Weisheit - Izabela Luiza Jahn - E-Book

Weisheit E-Book

Izabela Luiza Jahn

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Beschreibung

In diesem kompakten, aber gehaltvollen Buch, geht die Autorin der Frage nach, wie ein sinnvolles, erfülltes und glückliches Leben gelingt. Im ersten Teil des Buches nutzt sie dazu Weisheitsgeschichten aus aller Welt, im zweiten Teil reflektiert sie die eigenen Erkenntnisse und Erfahrungen. Dies geschieht in Verbindung mit aktuellen psychologischen Forschungsergebnissen zu Themen, die uns alle angehen.

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Seitenzahl: 93

Veröffentlichungsjahr: 2023

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„Die Weisheit kommt mit dem Alter. Zu manchen Menschen kommt das Alter aber allein.“ - Miłosz Brzeziński

Inhaltsverzeichnis

VORWORT

DIE GESCHICHTEN

WHAT I HAVE LEARNED SO FAR

VORWORT

Weisheit fällt nicht vom Himmel. Sie kommt nicht durch Zeitablauf. Fachwissen ist von Nöten, um durch das Leben zu kommen, aber Weisheit ist mehr:

„Weisheit (engl. wisdom, altgr. σοφία, lat. sapientia, hebr. hokhmah) bezeichnet vorrangig ein tiefgehendes Verständnis von Zusammenhängen in Natur, Leben und Gesellschaft sowie die Fähigkeit, bei Problemen und Herausforderungen die jeweils schlüssigste und sinnvollste Handlungsweise zu identifizieren.

Es gibt mehrere Definitionen und Konzepte von Weisheit, die sich in der Regel in den Spannungsräumen zwischen Rationalität und Intuition, Wissen und Glauben sowie zwischen Erfahrung und Instinkt bewegen. Weitgehende Übereinstimmung herrscht in der Ansicht, dass Weisheit von geistiger Beweglichkeit und Unabhängigkeit zeugt: Sie befähigt ihren Träger, systematisch Dinge

zu denken („eine weise Erkenntnis“, „ein weiser Entschluss“, „ein weises Urteil“),

zu sagen („ein weises Wort“, „ein weiser Rat“) oder

zu tun („ein weises Verhalten“),

die sich in der gegebenen Situation als nachhaltig sinnvoll erweisen. Dies geschieht häufig unter Vermeidung störender Einflüsse, wie beispielsweise dem eigenen Gefühlszustand oder gesellschaftlichem Gruppenzwang. Bei näherer Betrachtung und umfassender Würdigung aller Umstände, manchmal auch erst mit zeitlichem oder räumlichem Abstand, erweisen sich diese Überlegungen, Äußerungen und Handlungen jedoch als „richtig“, zutreffend oder „wahr“. Entsprechendes gilt für Worte und Handlungen, die der Weise nach reiflicher Überlegung nicht ausspricht oder tut (vgl. „Si tacuisses, philosophus mansisses“). Weisheit wird zu den Kardinaltugenden gezählt.“ 1

Meine sagt mir gerade, ich sollte das Thema eher fallen lassen, denn was weiß ich schon. Mit Sokrates gesprochen: „Ich weiß, dass ich nicht weiß“. Und deswegen wird das hier eine Sammlung weiser Geschichten, die gewiss nicht von mir sind. Ich bin doch nicht blöd.

Gefolgt von Dingen, die ich dank meiner Dummheit schmerzhaft gelernt habe. Lesen Sie selbst.

DIE GESCHICHTEN

Es gibt nur ein Anzeichen für Weisheit: Gute Laune, die anhält.

- Michel de Montaigne

Nach der zuvor genannten Definition haben wir es in dem Falle sicherlich nicht mit einem „glückseligen Idioten“ zu tun, der nichts versteht, dadurch aber wenig Kummer hat. Ein weiser Mensch versteht und weiß wohl, dass das Leben schwer ist und seine Bürden hat und unweigerlich auch Schmerz bringt. Er weiß aber auch, dass, wie Buddha sagte, der Schmerz unvermeidlich ist, das Leiden aber optional. Wenn ich den Schmerz nicht loslasse und mit ihm ringe und ihn als große Ungerechtigkeit empfinde, die Haare raufe und „warum ich?“ klage, dann erschaffe ich das Leiden.

