Weise, wild und weiblich - Tala Mohajeri - E-Book

Weise, wild und weiblich E-Book

Tala Mohajeri

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Beschreibung

Entdecke die Göttin in dir Gaia hilft dir dabei, dich zu erden und dich stärker mit dir verbunden zu fühlen. Indem du Kali Mas Weisheit annimmst, kannst du dich von Belastungen befreien. Praktiziere die Kunst der Selbstliebe, inspiriert von Aphrodites Anmut und Schönheit. Folge Freya, entdecke deine eigene wilde Natur und komme deiner Freiheit und Ungezwungenheit näher. Lausche den Stimmen dieser und weiterer Göttinnen und erfahre die Kraft von heilenden Ritualen. Die uralten Mythen und Geschichten über Göttinnen beinhalten eine Weisheit, die auch heute noch heilsam, lehrreich und aktueller denn je ist. Tala Mohajeri, Heilpraktikerin, Life Coach und Waldhexe, macht dieses alte Wissen anhand von zwölf ausgewählten Göttinnen aus der nord- und südeuropäischen sowie asiatischen Mythologie für moderne Frauen erfahrbar. Sie zeigt, dass die Göttinnen für dich wichtige Erkenntnisse bereithalten.  Entdecke, welche Botschaft die Göttin hat, wie du dich mit der Energie der Göttinnen verbindest, welche Rituale dir helfen und wie du sie gestaltest, welche Heil- und Wildpflanzen den Göttinnen zugeordnet werden und welche Meditation dir hilft, in deine Kraft zu kommen. Du lernst:  •    wie du herausfindest, welche Botschaft die Göttin für dich hat, •    wie du dich mit der Energie der Göttinnen verbindest, •    welche Rituale dir helfen und wie du sie gestaltest, •    welche Heil- und Wildpflanzen den Göttinnen zugeordnet werden und wie du sie nutzt, •    welche Meditation dir hilft, in deine Kraft zu kommen. •    Alle Meditationen gibt es auch als Autodatei zum Buch. 

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 268

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Tala Mohajeri

Weise, wild und weiblich

Erwecke die Göttin in dir

Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.

Über dieses Buch

Entdecke die Göttin in dir

Mithilfe dieses Buches finden wir auf unseren ureigenen spirituellen weiblichen Weg zurück. In einer stetig sich wandelnden Welt brauchen wir heilsame Geschichten, Mythen und Rituale. Sie erinnern uns daran, wer wir sind und welche Spuren wir in diesem kostbaren Leben hinterlassen wollen. Viele von uns wissen allerdings nicht, wie sie wieder in Kontakt mit den Urquellen des Seins, ihrer Kraft, dem Universum und dem Göttlichen kommen. Spiritualität und Anbindung an die alten Göttinnen helfen uns, einen neuen Weg einzuschlagen und neue Kräfte freizusetzen. Denn die uralten Mythen und Geschichten über Göttinnen beinhalten eine Weisheit, die auch Frauen von heute zugänglich ist. Die in den Geschichten aufgezeigten Wege für innerseelische Wachstumsprozesse sind heute noch lehrreich und heilsam.

Tala Mohajeri, Heilpraktikerin, Heilerin und Waldhexe, macht dieses alte Wissen anhand von zwölf ausgewählten Göttinnen für moderne Frauen zugänglich. Die vorgestellten Göttinnen stammen aus der nord- und südeuropäischen sowie asiatischen Mythologie und haben charakteristische Eigenschaften, die seit Jahrtausenden verehrt werden. Tala Mohajeri zeigt, dass die alten Göttinnen für uns wichtige Botschaften bereithalten. In zwölf Kapiteln tauchen wir in verschiedene Aspekte der Göttinnen ein und lernen von ihnen.

In ihrem spirituellen Buch für Frauen erklärt die bekannte Heilpraktikerin Tala Mohajeri:

wie du herausfindest, welche Botschaft die Göttin für dich hat,

wie du dich mit der Energie der Göttinnen verbindest,

welche Rituale dir helfen und wie du sie gestaltest,

welche Heil- und Wildpflanzen den Göttinnen zugeordnet werden und wie du sie nutzt,

welche Meditation dir hilft, in deine Kraft zu kommen.

 

