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Müdigkeit, Haarausfall, Unter- oder Übergewicht und PMS – hormonelle Störungen haben viele Gesichter und sind oft schwer als solche zu diagnostizieren. Werden die Symptome dann mit einer traditionellen Therapie behandelt, entsteht häufig eine Abhängigkeit von hormonellen Präparaten. Die anerkannte Heilpraktikerin Katia Trost tappte selbst in diese Falle und suchte lange Zeit nach einer Alternative zur schulmedizinischen Therapie, bis sie die Ursachen des hormonellen Ungleichgewichts erkannte. Sie gibt einen umfassenden Einblicke in die Funktionsweise der Hormone, informiert über konkrete alternativmedizinische Behandlungsmöglichkeiten und gibt fundierte Tipps, wie man wieder in Harmonie mit den eigenen Hormonen kommt.
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Seitenzahl: 770
Veröffentlichungsjahr: 2019
Katia Trost | Anika von Keiser
WEGE AUS DER HORMONFALLE
Hormonelle Balance statt Hormontherapie
KATIA TROST
Anika von Keiser
WEGE AUS DER HORMONFALLE
Hormonelle Balance statt Hormontherapie
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb-.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen
Wichtiger Hinweis
Dieses Buch ist für Lernzwecke gedacht. Es stellt keinen Ersatz für eine individuelle medizinische Beratung dar und sollte auch nicht als solcher benutzt werden. Wenn Sie medizinischen Rat einholen wollen, konsultieren Sie bitte einen qualifizierten Arzt. Der Verlag und der Autor haften für keine nachteiligen Auswirkungen, die in einem direkten oder indirekten Zusammenhang mit den Informationen stehen, die in diesem Buch enthalten sind.
Originalausgabe
1. Auflage 2019
© 2019 by mvg Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
Nymphenburger Straße 86
D-80636 München
Tel.: 089 651285-0
Fax: 089 652096
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Redaktion: Dr. Manuela Kahle
Umschlaggestaltung: Marc-Torben Fischer
Umschlagabbildung: shutterstock.com/Valenty
Layout: Satzwerk Huber, Germering, Melanie Kitt
Satz: Satzwerk Huber, Germering, Melanie Kitt
Druck: Firmengruppe APPL, aprinta Druck, Wemding
eBook: ePubMATIC.com
ISBN Print 978-3-86882-989-1
ISBN E-Book (PDF) 978-3-96121-298-9
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-96121-299-6
Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter
www.mvg-verlag.de
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Vorwort
Das Wichtigste auf den Punkt gebracht
Einführung
Altes Wissen neu entdeckt
Die schulmedizinische Behandlung hormoneller Störungen vor 100 Jahren
Hormonelle Störungen – eine moderne Plage
Hormonstörungen – schafft der Mensch sich selbst ab?
Hormonelle Störungen fallen meist aus dem geltenden Gesundheitsbegriff
Trennung von körperlicher und geistiger Gesundheit
Wann liegt aus medizinischer Sicht eine hormonelle Störung vor?
Eine neue Definition von Gesundheit
Das Ideal der menschlichen Blaupause
Die Hormonblaupause
Wie passen Naturheilkunde und die Therapie des Hormonsystems zusammen?
Hauptteil
Was sind Hormone?
Hormonstruktur
Hormonabbau
Hormonelle Ebenen
Synthesewege der Steroidhormone
Feedback Mechanismen
Die physiologischen Aufgaben der einzelnen Hormone
Schilddrüsenhormone: Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3)
Nebennierenhormone
Geschlechtshormone
Hormone des Gehirns
Psyche und Hormone
Zusammenhänge im Hormonsystem
Stress ist Auslöser hormoneller Dysbalancen
Leben und Überleben
Stress und seine Konsequenzen für das Hormonsystem
Typische Zeichen und Symptome einer GESTÖRTEN hormonellen Balance
Auswirkungen von Stress auf den gesamten Körper
Stoffwechsel
Energieproduktion: schneller oder langsamer Stoffwechsel?
Mitochondriopathien
Zellresistenzen
Blutzucker und Unterzuckerung
Verkalkung/Entkalkung
Schwellungen
Immunsystem
Entzündungen
Krebs
Das Nervensystem
Psychologie und Neurologie
Hormonelle Störungen
Von der Über- zur Unterreaktion
Kompensierung und Dekompensierung
Über- und Unterfunktion der einzelnen Drüsensysteme
Der Einsatz von Hormonen in der Schulmedizin
Symptome hormoneller Störungen und sinnvolle Behandlungsansätze
Faktoren für die Entstehung einer hormonellen Dysbalance
Die Behandlung von Stoffwechsel und Hormonen: Ausgangssituation
Typischer Verlauf hormoneller Störungen
Angeborene Faktoren: die ursprüngliche Konstitution
Erworbene Faktoren
Umweltbelastungen
Zurück zur hormonellen Balance: Therapiegrundsätze
Regulation statt Substitution
Entlastungsmaßnahmen
Wiederherstellung der Energie auf der Zellebene
Mobilisierung von Energieblockaden
Wichtige Aspekte der Regulativen Therapie
Testung
Die einzelnen Behandlungskomponenten und Tipps, mit denen Sie selbst allmählich in die hormonelle Balance kommen
Körperliche Ebene
Geistig-emotionale Ebene
Worauf Sie sich einstellen sollten
Die Rolle des Therapeuten im Genesungsprozess des Patienten
Hilfe bei der Therapeutenwahl
Gründe für das Scheitern der Therapien
Tipps für die Therapie
Sind Sie bereit für die hormonelle Balance?
Nachwort
Danksagung
Anhang
Meine Praxis für hormonelle Balance
Zusammenarbeit mit Verisana/Interessenkonflikte
Empfohlene Literatur
Literaturverzeichnis
Anmerkungen
Die Entstehung dieses Buches ist eng mit meiner Gesundheitsgeschichte verknüpft. Und sie ist das Ergebnis der Suche nach hormoneller Gesundheit, nachdem ich 2005, im Alter von 25 Jahren, nach der Anwendung einer als besonders »verträglich« geltenden, neuen hormonellen Verhütungsmethode innerhalb weniger Wochen erleben musste, wie mir meine Gesundheit und mein Leben aus den Händen glitten. Kurz gesagt, ich erkannte mich einfach selbst nicht wieder. In sehr kurzer Zeit hatte sich mein Körper negativ verändert. Ich war unglaublich erschöpft, psychisch labil und interessenlos. Körperlich nahm ich sehr schnell einige Kilogramm zu, bekam Dehnungsstreifen, die Haare fielen aus. Nachts schoss mir der Schweiß sichtbar aus den Poren. Ich war total aufgequollen. Die Haut wirkte fahl, Lymphödeme und Cellulite wurden sichtbar. Ich wurde sehr empfindlich auf Alkohol, Umweltgifte und Umweltreize, inklusive Elektrosmog. Nachdem die Faktoren »neuer Freund« und »Juraexamen« als mögliche Ursachen meines Befindens ausgeschlossen worden waren, fand ich fast die gesamte Symptomliste meiner Beschwerden in der Packungsbeilage des damals von mir verwendeten Nuvarings (eine hormonelle Verhütungsmethode, die ähnlich wie die Pille wirkt). Ich beschloss – nach nicht einmal drei Monaten Anwendung –, den Ring nicht mehr zu benutzen. Leider besserten sich die Symptome aber nach der Entfernung des Ringes kaum.
Also konsultierte ich meine damalige Frauenärztin, deren Erklärung für meine Probleme mich jedoch – gelinde ausgedrückt – ziemlich erstaunte: »Frau Trost, in den 1960er-Jahren hätten solche Beschwerden von einer hormonellen Verhütung herrühren können. Heute aber sind die hormonell wirksamen Präparate dermaßen verträglich, dass Ihre Symptome nicht durch den Nuvaring ausgelöst worden sein können.« Auf die in der Packungsbeilage aufgeführten Nebenwirkungen ging sie nicht ein. Ihr einziger Rat bestand darin, dass ich die Verhütung mittels Nuvaring wohl lieber beenden solle – was ich zu diesem Zeitpunkt schon längst getan hatte. So begann meine Suche nach Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten hormoneller Störungen. Im Laufe meiner Recherchen wurde mir bewusst, dass ich kein Einzelfall war – weder was meine hormonellen Probleme anging noch was meine Suche nach deren Lösung betraf. Auch für viele andere Patientinnen fielen die allgemeinen Antworten auf das Warum meist unbefriedigend aus.
Hormonelle Störungen wurden 2005 im medizinischen Alltag Deutschlands noch begrenzter wahrgenommen als heute. Selbst Endokrinologen und Gynäkologen1 wussten zu diesem Zeitpunkt mit Themen wie Progesteronmangel, Hashimoto -Thyreoiditis oder Nebennierenfunktionsstörungen oft wenig anzufangen. Die spärlichen Informationen, die ich als interessierte Betroffene fand, stammten aus Internetforen oder dem englischsprachigen Ausland. Doch auch auf Englisch gab es damals bei Weitem noch nicht so viele Bücher zum Thema Hormone wie heute. Und die vorhandenen Bücher behandelten zumeist nur das Thema Hormonersatztherapie, wenn auch mit naturidentischen Hormonen (was dann als »natürliche« Hormonbehandlung verkauft wurde). Mangels Informationen verlief meine Behandlung zunächst mit naturidentischen Hormonen, von denen ich heute keine mehr nehme. Ich arbeitete mich in das Thema Hormonsubstitution mit naturidentischen Hormonen ein und gab auch Seminare darüber (zu einem Zeitpunkt, als das Thema in Deutschland noch recht unbekannt war). Doch im Laufe der Zeit kam ich dahinter, dass eine solche Behandlung eigentlich keine war. Auch ich war in die Hormonfalle getappt. Seit dieser Zeit hat sich hierzulande – zum Glück – einiges getan. Viele Patienten fordern alternative und ganzheitliche Lösungsansätze für ihre Beschwerden und wollen sich nicht mehr damit abfinden, dass sie gegen ihre Hormonprobleme angeblich nichts ausrichten können – abgesehen von der Einnahme pharmazeutischer oder sogar »natürlicher« Produkte, mit denen sie mehr oder minder lebenslanges Symptommanagement betreiben. Die Folge dieser stetig wachsenden Forderungen von Patienten führt dazu, dass sich sowohl klassische Schulmediziner wie auch Naturheilkundler zunehmend mit neuen Lösungsmöglichkeiten für hormonelle Probleme beschäftigen (müssen).
