Welpen-Training für Jagdhunde - Julia Numßen - E-Book

Welpen-Training für Jagdhunde E-Book

Julia Numßen

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Beschreibung

Ein neuer Welpe soll ins Haus – doch welcher Hund passt am besten zur familiären Situation und zu den eigenen Jagdgewohnheiten? Die Welpenausbildung für Jagdhunde erfordert viel Zeit, Hingabe und Know-how. Das Step-by-Step-Programm von Julia Numßen in "Welpentraining für Jagdhunde" (BLV Buchverlag) begleitet Jäger und Welpen. Anhand der einzigartigen Fotos, die die Ausbildung von Jagdspaniel Charly dokumentieren, zeigt das Buch, wie aus einem jungen Hund ein verlässlicher Jagdbegleiter wird. Julia Numßen rät Hundebesitzern sich Zeit zu nehmen und zu lernen ihren Welpen zu »lesen« – dann werden sie viel Freude miteinander haben. Autorin Julia Numßen führt Leser und Welpe ab der 8. Lebenswoche vom Ankommen im neuen Zuhause bis hin zum ersten Jagderlebnis. Ihre Expertise kombiniert sie mit einzigartig umfangreichem und anschaulichem Live-Bildmaterial mit Schritt-für-Schritt-Serien. Die erfahrene Jägerin gibt Tipps zur richtigen Ausrüstung und Ernährug der Welpen und berät auch in Gesundheitsfragen.

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Seitenzahl: 199

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Impressum

© 2019 GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, München.

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, sowie Verbreitung durch Film, Funk, Fernsehen und Internet, durch fotomechanische Wiedergabe, Tonträger und Datenverarbeitungssysteme jeglicher Art nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

Lektorat: Gerhard Seilmeier

Umschlagkonzeption und -gestaltung: BLV-Verlag

Herstellung: Ruth Bost

Layout/DTP: Uhl + Massopust, Aalen

ISBN 978-3-8354-6235-9

2. Auflage 2019

Bildnachweis:

Umschlagfotos: Sascha Numßen

Syndication: www.seasons.agency

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Hinweis

Das vorliegende ebook wurde sorgfältig erarbeitet. Dennoch erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder Autorin noch Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im ebook vorgestellten Informationen resultieren, eine Haftung übernehmen.

Erklärung der Piktogramme

Züchter

Welpenschule

Am Wasser

Allgemeiner Umgang zu Hause

Nehmen Sie sich Zeit

Welpenerziehung ist ein Fulltimejob

Ein Hund ist kein Fahrrad. Auch wenn viele Menschen dies zu glauben scheinen nach dem Motto: Der Hund soll funktionieren, wenn man ihn braucht, und sonst möglichst wenig Arbeit machen. Diese Rechnung geht nicht auf. Wer sich einen Welpen zulegt, muss sich im Klaren darüber sein, dass die ersten Wochen ein Fulltimejob in Bezug auf Betreuung und Welpenerziehung sind. Die Zeit danach ist zumindest immer noch halbtagsjobverdächtig, machen wir uns nichts vor!

Doch bevor Sie sich einen Welpen ins Haus holen, müssen Sie sich darüber bewusst werden, welcher Hund zu Ihrer familiären Situation, zu Ihren Lebensumständen in Bezug auf Ihren Beruf, Ihren eigenen (Jagd-)Gewohnheiten und Ihrem Revier überhaupt passt. Damit Sie sich einen besseren Überblick über die in Deutschland gebräuchlichsten Jagdhunderassen verschaffen können, gibt im ersten Kapitel eine Tabelle darüber Aufschluss, welcher Hund für die jeweiligen Ansprüche geeignet sein müsste.

Von Welpenbeinen an lernt Charly, Julia die Beute zu bringen – in diesem Fall trägt er ihr das Apportel aus dem Wasser zu.