Weitere Informationen finden Sie unter: www.droemer-knaur.de

Inhaltsübersicht

Widmung

Die Göttin in dir

Einfühlung

Über Göttinnen, weibliche Spiritualität, Hexenkulte und Schamanismus

Göttinnen-Bewegung

Die Göttin

Weibliche Spiritualität

Hexenkunst und Schamanismus

Die Hexe

Schamanismus

Wie du mit dem Buch arbeiten kannst

Der grundlegende Aufbau von Ritualen

Gaia/Tellus

Einblick in die griechische Mythologie

Die Stimme der Göttin Gaia

Die Kraft der Göttin: Warum sie von Bedeutung für uns ist

Alltagsrituale, um die Verbindung zu Gaia zu stärken

Altar zu Ehren der Göttin Gaia

Momentum: Der optimale Zeitpunkt für dieses magische Ritual

Gaia-Ritual: Erdschmerz bezeugen

Gaia-Meditation: Erdverbunden sein

Kali

Einblick in die hinduistische Mythologie

Die Stimme der Göttin Kali

Die Kraft der Göttin: Warum sie von Bedeutung für uns ist

Altar zu Ehren der Göttin Kali

Momentum: Der optimale Zeitpunkt für dieses magische Ritual

Pflanzliche Verbündete der Göttin: Schwarzerle

Kali-Ritual: Transformation und Reinigung

Kali-Meditation: Tandava-Tanz

Artemis/Diana

Einblick in die griechische Mythologie

Die Stimme der Göttin Artemis

Die Kraft der Göttin: Warum sie von Bedeutung für uns ist

Altar zu Ehren der Göttin Artemis

Momentum: Der optimale Zeitpunkt für dieses magische Ritual

Pflanzliche Verbündete der Göttin: Artemisia-Arten

Artemis-Ritual: Visionspfeile erstellen

Artemis-Meditation: Reise zum Pflanzengeist

Aphrodite/Venus

Einblick in die griechische Mythologie

Die Stimme der Göttin Aphrodite

Die Kraft der Göttin: Warum sie von Bedeutung für uns ist

Altar zu Ehren der Göttin Aphrodite

Momentum: Der optimale Zeitpunkt für dieses magische Ritual

Pflanzliche Verbündete der Göttin: Aphrodisiaka

Aphrodite-Ritual: Herzwärts

Aphrodite-Meditation: Gebärmutterreinigung

Holle

Einblick in die germanische Mythologie

Die Stimme der Göttin Holle

Die Kraft der Göttin: Warum sie von Bedeutung für uns ist

Altar zu Ehren der Göttin Holle

Momentum: Der optimale Zeitpunkt für dieses magische Ritual

Pflanzliche Verbündete der Göttin: Holunder- und Apfelbaum

Der Holunderbaum

Der Apfelbaum

Holle-Ritual: Spindelmagie

Holle-Meditation: Kristallmeditation

Brigid

Einblick in die keltische Mythologie

Die Stimme der Göttin Brigid

Die Kraft der Göttin: Warum sie von Bedeutung für uns ist

Altar zu Ehren der Göttin Brigid

Momentum: Der optimale Zeitpunkt für dieses magische Ritual

Pflanzliche Verbündete der Göttin: Birke

Brigid-Ritual: Feuerritual

Brigid-Meditation: Inneres Kind

Hera/Juno

Einblick in die griechische Mythologie

Die Stimme der Göttin Hera

Die Kraft der Göttin: Warum sie von Bedeutung für uns ist

Altar zu Ehren der Göttin Hera

Momentum: Der optimale Zeitpunkt für dieses magische Ritual

Pflanzliche Verbündete der Göttin: Granatapfel

Hera-Ritual: Krönungsritual

Hera-Meditation: Emotionsfülle

Hestia/Vesta

Einblick in die griechische Mythologie

Die Stimme der Göttin Hestia

Die Kraft der Göttin: Warum sie von Bedeutung für uns ist

Körper

Haus

Kosmos

Altar zu Ehren der Göttin Hestia

Momentum: Der optimale Zeitpunkt für dieses magische Ritual

Opfergaben zu Ehren der Göttin Hestia

Hestia-Ritual: Erntedankfest

Hestia-Meditation: Kesselmeditation

Freyja

Einblick in die germanische Mythologie

Die Stimme der Göttin Freyja

Die Kraft der Göttin: Warum sie von Bedeutung für uns ist

Altar zu Ehren der Göttin Freyja

Momentum: Der optimale Zeitpunkt für dieses magische Ritual

Pflanzliche Verbündete der Göttin Freyja: Linde

Freyja-Ritual: Naturbild kreieren

Freyja-Meditation: Krafttierreise Falkenflug

Tiamat

Einblick in die babylonische Mythologie

Die Stimme der Göttin Tiamat

Die Kraft der Göttin: Warum sie von Bedeutung für uns ist

Altar zu Ehren der Göttin Tiamat

Momentum: Der optimale Zeitpunkt für dieses magische Ritual

Tiamat-Ritual: Wasserzeremonie

Tiamat-Meditation: Polaritätsverbindung

Athene/Minerva

Einblick in die griechische Mythologie

Die Stimme der Göttin Athene

Die Kraft der Göttin: Warum sie von Bedeutung für uns ist

Altar zu Ehren der Göttin Athene

Momentum: Der optimale Zeitpunkt für dieses magische Ritual

Pflanzliche Verbündete der Göttin: Olivenbaum

Athene-Ritual: Dialoge der Erkenntnis

Athene-Meditation: Konzentrationsmeditation

Inanna

Einblick in die sumerische Mythologie

Die Stimme der Göttin Inanna

Die Kraft der Göttin: Warum sie von Bedeutung für uns ist

Altar zu Ehren der Göttin Inanna

Momentum: Der optimale Zeitpunkt für dieses magische Ritual

Pflanzliche Verbündete der Göttin: Dattelpalme

Inanna-Ritual: Augen der Liebe

Inanna-Meditation: Mondzyklen

Der Rat der Göttinnen

Dank

Weiterführende Literatur zu den Themen Göttinnen, Mythologie und Hexenwissen

Die Meditationen zum Anhören

Für meine Schwester Kaabeh Mohajeri.

Dein Name bedeutet »das Haus Gottes«.

Und immer wieder öffnet mir die großherzigste Göttin die Tür.

Die Göttin in dir

Sie ist schamlos.

Sie ist eigenmächtig.

Sie macht sich nichts vor.

Sie ist großherzig.

Sie ist schön.

Sie lebt ihre Lust.

Sie verschenkt sich nicht.

Sie kennt die Quelle ihrer Kraft.

Sie nimmt sich, was sie braucht.

Sie ist vertraut mit der Polarität.

Sie dient dem Kreislauf des Lebens.

Sie verrät nicht all ihre Geheimnisse.

Einfühlung

Die Jahreszeit, in der du geboren wurdest, wird dir immer zu eigen sein. Dieser Tatsache verdanke ich viel. Ich wurde geboren an einem heißen Sommertag umgeben von Bergen. Es war die Zeit um Mittsommer, die längsten und sehr heißen Tage des Jahres. Jedoch auch die langsame Wende der lichten Jahreszeit in die Dunkelheit.

