Wenn aus Neid tödlicher Hass wird - Michael Peter - E-Book

Wenn aus Neid tödlicher Hass wird E-Book

Michael Peter

0,0

Beschreibung

Vier verschiedene Todesfälle - vier ermittelnde Detektive - vier verschiedene Regionen Ein Buch voller Spannung, schönen Landschaften und gemeinen Morden. Romantische und intime Momente bei den Ermittlern, aber auch schwere Ermittlungsarbeit wird in diesem Buch beschrieben. Dieses Mal beginnen wir in der Bastei/Elbsandsteingebirge (die Tochter vom Chef des sächsischen LKA wurde tot aufgefunden). Der zweite Fall bringt uns nach Westendorf/Tirol, wo der neue Mitarbeiter des Tourismusbüros und "Freund" der Sekretärin vom Bürgermeister erschlagen am Ufer des Baches gefunden wurde. Der dritte Fall lässt uns für die "Rosenheim-Cops" in Brannenburg ermitteln, weil am Ufer des Inn eine junge Frau erschlagen aufgefunden wurde. Der letzte Fall führte uns in ein Verlies der Burgruine Randeck im Altmühltal. Ein hübscher junger Mann mit schulterlangen leuchtenden roten Haaren wurde aufgehängt von uns selbst dort gefunden. In diesen vier Fällen (der letzte war eines unserer ersten Fälle überhaupt, die wir gemeinsam als damaliges Trio gelöst hatten) beschreiben wir nicht nur unsere intensiven Ermittlungen. Auch unser romantisches und teilweise intimes Zusammenleben, die Landschaften und auch Unterkünfte und Restaurants, die jeder Leser tatsächlich auch besuchen kann, werden farbenreich beschrieben. Dreihundert Buchseiten voller Spannung

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 257

Veröffentlichungsjahr: 2025

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Michael Peter

iSdS – Detektive

Band 3

WENN AUS NEID

TÖDLICHER

HASS WIRD

Kriminalroman

Impressum

Texte und Layout © 2025 Michael Peter

Covergestaltung © 2025 Michael Peter

Verlag/veröffentlicht von: Michael Peter (Selfpublisher)

Ingolstädter Straße, 93336 Altmannstein

Kontakt: [email protected]

Herstellung/Druck: epubli.de – ein Service der Neopubli GMBH

Köpenicker Straße 154a, 10997 Berlin

Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: [email protected]

Inhaltsverzeichnis

Ein paar Worte zu Beginn ............................................... 7

Grausiger Fund am Ufer ................................................ 13

Die getrennten Zwillinge ............................................... 96

Die rothaarige Lady ...................................................... 207

Gedanken zum Schluss ................................................ 297

Weitere Bücher und Serien .......................................... 299

Serie 1: Im Schatten der Steine. .............................. 299

Serie 2: iSdS – Detektive ........................................ 301

Ein paar Worte zu Beginn

Als erstes möchte ich mich als Autor,

Gründer und CEO der iSdS-Detektive bei

dir lieber Leser für den Kauf dieses Buches

bedanken. Aber ich möchte auch den Lesern, die nicht

durch die andere Krimiserie „Im Schatten der Steine“ die

Anfänge unserer Erfolgsgeschichte verfolgen konnten,

meine Mitstreiter vorstellen.

Als erstes möchte ich Daniel Ivanova vor-

stellen. Einst war er einfacher angestellter Fri-

seur. Später wechselte er in meine Ingolstäd-

ter Zentrale. Er arbeitete dort für mich als Hausmeister,

Gärtner und Chauffeur. Auch im Haus übernahm er so

manche organisatorische Tätigkeiten, die in England ei-

nem Butler ähnelten. Nebenbei war er der Friseur für mich

und meine Mitarbeiter. Durch einen Fall, den ich erst allein

lösen wollte, musste er mir plötzlich bei den Ermittlungen

helfen und so begann seine Laufbahn als Detektiv. Wenn

wir unterwegs sind, ist er meistens der Fahrer. Seine speziellen Aufgaben sind der Fuhrpark und die Ermitt-

lungstechnik. Auch pflegt er unseren Firmenserver und ist

für die Computertechnik und deren aktuellen Stand zu-

ständig.

Sophie Richter ist die dritte im Bunde der

Detektive. Sie fing in meiner damals neu ge-

gründeten Zentrale in Ingolstadt als Sekretärin an. Später

stellte ich eine neue Verwaltungskraft und Empfangsdame

ein. Sophie war seit diesem Zeitpunkt meine Hauswirt-

schafterin. Sie sorgte einfach für alles in meinem persönli-

chen Umfeld. Und auch bei meinen Ermittlungen, bei de-

nen ich auswärts übernachten musste, nahm ich sie

anfangs mit. Damals buchte ich aus Kostengründen noch

Ferienwohnungen. So brauchte ich sie natürlich für den

Haushalt vor Ort. Allerdings war es nur so lange der Fall,

bis sie damals gemeinsam mit Daniel mich bei meinen Er-

mittlungen im Elbsandsteingebirge unterstützen und de-

tektivische Arbeit übernehmen musste. So begann auch

ihre Laufbahn als Detektivin gemeinsam mit Daniel. Das

war auch der Fall, der namensgebend für unsere Personen-

schutzfirma und Detektei werden sollte. Wir ermittelten im Schatten der Steine. Der Name iSdS-Detektive war ge-

boren. Natürlich hat die Abkürzung iSdS aufgrund unserer

europaweiten Ermittlungen und inzwischen weltweiten

Berühmtheit auch eine andere Bedeutung. Internationaler

Sicherheits- und Detektiv Service.

