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Vier verschiedene Todesfälle - vier ermittelnde Detektive - vier verschiedene Regionen Ein Buch voller Spannung, schönen Landschaften und gemeinen Morden. Romantische und intime Momente bei den Ermittlern, aber auch schwere Ermittlungsarbeit wird in diesem Buch beschrieben. Dieses Mal beginnen wir in der Bastei/Elbsandsteingebirge (die Tochter vom Chef des sächsischen LKA wurde tot aufgefunden). Der zweite Fall bringt uns nach Westendorf/Tirol, wo der neue Mitarbeiter des Tourismusbüros und "Freund" der Sekretärin vom Bürgermeister erschlagen am Ufer des Baches gefunden wurde. Der dritte Fall lässt uns für die "Rosenheim-Cops" in Brannenburg ermitteln, weil am Ufer des Inn eine junge Frau erschlagen aufgefunden wurde. Der letzte Fall führte uns in ein Verlies der Burgruine Randeck im Altmühltal. Ein hübscher junger Mann mit schulterlangen leuchtenden roten Haaren wurde aufgehängt von uns selbst dort gefunden. In diesen vier Fällen (der letzte war eines unserer ersten Fälle überhaupt, die wir gemeinsam als damaliges Trio gelöst hatten) beschreiben wir nicht nur unsere intensiven Ermittlungen. Auch unser romantisches und teilweise intimes Zusammenleben, die Landschaften und auch Unterkünfte und Restaurants, die jeder Leser tatsächlich auch besuchen kann, werden farbenreich beschrieben. Dreihundert Buchseiten voller Spannung
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Seitenzahl: 257
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Michael Peter
iSdS – Detektive
Band 3
WENN AUS NEID
TÖDLICHER
HASS WIRD
Kriminalroman
Texte und Layout © 2025 Michael Peter
Covergestaltung © 2025 Michael Peter
Verlag/veröffentlicht von: Michael Peter (Selfpublisher)
Ingolstädter Straße, 93336 Altmannstein
Kontakt: [email protected]
Herstellung/Druck: epubli.de – ein Service der Neopubli GMBH
Köpenicker Straße 154a, 10997 Berlin
Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: [email protected]
Inhaltsverzeichnis
Ein paar Worte zu Beginn ............................................... 7
Grausiger Fund am Ufer ................................................ 13
Die getrennten Zwillinge ............................................... 96
Die rothaarige Lady ...................................................... 207
Gedanken zum Schluss ................................................ 297
Weitere Bücher und Serien .......................................... 299
Serie 1: Im Schatten der Steine. .............................. 299
Serie 2: iSdS – Detektive ........................................ 301
Ein paar Worte zu Beginn
Als erstes möchte ich mich als Autor,
Gründer und CEO der iSdS-Detektive bei
dir lieber Leser für den Kauf dieses Buches
bedanken. Aber ich möchte auch den Lesern, die nicht
durch die andere Krimiserie „Im Schatten der Steine“ die
Anfänge unserer Erfolgsgeschichte verfolgen konnten,
meine Mitstreiter vorstellen.
Als erstes möchte ich Daniel Ivanova vor-
stellen. Einst war er einfacher angestellter Fri-
seur. Später wechselte er in meine Ingolstäd-
ter Zentrale. Er arbeitete dort für mich als Hausmeister,
Gärtner und Chauffeur. Auch im Haus übernahm er so
manche organisatorische Tätigkeiten, die in England ei-
nem Butler ähnelten. Nebenbei war er der Friseur für mich
und meine Mitarbeiter. Durch einen Fall, den ich erst allein
lösen wollte, musste er mir plötzlich bei den Ermittlungen
helfen und so begann seine Laufbahn als Detektiv. Wenn
wir unterwegs sind, ist er meistens der Fahrer. Seine speziellen Aufgaben sind der Fuhrpark und die Ermitt-
lungstechnik. Auch pflegt er unseren Firmenserver und ist
für die Computertechnik und deren aktuellen Stand zu-
ständig.
Sophie Richter ist die dritte im Bunde der
Detektive. Sie fing in meiner damals neu ge-
gründeten Zentrale in Ingolstadt als Sekretärin an. Später
stellte ich eine neue Verwaltungskraft und Empfangsdame
ein. Sophie war seit diesem Zeitpunkt meine Hauswirt-
schafterin. Sie sorgte einfach für alles in meinem persönli-
chen Umfeld. Und auch bei meinen Ermittlungen, bei de-
nen ich auswärts übernachten musste, nahm ich sie
anfangs mit. Damals buchte ich aus Kostengründen noch
Ferienwohnungen. So brauchte ich sie natürlich für den
Haushalt vor Ort. Allerdings war es nur so lange der Fall,
bis sie damals gemeinsam mit Daniel mich bei meinen Er-
mittlungen im Elbsandsteingebirge unterstützen und de-
tektivische Arbeit übernehmen musste. So begann auch
ihre Laufbahn als Detektivin gemeinsam mit Daniel. Das
war auch der Fall, der namensgebend für unsere Personen-
schutzfirma und Detektei werden sollte. Wir ermittelten im Schatten der Steine. Der Name iSdS-Detektive war ge-
boren. Natürlich hat die Abkürzung iSdS aufgrund unserer
europaweiten Ermittlungen und inzwischen weltweiten
Berühmtheit auch eine andere Bedeutung. Internationaler
Sicherheits- und Detektiv Service.