Ist die Entscheidung getroffen und bald darauf der Welpe im Haus, gilt es, die Weichen in Bezug auf das Welpen-Einmaleins zu stellen. Doch was genau muss der Neuankömmling eigentlich möglichst früh lernen? Und was ist, zuerst einmal, zu vernachlässigen? Wie meistert man die ersten Tage, in denen der Welpe von Hündin und Geschwistern getrennt ist? Warum sollte auch ein Teckel apportieren können? Und wie schaffe ich es, dass nicht ich dem Welpen, sondern er mir hinterherläuft?

Nach der Fichtlmeier-Methode

Antworten auf diese Fragen gibt es viele. Hundeausbildungsbücher und Leitfäden gibt es wie Nägel am Hochsitz, darunter leider auch ein paar »rostige«.

Anton und Gila Fichtlmeier haben in Bezug auf die Jagdhundeausbildung vor einigen Jahren völlig neue Ansätze aufgezeigt. Ihre Veröffentlichungen in der Jagdfachpresse, ihre Bücher und ihre Videos haben in der Jägerschaft und bei vielen Hundeführern für einen Ruck gesorgt. Vieles, was in der Hundeausbildung etabliert schien, wurde plötzlich infrage gestellt. Natürlich ist das unbequem, und es liegt schlussendlich an jedem Hundeführer selbst, wie und nach welcher Methode er mit seinem Welpen die Ausbildung händelt oder ob man sich seine persönliche Mischung aus mehreren »Theorien« selbst zusammenstellt.

Im Laufe der Jahre habe ich meine drei Hunde, zwei Glatthaar-Foxterrier und einen Jagdspaniel, frei nach der Fichtlmeier-Methode ausgebildet und vielen Hundeführern mit Rat und Tat zur Seite gestanden – das Ergebnis: Hunde, die auf den Menschen fixiert sind, Hunde, die für ihr Leben gern apportieren, Hunde, die in der Familie »angekommen« sind, und Hunde, die auf der Jagd durch Leistung und Teamwork beeindrucken.

Am Beispiel unseres Jagdspaniels Benti vom Hexlein, kurz Charly, werden Erziehung und Ausbildung chronologisch dokumentiert. Inzwischen ist Charly zu einem zuverlässigen Jagdbegleiter herangewachsen, der mehrere Prüfungen mit Bravour abgelegt hat und zur freien Suche, zum Apport, zur Niederwild- und Hochwildjagd und zur Totsuche geschnallt wird.

Das KISS-Prinzip

Doch zurück zur Fichtlmeier-Methode, die die Kommunikation zwischen Hund und Hundeführer in den Mittelpunkt rückt – basierend auf der Binärsprache (»Ja« und »Nein«) – und einfache, extrem gut nachvollziehbare Handzeichen. Alle Signale, die der Welpe im Laufe der Zeit bei Ihnen zu Hause und im Revier kennenlernt, folgen dem sogenannten KISS-Prinzip, bezogen auf das englischsprachige Motto »keepitsimple andstupid«, frei übersetzt: Halte es einfach und beschränkt. Oder: Je einfacher und klarer, umso besser. Natürlich sollten Sie die jeweiligen Ausbildungsschritte dem Entwicklungsstand Ihres Welpen entsprechend anpassen, ein Gespür dafür entwickeln, wie und wann Sie Ihren Schützling fördern und fordern können.

Jeden Tag nutzen

Sobald Ihr Welpe unter Ihrer Obhut steht, legen Sie gleich am ersten Tag los, denn Ihr Schützling ist sehr lernfreudig und auf Sie fixiert. Achten Sie jedoch immer darauf, dass er genügend Ruhepausen und sehr viel Körperkontakt bekommt. Das ist besonders für die ersten Wochen extrem wichtig. Denken Sie daran, ihm außerdem sanft und konsequent Regeln und Grenzen zu vermitteln.

Nehmen Sie sich dafür Zeit und überstürzen Sie nichts. Jeder Hund ist anders! Versuchen Sie, Ihren Welpen zu lesen, lassen Sie ihn denken (lernen) und denken Sie gleichzeitig für ihn mit, denn – wie eingangs geschrieben: Ein Hund ist kein Fahrrad!

Viel Freude mit Ihrem Welpen

Julia Numßen

Der inzwischen ausgewachsene Spaniel kommt auf einer Treibjagd in Bayern zum Einsatz und apportiert brav den Eichelhäher.

