Weltkriegswahn - Hans Schümann - E-Book

Weltkriegswahn E-Book

Hans Schümann

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Beschreibung

Wird es zu einem mit Atombomben geführten 3. Weltkrieg kommen? Diese Gefahr wird laufend größer. Der 2014 ausgebrochene und seit dem Februar 2022 mit aller Gewalt tobende russisch-ukrainische Krieg kann zum Auslöser werden. Wie ist es zu dem Krieg in Osteuropa gekommen? Und warum sind viele Menschen bereit, ihren Regierungen zu glauben, und folgen ihnen in den Kriegswahn? Auf diese Fragen gibt der Autor aufschlussreiche Antworten.

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Seitenzahl: 91

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Hans Schümann

Weltkriegswahn

Engelsdorfer Verlag Leipzig 2022

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen

Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.de abrufbar.

ISBN 978-3-96940-598-7

Copyright (2022) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte beim Autor

Titelbild © magann [Adobe Stock]

Korrektorat: Barbara Lösel

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH, Rudolstadt

www.engelsdorfer-verlag.de

Inhalt

I. Vorwort

II. Weltkriegswahn

1. Grundlagen menschlichen Verhaltens

2. Die Entwicklung zum Ukraine-Krieg

3. Der Beginn des Kriegs zwischen Russland und der Ukraine

4. Das Geschehen mit einem weiten Blick

5. Nachtrag – Fragen und weitere Gedanken

6. Wie weiter? Wohin?

7. Selbsterforschung ist Welterkenntnis

III. Ein skeptischer

Zukunftsentwurf

Literaturempfehlungen

I. Vorwort

Vor einem halben Jahr noch reagierten viele Menschen mit Desinteresse oder Unverständnis, wenn vor einem Nuklearkrieg gewarnt wurde. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 wird mittlerweile selbst in einigen Mainstream-Medien diese Möglichkeit erwogen.

Die Ukraine erhält ausgefeilte westliche Angriffs- und Raketensysteme und wird auf einen Sieg über Russland eingestimmt; derweil rüstet die deutsche Regierung drastisch auf und schafft neue amerikanische Atombomber an. Die russische Führung schließt im Falle einer existenziellen Bedrohung ihres Landes den Einsatz von Nuklearwaffen nicht aus, die Führung der amerikanischen Streitkräfte und NATO-Generäle erwägen Ähnliches.

Die Gefahr eines nuklearen 3. Weltkrieges wird immer wahrscheinlicher.

Einen ersten Text zu diesem Thema schrieb ich als einen skeptischen Zukunftsentwurf im Sommer 2014 nach dem von der US-Regierung koordinierten Regierungsumsturz in der Ukraine und der bald darauf als Gegenreaktion folgenden Eingliederung der Krim in russisches Staatsgebiet. In Form eines fiktiven Gespräches zwischen Bekannten wurden die Ursachen und Folgen eines Nuklearkrieges zwischen den USA und Russland von einem der Teilnehmer dargelegt, ebenso die globalen Folgen für das 21. Jahrhundert und ein kurzer Ausblick bis ins 24. Jahrhundert. Wie in einem kontroversen Gespräch üblich, machten die anderen Gesprächsteilnehmer Einwendungen oder reagierten mit Spott.

Im Dezember 2014 setzte ich diesen Text auf meiner Webseite www.hanschuemann.de ins Netz und veröffentlichte ihn mit einigen im Jahr 2015 geschriebenen Texten 2018 im Engelsdorfer Verlag in dem Buch „Fortschritt als moderne Ideologie“.

Mittlerweile ist in Deutschland eine Regierung aus Sozialdemokraten, Grünen und Liberalen an der Macht, die sich als Fortschrittskoalition bezeichnet. Sie bedient sich der seit vielen Jahrzehnten allgemein üblichen Fortschrittsvorstellungen, sie stilisiert sich als modern, progressiv, demokratisch, sozial gerecht und friedenssichernd.

Die Mär von laufender Innovation, wachsender Annehmlichkeit, Gerechtigkeit und künftiger Verbesserung hat lange in die Irre geführt. Sie hat viele aus den mittleren und unteren Schichten der sozialen Pyramide zum Einsatz für ein System motiviert, das seit Jahrzehnten überaus deutlich vor allem der kleinen oberen Schicht dient.