Oft verunsichert das Thema Hormone Patienten wie auch Behandelnde gleichermaßen. Dafür sind meines Erachtens folgende Gründe verantwortlich:
Die Lehre in Bezug auf Symptome und Auswirkungen hormoneller Störungen ist meistens sehr rudimentär und oberflächlich (auch an Universitäten). Die Physiologie (die Lehre über die Funktionsweise eines gesunden Körpers) wird im Gegensatz zur Pathologie (Beschreibung und Behandlung krankhafter Prozesse) stiefmütterlich behandelt.
Häufig ist es die Verschreibungspflicht von Hormonpräparaten, die Heilpraktiker zurückschrecken lässt. Oftmals schließen sie daraus, hormonelle Störungen nicht behandeln zu können. Dabei ist die Einnahme von Hormonen für eine effektive Behandlung hormoneller Störungen oft gar nicht nötig.
Die Pharmaindustrie hat kein unmittelbares Interesse an einer gelingenden Behandlung hormoneller Störungen, da durch sie viele Medikamente obsolet würden, die bisher zum Symptommanagement hormoneller und anderer Probleme eingesetzt werden (z. B. Statine, Metformin, Blutdrucksenker). Wirtschaftlich sind das natürlich keine rosigen Aussichten. Außerdem sind naturidentische Hormone sowie Nahrungsergänzungen in vielen Fällen nicht patentierbar, und damit lässt sich mit ihnen kein wirklich profitabler Absatzmarkt erschließen.
90 Prozent der Forschungen sind nicht unabhängig, sondern von der Pharmaindustrie finanziert.
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Ergebnisse, die nicht gefallen, verschwinden nicht selten in irgendwelchen Schubladen. Und die Ärzteschaft wird an den Universitäten auf der Basis dieser zielgerichteten und subventionierten Forschungen ausgebildet und auch später direkt von Pharmaunternehmen fortgebildet.
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Wer sollte in diesem System also ein echtes Interesse daran haben, medikamenten- und erst recht substitutionsunabhängige Patienten zu generieren?
Gängige Testverfahren hormoneller Störungen sind aus meiner Sicht vielfach ungenau und damit diagnostisch ungeeignet. Normalbereiche sind hier oft zu weit gefasst, und die Individualität des Patienten wird meist nicht berücksichtigt. Außerdem sind Testverfahren als Antwort auf eine Frage nur dann geeignet, wenn die richtigen Fragen gestellt wurden. Meist sind die üblichen Verfahren gerade mal dazu in der Lage, einen Status quo abzubilden: Sie zeigen zwar an, ob ein Hormonproblem besteht, aber nicht, warum. Andere Tests erbringen aus meiner Sicht schon deswegen falsch-negative Resultate, da sie schlichtweg ungeeignet zum Aufspüren hormoneller Störungen sind.
Anmerkung:
Auch wenn die beschriebenen Zusammenhänge meiner Erfahrung nach leider für zahlreiche Ärzte, Apotheker etc. gelten, behaupte ich keinesfalls, dass alle Schulmediziner Marionetten der Pharmaindustrie sind. Ich kenne einige, die sich sehr für die Gesundheit ihrer Patienten einsetzen, sich eigenständig fortbilden und den Blick über den berühmten Tellerrand wagen. Und mir ist bewusst, dass vieles in unserem Gesundheitssystem im Argen liegt. Es wird zwar weltweit als eines der besseren gepriesen, bringt aber Ausübende von Gesundheitsberufen zeitlich und was ihre Ressourcen betrifft unweigerlich an den Rand des zu Bewältigenden. Auch richte ich mich ausdrücklich nicht gegen die Schulmedizin. Im Gegenteil. Die Schulmedizin leistet unabdingbare Hilfe, wenn es beispielsweise um Notfälle und Palliation geht (Stichwort: »Überleben«, worauf später noch ausführlich eingegangen wird). Auch bildgebende Verfahren und Labortests usw. erfüllen einen großen Nutzen für die Menschheit. Ich schicke meine Patienten immer zum Arzt, wenn ich den Verdacht habe, es könnten organische Ursachen für die vorgebrachten Beschwerden vorliegen. Dieses Buch weicht ganz bewusst in vielen Aussagen von der gängigen wissenschaftlichen Meinung ab. Es wäre nicht entstanden, wenn ich von den Behandlungen und Ergebnissen der Standardmedizin überzeugt gewesen wäre. Damit meine ich sowohl schulmedizinische als auch teilweise naturheilkundliche Behandlungen. Ich habe mich selbst sozusagen »durch fast alles durchprobiert«, was mir als Patientin und Therapeutin auf dem schul- und alternativmedizinischen Markt als Therapieansatz begegnete. Dabei musste ich feststellen, dass das meiste weder für mich noch für meine Patienten einen wirklichen Lösungsansatz enthielt.
Grundlagenforschung beschäftigt sich mit dem Wissen und dem Verständnis naturwissenschaftlicher Zusammenhänge, ohne dabei ein bestimmtes praktisches Ziel zu verfolgen.4 Angewandte Wissenschaften dagegen verfolgen praktische Ziele5 bzw. richten sich auf die Veränderung und Beeinflussung natürlicher Phänomene. Wie bereits geschildert, sind angewandte Wissenschaften meist von finanziellen und sogar politischen Interessen geprägt. Demnach geht es in der Medizin meines Erachtens nach längst nicht mehr darum, den Körper zu verstehen, sondern darum, ihn zu manipulieren und dadurch von seiner ursprünglichen Funktionsweise wegzubringen. Angewandte Wissenschaften verwerfen meiner Ansicht nach oft die Erkenntnisse der Grundlagenforschung oder legen diese so einseitig aus, dass die ursprünglichen Aussagen aus ihrem ursprünglichen Kontext herausgerissen und dadurch verfälscht werden. Dies geschieht, wenn Wissenschaft nicht mit eigenen Erfahrungen und persönlichen Überprüfungen des Therapeuten kombiniert wird. Dass ein solches Vorgehen sinnvoll und für die Patienten zielführend wäre, ist Auffassung der sogenannten evidenzbasierten Medizin. Sie definiert sich als »gewissenhafter, ausdrücklicher und umsichtiger Gebrauch der aktuell besten Beweise für Entscheidungen in der Versorgung eines individuellen Patienten«.6 Als diese Beweise gelten ausdrücklich auch die klinische Erfahrung sowie die eigenständige Bewertung vorhandener Studien. Grundlagenforschung soll im Zweifel als Referenzrahmen für den Behandelnden dienen. Es wird darauf hingewiesen, dass externe klinische Beweise (gemeint sind z. B. Studien) lediglich informieren, jedoch nicht die eigene klinische Erfahrung ersetzen dürfen.7 Studien gelten nach dieser Auffassung eher als Entdeckung denn als Beweis. In meiner Praxis spielt das Studium der Grundlagenforschung eine große Rolle. Auch andere Forschungsergebnisse zitiere ich in diesem Buch häufig. Allerdings nur, wenn die Ergebnisse mit meinen Erfahrungen und Beobachtungen übereinstimmen. Ansonsten traue ich mir mittlerweile zu, Studien auch nicht anzuerkennen, egal wie oft deren Ergebnisse in den Medien wiederholt oder von vermeintlichen Koryphäen bekräftigt werden. Ich zitiere Forschungen nicht als Beweis für meine Behauptungen, sondern als Ausgangspunkt für die eigenen Erwägungen des Lesenden. Bevorzugt stütze ich mich auf Studien von unabhängigen Forschern, Instituten und Menschen, die meiner Ansicht nach plausible und in meiner Praxis reproduzierbare Ergebnisse über einen gewissen Zeitraum liefern – und zwar ohne unerwünschte Nebenwirkungen. Manchmal verwerfe ich meine eigenen Hypothesen nach einer Weile oder differenziere meine Aussagen. Das ist auch der Grund, warum ich eine Weile gebraucht habe, ein Buch zu schreiben. Ich wollte Erkenntnisse einfließen lassen, die sich in der Praxis bewährt haben. Gleichzeitig ist es mir wichtig, Therapien anzupassen und zu verändern, sobald ich neue Beobachtungen und Erkenntnisse gewonnen habe. Immer mehr wird mir bewusst, dass Behandlungen absolut individuell sein müssen. Was dem einen nützt, schadet unter Umständen dem nächsten. Dementsprechend möchte ich keine meiner Aussagen als wissenschaftlich beweisend verstanden wissen. Immer, wenn ich Meinungen vertrete oder Erfahrungen mache, die von schulmedizinischen Überzeugungen abweichen, kennzeichne ich dies. Wege aus der Hormonfalle entspricht im Sinne der Erfahrungsheilkunde meinem Wissens- und Erfahrungsschatz zum Zeitpunkt der Aufzeichnung. Ich fordere ausdrücklich dazu auf, sich eine eigene Meinung anhand der angegebenen sowie selbst erforschten Quellen in Verbindung mit der eigenen Erfahrung zu bilden. Denn wer sich traut, eine Meinung zu vertreten, ist schon auf einem guten Weg, ein mündiger Patient zu werden.
Nachdem Sie meine Geschichte gelesen haben und mit meinen Grundauffassungen vertraut sind, folgt nun der »offizielle Teil« des Buches. Ab jetzt geht es um Sie. Mit diesem Patientenratgeber stelle ich Ihnen meine Erfahrungen zur Verfügung, um Sie beim Verstehen Ihrer hormonellen Probleme zu unterstützen. Sie werden erfahren, was es für Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten gibt (traditionelle und alternative). Während einige Patienten mit den traditionellen Ansätzen zur Hormontherapie zufrieden sind, sind viele andere es nicht – auch nicht, wenn es sich um eine Therapie mit naturidentischen Hormonen handelt. Für genau diese Menschen ist dieses Buch geschrieben worden: als eine Alternative. Und es ist auch für diejenigen geschrieben worden, die zwar Verbesserungen ihrer Gesundheit durch die Therapie mit naturidentischen Hormonen erfahren konnten, jedoch gerne ausprobieren wollen, ob es nicht vielleicht auch ganz ohne Hormonersatztherapie geht.
