhäute und Gelenke. Es kommt vorwiegend in vaginalen Cremes im Zusammenhang mit Hormonersatztherapie vor.

Progesteron

Progesteron ist das führende Hormon der zweiten Zyklushälfte, also der Zeit nach dem Eisprung. Es wandelt die durch Östrogene vorbereitete Gebärmutterschleimhaut so um, dass sich eine befruchtete Eizelle dort einnisten kann. Wenn das passiert, sorgt das Progesteron dafür, dass die Schwangerschaft aufrechterhalten wird. Kommt es nicht zu einer Schwangerschaft, sinkt der Progesteronspiegel am Ende des Zyklus wieder ab und die Monatsblutung setzt ein.

Gebildet wird das Hormon vom Gelbkörper nach dem Eisprung – daher wird Progesteron manchmal auch als Gelbkörperhormon bezeichnet.

Eine besondere Wirkung hat Progesteron auf unser Gehirn. Es sorgt für Entspannung und einen guten Schlaf und wird daher auch als „Chill-Hormon“ bezeichnet. Es bringt die manchmal dringend benötigte Gelassenheit für den Alltag.

Wie Östrogen erfüllt auch Progesteron mehrere Funktionen. Neben den zuvor genannten Aufgaben sind das folgende:

Es entwässert den Körper und entlastet damit nach dem Eisprung eventuell schmerzende Brüste.

Wenn es an den Cortisol-Rezeptor andockt, kann das Stresshormon Cortisol das nicht mehr tun. Daher hat es eine entspannende Wirkung.

Es unterstützt unseren Schlaf, vor allem in der zweiten Nachthälfte.

Im Zusammenhang mit den Wechseljahren machen sich die ersten Symptome durch fehlendes Progesteron bemerkbar.

Testosteron

Das dritte Hormon im Bunde ist das Testosteron. Richtig gelesen – auch wir Frauen bilden Testosteron, natürlich in deutlich geringeren Mengen als Männer. Produziert wird Testosteron gemeinsam mit Östrogen im Eierstock (Testosteron außerdem auch in den Nebennieren) und schwingt im Zyklus mit den Schwankungen des Östrogens mit.

Testosteron erfüllt im Körper der Frau ähnliche Funktionen wie beim Mann: Es hilft Muskeln aufzubauen und den Stoffwechsel zu verbessern. Es sorgt für Energie, Entscheidungsfreudigkeit und Libido. Da es mit dem Östrogen mitschwingt, steigt es um den Eisprung herum an. So hilft es mit, dass zum Zeitpunkt des Eisprungs die Lust auf Sex steigt. Zu diesem Zeitpunkt sind wir häufig gerne unterwegs, gesellig und finden andere Menschen interessanter als sonst.

FSH und LH

Im Hintergrund arbeiten zwei weitere Hormone, das follikelstimulierende Hormon (FSH) und das luteinisierende Hormon (LH), welche vom Hypothalamus (der Hirnanhangsdrüse) gebildet und auch gesteuert werden. Der Hypothalamus ist quasi die Kommandozentrale und die Hormone FSH und LH sind die Auftraggeber für die Hormondrüsen.

Vor allem das FSH spielt bei der Produktion von Östrogen in den Eierstöcken eine wichtige Rolle. Ist aufgrund der Hormonumstellung in den Wechseljahren weniger Östrogen als üblich im Blut vorhanden, wird mehr FSH ausgeschüttet, um die Eierstöcke zur Östrogenproduktion anzuregen – nach dem Motto: „Da geht noch was.“

Vereinfacht dargestellt kann man sich die beiden Hormone wie eine Zentralheizung vorstellen. Ist die Soll-Temperatur im Raum erreicht, wird die Heizung zurückgefahren. Kühlt es wieder ab, springt die Heizung wieder an.

FSH ist ein Indikator bei der Hormonbestimmung für Frauen zwischen 40 und 45, wenn Beschwerden auftreten.

2.2 Der Zyklus der Frau im Überblick

Du hast nun die weiblichen Geschlechtshormone näher kennengelernt. Die allermeisten Frauen sind ab der Pubertät einem monatlichen Zyklus unterworfen, welcher für Veränderungen im Körper und auch für ein Wechselbad von Gefühlen mitverantwortlich ist.

Der durchschnittliche Zyklus einer Frau dauert zwischen 23 und 35 Tagen und beginnt mit dem Einsetzen der Regelblutung. Zu Beginn der ersten Zyklushälfte wachsen und entwickeln sich im Eierstock die Follikel unter dem Einfluss von FSH, welche gleichzeitig Östrogen produzieren. Der Östrogenspiegel erreicht während des Eisprungs seinen Höhepunkt und fällt dann wieder ab. Nach dem Eisprung wird das reife Ei auf die Reise geschickt, es ist bereit, befruchtet zu werden. Im Eierstock verbleibt die leere Hülle des geplatzten Follikels, bekannt als Gelbkörper. Dieser produziert das Progesteron, welches in der zweiten Zyklushälfte im Blut dominiert. Progesteron bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung eines befruchteten Eies vor. Tritt keine Schwangerschaft ein, sinkt der Hormonspiegel gegen Ende des Zyklus wieder ab und mit dem Einsetzen der nächsten Regelblutung beginnt der Zyklus von Neuem.

