Wega 5: Die Mission des Wurms - Olaf Brill - E-Book

Wega 5: Die Mission des Wurms E-Book

Olaf Brill

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Beschreibung

Seit mehr als dreieinhalb Jahrtausenden bereisen die Menschen den Weltraum und erforschen die Wunder des Universums. Sie sind faszinierenden Fremdvölkern begegnet, haben zahlreiche Welten besiedelt und kosmische Geschichte gestaltet. Als die Raumfahrer einst zu den Sternen aufbrachen, war die Wega ihr erstes Ziel. Im Jahr 2059 Neuer Galaktischer Zeitrechnung kehrt Perry Rhodan dorthin zurück, wo er den Schlüssel zur Unsterblichkeit entdeckt hat. Er gerät mitten in einen Krisenherd. Eine unbekannte Macht riegelt das System von der Außenwelt ab. Um die Gegner abzuwehren, müssen Rhodan und seine Gefährten einem neuen Galaktischen Rätsel nachspüren. Gemeinsam mit einer Raumpilotin, die aus einer fernen Vergangenheit stammt, durchläuft Perry Rhodan eine Reihe sonderbarer Prüfungen. Nur mit Mühe kann er dem Anführer der Maccani entkommen, der dem Terraner unerbittlich auf den Fersen bleibt. Auf der dritten Station wird Rhodan zur Geisel im Ringen um DIE MISSION DES WURMS ...

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Nr. 5

Die Mission des Wurms

Vorstoß in die Planetenkruste – sie treffen das Volk der Garstag

Olaf Brill

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

1. Wegasystem – Marium Polescar

2. Lanzette – Perry Rhodan

3. Lanzette – Karyptichon

4. MAREWIN – Marium Polescar

5. Lanzette – Perry Rhodan

6. Lanzette – Karyptichon

7. MAREWIN – Marium Polescar

8. Lanzette – Perry Rhodan

9. Lanzette – Karyptichon

10. MAREWIN – Marium Polescar

11. Lanzette – Perry Rhodan

12. Lanzette – Karyptichon

13. MAREWIN – Marium Polescar

14. Lanzette – Krakatau

Impressum

Seit mehr als dreieinhalb Jahrtausenden bereisen die Menschen den Weltraum und erforschen die Wunder des Universums. Sie sind faszinierenden Fremdvölkern begegnet, haben zahlreiche Welten besiedelt und kosmische Geschichte gestaltet.

Als die Raumfahrer einst zu den Sternen aufbrachen, war die Wega ihr erstes Ziel. Im Jahr 2059 Neuer Galaktischer Zeitrechnung kehrt Perry Rhodan dorthin zurück, wo er den Schlüssel zur Unsterblichkeit entdeckt hat.

Er gerät mitten in einen Krisenherd. Eine unbekannte Macht riegelt das System von der Außenwelt ab. Um die Gegner abzuwehren, müssen Rhodan und seine Gefährten einem neuen Galaktischen Rätsel nachspüren.

Gemeinsam mit einer Raumpilotin, die aus einer fernen Vergangenheit stammt, durchläuft Perry Rhodan eine Reihe sonderbarer Prüfungen. Nur mit Mühe kann er dem Anführer der Maccani entkommen, der dem Terraner unerbittlich auf den Fersen bleibt. Auf der dritten Station wird Rhodan zur Geisel im Ringen um DIE MISSION DES WURMS ...

Die Hauptpersonen des Romans

Perry Rhodan – Der Terraner findet sich an Bord eines sonderbaren Fahrzeugs wieder.

Gillian Wetherby – Rhodans Begleiterin kämpft sich durch den Bohrwurm.

Marium Polescar – Der ferronische Admiral bekommt eine neue Chance.

Krakatau – Der Bastardprinz ist Rhodans Feind und zeitweiliger Begleiter.

Karyptichon

1.

Wegasystem

Marium Polescar

Energieflammen loderten auf. Ein Feuerball hüllte das ferronische Schiff ein.