Den passenden Hund finden

Ein Welpe soll ins Haus. Deutsch-Drahthaar, Dackel, Foxterrier, Weimaraner, Schweißhund oder Labrador-Retriever-Mix? Oder doch eine ganz andere Rasse? Verschaffen Sie sich zuerst einen Überblick über die verschiedenen Jagdhunderassen. Haben Sie dann Ihre Entscheidung getroffen, sollten Sie beim Züchter unbedingt Ihr Mitspracherecht in Bezug auf die Frühprägung Ihres Welpen nutzen.

Rund 40 Jagdgebrauchshunderassen in Deutschland

Laut FCI (Fédération Cynologique Internationale) gibt es inzwischen über 390 verschiedene anerkannte Hunderassen weltweit. Davon werden in Deutschland rund 40 Rassen den sogenannten wichtigsten Jagdgebrauchshunden zugeordnet. Doch was können unsere Jagdhunde tatsächlich leisten?

Will man die Charakteristika der in Deutschland hauptsächlich geführten Jagdhundrassen aufführen, ist das ein schwieriges Unterfangen. Trotz alledem kann man auf allgemeine Tendenzen innerhalb der Jagdhundrasse hinweisen, die in der nachfolgenden Tabelle festgehalten sind. Übrigens: Hier sind nicht nur vom Jagdgebrauchshundverband (JGHV) anerkannte Hunde zu finden, auch Laikas und Westfalenterrier – um nur zwei Beispiele zu nennen – haben inzwischen in unseren Revieren ihre Nischen gefunden und sich somit zu Recht einen Platz in dieser Übersicht erobert. Trotzdem hat die Tabelle keinen Anspruch auf Vollständigkeit, allein die Vielzahl an Mischlingen würde unzählige Seiten mehr verschlingen.

Ein Jagdhund muss sich auch in die Familie fügen können. Das ist aber in diesem Fall kein Freifahrtschein für die kleine Franziska, Foxl Emma zu ärgern! Deshalb wird Franzi gleich zurück in den Laufstall gesetzt.

Jagd und Familie

Überdenken Sie bei der Wahl Ihres Jagdhundwelpen, für welchen Einsatz er hauptsächlich benötigt wird und welche Anforderungen ihn in Ihrem Revier erwarten. Seien Sie ehrlich mit sich, wenn es darum geht abzuschätzen, wie oft in der Woche Ihr Hund jagdlich zum Einsatz kommen soll. Die meisten unserer Hunde werden heutzutage nicht nur ausschließlich für die Jagd eingesetzt, sondern sollen sich auch in der Familie wohlfühlen – deshalb wurde dem Punkt »Familie mit Kindern« in der nachfolgenden Tabelle eine separate Spalte eingeräumt.

Rüde oder Hündin?

Natürlich ist ebenfalls mit ausschlaggebend, ob Sie sich dann für einen Rüden oder eine Hündin entscheiden. Rüden sind meistens griffiger und kompromissloser am Wild und aufgrund der massiveren Bauweise in Bezug auf Kondition und Schnelligkeit den Hündinnen eine Nasenlänge voraus. Auch der Apport von schwerem Raubwild, beispielsweise einem starken Winterfuchs, fällt einem Deutsch-Langhaar-Rüden aufgrund seiner physischen Beschaffenheit leichter als einer Hündin. Sofern ein Rüde sehr griffig ist und Kinder im Haus sind, muss man sich jedoch mit dem Gedanken anfreunden, den Hund eventuell kastrieren zu lassen. Erst recht, wenn er bevorzugt andere Rüden annimmt und sich zu einem Raufer entwickelt. Übrigens ebenfalls ein Grund, warum mancher Jäger keinen Rüden haben möchte – sein Rüde wäre dann eventuell ein potenzielles Opfer solcher Raufbolde.