Daniela Lieblig (auch die Schreibweise Lie-
big ist bei ihrem Namen richtig, seit einige Be-
hörden ihn wahlweise schreiben, wie es ihnen gefällt) kam
erst viel später zu uns. Wir wurden damals von der Salz-
burger Kriminalpolizei um Hilfe bei einer Vermisstensu-
che im Skigebiet Dachstein West gebeten. Sie wurde uns
damals zur Seite gestellt, um uns Privatdetektive als orts-
kundige Beamtin zur Seite zu stehen. Auch in anderen Fäl-
len im Alpenraum hatte sie mit uns gemeinsam ermittelt.
Da sie in ihrer Dienststelle wegen ihrer sexuellen Orientie-
rung gemobbt wurde und ihr für ihre berufliche Entwick-
lung nur Steine in den Weg gelegt wurden, wechselte sie
später zu uns.
Ein paar Punkte muss ich noch zu den Berichten in die-
sem und den anderen Büchern unserer Kriminalberichte geben. Die beschriebenen Orte, die Unterkünfte und Res-
taurants, die Adressen der Behörden und auch der Tatorte
sind tatsächlich vorhanden. Jeder wird sie in digitalen Kar-
ten wiederfinden. Die Namen der Opfer und Täter, der
Beamten, Staatsanwälte und sonstige genannte Personen
sind geändert/frei erfunden. Wenn also einer deiner Nach-
barn oder Kollegen zufällig so heißt, ist er nicht der hier
genannte Täter.
Nur der Werkstattmeister und sein Sohn aus dem ers-
ten Fall des zweiten Bandes dieser Serie wurden mit ihrem
Einverständnis mit ihren echten Namen genannt, so wie
wir auch unsere echten Namen als Detektive hier in unse-
ren Veröffentlichungen erwähnen. Aber wir müssen zuge-
ben, dass sich der erste Fall in diesem eben genannten
Buch nicht ganz so harmlos, wie wir ihn hier dargestellt
hatten, abgespielt hatte.
In unseren Büchern schreiben wir nicht nur über Er-
mittlungen, die wir als iSdS-Detektive erfolgreich abge-
schlossen hatten. Wir gehören zu den wenigen Vertretern
unserer Zunft, die eine hundertprozentige Erfolgsquote
vorweisen können. Das hat zum einem mit unserem eingespielten Team zu tun. Aber es liegt auch daran, dass
wir die hohe Kunst der Deduktion, wie sie schon im vor-
letzten Jahrhundert von berühmten Detektiven (wie Sher-
lock Holmes) entwickelt wurde, nicht nur nutzen, sondern
deren Zuverlässigkeit auch mit der heutigen Technik ins-
besondere der künstlichen Intelligenz und modernster
Auswertesoftware wie KIKEBE verfeinert haben.
Und so kann sich jetzt jeder Leser von unserer Arbeit
überzeugen. Du kannst aber auch teilweise die Beschrei-
bungen für einen kriminalistischen Wochenendausflug
nutzen und die Orte des Geschehens besuchen. Auch von
unserem Privatleben wirst du in unseren Büchern fast alles
erfahren. Du musst nur die einzelnen Informationen der
einzelnen Bücher zusammentragen, und daraus deine eige-
nen Schlussfolgerungen deduzieren.
Nun wünschen Sophie, Daniela, Daniel und ich dir viel
Vergnügen mit diesem Buch
Grausiger Fund am Ufer
Wir saßen beim Kaffeetrinken und beredeten, wohin wir anschließend spazieren wollten. Den ganzen Vormit-tag hatte Daniel schon unsere Dienstwagen gereinigt und die in den Fahrzeugen dauerhaft untergebrachte Technik überprüft. Egal ob es unsere Funkgeräte, GPS-Sender oder andere Detektoren waren. Jedes einzelne Gerät hatte er wieder und wieder überprüft. Sophie hatte sich die Zeit ge-nommen und die Abrechnungen unserer letzten Fälle be-gonnen. Daniela kümmerte sich in die Beschaffung neuer Kleidung für die Detektive und Personenschützer unserer Ingolstädter Zentrale. Mir blieb wieder einmal die Aufbe-reitung unserer Fälle, damit sie in Form neuer Kriminalro-mane veröffentlicht werden können. Und damit waren wir nicht nur den einen Vormittag beschäftigt. Das war eigent-lich schon unsere Beschäftigung der letzten drei Wochen, wenn man mal davon absieht, dass wir fast im Vorüberge-hen einen kleineren Fall gelöst hatten. Ein älterer Mann hatte seine Frau vermisst.