Wie von einer eisernen Faust gepackt, zerbrach die gesamte innere Statik. Mit einem Zischen entwich Luft ins kalte All. Dort gab es keine Töne mehr.

Die Zentrale des Raumschiffs war ein Ort mit einem besonderen Schutz. Doch auch dort zerbrachen Wände und explodierten Instrumente. Tödliche Metallsplitter spritzten in einem Wirbelwind umher, zerstörten alles in ihrer Bahn, fuhren in Boden und Decke, drangen in Haut und Fleisch. Jemand schrie. Nein: Jeder schrie. Ein einziger kollektiver Todesschrei.

Der Thort starb vor Polescars Augen im konzentrierten Feuer der Energiestrahlen aus den fünf Kugelschiffen der Maccani, die über Ferrol auf die CAMBOTH herabstießen. Sie verwandelten Nactiel Ooks stolzes Flaggschiff in Staub, es zerstob ihn als Wolke aus einer Million kleinster Teilchen ins Vakuum des Weltraums.

Das Gleißen des sengend heißen Lichtblitzes, der allem ein Ende bereitete, brannte sich in die Netzhaut des Kommandanten. Dann war da nichts mehr.

Kein Licht, keine Dunkelheit, kein Schmerz, kein Gefühl.

Es war der 15. Mai 2059 Neuer Galaktischer Zeitrechnung. Der Tag seines Todes.

Die ganze Welt war dumpf und hohl, wie in Watte gepackt. Alle Bewegungen erschienen unendlich verlangsamt, sogar die der Metallteile, die seine Haut durchstießen und sich ins Innere seines Körpers bohrten. Aber was ging es ihn an? All das waren nur Reflexionen der materiellen Welt. War es eben noch Polescars oberste Aufgabe gewesen, das Leben des Thort zu schützen und sein Schiff unter Kontrolle zu halten, waren diese Dinge nun vollkommen banal und sinnlos.

Etwas irritierte ihn. Er spürte deutlich seinen Pulsschlag. Schwer und langsam pochte er in seinem Ohr. Es war das einzige Geräusch, das er wahrnahm. Bedeutete das, dass er noch am Leben war? Oder war es nur eine verwehende Erinnerung ans Leben?

Hatte sich der Raumhelm geschlossen? Trieb Polescar hilflos im Weltraum?

Er wusste es nicht. Es interessierte ihn kaum mehr.

Ein einziger Gedanke echote in seinem Kopf. Der letzte, hoffnungslose Satz, den der Thort ausgesprochen hatte in der gespenstischen Ruhe, die kurz vor dem Ende in der Zentrale der CAMBOTH eingetreten war: Schuld an unserem Tod ist nur dieser Terraner. Perry Rhodan und seine Leute haben das verursacht ...

Das war die bittere Erkenntnis, die Marium Polescar mitnahm in den unendlichen Schlaf: Wir sind gestorben. Und Perry Rhodan ist schuld daran. Perry Rhodan ist an allem schuld!

*

Etwas packte ihn und riss ihn hoch. Wuchtete ihn auf eine Art Liege, schnallte ihn fest, steckte Schläuche und Kabel in seinen Leib. Jemand warf achtlos irgendein Instrument auf seine Brust. Elektroden hafteten sich an seine Stirn, Klammern fixierten seinen Kopf. Ein Gerät fiepte. Er hörte Stimmen, die er nicht kannte. Er wusste nicht, wo er war. Seine Gedanken waren ein Wirrsal.

Dann umfing ihn gnädige Ohnmacht.

Als Polescar wieder erwachte, hatte sich die Umgebung verändert. Es war heller als zuvor. Er wurde bewegt.

Seine Augen waren mit Sekret verklebt. Er konnte sie nicht öffnen.

Dennoch sah er durch die Lider, dass Lichter einer Deckenbeleuchtung an ihm vorbeizogen. Er war in einem künstlichen Objekt.

Er wurde durch die Korridore eines Raumschiffs geschoben. So musste es sein.

Er war also am Leben.