Mit Vorsicht zu genießen

Hündinnen gelten im Allgemeinen als leichtführiger. Die Hündin bringt allerdings, sofern man sie nicht kastrieren lässt, einen Nachteil mit sich: die Läufigkeit. Verantwortungsbewusste Hundeführer lassen die Hündin dann zu Hause. Erst recht, wenn es zur Gesellschaftsjagd beispielsweise auf Hasen, Enten oder Sauen gehen soll. Sobald andere Rüden mit von der Partie sind, muss die läufige Hündin eine Auszeit nehmen. Da mit der Hitze, die ja gut 20 Tage andauert, mindestens zweimal im Jahr zu rechnen ist, bedeutet das unter dem Strich: 40 Tage im Jahr eingeschränktes Jagen. Ein weiterer Aspekt, der in Betracht gezogen werden muss: die Scheinschwangerschaft. Die Hündin verhält sich in dieser Phase seltsam und ist ebenfalls nur eingeschränkt für die Jagd zu gebrauchen.

Auf den Rüden bleibt mancher Züchter sitzen

Weiter gilt zu bedenken, dass sich streitbare Hündinnen untereinander manchmal bis zum Äußersten beißen. Hier sind sie sogar teilweise unerbittlicher in Konsequenz und Vehemenz als die Rüden. Daher ist es doch eigentlich immer noch erstaunlich, dass bei der Welpenwahl weiterhin gilt: Hündin bevorzugt.

Viele Züchter bekommen daher immer tiefe Sorgenfalten, wenn ihre Zuchthündin »nur« männliche Nachkommen wirft, denn dann laufen sie Gefahr, auf den kleinen Rüden sitzen zu bleiben – meiner Meinung nach zu Unrecht. Bleibt man bei der Ausbildung konsequent, ist es unerheblich, ob man einen Rüden oder eine Hündin führt.

Eine Frage der Definition

Kastration:Entfernung der Hoden (Rüde) und Eierstöcke (Hündin). Der Hund wird durch die Operation hormonell neutralisiert, ist unfruchtbar, kann sich nicht weiter fortpflanzen. Rüden verlieren meist ihr Interesse an läufigen Hündinnen. Kastrierte Hündinnen werden nicht mehr läufig.

Sterilisation:Hoden beziehungsweise Eierstöcke werden durchtrennt, »hormonell« bleiben solche behandelten Hunde aktiv, sind aber unfruchtbar. Die Hündin wird trotzdem läufig und der Rüde behält sein Interesse an läufigen Hündinnen.

Kupieren – nein danke!

Nach über 160 Jahren ist das Kupieren in der deutschen Jagdhundeszene zur Selbstverständlichkeit geworden. Wenn man hier kritisch über Sinn und Unsinn diskutiert, wird es meist sehr emotional. Sicher spielt hierbei in Deutschland das »Privileg« eine Rolle, dass eben nur Welpen aus jagdlicher Leistungszucht kupiert werden dürfen – und sich dadurch von denen aus der Schönheitszucht unterscheiden. Das Hauptargument lautet jedoch: Man will Verletzungen an der langen Rute vorbeugen, die durch Splitter, Dornen etc. hervorgerufen werden können, wenn der Hund beispielsweise im dichten, dornigen Gelände arbeitet. Zugegeben, bei Hunden mit dünner, kurzbehaarter Rute ist diese Vorsichtsmaßnahme vielleicht sinnvoll. Aber wieso werden dann eigentlich noch Deutsche Wachtel und Jagdspaniel kupiert? Schließlich haben sie doch langes Fell? Es sei daher die Frage erlaubt, ob das Kupieren rein aus prophylaktischen Gründen bei vielen Rassen tatsächlich sinnvoll erscheint – von der jagdlichen Auslastung ganz zu schweigen.