Im Land meiner Geburt herrschte Krieg. Mein Vater war voller Sorgen. Im Herzen war er ein Freiheitskämpfer. Die Tatsache, dass eine weitere Tochter in einer Welt voller Ungewissheit aufwachsen sollte, missfiel ihm. Zur Überraschung meiner Familie war ich ein helles Kind, golden, nicht so »typisch« persisch dunkel, und darum taufte mein Vater mich auf den Namen Tala, was »Gold« auf Farsi bedeutet. Der Gedanke an etwas Leuchtendes am Tag meiner Geburt ist eines der wenigen Bilder meiner Kindheit, die mir Kraft schenken.

 

Wenn du mich nach meiner Kindheit fragst, dann kann ich nur sagen: Ich bin stetig mit dem Abstand der Sonne zur Erde in die Dunkelheit gewandert. Wie Persephone und Inanna ist mir die Unterwelt vertraut. Sie klebt an mir. Unvergessen. Wie Millionen von Menschen vor Krieg und Folter flüchten, floh meine Mutter mit meiner älteren Schwester und mir nach Deutschland. Meinem Vater waren der Kampf für Freiheit und Loyalität zu seinem Land wichtiger als sein Leben, und die Antwort des Regimes darauf war seine Hinrichtung. Fast vierzig Jahre später rufen ausgerechnet die Frauen seines Landes: »Frauen, Leben, Freiheit!« Etwas, das ihn mit Freude erfüllt hätte – davon bin ich überzeugt.

Meine Mutter ist bis heute schwer traumatisiert durch die Flucht, was zur Folge hatte, dass sie als Mutter schlicht nicht anwesend war. Meine Ersatzmutter wurde somit die Erdmutter selbst.

Es ist Gaia, der ich mein Leben zu verdanken habe. Sie war mir Schutzpatronin an Tagen, an denen ich als Kind unter Menschen und in meiner Familie keine Heimat fand. Bei ihr konnte ich auf der Erde liegen und ausatmen. Ich habe sehr viele Jahre meines jungen Lebens in der Unterwelt ums Überleben gekämpft. Mehr als einmal bin ich Kali begegnet, habe ihre Lehren verstanden und voller Demut angenommen. Wenn ich von der Urkraft der Göttinnen schreibe, dann, weil sie mehr sind für mich als kraftvolle Mythen. Ich fühle ihre Kräfte und kenne ihre Wirkungen.

Ich glaube an das Göttliche in allen Wesen. Wer, wie ich, so vertraut ist mit dem Schatten menschlichen Wirkens, weiß auch um das Rettende, die guten Kräfte in der Welt. Als Kind habe ich von der Natur und der Anderswelt gelernt. Meine Resilienz verdanke ich diesen Kräften, die sich niemals durch Wissen erfassen lassen, sondern nur durch Fühlen und Erleben verinnerlicht werden können.

Es sind die Geschichten, die der Wind erzählt oder die Wurzel eines Baumes, die mich Gemeinschaftssinn gelehrt haben. Die Natur ist mein Guru. Solange ich lebe, wird sie mich mit ihren Weisheiten belehren.

 

Gaia hat Platz für alle ihre Kinder. Die Mythen lehren uns: Trotz Verletzungen kann in uns etwas kraftvoll Lebendiges heranwachsen. Versehrtheit und Heilung schließen sich nicht aus. In einer sich stetig wandelnden Welt brauchen wir heilsame Geschichten, Mythen und Rituale, um uns wieder daran zu erinnern, wer wie sind, wofür wir in diesem kostbaren Leben angetreten sind und welche Spuren wir darin hinterlassen wollen. Wir wollen verstehen, welche Heldinnenreisen wir erleben und wie das Abenteuer des Lebens uns formt.

 

Ich teile meine Geschichte mit Tausenden von Frauen auf dieser Welt. Dies ist einer von vielen Gründen, warum ich mein Leben den alten Heilkünsten gewidmet habe. Ich möchte Frauen Mut machen. Seit zwanzig Jahren beschäftige ich mich mit psychologischem und mythologischem Frauenwissen. Im Schamanismus und in der Wicca-Bewegung ist Storytelling, also das Erzählen von Geschichten und Mythologien, ein wichtiger Grundbaustein der Heilarbeit. Die uralten Mythen und Geschichten beinhalten eine Weisheit und Kraft, die unserer Zivilisation verloren gegangen ist.

Ich möchte das »alte Wissen« der modernen Denkweise zugänglich und erfahrbar machen. In den Mythen werden Wege für innerseelische Wachstums- und Reifungsprozesse angeboten, die auch für uns heute noch wirksam sind und uns heilen können, denn unser Menschsein ist in seinem Kern kaum verändert.

 

Die zwölf Göttinnen in diesem Buch begleiten mich schon viele Jahre, sie sind meine persönlichen Lieblingsgöttinnen. Jede von ihnen förderte einen anderen Aspekt meiner eigenen inneren Heilung. Ich bin diesen Göttinnen durch viele schamanische Reisen, Medizinwanderungen, Schwitzhüttenzeremonien und Rituale zu den Jahreskreisfesten begegnet. Ihre Stimmen offenbaren sich mir durch Symbole in der Natur oder durch Channeling. Channeling ist für mich ein Prozess, in dem ich mich in tiefer Versenkung oder durch meditativen Tanz frei von Gedanken als Kanal zur Verfügung stelle und Botschaften erhalte. So wie ich den Wind, die Bäume, die Tiere oder eine gute Freundin um Rat frage, genauso kommuniziere ich mit den Göttinnen und Göttern dieses Universums. Ich gebe mein Wissen so weiter, wie ich die Stimmen der Göttinnen vernehme, darum steht die kulturhistorische Bedeutung der Mythen für mich nicht im Vordergrund.