War es ein ferronisches Raumschiff? Für einen Moment erfüllte ihn eine irrsinnige Hoffnung: Konnte es die CAMBOTH sein? War sie der Zerstörung entgangen? Hatten sie nur einen Streifschuss erlitten, waren irgendwo aus dem All Verbündete gekommen, hatten die angreifenden Maccanischiffe vertrieben, und bargen Rettungsmannschaften nun die Überlebenden?

Aber nein! Polescar hatte ja gesehen, und er hatte gespürt, wie das Amtsschiff des Thort auseinandergerissen worden war. Er war dabei gewesen. Der Thort war gestorben.

Eine absurde Idee erheiterte ihn. Vielleicht wachte er demnächst auf, die liebende Ehefrau an seiner Seite, und sie erklärte ihm, dass alles, was er eben noch für sein Leben gehalten hatte, nur ein wirrer Traum war. Dass er in Wahrheit ein ganz anderer war als der, für den er sich hielt. Nicht Marium Polescar, Admiral der ferronischen Raumstreitkräfte, über dem nur noch der Thort stand. Sondern irgendein Zivilist, der in einen schrecklichen Unfall verwickelt worden war und sich in seinem zerstreuten Kopf allerlei Unsinn zusammengereimt hatte.

Er lachte, als er mit grober Gewalt auf eine Operationsliege umgelagert wurde. Grelles Licht drang durch seine Lider. Kalte Hände rissen ihm die Kleider vom Leib. Nadeln stachen in seinen Körper. Er hätte nicht mal sagen können, an welchen Stellen.

Er lachte noch immer, als Sonden in seine tauben Organe fuhren und ihre Arbeit an ihnen verrichteten. Die galaxienweit bekannte ferronische Mikrotechnik, nur übertroffen von den Swoon und den Siganesen! War er also tatsächlich von Ferronen aufgelesen worden? Das Raumschiff, in das man ihn geschleppt hatte, mochte sehr wohl ein ferronisches sein – oder auch ein terranisches. War es etwa die MARCUS EVERSON, mit der Perry Rhodan ins Wegasystem gekommen war?

Ein fast schon verflogener Gedanke drängte sich erneut an die Oberfläche seines Bewusstseins: Schuld an unserem Tod ist nur dieser Terraner ... Perry Rhodan ist an allem schuld.

Die Operation dauerte viele Stunden. So glaubte er jedenfalls. Polescar erlebte alles bewusst mit. Er war die ganze Zeit wach. Oder vielmehr: Er war gefangen in seinem ganz eigenen Gedankenbrei.

Einmal dachte er an Valykaya und den Tag, an dem er sie mitgenommen hatte übers Meer auf die Große Ozeanische Landbrücke nördlich von Thorta. In Khélar-Hét hatte dann der Thort nach ihm gerufen, und Valykaya hatte ihn gewarnt, dass sie nur mit einem Mann zusammen sein könne, für den sie wichtiger war als Gehorsam und Pflicht.

Polescar verfluchte diesen Tag und die Entscheidung, die er damals getroffen hatte. So hätte sein Leben auch weitergehen können: in einem weißen Haus am Meer, mit der liebenden Valykaya und einer Schar jubelnder Kinder. Vielleicht hätte das gereicht, um Erfüllung zu finden.

Aber tief in seinem Innern wusste er, dass er dafür nicht geboren war. Sein Leben bestand aus strenger Disziplin im Dienst der ferronischen Flotte. Manche nannten ihn den genialsten Militärstrategen seit dem legendären Chaktor. So ein Talent warf man doch nicht einfach weg für etwas so Banales wie ein glückliches Leben!

Am Ende indes war sein Raumschiff ruhmlos abgeschossen worden, umringt von einer unbesiegbaren Übermacht. Und an allem war dieser verfluchte Perry Rhodan schuld!

Irgendwann war man mit Polescar fertig. Die Lampen wurden von ihm weggedreht, die Operateure verschwanden, und dann lag er nur noch so da. Er hörte das statische Sirren irgendeiner Maschine.