Vorteile der ausgewachsenen Rute

Die Rute gehört zum Hund wie das Schießpulver zur Patrone. Der Hund kann sich viel klarer über die vollständige Rute mitteilen. Sie ist außerdem ein hervorragendes Steuer beim Schwimmen und sorgt zudem mit für Schwung und Antrieb im Wasser. Sie hilft beim Ausbalancieren, wenn der Hund beispielsweise über einen Graben oder Baumstamm springt, eine Kurve schneidet oder ein Wendemanöver einleitet. In einem Jagdhundeforum bin ich auf folgenden Satz gestoßen, den ein Tierarzt gesagt hat: »Wenn der Hund seinen Schwanz nur zum Wedeln bräuchte, wäre er im Laufe der Domestizierung von sich aus kürzer geworden!«

Auf den ersten Blick scheint dem Foxl rechts die unkupierte Rute nur dem Abstützen zu dienen. Wer genauer hinschaut, sieht, dass über die gespannten Ruten kommuniziert wird. Stellen Sie sich jetzt vor, sie wären nur noch als Stummel vorhanden.

Leider ist das Kupieren von Jagdhunden bei uns in Deutschland, man muss schon fast provozierend sagen, in Mode gekommen. Zukünftige Welpenbesitzer können jedoch die Züchter beeinflussen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Als ich vor einigen Jahren mit meiner Glatthaar-Foxterrier-Hündin züchten wollte, bat mich einer der zukünftigen Welpenbesitzer, einen Welpen für ihn zurückzuhalten. »Ich nehme aber nur einen Foxl, der nicht kupiert ist!« Als der Wurf lag, beschloss ich bei allen – der kleinen Hündin und ihren drei Brüdern – die Rute »dranzulassen«, obwohl ich eine Genehmigung zum Kupieren vorliegen hatte.

Am Ende hat es niemanden der Welpenanwärter interessiert, dass die Foxl ihre Rute in voller Länge behalten haben. Nur eins war offensichtlich: Alle wollten die einzige Hündin haben!

Zusammengefasste Erfahrungen

Zurück zur nachfolgenden Übersicht: Die Vergabe der Sternchen geht auf die persönlichen Erfahrungswerte vieler Züchter und Hundeführer in meinem Umfeld zurück, ist aber trotzdem ohne Gewähr – Ausnahmen bestätigen die Regel.

Sofern »Ihr« zukünftiger Hund mindestens zwei Sterne in einem Aufgabengebiet verbucht, kann man ihn dort nach entsprechender Ausbildung einsetzen. Es ist jedoch nicht ratsam, nach der eierlegenden Wollmilchsau unter den Hunden Ausschau zu halten – soll heißen: Ein Hund, der für viele Aufgaben eingesetzt wird, ist unter Umständen in allen Bereichen eher durchschnittlich als eine Granate. Natürlich kommt es ebenfalls vor, dass der eine oder andere Hund auch andere Aufgaben erledigen kann, obwohl sie ihm rassebedingt eher weniger zusagen. In jedem Hund stecken eben Überraschungen.

Von einem Aspekt sollten Sie sich jedoch bei Ihrem Welpen nicht überraschen lassen – vererbbare Krankheiten. Bitte erkundigen Sie sich daher im Vorfeld ausführlich über die jeweilige Rasse, mit der Sie liebäugeln.

Machen Sie sich ein Bild

Wenn Sie sich dann für Hund und Zwinger entschieden haben, sollten Sie den Züchter aufsuchen, bevor die Welpen gewölft sind, und sich einen Eindruck von den Gegebenheiten und der Mutterhündin verschaffen. Wenn Sie Bedenken haben, achten Sie auf Ihr Bauchgefühl und haben Sie die Chuzpe, dem Züchter abzusagen. Wenn Ihnen jedoch Mensch, Hund und Umgebung zusagen, Sie den Züchter sympathisch finden – und umgekehrt –, sollten Sie bei diesem Vorabtreffen schon Wünsche äußern in Bezug darauf, ob Sie gern eine Hündin oder einen Rüden aus dem Wurf haben möchten.

Die deutschen Vorstehhunderassen werden inzwischen überall eingesetzt – ob hier auf dem Entenstrich, der Drückjagd auf Sauen oder zur Nachsuche. Die klassische Niederwildjagd rückt immer stärker in den Hintergrund.

Mitspracherecht nutzen

Auch was die Frühprägung betrifft, haben Sie als zukünftiger Welpenbesitzer ein gewisses Mitspracherecht. Selbstverständlich ist auch der verantwortungsbewusste Züchter daran interessiert, seinem Schützling den Übergang von der Mutterhündin zum neuen Besitzer so einfach wie möglich zu gestalten und sich daher auf Sie einzustellen.