Ebenso dürfte sich der naive Glaube an die Fata Morgana des unaufhaltsamen Fortschritts angesichts der massiven Aufrüstung und der Gefahr eines nuklearen Weltkrieges als absurd erweisen. Ein solcher Krieg wäre die bisher größte Vernichtung von Lebewesen und Sachwerten auf diesem Planeten. Wem sollen neue Atombomben und die jetzt georderten amerikanischen Atombomber Nutzen bringen, außer führenden Personen des finanziell-militärisch-industriellen Machtapparates, vor allem dem Großkapital und den Politikern der systemerhaltenden Parteien und Medien?

Statt zur Deeskalation und zu Friedensverhandlungen wird von führenden Politikern und den „Leitmedien“ zu massiven Waffenlieferungen an die hoch korrupte, undemokratische Regierung der Ukraine aufgerufen. Letztlich läuft es auf eine Kriegsbeteiligung gegen Russland hinaus. Die rot-grün-gelbe Regierung führt Deutschland statt in die 2021 verkündeten Verbesserungen in eine Konfrontation, die wie 1914 in einem Weltkrieg enden könnte. Wieder gegen Russland, diesmal allerdings dem US-Imperium hörig und gerüstet mit amerikanischen Atombomben.

Das in Kapitel II. Weltkriegs-Wahn von Februar bis Juni 2022 Geschriebene thematisiert zwar eingehend Ursachen und Verlauf des Ukraine-Krieges, dieser ist aber eingebettet in grundlegende Gedanken zum menschlichen Verhalten. Im mittleren Teil des Textes kommt der Krieg in der Ukraine zur Sprache, abschließend richte ich meine Aufmerksamkeit wie zu Beginn nochmals auf die mir wichtigeren Anliegen:

Warum Krieg, warum die Bereitschaft mitzumachen? Warum Unterordnung und die Bereitschaft, den Medien und der Regierung Glauben zu schenken? Welche tief liegenden Ängste liegen unserem Handeln zugrunde? Was motiviert die Bereitschaft, Autoritäten, mächtigen und einflussreichen Gestalten, insgesamt den Herrschenden Glauben zu schenken, ihnen gar in die Katastrophe zu folgen? Warum folgen viele der Mehrheitsgesinnung?

Offensichtlich werden tiefe, frühe Emotionen und Bindungsmuster wachgerufen, die zu Gefolgschaft verleiten unter den Begriffen „Wir“, „unsere Gemeinschaft“, „unser Staat“, „unsere Regierung“, „Wir gegen Putin“. Es entstehen illusorische Gemeinsamkeiten, Bereitschaft zur Hingabe und Feindbilder. Dem liegen auch frühe evolutionäre Muster des Herdenverhaltens zugrunde.

Bei der Umkreisung dieser Fragen taucht der Begriff „Individuation“ auf. Eine nicht gelungene Individuation wird hier verstanden als eine nicht entfaltete, verkümmerte Eigenständigkeit und Unabhängigkeit – im Unterschied zum Leben unabhängiger, eigenständiger Einzelner, die in herzlicher Verbundenheit, Nähe, Vertrauen und partnerschaftlicher Liebe mit anderen unabhängigen Einzelnen sind. Obgleich keinesfalls Gegner von Gemeinschaft, sind sie keinen kollektiven Gespinsten, keiner staatlichen „Wir-Illusion“ und keiner Propaganda erlegen.

Kapitel III. gibt eine kurze Zusammenfassung meines 2014 geschriebenen skeptischen Zukunftsentwurfes. Da im Text unter Kapitel II. über den Ukraine-Krieges bereits etliches ausgebreitet wurde, geht es in diesem Text nur mehr um die Zeit nach einem Nuklearkrieg und um einen Blick auf kommende Jahrhunderte.