 

Die zwölf hier vorgestellten Göttinnen stammen aus der europäischen und asiatischen Mythologie. Sie alle haben charakteristische Eigenschaften, die seit Jahrtausenden verehrt werden. Diese Göttinnen haben die Kultur ihrer Länder geprägt und wurden seither um Rat gefragt. Ihre Eigenschaften geben dem Leben von innen heraus eine Richtung. Göttinnen sind mit außergewöhnlichen Fähigkeiten begabt, die sich als Talent verstehen lassen. Eine Göttin wirkt durch ihr Sein.

Man muss nicht an Göttinnen glauben, um mit ihnen in Verbindung zu kommen. Man kann Göttinnen auch als Archetypen des Lebens verstehen und sie als solche betrachten. Ein Archetyp ist nicht beschreibbar, aber seine Wirkung manifestiert sich in unserem Unterbewusstsein in Form von Bildern und Ideen. Archetypen sind universelle, kollektive Muster oder Motive, die aus dem kollektiven Unbewussten auftauchen. Sie sind die Essenz aller Religionen, Mythologien, Legenden und Märchen. Archetypen sind somit innere Bilder, die universelle Eigenschaften und Erfahrungen verkörpern. Sie machen sich hauptsächlich in Träumen und Visionen bemerkbar. Beispiele für Archetypen sind der Krieger, die Göttin, die weise Alte, der Schatten, die Mutter, die Königin und noch viele andere.

Göttinnen, die den weiblichen Charakter verkörpern, bieten uns somit eine reiche und faszinierende Möglichkeit, Zugang zu den persönlichen Lebensthemen zu bekommen.

Die Göttinnen waren keine Heiligen, selbst die Schöpfungsgöttinnen nicht! Alle Göttinnen hatten zutiefst menschliche Eigenschaften. Sie unterstanden wie die Menschen dem Schicksal, hatten mit alltäglichen Problemen zu kämpfen und lebten ihre Schwächen aus. Von den Menschen unterschied sie lediglich, dass sie unsterblich waren. Dennoch waren sie nicht allmächtig. Ihnen wurden nicht nur eine menschliche Gestalt, sondern vor allem menschliche Eigenschaften und Verhaltensweisen zugeschrieben: Sie waren liebend, zornig, mütterlich, kämpferisch, kreativ und leidenschaftlich. Dennoch waren sie Göttinnen. Sie lebten ein Ideal, deswegen waren sie göttlich.

Wir können uns an das Prinzip ihrer Kraft anlehnen. Wir müssen ihre Kräfte aber nicht vollkommen verkörpern. Das würde nur in Stress ausarten – und das wollen wir nicht!

Die Zeitlosigkeit der Göttinnen

Ich schreibe über die Göttinnen sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Die Mythen der Göttinnen sind zwar historisch verwurzelt, aber gleichzeitig zeitlos und relevant für die Gegenwart. Einige Menschen glauben an die Göttinnen, weil sie früher einmal mächtig waren, während andere den Glauben an die Göttinnen als etwas Aktuelles und Zeitloses empfinden. Diese Vielschichtigkeit und Bedeutung der Göttinnen auf verschiedenen Zeitebenen erlaubt mir, zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu wechseln.

In diesem Buch lernst du, dich mit den verschiedenen Energien einzelner Göttinnen zu verbinden. Durch die Rituale und Meditationen förderst du deinen eigenen Heilungsweg. Ich möchte besonders Frauen dazu motivieren, ihren eigenen Weg in ihre Spiritualität zu gehen. In unser aller Wesenskern ist Spiritualität als Samen angelegt. Ich möchte dir zeigen, wie du dich durch einfache Naturrituale mit deiner eigenen Spiritualität verbinden und dadurch immer mehr in deine Kraft kommen kannst. Viele Menschen wissen nicht mehr, wie sie wieder in Kontakt mit der Urquelle des Seins, der Kraft, dem »Universum« und dem »Göttlichen« kommen können. Dieses Buch soll helfen, wieder Vertrauen zu fassen. Vor allem aber soll es helfen, dem ureigenen spirituellen weiblichen Weg zu vertrauen.

Über Göttinnen, weibliche Spiritualität, Hexenkulte und Schamanismus

Wir Frauen wachsen mit vielen Geschichten über uns und die Welt auf. Viele dieser Geschichten beginnen mit dem Wort »zu«: zu klein, zu groß, zu dick, zu brav, zu schlau, zu angepasst, zu wild, zu wenig, zu viel, zu billig, zu anspruchsvoll, zu still, zu eigensinnig. Diese »Zu«-Geschichten gehören in eine Zu-Klapptruhe. Diese magische Truhe ist hungrig auf genau diese Zu-Wörter. Je mehr von diesen Wörtern wir sorgfältig mit viel Liebe von uns abstreifen und in die Truhe legen, umso mehr Gold häufen wir darin an und umso goldener werden wir. Je befreiter wir werden, umso reicher werden wir. Haben wir irgendwann eine Truhe voll Gold, dann wissen wir, dass es viele giftige Geschichten gab, die die Kraft hatten, uns zu vernebeln.