Nur unter Aufsicht dürfen die Spanielwelpen die Schwarte zauseln. Nach ein paar Minuten wird sie wieder abgeräumt.

Äußern Sie deshalb so früh wie möglich Ihre Wünsche – besser, als sich hinterher anhören zu müssen: »Na, das hätten Sie auch früher sagen können, wäre ja kein Problem für uns gewesen, darauf zu achten!«

7-Punkte-Programm für den Züchter

Sicher ist das eine oder andere selbstverständlich für den Züchter, wie beispielsweise das Schmusen und Abliebeln der Welpen. Aber vielleicht ist auch manches Neuland – umso besser, wenn Sie es angesprochen und Klarheit geschaffen haben.

Folgende Punkte sollte der Züchter in den ersten acht Wochen daher zusätzlich zum »Normal-Programm« beherzigen:

• Während die Welpen von der Hündin gesäugt beziehungsweise später dazu gefüttert werden, leise pfeifen.Das Pfeifen wird positiv von den Welpen aufgenommen, weil sie just in dem Moment Futter bekommen. Der Züchter kann auch abwechselnd zum Pfeifen das fröhliche, mit höherer Stimmlage gesprochene »Honolulu« sagen oder einfach kurz hintereinander mit der Zunge schnalzen. Alle drei »Lautäußerungen« verbindet der Welpe mit Futter – die Basis für das spätere, freudige Kommen auf Pfiff, auf das Schnalzen mit der Zunge oder den Honolulu-Ruf. Warum »Honolulu«? Ganz einfach, »Honolulu!« klingt selbst bei neutraler Tonlage immer noch sehr freundlich und somit positiv. Sie können natürlich auch »Hallihallo« statt »Honolulu« rufen.

• Gewöhnung der Welpen an das Sichdraußen-Lösen ab der 4. Lebenswoche.Die Rasselbande sollte beim Züchter so gehalten werden, dass sie sich nach Verlassen der Wurfkiste zwangsläufig auf Gras lösen kann. Die Kleinen lernen, ihr Geschäft nicht auf Fliesen oder Teppichboden zu verrichten, sondern auf natürlichem Untergrund – der Grundstein für die Stubenreinheit. Sofern es das Wetter zulässt, sollte die Hundekiste im eingezäunten Welpengehege im Garten stehen. Da die Kleinen, je älter sie werden, ihren Schlafplatz sauber halten, werden sie den Gang nach draußen bevorzugen. Perfekt, wenn dann die Hundekiste auf dem Rasen steht.

• Bei Ausflügen mit der Rasselbande in die Hocke gehen und die Welpen mit Futter belohnen, wenn sie angesaust kommen.Die Welpen lernen schon früh, den Menschen im Auge zu behalten. Was viele vergessen: Nicht der zukünftige Welpenbesitzer soll seinem Hündchen hinterherlaufen – sondern der Hund seinem Besitzer. Umso besser, wenn der Welpe schon beim Züchter lernt, Kontakt zu halten und auf »seinen« Menschen zu achten.

• Gewöhnung an den Kennel*) ab der 6. Lebenswoche, am besten bei Fahrten ins Revier.Das erleichtert die spätere Abholung des kleinen Rackers – Autogeräusche kennt der Welpe dann bereits, und falls er auf einer längeren Fahrt irgendwann zur Ruhe kommen und schlafen will, wird er den Kennel gern annehmen. Der Kennel spielt eine Schlüsselrolle im Leben des Welpen, dazu in den nachfolgenden Kapiteln mehr.

• Ausflüge durch Feld und Wald, eventuell auch ans Wasser.Der Welpe lernt gemeinsam mit Hündin und Wurfgeschwistern neue Situationen und andere Umgebungen kennen. Er muss mit dem neuen Umfeld klarkommen, lernen, sich damit auseinanderzusetzen. Das gibt ihm Selbstvertrauen und er wird später mit seinem neuen Zuhause bei Ihnen nicht überfordert.