Wenn Sie zur zweitgenannten Gruppe von Lesern gehören, wünsche ich mir, dass Ihnen dieses Buch näherbringen kann, wie und warum hormonelle Störungen aus meiner Sicht entstehen – so müssen Sie nicht auch in die Hormonfalle tappen. In der Regel verschwinden Probleme, nachdem ihre Ursache erkannt und beseitigt wurde. Dieses Buch ist kein Leitfaden für Symptom-Management und kein Ratgeber, wie Hormone am besten »eingestellt« werden können. Stattdessen beschäftigt es sich mit der Regulation des hormonellen Ungleichgewichtes im Ganzen. Wenn die vollständige Regulierung des Körpers oder des Hormonsystems zwar nie versprochen werden kann und darf, so ist eine natürliche Regulation des Hormonsystems – ganz ohne Zufuhr von Hormonen – in vielen Fällen meiner Erfahrung nach zumindest möglich.8
Die Antwort auf die Frage, wie man ohne Hormonsubstitution in die hormonelle Balance kommen kann, liegt meiner Erfahrung nach tief in unserer Physiologie (der Funktionsweise unseres Körpers) vergraben und ist zunächst bestechend einfach: Es geht letztendlich um Energie. Genauer gesagt, ob viel oder wenig Energie vorhanden ist. Hormonstörungen sind – wie meiner Meinung nach auch alle anderen gesundheitlichen Probleme – auf eine Störung des Energiehaushaltes zurückzuführen. Das Hormonsystem hat die Funktion, bei Energiemangel eine gewollte Verschiebung der Verhältnisse des Hormonhaushaltes hervorzurufen, damit dass System trotz knapper Ressourcen zumindest überleben kann. Im chronischen Zustand führt diese Verschiebung zu Symptomen, die in der Regel als Störung des Hormonsystems empfunden und diagnostiziert werden. Ja, Sie haben richtig gelesen: Östrogendominanz, Schilddrüsenunterfunktion und Nebennierenprobleme u. v. m. sind von der Natur bewusst als Schutzmechanismen in Zeiten knapper Energieressourcen angelegt worden. Allgemein wird dieser Zustand schlicht als »Stress« bezeichnet. Die Auswirkungen von Stress sind ausgiebig erforscht. »Chronischer überwältigender Stress führt zur Erschöpfung. Das Erschöpfungsstadium ist durch einen Energieverlust und eine Degeneration von Zellen, Geweben, Organen und Organsystemen gekennzeichnet.«9 Die beschriebene Degeneration ist im Endeffekt die häufigste Todesursache – selbst wenn scheinbar andere Gründe wie Infektionen, hohes Alter, Vergiftungen etc. vorliegen mögen – so sieht es der Urvater der Stressforschung, Hans Selye.10 Während Stress und seine Auswirkungen in der Schulmedizin völlig unbestritten sind, berücksichtigt sie selten die Konsequenzen dieser Erkenntnisse. Denn wenn Energie die Basis und der Schlüssel für das Leben ist und ein Mangel für Verschiebungen des Hormonsystems im Sinne von chronischem Stress sorgt, dann kann und muss eine ursachenbasierte Therapie logischerweise an der Energieproduktion bzw. deren Blockade ansetzen.
Hans Selye bemerkte 1950, dass noch viele Jahre und Generationen ins Land ziehen würden, bis die Wissenschaft Stress und seine Konsequenzen vollständig verstünde bzw. dass ein abschließendes Verständnis des Lebens den menschlichen Geist letztendlich übersteigen würde. Gleichzeitig führt er an, dass sich der Nebel in Bezug auf die Funktionsweise des Stresses ausreichend gelichtet habe, um die außerordentliche Wichtigkeit dieses Konzeptes begreifbar werden zu lassen, sodass in uns Menschen ein unstillbarer Hunger geweckt würde, um mehr über dieses Phänomen zu erfahren.11 Fast 70 Jahre später hat die Wissenschaft viele weitere Facetten der Stressantwort erforscht. Während heute viel mehr Details über die Stressmechanismen bekannt sind als noch 1950, werden meiner Ansicht nach deren Konsequenzen selten berücksichtigt. Es scheint sogar so zu sein, dass durch die Erforschung der Einzelaspekte der Stresslehre der Blick für das, worum es eigentlich geht, verloren gegangen ist. Während ich mir keinesfalls anmaßen möchte, Stress vollständig verstanden zu haben, finde ich, dass seit seiner »Entdeckung« sowohl entscheidende Informationen über die menschliche Biochemie zur Verfügung stehen als auch genügend Informationen, um Therapien im wirklichen Einklang mit physiologischen Prinzipien zu entwickeln. Dazu mehr im Verlauf des Buches. Mit meiner Methode denke ich die bekannten Konsequenzen des Stresses zu Ende. Stress ist nichts Abstraktes, sondern ein biochemischer Vorgang, der Auswirkungen auf alle Zellen und Organe hat – und zwar auf eine vorhersehbare Weise. Auch Energie ist kein abstrakter oder gar esoterischer Begriff, sondern als biochemische Einheit zu verstehen. Deswegen wird in diesem Buch auch ausführlich auf den Zellstoffwechsel und seine Energieproduktion eingegangen. Hormone sind als Botenstoffe die Handlanger der körperlichen Stressantwort. Werden die Ursachen des Energiemangels im Körper gefunden und beseitigt, erledigen sich zumindest theoretisch Hormonprobleme von allein. Schwieriger gestaltet sich dagegen die therapeutische Praxis der ursachenbasierten Hormontherapie. Hormonstörungen sind eine unspezifische Antwort auf Stress, der wiederum ein Problem unzureichender Energieressourcen ist. Und leider gibt es zahlreiche Faktoren, welche die Energieproduktion und -verteilung im Körper beeinflussen können. Dies macht die natürliche Regulation hormoneller Störungen komplex und mitunter langwierig. An dieser Komplexität führt kein Weg vorbei. Einem Menschen, der an sich Symptome einer hormonellen Dysbalance feststellt, geht es etwa so wie dem Käufer einer alten Villa: Letzterer könnte der Fassade seines neuen Hauses einen frischen Anstrich verpassen, und es sähe auf den ersten Blick schon mal ein Stück besser aus. Aber wehe, jemand guckt genauer hin und entdeckt die maroden Leitungen, das morsche Gebälk oder das undichte Dach. Um wirklich langfristig glücklich in dem Haus zu werden, kommt der Besitzer nicht um eine Kernsanierung herum: Vom Keller bis zum Dachfirst muss repariert, ausgebessert und erneuert werden. So wenig wie ein altes Haus lässt sich ein aus dem Gleichgewicht geratenes Hormonsystem mit der Behandlung von Symptomen in den Griff bekommen. Um langfristig glücklich mit seinem Hormonsystem zu werden, kommt niemand um eine körperliche Kernsanierung herum. Alles andere ist lediglich Symptommanagement. Es müssen die (energetischen) Ursachen des Ungleichgewichts erkannt und beseitigt werden, damit sich die Symptome verabschieden können.
Sie werden erkennen, dass bei der Entstehung, Testung und Behandlung einer hormonellen Dysbalance viele Themenbereiche eine Rolle spielen. Im letzten Teil dieses Buches erhalten Sie einige Tipps, mit denen Sie selbst aktiv werden können, um (wieder) in Harmonie mit Ihren Hormonen zu kommen. Dennoch ist dieses Buch nicht als Selbsthilferatgeber mittels Selbstmedikation gedacht! Eine erfolgreiche Behandlung eines aus dem Lot geratenen Hormonsystems ist höchst individuell und erfordert viel Erfahrung und vor allem den Überblick über Zusammenhänge. Was der eine braucht, kann dem anderen schaden. Auch die Reihenfolge der Behandlungsschritte ist entscheidend. Selbst ein scheinbar richtiges Hormon oder auch entsprechende Nahrungsergänzung kann, zur falschen Zeit genommen, die Behandlung in eine unerwünschte Richtung lenken. Wie eingangs schon geschrieben, geht es mir vor allem darum, Sie zu einem mündigen Patienten oder einer mündigen Patientin zu machen, der oder die seine oder ihre hormonellen Störungen versteht und weiß, worauf es bei der Wahl eines Behandelnden ankommt, wenn man sich für einen persönlichen Heilweg entscheidet – wie auch immer der aussehen mag. Vor allem hoffe ich, dass es mir gelingt, Ihnen zu zeigen, dass Ihre Hormonstörungen weder ein Fehler im System noch Willkür und erst recht keine himmlische oder höllische Strafe sind. Sie kommen aus der Hormonfalle nur heraus (im Sinne einer Abhängigkeit von hormonellen Präparaten oder den Folgen hormoneller Probleme an sich), wenn Sie bereit sind, Ihr Leben zu verändern. Dazu sind nur Sie in der Lage – nicht der Arzt, Heilpraktiker, Therapeut, Ihr Partner oder sonst wer. Nachdem klar geworden ist, wie es gehen könnte, müssen Taten folgen. Ich werde in diesem Buch bewusst nicht zimperlich sein und Dinge schönreden. Und ich beschreibe die Zusammenhänge so deutlich, wie es mir möglich ist. Ich tue Ihnen nämlich keinen Gefallen, wenn ich mit blumigen Formulierungen um den heißen Brei herumschreibe, sodass Ihnen mögliche Konsequenzen nicht klar werden. Übernehmen Sie bitte Verantwortung für Ihr Leben und Ihre Gesundheit, und verändern Sie Umstände, die Sie krank gemacht oder gehalten haben. Haben Sie keine Angst, zumindest sich selbst gegenüber zuzugeben, dass Sie unter Umständen ein paar falsche Entscheidungen in Ihrem Leben getroffen haben (glauben Sie mir, davon gibt es auch in meinem Leben so einige). Leben Sie Ihr Ändern! Denn, wie Albert Einstein so schön sagte:12 »Die Definition des Wahnsinns ist, immer dasselbe zu tun und ein anderes Ergebnis zu erwarten.«
Dieses Buch richtet sich in erster Linie an Laien auf dem Gebiet der hormonellen Balance. Aus diesem Grund habe ich mich bemüht, es für Patienten mit unterschiedlichen Wissensständen zu formulieren und sowohl grafisch-visuelle wie auch metaphorisch verstehende Lesende anzusprechen.