Es ist also eine Frage der inneren Geisteshaltung zu den Dingen. Auch der Fähigkeit, im Schatten das Licht zu sehen, d.h. auch in „schlechten Zeiten“, die darin dennoch unweigerlich schönen Momente wahrzunehmen und anzuerkennen. Sich an „Kleinigkeiten“ zu erfreuen: an der Natur, einer freundlichen Geste, daran am Leben zu sein, dass das Wasser aus der Leitung kommt, dass wir in Kontinentaleuropa ein privilegiertes Leben führen.

Die Dinge nicht als selbstverständlich oder als Geburtsrecht zu nehmen, erweist sich als sehr hilfreich, sie mit Dankbarkeit zu betrachten. Wenn Sie erkennen, was für ein großes Geschenk all das ist, wie könnten Sie noch schlechte Laune haben?

Ich erinnere mich leider nicht mehr, wer das sagte, aber sinngemäß hieß es: „Wenn Sie seine Heiligkeit den Dalai Lama für 60 Sekunden sehen, dann haben Sie ihn mindestens drei Mal lachen gesehen…“ In diesem Sinne ; D

„Wie soll ich aber lachen, wenn um mich herum alles schlecht ist, wenn es nichts Gutes gibt, das zu mir überhaupt durchdringt, dass ich an mich heranlasse, wenn das Herz schwer ist und das Leben nur schwarze Ödnis?“

Dazu fällt mir die folgende Geschichte vom Ring des Königs ein:

„Ein König befragte einmal die Weisen an seinem Hof und sagte zu ihnen: „Ich lasse mir einen wunderschönen Ring machen. Ich habe die besten Diamanten, die man bekommen kann. Ich möchte in dem Ring eine verborgene Botschaft haben, die mir in Zeiten völliger Verzweiflung helfen kann. Sie muss sehr kurz sein, damit sie unter dem Diamanten des Rings verborgen werden kann.“ All die Weisen, all die großen Gelehrten hätten lange Abhandlungen darüber schreiben können. Aber ihm eine Botschaft zu geben, die nur zwei oder drei Worte enthielt und ihm in Zeiten größter Verzweiflung helfen würde… Sie dachten nach, sie schauten in ihre Bücher, aber sie konnten nichts finden. Der König hatte einen alten Diener, der ihm fast wie ein Vater war. Er war schon der Diener seines Vaters gewesen. Die Mutter des Königs war früh gestorben, und dieser Diener hatte sich um ihn gekümmert. Deshalb wurde er nicht wie ein Diener behandelt, und der König hatte großen Respekt vor ihm. Der alte Mann sagte: „Ich bin kein Weiser, bin nicht gebildet und nicht gelehrt, aber ich kenne die Botschaft. Es gibt nämlich nur eine Botschaft. Diese Männer können sie dir nicht geben. Nur ein Mystiker, jemand, der sich selbst erkannt hat, kann sie dir geben. Während meines langen Lebens im Palast bin ich allen möglichen Menschen begegnet, darunter einmal einem Mystiker. Er war bei deinem Vater zu Gast, und ich wurde ihm als Diener zugeteilt. Als er abreiste, gab er mir als Geste des Danks für meine Dienste diese Botschaft…“ Und er schrieb sie auf einen kleinen Zettel, faltete ihn zusammen und sagte zum König: „Lies sie nicht jetzt. Halte sie in deinem Ring verborgen und öffne sie erst, wenn alles gescheitert ist, wenn es keinen Ausweg mehr gibt.“ Diese Zeit sollte bald kommen. Das Land wurde überfallen, und der König verlor sein Reich. Er musste auf seinem Pferd fliehen, um sein Leben zu retten, und die feindlichen Reiter verfolgten ihn. Er war allein; sie waren in der Überzahl. Er kam an einen Ort, wo er anhalten musste, weil der Weg zu Ende war – er stand an einer Klippe über einem tiefen Abgrund. Dort hinunterzufallen, wäre das Ende gewesen. Er konnte nicht zurück, weil dort die Feinde waren, und er hörte bereits die Hufe ihrer Pferde. Er konnte nicht vorwärts gehen, und es gab keinen anderen Weg. Plötzlich erinnerte er sich an den Ring. Er öffnete ihn, nahm den Zettel heraus, und darauf stand eine kurze Botschaft von sehr wertvoller Bedeutung. Sie hieß: „Auch dies wird vorübergehen.“ Während er den Satz las, wurde er ganz still. „Auch dies wird vorübergehen.“ Und es ging vorüber. Alles geht vorbei. Nichts ist beständig in dieser Welt. Die Feinde, die ihn verfolgt hatten, hatten sich wohl im Wald verlaufen, hatten wohl einen falschen Weg eingeschlagen. Nach einer Weile konnte er die Laute ihrer Hufe nicht mehr hören. Der König verspürte große Dankbarkeit gegenüber seinem Diener und jenem unbekannten Mystiker. Diese Worte hatten wie ein Wunder gewirkt. Er faltete den Zettel wieder zusammen, steckte ihn zurück in den Ring. Er sammelte seine Truppen wieder um sich und eroberte sein Reich zurück. Und der Tag, an dem er siegreich wieder in seine Hauptstadt einzog, wurde in der ganzen Stadt großartig gefeiert, mit Musik und Tanz. Er war sehr stolz auf sich selbst. Der alte Mann ging neben seinem Wagen her. Er sagte: „Auch jetzt ist es wieder der richtige Moment. Schau die Botschaft noch einmal an.“ „Was meinst du damit?“ sagte der König. „Jetzt bin ich siegreich. Das Volk feiert mich. Ich bin nicht verzweifelt; ich bin in keiner ausweglosen Situation.“ „Hör mir zu“, sagte der alte Mann. „Das hat mir der Heilige damals gesagt: Diese Botschaft ist nicht nur für Zeiten der Verzweiflung; sie ist auch für Zeiten der Freude. Sie gilt nicht nur, wenn du Verlierer bist. Sie gilt auch, wenn du Sieger bist; nicht nur wenn du der Letzte bist, sondern auch wenn du der Erste bist.“ Der König öffnete seinen Ring und las die Botschaft: „Auch dies wird vorübergehen.“ Und plötzlich überkam ihn derselbe Frieden, dieselbe Stille – mitten in der Menge, die jubilierte, feierte und tanzte. Sein Stolz, sein Ego waren verflogen. Alles geht vorüber. Er bat seinen alten Diener, in seinen Wagen zu kommen und neben ihm zu sitzen. Er fragte ihn: „Gibt es noch etwas? Alles geht vorüber… Deine Botschaft hat mir ungemein geholfen.“ Der alte Mann sagte: „Das Dritte, was mir der Weise damals sagte, war: „Vergiss nicht, dass alles vorübergeht. Nur du bleibst, du bleibst ewig als Zeuge.““ 2