Daniela Lieblig (auch die Schreibweise Lie-

big ist bei ihrem Namen richtig, seit einige Be-

hörden ihn wahlweise schreiben, wie es ihnen gefällt) kam

erst viel später zu uns. Wir wurden damals von der Salz-

burger Kriminalpolizei um Hilfe bei einer Vermisstensu-

che im Skigebiet Dachstein West gebeten. Sie wurde uns

damals zur Seite gestellt, um uns Privatdetektive als orts-

kundige Beamtin zur Seite zu stehen. Auch in anderen Fäl-

len im Alpenraum hatte sie mit uns gemeinsam ermittelt.

Da sie in ihrer Dienststelle wegen ihrer sexuellen Orientie-

rung gemobbt wurde und ihr für ihre berufliche Entwick-

lung nur Steine in den Weg gelegt wurden, wechselte sie

später zu uns.

Ein paar Punkte muss ich noch zu den Berichten in die-

sem und den anderen Büchern unserer Kriminalberichte geben. Die beschriebenen Orte, die Unterkünfte und Res-

taurants, die Adressen der Behörden und auch der Tatorte

sind tatsächlich vorhanden. Jeder wird sie in digitalen Kar-

ten wiederfinden. Die Namen der Opfer und Täter, der

Beamten, Staatsanwälte und sonstige genannte Personen

sind geändert/frei erfunden. Wenn also einer deiner Nach-

barn oder Kollegen zufällig so heißt, ist er nicht der hier

genannte Täter.

Nur der Werkstattmeister und sein Sohn aus dem ers-

ten Fall des zweiten Bandes dieser Serie wurden mit ihrem

Einverständnis mit ihren echten Namen genannt, so wie

wir auch unsere echten Namen als Detektive hier in unse-

ren Veröffentlichungen erwähnen. Aber wir müssen zuge-

ben, dass sich der erste Fall in diesem eben genannten

Buch nicht ganz so harmlos, wie wir ihn hier dargestellt

hatten, abgespielt hatte.

In unseren Büchern schreiben wir nicht nur über Er-

mittlungen, die wir als iSdS-Detektive erfolgreich abge-

schlossen hatten. Wir gehören zu den wenigen Vertretern

unserer Zunft, die eine hundertprozentige Erfolgsquote

vorweisen können. Das hat zum einem mit unserem eingespielten Team zu tun. Aber es liegt auch daran, dass

wir die hohe Kunst der Deduktion, wie sie schon im vor-

letzten Jahrhundert von berühmten Detektiven (wie Sher-

lock Holmes) entwickelt wurde, nicht nur nutzen, sondern

deren Zuverlässigkeit auch mit der heutigen Technik ins-

besondere der künstlichen Intelligenz und modernster

Auswertesoftware wie KIKEBE verfeinert haben.

Und so kann sich jetzt jeder Leser von unserer Arbeit

überzeugen. Du kannst aber auch teilweise die Beschrei-

bungen für einen kriminalistischen Wochenendausflug

nutzen und die Orte des Geschehens besuchen. Auch von

unserem Privatleben wirst du in unseren Büchern fast alles

erfahren. Du musst nur die einzelnen Informationen der

einzelnen Bücher zusammentragen, und daraus deine eige-

nen Schlussfolgerungen deduzieren.

Nun wünschen Sophie, Daniela, Daniel und ich dir viel

Vergnügen mit diesem Buch

Grausiger Fund am Ufer

Wir saßen beim Kaffeetrinken und beredeten, wohin wir anschließend spazieren wollten. Den ganzen Vormit-tag hatte Daniel schon unsere Dienstwagen gereinigt und die in den Fahrzeugen dauerhaft untergebrachte Technik überprüft. Egal ob es unsere Funkgeräte, GPS-Sender oder andere Detektoren waren. Jedes einzelne Gerät hatte er wieder und wieder überprüft. Sophie hatte sich die Zeit ge-nommen und die Abrechnungen unserer letzten Fälle be-gonnen. Daniela kümmerte sich in die Beschaffung neuer Kleidung für die Detektive und Personenschützer unserer Ingolstädter Zentrale. Mir blieb wieder einmal die Aufbe-reitung unserer Fälle, damit sie in Form neuer Kriminalro-mane veröffentlicht werden können. Und damit waren wir nicht nur den einen Vormittag beschäftigt. Das war eigent-lich schon unsere Beschäftigung der letzten drei Wochen, wenn man mal davon absieht, dass wir fast im Vorüberge-hen einen kleineren Fall gelöst hatten. Ein älterer Mann hatte seine Frau vermisst.

Jedenfalls überlegten wir, welche Art des Spazierganges

es werden sollte. Ob wir den normalen Rundgang um un-

ser Grundstück und dem es umschließenden Wald machen

wollten. Es gäbe natürlich auch mal wieder die Alternati-

ven, am Elbufer zu wandern oder vielleicht sogar die Festung Königstein zu besuchen. Die Entscheidung mach-

ten wir uns nicht leicht. Aber da half uns die Witterung. Es

hatte den ganzen Vormittag geregnet. Und da Daniel den

Fuhrpark in einem perfekten Zustand hatte, bat er uns

doch lieber hier vor Ort spazieren zu gehen. Allerdings wa-

ren davon unsere zwei hübschen Mädels nicht ganz so be-

geistert. Wollten sie doch endlich mal wieder unter Men-

schen kommen und ihre neuen sportlichen Outfits

präsentieren. Den Kompromiss kann sich jeder denken.