Da es hier sowohl um einen Einblick in theoretisches Wissen über Hormone geht als auch um konkrete Behandlungsmöglichkeiten, ließen sich inhaltliche Wiederholungen an einigen Stellen nicht vermeiden. Sie dienen dem roten Faden und ermöglichen Ihnen, auch mitten im Buch mit dem Lesen zu beginnen. Kurz zum Aufbau des Buches: Im folgenden Abschnitt finden Sie das Wichtigste auf den Punkt gebracht. Dazu bediene ich mich 22 Thesen / Prinzipien, auf denen dieses Buch basiert und die im weiteren Verlauf immer wieder auftauchen werden. Jeder dieser Ansätze wird in den verschiedenen Kapiteln aus diversen Perspektiven beleuchtet. Damit Sie erkennen, auf welche These ich mich jeweils beziehe, finden Sie am Rande des Textes einen entsprechenden Hinweis. Die meisten Kapitel beginnen mit einer Metapher, die das Thema einleitet. Sie können sie überspringen, wenn Sie literarischen Bildern nichts abgewinnen können. Es folgt ein inhaltlich vertiefender Abschnitt. Zum Ende des Kapitels unter »Konsequenzen für Sie« findet sich die Quintessenz für den Patienten. Dort erfahren Sie, wie Sie die neu erworbenen Erkenntnisse sofort in Ihr Leben integrieren können. Die Tipps entsprechen meiner Meinung und Erfahrung als Therapeutin, die sich seit vielen Jahren auf das Thema natürliche hormonelle Balance spezialisiert hat. Wie Sie mit diesen Erfahrungen umgehen, liegt natürlich in Ihrer Verantwortung. Schlussendlich sollen auch Fallbeispiele nicht fehlen. Sie veranschaulichen Ihnen die oftmals graue Theorie auf lebendige Weise. Lassen Sie sich bitte nicht entmutigen, wenn Ihnen vieles zunächst kompliziert erscheint. Sie haben vollkommen Recht: Es IST kompliziert. An Hormonstörungen haben unterschiedliche gesundheitliche Aspekte ihre Anteile, die zudem mit- und untereinander interagieren. In der Theorie ist das Ganze aus meiner Sicht logisch und folgt einer gewissen Ordnung. Denn im Körper geschieht nichts umsonst, wie im Folgenden dargestellt werden wird. Halten Sie durch, und Sie werden sehen, dass Sie es mit Variationen wiederkehrender Grundprinzipien zu tun haben – und diese werden sich Ihnen nach und nach erschließen. Die genannten Variationen werden am Anfang vieler Kapitel wiederholt genannt, um Ihnen den Weg durch die Komplexität hormoneller Störungen und ihrer Behandlung zu vereinfachen.
In diesem Abschnitt finden Sie die 22 Thesen, die den Ausführungen in diesem Buch zugrunde liegen, auf einen Blick. Sie dienen dem Verständnis komplexer hormoneller Zusammenhänge und werden in späteren Kapiteln wieder aufgegriffen, vertieft und, wo möglich, auch mit weiterführenden Quellen belegt.
Die Welt ist nach logischen Prinzipien und Gesetzen aufgebaut wie z.B. den Naturgesetzen. Auch Heilung folgt einer Logik.
»Energie« ist ein solches Prinzip, genauso wie Aufbau und Abbau, Werden und Vergehen. Diese Prinzipien ziehen sich durch alle Ebenen der Einheit von Körper, Geist und Seele.
Gesundheit und Krankheit werden von diesen Prinzipien bestimmt. Tut etwas der Psyche gut, wird es auch dem Körper nützen. Verändert sich das Hormonsystem positiv, wird sich auch die Stimmung wandeln. Guttun heißt in diesem Sinne, dass etwas wirklich wohltuend ist und nicht an anderer Stelle Nebenwirkungen produziert. Nicht gemeint ist damit z.B., dass Alkohol als Genuss empfunden wird, jedoch dem Körper schadet. Das Empfinden von Genuss ist nämlich ebenfalls diesen Prinzipien unterworfen. Ein wirklich gesunder Geist in einem gesunden Körper hat keinen Gefallen mehr an Dingen, die ihm schaden.
Der physische Körper (im Sinne biochemisch ablaufender Prozesse), Gefühle und Gedanken beeinflussen sich gegenseitig.
Sowohl Gesundheit als auch Krankheit wirken sich auf alle Ebenen des Körpers aus.
Eine ganzheitliche Behandlung sollte Körper, Gefühle und Gedanken gleichermaßen betreffen.
Wenn Zusammenhänge zwischen Körper, Gefühlen und Gedanken nicht offensichtlich sind, heißt das nicht, dass sie nicht existieren. Sie werden oft ins Unterbewusstsein verdrängt.
Symptome auf körperlicher, emotionaler und seelischer Ebene sind meiner Auffassung nach der Versuch des Unterbewusstseins, mit dem Bewusstsein zu kommunizieren. So unangenehm Symptome auch sein mögen, sie sind lediglich Fehlermeldungen eines Systems, das versucht, sich zu heilen.
Obwohl sich Körper, Gefühle und Geist gegenseitig beeinflussen, sollten Probleme dort gelöst werden, wo sie entstanden sind.
Wenn z. B. Magnesium fehlt (ein körperliches Problem), ist der Mensch auch nervlich nicht mehr belastbar. Psychotherapie wird aber erst Erfolg haben, wenn die Magnesiumspeicher des Körpers sich wieder füllen.
Wodurch erschöpfen sich Magnesiumspeicher? Vielleicht ernährt sich der Betroffene magnesiumarm. Oder eine Schimmelbelastung in der Wohnung führt dazu, dass der Betroffene mehr Magnesium »verbrennt«. Eventuell neigt er, bedingt durch ein posttraumatisches Stresssyndrom, dazu, vermehrt Magnesium auszuscheiden. In diesem Fall bestünde eine zielführende Behandlung aus Magnesium, einer Schimmelsanierung UND Traumatherapie.
Wenn dem Körper auf der Zellebene Energie fehlt, nützen mentale Motivationstechniken wenig. Wird ein Trauma nicht bearbeitet, wird auch die Einnahme von Nährstoffen nicht dauerhaft zur Gesundheit führen können.
Echte Heilung findet nie auf Kosten von etwas anderem statt
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, das heißt, sie ist frei von jeglichen Nebenwirkungen.
Viele medizinische Methoden verbessern zwar gewisse Symptome, verursachen dafür aber andere. Der Begriff hierfür lautet
Symptomverschiebung
und in manchen Fällen ganz offiziell
Nebenwirkung
. Auch Medikamente können in Form von Nebenwirkungen zu Symptomverschiebungen führen. Beispiel: Viele Methoden oder auch Medikamente sollen »gegen Krebs« oder »beim Abnehmen« helfen. Als Maßstab für ihren Erfolg dient häufig einzig das verminderte Wachstum des Tumors oder die Gewichtsabnahme, ohne dass die Konsequenzen für den gesamten Körper berücksichtigt. Das führt nicht selten mittel- oder langfristig zu der fragwürdigen Erfolgsmeldung: »Operation gelungen, Patient tot«. Was nützt das Aushungern des Körpers, »feindlicher« Darmbakterien oder eines Tumors, wenn auch die Zellen, die Energie bereitstellen müssen, leiden? Was nützt ein Rückentraining, wenn danach der Bauch schlaff wird oder die Knie schmerzen? Was nützt eine Botox-Spritze, wenn danach die Muskeln so gelähmt sind, dass sie nicht mehr in der Lage sind ihre natürliche Funktion auszuüben? (Tipp: Auch ohne Botox und Silikon lässt es sich weitgehend faltenfrei und straff bleiben – vorausgesetzt man schafft es, ein Leben lang in Bewegung zu bleiben und sich ausgewogen sowie toxinfrei zu ernähren.)
Nebenwirkungsfreie Heilung ist meiner Auffassung nach möglich, wenn sich an der ursprünglichen Funktionsweise des Körpers orientiert wird und die Gesetze von Natur und Heilung befolgt und nicht herummanipuliert wird. Außerdem sollte den Ursachen eines Problems geforscht werden.
Das Körpersystem ist laut dieser Überzeugung nach einem idealen Funktionsplan angelegt, der den Menschen erlaubt, ihr volles Potenzial auszuschöpfen: die menschliche Blaupause. Diese entspricht einem Plan, der in jedem angelegt ist und Informationen darüber bereithält, wie das System optimalerweise funktioniert (psychisch und körperlich). Die Blaupause lässt sich ein Leben lang (re-)aktivieren, was zur Optimierung von allen körperlichen und geistigen Prozessen führt und in vielen Fällen sogar zur Revertierung von Krankheits- und Alterszeichen (allerdings wächst die Herausforderung mit dem Maß der Entfernung von der Blaupause – in manchen Fällen sind Schäden irreversibel, Verbesserungen des Zustandes können in der Regel dennoch erzielt werden). Die Blaupause hält also auch ein »Reset-System« bereit (Prinzip der Selbstheilung). Heilung nach Blaupause erfolgt nie lokal, sondern immer ubiquitär. Das bedeutet, Maßnahmen kommen nicht nur einzelnen Systemen zugute, sondern dem Ganzen. Wer gemäß der Blaupause lebt, kann dem Körper bis ins hohe Alter hinein schmerzfrei Leistung abverlangen, ist psychisch gesund, glücklich und überhaupt erst in der Lage, reif und erwachsen zu handeln, zu sein und zu bleiben.
Beispiele: Anstatt beispielsweise steife Beine zu stretchen, werden Atemübungen gemacht, die das Nervensystem derart stimulieren, dass insgesamt mehr Dehnbarkeit möglich ist (Methode: Original Strenght: Pressing Reset). Statt durch Verhaltenstherapie kognitiv den Umgang mit einem Trauma zu erlernen, wird das Trauma verarbeitet und aufgelöst (Methode: Comprehensive Resource Model). Statt Schilddrüsenhormone zu substituieren, wird erkannt, dass die Schilddrüsenstörung unter anderem Ausdruck mangelhafter Energieproduktion auf Zellebene ist. Wird der Mangel behoben, erledigen sich auch die Schilddrüsenprobleme (was im Folgenden noch erklärt werden wird). Statt Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten Ritalin zu verabreichen, werden persistierende frühkindliche Reflexe abgebaut und Nährstoffe aufgefüllt. Soziale Kompatibilität, Konzentration und Rechtschreibkompetenz stellen sich im Anschluss ganz von allein ein.