Der Weg zur Befreiung ist ein Heldinnenweg! Denn auf diesem Weg müssen wir anfangen, neuen, anderen und vor allem alten Geschichten, Märchen und Mythen zu lauschen. Indem wir andere Geschichten hören, weben wir neue Muster, werden zu Schöpferinnen und berauben die Zu-Wörter ihrer Macht. Die neuen Geschichten erzählen von einer beseelten Welt, einer Welt, in der die Natur unsere Emotionen formt und unser Leib ein Spiegelbild einer blühenden Körperlandschaft ist. In diesen Geschichten gleicht das weibliche Prinzip einer Lotusblume, und unser Wert wird von Göttinnenkraft durchdrungen. Hier wird das Weibliche verehrt und respektiert.

 

Wörter sind mächtig, Gedankengespinste auch, darum sollten wir behutsam bedenken, welchen Geschichten wir über uns und die Welt Glauben schenken wollen. Im besten Fall verweisen diese Geschichten auf die Wahrheit. Im schlechtesten Fall führen sie uns vollkommen in die Irre und sorgen für Verletzungen.

Gute Geschichten zeichnet aus, dass unsere Neugier geweckt wird, unser Geist erwacht und die Sätze unser Innerstes berühren und bewegen. Schöpfungsmythen, Märchen und Sagen, die Menschen schon seit Jahrtausenden miteinander teilen, haben diesen Charakter. Sie fesselten nicht nur unsere Vorfahren, sondern wirken mit ihrer Aussagekraft bis in unsere modernen Zivilisationen hinein und prägen unsere Kultur. Sie erzählen von Makel, Heldentum, von Untergang und Auferstehung, von Leid, Hoffnung und Tatendrang, von unüberwindbaren Aufgaben und überraschenden Lösungen. Durch diese Form der Geschichten können wir die Psychologie des Menschseins ergründen. Für mich wirken Mythen und Geschichten wie ein genetischer Code, in dessen Verschlüsselung Schätze für das menschliche Leben verborgen sind.

Mythen handeln von existenziellen menschlichen Themen, die psychische Entwicklungen beschreiben. Sie bleiben erhalten, weil die Psyche – genau wie die Körperfunktionen – sich nicht durch Jahrtausende völlig verändert hat, sondern ihre inneren, tiefen Entwicklungsthemen noch die gleichen sind wie in der früheren Zeit, nur die äußeren Erscheinungsformen haben sich gewandelt. Die Magie der Mythen ist somit zeitlos.

 

Frauen, die sich spirituell entwickeln möchten, brauchen Orientierung durch andere Frauen. Darum ist es wichtig, sich an weiblichen Vorbildern zum Beispiel aus den Mythen und Sagen zu orientieren. Die Geschichten über Göttinnen können als Kompass dienen, um die Mysterien der weiblichen Identität zu ergründen.

Diese Erfahrung kann bereichernd wirken. Göttinnen sind sowohl Archetypen als auch psychische Kräfte, die uns zur Verfügung stehen, wenn wir sie in ihrer Ausdruckskraft und Weisheit anerkennen und uns innerlich zu ihnen hinwenden. Wir bekommen durch sie einen tieferen Einblick in die Geschichte und Kultur unserer Vorfahren. Neben den sehr männlich geprägten Weltreligionen (Christentum, Islam, Sufismus, Kabbala, einschließlich des Buddhismus) und Mythologien brauchen wir als Frauen weibliche Göttinnen und religiöse Figuren. Die Geschichten und Eigenschaften von Göttinnen können uns inspirieren und uns ein Gefühl von Selbstbestimmung und Eigenmacht geben. Indem wir uns mit den Erfahrungen und Herausforderungen von Göttinnen auseinandersetzen, können wir lernen, unser spirituelles Potenzial zu entfalten.

 

Ich war dreiundzwanzig Jahre alt, als ich mich aufmachte, neue Geschichten über das Leben zu sammeln. Während meines Studiums wuchsen die Zu-Wörter zu einem Berg heran, und ich befand mich nur noch im Tal der Tränen. Ich fühlte mich zu dumm, zu unfähig und zu undiszipliniert für ein Studium der Betriebswirtschaftslehre. Die Wahrheit war, mein Herz ertrug die Geschichten über Gewinn, Konsummaximierung sowie den Raubbau an der Erde und der Demokratie nicht.

Da Gaia mir schon als Kind eine wichtige Lehrmeisterin war, beschloss ich, ihrem Pfad zu folgen. Ich wusste, dass es jenseits der Wissenschaft und der patriarchalen Strukturen noch viele andere Wahrheiten über unsere Welt gibt. Der Pfad der Göttin führte mich in eine Heilpraktikerinnen-Schule. Diese Schule war feministisch geprägt und wurde von den Dozentinnen und Schülerinnen gleichberechtigt selbst verwaltet und organisiert. Die Welt, die sich mir dort offenbarte, prägte mein Leben. Frauen lehrten ausschließlich für Frauen. Im Vordergrund standen die Frauengesundheit, das Frauenwissen und die Frauenspiritualität. Mein Lieblingsraum war die Bibliothek. Neben Anatomiebüchern fand ich dort Werke über Matriarchatsforschung, Frauenbewegungen, Hexenkult, indigene Schriften und weltweite Göttinnen-Mythologien. Ich lernte und reifte somit am reichhaltigen Wissen von und über Frauen.

Göttinnen-Bewegung

An dieser Schule kam ich das erste Mal in Berührung mit der Göttinnen-Bewegung. Eine meiner Lehrerinnen gehörte dieser Goddess-Bewegung an. Feministinnen organisierten sich in den 1960er- und 1970er-Jahren in Nordamerika, Großbritannien, Deutschland, Australien und Neuseeland in dieser Bewegung. Sie feierten alte Rituale, belebten die heidnischen Jahreskreisfeste neu und riefen dazu auf, sich mit der göttlichen, weiblichen und frauenzentrierten Spiritualität zu befassen. Die Göttinnen-Bewegung ist mittlerweile eine verbreitete Organisation des Neopaganismus und der Wicca-Bewegung. Ihre meisten Anhängerinnen finden sich heute in den USA und Großbritannien.