Wir entschieden uns, mit einem Auto zu fahren, welches

Sophie und Daniela anschließend mit viel Schaum in Ba-

dekleidung waschen und polieren sollten.

Auch wenn sich jetzt der eine oder andere Leser auf die

Beschreibung dieser Szene freuen würde, ich muss leider

für Enttäuschung sorgen. Obwohl nicht nur Daniel und

ich mich auf diesen Anblick gefreut hatten. Auch Sophie

und Daniela hatten nichts gegen diese Art der Fahrzeug-

reinigung mit Körperkontakt auszusetzen. Schon des Öf-

teren hatten sie ihre Aufgaben mit innigen Körperkontak-

ten ausgeübt. Aber mich erreichte eine Mail des

Bezirkspolizeikommandos Kitzbühel. Zuerst erläuterten sie, dass wir ihnen von einem Herrn Sandler vom LKA-

Tirol in Innsbruck empfohlen worden. Dieser kannte uns

seit unserem Fall, in dem wir nach einer vermissten Mutter

suchten, die plötzlich während unseres Zillertal Urlaubes

in den nahegelegenen Krimmer Wasserfällen verschwand.

Wahrscheinlich hat entweder einer unserer beiden Detek-

tivinnen einen bleibenden Eindruck aufgrund ihrer doch

sehr verführerischen Ausstrahlung bei ihm hinterlassen.

Oder er war halt doch von unserer zielorientierten und

sehr treffsicheren Ermittlungsarbeit begeistert und konnte

sich deshalb noch so gut an uns erinnern. Unsere

Mailadresse hatte er natürlich dann auf unserer Homepage

gefunden. Nach diesem kleinen Hinweis stellte er sich na-

türlich erst einmal in aller Gründlichkeit vor. Wahrschein-

lich wollte er mit den ganzen Angaben nur verdeutlichen,

dass er selbst auch so einige Erfahrungen als Ermittler

sammeln konnte. Er war Major und hieß Jürgen Kurzfuß.

Er leitete die Sonderkommission für Gesundheitsdelikte

im Bezirkspolizeikommando in Kitzbühel, welches eine

Außenstelle des Landeskriminalamtes des Bundeslandes

Tirol in Innsbruck darstellte. Er vergaß auch nicht zu erwähnen, an welchen Dienststellen er bereits tätig war,

welche Kriminalfälle er bereits gelöst hatte und wieviel Po-

lizeibeamte unter seinem Kommando schon gedient hat-

ten. Dieser Teil der Einleitung füllte ganze vier Seiten DIN

A vier.

Dann kam der eigentliche Grund seiner Kontaktauf-

nahme. In der Nähe von Westendorf wurde eine Leiche

gefunden. Ein Mann lag in einer Blutlache am Ufer der

Brixentaler Ache. Das Foto einer Wildkamera, welche am

Baum neben dem Tatort angebracht war, schickte er uns

auch. Nur was sollten wir mit diesem Foto anfangen. Es

zeigte nur einen dunkelhaarigen Mann, der am Boden liegt.

Mitten in einer großen Blutlache lag sein Oberkörper. Auf

seiner rechten Schulter lag eine Handfeuerwaffe, welche

wir später als Glock 26 identifizieren sollten. Auf dem

Brustkorb stand ein rechter Fuß. Wahrscheinlich vom Tä-

ter. Leider waren beide so nah an der Wildkamera, dass

nicht mehr aufgenommen wurde. Alle anderen Bilder wa-

ren unbrauchbar. Es passierte in einer Nacht. Die Infra-

rotbeleuchtung der Kamera funktionierte wohl nicht. Die

anderen Fotos waren alle dunkel. Nur bei diesem Bild muss wohl kurz der Mond für eine Ausleuchtung gesorgt

haben. Mehr Informationen hatten wir nicht.

Uns wurde nicht verraten, wann die Leiche gefunden

wurde, wer das Opfer war und auch nicht, welche Beamte

als erstes am Tatort eingetroffen waren. Wir wussten auch

nicht, ob eine Person vermisst wurde. Auch über die Her-

kunft gab es keine einzige Information. Uns kam es so vor,

als ob das entweder ein Beweis für die Unfähigkeit von

Polizeibeamten war, oder vielleicht steckte da nur eine ge-

wisse Unlust dahinter. Wusste man doch, dass es in

Deutschland ein Detektivteam gab, das eine ungebrochene

Aufklärungsrate hatte, mit deren Erfolgen sich bis heute

unzählige Beamte feiern ließen, da wir selbst nie in den

Mittelpunkt geraten wollen. Wir wussten also nicht, warum

unsere Mithilfe in Anspruch genommen werden sollte.

Unser Interesse war allerdings sofort geweckt. Hatten wir

doch gerade selbst keinen Fall in unserer näheren Umge-

bung zu klären.