TIPP

Beim Welpenanschauen überlassen Sie dem Züchter ein T-Shirt oder eine Decke und bitten Sie ihn, es mit in die Wurfkiste zu legen. Holen Sie dann später Ihren Welpen ab, nehmen Sie das T-Shirt wieder mit. Legen Sie es in den Kennel – schläft der Kleine dann auf der Fahrt zu Ihnen in seine neue Heimat ein, wird er sich dort wohlfühlen, weil ihn vertraute Gerüche umgeben.

• Gewöhnung an die Halsung während der Reviergänge.Manche zukünftige Welpenbesitzer reisen quer durch Deutschland – umso besser, wenn der Welpe bereits vom Züchter sanft an die Halsung gewöhnt wurde. Dann können Sie den Welpen bei einem Zwischenstopp anleinen, falls die Umgebung zu »unübersichtlich« ist. Besser durch die Leine gesichert, als unter die Räder zu kommen!

• Keine Zerrspiele, kein Überlassen von Beute.Wenn Sie später mit Ihrem Hund im Team jagen wollen, dürfen Sie es nicht zulassen, dass der kleine Racker bereits in der Kinderstube lernt, Beute streitig zu machen und darum zu kämpfen, ob nun mit der Mutterhündin, den Wurfgeschwistern oder – noch schlimmer – mit dem Züchter. Aus diesem Grund sollten die Welpen nur unter Aufsicht und nur für kurze Zeit an Bälgen, Decken oder Schwarten winden dürfen. Sonst lernt die Rasselbande, dass ihnen die Beute gehört, und nutzen die Gelegenheit, sie anzuschneiden oder wegzuschleppen. Deshalb verbietet sich auch von selbst, den Welpen Spielzeug zu überlassen, das sie ankauen, zerbeißen oder verstecken können. Welpen sind keine Kinder, auch wenn sie noch so niedlich sind.

Auf den Hund gekommen

An was müssen Sie eigentlich alles in Bezug aufAusrüstung und Ausstattung denken, wenn der Welpe kommt? Hier das Wichtigste – von A wie Apportel bis S wie Signalweste.

Apportel

Apportel, auch Dummies genannt, kann man nie genug haben. Es gibt sie beispielsweise aus Canvas, Jute, Neopren, Leder und bissfestem Hartgummi. Wahlweise können Sie auch Apportel kaufen, die mit einem Balg überzogen sind. Es gibt spezielle Wasserdummies, die hoch beziehungsweise tiefer auf dem Wasser liegen können und sich entsprechend austarieren lassen. Nicht zu vergessen die Wildattrappen wie Taube, Ente, Fasan, Kanin und Hase, die in Größe und Gewicht ihren natürlichen Vorbildern ähneln und meist mehrteilig sind. Diese Dummies sind meist aus weichem und hartem Kunststoff gefertigt und sind dazu wahre Alleskönner. Die Taube wird es nicht übelnehmen, wenn sie mal im Wasser landet, weil sie Auftrieb hat.

Das Angebot im Fachhandel ist riesig, trotzdem können Sie Ihrer Kreativität freien Lauf lassen, indem Sie beispielsweise an ein Canvas-Dummy eine Entenschwinge befestigen – fertig ist das Wasserdummy inklusive Wildwittrung. Und selbstverständlich können Sie auch komplette Wildteile einsetzen, wie beispielsweise Läufe von Reh-, Schwarz-, Dam- oder Rotwild.

Im Uhrzeigersinn von links unten: ein rundes Apportel aus Canvas, eine Entenschwinge, ein Dummy mit Kaninchenbalg überzogen, eines aus Leder, eines aus Canvas und eine Taubenattrappe aus Hartgummi.

Sie sollten auf alle Fälle immer verschiedene Apportel in Bezug auf Gewicht, Form und Materialien bei sich tragen, wenn Sie mit Ihrem Welpen losmarschieren – es ist für ihn viel abwechslungsreicher, spannender und anspruchsvoller, verschiedene Dummys zu bringen. Der Welpe lernt dabei, seinen Griff zu variieren und zu sensibilisieren.