War es Stunden oder Tage später? Er vernahm schwach einen neuen Geruch, der anders war als der nach Desinfektionsmitteln und elektrischen Geräten. Einen Geruch, der ihn ans Meer erinnerte und an Valykaya.

Polescar versuchte, die verklebten Lider zu öffnen. Bei einem gelang es ihm sogar fast.

Er blinzelte. Das Licht war strahlend hell. Etwas beugte sich über ihn und warf einen gnädigen Schatten. Ein Kopf, unscharf und verschwommen noch.

Es war ein Wesen aus Fleisch und Blut, das merkte er sofort. Es roch zauberhaft. Es war eine Frau!

Marium Polescar riss das eine Auge auf und sah, immer noch wie durch einen Schleier, ihr Gesicht. Helle, fast weiße Haut mit einem Feuerwerk an Sommersprossen, angenehm proportionierte Wangenknochen und langes, rotblondes Haar. Dass ihre Haut nicht die blaue Färbung der Ferronen hatte, machte sie exotisch. Gleichzeitig hieß es, dass er nicht von Ferronen gerettet worden war.

Sie musste um die 50 Jahre alt sein. Aber sie hatte große, neugierige Kinderaugen, die ein wenig schielten, und zwei neckisch geflochtene Zöpfe, die ihr nach vorn auf die Brust fielen. Sie trug eine Uniform – die einer Kommandantin?

2.

Lanzette

Perry Rhodan

Gleißendes Licht umfing sie. Pure Energie.

Der Materietransmitter im Glaswald von Famosa hatte Perry Rhodan und Gillian Wetherby an ein unbekanntes Ziel versetzt.

Die Stiefel ihrer Einsatzanzüge des Typs SERUN berührten metallenen Boden. Er vibrierte leicht. Ein wummerndes Brummen lag in der trockenen, heißen Luft, die nach Kupfer schmeckte. Irgendwo arbeitete eine ungeheure Maschine.

Rhodan stolperte. Er unterdrückte einen Fluch.

Wetherby neben ihm stand mit beiden Beinen fest auf dem Boden und ging sofort in Alarmstellung. Sie riss ihren Kombistrahler hoch und ruckte hektisch in jede Richtung. Die Raumjägerpilotin der Dritten Macht tat, was sie gelernt hatte: Sie sicherte das fremde Gelände. Sie war darauf gefasst gewesen, im Feindesland zu landen, sofort angegriffen zu werden.

Deutlich gelassener brachte Rhodan seinen Strahler in Anschlag und sah sich ebenfalls aufmerksam um.

Der Ort, an dem sie rematerialisiert waren, sah anders aus als erwartet. Er hatte mit einer Landschaft wie Famosa gerechnet oder einer Stadt wie Fementa-Oist. Aber dies war das Innere eines Bauwerks, eines heißen, vibrierenden, maschinell betriebenen Bauwerks.

Das Luftgemisch war atembar. Sonst hätte der Folienhelm seiner Schutzmontur sich sofort aufgefaltet und das Visier geschlossen. Da der Funk immer noch ausgefallen war, konnten sie sich so immerhin durch Zuruf verständigen.

»Es ist ein Raumschiff«, mutmaßte Wetherby. »Der Transmitter hat uns ins Innere eines Raumschiffs geschickt!«

Der Bereich unter ihren Füßen war mit metallischen Noppen und Kabelleitungen überzogen. Sie standen in einer großen, hohen Halle, die einmal eine Fabrik oder ein Beiboothangar gewesen sein mochte. Man hätte darin ohne Probleme eine terranische Space-Jet unterbringen können.

Der Raum war kreisrund und vielerorts mit Maschinenblöcken vollgestellt, zu denen Röhren und Kabel führten. Die Sicht auf andere Kreissegmente wurde teilweise durch halbhohe Wände verdeckt, und im Zentrum war ein Loch im Boden ausgestanzt, das mit einer einfachen Reling geschützt war, konstruiert für Geschöpfe in Menschengröße, vielleicht ein wenig kleiner. All das registrierte Rhodan im Ablauf von Sekunden.