Da wir aber noch nicht ganz fertig mit der schriftlichen

Aufarbeitung der letzten Fälle waren und auch noch nicht

alle Abrechnungen erledigt waren, konnten wir nicht alle gleich dorthin fahren. So beschlossen wir, dass Daniel und

Daniela vorfahren sollten, um sich die ganze Sache vor Ort

zeigen und erklären zu lassen. Sophie und ich würden hin-

terherkommen, sobald die Abrechnung erledigt wäre. Im-

merhin mussten wir alles für unsere Ingolstädter Sekretärin

vorbereiten, damit sie an unsere Kunden die Rechnung

schicken konnte. Auch das Finanzamt fordert quartals-

weise unsere Abrechnungen. Die letzten Fälle hatten ein

Auftragsvolumen von fast einer viertel Millionen Euro. So

wollten wir die Rechnungen, welche zum einen Teil an Be-

hörden und zum größeren Teil dieses Mal an Vertreter der

deutschen Wirtschaft gingen, zeitnah versendet wissen.

Ansonsten wären wir natürlich sofort in voller Stärke mit-

gefahren. Und solange Sophie mit der Abrechnung

brauchte, konnte ich meine letzten Berichte schreiben. Sie

sollten das Buch „Gefährliche Gier“ füllen. Es ist schon

immer sehr emotional, wenn ich beim Schreiben unserer

Kriminalromane feststelle, wie oft wir selbst uns in Gefahr

gebracht hatten, ohne es gleich wahrzunehmen. Waren

doch oftmals die Täter ganz in unserer Nähe. Und oft ha-

ben wir während der Ermittlungen lange mit ihnen teilweise auch unter vier Augen gesprochen. Das hätte des

Öfteren ins Auge gehen können.

Während wir wegen dem neuen Auftrag nur einen klei-

nen Spaziergang machten, konnten wir es natürlich nicht

lassen, gewisse Späße über die verbeamteten Kollegen aus

dem Alpenraum zu machen. Und obwohl Daniela auch

einmal eine österreichische Polizistin war, kamen von ihr

die meisten Witze. Diese waren sehr hart und oftmals auch

unter der Gürtellinie.

Nach dem Spaziergang packten wir unsere Sachen. Wir

hatten vereinbart, dass Daniel und Daniela auch unsere Sa-

chen gleich mitnehmen sollten. So konnten wir, wenn wir

ein paar Tage später zu unseren beiden Kollegen und

Freunden dazustoßen würden, sofort bei den Ermittlun-

gen mit einsteigen, ohne erst unser Gepäck ausladen und

auspacken zu müssen.

Am frühen Abend gab es dann den gewohnten Ab-

schiedsgrillabend. Gemeinsam mit unseren Hausangestell-

ten saßen wir um den Grill und genossen die zarten Steaks.

Auch wenn Sophie und ich noch ein paar Tage hier anwe-

send sein würden, besprachen wir schon an diesem Abend die Arbeiten der nächsten zwei bis drei Wochen. Viel lag

nicht an. Ein paar Schönheitsreparaturen, Grünanlagen-

pflege und das Streichen des Eingangstores. Also müssten

es die Angestellten sich so einteilen können, dass sie ab-

wechselnd auch mal ein paar Tage frei machen könnten.

Übrigens waren wir dieses Jahr schon wieder so viele Tage

unterwegs. Jeder unserer Angestellten kommt nun inzwi-

schen schon auf mehr als dreißig freie Tage. Und es waren

noch immer fast fünf Monate bis zum Jahreswechsel.

Der Grillabend ging schnell vorbei. Und verrückt, wie

wir waren, gingen wir diesen Abend bei Regen in den Au-

ßenpool. Es war ein warmer Sommerregen. Nur hatten wir

dieses eine Mal keine Getränke, die am Rand des Pooles

standen. Wir machten eine lustige Wasserschlacht und

wärmten uns anschließend gemeinsam unter unserer Du-

sche auf.

Nach diesem erotischen Spiel unter der Tropendusche

gingen wir in unseren Abendsalon. Gemeinsam wollten

wir nur noch kurz besprechen, wie die folgenden Tage aus-

sehen würden. Sophie würde noch zwei Tage für ihr Büro

benötigen. Bei mir war es eigentlich egal, wann ich mit den Berichten fertig werde. Lag doch noch immer ein ganzer

Stapel bei Polizei und Staatsanwaltschaft und wartete da-

rauf, für die Veröffentlichung freigegeben zu werden. Die

Beamten mussten meine Romane unter datenschutzrecht-

lichen Aspekten prüfen und freigeben. Ich wusste schließ-

lich nicht immer, ob Opfer oder deren Angehörige oder

sogar die Angehörigen der Täter einer Veröffentlichung

ganze Zeit nach der Gerichtsverhandlung widersprochen

hatten. Auch gibt es immer wieder Gesetzesänderungen,

was die Genehmigungsverfahren für die Veröffentlichung

von Kriminalfällen mit besonders prekären Situationen be-

trifft. Es kommt immer mal vor, dass einer unserer Fälle

in den Ordner für geheime Fälle wandert und erst viele

Jahre später veröffentlicht werden darf. Allein dieser Ord-

ner würde jetzt schon einige Bücher füllen. Vielleicht ent-

steht daraus mal „die Reihe der geheimen Fälle der iSdS-

Detektive“.

