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Südtirol ist mit über 30 Millionen Übernachtungen pro Jahr eine der beliebtesten Urlaubsziele in Europa. Nicht nur traumhafte Bergpanoramen, sondern auch großartige Kulinarik und exzellente Weine machen diese Region so beliebt.Gastronom, Gourmet und Weinkritiker Otto Geisel nimmt seine Leser mit auf eine Reise zu den 40 führenden Winzern seiner zweiten Heimat Südtirol. Kaum jemand kennt sich in der Weinszene Südtirols besser aus als er. In persönlichen Texten und stilvollen Porträtfotos beschreibt er die Menschen hinter den Weinen, ihre Geschichte, die Stile und den Anbau ihrer Weine und ihre kulinarischen Tipps in der Region. Ergänzt wird dieses kulinarische Wein-Lesebuch um empfehlenswerte Vinotheken und typische Südtiroler Rezepte. Die einzigartige Porträt- und Landschaftsfotografie von Joachim Schmeisser machen das Buch auch optisch zu einem Hochgenuss. Ein opulentes Lesebuch und Reiseführer für jeden Weinliebhaber.
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Seitenzahl: 103
Veröffentlichungsjahr: 2020
Bozen & St. Magdalena
Eisacktal mit Völs am Schlern
Eppan & Girlan mit Kalterer See
Tramin, Kurtatsch, Neumarkt & Montan
ETschtal & Vinschgau
vorwort
autor & Fotograf
impressum
GENUSS, INSBESONDERE BEIM WEIN, ist nicht auf die reine Sensorik beschränkt, denn Geschmack ist weder mit dem Metermaß messbar noch mit der Stoppuhr festzuhalten und auch nicht mit der Briefwaage zu wiegen. Kurz, für Geschmack gibt es keine Mathematik!
Weingenuss hat immer mit Menschen zu tun, Wein ist Kommunikation und geteilte Freude, Weingenuss für sich allein im stillen Kämmerlein ist für mich nicht vorstellbar.
Weingenuss hat aber auch immer mit den Menschen zu tun, die wie gute Gärtner die Rebpflanzen das ganze Jahr über hegen und pflegen, dann einen präzisen Lesezeitpunkt festlegen, um das Optimum zu ernten, was die Natur in Form von Weintrauben an Ausdruck zu bieten hat. In den Weinkellern geht die Pflege weiter, denn nun sollen hier mittels Gärung, Ausbau und Reifezeit meist im Holz durch sanfte Oxidation – Louis Pasteur: „Der Sauerstoff macht den Wein!“ – authentische Weinpersönlichkeiten heranwachsen, die bestmöglich ihre Herkunft und die Handschrift des Winzers reflektieren sollen.
Dass diese Arbeit viel Wissen voraussetzt, mindestens genauso viel Liebe zum Detail benötigt und oft auch den Verzicht auf den schnellen wirtschaftlichen Erfolg bedeutet, legt durchaus einen philosophischen Gedankenansatz nahe. Und ganz genau um diesen Aspekt zu diskutieren und darüber zu philosophieren machen einen Großteil des Weingenusses aus, denn ohne das Wissen um das Woher, Warum und Wieso ist alles nichts.
Das verbindende Element für Wein und Genuss ist der Tisch, nicht umsonst leitet sich das Wort Diskussion von dieser so wichtigen wie wohltuenden Kommunikationsplattform ab. Alle in diesem Buch vorgestellten Weingutsbesitzer-, Winzer- und Kellermeisterpersönlichkeiten sind herausragende Gastgeber – so wird ein Besuch auf einem Weingut oder in einer Kellerei auch meist zu einem Besuch bei Freunden. Diese Gastlichkeit ist in keinem europäischen Weinanbaugebiet ausgeprägter und herzlicher als in Südtirol, und genau dies wiederum ist die Voraussetzung für unvergessliche Genussmomente, zu denen über die persönliche Begegnung hinaus auch das moderne architektonische Ambiente genauso beiträgt wie das historische Gemäuer, das Naturerlebnis im Weinberg selbst, der würzige Speck, der luftige Knödel oder der liebevoll affinierte Käse.
Um dieses Gesamterlebnis der Südtiroler Genusskultur zu vermitteln, ist dieses Buch entstanden, mit sehr persönlichen Schwarz-Weiß-Porträts von meinem Freund Joachim, mit den gastronomischen Lieblingsadressen der Hauptakteure selbst und mit manch unerwarteten Einblicken in Text und Bild. Das Buch versteht sich allerdings nicht als Generalschlüssel zu den Südtiroler Genusswelten, denn der liegt nun mal in jedem wahrhaftigen Genießer selbst. Im Grunde braucht es für diese inspirierenden Erfahrungen auch keinen Schlüssel, denn in Südtirol wird man selbst bei den berühmtesten Weingütern nie – wie das in anderen Weinanbauregionen leider inzwischen üblich ist – vor verschlossenen Türen stehen.