Apportierbock

Während der Hundeausbildung wird er oft eingesetzt und ist der »Klassiker« schlechthin: der Apportierbock. Wahlweise kann man hier das Gewicht über Holzoder Metallscheiben regulieren. Damit wird besonders die Nackenmuskulatur des Hundes trainiert.

Bausender

Für den Erdhund, der später für die Baujagd eingesetzt werden soll, kommen Sie um solch eine Anschaffung nicht herum. Selbst dann, wenn Sie später nur die Kunstbaue im Revier abklappern, sollten Sie Ihren Hund mit solch einem Bausender ausrüsten – flüchtet beispielsweise ein aus einem Kunstbau gesprengter Fuchs, der dann krank geschossen wird, wird Reineke den nächstbesten Unterschlupf aufsuchen. Und es wird ihn dabei nicht interessieren, ob er in einen Kunst- oder Naturbau einschlieft. Sofern Ihr Hund an dem Fuchs bleibt, können Sie Ihren Erdarbeiter mithilfe des Peilsenders in jedem x-beliebigen Bau gut orten, falls er irgendwo stecken bleibt oder von einem Dachs verklüftet wird. Entscheidend dabei ist, dass die Akkus des Bausenders immer voll sind und Sie die Baue oder auch Durchlässe in der Umgebung kennen.

TIPP

In den ersten Wochen arbeiten Sie und Ihr Welpe ausschließlich mit Apporteln, die keine Wildwittrung aufweisen. Der Welpe soll zuerst einmal das Tauschprinzip begreifen – schnell die Beute aufnehmen, sie Ihnen bringen und am Ende gegen Futter tauschen. Wildwitterung könnte ihn ablenken und auf schlechte Gedanken bringen. Der Racker würde eventuell in Versuchung geraten, die Beute vor Ihnen zu sichern, zu verstecken oder gar zu vergraben. Deshalb wird erst dann mit Wildteilen gearbeitet, wenn der Welpe genau weiß, was mit der Beute zu tun ist.

Duftstoffkonzentrat

Wenn sich ein Welpe partout nicht für Dummys interessiert, können Sie ein Canvas- oder Juteapportel mit einem Duftstoffkonzentrat von Hase, Kanin, Taube, Fuchs etc. beträufeln, damit Sie nicht gleich zu Wilddummies greifen müssen. Seien Sie aber sehr sorgfältig mit dem Konzentrat und geben Sie es immer nur auf ein und dasselbe Dummy. Normalerweise sollte eigentlich der Eigengeruch des Dummys ausreichen, die Nasenleistung des Welpen abzurufen.

Fährtenschuh

Es gibt verschiedene Fährtenschuhmodelle, die sich unter den normalen Schuh unterschnallen lassen. Das Material, aus dem der Fährtenschuh gefertigt ist, sollte möglichst geruchsneutral sein. Noppen sorgen für sicheren Halt, auch wenn es mal glitschig wird oder bergauf geht. Die unter der Sohle sitzende Befestigung für die Schalen muss stabil und trotzdem leicht zu bedienen sein. Und natürlich muss der Schuh bequem sein, schließlich werden Sie ein paar Kilometer mit ihm zurücklegen.

Futtertonne

In der Futtertonne aus robustem Kunststoff hält sich das Trockenfutter lange frisch. Lagert man es hingegen in den herkömmlichen Futtersäcken, können Flocken & Co. feucht oder gar schimmelig werden.

GPS- oder Tracker-Geräte

Vor allem für die Stöberhundrassen eine wichtige Anschaffung. Damit wissen Sie nicht nur, wo sich Ihr Hund während des Triebs aufhält, Sie können später zu Hause auch in Ruhe auswerten, wie er gejagt beziehungsweise gesucht hat. Aufgrund dieser Auswertungen können Sie Ihren Hund jagdlich besser einordnen und entsprechende Rückschlüsse daraus ziehen. Jagt er bogenrein? Hat er die Schützenkette passiert? In welchem Radius hat er gejagt etc.

Halsung