Leben ist ohne Energie nicht möglich. Energie ist (nach dem heutigen Stand der Wissenschaft) ohne den Verbrauch von Ressourcen nicht produzierbar. Mensch, Tier, Pflanze oder Maschine – alle verbrauchen Energie, um Wärme, Bewegung und bei Lebewesen auch Wachstum hervorbringen zu können.
Energie in Form von Ressourcen ist endlich. Viel Energie ermöglicht viel Wärme, Bewegung und Wachstum. Wenig Energie bedeutet wenig Wärme, Bewegung und Wachstum.
Damit das Leben in Zeiten von knappen Ressourcen nicht völlig zum Erliegen kommt, verfügen Lebewesen (und sogar Maschinen) über Mechanismen, die es ihnen erlauben, auch bei wenig Energie zu funktionieren. Energiekonservierung lässt sie durchhalten, bis wieder bessere Zeiten kommen. Der Mensch reduziert seinen Grundumsatz bei Energieknappheit genauso, wie der PC in den »Stand-by«-Energiesparmodus geht.
Sobald Ressourcen wieder im Überfluss vorhanden sind und Energie liefern können, wird der Energiesparmodus beendet.
Mensch und Natur können je nach Angebot an Ressourcen – und damit auch an Energie – leben oder
über
leben. Keine Energie bedeutet Tod. Wenig Energie bedeutet Überleben. (Ausreichend) viel Energie bedeutet Leben.
Überleben bedeutet immer, dass nur lebenswichtige Vorgänge mit Energie versorgt werden, während nicht überlebenswichtige Prozesse nur wenig Energie zugeteilt bekommen. So ist beispielsweise das Überleben des Gehirns für Lebewesen viel wichtiger als der Erhalt von Haaren oder Fell.
Überleben wird in der Natur bei drohender Gefahr (über-)lebensnotwendig: Organe und Gewebe, die für die Gefahrenabwehr wichtig sind, werden daher bei jeder Form von Energieknappheit besonders mit der noch vorhandenen Energie versorgt. Daher bekommt der Mensch Herzklopfen (Blut wird schneller bewegt), wenn er sich bedroht fühlt.
Reparaturprozesse oder Fortpflanzung finden vorwiegend statt, wenn Ressourcen üppig sind. Energiespeicher werden im Überlebensmodus geleert oder umverteilt, im Lebensmodus wieder aufgefüllt. Gleiches gilt für Nährstoffe.
Leben und Überleben sind beides wichtige Prinzipien für den Erhalt einer Spezies. Sie sind Ausdruck der Flexibilität der Natur und der Anpassungsfähigkeit von Lebewesen an ihre Umgebung.
Leben ist das Ideal der Existenz und wird durch Überfluss an Ressourcen manifestiert. Heilungsprozesse und Fortpflanzung sind Ausdruck des Lebens durch Überfluss – ebenso wie schöne Haare, Haut und Zähne, die für das Überleben nicht wichtig sind, im Überfluss aber strahlen.
Leben und Überleben können nicht gleichzeitig stattfinden. Entweder der Körper konserviert Energie und senkt seinen Grundumsatz oder er schöpft aus dem Vollen.
Das Lebensprinzip (keine Energiekonservierung) beendet das Überlebensprinzip (Energiekonservierung) und umgekehrt.
Integration bedeutet, dass alle Organe, Körpersysteme, Zellen etc. gleichmäßig mit Energie versorgt werden und somit auch gleichrangig miteinander arbeiten. Nichts wird vernachlässigt.
Im Überlebensmodus macht sich das System Mensch von allem frei, was das Überleben gefährden könnte und verschiebt auf »später«, was gerade nicht dringend erledigt werden muss. Damit schalten sich Prozesse ab und werden abgespalten. Der Mensch befindet sich im Zustand der Desintegration. Dieser kann durch überwältigende Gefühle (Trauma) hervorgerufen werden oder durch körperliche Bedrohung. Um das unmittelbare Überleben zu gewährleisten, wird das Herz aktiviert (Kampf oder Flucht), die Leber aber dafür vernachlässigt. Sie kann damit ihrer Entgiftungsfunktion nicht mehr vollständig nachkommen. Während im Überlebensmodus ein Tunnelblick entsteht (mentale und auch visuelle Fokussierung auf das Wichtigste), erweitern sich im Lebensmodus sowohl das Gesichtsfeld als auch der Geist.
Wird ein Energiemangel beendet, werden alle Zellen des Körpers wieder versorgt. Körper, Geist und Seele funktionieren erneut als eine Einheit, desintegrierte Prozesse reintegrieren sich. Das ist das Prinzip der Selbstheilung.
Ein Wechsel vom Überlebensprinzip zum Lebensprinzip kann ohne Reintegration nicht stattfinden. Reintegration bedeutet, dass Abgespaltenes wieder eingegliedert werden muss.
Reintegration heißt auch, dass Abgespaltenes sich zeigt. Auf körperlicher Ebene werden nun Gifte und Schwermetalle mobilisiert. Auf psychischer Ebene kommen verdrängte Erinnerungen, Wahrheiten und Gefühle an die Oberfläche. Der Reintegrationsprozess ist fast immer bis zu einem gewissen Grad schmerzhaft.
Je mehr Energie dem System zugeführt wird, desto schneller wird die Desintegration rückgängig gemacht, das heiß, es findet Reintegration statt. Bei einer gesunden Einheit von Körper, Geist und Seele sind alle Prozesse integriert.
Eine Möglichkeit, Reintegration zu verhindern, ist die Unterbindung des Energieflusses – entweder weil Energie nicht erzeugt oder nicht verteilt wird.
Der Körper desintegriert ausschließlich im Notfall. Solange versucht er, diesen Zustand zu umgehen. Bevor er sich geschlagen gibt und Energie rationiert, mobilisiert er alle ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen und Energien.
Stadien einer Überfunktion folgen also üblicherweise Stadien einer Unterfunktion. Das gilt auf körperlicher sowie auf psychischer Ebene.
Das Stadium der Überfunktion ist grundsätzlich vorübergehend, da die Aufrechterhaltung dieses Zustandes sehr viel Energie kostet. Die Unterfunktion entspricht dem Programm der Energiekonservierung.
Bei der Reintegration aus der Unterfunktion herauskommt es manchmal vor der Normalisierung des Systems wieder zu einer Überfunktion.
Energieerzeugung findet in den Zellen statt, idealerweise in den Mitochondrien, Energie produzierenden Organellen der meisten Körperzellen. Hormone bewegen die Energie lediglich. Ist keine Energie da, kann auch nichts bewegt werden.
Die meisten Therapien sind nicht dazu in der Lage, die Energieproduktion des Körpers wiederherzustellen. Energie kann ausschließlich durch Nährstoffe und bis zu einem geringen Maß erfahrungsgemäß auch durch Sonnenenergie produziert werden. Energieproduktion ist evolutionstechnisch nämlich nur dann sinnvoll, wenn genügend Nährstoffe zur Verfügung stehen.
Hormone können Energie nur verteilen, nicht aber herstellen. Sie können als Botenstoffe zwar den Befehl zur Energieproduktion geben, doch wenn die Nährstoffvorräte zur Neige gehen, nützt auch kein Befehl. Hormone sind in der Lage, auch bei guter Nährstofflage dafür zu sorgen, dass KEINE Energie hergestellt wird. Nur umgekehrt funktioniert das nicht. Das heißt, dass Menschen, die Hormone einnehmen oder gespritzt bekommen, dadurch nicht mehr Energie herstellen können. Der Körper kann nur die Energie, die bereits da ist, anders verteilen.
Auch äußere Faktoren können dazu führen, dass Energie nicht mehr hergestellt oder blockiert wird. Manche Bedrohungssituationen erfordern es, dass ein Mensch in einen Schockzustand gerät. Das kann nur durch die unmittelbare Blockierung von Energie passieren. Sonst KÖNNTE der Überlebensmodus nicht eintreten, der die Energie konserviert.
Im Hinblick auf die Behandlung von Erkrankungen, insbesondere von Erkrankungen des Hormonsystems, ist die Wiederherstellung der Fähigkeit des Körpers, Energie zu erzeugen, überragend wichtig. Gleichzeitig müssen aber auch andere Faktoren, die zu einer Energieblockade geführt haben (z.B. Schocks, Arzneikrankheiten etc.), beseitigt werden. Nur so können Reintegration und Selbstheilung gelingen.
Damit sollte jede Therapie, ungeachtet dessen, was eigentlich therapiert werden soll, zunächst sicherstellen, dass der Körper auf der Zellebene überhaupt dazu in der Lage ist, Energie herzustellen. Zwar sind Ernährung und Nährstoffe meiner Auffassung nach keine Patentlösung, aber die Basis für alles. Erst im zweiten Schritt müssen und können die energieblockierenden Faktoren berücksichtigt und dann Therapiemaßnahmen ergriffen werden, die die Energieverteilung betreffen (Massage, Psychotherapie, Homöopathie, die meisten schulmedizinischen Therapien).
Stress ist ein biologischer Vorgang. Ausgelöst wird Stress durch Stressoren. Jeder Reiz, der auf den Körper einwirkt, egal ob er innerlich oder äußerlich stattfindet, kann als Stressor betrachtet werden. Stressoren verlangen dem Körper zu ihrer Verarbeitung immer Energie ab. Wenige Reize erzeugen wenig Stress. Das heißt wiederum, dass wenig Stress dem Körper wenig Energie ab verlangt. Viele Reize erzeugen viel Stress und verbrauchen dementsprechend viel Energie.
Stresshormone sind dazu da, dem Körper den Eindruck zu vermitteln, dass Energie nicht minimiert oder rationiert wird. Sie lenken die Energie in überlebenswichtige Systeme, deren Funktion möglichst lange aufrechterhalten werden soll. Dies gilt auch für die Eigenwahrnehmung des Gestressten: Er hat den Eindruck, leistungsfähig zu sein, und merkt nicht, dass z.B. seinen Haaren Nährstoffe entzogen werden. Mittelfristig kommt es zu Haarausfall oder zum Ergrauen.