Ein Blick nach oben zeigte ihm, dass sich etwa 40 Meter über ihnen ein ähnliches Deck befand, möglicherweise darüber noch weitere. Sie hielten sich offenbar im Innern eines zylindrischen Turms mit einem durchgehenden, wandungslosen Axialschacht auf.

»Ein Raumschiff ... oder etwas Ähnliches«, korrigierte Rhodan vorsichtig. Das leichte Vibrieren unter seinen Füßen, ein typisches Anzeichen von Fortbewegung, ließ ihn vermuten, dass diese Konstruktion nicht ortsfest auf einem Planeten stand. Es war das Innere eines beweglichen Objekts.

Die Schwerkraft war etwas höher, als er es von der Erde gewohnt war. Die automatische Anzeige des SERUNS sagte ihm, dass sie etwa den Wert des Wegaplaneten Ferrol hatte. Das und die muffige Luft würden ihnen schon bald Probleme bereiten, wenn sie länger in dieser Umgebung festsaßen. Grimmig wettete Rhodan mit sich selbst, dass sie nicht auf Ferrol gelandet waren.

Die Luft, die er einatmete, war schal und stickig. Der Raum hatte einen abgestandenen, metallischen Geruch. Die Geräte sahen staubig und alt aus. Keins machte den Eindruck, noch in Betrieb zu sein. Trümmer und Schutt lagen überall herum. Rhodan nahm an, dass Gillian und er seit Langem die ersten Lebewesen an diesem Ort waren.

*

Zwei Dinge geschahen gleichzeitig.

Die Maschinenblöcke in ihrer Nähe gerieten in Bewegung. Unmerklich erst, wirkte es wie ein Streich, den ihnen ihr Unterbewusstsein spielte. Wo eben noch tote Metallteile, Kontrollkonsolen und andere Geräte gewesen waren, schälten sich nun Lebewesen heraus: nackte, eidechsenähnliche Geschöpfe mit ledriger Haut, die mit den Köpfen hin und her ruckten und mit runden Augen ziellos in alle Richtungen blickten, als seien sie soeben aus einem langen Schlaf erwacht und nähmen die Welt zum ersten Mal wahr. Sie waren etwa halb so groß wie ein Mensch.

Schwerfällig kamen sie auf die Füße und wankten auf Rhodan und Wetherby zu. Dass sie aufrecht auf den Hinterbeinen gingen, machte die Situation noch irrealer. Sie lösten sich von Instrumenten überall im Raum, es schienen Hunderte zu sein.

Schon nach Sekunden drehten die Echsen ihre Reptilienköpfe starr in Richtung der Terraner. Von allen Seiten kamen sie heran, langsam und dennoch bedrohlich. Einige, die schneller zu Sinnen kamen, hielten direkt auf sie zu.

»Mimikrywesen!«, rief Rhodan. »Sie haben sich an die Maschinenteile geheftet und das Aussehen ihrer Umgebung angenommen! Paralysatormodus!«

Die zweite Sache, die geschah, war ein energetisches Flimmern etwa 20 Meter von ihnen entfernt. Rhodan wusste genau, was es zu bedeuten hatte: Krakatau hatte ebenfalls den Weg durch den Transmitterbaum im Glaswald gefunden – der maccanische Bastardprinz, der sich ihnen an die Fersen geheftet hatte, seit sie ins Wegasystem gekommen waren.

Wenn der Fiktivtransmitter neben dem Transport durch den Raum nicht auch eine Versetzung durch die Zeit vorgenommen hatte, musste Krakatau auf Famosa unmittelbar hinter ihnen gewesen sein, ohne dass sie es bemerkt hatten.

Der hünenhafte Maccani mit den rötlich blauen Haaren orientierte sich erstaunlich schnell in der fremden Umgebung. Sein Blick fand Rhodan und Wetherby. Gleichzeitig registrierte er, dass er von Echsenwesen eingekreist wurde. Sein Gesicht verzog sich zu einem Ausdruck, der sowohl Erstaunen als auch Genugtuung zeigte.