Daniel und Daniela sollten mit dem Maybach-GL vor-

fahren. Mit diesem komfortablen Geländewagen könnten

sie erste Gespräche in Kitzbühel und der örtlichen Polizei

führen und vielleicht schon mal die Hauptverkehrsachsen abfahren. Und sie könnten natürlich schon mal die ersten

kurzen Gespräche mit den Einwohnern dieses Tals führen.

Unsere beiden wissen schon, wie sie sich anstellen würden.

Rein optisch würden sie das perfekte Paar geben. Eigent-

lich wäre da jede Zweierkombination aus unserem Quar-

tett genauso gut möglich. Jedenfalls könnten sie als gut be-

tuchte Urlauber auftreten und so den gehobenen

Dorftratsch in Anspruch nehmen. Während wir uns so un-

terhielten und über sämtliche Eventualitäten philosophier-

ten, wurde uns eines so richtig bewusst. Es kam sehr selten

vor, dass wir nicht in voller Stärke ermittelten. Aber es kam

noch nie vor, dass die eine Hälfte mit den Ermittlungen

begann und die andere Hälfte etwas später nachreiste. Und

was noch nie vorkam, dass Daniel und Daniela allein un-

terwegs waren. Sie waren zwar auch ein großartiges Team.

Aber das nur als Detektive und als gute Freunde. Aber als

intime Freunde funktionierten beide nicht. Jeder treue Le-

ser weiß, dass Daniela nicht auf Männer und Daniel nicht

auf Frauen steht. Da hatten Sophie und ich es besser. Uns

wäre es egal, wer hierbleiben würde.

Nachdem wir nun schon den ganzen Abend bei unserem Wein in gemütlicher Runde über alles gesprochen

hatten, begaben wir uns in unser Schlafgemach. Auf uns

wartete schon längst das Land der Träume. Aber so richtig

versinken konnten wir erst, nachdem wir ausgiebig mitei-

nander und durcheinander „gekuschelt“ hatten.

Am nächsten Morgen standen wir alle sehr früh auf.

Wir wollten noch einmal uns gemeinsam am gedeckten

Frühstückstisch zurücklehnen und zusammen in den Tag

starten. Nur es war auch der Tag, an dem wir uns vorerst

voneinander verabschieden mussten. Daniel und Daniela

fuhren los, kurz nachdem die Sonne vom Morgenrot in ein

goldenes Strahlen gewechselt hatte. Und sobald wir zu

zweit waren, gingen wir sofort in unser Büro. Ich wollte

meine Berichte erst einmal liegen lassen und Sophie bei

den Abrechnungen helfen. So würde sie schneller fertig

werden, und wir könnten ohne unnötige Zeitverzögerung

unseren beiden Freunden folgen. Ein Traum wäre es, am

Abend schon fertig zu sein, damit wir bei der abendlichen

Videokonferenz nicht nur alle Neuigkeiten aus dem

Brixental erfahren könnten. Wir wollten so gerne sagen,

am nächsten Morgen hinterher zu fahren. Und so vertieften wir in unsere Arbeit.

Es war kurz vor dem Mittagessen, da klingelte plötzlich

das Telefon. Es war der Herr Kirchenbauer vom Landes-

kriminalamt Sachsen. Es bräuchte dringend unsere Unter-

stützung. Doch mehr wollte er uns erst bei einem persön-

lichen Treffen verraten. Aus seiner Stimme war Trauer zu

vernehmen. Sophie und ich stimmten seiner Bitte natürlich

zu. Wir wollten nur noch schnell diesen einen Fall abrech-

nungstechnisch zu Ende bringen. Natürlich aßen wir noch

zu Mittag. Aber dann fuhren wir gleich los.

Wir waren auf dem Parkplatz der Bastei verabredet.

Diese befand sich genau zwischen dem Büro des Herrn

Kirchbauer und unserer Villa. Unser Bekannter aus dem

LKA meinte auch, dass dieser Treffpunkt nicht passender

hätte von uns empfohlen werden können. Was auch im-

mer er damit meinte, sollten wir sofort bei unserem Tref-

fen erfahren.

Herr Kirchbauer empfing uns schon ganz aufgeregt. Er

zeigte uns ein Foto. Zu sehen war eine Höhle, in die der

niedrigstehende Vollmond leuchtete. Am Boden lag eine

schlanke junge Frau mit sehr langen blonden Haaren. Neben ihr war eine Blutlache zu sehen. Vor der Toten

hockte eine andere junge Frau mit einer Fackel. Es war ein

Foto, das von einem Smartphone aufgenommen wurde.

Es sah aus, wie eine Trophäe. Und das war noch nicht al-

les. Das Opfer war die Tochter unseres befreundeten Be-

amten. Er bat uns, diesen Fall zu übernehmen. Wegen Be-

fangenheit durfte er nicht selbst tätig werden. Aber allein

auf den Ermittlungserfolg seiner Kollegen wollte er sich

auch nicht verlassen müssen. Er sicherte uns auch jegliche

Art von Unterstützung zu. Auch würde er uns sämtliche

Informationen liefern, die wir für erforderlich halten wür-

den. Und dann verriet er uns, dass wir nicht zufällig hier

auf diesem Parkplatz stehen würden. Die betreffende

Höhle wäre direkt unterhalb von unserem aktuellen Stand-

ort.