Die vier Zyklusphasen angelehnt an die Jahreszeiten

Ergänzend zur medizinischen Fassung möchte ich dir den Zyklus angelehnt an die vier Jahreszeiten vorstellen. Ich persönlich mag diese Fassung sehr, sie wiederholt die Beschreibung der Hormone von oben, allerdings in einer anderen Veranschaulichung. Der monatliche Zyklus wird in die vier Jahreszeiten aufgeteilt. Jede Jahreszeit weist verschiedene Charakteristika auf. Da du möglicherweise noch einen regelmäßigen Zyklus hast, kann diese Darstellung eine Bereicherung für dich sein.

Die erste Zyklusphase – der Winter

Diese Phase beginnt mit dem ersten Tag der Menstruation. Im Winter ist es in der Regel kalt draußen. Wir sind gerne zu Hause, kuscheln uns mit einer Tasse Tee in eine warme Decke und machen es uns gemütlich.

Viele Frauen sehnen sich in den ersten Zyklustagen nach Ruhe und Rückzug. Es ist die Phase, in der sie Zeit für sich selbst brauchen und in der auch die weibliche Intuition besonders stark ausgeprägt ist.

Die zweite Zyklusphase – der Frühling

Der Östrogenspiegel steigt deutlich an und mit ihm die Lust, unter Menschen zu gehen. Im Frühling kommt die Natur wieder zu Kräften, es beginnt zu grünen und zu blühen, Insekten schwirren aus und Zugvögel kommen aus ihren Winterquartieren zurück.

In dieser Zyklusphase kommt bei uns Frauen die Energie zurück, die Stimmung steigt und wir fühlen uns wieder wohl in unserem Körper. Neue Ideen entstehen. Diese Zeit eignet sich gut, um neue Projekte und Aufgaben anzugehen. To-do-Listen werden mit Elan und Leichtigkeit abgearbeitet, was im Winter unvorstellbar gewesen wäre. Der Frühling eignet sich auch gut, um neue soziale Kontakte zu knüpfen. Körperliche Arbeiten und Sport fallen uns ebenfalls deutlich leichter als im Winter.

Die dritte Zyklusphase – der Sommer

In dieser Zeit findet der Eisprung statt, auch der Testosteronspiegel ist hoch. Die Frau steht nun in ihrer vollen Kraft, fühlt sich wohl und strahlt das auch aus. Sie fühlt sich stark, selbstsicher und begehrenswert. Viele machen sich gerade in dieser Phase besonders hübsch und sind in Flirt-Laune, die Lust auf Sex erreicht ihren Höhepunkt – biologisch gesehen ist das logisch.

Der hohe Östrogenspiegel sorgt gleichzeitig dafür, dass viele Frauen in dieser Zeit gerne für andere da sind. Sie umsorgen mit Freude die Menschen in ihrem Umfeld und es ist ihnen wichtig, dass es ihren Lieben gut geht. Es kann aber auch leicht passieren, dass sie „Ja“ sagen, aber „Nein“ meinen.

Diese Zeit ist für viele Frauen die Lieblings-Zyklus-Phase, weil vieles leicht von der Hand geht und rund läuft.

Die vierte Zyklusphase – der Herbst

Der zyklische Herbst beginnt einige Tage nach dem Eisprung und dauert bis zum Beginn der Menstruation.

In der Natur wird im Herbst geerntet, Blätter verfärben sich, Tiere kümmern sich um ihr Winterquartier und bauen Winterspeck auf, manche Vögel ziehen in den Süden. Die Tage werden kürzer, die Nächte kühler.

Diese Phase erleben manche Frauen – speziell jene, die unter starkem PMS (prämenstruelles Syndrom) leiden – emotional als schwierig und sie kann von Unruhe und unangenehmen Emotionen begleitet sein. Nichts kann man ihnen recht machen, sie sind unzufrieden oder nahe am Wasser gebaut. Vieles wird kritisch hinterfragt. Das Umfeld braucht zu dieser Zeit mitunter eine dicke Haut und Verständnis. Die Arbeiten gehen nicht mehr so leicht von der Hand wie im Sommer. Das Verlangen nach sozialen Kontakten sinkt, ein verregneter Tag bei einer Tasse Tee ist auch mal willkommen.

Gleichzeitig sind viele Frauen gerade in dieser Phase sehr kreativ und wollen den eigenen Bedürfnissen wieder mehr Platz einräumen. Sie können ihre eigenen Grenzen und Wünsche besser wahrnehmen. Sie sind mehr bei sich und klarer in der Kommunikation.

Die Wechseljahre mit ihren Hormonveränderungen werden dem zyklischen Herbst zugeordnet. Das heißt, wir befinden uns hormonell gesehen immer öfter im Herbst. Das mag auf den ersten Blick nicht sehr einladend aussehen, es hat aber durchaus auch Vorteile, über die du weiter hinten in diesem Buch noch mehr erfährst.

Ein Zyklustagebuch kann helfen

Wenn du noch regelmäßig deinen Zyklus hast und tiefer in diese Materie eintauchen möchtest, kann ich dir sehr empfehlen, ein Zyklustagebuch zu führen. Ich empfehle dir die Aufzeichnung in einem Heft oder am Computer. Es reichen Stichworte: Wie geht es dir körperlich? Wie ist dein Energielevel und wie deine Stimmung? Wie geht es dir beim Sport, wenn du aktiv bist?