Der Bastardprinz mit dem Implantat an der Wange machte einen Schritt nach vorn. Er wollte sich wohl auf Rhodan und Wetherby stürzen.

Aber im selben Moment wurde er von den Mimikryechsen angegriffen. Sie lösten sich in zunehmend größerer Zahl von den Apparaturen in seinem Umfeld, mit denen sie bisher unkenntlich geradezu verschmolzen gewesen waren. Diesmal reagierten sie merklich schneller als zuvor bei den Terranern. Sie wankten auf Krakatau zu, drangen auf ihn ein, hafteten sich an seinen Körper.

Rhodan musste sich bereits selbst der Echsen erwehren, die ihn bedrängten. Er schoss nur mit nichttödlichen Betäubungsstrahlen. Aber es wurden immer mehr, sie kamen von allen Seiten auf ihn zu. Wenn sie getroffen wurden, erstarrten sie erst nach einer Weile und kippten dann nach hinten, als würden ihre Nervensysteme nur langsam auf die lähmende Wirkung reagieren.

Wetherby schoss aus unmittelbarer Nähe auf die Geschöpfe, riss sie von ihrem SERUN herunter, suchte Deckung hinter einem Geräteblock, von dem sich sogleich weitere Echsen erhoben und sie angriffen.

Krakatau in der Ferne kannte keine Skrupel beim Einsatz seiner Kampfmittel. Er feuerte hochenergetische Thermosalven aus seinem schweren Handstrahler und verbrannte gleich ein Dutzend Angreifer auf einmal. Immer wenn eins der Echsengeschöpfe im Feuer verging, ertönte ein schmerzvoll hohes Singgeräusch. Flammen flackerten aus den Geräten, die in der Feuerschneise standen. Dichter Qualm wehte in Richtung der Terraner.

Die Echsen drängten die zwei Menschen an die Reling in der Mitte der Halle. Rhodan blickte hinunter in einen Abgrund, der so tief sein musste wie der Grand Canyon auf der Erde. Unter ihnen lagen noch 50 oder mehr Decks, jedes einzelne mindestens 40 Meter hoch.

Das Antigravaggregat seiner Einsatzmontur funktionierte immer noch nicht, genauso wenig wie bei seiner Begleiterin. Sonst hätten sie einfach davonschweben oder in die Tiefe springen können.

Wetherby hatte genug. Sie tat es Krakatau gleich und schaltete ihre Kombiwaffe auf Thermostrahlfunktion. Eine Energielohe zischte den Echsen entgegen und setzte sie in Flammen. Damit schien sie Erfolg zu haben, denn die Zahl der Angreifer reduzierte sich, auch weil Krakatau auf der anderen Seite vollkommen rücksichtslos gegen sie vorging.

In der Halle wurde es heiß wie nahe einem Hochofen. Die Luft stank nach Ruß. Immer wieder schnitt der hohe Sington in ihre Ohren, wenn die Echsen starben.

Gillian Wetherbys Haare klebten an der schweißnassen Stirn, ihre Augen waren gerötet. »Die scheinen völlig instinktgetrieben zu sein!«, schrie sie. »Ohne jede Intelligenz.« Sie schüttelte eine bewusstlose Echse ab, die sich an ihren SERUN geheftet hatte, und feuerte zur Sicherheit einen Thermostrahl in ihren Bauch. Das Wesen kreischte und verkohlte zu Asche.

»Ihr Instinkt sagt ihnen, alles anzugreifen, was sich bewegt«, vermutete Perry Rhodan und schlug nach einer Echse, die ihn von der Seite anfiel. »Sie sind allerdings nicht unser größtes Problem!«

Durch die Rauchschwaden kam der Bastardprinz mit schweren Schritten wie ein Koloss genau auf sie zu. Er hatte fast alle Angreifer getötet, die sich ihm in den Weg gestellt hatten. Regte sich auf der einen oder anderen Seite noch etwas Lebendiges, feuerte er beiläufig einen Schuss aus seiner Strahlwaffe ab, und das Wesen verging mit pfeifendem Todessingen.

3.

Lanzette

Karyptichon