II. Weltkriegswahn

Juni 2022

Mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine im Februar 2022 fragen sich besorgte Beobachter, ob ein atomarer Weltkrieg zwischen der US-geführten NATO und Russland daraus entstehen kann. Die Nuklearwaffen liegen bereit, sie sind modernisiert und verfeinert worden, allerdings wirkten in den ersten 50 Jahren nach dem Vernichtungswahn des 2. Weltkriegs im kollektiven Bewusstsein noch Kriegstraumata und Skrupel vor dem Einsatz solcher Waffen nach. Die beiden Weltmächte Sowjetunion und USA befanden sich in einem Gleichgewicht der Macht und der Zerstörungskapazitäten, sie ließen es bei Drohgebärden und lenkten bei der Türkei-Kuba-Krise 1962 ein.

Seit dem Ende der Sowjetunion und des Warschauer Paktes in den Jahren 1990/91 ist dieses Gleichgewicht der Macht nicht mehr gegeben, die erdrückende Vormacht der USA und ihrer NATO-Verbündeten wurde immer deutlicher. Statt die von Michael Gorbatschow und seinen Nachfolgern von russischer Seite angebotenen Beziehungen friedlicher Partnerschaft anzunehmen und eine europäische Friedensordnung in die Praxis umzusetzen, somit auch die NATO umzugestalten, wurde von der US-Regierung und ihren Verbündeten das genaue Gegenteil praktiziert. Es kam nicht nur zur Erweiterung der NATO nach Osteuropa durch die Aufnahme ehemaliger Staaten des Warschauer Paktes, dieses Bündnis wurde auf Betreiben der USA weltweit sogar in völkerrechtswidrigen Kriegseinsätzen aktiv, 1999 etwa im Kosovo-Konflikt.

Ein atomarer Weltkrieg wird mit dem Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 viel eher möglich als noch vor vierzig Jahren: Westliche Kampfeinheiten stehen nun mit modernen Waffen nahe der russischen Grenze. Die USA, England und andere NATO-Staaten heizen diesen Krieg an, statt ihn zu deeskalieren. Zeitgleich wird im Westen massiv aufgerüstet, während die Ukraine westliche Waffen, Militärausbilder und enorme logistische, finanzielle und propagandistische Unterstützung erhält. Darüber hinaus wird von den NATO-Staaten ein totaler Wirtschaftskrieg gegen Russland entfacht, mit dem Ziel dieses Land zu ruinieren.

Das Ungleichgewicht der Kräfte lässt die Gefahr des atomaren 3. Weltkrieges immer näher rücken. Von russischer Seite wurde mehrfach der Hinweis ausgesprochen, im Falle existenzieller Bedrohung seien Nuklearwaffen kein Tabu – auch westliche Politiker und Generäle erwägen den Einsatz dieser Massenvernichtungswaffen.

Zwar stellen führende Politiker, Militärs und Journalisten des Westens sich gerne als friedfertig und besonnen dar, aus ihrer Rhetorik spricht aber eine zum Teil erschreckende Kriegsbereitschaft, geradezu eine Gier zur finalen Konfrontation, allen voran auf amerikanischer, englischer und polnischer Seite. Sie haben offensichtlich aus dem Wahn des 2. Weltkrieges nur gelernt, dass es darum geht, als Sieger hervorzugehen, mögen auch viele Millionen Zivilisten und Soldaten dabei umkommen.

Dass es unausweichlich zum Nuklearkrieg kommen wird, kann niemand mit Bestimmtheit sagen. Mit intuitivem Gespür können einige Menschen kommende Entwicklungen erahnen, nie aber können daraus zeitlich genaue Voraussagen und exakte Abläufe folgen. Trotz dieser einschränkenden Aussage bin ich von der tödlichen Spirale hin zum Atomkrieg überzeugt. Viele Menschen lernen erst nach furchtbaren Katastrophen, den herrschenden Regierungen zu misstrauen und den Frieden und die Zusammenarbeit zu schätzen.

1. Grundlagen menschlichen Verhaltens

1a) In ihrem Wesenskern sind Menschen leiblicher Ausdruck transzendenter, subtil geistiger Wirkkräfte, die weder messbar noch exakt erklärbar sind. Von ihnen wurde bereits in den alten östlichen und westlichen Kulturen umfangreich Zeugnis abgelegt, etwa in den indischen Upanishaden und dem Buddhismus, im chinesischen Taoismus und bei griechischen Poeten, Dichtern und Philosophen. Liebe, Freude, Seelenruhe, und tiefe Verbundenheit mit uns nahen Menschen und der Natur, letztlich die Einheit alles Lebendigen, sind ebenso Ausdruck unseres Wesenskerns wie bedingungsloses Vertrauen, Einsicht in eigene Verfehlungen, Einfühlung in die Lage anderer und Hilfsbereitschaft. Eingebunden sind diese Qualitäten in die Bewunderung der Naturschönheit, des nächtlichen Sternenhimmels und der unendlichen Weiten des Kosmos.

