Wendekreis des Äons - Rainer Ibowski - E-Book

Wendekreis des Äons E-Book

Rainer Ibowski

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Beschreibung

Wir erleben eine Zeitenwende. Und das bedeutet: Die Welt danach ist nicht mehr dieselbe wie die Welt davor," sagte Bundeskanzler Olaf Scholz am 27. Februar 2022 vor dem Deutschen Bundestag. Nach einem uns innewohnenden Urmythos, der sich in Geschichten und Legenden nahezu aller indigenen Völker findet, endet jede Geschichtsepoche in einer Katastrophe. Wir Menschen auf dem Planeten Erde benötigen die Fortschreibung unserer Ethik, was Vernunft bedingt. Die Forderung ist einfach begründet und leicht zu verstehen. Wenn wir den Menschen abschaffen, haben wir alle Probleme gelöst. Aber dann brauchen wir auch keine Ethik mehr. Das Buch stellt ein paar Fakten zusammen und gibt Denkanstöße für eine Wende zu einem neuen und besseren Äon.

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Seitenzahl: 71

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Wendekreis des Äons

Zwischen Rettung und Verderben

Rainer Ibowski

Erste Auflage November 2022

Text und Gestaltung

© Dr. Rainer Ibowski, Wiehl 2022

Alle Fotos Pixabay, Public Domain

Eigenverlag

Schwalbenweg 5

51674 Wiehl

Deutschland

[email protected]

Inhalt

Vorwort

Unser Planet

Unser Leben, unsere Bedürfnisse

Unsere Gesellschaft

Unser Klima

Unser Durst, unser Hunger, unsere Atemluft

Unsere Gesundheit

Unsere Mobilität

Unser Äon

Vorwort

„Wir erleben eine Zeitenwende. Und das bedeutet: Die Welt danach ist nicht mehr dieselbe wie die Welt davor,“ sagte Bundeskanzler Olaf Scholz am 27. Februar 2022 vor dem Deutschen Bundestag – gewaltige Worte, die erwarten lassen, dass sich Grundlegendes in unserer Gesellschaft ändert. Ich bin enttäuscht. Noch nicht einmal in der Berliner Ampelkoalition gibt es eine neue Epoche. Wie von Anfang an vermutet, ist es ein lahmer Dreier, der es gerade schafft, ein paar Koalitionsvereinbarungen zu beschließen. Ansonsten herrscht nach wie vor die Ära der individuellen Machtbesessenheit.

Wir, die Welt, erleben dagegen tatsächlich eine Zeitenwende. Nach einem uns innewohnenden Urmythos, der sich in Geschichten und Legenden nahezu aller indigenen Völker findet, endet jede Geschichtsepoche in einer Katastrophe. Der Hinduismus bringt es auf den Punkt. Weltzyklen wiederholen sich. Am Ende jedes großen Zyklus‘ löst sich die Welt in einem Kataklysmus auf, dem Weltenbrand, wie es in der altgriechischen Philosophie heißt.

Wenn ich Nachrichten sehe, höre oder lese, habe ich „die freie Auswahl“, mir einen Weltuntergang auszusuchen: Klimaveränderung, Armut und Hunger, Pandemien, Kriege … -- oder auch alles gleich gemeinsam. Wir sind entsetzt, zumindest auf dem Papier, aber wir doktern an Lösungen herum. Wir benehmen uns wie Kurpfuscher

Von welchem „Wir“ gehen wir eigentlich aus, wenn wir an die Gefahren der Gegenwart denken und nach Auswegen aus den drängenden Krisen suchen? Es ist immer noch das „eigene Wir“, das wir meinen, auch wenn wir es in Interviews geschickt verstecken. Wann ändern wir endlich unsere partikuläre, von spezifischen Gegebenheiten geprägte Auffassung? Der bevorstehende Weltenbrand erfordert ein globales und universales „Wir“, das in der Lage ist, eine Weltgemeinschaft zu stiften.