Wir folgten ihm auf einem sehr schmalen und auch stei-

len Pfad. Weit mussten wir nicht gehen. Dann kamen wir

zu dieser Höhle. Natürlich war das Opfer schon weg. Auch

könnten wir hier keine Spuren mehr finden, hatten doch

die Beamten mit ihren Stiefeln schon alles vernichtet, was

uns die Wege des Täters hätte zeigen können. Aber wir konnten uns allein wegen dem steilen Weg davon überzeu-

gen, dass seine Tochter hier vor Ort erschlagen wurde.

Denn nach seinen Angaben wog sie ungefähr zweiund-

fünfzig Kilogramm. Auch ein trainierter Mann würde es

nicht wagen, dieses Gewicht auf diesem schlechten Weg

zu tragen. Man muss unbedingt bei diesen Gedankengän-

gen erwähnen, dass diese lehmigen Wege bei dieser aktu-

ellen Feuchtigkeit sehr rutschig waren. Wir hatten alles ge-

sehen, was es noch zu sehen gab. Die Eindrücke wollten

wir erst einmal verarbeiten. Es ist bedrückend zu erleben,

wenn ein Hüter des Gesetzes seine Tochter auf einer so

bestialischen und unvorhersehbaren Art verliert. Ein paar

Fragen musste der trauernde Vater uns aber dennoch be-

antworten. Wer hatte seine Tochter gefunden? Was könnte

sie hier gewollt haben? Hatte sie Feinde? Viel kam nicht

zur Antwort. Weil sie nicht in der Uni erschienen war, in-

formierte die Verwaltung der Universität ihren Vater. Das

sei wohl ein normales Vorgehen, wenn die Angehörigen

von hohen Beamten nicht zu Terminen erscheinen. Eine

Ortung ihres Smartphones gab diesen Parkplatz als Stand-

ort aus. In ihrem Auto wurde das Mobiltelefon gefunden. Und sofort begann eine Suche. Von Feinden wusste er

nichts zu berichten. Seine Tochter war schon immer sehr

beliebt

Im Anschluss fuhren wir mit ihm zu der Wohnung sei-

ner Tochter. Da er einen Schlüssel zu dieser Wohnung be-

saß, konnten wir ohne Schlüsseldienst hinein. Uns wun-

derte nur, dass noch keine Beamten hier waren. Herr

Kirchenbauer meinte, dass auch keine kommen würden.

Erst wenn wir etwas fänden, würde die Maschinerie in

Gang gesetzt. Er hatte mit seinem Chef ausgemacht, dass

wir Detektive allein ermitteln durften, während er uns nur

als Beobachter zur Seite stand.

Wir durchsuchten wirklich alles. Aber es führte uns kein

Hinweis zu einer Person, die für die grausame Tat infrage

kommen würde. Es gab keine Einträge im Tagebuch. Im

Kalender, welcher auf ihrem Schreibtisch stand, gab es

auch keine auffälligen Termine oder unerwartete Einträge.

Ihr Notebook war ohne Passwortschutz. So konnten wir

auch hier nachschauen. Sofort stellten wir eine Verbin-

dung zwischen ihrem Computer und unserer künstlichen

Intelligenz her. Sie sollte verdächtige Inhalte suchen. Herr Kirchenbauer hatte uns auch das Smartphone seiner Toch-

ter gegeben, welchen Sophie anschaute. Aber da war nichts

zu finden. Unsere KI meldete auch, dass wir auf dem

Computer nichts finden würden.

Und so kamen wir zu dem Entschluss, dass seine Toch-

ter zwar erschlagen wurde. Aber diese Tat war wohl nur

Mittel zum Zweck. Wir fragten, wie es um die Kontakte

seiner Frau stand. Aber da wusste er auch nichts Negatives

zu berichten. Also sollten wir zu seiner Dienststelle fahren.

Wir müssten seine alten Fälle durchgehen. Aber dafür

machten wir einen Termin am nächsten Morgen aus. Dann

würden wir auch von der Pathologie erfahren, ob es noch

andere Verletzungen gab oder vielleicht auch nicht ganz so

offensichtliche Gründe, die beim Mord behilflich sein

konnten.

Am späten Nachmittag kehrten wir in unsere Villa zu-

rück. Es wäre so einfach, wenn wir jetzt schon alle erfor-

derlichen Akten in digitaler Form vor uns hätten. Dann

könnten wir heute Abend schon weiter ermitteln. Aber da

es sich ausschließlich um Fälle handelte, bei denen es um

schwere Verbrechen handelte, durften die Akten das Dienstgebäude nicht verlassen. Wir dürften aus Gründen

des Datenschutzes auch nicht einfach die Fakten aus jeder

einzelnen Akte sammeln. Nur bei absolut berechtigtem

Verdacht war es uns erlaubt.

Nach dem Abendessen nutzten wir die Zeit, noch etwas

an den Abrechnungen weiter zuarbeiteten. Wenigstens da-

bei verzeichneten wir einen schnellen Erfolg. Ohne den

Fall des Herrn Kirchenbauers könnten wir am nächsten

Morgen schon losfahren.

Während Sophie und ich in einer eindeutigen Pose im

Pool lagen, kam der Videoanruf unserer beiden Freunde.

Sie sahen neidisch aus, was wohl an unserem Anblick lag.