Ein gewisses Maß an Stress kann der Körper bewältigen, ohne dass es zu einer Umschaltung in den Überlebensmodus kommt (Toleranzgrenze ist das Ausmaß der Energieproduktion und der Reifungsgrad des Gesamtsystems). Aus der Sicht eines ausreichend mit Energie versorgten Systems wirken die Nebennieren (in denen die Stresshormone produziert werden) wie ein Stressorenfilter, ohne den jeder Reiz bewusst wahrgenommen würde (jeder Luftzug, jedes Geräusch, jeder Lagewechsel etc.). Ab einer bestimmten Stressschwelle wechselt der Körper in den Überlebensmodus. Dies geschieht durch vermehrte Ausschüttung der Stresshormone. Sie sorgen zunächst für eine Umverteilung der Energie (Desintegration) und schließlich teilweise für eine Blockierung (Desintegration wird aufrechterhalten). Die Energieproduktion auf der Zellebene kann folglich sowohl von inneren Stressoren (Nährstoffmängel) als auch von äußeren (Schock, Vergiftungen etc.) unterbunden oder blockiert werden.
Da Hormone Botenstoffe sind, können Hormonprobleme als eine unspezifische Antwort des Körpers auf Stress betrachtet werden. Durch Hormonprobleme erfahren wir, dass etwas im Körper nicht stimmt (er sendet Stresssignale). Doch wir wissen durch die Stressantwort nicht, was genau in Unruhe geraten ist, also wo die Stressursache liegt.
Da die Hauptstresshormone Adrenalin und Kortisol größtenteils von den Nebennieren produziert werden, sind die Nebennieren – hormonell betrachtet – für das Überlebensprinzip zuständig. Das Lebensprinzip wird – hormonell gesehen – von der Schilddrüse aufrechterhalten. Da Leben und Überleben sich gegenseitig ausschließen, leidet die Schilddrüsenleistung automatisch, sobald die Nebennieren dominieren – und umgekehrt.
Folglich geht auch jedes Schilddrüsenproblem mit einer Dominanz der Nebennieren einher. Dominanz heißt, die Nebennieren geben im System den Ton an, indem sie die Botschaft im Körper verteilen, dass Energie rationiert werden muss (selbst, wenn sich einzelne Stresshormone nach längerer Belastung erschöpfen sollten). Eine Behandlung von Schilddrüsenproblemen
ohne
Beachtung der Rolle der Nebennieren ist also wenig sinnvoll. Eine adäquate Schilddrüsenleistung ist evolutionsbedingt nicht sinnvoll, solange der Körper lediglich überleben soll. Sobald der Stress endet, der zum Überlebensmodus geführt hat, tritt der Lebensmodus automatisch wieder ein und die Schilddrüsenleistung reguliert sich. Der Lebensmodus ist wiederhergestellt (Selbstheilungsprinzip).
Die Schilddrüse ist die Botschafterin einer funktionierenden Energieproduktion auf der Zellebene. Überaktive Nebennieren sind Botschafter einer eher defizitären Energieproduktion auf der Zellebene.
Nach dem Überschreiten der Stressschwelle und dem Übertritt in den Überlebensmodus kommt es zu
charakteristischen
und
vorhersehbaren
Veränderungen in Stoffwechsel- und Hormonsystem.
Während das Lebensprinzip von einem relativen Überschuss an Schilddrüsenhormonen, DHEA, Progesteron und Pregnenolon geprägt ist, wird das Überlebensprinzip von einem relativen Überschuss an Stresshormonen beherrscht. Dabei handelt es sich vor allem um Adrenalin, Kortisol und – nach meiner Auffassung – auch um Östrogen. Da Lebensprinzip und Überlebensprinzip sich gegenseitig ausschließen, sind die Stresshormone (ab einer bestimmten Menge) Gegenspieler der Hormone des Lebensprinzips.
Sollte das Überlebensprinzip nicht bereits durch einen Nährstoffmangel auf der Zellebene ausgelöst worden sein, blockieren Stresshormone die Energieproduktion auf der Zellebene spätestens ab dem Einsetzen des Überlebensprinzips.
Durch Stresshormone kann sich das Überlebensprinzip verfestigen, da wichtige Nährstoffe für die Energieproduktion vom Körper ausgeschieden werden. Unter diesen Umständen können die Mitochondrien immer weniger Energie produzieren, und es entsteht eine Abwärtsspirale hin zu einer zusehends schlechteren Energieproduktion. Hierdurch bleibt die Konzentration der Stresshormone weiterhin hoch.
Alle Körperfunktionen sind miteinander vernetzt. Das gilt auch für das Hormonsystem. Schilddrüse, Geschlechtsdrüsen und Nebennieren stehen in einem besonderen Zusammenhang zueinander. Diesem Zusammenspiel ordnen sich alle anderen Hormone unter.
Es ist deswegen oft nicht sinnvoll, bei hormonellen Störungen entweder nur das Hormonsystem zu behandeln oder nur ein Hormon. Die Ursache der Probleme kann in einem anderen Organ liegen oder im Zusammenspiel einzelner Hormone untereinander.
Tritt bei einer Hormondrüse eine Fehlfunktion auf, reagieren die anderen Systeme darauf. Damit hat die Einnahme von Hormonen, wie z.B. der Pille, Konsequenzen für andere – oft alle – Hormone und nicht nur für die Drüsen, die für die Produktion von Geschlechtshormonen verantwortlich sind.
Fortpflanzung ist nur im Lebensmodus sinnvoll. Im Überlebensmodus wird dem Körper signalisiert, dass Ressourcen knapp sind. Hier lautet die Botschaft: »Die Energieversorgung dieses Körpers ist nicht sicher! Bitte Schwangerschaft vermeiden, wir kriegen unmöglich – oder nur schlecht – zwei Organismen versorgt!«
Die Geschlechtshormone ordnen sich dem Lebens- oder Überlebensprinzip unter. Deswegen sorgt eine natürlich ausgeglichene Schilddrüsenleistung für eine gute Fortpflanzungsfähigkeit. In Hormon-Sprache ausgedrückt: Es herrscht ein Überschuss an DHEA und Progesteron verglichen mit dem Östrogenspiegel. Dominiert hingegen die Nebenniere, weil der Körper gestresst ist und lediglich überlebt, verhält sich das Östrogen höchstwahrscheinlich gegenüber DHEA und Progesteron dominant, und die Fruchtbarkeit ist vermindert.
Da Desintegration und Überlebensmodus Folgen von Stress sind, können beide Zustände durch seinen Wegfall wieder beendet werden.
Weil Gesundheit meiner Auffassung nach eine Folge von Reintegration ist, führt die Beendigung von Stress zur Gesundheit (Selbstheilungsprinzip).
Das Hormonsystem kommt durch das Stressende automatisch wieder in die Balance.
Für Heilung sind nach meiner Meinung drei Aspekte notwendig: ausreichend Energie, Reintegration und die Rückkehr in den Schilddrüsenstoffwechsel (ins Lebensprinzip).
Ausreichende Energieverteilung und -produktion auf der Zellebene sind Grundlagen für Reintegration.
Durch die Reintegration gelangt der Körper wieder in das Lebensprinzip. Psyche, Gewebe, Organe und Zellen regenerieren sich erst, NACHDEM die Reintegration stattgefunden hat.
Der Übergang von Desintegration zu Integration kann nicht übersprungen werden. Dieser Übergangszustand ist Teil jedes Regulationsprozesses. Sollen Gifte aus dem Gewebe entfernt werden, müssen sie zunächst ins Blut und in die Lymphe, bevor sie von Leber und Nieren ausgeschieden werden können. Dies führt möglicherweise zu Entgiftungssymptomen. Soll der Stoffwechsel dazu gebracht werden, wieder Kohlenhydrate verarbeiten zu können, muss der Mensch sie erst einmal essen. Das kann zu einer Verschlechterung von Symptomen führen. Sollen Traumata bewältigt werden, muss sich dem Schmerz gestellt werden. Gefühle und Gifte können nicht einfach »ausgeleitet« werden, indem sie hübsch verpackt, ungeöffnet und schmerzlos aus dem System geschafft werden. Die sogenannten »Erstverschlimmerungen« müssen eindeutig von den Maßnahmen unterschieden werden, die das System überlasten und somit auf Kosten des Ganzen erfolgen. Erstverschlimmerungen sind vorübergehende (Schmerz-)Zustände und Verschlimmerungen, auf die eine Verbesserung für den
gesamten
Organismus folgt.
Eine (zu) schnelle Steigerung der Energie kann das System überfordern. Daher ist sie in vielen Fällen kontraindiziert (z.B. bei Allergien, Histamin-Intoleranzen oder Traumata).
Zum Zeitpunkt der Abspaltung (Desintegration) müssen Schmerz oder Belastung so groß gewesen sein, dass sie vom System nicht mehr toleriert werden konnten. Ihm drohte der physische oder psychische Zusammenbruch. Also spaltete es etwas um des Überlebenwillen ab, anstatt zu sterben. Auf körperlicher Ebene verschiebt der Körper Gifte und Schwermetalle wie z.B. Quecksilber vom Blut ins Gewebe. Auf psychischer Ebene werden Einsamkeit, negative Glaubenssätze wie »Ich bin wertlos« oder Ängste ins Unterbewusstsein verschoben.
Fand eine Abspaltung statt, ist davon auszugehen, dass der Körper zumindest subjektiv das Überleben bedroht sah. Ansonsten hätte das System sich nicht zur Notmaßname »Abspaltung« entschieden. Wie schnell sich das System bedroht sieht, hängt vom Vorhandensein verschiedener Ressourcen ab – insbesondere dem Energiepotenzial des Körpers und der Reife des Systems als Ganzes.
Reintegration bedeutet, dass Abgespaltenes auf körperlicher Ebene mobilisiert wird und auf psychischer Ebene wieder ins Bewusstsein drängt.
Reintegration darf nicht dazu führen, dass die Schmerzgrenze wieder erreicht wird. In diesem Fall würde sofort wieder eine Desintegration stattfinden. Und echte Heilung erfolgt schließlich nicht auf Kosten von etwas anderem.