Im sympathischen Familienweingut von Hannes und Margareth Pfeifer hat der Vernatsch, die klassischste aller Südtiroler Rebsorten, seine höchste Wertschätzung und Heimat zugleich.
DER ERSTE VERNATSCH ÜBERHAUPT, besser gesagt, der erste St. Magdalener, ein Wein aus Vernatsch mit einem minimalen, weniger als zehnprozentigen Anteil der urwüchsigen und im Grunde nicht weniger für Südtirol – im Speziellen für Bozen – typischen Rebsorte Lagrein, der den gestrengen und eigentlich in Barolo und Brunello verliebten Juroren des mächtigsten italienischen Weinführers „Gambero Rosso“ mit dem Jahrgang 2014 die Höchstbewertung mit „3 Gläsern“ wert war, stammt aus diesem Weingut, genau vor den Toren Bozens, am Ende des Eisacktals. Hier pflegt man auch noch die Tradition des gemischten Satzes, wofür beide dieser autochthonen Rebsorten in ein und derselben Parzelle kultiviert werden, sehr schön zu erkennen, wenn sich im Herbst die Blätter des Vernatsch gelb und die des Lagrein, meist wie ein Bilderrahmen um den Vernatsch herumgepflanzt, dunkelrot färben.
GLAS
Dass diese schöne Tradition, die Liebe zu gutem Wein und gutem Essen, wie es ganz besonders auf dem Patscheiderhof, etwas oberhalb am Ritten bei Signat gelegen, schätzt, auch weiterhin gelebt wird, ist auf dem PFANNENSTIELHOF bereits so gut wie ausgemacht. Tochter Anna hat parallel zum Biologie- und Lebensmitteltechnologiestudium in Innsbruck bereits zusammen mit ihrer Mutter die Sommelierprüfung gemacht und Tochter Veronika hat sich mit dem Studium an den Weinbauhochschulen in San Michele im Trentino und Geisenheim im Rheingau voll und ganz dem Wein verschrieben. Kein Wunder also, dass hier längst schon der nächsthöhere Anspruch an das klassische St.-Magdalener-Gebiet mit einer „Riserva“-Qualität, durch späte, selektive Lese sowie ein halbes Jahr längere Fassreife, umgesetzt ist: „ANNVER“ heißt der neue St. Magdalener und ist damit ein Qualitätsversprechen wie auch eine in die Zukunft reichende Verpflichtung für Anna und Veronika.
PFANNENSTIELHOF
HANNES UND MARGARETH PFEIFER
PFANNENSTIELWEG 9
39100 BOZEN
TEL +39 0471 97 08 84
WWW.PFANNENSTIELHOF.IT
HOFVERKAUF MÖGLICH
TELLER
Der Handel mit exotischen Gewürzen begründete den Wohlstand der Stadt Bozen bereits im Mittelalter. Wie aus verschiedenen landesfürstlichen Rechnungsbüchern und Notariatsdokumenten hervorgeht, sind orientalische Gewürze wie Safran, Ingwer, Zimt, Muskatnuss, Pfeffer und Rohrzucker dokumentiert. Bockshorn, die Früchte vom Johannisbrot-, auch Karubenbaum genannt, ursprünglich aus Indien kommend, wo er schon im Altertum als Heil- und Würzmittel hoch geschätzt wurde, wurde von Benediktinermönchen in Südtirol eingeführt. Sie kultivierten ihn in ihren Klostergärten und verwendeten ihn als Mehl in der Küche. Kein Wunder also, dass LUIS ROTTENSTEINER vom PATSCHEIDERHOF, der nicht nur von Südtiroler Genussmenschen gefeierte König der Knödel, Teigtaschen und Schlutzkrapfen, sich mit einem speziellen Rezept – mit Selchfleisch gefüllte „Boxelemehl“-Teigtaschen auf Kartoffel-Sauerkraut – dieser großen Bozner Tradition widmet und damit eine köstliche wie kongeniale Verbindung zum Bozner „Hauswein“ am Ritten schafft.
PATSCHEIDERHOF
FAMILIE ROTTENSTEINER
39059 SIGNAT | POST OBERBOZEN | RITTEN
+39 0471 36 52 67
WWW.PATSCHEIDER-HOF.COM
Anna und Veronika sind schon in Position.