Jedoch entstammen unser Körper und damit unsere grundlegenden instinktiven Verhaltensmuster evolutionär dem Tierreich. Wir gehören zur Familie der Hominidae, der Menschenaffen, unser Erbgut gleicht den Schimpansen zu etwa 98,7 Prozent. Mag der durchschnittliche Mensch sich durch seine Fähigkeiten zu Selbstreflexion, rationalem Denken, Werkzeuggebrauch, Musik und Kunst den Schimpansen sehr weit entfernt glauben und in Gesprächen wohlklingende Ideale benutzen – Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit, Fremdenliebe, Solidarität, Friedfertigkeit – unsere instinkthaft körperlichen Reaktionen ähneln in Situationen von Gier oder Unbehagen, von Bedrohung, Stress und Angst den Verhaltensmustern unserer nächsten Verwandten, den Menschenaffen.

Deren Gewaltpotenzial kann allerdings nicht wie beim Menschen, ausgerüstet mit hochwirksamen Waffen, exzessiv wahnhafte Formen annehmen. Grenzenloser Eroberungsdrang, Massenvernichtung und Genozid, bodenloser Hass und bösartiger Sadismus sind nur dem Menschen zu eigen. Nicht domestizierte Tiere sind durch angeborene Triebe und ihre Wahrnehmungsformen auf eine ihnen jeweils gemäße Umwelt fixiert, sie bewegen sich in einem eher geschlossenen Rahmen von Triebhandlungen. Ihre Anliegen dienen der Sicherung der Nahrungsquellen, des Territoriums und der Fortpflanzung, dem Ausdruck von Wohlbefinden, Freude, Entspannung und Schönheit. Bei Haustieren allerdings ist der feste Rahmen der Triebhandlungen bereits offener, weniger festgelegt und beim Menschen in einem noch weitaus größeren Maße.

Werden unsere gewohnten Vorstellungen vom Leben und insbesondere unser Lebensraum durch veränderte Umstände unmittelbar bedroht, etwa bei heftigen Konfrontationen und in der Gefahr des Krieges, so sind wir automatisch erregt und zum Kampf bereit oder ängstlich geduckt, fluchtbereit oder erstarrt (Totstellreflex) – wir folgen grundlegenden instinktiven Verhaltensmustern. Ein friedfertig besonnenes Verhalten gelingt in solchen Situationen nur wenigen, in der Regel sind dies Menschen, die von Aversionen, sozial konditionierten Vorstellungen, dem Autoritätsglauben und den Ansichten der Mehrheit nicht überwältigt werden.

Menschen sind weltoffen, zugleich jedoch ohne ruhig sorglose innere Mitte. Wir sind zwar deutlich durch biologisch instinktive Grundlagen geprägt – männliche und weibliche Verhaltensmuster zum Beispiel –, gleichzeitig aber sind wir auch durch die Erziehung, also durch soziale Verhältnisse geformt. Wir haben somit keine fest geprägte, naturgegebene Identität, sondern erwerben in jahrzehntelangen Lebenserfahrungen erst eine klar konturierte Persönlichkeit.

Unserer Sterblichkeit gewiss, sind wir in der Regel unterschwellig von Ängsten geprägt, wir suchen Orientierung und neigen zu automatischen Reaktionen. Viele orientieren sich, wie in der Kindheit an den Eltern, daher noch als Erwachsene an Vorbildern, Autoritäten, Gurus, Kirchenoberen, charismatischen Politikern oder eben an der Mehrheit, sie neigen zu Formen des Herdenverhaltens.

Orientiert an Selbsterforschung und vertrauensvollen Bindungen können wir jedoch in Jahrzehnten der Lebenserfahrung Unabhängigkeit, Gelassenheit und inneren Frieden erreichen.

Vielen aber gelingt das nur halbwegs und partiell – ihr Handeln und Denken erfolgt aus unbewussten