Paganismus kann als Neuheidentum bezeichnet werden. Er besteht aus verschiedenen spirituellen Strömungen, die sich vorchristlichen Naturreligionen verbunden fühlen.

Je mehr ich in diese Welten eintauchte und die Geschichten ergründete, umso mehr wich der Schleier der Trauer von mir. Ich war am richtigen Ort und lernte nützliches Wissen. Ich schloss mich der Göttinnen-Bewegung an und schulte mich in der Wicca-Kunst. Wicce ist das angelsächsische Wort für »Hexe«. Ich ließ mich neben meiner schulmedizinischen Heilpraktikerinnen-Ausbildung von da an also auch von Hexen ausbilden. Eine Welt voller Magie offenbarte sich mir. Zauberlehrstunden bei Mondschein und der Duft von geräuchertem Beifuß begleiteten mich über Jahre. Viele Feste wurden gefeiert mit Trommeln, Rasseln und meditativem Tanz. Während der Suppenkessel über dem Feuer hing, lernte ich vieles über Heilpflanzen, Astrologie und Trancetechniken. Doch das Wichtigste waren immer noch der Kreis der Frauen, ihre kostbaren Erfahrungsschätze und die Geschichten der Göttinnen, eingebettet in den Jahreskreis.

Die Göttin

Vertrauen wir der griechischen Schöpfungsmythologie, dann war am Anfang nur das Chaos, die unendliche Finsternis und die Liebe. Und aus diesen Kräften erzeugte sich Gaia selbst. Somit ist es nicht zu weit gegriffen, wenn ich schreibe: Die Entstehung der Welt kam aus dem weiblichen Prinzip. (Die Griechen teilten diese Ansicht nicht allein.) Viele Schöpfungsmythen gehen davon aus, dass eine weibliche Göttin die Schöpferin der Welt ist. Diese Betonung der Weiblichkeit in den Schöpfungsmythen hat verschiedene Gründe. Es könnte damit zusammenhängen, dass Frauen die Fähigkeit zur Geburt haben und somit als natürliche Quelle des Lebens betrachtet werden. Diese biologische Realität könnte sich in den Schöpfungsmythen widerspiegeln. Das Wunder, Leben schenken und die Neugeborenen durch den eigenen Körper ernähren zu können, war für die frühen Menschen geheimnisvoll und mächtig. Die Frauen hatten durch ihre Rolle bei der Nahrungsbeschaffung und der Ausübung der Heil- und Zauberkünste eine besondere Stellung im sozialen Gefüge der früheren Gemeinschaften.

 

Der Glaube an eine weibliche Muttergöttin geht bis auf das Neolithikum (10000 bis 4500 v.Chr.) zurück. Tausende von archäologischen Funden von Venusfigurinen wie der Venus von Willendorf oder der Venus von Hohenfels sind sogar noch älter (28000 Jahre v.Chr.). Man geht davon aus, dass diese Frauenstatuetten als weibliche Fruchtbarkeitssymbole und der Verehrung der Muttergöttin dienten. Die »große Mutter«, oder auch »große Göttin« genannt, wurde als Quelle des Lebens, aber auch als Herrscherin im Reich der Toten verehrt.

In der Göttinnen-Bewegung wird die Muttergöttin als das »unaussprechliche Geheimnis« angesehen, wir können ihr Mysterium nicht in Worte fassen. Die Göttin hat unendlich viele Eigenschaften und Tausende von Namen. Sie ist die Wirklichkeit hinter vielen Metaphern. Die Göttin ist weiterhin nicht vom Menschen getrennt. Sie ist die Welt – Mond, Sonne, Erde, Sterne, Steine, Samen, Wind, Wellen, Blätter, Äste, Knospen, Reißzähne, Klauen, Frauen und Männer. In einer magischen Welt ist alles Sichtbare Ausdrucksform der einen Muttergöttin.

 

Die Verehrung der großen Göttin wird in der Mythologie oft mit dem dreifachen Göttinnen-Aspekt in Verbindung gebracht. Der dreifache Göttinnen-Aspekt besteht aus der weißen, roten und schwarzen Göttin. Die dreifache Göttin wird in vielen Wicca-Traditionen verehrt. Auch bei den Göttinnen hier im Buch begegnet uns dieser Aspekt immer wieder. Die dreifache Göttin symbolisiert den vollständigen Reifezyklus der Frau und der Natur. Wenn man sich mit Göttinnen aus den verschiedenen Kulturkreisen beschäftigt, dann wird man immer wieder Überschneidungen in den Beschreibungen finden, die sich zum Verwechseln ähnlich sind und verschiedene Aspekte der dreifachen Göttin darstellen.

 

Die dreifache Göttin verkörpert die Fülle unserer Weiblichkeit:

Die weiße Göttin

Die weiße Göttin symbolisiert das Jungfräuliche, das heile Kind und Mädchen. Sie steht für die Aspekte der Reinheit, Unschuld, Jugend, den Neubeginn und die Euphorie, die Vision und die Tatkraft. Die jungfräuliche Göttin wird oft mit der Farbe Weiß, der Jahreszeit Frühling und dem zunehmenden Mond in Verbindung gebracht. Sie verkörpert den Anfang eines Zyklus, die Fruchtbarkeit des Bodens und die Hoffnung auf das Gedeihen. Die jungfräuliche Göttin gehört sich selbst, ist autark, unabhängig und frei.