Alle Momente des Lebens sind kostbar. Die schwierigen fördern unser Wachstum und unsere persönliche Entwicklung, wenn wir es zulassen. Die guten Momente werden auch vergehen, so dass wir sie in ihrer Einzigartigkeit schätzen sollten. Wichtig ist zu akzeptieren, dass nichts festgehalten werden kann, dass panta rhei gilt.

Was wir jedoch nicht tun sollten, ist es, unsere Monster zu füttern. Jemand war so freundlich, eine Mitschrift dieser wunderbaren Erzählung in der Version von Ajahn Brahm aus seinen Freitagsvorträgen zu erstellen. Es ist genau die Version, in der ich sie zuerst gehört habe, vorgetragen in der ihm besonderen Weise, die an sich schon ein Genuss ist: (deutsche Übersetzung im Anhang)

„So if you're sitting comfortably, I will tell you the story. A long time ago, in one of those times when there were palaces, not with politicians and dictators, but real emperors. Emperors who were there because they were smart, they were wise, they were strong and very effective rulers. And it just happened that the emperor was away on some sort of business. And in his absence, a monster came in. It was a demon. Ugly, frightening, terrifying. And because this monster was so frightening, all of the soldiers, guards and people who were supposed to stop visitors coming in at the wrong time - they froze in terror, allowing this monster to walk right into the centre of the palace, and sit on the Emperor's throne. And when that monster sat down on the Emperor's chair, that was going too far. So the guards came to their senses, said "Get out of here! You don't belong! Who do you think you are?! That is our Emperor's chair, you can't sit in there." And, at those few unkind words, and unkind deeds, that monster grew an inch bigger. More frightening, more smelly, and more offensive. And that really upset all the people in the palace. They got out their swords, they clenched their fists, "if you don't move your butt, we'll carve it out with our swords, get out of here! Quick!" But every unkind word, unkind deed, even unkind thought, the monster grew an inch bigger