Nicht ganz einfach zu finden, aber mehr als lohnenswert ist der Besuch auf dem Erbhof Mayr-Unterganzner in Kardaun, Geburtsstätte des eigenwilligsten und gesuchtesten Südtiroler Rotweins.
NICHT NUR AUF DIE ROTWEIN-IKONE „LAMAREIN“, die „aus ausgewählten kleinen, getrockneten Lagrein-Trauben“ entsteht, ist das Augenmerk der zu viert arbeitenden Familie Mayr gerichtet. Hier gilt nämlich immer noch der Leitsatz: „An den Basisweinen wird man gemessen!“ Das ist auch der Grund, warum an einer sympathischen wie klugen Südtiroler Weinbauerntradition festgehalten wird: nur an Stammkunden und nur ab Hof einen sogenannten Basis-Lagrein zu verkaufen, der eigentlich eine „Riserva“-Qualität ist, die allerdings „nur“ fünf Monate in Barriques gereift ist. Dem Lagrein insbesondere und dies in mehreren Varianten und Qualitätsstufen, auch in der noblen Cuvée „Reif“ aus erst nach Allerheiligen bis Mitte November gelesenen Trauben, wird als wichtigster Weinsorte am Hof natürlich eine ganz besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
GLAS
Durch jahrzehntelange Selektionsarbeit sind Rebenabkömmlinge entstanden, die höchste Weinqualität und Persönlichkeit garantieren, zwei Attribute, wie sie vom als „Erbhof“ klassifizierten Traditionsgut UNTERGANZNER nicht wegzudenken sind. Bereits seit 1629 werden hier von Familie Mayr Reben kultiviert, heute ist das die Familie von JOSEPHUS UND BARBARA MAYR. Die liebt „die Vielfalt nicht nur beim Wein“, weshalb auch Kaki, Kiwi, Kastanien, Äpfel, Feigen und Oliven angebaut werden. Aus Letzteren wird „seit einigen Jahren in Eigenproduktion das erste Olivenöl Südtirols“ hergestellt, „aus immerhin 25 verschiedenen Olivensorten, denn niemand konnte uns sagen, welche Sorte für Südtirol die richtige ist“.
ERBHOF UNTERGANZNER
JOSEPHUS UND BARBARA MAYR
KAMPILLERWEG 15(AN DER INNSBRUCKERSTRASSE)
39053 KARDAUN | BOZEN
+39 0471 36 55 82
WWW.MAYR-UNTERGANZNER.IT
TELLER
Dort, wo der Eggentaler Bach in den Eisack mündet, umringt zum Schutz vor gefährlichen Überschwemmungen eine noch bestehende Wassermauer von 1779 den gesamten Mayr’schen Weinhof. Nicht nur die räumliche Nähe zum Restaurant mit Hotel EGGENTALER von ARMIN SCHMIEDER verbindet diese etwas versteckt liegenden Plätze des anspruchsvollen Genusses miteinander. Der Eggentaler ist mittags wie abends immer gleich gut besucht, weshalb sich eine Reservierung auch an einem von den Touristenströmen so entlegenen Platz unbedingt empfiehlt, vielleicht auch ein Grund, warum sich dieses Haus vor allem bei Einheimischen größter Beliebtheit und größtem Zuspruch erfreut. Lange hat sich in Südtiroler Kreisen herumgesprochen, dass Chef-Patron Armin hervorragendes Fleisch bestens zu reifen und zuzubereiten weiß und ganz nebenbei – wie könnte es in dieser Nachbarschaft auch anders sein – über eine von Sohn Moritz umsichtig verwaltete, ganz exzellente Weinkarte mit etlichen Trouvaillen verfügt, aber natürlich auch das Beste aus dem Unterganzner-Keller hier zu finden ist. Eigentlich unnötig zu beschreiben, dass sich hier zwei gefunden haben, die sich auf das Allerfeinste ergänzen: bestes Fleisch vom Grill mit aromatischen Röstnoten und die kräftigen Rotwein-Persönlichkeiten von gleich nebenan.
EGGENTALER
ARMIN SCHMIEDER
EGGENTALERSTR. 47
39053 KARDAUN | BOZEN
+39 0471 36 52 94
WWW.EGGENTALER.COM
Klarer Geist, Josephus Mayr.
Pranzegg ist ein bereits im 16. Jahrhundert erwähnter Hof in Bozen-Kampill, den Martin Gojers Großmutter in den 1930er-Jahren ersteht.