Die Desintegrationsschwelle entspricht der Stresstoleranzgrenze. Diese wird von der Summe aller Ressourcen, bestimmt, mit denen Stress vom Organismus verarbeitet werden kann. Stress ist die Summe aller Stressoren, die auf Körper, Geist und, Seele einwirken.
Heilung kann beschleunigt werden, wenn die Desintegrationsschwelle durch mehr Ressourcen gesteigert oder der Stress minimiert wird.
Optimiert wird Heilung, wenn sowohl Stress reduziert als auch die Desintegrationsschwelle gesteigert wird.
Stress sollte auf körperlicher, emotionaler und seelischer Ebene minimiert werden.
Integrationsfähigkeit wird gesteigert, indem Körper, Gefühle und Geist befähigt werden, resistenter gegen ihn zu werden (Steigerung der Ressourcen). Dies wird auch durch die Reife jedes einzelnen Systems und eine gute Vernetzung aller Teilaspekte untereinander gefördert – Stichwort: Selbstregulationsfähigkeit.
Heilung ohne Reintegration ist aus meiner Sicht nicht möglich. Stress verhindert Reintegration. Er lässt sich unterteilen in
aktuelle Stressoren
wie Hunger, Hitze, Schlafmangel und Durst (Alltagsstress) und
abgespaltene Stressoren
(verdrängter Stress).
Abspaltung heißt auch, dass Erlebnisse und andere Erinnerungen »komprimiert und weggepackt« werden. Das System agiert wie jemand, der altes Zeug in Kisten im Keller verstaut, oder einer, der am PC seine Dateien zum Verschicken komprimiert. Heute Abgespaltenes war früher ein heftiger Stressor, der die Desintegrationsschwelle überschritten hätte. Dieser komprimierte Stressor verbraucht weiter Energie, selbst wenn er im komprimierten Zustand im äußersten Winkel des Unterbewusstseins oder im Bindegewebe eingeschlossen wird.
Bei der Reintegration müssen die alten Stressoren wieder hervorgeholt und dekomprimiert werden. Auch das verlangt Energie. Und es bedeutet neuen Stress, für den das System die nötigen Ressourcen zur Verarbeitung braucht. Bis zu ihrer Neutralisierung brauchen dekomprimierte und ausgepackte Stressoren etwa doppelt so viel Energie wie im komprimierten Zustand und genauso viel Energie oder Ressourcen wie zum Zeitpunkt ihrer Entstehung.
Daher müssen Energie und Ressourcen des Systems gesteigert werden, bevor komprimierte Stressoren aus der Versenkung geholt werden. Sonst überlastet das System, und die Reintegration findet nicht statt. Auf körperlicher Ebene sollten neben einer gesunden Zellenergie dazu z.B. die Entgiftungsorgane gestärkt werden. Emotional muss sich das Nervensystem entladen. Und mental wird ein Perspektivwechsel stattfinden müssen. Das heißt, der Geist muss erkennen, dass das Gesamtsystem nun ausreichend Ressourcen zur Verfügung hat, um die ehemals abgespaltenen Stressoren zu verarbeiten.
Selbstregulierung heißt nach meiner Auffassung, Abspaltungen zu reintegrieren. In der Regel geschieht das automatisch mit den jüngsten Abspaltungen zuerst: Auf körperlicher Ebene werden die obersten Toxin-Lagen als Erstes ausgeschieden. Psychisch betrachtet, verabschieden sich akute Schocks vor Kindheitstraumata.
Dieses Prinzip trägt die Bezeichnung
Retracing
. Hierdurch kann eine natürliche Regulation aller körperlichen und psychischen Prozesse stattfinden. Stress wird minimiert, Ressourcen werden gestärkt. Das Hormonsystem kommt (wieder) in Balance, und der gesamte Organismus wechselt automatisch in den Schilddrüsenstoffwechsel, das Lebensprinzip. Durch verbesserte Ressourcen ist die Wahrscheinlichkeit neuer Abspaltungen geringer.
Merke: Automatisch ist nicht gleichzusetzen mit mühelos und erst recht nicht ohne Veränderung. Retracing heißt, dass jede im Sinne der Gesundheit »falsch« getroffene Entscheidung rückgängig gemacht werden muss. Sollten die hier vorgestellten Prinzipien
tatsächlich
(und nicht nur nach meiner Auffassung) naturwissenschaftlichen Prinzipien entsprechen, wären sie nicht diskutabel. Wer sich nicht an sie hält, muss mit den Konsequenzen leben.
Der in diesem Buch vorgestellte Ansatz zur Behandlung hormoneller Störungen – sowohl ganzheitlich als auch ursächlich – ist nicht neu. Schon die Ureinwohner Nordamerikas waren darin bewandert, ihre Fruchtbarkeit zu kontrollieren.14 Auch der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) sind hormonelle Interaktionen im Gesamtorganismus bekannt. Das Wort »Nebennieren« kommt zwar in der Sprache der TCM nicht vor, doch die Funktionsbeschreibung des Nierenkreislaufs lässt darauf schließen, dass mit »Nieren« in der TCM auch die Nebennieren gemeint sein müssen. Und selbst in der traditionellen europäischen Medizin wurde diese Thematik nicht außer Acht gelassen (4-Elemente-Lehre, Medizin nach Hildegard von Bingen). Noch in den Anfängen der modernen »westlichen« Schulmedizin herrschte ein weit größeres Bewusstsein für hormonelle Zusammenhänge als heute. Ganz selbstverständlich floss es in ganzheitliche Behandlungsansätze ein. Es mochte daran liegen, dass zu diesem Zeitpunkt noch Grundlagenforschung den medizinischen Diskurs beherrscht hat. Selbst die damals angewandten Diagnosemethoden waren den heutigen labormedizinischen Untersuchungen häufig um ein Vielfaches überlegen, weil sie sich auf eher einfache, aber grundlegende Vorgänge im Körper bezogen.
Vor 100 Jahren waren ganzheitliche hormonelle Behandlungen üblicher als heute. Ein Blick auf die folgenden über 100 Jahre alten Vorher-Nachher-Bilder verdeutlicht, was hormonelle Therapien bewirken können.
Dieser männliche Patient (s. Seite 37 oben) wurde mit natürlichen Schilddrüsenpräparaten behandelt. Diese wurden bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts von Medizinern eingesetzt16. Im linken Bild sind typische Zeichen einer Schilddrüsenunterfunktion zu sehen: Korpulenz; Schwellungen (besonders rund um die Augenpartie); schlaffes, hängendes Bindegewebe; eingesackte Körperhaltung; müder Gesichtsausdruck.
Auch dieser Mann (s. Seite 37 rechts oben) hat natürliche Schilddrüsenpräparate bekommen. Deutlich sichtbar ist der Rückgang der Hyperpigmentierung im Gesicht und vermehrter Haarwuchs auf dem Kopf nach der Behandlung. Das Gesicht des Mannes ist deutlich abgeschwollen, die Haut weniger teigig.
Abb. 23
Mitochondrium: Ort der Energieproduktion in der Zelle
Primärer Brennstoff des Mitochondriums ist Glukose (Zucker), die Hauptaufgabe von Kohlenhydraten die Energieproduktion.177 Ein gesundes Mitochondrium stellt daraus 36 ATP her178, ein krankes hingegen im schlechtesten Fall 0. Der Körper greift im Notfall in die Trickkiste und beschreitet alternative Stoffwechselwege: Mit der anaeroben Glykolyse ringt er der Glukose außerhalb des Mitochondriums immerhin noch 2 ATP ab.179
Wieder einmal ist es Stress, der diesen massiven Verlust in der Energieproduktion bewirkt. Wie bereits beschrieben, wird der Stoffwechsel im Überlebensmodus langsamer, um Energie zu konservieren, bis nur noch fünf Prozent der ursprünglichen Energie aus einem Zuckermolekül gewonnen werden können.
Der Energieverlust in der Zelle zieht weitere Konsequenzen nach sich: Gelangt durch die Mitochondriopathie kein Zucker in die Zelle, tritt Kalzium ein. Diese Kalziumüberladung führt zur Zerstörung des Mitochondriums. Das frei werdende Kalzium bildet ein Erregungspotenzial. Eine solche Stimulierung, die ohne Energiegewinnung stattfindet, führt zur Zersetzung von Zelleiweißen und schließlich zum Tod der Zelle.180
Mitochondrien können außerdem durch Stressoren geschädigt werden, die außerhalb des Mitochondriums liegen. Dazu zählen unter anderem:
Störungen des Nervensystems,
psychische Störungen,
Gifte,
Schwermetalle,
manche Medikamente, z.B. Statine
181
,
Strahlung, z.B. Röntgen
182
,
Dunkelheit (siehe oben).
Konsequenzen für Sie:
Mitochondriopathien führen zu Energiemangel und Zelltod. Sterben mehr Zellen und Mitochondrien als neue gebildet werden, leidet der Körper unter Energiemangel. Hieraus können sich Krankheiten funktionaler und organischer Natur entwickeln. Alterung findet verstärkt statt.
Im Stress bilden die Zellen Resistenzen gegen Substanzen, die Energie produzieren oder verteilen.
Kurz gesagt:
Im Stress lässt es sich vor vollen Trögen verhungern.
Wie bereits dargestellt, wird die Energie des Körpers in den Zellen hergestellt. Das heißt, dass alle Ressourcen, die zur Energiegewinnung nötig sind, in die Zelle gelangen müssen. Das gilt für Glukose, Sauerstoff und Schilddrüsenhormone sowie für die Co-Faktoren der Energieproduktion wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente.
Mit anderen Worten: Es nützt nichts, wenn diese Stoffe zwar im Blut vorhanden sind, aber nicht in die Zellen gelangen.