Kurz berichteten wir von der guten Nachricht, dass So-

phies Abrechnungen fertig waren. Danach folgte die etwas

schlechtere Nachricht vom Tod der Tochter des Herrn

Kirchenbauer. Diesen Fall wollten wir erst lösen, anschlie-

ßend würden wir aber sofort unseren beiden Freunden

und Kollegen ins Brixental folgen.

Was uns Daniela und Daniel von ihren ersten Informa-

tionen und Eindrücken berichteten, werden wir jetzt nicht

wiedergeben. Wir wollen schließlich unsere Leser nicht durch die parallele Lösung zweier Fälle durcheinanderbrin-

gen. Nach unserem dienstlichen Gedankenaustausch mit

anschließendem privaten flirten, verabschiedeten wir uns

voneinander. Sophie und ich stiegen aus dem Pool und

wanderten zum Bett, um in unserem geschätzten Land der

Träume zu versinken.

Der nächste Morgen hatte begonnen. Eigentlich wären

Sophie und ich jetzt auf den Weg in die Alpen. Gerade für

Sophie ist es ein unschönes Gefühl so lange von Daniela

getrennt zu sein. Und auch ich muss zugeben, mir fehlt

auch mein anderer Partner. Wie muss es da erst den beiden

gehen. So wie Daniel für Daniela nur ein Freund und Kol-

lege ist, ist es auch Daniela für Daniel. Jeder treue Leser

unserer Berichte weiß genau, was ich damit sagen will. Wir

frühstückten schnell und danach fuhren wir mit unserem

Laptop bewaffnet zum Landeskriminalamt.

Herr Kirchenbauer erwartete uns bereits. Gemeinsam

gingen wir in das Archiv. Nur hier gibt es neben den alten

Akten in Papierform den vollständigen Zugang zu allen di-

gitalen Akten. Während Herr Kirchenbauer dem zuständi-

gen Leiter des Archives unsere Tätigkeit erklärte, schloss ich unseren Laptop an den Zentralrechner an. Sicherlich

hätten wir auch auf dem Computer des Archives in den

digitalen Akten schauen können. Aber unsere Technik war

per Mobilfunk mit unserem Zentralrechner und der dazu-

gehörigen künstlichen Intelligenz verbunden. Denn wir

brauchten die Namen der von Herrn Kirchenbauer vor

Gericht gestellten Personen. Wir mussten wissen, wer ver-

haftet wurde, wann sie eventuell wieder entlassen wurden

und möglichst auch die Fotos der näheren Angehörigen

und Lebenspartner. Und das konnte nur ein Programm in-

tensiv und in einer relativ kurzen Zeit erledigen. Ich meine

KIKEBE, die Software, die in Europa zwar von einigen

Staaten und in Deutschland von uns „getestet“ wird, aber

aus datenschutzrechtlichen Bedenken einiger Mitglieds-

staaten für die europäischen Polizeibehörden offiziell

(noch) nicht zugelassen ist.

Während unser Computer nun arbeitete, bat ich Herrn

Kirchenbauer uns einen Kaffee zu besorgen. Sophie und

ich würden die Zeit nutzen, um in den alten Papierakten

zu stöbern, die noch nicht digitalisiert waren. Aber da wür-

den wir nur erst einmal auf die Umschläge schauen. Auf ihnen steht der Tag der Verurteilung, die angeordnete

Haftdauer und der früheste Entlassungstermin. Es dauerte

so einige Stunden. Wohl fühlten wir uns in diesen künst-

lich beleuchteten Kellerräumen nicht. Keiner von uns bei-

den konnte je verstehen, wie ein Beamter den ganzen Tag

hier im Keller des Archives verbringen konnte, das gleich-

zeitig als Asservatenkammer dient. Diese abgestandene

Luft, die künstliche Beleuchtung und dazu die Stille, die

nur ab und zu durch ein Telefonläuten unterbrochen

wurde, war für uns bestimmt keine angenehme Arbeitsat-

mosphäre. Wir merkten gar nicht, wie schnell die Zeit ver-

geht. Das einzige Indiz, dass wir hier schon länger suchen

würden, war der Mülleimer. Herr Kirchenbauer hatte uns

so oft schon Kaffee gebracht, dass die leeren Becher den

Mülleimer überquellen ließen. Ergebnisoffen, der Laptop

tauschte aber noch immer mit unserem Zentralrechner

Datensätze aus, gingen wir in eine längere Mittagspause.

Da jeder Besucher und nicht zur Dienststelle gehören-

der in den Polizeikantinen sich sein Mittagessen kaufen

kann, begaben wir uns auch in die kulinarische Erlebnis-

halle des Landeskriminalamtes. Eigentlich wähnten wir uns hier sicher vor Kriminellen. Aber für das, was uns der

Küchenchef heute auf den Teller zauberte, wäre er früher

auf dem Scheiterhaufen gelandet. Es reichte ihm wohl

nicht, dass man rein optisch die Zutaten nicht identifizie-

ren konnte, die er mit einem Schwung auf den Teller

klatschte. Auch der Gaumen hatte ergebnislos versucht,

gemeinsam mit der Zunge die Speise zu identifizieren. Das,

was sich der Koch heute geleistet hatte, war in höchstem

Maße kriminell. Da wir das auch nach mehreren Versu-

chen nicht genießen konnten, luden wir Herrn Kirchen-

bauer in das gegenüberliegende Restaurant ein. Dort konn-

ten wir auch in Ruhe miteinander reden, ohne dass einer

seiner Kollegen mithören würde. Es sollte nicht gleich je-

der wissen, dass er seine Tochter verloren hatte. Denn jede

Beileidsbekundung verursachte jedes Mal aufs Neue nega-

tiven Emotionen.