2009 IST MARTIN GOJERS ERSTER JAHRGANG des aktuell aus drei Hektar steiler Weinberge bestehenden Guts. Martin als nur eigenwillig zu beschreiben, würde diesem passionierten Winzer nicht wirklich gerecht werden, selbst sieht er sich als Kultur- und Naturbotschafter: „Weinbauer zu sein bedeutet für mich in erster Linie vom Gebiet, dem Ort, an dem wir leben, dem Jahrgang und unserer Lebensweise zu erzählen. Um das unverfälscht tun zu können, arbeiten wir biodynamisch.“ Und so erweist sich Martin im Gedankenaustausch über seine Weine sowohl von der wissenden, pflegenden Seite, ganz wie ein guter Gärtner eben in erster Linie das Wohl seiner Pflanzen im Auge hat. Auf der anderen Seite hat er aber auch Wein für Wein ein ganz klares Geschmacksbild im Kopf, welches er hochsensibel nicht nur bei der Weißwein-Cuvée „Tonsur“ zu komponieren weiß. Und zu guter Letzt führt die ureigene Freude am Genuss auch noch zu einer durchaus weitsichtigen Betrachtungsweise, denn sein Bestreben, geschmacklich intensive Weine mit moderatem Alkoholgehalt auf die Flasche zu bringen, ist im sonnenverwöhnten Südtirol eher die Ausnahme.
GLAS
Die durchwegs charakterstarken, im positiven Sinne kantigen Vernatsch-Weine sind das Herzstück der PRANZEGG-Produktion, mit einem aus der Reihe tanzenden „Fuori Serie“ aus 60 Jahre alten Reben an der Sortimentsspitze. Aber auch, was MARTIN GOJER aus der Südtiroler Paradesorte Gewürztraminer zu komponieren weiß, ist alles andere als der gefällige, meist mit Restsüße abgerundete Mainstream. Ganz im Gegenteil, denn bei dieser Komposition betört und verwirrt das ungemein duftige Bukett zum Auftakt mit einem durch und durch trockenen, deutlich salzig schmeckenden Finale! Dass diese zu hohen Zuckerwerten neigende Rebsorte in der Pranzegg-Version mit vergleichsweise schlanken zwölf Prozent im Glas steht, ist der ganz bewusst frühen Lese, dem Nichtentblättern der Rebstöcke und einer fünftägigen Maischestandzeit zu danken. Martins knappe wie klare Ansage dazu: „Wir lesen, wenn die Trauben Weintrauben und noch keine Speisetrauben sind!“
WEINGUT PRANZEGG
MARTIN GOJER
KAMPENNERWEG 8
39100 BOZEN | KAMPILL
TEL. + 39 0328 459 19 61
WWW.PRANZEGG.COM
HOFVERKAUF MÖGLICH
TELLER
Dass Martins vinologische „Eigenwilligkeit“ zu einer ebenso eigenständigen kulinarischen Lieblingsadresse ins Sarntal, in der Nähe zu Bozen führt, ist so nicht verwunderlich. Eine eigene Welt für sich ist das 1689 erstmals urkundlich erwähnte Bauernbad Schörgau mit seinem außergewöhnlich schönen Hotel, dem RESTAURANT ALPES und einem großen Weinkeller. Die Liebe des Patrons und Gastgebers GREGOR WENTER für guten Käse und Wein ist legendär und gleichermaßen die kulinarische Konstante in diesem gastronomisch anspruchsvollen wie innovativen Haus. Das junge und experimentierfreudige Küchenteam unter Leitung von Mattia Baroni steht für frische Ideen rund um den ursprünglichen Geschmack Südtirols und Italiens und bietet mit sinnlichen Kreationen wie der „Wald-Ente“, in deren Sauce auch frisches Waldmoos verarbeitet wird, den geschmacklichen Kontrapunkt zu den ebenso außergewöhnlichen Pranzegg-Weinen.
RESTAURANT ALPES IM HOTEL BAD SCHÖRGAU
FAMILIE WENTER
39058 SARNTAL
TEL. +39 0471 62 30 48
WWW.BAD-SCHOERGAU.COM
„Vino Rosso Leggero“, der Name ist Programm.
Martin weiß, wo es langgeht, und hält damit auch nicht hinterm Berg.
Egal, was Christian Plattner vom Ansitz Waldgries in Sachen Weingenuss so anpackt, es wird mit Sicherheit ein Wurf.
DIES GILT FÜR DEN SINNLICH ERFAHRBAREN SPAZIERWEG