Genau das aber kann passieren, wenn das System »Mensch« im Stress ist: Die Zellen machen dicht. Ein Beispiel ist Zucker, einer der Hauptbaustoffe der Energieproduktion. Ein hoher Blutzuckerspiegel ist noch lange kein Garant für eine gute Zellversorgung mit Zucker. Dieses Problem hat sogar einen Namen: Diabetes mellitus Typ 2. Diese Erkrankung geht einher mit einer Insulinresistenz der Zellen. Die meisten Zellen benötigen Insulin (übrigens auch ein Hormon), um Zucker in die Zellen zu kriegen. Es ist sozusagen eine Art Zelltüröffner für Zucker. Bei einer Insulinresistenz der Zelle bleibt die Tür zu und der Zucker draußen. Das führt einerseits zu Problemen in der Energieproduktion und andererseits zu Schwierigkeiten für die Gefäße, auf die Zucker ab einer bestimmten Konzentration toxisch wirkt. Irgendwann fängt dann die Blutversorgung des Gewebes an zu leiden. Durchblutungsstörungen und der Untergang von Zellgewebe sind einige der unschönen Folgen.
Es stellt sich die Frage, warum der Körper sich selbst den Zucker auf der Zellebene anscheinend verwehrt. Ganzheitlich betrachtet, heißt es, er verwehre sich die Süße des Lebens bzw. die Lebensgrundlage. Damit wäre Diabetes mellitus Typ 2 eine Art Selbstzerstörungsprogramm. Welche biologischen Gründe könnte es hierfür geben? Stress, lautet auch hier wieder die Antwort. Denn es ist bekannt, dass Kortisol183 und Adrenalin184 Insulinresistenz erzeugen können. Hinzu kommt, dass es die oberste Priorität des Körpers ist, zu überleben. Fehlt ihm Glukose, kann er zur Energieerzeugung Fette (in Form von Ketonkörpern) für den Zitratzyklus nutzen. Bei Diabetes Typ 2 passiert genau das. Diese Form von Verbrennung hat allerdings einen hohen Preis: Der Körper übersäuert.185 Das bedeutet Zellstress. Und der ist alles andere als gesund, sondern ein absolutes Notprogramm (Abb. Seite 20) das seinerseits noch mehr Stress erzeugt.
Zudem können im Zitratzyklus Glukose und Fette nicht gleichzeitig verbrannt werden. Sobald sich die Fettverwertung eingestellt hat, wird nicht mehr auf Glukose zurückgegriffen, gleichgültig, wie viel davon vorhanden sein mag. Dieses Phänomen heißt Randle-Zyklus186 und wird hauptsächlich von drei Hormonen ausgelöst: einem Wachstumshormon aus der Hypophyse sowie Kortisol und Adrenalin aus der Nebenniere.187 In der Quintessenz bedeutet das, dass ein gestresster Organismus Glukose nicht richtig verwerten kann.
MEINE ERFAHRUNG AUS DER PRAXIS:
Der aktuelle Trend im »Biohacking«, den Körper in die Ketose zu bringen, ist aus meiner Sicht komplett sinnentleert. Viele Menschen befinden sich ohnehin bereits in der Ketose oder sind zumindest auf dem besten Weg dorthin (siehe Hungerstoffwechsel, Seite 231), was keinesfalls zu begrüßen ist. Einerseits werden überall die großen Gefahren von Insulinresistenz und Diabetes Typ 2 beschworen, andererseits soll der Mechanismus, der dazu führt, gesund sein? Meiner Meinung nach ist es unerheblich, dass sich manche Menschen unter ketogenen Diäten zunächst besser fühlen und abnehmen, weil die langfristigen Nebenwirkungen (die dann selten mehr auf die ketogene Ernährung zurückgeführt werden) unannehmbar sind und nicht umgangen werden können. Kohlenhydrate sind und bleiben aus meiner Sicht (und der der traditionellen Grundlagenforschung188) physiologischer Energielieferant. Ketose zwingt die Nebennieren in den Stressmodus,189 weil sie normalerweise nur im Stressmodus aktiviert wird. Es bleibt mir ein Rätsel, wie behauptet werden kann, dass Ketose die Nebennieren schone. Die Aktivierung der Nebennieren vermittelt zunächst das Gefühl von Energie und geistiger Klarheit. Das ist die Wirkung von Adrenalin und keine Wunderwaffe des Biohacking! Wer nun behauptet, keine Kohlenhydrate zu vertragen und sich deswegen ketogen zu ernähren, sollte meines Erachtens nicht die Kohlenhydrate dafür verantwortlich machen. Sinnvoller ist es zu verstehen, warum sie nicht vertragen werden.
Der Glukoseresistenz folgen oft weitere Zellresistenzen, wobei die Idee von der Existenz allgemeiner Zellresistenzen durch Stress kein allgemein anerkanntes schulmedizinisches Konzept ist. Bekannt ist jedoch, dass Zellen im Überlebensmodus eine Schutzreaktion zeigen, durch die Wachstum unterbunden wird, indem sich die Zellen verschließen. Dadurch werden Nährstoffe weniger aufgenommen und Stoffwechselendprodukte vermindert ausgeschieden.190 Von diesem allgemeinen Zellprinzip ausgehend, lässt sich also leicht erschließen, dass der Körper sich auch gegen alle das Wachstum fördernden Hormone (anabol wirkende Hormone) verschließen wird, solange er sich im Überlebensmodus befindet. In Studien hat sich dieser Effekt bei Progesteron bestätigt,191 in meiner Praxis habe ich ihn auch im Hinblick auf DHEA, Testosteron u.a. beobachten können.
Laut des Nutritional Balancing gelangen auch Schilddrüsenhormone oft nicht im optimalen Ausmaß ins Zellinnere.192 Wie durchlässig eine Zelle ist, hängt gemäß dieser Auffassung von dem Verhältnis bestimmter Mineralstoffe zueinander in ihrem Inneren ab. Kalzium macht demnach die Zelle beispielsweise weniger durchlässig für Schilddrüsenhormone.193 Und gerade Kalzium tritt bei Stress verstärkt in die Zelle ein.194
Ein anderes Beispiel für zelluläre Eintrittsproblematik bei Stress ist Sauerstoff. Er wird im Mitochondrium indirekt als Helfer des Zitratzyklus gebraucht. Gelangt er nicht in die Zelle, fehlt er bei der Energieproduktion, der Stoffwechsel stellt Energie nicht mehr aerob, sondern anaerob her. Stress sperrt also meiner Auffassung nach die zur Energieproduktion benötigten Stoffe rigoros aus den Zellen aus! Da nützt es auch nichts, wenn sie im Blut ausreichend vorhanden sind.
Die Zelle entwickelt meiner Auffassung nach bei einem Mangel an Glukose, Sauerstoff oder Schilddrüsenhormonen nicht nur eine Resistenz gegen diese Stoffe selbst, sondern auch gegen die anderen Überflusshormone, nicht nur das Progesteron195. In Bezug auf DHEA gibt es zwar noch keine dementsprechenden Studien, doch da DHEA und Testosteron sich in der Regel mit Progesteron und den Schilddrüsenhormonen bewegen, ist dieser Effekt auch bei DHEA und Testosteron anzunehmen. Auch Pregnenolon, das im Zellinneren produziert wird, wird bei zunehmendem Zelltod knapp, weil es weniger hergestellt wird.
FALLBEISPIEL:
Eine Patientin kam mit Symptomen wie Schlaflosigkeit, PMS, Schwindel, Übelkeit und unregelmäßigem Stuhlgang in meine Praxis. Sie kümmerte sich um ihre Kinder und betrieb gemeinsam mit ihrem Mann ein Restaurant, war im Alltag also recht eingespannt. Einige Jahre vorher hatte sie eine persönliche Krise durchlebt, weswegen sie ihre Kindheit bereits aufgearbeitet hatte. Sie litt, zusätzlich zu den geschilderten körperlichen Symptomen, unter dem Verlust ihrer Kreativität. Sie wollte gerne wieder wie früher malen, traute es sich aber nicht mehr zu. In der Zeit, in der mich die Patientin aufsuchte, arbeitete ich noch oft mit Hormonersatztherapie. Daher empfahl ich ihr Progesterongel und eine von mir als effektiv erachtete Nahrungsergänzung.
Die Stoffwechselanalyse ihrer Haare legte nahe, dass die Patientin keine chronische Erschöpfung hatte, also genug Zellenergie, um die Substitutionstherapie zu verkraften. Und dadurch zählte sie zu den wenigen, bei denen die Substitutionstherapie mit Progesteron eine Besserung der Symptome bewirken konnte. Drei Wochen nach Beginn der Progesterontherapie hatte sie 18 Nächte gut geträumt, war hervorragend eingeschlafen, zwischendurch nicht aufgewacht, hatte kaum noch PMS-Symptomatik und war ausgeglichener. Allerdings hatte sie in der Progesteronpause der 1. Zyklushälfte starkes Brustspannen. Nach weiteren drei Monaten hatte die Patientin keinerlei Beschwerden mehr vor oder während der Menstruation. Nahm sie das Progesteron nicht, war ihr etwas übel (Progesteron hilft bei Unterzuckerung, zu deren Symptom unter anderem Übelkeit zählt). Trotz ihres stressigen Alltags ging es ihr gut, und sie erkannte nun, wann es Zeit war, sich etwas zurückzunehmen und sich auszuruhen. Vielleicht könnte in diesem Fall von einer erfolgreichen Substitution gesprochen werden, wenn die Regulation durch das Progesteron umfassend stattgefunden hätte. Dagegen spricht, dass die Patientin dauerhaft substituierte, um keine Symptome zu haben. Die hormonelle Balance hat sich also nicht vollkommen eingestellt.
Im Nachhinein betrachtet, gehört diese Patientin zu den einfachen Fällen in meiner Praxis, die eher die Ausnahmen von der Regel bilden. Damals habe ich auch noch nicht so strikt auf die Ernährung meiner Patienten geachtet. Nach vielen Jahren der Erfahrung mit der hormonellen Regulierung bestehe ich inzwischen als Erstes auf eine Ernährung, die den Blutzuckerspiegel unterstützt, was gerade in puncto Progesteron therapieentscheidend ist.
Zellresistenzen werden meiner Auffassung nach von Stresshormonen verursacht, manchmal auch von Co-Faktoren der Energieproduktion. Nährstoffe können die Stressreaktion in Verbindung mit der Zellresistenz laut des Nutritional Balancing auch wieder aufheben, wenn die metabolische Bremse – Kalzium – entfernt wird196 – vorausgesetzt, es ist Glucose vorhanden. Mehr dazu im weiteren Verlauf.
Blutzucker und Hormone
Konsequenzen für Sie:
