Weltbejahung - Jochen Schaare - E-Book

Weltbejahung E-Book

Jochen Schaare

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Beschreibung

Das Buch steht in der Tradition der Aufklärung und des Humanismus und zeigt Wege auf, wie man sich philosophisch-weltanschaulich orierntieren kann. Die leicht fassliche Sprache ermöglicht eine Übersicht über die abendländische Tradition der Selbstführung, der Weisheit und der Lebenskunst, die für Krisenzeiten wie die unsere lebenswichtig werden, damit der menschliche Geist den Antivernunftdrogen zu widerstehen in der Lage ist.

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Seitenzahl: 487

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Jochen Schaare

WELTBE-

JAHUNG

Lebensphilosophische

Miniaturen

2023

Die überschüssige Kraft in der Geistigkeit,

sich selbst seine ZieOH VWHOOHQG« :LU VLQG

mehr als das Individuum, wir sind die gan-

ze Kette noch, mit den Aufgaben aller Zu-

kunft der .HWWH« 'DV 7DOHQW HLQHV 0Hn-

schen erscheint geringer als es ist, weil er

sich immer zu große Aufgaben gestellt hat-

te«

Friedrich Nietzsche

Was nun tun? Lasst uns doch endlich be-

ginnen, mit rechtem Ernst und Vorsatz der

Philosophie zu folgen!

Epiktet

Inhalt

Vorwort 9

Professor Dr. Hubertus Mynarek

EINS 10

Ä:RKODQ QRFK HLQPDO ³ )ULHGULFK

Nietzsche)

ZWEI 14

Die Wege des Lebens ±ÄGHV /HEHQV Oa-

byrinthisch irUHU /DXI³Johann Wolf-

gang von Goethe)

DREI 29

Kleine Lebensphilosophie

VIER 41

Ä(UNHQQH GLH /DJH³- Vom Realen und

vom Guten, Schönen und Wahren

FÜNF 52

Systole und Diastole des Lebens

SECHS 63

Aphorismen und Lebensweisheit SIEBEN 80

Das ÄKHUUVFKHQGH 3ULQ]LS³ LP /eben:

Chaos, Freiheit und Ordnung

ACHT 89

Erinnerung

NEUN 105

Brückenbau

ZEHN 109

Kleine Philosophie der Endlichkeit

ELF 115

Ä(UZRrEHQHV VROO PDQ EHZDKUHQ³ ±

(Ovid)

ZWÖLF 128

Illusionen und die Unbilden des Alltags

DREIZEHN 135

Kreisläufe

VIERZEHN 142

Erinnerungen FÜNFZEHN 151

Die delphischen Maximen

SECHZEHN 153

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

SIEBZEHN 159

Pathokratie

ACHTZEHN 173

Poesie des Lebens

NEUNZEHN 181

Carpe diem in schweren Zeiten

ZWANZIG 191

Weltbejahung und Weltverneinung

EINUNDZWANZIG 203

Apoll und Dionysos ± Reifung zwischen

Maß und Unmaß

ZWEIUNDZWANZIG 209

Wurzeln DREIUNDZWANZIG 228

Lebenskunst und Einsamkeitsfähigkeit

VIERUNDZWANZIG 235

Friedrich Nietzsches großes Ja zu Welt

und Leben

FÜNFUNDZWANZIG 239

Freiheitsbedrohungen durch Globalis-

mus, Monotheismen und andere ideo-

logische Tyranneien

SECHSUNDZWANZIG 261

Hybris, Selbstüberhebung, Realitätsver-

lust und Größenwahn in Geschichte

und Gegenwart

SIEBENUNDZWANZIG 272

Selbsterkenntnis durch Besonnenheit

und mit Blick auf Leben und Sterben

ACHTUNDZWANZIG 297

Ein großer Einzelner. Hermann Hesses

Weltanschauung und Glaube NEUNUNDZWANZIG 308

Die äußere und die innere Welt

DREISSIG 320

Die homerische Religion

EINUNDDREISSIG 330

Ä(UNHQQH GLFK VHOEVW ³, ÄWerde, der du

ELVW ³ 'HU 0HQVFK ]ZLVFKHQ .ROOHNWi-

vismus und Individualismus

ZWEIUNDDREISSIG 354

Wilhelm von Humboldt, der Individual-

gedanke und die Steigerung der Höher-

bildung der Persönlichkeit

DREIUNDDREISSIG 363

Der Philosoph und Humanist Hubertus

Mynarek als Glaubens- und Ideologie-

kritiker und als Schöpfer einer kosmi-

schen Religiosität

VIERUNDDREISSIG 379

Kleine Schule des Lebens FÜNFUNDDREISSIG 395

Goethe

LITERATURNACHWEISE 401

AUTORENANGABE 426

Vorwort

Professor Dr. Hubertus Mynarek

Ich habe die Ehre, das Vorwort zu diesem Buch zu schreiben, dessen Autor durch fast alle Höhen und Tiefen des Lebens gehen musste, durch viele Unge-rechtigkeiten, die ihm angetan wurden, durch Versa-gungen und Verzichte, durch viele Hinder-nisse und Unebenheiten, die das menschliche Leben so man-chem beschert. Aber er behielt immer den Kopf über die Untie-fen eines nie voll durchschaubaren Men-schenschicksals und machte aus alledem das Beste, was er tun konnte, er brachte eine Synthese seiner Lebenserfahrungen mit der Weisheit der größten Denker und Charaktere der Philosophie-, Sozial-, Me-dizin-, Religions- und Kulturgeschichte zustande, die er in all seinen Büchern und eben auch noch einmal JUDQGLRV LQ GHP MHW]W KHUDXVJHJHEHQHQ %XFK Ä:HO t-bejahunJ³ KHUYRUUDJHQG SUlsentiert und demons-triert. Ich gratuliere ihm aus echter Über-zeugung zu diesem Buch und wünsche diesem Werk die Aner-kennung durch all jene, die in unserer dekadenten Zeit noch das Streben in sich spüren, in die tiefsten Schichten des geistigen und ethischen Menschseins vorzustoßen.

EINS

Ä:RKODQ QRFK HLQPDO ³ )ULHGULFK 1LHW zsche)

Der Geschmack und die Ideologien des Tages sollen uns wenig oder gar nicht interessieren oder berühren. Dem Geschmack der Menge zugeben, ist immer fatal. Moder-ne psychologische Methoden bis hin zur Folter, die lang-same Zermürbung durch diverse Behandlungsweisen der Massen, die Gehirnwäschen, wie sie in den sowjetischen und anderen psychiatrischen Kliniken und Lagern ange-wandt wurden, sind durchaus der Verfeinerung fähig ± diese Methoden der psychologischen Folter sind nahezu unbegrenzt. Sie arbeiten mit Angst, Isolation, und Schuld. Pawlows Gehirnwäschemethoden waren in ihren ent-scheidenden Anteilen jahrhundertelang auch Bestandteil der Religionen und anderer Ideologien und sind jederzeit DXI ÄPRGHUQH³ .ROOH ktive übertragbar.

Ein Individualist wie Theodor Fontane, der noch in intak-ten bürgerlichen Verhältnissen leben konnte, vermochte dies alles noch nicht vorauszusehen, denn seine Vorfah-ren aus der Gascogne waren ja refugées, waren Flücht-linge, die dem Terror der Glaubensverfolgung in Frank-reich glücklich entkommen waren und in Preußen aufge-nommen wurden. Dieser unabhängige und die gewonne-ne Freiheit schätzende Fontane schrieb an seine Frau am 14. Juni 1 IROJHQGHQ %ULHI Ä,FK ELQ DEVROXW HLn-

sam durchs Leben gegangen, , ohne Klüngel, Partei, Cli-que, Koterie, Klub, Weinkneipe, Kegelbahn, Skat und Freimaurerschaft, ohne rechts und links, ohne Sitzungen und Vereine. Der Rütli mit drei Mann kann kaum dafür gelten. Ich habe den Schaden davon gehabt, aber auch den Vorteil, und wenn ich´s noch einmal machen sollte, so macht´ ich´s wieder so. Vieles büßt man ein, aber was man geZLQQW LVW PHKU ³

Ein Leichtgläubiger ist Fontane nie gewesen, er begleitet mit krLWLVFKHU Ã:DFKVDPNHLW XQG als überzeugter Preuße seine Zeit. Er verlegte seine ganzen Interessen auf das Ä+LVWRULVFKH³ und stieg gewissermaßen aus der Zeit aus und nahm ± comme philosophe ± einen philosophischen und historischen Standpunkt ein, der ihn in die Lage ver-setzte, abseits von Tagesideologien sein Leben zu ge-stalten. Er hielt sich an die Regel Friedrichs des Großen, GHU VDJWH Ä-HGHU 0HQVFK VROOWH VLFK HLQHQ / ebensplan zurechtlegen, ebenso durchdacht und entschlossen wie ein mathematischer Beweis. Wer sich getreulich an ein solches System hielte, hätte dann die Handhabe folge-rechten und allezeit zielsicheren Handelns. Auif diese Weise wäre einer imstande, jeglicher Gestaltung der Din-ge und jedem Ereignis das abzugewinnen, was ihm auf seinem Wege zum Ziel weiterhülfe, so dass alles zur Ausführung seLQHV 3ODQHV GLHQHQ P•VVWH ³

Der Lebensplan, ein Schriftsteller zu werden, erfüllte sich erst in späteren Jahren, vorher betrachtete sich Fontane als einen, der viel schreibt. Sein Lebensglück war die Ehe mit seiner Frau und seinen sieben Kindern. Stets aber musste er, auch noch im Alter, für den Broterwerb kämpfen, denn er wollte als freier Mensch durchs Leben gehen und lehnte sogar die ehrenvolle Stelle eines Sek-retärs der Preußischen Akademie der Künste nach gut drei Monaten nieder. Es ging ihm nicht ums sichere Geld, sondern eben um seine Freiheit und um sein Inneres, wo die Quelle des Guten bei ihm kaum aufhörte zu sprudeln. So wurde er ein AltersZHLVHU GHU PLW VHLQHP Ä6WHFKOLQ³ sich das Monument eines Selbstportraits schuf. Das Zu-künftige focht ihn nicht an, getragen von seiner Lebens-zuversicht und seiner Geisteskraft, vom Vertrauen in den ÄDOWHQ .DLVHU³ XQG GHP ÄDlWHQ %LVPDUFN³ JLQJ HU PLW LKQHQ LQ GLH =XNXQIW XQG OHEWH GLH *HJHQZDUW Ä'LH JO•FN lichen =HLWHQ³ VDJW 7DFLWXV Ä VLQG VR VHOWHQ LQ GHU *HVFKLFKWH in denen man denken darf, was man will, und sagen darf, ZDV PDQ GHQNW ³ Er hatte viele Bekanntschaften, noch mehr aber mit guten Büchern ± die waren es letztlich, die seine Produktivität beförderten und ihn öfters ins Schlesi-sche, ins Riesengebirge, nach Schreiberhau führten, dort verlebte er seine schöpferischsten und glücklichsten Stunden. Dort fühlte er sich frei und keiner sagte ihm will-kürlich, nur auf diese und keine andere Weise freisein zu können. Er hatte sich also vom Broterwerb freimachen können von den äußeren Umständen und Freude am Erfreulichen gewonnen in Menschen und Dinge. Denn Menschen und Dinge bedurfte er eigentlich nicht sehr. Für ihn bestand Kultur und Lebensgenuss darin, an der eigenen Vollendung zu arbeiten und damit zugleich die Welt zu beschenken. Je lauter die Welt wurde, desto mehr zog es ihn ins Riesengebirge oder nach Mecklen-burg oder in den Harz, denn Ruhe und Schweigen sind Sprachen der Ewigkeit. Dies wusste er, da die Einsam-keit der Weg ist, wo das Schicksal den Menschen zu sich selbst führen will, denn alles Wissen und seine Vermeh-rung enden nicht mit einem Schlusspunkt. Deshalb war er hochproduktiv und schöpferisch bis in seine letzten Tage. Kurz vor seinem Tod dichtete er noch:

Andere regieren (regieren noch),

Ich stand unten und ging durchs Joch.

Entsagen und lächeln bei Demütigungen,

Das ist die Kunst, die mir gelungen.

Und doch, wär´s in der Wahl mir gegeben,

Ich führte noch einmal dasselbe Leben.

Und sollt´ ich noch einmal die Tage beginnen,

Ich würde denselben Faden spinnen.

Nach all den schöpferisch auch so anstrengenden Jah-ren kehrt im 80. Lebensjahr ein großes Ruhebedürfnis in ihm ein Am 18. eptember 1889 schreibt er an seine Frau: Ä,Fh erschrecke vor allem und selbst, wo genannte Ver-gnüglichkeiten in Sicht stehn, ist mein Trost: Ùm neun Uhr ist alles aus, nicht im Sinn einer Todessehnsucht, VRQGHUQ QXU LQ GHP WLHIHQ 9HUODQJHQ QDFK 5XKH C³ (U dichtet:

Mein Leben, ein Leben ist es kaum.

Ich gehe dahin als wie im Traum.

Wie Schatten huschen die Menschen hin,

Ein Schatten inzwischen ich selber bin.

Und im Herzen tiefe Müdigkeit ±

Alles sagt mir: Es ist Zeit.

Am 20. September 1898 stirbt er einen schnellen und gnädigen Tod, der seinen Schatten über den Dichter Theodor Fontane ausbreitet. Groß kann man sein im Glück, sagt Friedrich Schiller, erhaben sein nur im Un-glück. Fontane hatte alles erfahren und in seinen Gedich-ten zum Ausdruck gebracht, er hat das Leben mit dem Herzen gelebt, gelernt und gedacht. Das macht seine Altersweisheit aus! Dass es in der Welt sei, das Gute, war sein Bestreben. Er hatte Freude im Herzen und schmolz sie zur Weisheit um. Wie das Sprichwort sagt: Auf dem Weg durchs Leben kann man den Wind nicht immer im Rücken haben. In der Stille reifen die großen Dinge!

ZWEI

Die Wege des Lebens ± ÄGHV /HEHQV labyrinthisch LUUHU /DXI³ *R ethe)

Ich bin als Kind in einer Familie von Handwerkern groß-geworden. Meine Großeltern und Onkel waren Schlach-ter- und Bäckermeister. So pendelte ich zwischen Back-stube und Schlachterei hin und her. Es war alles sehr urig. Ich ging gern zur Grundschule und liebte meine Lehrerin. Auf der weiterführenden Schule war ich nicht so glücklich, war ziemlich faul. Das änderte sich erst, als ich die Lehre als Versicherungskaufmann antrat, um nach der Kaufmannsgehilfenprüfung später mein Abitur an ei-nem Wirtschaftsgymnasium zu machen. Im Studium in Göttingen studierte ich Deutsch, Geschichte - und Ver-gleichende Religionswissenschaft zwei Semester lang in Erlangen, um nach vier Semestern auf Volksschullehrer umzusatteln, in dem ich dann auch bald das Staatsexa-men absolvierte. Nach einer Phase der Arbeitslosigkeit (Einstellungsstop) wurde ich zunächst Medienanalytiker, bis ich als Grundschullehrer eingestellt wurde. Ich absol-vierte noch ein Fernstudium zum Schiftstellerberuf und schreibe seither philosophisch bestimmte Bücher. So HWZD GLH ³.OHLQH 3KLORVRSKLH GHU :HOW- und Selbster-NHQQWQLV´ 0HLQH +DXSWLQWHUHVVHQ VLQG 3KLORVRSKLH * e-schichte und Literatur. Ich höre viel Klassik und habe ei-ne große Bibliothek, wandere ein wenig und erfreue mich des Lebens.

Mit meinen Eltern hatte ich ziemliches Glück ± und wenn ich die Frage stelle, wie ich erzogen wurde, so lautet die Antwort ± bis auf gelegentliche Korrekturen: Gar nicht. Als jüngstes Geschwisterkind ließ man mir alle erdenkli-che Freiheit, die ich schon in der Grundschulzeit großen-teils mit Lektüren verbrachte. Ich hatte einen extra Lese-sessel, dort studierte ich die Bibliothek des Vaters von Tolstois Krieg und Frieden bis hin zu dem etwas düsteren Dostojewski, dessen Romane ich verschlang. Daneben dann meine Indianerbücher und meine Wald- und Forst-bücher ± ich wollte nämlich entweder Förster oder India-nerforscher werden. Das Leben hat es aber anders ge-wollt. Ich wurde Lehrer, Kaufmann, Medienanalytiker und Philosoph.

Schon als Kind interessierte und fesselte mich die Weis-heit der Naturreligionen, darunter die Weisheiten der nordamerikanischen Indianer, die fast ausgerottet wur-den und nun als Natives reüssieren. Das kann man ihnen nur wünschen, dass sie den aufgezwungenen Weg der gierigen amerikanischen "Zivilisation" hinter sich lassen, den american way of life, der ein rein materialisti-scher Weg ist in Hollywoodkostümen. Tiefe Einsichten dieser Ureinwohner beeindrucken mich auch momentan. Aber auch wir germanischen Völker sind bedroht wie einst die indianischen Völker. Dieser ideologische Mate-rialismus vernichtet alles, was wesenhaft ist und Wert hat.

Meine kleine Forstbibliothek beeindruckte mich. Schon der Vater wollte Förster werden, auch der Großvater, de-ren einer dann Schlachtermeister wurde, der andere Großvater war Bäckermeister. Großvater Schaare wurde Schlachter, weil er so gut mit Tieren umgehen konnte (eigentlich kein schöner Beruf, aber er und sein Sohn Hermann, Bruder des Vaters, vermieden jede Quälerei der Tiere! Ich wurde öfter Zeuge dieser Tötungen und Verarbeitungen. Großvater Conrad Schaare kam von einem kleinen Bauernhof, er war Kotsass. Seine Frau Helene vom urgroßväterlichen Hof in Calbecht, wo ich als Kind oft war.

Der andere Urgroßvater besaß als Kotsass derer von Altwallmoden ein kleines Gut, dass er im Nebenerwerb bewirtschaftete und als Großspänner eines reichen Bau-ern arbeitete. In Lichtenberg, dann in Heere ansässig, davor kamen alle aus Lichtenberg und Groß Elbe, wo es heute noch einen Schaare´schen Hof gibt. Wir alle kom-men aus dem ostfälischen Vorharzraum. Die sprachen die plattdeutsche ostfälische Mundart. Ich kenne dies alles, Dank der Forschungen unseres Onkels Hans, der mit einer Schwester des Vaters verheiratet war. Eine im-ponierende Persönlichkeit und ein Familienforscher. Alle seine Beiträge in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung waren wöchentlichen Arbeiten zur Familienforschung ost-fälischer Geschlechter und sind im Stadtarchiv Hildes-heim vorrätig!

Es gibt auf dieser Welt nichts Vollkommenes! Man kann sich nur bemühen, das Menschliche zu bewahren und zu realisieren, alles jenseits von irgendwelchen Ideologien und Verheißungen. Viele verheißen ja Neue Himmel, Neue Welten, Neue Erde, Anderswelten und wie der Un-sinn alles heißen mag. Es sind letztlich Fluchtwelten aus einer wieder ungemütlich werdenden Welt.

Denn ungemütlich ist sie wieder geworden. Da las ich kürzlich: "Noch einen Gruß an Lauterbach, Söder & Co. Wenn der große Betrug mit den Covid-Spritzen die breite Öffentlichkeit erreicht hat, müssen sie sich nicht vor den Ungeimpften fürchten. Die werden einfach froh sein, dass der Zirkus ein Ende hat und sie standhaft geblieben sind. Das Ausmaß des Zorns der Geimpften aber ist kaum ab-schätzbar. Schließlich sind sie es, die mit einem beschä-digtenImmunsystem leben müssen und der Angst, wel-che Langzeitschäden noch auf sie zukommen könnten. Die werden es sein, vor denen sie sich dann fürchten dürfen!"

So werden die nächsten Wochen und Monate eine Zeit intensiver Besinnungen werden - es liegt alles schon be-reit. Als Kind, vor allem als Grundschüler bis zur 5. Klas-se war ich ein intensiver Leser der indianischen Kulturen. Ich wollte - wie gesagt - Indianerforscher werden! Nun, im Alter, fiel mir ein schönes Buch über die "Weisheit der Indianer" in die Hände, die Weisheit von Menschen, die sich immer noch der Natur verbunden fühlen. Vielfach indianische Lyrik von eigener Schönheit und ehrfürchti-gem Empfinden gegenüber der Natur, eine natürliche Religiosität, die ich mitempfinden und verstehen kann.

Erst die christliche und kommunistische Scheinkultur mit ihren Missionierungsdrängen rotteten die Eigenkulturen dieser Naturvölker nahezu vollständig aus, oft auch gan-ze Stämme! Ihre Medizinmänner und Häuptlinge, die jungen Leute wurden in Missionsschulen gesteckt und Luther, Calvin oder nach irgendwelchen Heiligen und Päpsten benannt. Ausrottungen auch der eigenen Spra-chen durch jahrzehntelange, jahrhundertelange Umer-ziehung! 400 Jahre Kampf den indianischen Kulturen. Jetzt beläuft sich die nordamerikanische Population der Ureinwohner auf etwas über eine Million, früher waren es ± die Zahlen schwanken ± etwa 20 bis 40 Millionen Individuen. Vor der Landnahme durch Engländer, Portu-giesen und Spanier und Franzosen. Dies habe ich schon als Kind intensiv als frevelhaft empfunden, diese schrei-enden Ungerechtigkeiten, diese ganzen Umsiedlungen von fruchtbaren Regionen in Wüsten und Eiszonen. Das las ich schon als Grundschüler und sensibilisierten mich später für die Vertreibungsverbrechen an den Deutschen. Seit ihrem Bestehen 1776 hat die USA hundertfach Krie-ge, Revolten und Revolutionen angezettelt, Geldherr-schaft und Zerstörung - alles im Namen des Mammon und der Christlichkeit, hervorgegangen aus Sektengeist. Es ist ein Land der Sekten und Satanisten.

Ich für meinen Teil fühle mich der Naturkultur der indiani-schen Völker besonders von Nordamerika verbunden, ihrer schlichten und ehrfurchtvollen Religiosität. Es folgt ein schöner Auszug eines Gebetes einer jungen Indiane-rin unbekannten Volkes an den jungen Zederbaum:

Schau mich an, Freund!

Ich bin gekommen, dich um dein Kleid zu bitten

Du gibst uns alles, was wir brauchen -

dein Holz, deine Rinde, deine Äste.

Und die Fasern deiner Wurzeln. Denn du hast Erbarmen

mit uns.

Du bist gern bereit, uns das Kleid zu geben.

Ich bin gekommenj, dich darum zu bitten,

Spender langen Lebens.

Denn ich will ein Körbchen aus

Lilienwurzeln aus dir machen.

Ich bitte dich, Freund, zürne mir nicht..

Und ich bitte dich, Freund,

erzähle auch deinen Freunden, warum ich zu dir ge-

kommen bin.

Beschütze mich, Freund!

Halte Krankheit fern von mir,

damit ich nicht in Krankheit oder Krieg umkomme!

O Freund!

Ein FUHXQG NRPPHQWLHUWH GLHV ZLH IROJW Ä-D OLHEHU -o-chen, unsere Welt bietet so unendliche Reichtümer, von denen wir immer nur einen Bruchteil aufnehmen können. Jeder davon aber ist es wert.³

Daß sich gleichzeitig und allezeit viele Untaten auf dieser Welt abspielten, ist hinzunehmen. Gegen sie sich stem-men ist möglich nur bei den gegenwärtigen politischen und kulturellen Prozessen, hier freilich auch notwendig. Aus alten Überlieferungern gehen sie oft aus alten Wur-zeln hervor, so dürfen wir nicht verkennen, daß aus die-sen oft gute Blüten und Früchte hervortreiben und müs-sen solche immer unabhängig von ihren Wurzeln prüfen und, wenn gut geraten, sie anerkennen und fördern. Ka-tegorisches ÄAnhimmeln oder Verdammen trifft nur selten die komplexe, menschliche Realität.³

Ich habe mir heute einige Beiträge aus einem esoteri-schen Blog angesehen, mit einer ärztlichen Moderatorin. Wenn es nicht so traurig wäre, dass Menschen solchen Unsinn verzapfen und die Nöte der Menschen ausnüt-zen, dann könnte man darüber lachen. Da wird von Nah-toderlebnissen geredet (nun gut, die wollen alle ewig le-ben und das Erleben des frühkindlichen Austritts aus dem Geburtskanal wird im Wiedererleben eines traumati-schen Erlebnisses als Nahtod verklärt...), da wird von Inkarnation enwahl gesprochen, die Seele wähle sich vorgeburtlich seine Eltern nach einem übersinnlichen "Seelenplan", da wird davon gesprochen, dass mit den Ahnen lebendige Gespräche geführt werden, da werden sechs oder sieben Himmel postuliert (so ein "Biophysi-ker") etc.pp. Wenn der Habermas in einem Punkte ein-mal recht gehabt hatte, dann hier, dass es nämlich bei diesen Abergläubigen sich um sowohl ein "erkenntnislei-tendes Interesse" handelt, der Wunsch, den Tod zu überwinden, ewig zu leben, als auch um höchst esoteri-sche Welten des Aberglaubens und der "liberalen" Bigot-terie. Bei allem die Vermischung mit zeitgenössischem psychologischem Wissen mit ihren Wunschproduktionen. A l l e s vorgetragen mit dem Brustton der Überzeugung, dies alles als wissend voraussetzen zu können..

So sprechen Esoteriker wie ein Bestsellerautor von Selbstliebe, die ja natürlich ist und verbinden dies alles mit übernatürlichen Welten des Jenseits. Für ihren Unfug, den sie bei arglosen Menschen anricht - übernehmen sie natürlich k e i n e Verantwortung, das ist halt das Kar-ma, sie schieben dann alles in die Selbstverantwortung des Opfers, der eben kein gutes Karma hat. Dieser Sa-dismus findet immer wieder die Opfer, aber k e i n e Be-strafung der Urheber des Nonsenses. Auch die Modera-torin ist von diesem Unfug beseelt und hat eine vielfol-gende Interviewserie in Gang mit Esoterikern gesetzt - und das als Ärztin. Auch Professoren reden von solchem Irrsinn und nennen das übersinnliche Forschung jenseiti-ger Phänomene, von der Akashachronik bis zu den "hö-heren Welten" Steiners. Es sind halt neualte Formen von Theologien. Immer obenauf schwimmend mit dem Geist oder Ungeist der Zeit. Der ganze Aberglaube vergange-ner Jahrtausende wird da aufgerührt und mit "Wissen-schaft" drapiert. Fasse es, wer es fassen kann!

Für Johann Gottfried Herder war jede einzelne Kultur ei-ne einmalige menschliche Leistung. Daher kritisierte er den römischen, den katholischen, und englischen Impe-rialismus, die die Kultur anderer Völker als barbarisch einstuften und sie letztlich zerstörten. So war es auch kein Wunder, dass er abgrundtief auch die Vorstellung eines Kosmopolitismus und Universalismus ablehnte, ja verabscheute, wie ihn gewisse radikale französische Aufklärer kundtaten. Denn in den einzelnen Gemeins-chaften und Völkern gehören die Menschen einer ge-meinsamen Sprache und Kultur und Lebensgewohnhei-ten an, sind durch gemeinsame Gefühle miteinander ver-bunden. Dies alles sind nach Herder menschliche Grundbedürfnisse.-

Dies alles wird durch den Kosmopolitismus zerstört und zersetzt. Die Gemeinschaften werden der Vernichtung preisgegeben um eines Phantoms willen, um einer Geld-Ideologie willen, um dem Auskosten eines neuartigen, weltumspannenden ökonomischen Machtwillens frönen zu können. Aber diese Versuche der Ideologen haben den Völkern, die sie so verabscheuen, haben der Menschheit immer viel Blut und Schrecken gekostet. Man lese dies bei Karl Popper nach. Der Mensch bleibt, trotz aller gegenteiligen Versuche, immer eine Unzulänglich-keit mit vielen größenwahnsinnigen Attitüden. Der Mensch kann die Perfektion der Technik nie erreichen, erst recht nicht durch den Transhumanismus, der neue schreckliche Welten heraufbeschwört.

Nietzsche sagt über die Gefahr, wenn sie am größten ist: "Man bricht das Bein selten, solange man im Leben mühsam aufwärts steigt - aber wenn man anfängt, es sich leicht zu machen (etwa durch Esoterik oder durch die technische Perfektion) und die bequemen Wege wählt....", nähert sich Abgründen. Halten wir es mit den Stoikern, aber nicht mit deren mitunter grassierenden Fatalismus, - keiner reinen Schicksalsgläubigkeit sei hier dass Wort geredet, sondern ihrer humanen Lebensphilo-sophie und der Gestaltung eines sinnhaften und edlen Lebens. Darüber später mehr. Auch einer pantheisti-schen Lebensphilosophie bin ich nicht abgeneigt, die be-sagt, dass Gott und die Schöpfung eins sind. Das ganze Sein, die Natur, die Tier- und Pflanzenwelt, auch der Mensch werden hier human zusammengedacht, fern von aller Offenbarungsreligiosität absoluter Religionen der Monotheisten, die von einer radikalen Trennung von Gott und Schöpfung ausgehen und diese durch die Jahrtau-sende postulieren.

Giordano Bruno entwickelte eine neue Naturauffassung. Gott und die Schöpfung sind eins! Dies bekämpften die Kirchen radikal, weil sie der Lehre eines personifizierten, allmächtigen Gottes widersprach. Schopenhauer aber sprach vom Pantheismus DOV GHU ÄYRrnehm(st)en Form des Atheismus³ %UXQR PXVVWH VHLQ /HEHQ DXI GHP Scheiterhaufen lassen. Aber immerhin: Die Kirche erklär-te im Jahr 2000 seine grausame Hinrichtung als Unrecht.

Wie in Trance bewegt sich heutzutage das Publikum zu diversen esoterischen Zentren und anderen Stätten der Entrückung und Irrealität. Die Menschen flüchten sich vielfach in solche Welten, wo man keine Fragen mehr stellen muss. Und wenn man nicht weiß, wohin man geht, weiß man auch nicht mehr, woher man kommt. Man hat die Quellen vergessen, aus denen in Wahrheit Erkennt-nis und Lebenskraft zu ziehen sind. So ist oft die Religion eine Massenveranstaltung wie der heutige Psychotismus, wie die heutige Massenpsychose, die von den Mächtigen systematisch erzeugt wird. Aber, wie Franz Kafka sagte, der Mensch braucht etwas Unzerstörbares, und zwar in sich, er braucht auch Vertrauen. Und da fallen die Menschen auf die Falschen herein! Die Verhältnisse im Außen werden immer düsterer, was bleiben kann ist nur, das Unzerstörbare eben in sich zu suchen und zu finden. Die Quellen sind in der abendländischen Aufklärung, bei den Alten zu finden. In der Lebensphilosophie. Dort sagt Nietzsche: "Alles geht, Alles kommt zurück; ewig rollt das Rad des Seins. Alles stirbt, Alles blüht wieder auf, ewig läuft das Jahr des Seins!"

Diese Zustände! Jetzt verfolgen sie auch solch mutige Frauen wie die Miriam Hope. Morddrohungen! Entsetz-lich! Das ist alles nicht ermutigend. Lese gerade den Al-bertSchweitzer in seinen kulturphilosophischen Schrif-ten. Dort bescheinigt er den Menschen in seiner ethisch geprägten Weltanschauung, die den Gedanken erträgt, dass der Mensch in der Welt etwas Vorübergehendes sein könnte. Dieser furchtbare Hass überall gegen an-ständige, aufrechte Menschen. Schweitzer kann dazu sagen: "Jede Herabminderung des Willens zum Leben (das geschieht momentan ja weltweit!) ist eine Tat der Unwahrhaftigkeit mit sich selbst oder eine Erscheinung von Krankhaftigkeit!" So ist die Welt momentan wieder ein grausames Spiel der "Selbstentzweiung des Willens zum Leben". Das ist zugleich Zerstörung auch der Ehr-furcht vor dem Leben. Ratlos sehen wir dieser zerstören-den Kraft zu, suchen "Sinnvolles im Sinnlosen, Sinnvolles im Sinnvollen, dies ist das Wesen des Universums..." Also ist es die einzige Möglichkeit des Menschen, seinem Dasein einen Sinn zu geben, dass er sein natürliches Verhältnis zur Welt ins Geistige erhebt, um das Wesen des Guten am Leben zu erhalten. Dann führt er aus: "Das Wesen des Bösen ist: Leben vernichten, Leben schädigen, Leben in seiner Entwicklung hemmen." Dies geschieht ja gegenwärtig wieder! Das Grundprinzip aller Ethik muss daher die Ehrfucht vor dem Leben sein. Sie sei das tiefste und größte Gefühl, dessen ein Mensch fähig ist.

Zwar ist Gott wesenhaft eine menschliche Projektion, sagt Ludwig Feuerbach, ein kindlicher Irrtum, es sind al-so die Menschen, die sich ihren Wünschen und Sehn-süchten entsprechend unabhängige Götter schaffen, Ideale der Vollkommenheit und Güte. Doch lag es Feu-erbach und liegt es anderen Philosophen daran, diesen abstrakten Göttern ihre göttliche Vollkommenheit auf le-bendige Menschen zu übertragen. Der Mensch soll die Vollkommenheiten, Wünsche und Sehnsüchte auf sich VHOEVW ÄSURML]L eUHQ³ XQG GDV 'DVHLQ GDGXUFK YHUHGHOQ XQG auch versittlichen, also vom Außen in das Innere des Menschen übertragen, verdolmetschen. Nicht Gott, son-dern der Mensch, so Feuerbach ± Äsei dem Menschen HLQ *RWW³ Damit wird auch der gegenwärtig grassierende Nihilismus obsolet, den schon Friedrich Nietzsche an-prangerte. Absolute Wahrheiten kann es demnach nicht mehr geben, übermächtige Götter beherrschten lange Zeit genug die geplagten Menschen ± wohl aber kann man dem Leben Sinn und Orientierung verleihen, wenn der Wert- und Sinnlosigkeit des modernen Lebens durch rücksichtslose Bejahung des menschlichen Daseins und Bemühens Sinn und Freude geschaffen wird. Ä:HU GDV *UR‰H³ VDJW ZLHGHU 1LHW zsche, ÄQLFKW LQ *RWW ILQGHW ILQGHW es überhaupt nicht« XQG PXVV HV HQWZHGHU OHXgnen RGHU VHOEVW VFKDIIHQ ³ Das christliche Gottesbild ist für diesen Philosophen völlig korrumpiert Er wollte einen eher ehrgeizigen und zufriedenen Typus Mensch schaf-fen. Trost im Leben muss man bei sich selbst finden, wenn er überhaupt einen solchen braucht. Den rach-süchtigen, ressentimenterfüllten Gott verlegt er in eine unselige Vergangenheit, der für die Zukunft nicht tauge. Dem leidenden Christus stellt er Bacchus gegenüber, den Gott Dionysos, dem Gott des Weines, der Freude und der Fruchtbarkeit.

Damit ist auch dem Quietismus eine radikale Absage er-teilt, einer Denkweise, die dem praktischen Leben ent-sagt, um in Weltflucht, Askese und innerem Gebet der Welt und ihren Verlockungen zu entsagen. Denn dies würde bedeuten, dass man in der Hinwendung zu Gott den eigenen Willen preisgibt und ebenso der ichbezoge-nen Reflexion. Zwar bedeutet Leben auch vielfach Lei-den (Schopenhauer), um in einer angeblich sinnlosen Welt Erfüllung finden zu können. Aber einer solchen Ab-kehr von Welt und Leben widersprechen sowohl vehe-ment Nietzsche, Jaspers, der Common sense und vor allem auch Ludwig Feuerbach.

Wenn wir also Gott im Nächsten finden, schaffen wir den Sinn, den wir suchen. Voraussetzung dafür ist der innere Frieden, den wir zunächst in uns selbst schaffen müssen, denn nur im inneren Frieden ist auch fruchtbare Begeg-nung mit anderen Menschen möglich. Bedenken wir fer-ner, dass es vor allem auf Befriedigung qualitativer Be-dürfnisse ankommt, denn die quantitativen bleiben durch ihre Unzahl immer unbefriedigend, so wie der Materialis-mus niemals befriedigend sein kann ± bis auf die not-wendigen grundlegenden Bedürfnisse nach Essen, Un-terkunft und Trinken, die die Voraussetzung zur Befriedi-gung von Sinnbedürfnissen sind. Moralismus sei aber ferne, denn der Moralist gibt sich zwar durch oft eitle Selbstdarstellung als Menschenfreund aus, ist aber in Wirklichkeit nicht beziehungsfähig, weil jedes Gegenar-gument als massiver Angriff fehlinterpretiert, als irrational und unmenschlich diskreditiert wird. Einer wirklichen Be-gegnung, einem wirklichen Gespräch wird dadurch der Riegel vorgeschoben. Das wusste auch Schopenhauer, der die Kunst der Eristik gut kannte und durchschaut hat-te.

Aber auch Karl Jaspers anerkannte das menschliche Be-dürfnis nach Gott, wenn auch in einem anderen Ã6LQQH als Ludwig Feuerbach. Auch dieser große Philosoph lehnte den christlichen Offenbarungsglauben ab, kritisier-te die Gnadenvorstellung, als ob der Mensch nicht fähig sei, selbst Sinn zu schaffen. Er lehnte also den Wahr-heitsanspruch der Kirchen ab und untermauerte die schöpferische Kraft des Menschen und vor allem immer die Möglichkeit zur Freiheit. Dieser Gedanke führte den Philosophen dazu, von einem philosophischen Glauben zu sprechen und ihn zu leben, denn die menschliche Er-kenntnisfähigkeit und Möglichkeit ist immer begrenzt und fragwürdig. Vor allem war Karl Jaspers jeder Absolutis-mus untragbar, jedes Denken muss vom Absolutheitsan-spruch Verzicht leisten. Dadurch ermöglichte Jaspers, dass auch verschiedene religiöse Traditionen ± wie zum Beispiel Naturreligiosität, die mir am Herzen liegt, mit Respekt und Toleranz begegnet werden kann.

Die momentanen Zustände deuten darauf hin, dass man sich wieder mit dem Tode vertraut machen muss, erst dann werden die Geister zum Leben und Überleben ge-weckt. Die Herrschenden meinen es also nicht gut mit den Menschen, mit uns Deutschen. "Die Wahrheit der Menschen", sagt Friedrich. Nietzsche, Äsind die unwider-legbaren Irrtümer!" So ist es, und viele werden jetzt ihrer Irrtümer ansichtig und stehen hoffentlich zu Millionen auf. Diese Regierungen sind entsetzlich und dienen dem "Heuchelhund Staat" (Nietzsche) und dem großen Kapi-tal.

An dieser Stelle wird es daher nötig, auf die vom Philo-sophen Boethius gefundenen fünf Merkmale des Glücks zu verweisen:

x Autarkie:

x Macht. Gewisse Umstände müssen in unserer

Macht bleiben, um ein selbstbestimmtes und

glückliches Leben führen zu können.

x Anerkennung: dessen also, was man als Mensch

im Leben leistet.

x Glanz und

x Annehmlichkeit mit der Fähigkeit und Möglichkeit,

sich am, Leben erfreuen zu können.

Nicht immer wird das menschliche Glück in all diesen Formen realisierbar sein, man muss sich zunächst auch mit dem Verfübaren zufrieden stellen können, darin be-steht ja gerade eine tiefere Lebenskunst. Aber unser Streben wird gewiss stets darauf gerichtet sein, eine An-näherung an die Einheit dieser Wesensmerkmale zu er-reichen, auch unter schwierigsten Umständen wie Not, Krieg, Terror und Gewalt. Heraklit sprach von der Kraft des Werdens. Die Schöpfung war schon immer da, aus dem Nichts kann gar nichts geschaffen werden. So auch nicht in der Not: Man denke an Salamis und die großarti-gen schöpferischen Folgen für das alte Griechenland, man denke an den Dreißigjährigen Krieg und die un-glaublichen Aufbauleistungen, an die vielen Genialen in der Barock- und Aufklärungszeit, an das spielerische Ro-koko, man denke an den Aufbauwillen in Deutschland nach zwei Weltkriegen, man denke an die großartigen Leistungen in Philosophie und Kunst.

Sie sind immer schon da, in den Menschen scheint eine Urenergie zu liegen, die allen Destruktionen und Teufe-leien zu widerstehen vermag und Neues zu schaffen in der Lage ist. Wie Heraklit sagt, bleibe das (kosmische und geistige) Feuer lebendig indem es durch Flammen anderes verzehrt im Wechselspiel von Leben und Zerstö-rung. Das geistige Feuer als Urenergie verstanden, als schöpferische Kraft nach allen Niedergängen und Kata-strophen.

Das sind keine mystischen Erfahrungen, sondern Tatsa-chen eines vieltausendjährigen Bewusstwerdens menschlicher Erfahrungen in der Geschichte. Letztlich wurde das Selbst, das Ich immer in solchen Aufbauleis-tungen gewonnen - in der Annahme der conditio huma-na. Den Zerstörern und Zersetzern zum Verdruss und Hass. Zwar gibt es auch mystische Erfahrungen als Selbstfindungsprozesse, aber entsprechende Bücher und Kurse vermitteln in den esoterischen Welten zumeist nur Scheinwissen, um damit viel Geld verdienen zu können. Der Weg der Meditation und Versenkung wird hier nicht gegangen, die Trennung von Gott und seinen Geschöp-fen wird durch Mitmenschlichkeit und Taten gewonnen, nicht durch Weltfremdheit. Die Vereinigung mit den Göt-tern geschieht durch harte Arbeit und Aufbauwillen in der Praxis! Macchiavelli spricht sogar davon, dass alle Reli-gionsgründer zumeist gemordet und Verbrechen began-gen hätten.

Wenn die Menschen durchgängig gut wären, hätten wir die meisten Probleme nicht. Hier verweise ich auf den Psychologen Franz Ruppert, der als Traumaexperte die Täter-Opfer-Beziehungen genauestens untersucht hat (vergl, seinen Vortrag am 07. 01. 2022: ÄWer bin Ich und was will Ich in einer Welt voller Gewalt? Wie Täter-Opfer-Dynamiken entstehen und wie wir uns daraus befreien können"). Philosophie ist also auf ständiger Suche nach der Wahrheit und nimmt die Anregungen und Hilfen aus Psychologie und Psychiatrie dankbar an. Karl Jaspers, selbst Psychiater, fordert und realisierte eine Philosophie durch und als Wahrhaftigkeit. Dazu gehöre auch der Mut HLQ]XVHKHQ GDVV HLQ ÄXnkritischer Wahrheitsfanatismus XQZDKUKDIWLJ³ LVW . Philosophie führt also immer zur kriti-schen Auseinandersetzung mit gewonnenen Positionen, führt immer auch zur Selbstkritik. Das bewahrt uns vor der Neigung, durch den Glauben endgültige Wahrheiten zu erringen. Indem sie uns ermutigt, den eigenen Kopf zu benutzen, befreit sie uns aus den Fesseln eines jeden Dogmatismus. Man muss bestrebt sein, die eigene Ver-nunft mit der Weltvernunft in Annäherungen, in Überein-klang zu bringen.

In Annäherungen ± mehr ist dem Menschen nicht mög-lich! Es gilt der Satz enes Neueren: Ä1LHPDQG JODXEW stärker an den Sinn des Lebens als derjenige, der ihn bestreitet³ -HDQ *URQGLQ Und wenn Äunser Leben sich neigt, sagt nun Johann Heinrich Pestalozzi, ÄVR ZROOHQ wir sein wie die Bäume des Herbstes, voll reifer Früchte.³ Tradition in allen Einsichten ist wie ein dahinströmender Fluss: Ä'LH 6WU|PXQJ GHV )OXVVHV JLEW unserem Leben und Handeln eine Richtung und einen gewissen Sinn vRU ³

DREI

Kleine Lebensphilosophie

Unsere moderne Zeit ist durch und durch vom materiellen Denken bestimmt ± und der Massenkonsum bewirkt eine im Außen und an den materiellen Dingen verhaftete oberflächliche Lebensweise. Man glaubt tatsächlich, alles per Knopfdruck erlangen zu können. Dies führt an den eigentlichen Lebensaufgaben und an Sinnerfüllungen allerdings vorbei. Die alten Griechen und ihre Philoso-phen, oft eng mit einer natürlichen Weltdeutung verbun-den, ja, sie lebend, kehrten sich von allen materialisti-schen Einseitigkeiten ab, wandten sich dem Seelischen zu, weil sie die Seele nicht unter das Diktat zur Befriedi-gung sinnlicher Begierden zwingen wollten; der Leib soll-te nicht das Grab der Seele werden, die sollte vielmehr gutes Handeln hervorbringen, da die Seele es vermag, sich von falschen Begierden und Gelüsten zu emanzipie-ren und ein weisheitliches Leben zu ermöglichen und zu führen. Sie erst kann das Nachdenken evozieren und mit Emotion, mit der Welt des Fühlens auszufüllen. Das See-lenheil stellten also die Philosophen an die oberste Stel-le, dieses Streben erst vermag die materiellen Begierden zu lenken und zu zähmen, zu steuern, und zwar in eine ethisch bestimmte Mündigkeit.

Mündigkeit ist also eine ethisch fundierte Lebensaufgabe, von der auch Immanuel Kant sprach, nämlich vom Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen als Voraus-setzung, eigene Entscheidungen für das Leben zu treffen im Vermögen, das Gute und Treffliche vom Schlechten zu unterscheiden. Die Menschen sollen also vom Außen unabhängig(er) werden, philosophische Perspektiven einnehmen, ein Inneres ausbilden und von der Abhän-gigkeit der Meinungen anderer loszukommen, von Ideo-logien und Kirchen, von Fremdbestimmtheiten, Unfähig-keiten und anderen Unmündigkeiten. Dies erkannte schon der chinesische Philosoph Lao Tse; Kant wird ihm sicherlich zugestimmt haben:

Ä:HU DQGHUH NHQQW LVW NOXJ

wer sich selbst kennt, ist erleuchtet.

Wer andere überwindet, hat Kraft,

wer sich selbst überwindet ist stark.

Wer weiß, dass er genug hat, ist reich. Wer nicht aufgibt, zeigt Willensstärke. Wer seinen Ort nicht verliert, wird nicht untergehen. wer stirbt, ohne sich selbst aufzugeben, bleibt ewig ein Teil des Lebens.

Diese Sätze gingen mir nach. Denn, in der Tat, hier wer-den ethisch-schöngeistige Gedanken artikuliert, die fes-ten Halt geben. Alles wird unter das ÄDiktat³ der Vernunft und der Realität gestellt. Was meine ich damit? Ver-schiedenste Philosophien mit ihren Einsichten geben ± durch die Jahrtausende - gültige Positionen zu leben, die in die Lage versetzen, nun neben schöngeistiger Le-bensphilosophie Weisheitslehren und personale Zielstre-bungen zu verwirklichen, die bisher durch das strikte Re-alitätsgebot der materialistischen Konsumorientierung (viel reisen, viel verbrauchen, viel Oberflächlichkeiten leben) die Orientierung am schöngeistigen Bestrebungen des Geistes arg behinderten. Ich will mich nun verstärkt GHP Ä6FK|QHQ *XWHQ XQG :DKUHQ³ zuwenden. Die ma-teriellen Bedürfnisse sind weitgehend gestillt und bedür-fen keiner Steigerung mehr, die eigentliche Lebensquali-tät liegt im Seelisch-Geistigen, in der Philosophie halt, denn im Irrsinn der Zeit sich primär als SROLWLVFKHU Ä$NWi-YLVW³ oder Partei-Politiker zu betätigen, dies ist auch eine Art von Wahnsinn. Der Lebensphilosoph sieht die Befrie-digung im Schaffen, die anderen Befriedigungen sind schal geworden und wie nicht mehr vorhanden. Und die beste Art, sich zu wehren, bestand schon immer darin, sich nicht anzugleichen. Wenn man also die Neugier auf ernsthafte Dinge richtet, sagt Marie von Ebner-Eschenbach, nennt man sie Wissendrang, - nicht Kon-sumdrang, meint also die Befriedigung geistiger Bedürf-nisse, nicht das Sich-Verlieren im Außen. Zwar kann man das Gestern nicht mehr ändern, aber man kann sein Le-ben vertiefen, indem man Erfahrungen bewahrt und als Hilfe für die Zukunft nimmt. Und wer Ideen hat, ist stark, und wer Ideale hat, ist nahezu unbezwingbar. Auch ist es wahr, dass es ohne Vergangenheit ± auch mit bitteren Erfahrungen ± keine Zukunft geben kann. Die Vergan-genheit gilt es also als Reifeerfahrung zu bewahren, die Gegenwart lebensphilosophisch zu gestalten und so in die Zukunft zu gehen. Hier mag ein heiterer Spruch von Geoffrey Chaucer gelten (leicht verändert):

Doch wenn er auch ein Philosoph schon war,

Erhielt sein Koffer wenig Geld in bar:

Denn alles, was das Schicksal ihm gespendet,

Zum Studium er und Bücherkauf verwendet.

Wie kam es dazu? Dadurch, dass mir klar wurde, in ei-nem Alter zu sein, wo jeder Tag mit Lebensqualität erfüllt sein sollte ± meine Schlachten sind zwar nicht alle, aber die meisten sind geschlagen, jetzt gilt es, alles auszufor-mulieren, auch das Schöngeistig-Sinnerfüllende, wozu das Alter doch geradezu einlädt und prädestiniert ist. Ä(GOHU *HGDQNHQ 6FKDW]³ VR KHL‰W HLQ NOHLQHV YRU]•JO i-ches Büchlein) im Leben zu verwirklichen, solange dies in dieser Zeit und gesundheitlich möglich ist.

Man kann nur einen kleinen positiven Beitrag zum Leben leisten ± und zwar möglichst in Richtung Vernunft, in Richtung auf das Gute, Schöne und Wahre!

Man muss das Seinige

tun und denken, dass alles,

was mit Ernst und Liebe

vorgetragen wird,

nicht ohne Nutzen bleibt.

Goethe

Das erscheint wenig und ist es auch, doch Alter und in-neres Vermögen und äußere Verhältnisse setzen Gren-zen.

(PLOH =ROD VFKUHLEW Ä-HGHU soll seine Aufgaben erfassen und diese soll sein Leben ausfüllen. Es kann eine ganz bescheidene Aufgabe sein, aber sie ist deswegen doch etwas Nützliches und Wertvolles. Es kommt nicht darauf an, worin sie besteht, wenn sie nur da ist und uns auf-rechterhält. Wenn du sie ausführst, ohne dabei das Maß zu überschreiten, gerade so viel, wie du jeden Tag leis-WHQ NDQQVW GDQQ ZLUVW GX JHVXQG XQG IURK OHEHQ ³ ,FK ELQ kein Apokalyptiker, ich will die Realität erfassen, so wie sie ist, ohne dabei das eigentlich Lebensdienliche, das was möglich ist für ein kleines Leben, aus den Augen zu verlieren. Friedrich.Georg Jünger schrieb einmal, dass es darauf ankomme, das Gute und Schöne ± trotz allem ± hervorzubringen. daran habe ich mich seit vielen Jahr-zehnten gehalten, zumeist lebensphilosophisch, - nun ist es an der Zeit, dies verstärkt lebensweisheitlich und schöngeistig zu tun, denn ich kann an den Verhältnissen wenig ändern, lediglich helfen, einen Wandel im Kleinen vorzubereiten, so wie es viele Schriftsteller ± auch die GHU ÄLQQHUHQ (PLJUDWLRQ³ ± getan haben. Mehr ist mo-mentan nicht möglich, aber es ist möglich, sein kleines Leben in die Ordnung und verstärkt in die Sinnhaftigkeit zu bringen, an das Leben und den Lebenswillen zu glau-ben und das letztlich doch Gute zu realisieren. Sei es nun als Widerstand, sei es in der Überwindung der inne-ren Not des Zeitalters.

%RULV 3DVWHUQDN VFKULHE Ä1LHPDOV XQG XQWHU NHLQHQ % e-dingungen dürfen wir verzweifeln. Zu hoffen und zu han-deln ± GDV LVW XQVHUH 3IOLFKW LP 8QJO•FN ³ 8QG Seneca: Ä-HQH DQGHUHQ :HUWH DEHU GLH LP , nneren wurzeln, sind zuverlässig und dauernd. Sie wachsen und begleiten uns bis ans Ende. Was aber die Menge anstaunt, sind nur YHUJlQJOLFKH 6FKHLQZHUWH ³ 8QG ZHLWHU Ã$O fred Tennyson: Ä«QRFK LVW HV QLFKW ]X VSlW ]u streben, zu suchen, zu finGHQ XQG QLFKW ]X HUODKPHQ ³

Es kommt also nicht darauf an, wie die oft verlogene Presse, aus allem ein Problem zu machen und Ängste zu schüren, sondern darauf aufzubauen, menschliche Ziele und Werte zu verwirklichen, um dem Land auf diese Wei-se das Überleben mit zu ermöglichen. Dazu verhilft auch die Weisheitsliteratur an ganz vorderer Stelle. Darin sehe ich meine Aufgabe für den Rest des Lebens. Die Ver-nunft ist nämlich nicht auf der Suche nach Wahrheit (dies auch), sondern nach Sinn, schreibt Hannah Arendt, denn Wahrheit und Sinn seien oft nicht dasselbe Und wer nie-mals eine philosophische Anwandlung verspürt hat, der geht durch das Leben wie in einen Käfig eingeschlossen. Ä6REDOG ZLU DEHU DQIDQJHQ ]X SKLORVRSKLHUHQ I•KUHQ selbst die alltäglichsten Dinge zu Fragen, die man nur sehr unvollständig beantworten kann. Die Philosophie kann uns zwar nicht mit Sicherheit sagen, wie die richti-gen Antworten auf die gestellten Fragen heißen, aber sie kann uns viele Möglichkeiten zu bedenken geben, die unser Blickfeld erweitern und von der Tyrannei des Ge-wohnten (und der gegenwärtigen Zeit, J.S.) befreien³ (Bertrand Russell).

Das Leben sollte täglich mit Zuversicht und Hoffnung ge-staltet werden, dazu verhelfen auch solche Bestätigun-gen aus der Philosophie. Man sollte vorsorglich auf die zählen und hören, die die meiste Lebenserfahrung und Lebensklugheit besitzen. Auch Weisheitslehren sind nicht in allen Teilen weise, aber ich studiere viel und fleißig danach! ± Und die sich mit Weisheit schmücken ± wie viele Esoteriker, die auch viel Mist verbreiten und aufbür-den, haben oft auch völlig abwegige Theorien und Leh-ren, die andere beeinflussen wollen. Hinzukommt, das die meisten Menschen keine Wahrheitssucher sind, son-dern Meinungsstreiter. Jede Weltanschauung, vor allem die ideologischen und die religiösen, sind oft nichts wei-ter als ins Transzendente, ins Jenseits projizierte An-schauungs- und Empfindungsweisen sehr irdischer Wün-sche und Hoffnungen.

Aber man sollte sich schon in jungen Jahren daran ge-wöhnen, auf die Gebildetsten und Erfahrendsten zu hö-ren. Für mich war das damals, in der Studentenzeit und danach, ein großes Problem ± denn wo findet man sol-che Menschen? Welche sind wirklich durch Beispiel glaubhaft. Ich bin halt an die Falschen geraten und muss-te sehr teures Lehrgeld bezahlen. So wurde ich schließ-lich ein radikaler Selbstbildner. ÄDas Wesen der Philoso-phie ist³ nämlich, wie Johann Gottfried Herder sagt, ÄIdeen, die in uns liegen, gleichsam hervorzulocken. Wahrheiten, die wir nur dunkel wussten, zur Deutlichkeit aufzuklären, Beweise, die wir nicht in allen Mittelursa-chen KHOOH IDVVWHQ ]X HQWZLFNHOQ ³ Und der Spötter und $SKRULVWLNHU .DUO .UDXV PHLQWH GDVV Ä3KLOosophie nicht mehr (ist) als der Mut, in einen Irrgarten einzutreten. Wer aber dann auch die Eingangspforte vergisst, kann leicht in den Ruf eines selbständigen Denkers kommen.³

Auch gilt, dass die Bildung nicht nach dem Beruf eines Menschen zu beurteilen ist, sondern danach, was er seit Jahren oder gar Jahrzehnten studiert und erforscht hat. Und eine aufrichtige Gesinnung hilft, mit vielen Proble-men fertig zu werden und sich nicht zu falschem Denken und Handeln verleiten zu lassen. Das aptum ist es, sag-ten die Lateiner, stets das Richtige und Bessere zu wäh-len. Das aber erfordert viel Übung, Lebenserfahrung, Realismus und eine Portion Glück. Nicht meinen oder glauben, sondern danach zu streben, was als Wissen gelten kann, was das Richtige ist. Das ist vielleicht die größte Bildungsleistung. Die Gewohnheit, das jeweils Treffende und Richtige zu wählen, wird mit den Jahren der Erfahrung dann gewissermaßen zum zweiten Le-bensinstinkt.

Viele Denk- und Lebensfehler haben Ängste zur Folge. Gelingendes Leben ist oft Glückssache und man kann auch lebensgefährlich scheitern, oder die Umstände sind zu ungünstig. Es gibt auch Schicksal, wie man heute bei den vielen Kurzarbeitern und Arbeitslosen sehen kann, an der Vernichtung des Mittelstandes durch die Herr-schenden, durch die steinreichen Gewinner dieser gan-zen Unterdrückungen; so gilt für sehr viele Menschen heute: Arbeit weg, Haus weg! Lebenssinn weg! Die meis-ten Menschen sind außenorientiert und kennen nur we-nig Innenleitung oder sind ausschließlich auf äußeren Erfolg affiziert, bilden sich nicht als Menschen aus. Dann die elenden Medien! Diese Verdummungen und Desin-formationen! Aber die Lebensphilosophie kann helfen, das reiche Arsenal, das den Lebenden helfen kann, sich seine eigenen Gedanken zu machen und die Empfindun-gen und die ÄGXQNOHQ 'UlQJH³ (Ludwig Marcuse) ans Licht zu heben und heller zu machen. Das ist also das Gegenteil von von der Schamanen- und spekulativen Philosophie, von der Max Stirner sprach, die er nämlich als die unterste und als die oberste Sprosse auf der Stu-fenleiter des innerlichen Menschen bezeichnet, - die ÄPLW Gespenstern, Dämonen, Geistern und Göttern³ kämpfen.

Sagen und Geschichten von Göttern sind gewiss interes-sant, oft voller Weisheit und Tiefe, sind aber nicht Ge-genstand der praktischen Philosophie, sondern der My-then- und Religionserforschung. Darüber später einmal mehr. Denn das Philosophieren, sagte Krates von The-ben, muss euch wichtiger sein als das Atemholen. Sicher ein wenig übertrieben, aber Äder Philosoph ist der Nüch-terQH³ inmitten aller Trunkenheit ÄHU GXUFKVFKDXW GLH Illusion, deren willenloses Spielzeug die Kreaturen sind; er lässt sich weniger als andere von seiner eigenen Natur narren, der urteilt gesünder über den Grund der Dinge. Darin besteht seine Freiheit: klar sehen, nüchtern sein, VLFK 5HFKHQVFKDIW JHEHQ ³ +HQUL )U édéric Amiel).

Wie soll sich heute ein junger Mensch ins Leben hinein-bewegen, wenn schon ab der Grundschule und dann weiter oft nur noch Ideologie vermittelt wird, Genderis-mus, sechs Geschlechter und mehr, Perversionen als normal dargelegt werden, zur Hurerei animiert? Es gibt keine Normalität mehr! Der Staat und die gesellschaftli-chen Gruppen erzeugen Wahn- und Unterdrückungssys-teme. Früher sagte man: Die wichtigste Ausbildung brin-gen Leben und Erfahrung. Ja, bei intakten Institutionen und gesunden Ordnungen! Heute ist nichts mehr in Ord-nung. Inkompetenz, Irrtum, Dekadenz, Degeneration und beginnende Tyrannei! Es gibt auch keine tiefere Bil-dungsvermittlung mehr. Früher waren die deutschen Bil-dungseinrichtungen Weltspitze, heute nur noch Ideolo-gievermittler und Stümpereien. Wahre Werte werden durch die Medien gar nicht mehr vermittelt, nur noch schlechte Vorbilder. Fernsehen und die Medien sind seit vielen Jahren Einrichtungen wie im Irrenhaus. Sie ver-dummen systematisch. Verbreiten nur noch Propaganda und Klamauk!

Und wenn wir nicht mehr auf die hören können, die es wissen,, wirklich mit tiefem Bildungshorizont besser wis-sen, ich nenne von den Neueren hier mal Josef Rattner, Ernst R Sandvoss, Hans Ebeling, Karl Jaspers u.v.a.m - dann geht die ganze Gesellschaft ins Chaos über. Denn es wird nicht mehr erfahren, was wirkliche Werte sind, die doch ein ganzes Leben lang Gültigkeit besitzen sollen. Das ist dann wieder die Stunde der Ideologen und Reli-gionen. Aber der Philosoph Amiel sagte schon vor 100 -DKUHQ Ä'HU 'urchschnittsmensch zweifelt an nichts und ahnt nichts. der Philosoph ist bedachtsamer. Er ist sogar zum Handeln ungeeignet, weil er wohl das Ziel weniger schlecht sieht als andere, aber seine Schwäche zu ge-nau ermisst und sich über seine Ansichten nicht täuVFKW ³ Heute sollen ideologische Gewissheiten produziert wer-den ± und sie werden es in Unmengen ± Selbsterkennt-nis und Selbstkritik sind solchen Leuten vollkommen un-bekannt, sie verkünden ex cathedra ihre Hal-WXQJV³ZLVVHQVFKDIW³ RGHU LKUHQ +DOWXQJVMRXUQDOL smus, natürlich alles Ästreng wissenschaftlich³ ZLH PDQ GLH Propaganda heute nennt.

Wo aber sind die Philosophen, die nicht ihre ideologi-schen Privatinteressen vertreten wollen, sondern, wie Voltaire sagt, zugunsten der Vernunft und des öffentli-chen Interesses sprechen? Leider sind Denker wie Karl Jaspers oder Martin Heidegger schon lange tot. Ä'HU UHLQH 3KLORVRSK³ VDJW 'DYLG +XPH ÄLVW HLQH 3HUVRQ GLH der Welt gewöhnlich nicht willkommen ist. weil er ± wie man meint ± weder zum Nutzen noch Vergnügen der Gesellschaft irgendetwas beisteuert, denn er lebt fern von dem Umgang mit Menschen, ganz in Prinzipien und Begriffe versenkt, die dem allgemeinen menschlichen Verständnis ebenfalls sehr IHUQ OLHJHQ³, wie das Wahr-heits- und Erkenntnisstreben in immer sich erneuernder Neugier. Ä'HU 3KLORVoph muss einsaP EOHLEHQ ³ VDJW Martin Heidegger, ÄZHLO HU HV VHLQHP ZHVHQ QDFK LVW 6HLQH (LQVDPNHLW LVW QLFKW ]X EHUHGHQ ³ Er ist gewisser-maßen ein Solipsist, wie jeder, der gerne denkt. Philo-soph zu sein bedeutet kein Brotstudium, sondern ein Le-bensstudium und der Schüler der Philosophie Äaltert in den Gärten der LehUHU³ -HDQ 3DXO

Aber wie groß ein Mensch geistig ist, hängt weniger vom Studium ab, sondern von seiner Denkstärke, seinem Mut, sich gegen den alltäglich werdenden Irrsinn zu behaup-ten. Was nützen vier Jahre an der Hochschule, wenn nicht 50 Jahre Lernbereitschaft daraus folgen? Sinnloses und Falsches zu studieren ist Zeitverschwendung. Die wenigsten lernen lebenslang, weil sie nicht die Spur ge-funden haben, die sie zum Ziel bringt - außer eben zu konsumieren, zu schwadronieren oder einfach in den Tag hinein zu leben, ohne Sinnerfüllung und ohne Verstand.

So bin ich dem Leben und den vielen guten Büchern dankbar, die ich studieren durfte und noch studieren werde bis zum Lebensende, wenn die Gesundheit mit-spielt - dankbar bei aller Härte, die ich im Leben erfahren habe ± dankbar auch für die Menschen, denen ich be-gegnete und für die vielfache Unterstützung durch die Familie und das väterliche Vorbild. Oft ist Früheres Ursa-che von Späterem. Künftiges kann oft abgelesen werden von Vergangenem und das, was gegenwärtig abläuft. Niemand ist mit endgültiger Weisheit gesegnet, aber die Ideologen aller Couleur glauben die Wahrheit zu besit-zen, sie gepachtet zu haben.

Oft führen Bosheit und Böswilligkeit das Szepter. Des-halb ist Aufklärung eine so schwierige Angelegenheit ± und schwer ist es, die Mitte jeweils zu treffen. Ich glaube, die große Tragik des Lebens besteht darin, dass viele Menschen aufhören, das Leben zu bejahen und zu lie-ben. Der ideologische und cder religiöse Wahn ist oft verheerend, die Ernüchterungen selten ± meist erst n a c h den Katastrophen. Diese langen Phasen der Halli-Galli-Zeit scheinen jetzt ja vorüber zu sein; man regiert die geplagten Menschen mit Angst und Schrecken, Ein-schüchterungen und Ausgrenzungen, wie das aus totali-tären Regimen sattsam bekannt ist. Die Ideologen haben wieder das Sagen, die Verdummer und Vertröster. Die Quintessenz daraus muss lauten, für das Leben, für die Freiheit und für die Ordnung verstärkt einzutreten. Das ZXVVWH DXFK GHU %D\HU 3DXO +H\VH GHU VDJWH Ä:HU VLFK nur an andere hält, dem wankt die Welt. wer auf sich sel-EHU UXKW VWHKW JXW ³ 'LHV LVW •EHUKDXSW GLH 9RUDXVVH tzung dafür, im Sozialen zum Gemeinwohl etwas beitragen zu können. Die Verbundenheit mit der Welt und den Men-schen kann erst dann entstehen, wenn diese Vorausset-zungen erfüllt sind. Wer alle Ideologie und Pathologie abgeworfen hat.

VIER

ÄErkenne die Lage!³. - Vom Realen und vom Guten, Schönen und Wahren

Vor die Wahl gestellt, die Realität und die Wahrheit zu erkennen oder wie im Traum zu leben, entscheiden sich viele für die angenehm wirkenden Narkotika und Traum-welten. Wenn zudem noch förderliche Einflüsse wegbre-chen, können die Vorstellungen von Normalität und Wirk-lichkeit nicht mehr in Einklang gebracht werden. Nun bricht eine Zeit des zunehmenden Chaos an. Eine tägli-che Auseinandersetzung mit sich selbst, ein Reinigungs-prozess, der gerade erst begonnen hat. Die momentane Krise führt die Menschen von einer Täuschung zur nächsten, so wie man sie wohl kurz vor dem Tode erle-ben mag, wo die Täuschungen des Lebens wie reife Früchte abfallen und durchschaut werden. Wer den phi-losophischen Weg der Selbsterkenntnis geht, den Weg der Weisheit, wird auch Schmerzen ertragen müssen, weil er seine Täuschungen und Irrungen und die des Zeitgeistes hinter sich hat lassen müssen. Denn ± wie William Shakespeare sagt, ÄGas Unheil beklagen, das nicht mehr zu ändern ist, heißt: das Unheil noch zu ver-größern.³

Aber das Leben erfolgreich zu überstehen, heißt auch, jeden Morgen früh aufzustehen und dem rauen Wind der Wirklichkeit ins Auge zu blicken. Wer nämlich immer nur sieht, was er sehen will, erliegt ebenfalls den mannigfa-chen Täuschungen, denen wir ausgesetzt werden. Und sehr oft ist man im Unglück ungerecht gegen die, welche die Wahrheit sagen. Aber es gibt gefährliche Abwege, nämlich dann die Vernunft abzulegen oder außer der Vernunft nichts anzuerkennen. Es gilt auch, die Kräfte des Herzens zu bewahren und zu aktivieren. Vom Gefühl soll man sich beraten lassen, der Verstand trifft dann nach Abwägungen die Entscheidung, weil eine vielleicht geniale Erkenntnis auch ohne Worte auskommen kann. Aber durch Geld und Ideologien sind viele Menschen käuflich.

In einem Buch über die griechischen Tragiker kann man erfahren. was für Realisten, was für wahrhaft weise Men-schen diese Griechen.waren. Euripides dichtete:

In kurzer Rede fass ich viel zusammen: Fürs erste, wahre dir ein mild´ Gemüt. Entschließe dich für eins und lass das andere, Und willst du lang an deinem Herde wohnen, (UZLUE QLFKW XQUHFKW *XW« GDV EULQJW NHLQ +HLO« Zu Freunden wähle Männer, die dich nicht Zu schonen denken. Die sich dir bequemen. Nichtswürdigen schließe deine PforWH ]X« Nun aber reiche mir die Hand, mein Sohn (meine Toch-ter)

Und lebe wohl. Ich will nicht zärtlich sein. Nicht ziemt den Weisen solch GeP•W« 9LHO 6FKDGHQ VWLIWHW XQEHOHKUWH .UDIW«

Die Antike war ± wie heute wieder ± eine unsichere Zeit mit üblen Mitteln in der Politik. Die Hasser haben das Sagen und richten unsäglichen Schaden an. Möge end-lich Frieden einkehren ± ohne dieses Sodom und Gomor-ra. Sophokles, der Lebensmeister, sagt Ä'DV *O•FN KHEW hoch, das Schicksal stürzt herab den Glücklichen, und wer nie glücklich war. Kein Seher weiß voraus der Men-VFKHQ /RV ³ 8QG Ä$P EHVWHQ ZDV ]X UHFKW EHVWHKW ]X wahren bis ans LebensHQGH ³

Die Tragiker Aeschylos, Sophokles und Euripides sind mit ihren Lebensweisheiten unerschöpflich. Gerade die legendären Ä6LHEHQ :Hisen³ GHU DOWHQ *ULHFKHQ sind ein für alle Zeiten gültiges Lebens- und Weisheitsbuch, es sind aber in Wirklichkeit viel mehr als sieben. Die Großen heißen: Kleobulos von Lindos, Solon von Athen, Chilon von Sparta, Thales von Milet, Pittakos von Mytilene, Bias von Priene, Periander von Korinth, Myson von Chen, Anacharsis, Orpheus, Linos, Musaios, Pythagoras. Mit ihnen begann die schriftliche Philosophie.

Das Diktat der Vernunft und der Realität ist so oft wie möglich an vorderste Stelle zu setzen. Eine gültige Posi-tion findet man aber erst, wenn man sich in die Lage ver-setzt, auch die schöngeistige Lebensphilosophie, die Weisheitslehren und personale Zielstrebungen zu ver-wirklichen, die durch das strikte Realitätsgebot die le-bensphilosophischen und schöngeistigen Bestrebungen arg behindern. Denn der Mensch ist mehr als ein reines Vernunftwesen. So will ich mich nun verstärkt dem ÄSchönen *XWHQ XQG :DKUHQ³ zuwenden. Das ist in Zei-ten des andräuenden Chaos auch nötig, um im inneren Gleichgewicht zu bleiben. Lebensqualität zu verwirkli-chen ist das Ziel im Sinne der Lebensphilosophie.

Wie kam es dazu? Dadurch, dass mir klar wurde, dass ich in einem Alter bin, wo jeder Tag mit Lebensqualität erfüllt sein sollte ± meine Schlachten sind zwar nicht alle, aber die meisten sind geschlagen, jetzt gilt es, alles aus-zuformulieren, auch das Schöngeistig-Sinnerfüllende, wozu das Alter doch geradezu einlädt und prädestiniert ist. Ä(GOHU *HGDQNHQ 6FKDW]³ VR KHL‰W HLQ NOHLQHV YRr-zügliches Büchlein aus der Tieck-Bücherei) im Leben zu verwirklichen, solange dies in dieser Zeit und gesundheit-lich möglich ist.

Man muss das Seinige

tun und denken, dass alles,

was mit Ernst und Liebe

vorgetragen wird,

nicht ohne Nutzen bleibt.

Goethe

Das erscheint wenig und ist es doch nicht, denn Alter und äußere Verhältnisse setzen zwar Grenzen, aber das Glück ist ja immer das, was man sich dasrunter vorge-stellt hat, sagt William Maugham. Es bedeutet auch eine Abkehr vom Materiellen, von dem wir nahezu über-schwemmt werden in allen Lebensbereichen. Konsum als Lebensaufgabe statt Erkenntnis des Guten und Rich-tigen. Der problematische Platon aber sagte ganz richtig: Ä$OOH GLH VLFK QDFK UHFKWHU Weise mit Philosophie befas-sen, haben es im Grunde auf nichts anderes abgesehen als darauf, zu sterben.³ Aber den übrigen Menschen bleibt das verborgen. Es kommt also darauf an, sich täg-lich einzuüben in die Erkenntnis der kurzen Lebenszeit, damit das personal Wesentliche erkannt und getan wer-den kann. Es sind nach den Worten Ludwig Feuerbachs immer Ägerade die einfachsten Wahrheiten, auf die der Mensch erst spätestens kommt.³ Alle Menschen habe eine Philosophie. Ihr Einfluss auf das Denken ist oft ver-heerend, wenn es falsche Philosophien des Lebens sind. So wird es dringend notwendig, unsere Philosophien kri-tisch zu untersuchen und durch Schöngeistiges zu er-gänzen.

(PLOH =ROD VFKUHLEW Ä-HGHU VROO VHLQH $XIJDEHQ H rfassen und diese soll sein Leben ausfüllen. Es kann eine ganz bescheidene Aufgabe sein, aber sie ist deswegen doch etwas Nützliches und Wertvolles. Es kommt nicht darauf an, worin sie besteht, wenn sie nur da ist und uns auf-rechterhält. Wenn du sie ausführst, ohne dabei das Maß zu überschreiten, gerade so viel, wie du jeden Tag leis-WHQ NDQQVW GDQQ ZLUVW GX JHVXQG XQG IURK OHEHQ ³ ,FK ELQ kein Apokalyptiker, ich will die Realität erfassen, so wie sie ist, ohne dabei das eigentlich Lebensdienliche, das, was möglich ist für ein kleines, gut geführtes Leben, aus den Augen zu verlieren. Friedrich.Georg Jünger sagte einmal, dass es darauf ankomme, das Gute und Schöne ± trotz allem ± hervorzubringen. daran habe ich mich seit weit über 40 Jahren gehalten, zumeist philosophisch, - nun ist es an der Zeit, dies verstärkt lebensweisheitlich und schöngeistig zu tun, denn ich kann an den Verhält-nissen zunächst wenig bis nichts ändern, lediglich hel-fen, einen Wandel im Kleinen vorzubereiten, so wie es viele Schriftsteller ± DXFK GLH GHU ÄLQQHUHQ (PLJUDWiRQ³ ± getan haben. Mehr ist nicht möglich, aber es ist möglich, sein kleines Leben in die Ordnung und verstärkt in die Sinnhaftigkeit zu bringen. Also an das Leben zu glauben, an den Lebenswillen, an das letztlich doch Gute Sei es im Widerstand, sei es in der Not.

Es kommt also nicht darauf an, wie es die unseligen Leitmedien tun aus allem ein Problem zu machen und Ängste zu schüren, sondern darauf aufzubauen, mensch-liche Ziele und Werte zu verwirklichen, um dem Land auf diese Weise das Überleben mit zu ermöglichen. Dazu verhilft auch die Weisheitsliteratur an ganz vorderer Stel-le.

Ein amerikanischer Botschafter sagte w|UWOLFK Ä(LQH

deutsche Generation nach der anderen muss für Sünden büßen, die in 13 Jahren deutscher Geschichte begangen wurden. Die anderen 1500 JahUH GHXWVFKHU *HVFKLFKWH³ gebe es offensichtlich nicht mehr. Dafür einen Schuldkult und eine ständige 9HUJDQJHQKHLWVEHZlOWLJXQJ« GLH

krankhaft sei: die ÄNUDQNH GHXWVFKH 0HQWDOLWlW³ GLH VLFK selbst abschaffe und mehr Geld für die Invasion in Deutschland und Europa ausgebe als für Schulen und sonstige Bildung Alles Dekadenz und Degeneration pur.

Ich selbst stürze mich auf die antike Philosophie und Le-benskunst, auf die deutsche Klassik, die voller Schätze ist in der Erkenntnis Gorch Focks Ä'X NDQQVW GHLQ /HEHQ nicht verbreitern oder verlängern, nur vertiefen ³ 8QG Seneca:

Wie lange ich lebe,

liegt nicht in meiner Macht;

dass ich aber, solange ich lebe,

wirklich lebe, das hängt von mir ab.

Niemand, außer einem selbst, kann uns glücklich oder auch unglücklich machen, solange man den eigenen Kurs noch bestimmen kann. Die Eltern haben starke Wurzeln gegeben, vieles erkennt man erst viel später, wenn man die ähnliche Reife und Lebensstufe erreicht hat wie sie. Wieviel leichter ist (noch) unser Leben als das der Eltern-, Großeltern- und Urgroßelterngeneration mit Diktatur, Krieg, Vertreibungen und vielfältiger Not und Hungerzeiten. Nun scheinen die Diktaturen und die viel-fältigen Einschränkungen wiederzukehren. Doch rückbli-ckend auf das eigene Leben kann mit Goethe gesagt werden: Ä,FK NHKUH LQ PLFK VHOEVW ]urück ± und finde eine W e l t .³

Lichtenberg spottete einmal, man spreche viel von Auf-klärung ± meine aber Verdunkelung, sage ich ± und wünsche mehr Licht. Mein Gott, aber was hilft alles Licht, wenn die Leute entweder keine Augen haben, die Unter-drückungen zu sehen oder die, die sie haben, v o r s ä t z l i c h verschließen. Feind jeder Unterdrückung, als Feind von Sektierertum, als Feind jeder Knechtung und als Skeptiker lebe ich meine innere Freiheit und nutze sie zu einem großen Bildungsprogramm. Wollte der Himmel, dass jede Generation ihren Lichtenberg, Nietz-sche oder Goethe oder Fichte hätte, und wie sie alle heißen mögen. Die falschen Götzen und Apostel der Umerziehung und der Tyrannei können auf Dauer nicht obsiegen, obwohl sie alle Mittel der psychologischen Massenbeeinflüssung und der psychologischen Kriegs-führung anwenden.

Es sind Besessene und Gierige in jeder Form, deren geistige Dürftigkeit so klar zutage liegt, dass das Nach-ahmungs- und Nachäffungsbedürfnis durchschaut wer-den kann. Die Lüge und das Unrecht dürfen nicht obsie-gen, denn die neue Gleichschaltung vernichtet jedes Eigengesicht und vernichtet jede Eigenart, ,jeden Cha-rakter, jede geistige Unabhängigkeit! Dagegen müssen wir alle aufstehen und Widerstand leisten!

Als Einzelner kann man lediglich geistigen Widerstand leisten. Kurt Guggenheim schrieb, Schriftsteller zu sein muss ein jeder mit dem Leben bezahlen, also mit seiner Art zu leben. Man darf sich nicht mit dem Unrechtsstaat abfinden, denn innere Werte existieren unabhängig von äußerer und psychologischer Tyrannei. Die Selbsterzie-hung zu wahren Werten ist nämlich eine der besten Hil-fen zur geistigen und seelischen Unabhängigkeit. Daher ist die Lektüre jener Literatur verstärkt zu Rate zu zie-hen, von Menschen, die Unterdrückung erfahren und überwunden haben. Das ganze 20. Jahrhundert ist voll davon.