Wir sprachen über seine spektakulärsten Fälle. Und da

meinen wir nicht solche Fälle, bei denen er wie ein Stunt-

man im Fernsehen mit quietschenden Reifen den Verbre-

chern folgte. Wir sprachen über die Fälle, bei denen es

während der Verhaftung oder während der Gerichtsverhandlungen zu seltsamen und ungewöhnlichen

Situationen kam. Vielleicht gab es auch Hassausbrüche

nach der Verurteilung, die Angehörige ihm gegenüber oder

gegenüber den Richtern zu unschönen Äußerungen getrie-

ben hatten. Sicherlich bekommt keiner der ermittelnden

Beamten und auch kein Richter oder Staatsanwalt Blumen

vom Täter. Aber trotzdem reagieren die Betroffenen meist

gleich. Vorgespielte Reue, ruhiges Auftreten und nach dem

Urteilsspruch werden sie meist mit gesenktem Haupt her-

ausgeführt. Und genau da sollte Herr Kirchenbauer mit

seinen Überlegungen ansetzen. Oder gab es vielleicht ei-

nen Fall, in dessen Verlauf eventuell ein Unschuldiger zu

mehrjähriger Haft verurteilt wurde. Aber Herr Kirchen-

bauer konnte sich gar nicht so leicht daran erinnern.

Unser Mittagessen hatten wir längst vom Teller in den

Magen wandern lassen. Tief ins Gespräch vertieft saßen

wir wohl schon länger am Tisch. Die ersten älteren Herr-

schaften traten in das Restaurant und ließen sich Kaffee

und Kuchen servieren. Und dann passierte plötzlich das

Erhoffte. Mein iPhone gab mir durch ein dezentes Vibrie-

ren zu verstehen, dass auf unserem MacBook im Archiv der Polizei wichtige Informationen auf uns warten würden.

Schnell bezahlten wir die Rechnung und gingen dann zügig

zurück zum Polizeiarchiv. Uns verriet der Computer den

Namen eines verurteilten Mannes. Dieser saß in Haft, weil

er illegal Waffen besessen hatte. Und laut unserem Com-

puter wurde er vor seiner Verhaftung durch viele Kameras

aufgezeichnet, während er in weiblicher Begleitung war.

Und die Frau, die der Computer als die Frau auf dem Tro-

phäenfoto identifizierte, war die Freundin des Täters. Ob

sie sich gegenseitig liebten oder ob sie sich von ihm blen-

den ließ, war nicht herauszubekommen. Aber dafür nannte

uns der Computer dank dem Abgleich mit den Meldebe-

hörden, die Anschrift der rotblonden Frau. Jetzt mussten

wir allerdings klären, wer diese Täterin verhaften sollte. Si-

cherlich wäre sie darauf vorbereitet, wenn Herr Kirchen-

bauer sie zuhause besuchen würde. Und den Trick mit

Kundendienst der Telekom oder Elektriker brauchten wir

bei solchen Personen wohl gar nicht erst versuchen.

Während Sophie und ich über die Art und Weise nach-

dachten, wie wir die Frau überwältigen würden, erinnerte

sich plötzlich Herr Kirchenbauer an diese Frau. Im Treppenhaus des Gerichtsgebäudes hatte sie ihn nach der

Verurteilung kurz angerempelt. Anstatt einer kurzen Geste

oder ein paar höflicher Worte zur Entschuldigung

schenkte sie unserem verbeamteten Kollegen nur einen

hasserfüllten Blick, für den sie eigentlich einen Waffen-

schein benötigen würde. Damals trug sie noch kurze

schwarze Haare. Der Tag der Verurteilung war allerdings

auch schon vor acht Jahren. Und so war sie sich wohl si-

cher, dass man sie nach so langer Zeit nicht erkennen

würde, wenn sie heute lange, kupferblonde Haare als na-

türlichen Kopfschmuck tragen würde. Einem normalen

Menschen wäre das natürlich nicht aufgefallen. Aber die

künstliche Intelligenz lässt sich von solchen Nebensäch-

lichkeiten nicht in die Irre führen. Für sie zählen nur bio-

metrische Größen. Von optischen Reizen lässt sich ein

Computer nicht ablenken.

Wir schauten kurz nach, wann ihr Freund entlassen

werden würde. Mit Erschrecken mussten wir feststellen,

dass dieser Herr nur noch einige Wochen in der staatlichen

Unterkunft verweilen müsste. Aber er hatte die wohl

schönsten Jahre verpasst. Wenn man mit Beginn der Volljährigkeit ins Gefängnis wandert, kann man nur davon

träumen, wie die eigenen Kumpels und die Freundin drau-

ßen in Freiheit jedes Wochenende auf Partys gehen.

Wir schauten uns auf Satellitenbildern ihre Melde-

adresse an. Es waren die berüchtigten Wohnblöcke aus

den letzten zwei Jahrzehnten der Trennung beider deut-

scher Staaten. Und diese damals als „Arbeiter- und Bau-

ernschließfächer“ berüchtigten Wohnsilos sind heute rich-