Wir Menschen auf dem Planeten Erde benötigen die Fortschreibung unserer Ethik, was Vernunft bedingt. Die Forderung ist einfach begründet und leicht zu verstehen. Wenn wir den Menschen abschaffen, haben wir alle Probleme gelöst. Aber dann brauchen wir auch keine Ethik mehr. In seinen Gesprächen mit Johann Peter Eckermann zu Anfang des 19. Jahrhunderts stellt Johann Wolfgang von Goethe fest, dass „Nationalliteratur … jetzt nicht viel sagen [will], die Epoche der Weltliteratur [sei] an der Zeit.“ Wir sollten gerade jetzt auf ihn hören, da wir uns gerne als ein Volk der Dichter und Denker fühlen.

Wir müssen an unserer epochalen Gabelung den richtigen Weg wählen. Ein Pfad führt in den unwiderruflichen Kataklysmus. Der andere Pfad führt zum Gegenteil, der Palingenese, wie es die antiken Philosophen genannt haben, der Neuschöpfung. Gibt es da überhaupt eine vernünftige Wahl?

Wiehl, im November 2022

Unser Planet

Vor viereinhalb Milliarden Jahren verdichtet sich eine Gaswolke und wirbelt in einem Kreis in einer Sternenansammlung, einer Galaxis, die wir heue Milchstraße nennen. Im Zentrum des Wirbels zündet ein nukleares Feuer und ein neuer Stern wird geboren, unsere Sonne. Die Überreste der Wolke bildet durch die Schwerkraft zunächst Ringe, dann Verklumpungen und schließlich das, was wir Planeten nennen. Einer dieser Körper ist unser Heimatplanet.

Etwas Besonderes ist dies nicht. Seit vor mehr als dreizehn Milliarden Jahren unser Weltraum entstand, bilden sich im Laufe der kosmologischen Zeit Billiarden von Galaxien mit unzähligen Sonnen und Planeten. Dass am Nachthimmel Punkte hell leuchten, haben schon die ersten Lebewesen gesehen, die ein Sinnesorgan für Licht hatten. Herauszufinden, was da leuchtet, hat bis heute viele vergangene und moderne Zivilisationen beschäftigt. Als Teil des Kosmos möchten wir wissen, was der Kosmos ist und wie er funktioniert, eine der Ur-Fragen eines denkenden Wesens.

Für unsere frühen Vorfahren, die sich auf einer Erdscheibe wähnen, spannt sich ein Gewölbe mit kugelförmigen Schalen am Himmel, mehrere sich drehende Sphären, auf denen Sonne, Mond und die bekannten Wandelsterne – Planeten – befestigt sind. Die hinterste Sphäre beherbergt die Fixsterne, die Leuchtpunkte, die sich im Laufe der Jahre scheinbar nicht bewegen. Im Mittelhochdeutschen benutzen wir Firmament für den Sternenhimmel, das im Lateinischen firmamentum ganz allgemein für Befestigungsmittel steht. Auch der nur noch poetisch verwendete Begriff der Himmelsfeste bezieht sich auf das feste Schalenmodell in einem erdbezogenen Weltmodell.

Was befindet sich hinter der äußersten Schale? Für unsere Vorfahren ist dies der Himmel, der Sitz alles Übernatürlichen und Göttlichen. Schon die Sumerer sehen Unterschiede in der Bewegung von Sonne, Mond und Sternen. Es ist naheliegend, übernatürliche Wesen für die Veränderungen am Himmel verantwortlich zu machen. Es entstehen in allen alten Kulturen Vorstellungen von Wagen, Lenkern und Sternenträgern, die sich bei den Namen einiger Sternbilder erhalten. Je nach religiöser Auffassung trennt oder verbindet das Firmament irdische und himmlische Mächte. Sowohl das babylonische als auch das biblische Weltbild beruhen auf dieser Annahme.

In der Antike verabschiedet man sich von einem scheibenförmigen Modell der Erde. Die Erde als Kugel steht für viele Jahrhunderte im Mittelpunkt des Universums. Genauere astronomische Beobach-tungen lassen bald Abweichungen von einer exakten Form der Sphären erkennen. Ein Beispiel ist die scheinbare Neigung der Bahnen von Sonne, Mond und Planeten gegenüber der Fixstern-Sphäre, die Schiefe der Ekliptik im astronomischen Sprachgebrauch. Die Griechen führen Atlas ein, einen Titanen, der am westlichen Ende der bekannten Welt die Sphären anhebt. Das Atlasgebirge, das sich in Marokko, Algerien und Tunesien erstreckt, personifiziert diese mythische Gestalt.