Die rote Göttin

Wenn die rote Kraft, das Menstruationsblut, ins Fließen kommt, dann kommt die Leben spendende Fähigkeit der Weiblichkeit ins Spiel. Dieser Reifungsprozess symbolisiert die Aspekte der Fruchtbarkeit, Sexualität, Mutterschaft, Schutz und Kraft. Die Farbe Rot steht dabei für das Menstruationsblut. Die rote Göttin wird mit der Jahreszeit Sommer und dem Vollmond in Verbindung gebracht. Sie verkörpert die Fülle des Lebens und die Vitalität der Natur während ihrer Reifungsphase bis hin zur Frucht. In einigen Mythen wird die rote Göttin auch als Hüterin der Gemeinschaft und der Familie angesehen.

Die schwarze Göttin

Sie wird auch die »weise Göttin«, die »Alte Weise« oder »Crone« genannt. In diesem Lebensabschnitt behält sie die Fruchtbarkeit ihrer Säfte für sich, reichert sich selbst an und wird weise. Die Göttin verkörpert nun die Altersweisheit, die Ruhe, den Tod und den Neubeginn. Die Farbe Schwarz symbolisiert das Geheimnisvolle, das Unbekannte und den Übergang. Jetzt ist die Göttin unerschrocken, närrisch, kämpferisch und wieder befreit. Sie repräsentiert die letzte Phase des Lebenszyklus, die Wechseljahre und das hohe Alter. Die Jahreszeiten Herbst und Winter und der abnehmende Mond werden mit ihr assoziiert. Sie verkörpert die dunkle Seite des Lebens und den Übergang von einem Zyklus zum nächsten. In diesem Aspekt ist sie auch die Hüterin der Ahnen, der Toten und der Unterwelt. Sie verkörpert die stille Weisheit, die aus dem Tod und der Transformation hervorgeht, sowie die Fähigkeit, sich auf das Neue und Unbekannte einzulassen.

Weibliche Spiritualität

Weibliche Spiritualität ist so alt wie die Menschheit selbst. Ihre Ausdruckskraft variiert je nach Kultur und Tradition der Frauen, die diese Spiritualität praktizieren. Frauen lernen von Frauen, Hexen, Göttinnen, Schamaninnen und christlichen Heiligen. Viele Frauen weltweit knüpfen auch an die Traditionen ihrer Großmütter und Ahninnen an, wohl wissend, dass es immer Generationen vor ihnen gab, die trotz schwerer Verluste, Flucht, Kriegen, Missbrauchs und Ablehnung das Überleben gesichert haben.

 

Fast allen schamanischen oder Göttinnen-Traditionen liegt zugrunde, dass sie der Spiritualität der Erinnerung dienen. Sie wollen uns daran erinnern, dass wir Menschen nur ein Teil der vielen Lebensformen auf dieser Erde sind. Wir sind verbunden und leben in Abhängigkeit mit allen Geschöpfen dieser Erde. Alles, was wir tun oder nicht tun, hat Auswirkungen auf unseren eigenen Kosmos und auch auf das Gleichgewicht aller Geschöpfe der Erde.

Die Jahreszeiten sind rhythmisch, so wie der Tag und die Nacht zyklisch sind. Unser Wohlbefinden und auch das ökologische Gleichgewicht sind eng verwoben mit den Naturgesetzen. Sterben und leben sind untrennbar miteinander verbunden, und alles Leben unterliegt diesem Gesetz.

 

Das Wort »Spiritualität« stammt vom lateinischen Wort Spiritus ab, das »Geist« oder »Hauch« bedeutet. Dieser Begriff lässt sich auch weit fassen und sagt lediglich aus: Alle Materie hat auch einen Geist, ist lebendig und beseelt. Dieser Geist wurde ihr von etwas Göttlichem eingehaucht. Somit gibt es eine sichtbare, materielle und körperliche Welt und eine unsichtbare, geistige, also transzendente Welt. In spirituellen Kreisen werden diese geistigen Welten oft auch als Anderswelten bezeichnet.

Eingebettet in das Wissen, dass wir verbunden sind mit dem Göttlichen und Geistigen und unser Wirken Folgen hat, dient die weibliche Spiritualität der Eigenmacht, der Bewusstseinsentwicklung und der Magie der Befreiungspsychologie. Diverse Praktiken wie Trance, Meditation, Yoga, Gebet, Naturerlebnisse, Zeremonien oder Rituale dienen der Bewusstseinserweiterung und der Befreiung von engen Denkmustern. Die Befreiungspsychologie räumt auf mit den Hierarchiestrukturen zwischen Mann und Frau, Erde und Ausbeutung, Wissenschaft und Spiritualität. Es gibt keine Trennung, es gibt kein Gefälle, es gibt eine Einheit und die Würde aller Lebewesen. Das Leben ist ein Geschenk. In der Balance zwischen weiblich und männlich wird das Leben zum Fest. Jeder Körper und alle Wesen sind heilig.

 

Die Intention der spirituellen Praxis ist die Verbindung zu einem höheren Selbst, einer höheren Einheit oder einer höheren Wirklichkeit. Wobei hier der Begriff »höhere Wirklichkeit« in den verschiedenen Göttinnen-Bewegungen auf unterschiedliche Weise interpretiert werden kann und soll. »Höher« drückt lediglich die Intensität der Verbindung aus.

Wenn man sich mit dem Mysterium des Lebens auseinandersetzt, dann werden wir zu suchenden und fragenden Menschen. Wer bin ich? Was ist der Sinn meiner Existenz? Was entspricht meinem Seelenkern? Wie diene ich dem lebendigen göttlichen Leib der Erde am besten? Wie nutze ich Magie für mich?

Je tiefer und öfter wir zu fragen lernen, umso besser lernen wir unseren Platz im Netz des kosmischen Gefüges kennen.

 

Der Weg und Ausdruck der weiblichen Spiritualität ist so vielfältig wie eine bunte Sommerblütenwiese. Wir können dann an Göttinnen glauben, oder wir erfahren eine tiefe Anbindung an die Magie und Mystik des Lebens durch Kunst, Musik, Lyrik oder/und die Natur.

Das Adjektiv »weiblich« beschränkt uns Frauen nicht auf unsere weiblich-biologischen Geschlechtsmerkmale wie die Gebärmutter oder die Eierstöcke. Wir können uns auf unser Geschlecht beziehen, müssen es jedoch nicht. Das Weibliche hat Tausende Formen und Ausdrücke! Unsere Identität lässt sich nicht in eine Form pressen und beengen. Weiblichkeit ist und bleibt komplex! Je nach Prägung und kultureller Auffassung variieren die Charakteristika, was als feminin aufgefasst werden kann.

Ich möchte an das Adjektiv »weiblich« folgende Worte anknüpfen: empfänglich ~ aufnehmend ~ wild ~ beschützend ~ dunkel ~ passiv ~ Nacht ~ Wasser ~ Erde ~ Mond ~ umhüllend ~ versorgend ~ tragend ~ nährend ~ sanft ~ anmutig ~ zart ~ kraftvoll ~ kreativ ~ schlau ~ sozial ~ gefühlvoll ~ intuitiv.

Es ließen sich noch viele Worte anknüpfen, und wir würden immer noch nicht dem gerecht werden, was weiblich ist. Geht unser Innerstes in Resonanz mit diesen Wörtern, dann fühlen wir uns weiblich, ganz gleich, wie unser biologisches Geschlecht ist. Weiblichkeit zu erfassen ist, als ob man mit bloßen Händen versuchte, einen Fisch im Wasser zu fangen.

So ähnlich muss es auch dem hinduistischen Gott Shiva in einem seiner vielen Liebeskämpfe mit der Göttin Shakti ergangen sein. Shiva versuchte, vor Shaktis Kraft und Anziehung zu entfliehen. Sie erkannte seine Absicht und nutzte ihre Gestaltungskraft und vervielfältigte sich in unzählige Formen und Gestalten. Manche waren abschreckend, dunkel und nass, andere wiederum lieb und hinreißend. Ganz gleich, wohin Shiva zu fliehen versuchte, er verblieb in Shaktis Bann, konfrontiert mit der Fülle ihrer Formen und Gesichter. Somit gab er auf, es gab kein Entfliehen vor ihr. Schlussendlich, nach vielen Versuchen, die Göttin zu meiden oder ihr Widerstand zu leisten, erkannte Shiva, dass es nur einen Weg gab, sich aus ihr zu befreien, nämlich die Hingabe und Annahme aller ihrer Formen und Kräfte, denn Shakti durchströmte alles.

 

Für mich ist Weiblichkeit einfach: Sie besteht darin, sich die Freiheit herauszunehmen, wandlungsfähig zu sein und empfänglich zu bleiben. Ein Tropfen Wasser geht auf viele Reisen, wird zu Dunst, Schnee, Hagel, Meer, und dient stets dem Leben. Empfänglich zu sein bedeutet, sich für die Magie des Lebens zu öffnen.

Magie

Magie ist Hingabe.

Magie hilft unserer Eigenmächtigkeit.

Magie ist Gestaltungskraft.

Magie verbindet.

Magie dient unserer Bestimmung.

 

Durch Magie gestalten wir unsere Wirklichkeit, wir formen und manifestieren alles, was wir für ein Leben in Harmonie brauchen. Magisches Wirken beginnt mit einem wachsamen Geist. Arbeiten wir magisch, dann können Worte Wurzeln schlagen, und sie bewirken Wunder. Magie bedeutet, in allem Wunder zu erblicken. Wenn wir all die Wunder um uns herum erblicken und fühlen, werden wir selbst zum Wunder werden. Magie ist nichts anderes als die Fähigkeit, mit unseren innersten göttlichen Quellen in Kontakt zu sein. Nur wenn wir das sind, dann können wir gestärkt in der Welt agieren und sicher stehen gegen die Gewalt, die uns sonst ängstlich, wütend, ohnmächtig und zum Opfer macht. Um aber frei von Angst sein zu können, braucht es innere Stabilität. Dafür müssen wir innerlich wachsen. Jede kann sich dieser magischen Kraft anschließen. Was dich darin unterstützen kann, ist der Zugang zum rituellen, weisen Frauenwissen.

Dafür muss Frau keine Hexe oder Schamanin werden. Jeder Mensch hat seine eigene intuitive und individuelle Wahrnehmung. Wir können uns herausnehmen, Rituale zu gestalten und uns mit dem Göttlichen zu verbinden.

Hexenkunst und Schamanismus

Wer sich auf den spirituellen Pfad begibt, kommt meist nicht an Lehrerinnen und Lehrern vorbei, die die Kunst der Magie verstehen. Für Menschen, die Magie praktizieren, gibt es viele Bezeichnungen: Magier, Schamane, Druide und Hexe. In der Hexenkunst und durch den Schamanismus können wir viel für unseren spirituellen Pfad lernen. Häufig werden die Wörter »Hexe« und »Schamane« gleichgesetzt. Vorweggesagt, es gibt keine einheitliche klare Definition für beide Begriffe. Sie variieren je nach kulturellem Kontext und Tradition. Mir ist es wichtig, kurz auf diese Begriffe einzugehen, da alle Rituale in diesem Buch ihren Ursprung im Schamanismus und in der Hexenkunst haben.

Die Hexe