Die jüngeren griechischen Naturphilosophen in der Tradition des Aristoteles wollen weg von einer göttlichen Macht, die willkürlich alles Geschehen bestimmt. Bis zu den Anfängen moderner Astronomie dauert es jedoch noch viele Jahrhunderte. Erst mit Johannes Kepler und seinen Zeitgenossen beginnt im 16. und 17. Jahrhundert eine neue Beschreibung der Himmelsmechanik. Die Erde und mit ihr die anderen Planeten drehen sich um die Sonne, die mutmaßlich im Mittelpunkt des Universums steht. Mit Albert Ein-steins Raum-Zeit-Kontinuum und Gravitation haben wir heute im 21. Jahrhundert ein kosmologisches Modell, das viele der astronomischen Phänomene korrekt beschreibt. Vieles, aber längst nicht alles: Im Grunde kennen wir nur fünf Prozent des Kosmos. Was ist mit der dunklen Materie? Woher stammt die dunkle Energie? Was war vor dem postulierten Big Bang, der den Kosmos schlagartig entstehen ließ? Gibt es eine unendliche Anzahl von Universen?

Die meisten dieser Fragen lassen den nicht-wissenschaftlichen Menschen eher erschaudern. Das Verständnis der menschlichen Bedeutung im Kosmos hat sich über die Jahrtausende hinweg dramatisch verändert. Wir sind nicht mehr der Mittelpunkt der Welt. Wir leben auf einem Gesteinsplaneten in der Umlaufbahn um eine „Allerwelts“-Sonne in einem unbedeutenden Abschnitt der Milchstraße in einer Gruppierung von Galaxien mit dem Namen Virgo oder Laniakea, einem Galaxienhaufen, von denen es Abertausende im sichtbaren und im unsichtbaren Teil unseres Kosmos gibt. Und vielleicht ist unser Universum nur eines von vielen Parallel-Universen.

Es ist höchste Zeit, Größenwahn durch Demut zu ersetzen!

Wenn wir das Alter unserer Erde von viereinhalb Milliarden Jahren als eine Stunde betrachten, hat der Homo Sapiens diese Welt erst in den letzten Millisekunden betreten. Er hat also kaum Zeit, sich als Teil eines Jahrmilliarden alten Kosmos zurechtzufinden. Die Erd-Äonen sind ihm fremd, allenfalls aus der Schule bekannt.

In der Frühphase unseres Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren umkreisen eine große Anzahl kleiner und großer Brocken die junge Sonne. Einige dieser Massenansammlungen ziehen weitere Klumpen an. Es bilden sich planetenähnliche Körper, Protoplaneten. Eine dieser glutflüssigen Kugeln ist die Protoerde. Es dauert einige Zeit, bis sich alle Bahnen gemäß der Keplerschen Gesetze stabilisieren. Einige dieser Planetenvorläufer befinden sich auf Kollisionskursen. Nach der gängigsten These kollidiert vor 4,5 Milliarden Jahren die noch feurig-heiße Erde mit einem etwa marsgroßen Planeten namens Theia, nach griechischer Mythologie die Mutter der Mondgöttin. Mengen an Material werden aus der Erde herausgerissen und verschmelzen mit Material von Theia. Aufgrund der Gravitation nimmt der Auswurf die Gestalt einer Kugel an, die um die Erde kreist. Der Mond ist geboren. Die klaffende Wunde der Erde schließt sich bald. Mond und Erde kühlen in den Jahrmillionen danach ab. Unzählige aktive Vulkane formen die Erdoberfläche. Magma erstarrt zu Gestein. Wasserdampf in den austretenden Gasen kondensiert und es regnet auf der Erde Hunderte von Millionen Jahren lang. So formen sich Meere.