Jedenfalls überlegten wir, welche Art des Spazierganges
es werden sollte. Ob wir den normalen Rundgang um un-
ser Grundstück und dem es umschließenden Wald machen
wollten. Es gäbe natürlich auch mal wieder die Alternati-
ven, am Elbufer zu wandern oder vielleicht sogar die Festung Königstein zu besuchen. Die Entscheidung mach-
ten wir uns nicht leicht. Aber da half uns die Witterung. Es
hatte den ganzen Vormittag geregnet. Und da Daniel den
Fuhrpark in einem perfekten Zustand hatte, bat er uns
doch lieber hier vor Ort spazieren zu gehen. Allerdings wa-
ren davon unsere zwei hübschen Mädels nicht ganz so be-
geistert. Wollten sie doch endlich mal wieder unter Men-
schen kommen und ihre neuen sportlichen Outfits
präsentieren. Den Kompromiss kann sich jeder denken.
Wir entschieden uns, mit einem Auto zu fahren, welches
Sophie und Daniela anschließend mit viel Schaum in Ba-
dekleidung waschen und polieren sollten.
Auch wenn sich jetzt der eine oder andere Leser auf die
Beschreibung dieser Szene freuen würde, ich muss leider
für Enttäuschung sorgen. Obwohl nicht nur Daniel und
ich mich auf diesen Anblick gefreut hatten. Auch Sophie
und Daniela hatten nichts gegen diese Art der Fahrzeug-
reinigung mit Körperkontakt auszusetzen. Schon des Öf-
teren hatten sie ihre Aufgaben mit innigen Körperkontak-
ten ausgeübt. Aber mich erreichte eine Mail des
Bezirkspolizeikommandos Kitzbühel. Zuerst erläuterten sie, dass wir ihnen von einem Herrn Sandler vom LKA-
Tirol in Innsbruck empfohlen worden. Dieser kannte uns
seit unserem Fall, in dem wir nach einer vermissten Mutter
suchten, die plötzlich während unseres Zillertal Urlaubes
in den nahegelegenen Krimmer Wasserfällen verschwand.
Wahrscheinlich hat entweder einer unserer beiden Detek-
tivinnen einen bleibenden Eindruck aufgrund ihrer doch
sehr verführerischen Ausstrahlung bei ihm hinterlassen.
Oder er war halt doch von unserer zielorientierten und
sehr treffsicheren Ermittlungsarbeit begeistert und konnte
sich deshalb noch so gut an uns erinnern. Unsere
Mailadresse hatte er natürlich dann auf unserer Homepage
gefunden. Nach diesem kleinen Hinweis stellte er sich na-
türlich erst einmal in aller Gründlichkeit vor. Wahrschein-
lich wollte er mit den ganzen Angaben nur verdeutlichen,
dass er selbst auch so einige Erfahrungen als Ermittler
sammeln konnte. Er war Major und hieß Jürgen Kurzfuß.
Er leitete die Sonderkommission für Gesundheitsdelikte
im Bezirkspolizeikommando in Kitzbühel, welches eine
Außenstelle des Landeskriminalamtes des Bundeslandes
Tirol in Innsbruck darstellte. Er vergaß auch nicht zu erwähnen, an welchen Dienststellen er bereits tätig war,
welche Kriminalfälle er bereits gelöst hatte und wieviel Po-
lizeibeamte unter seinem Kommando schon gedient hat-
ten. Dieser Teil der Einleitung füllte ganze vier Seiten DIN
A vier.
Dann kam der eigentliche Grund seiner Kontaktauf-
nahme. In der Nähe von Westendorf wurde eine Leiche
gefunden. Ein Mann lag in einer Blutlache am Ufer der
Brixentaler Ache. Das Foto einer Wildkamera, welche am
Baum neben dem Tatort angebracht war, schickte er uns
auch. Nur was sollten wir mit diesem Foto anfangen. Es
zeigte nur einen dunkelhaarigen Mann, der am Boden liegt.
Mitten in einer großen Blutlache lag sein Oberkörper. Auf
seiner rechten Schulter lag eine Handfeuerwaffe, welche
wir später als Glock 26 identifizieren sollten. Auf dem
Brustkorb stand ein rechter Fuß. Wahrscheinlich vom Tä-
ter. Leider waren beide so nah an der Wildkamera, dass
nicht mehr aufgenommen wurde. Alle anderen Bilder wa-
ren unbrauchbar. Es passierte in einer Nacht. Die Infra-
rotbeleuchtung der Kamera funktionierte wohl nicht. Die
anderen Fotos waren alle dunkel. Nur bei diesem Bild muss wohl kurz der Mond für eine Ausleuchtung gesorgt
haben. Mehr Informationen hatten wir nicht.
Uns wurde nicht verraten, wann die Leiche gefunden
wurde, wer das Opfer war und auch nicht, welche Beamte
als erstes am Tatort eingetroffen waren. Wir wussten auch
nicht, ob eine Person vermisst wurde. Auch über die Her-
kunft gab es keine einzige Information. Uns kam es so vor,
als ob das entweder ein Beweis für die Unfähigkeit von
Polizeibeamten war, oder vielleicht steckte da nur eine ge-
wisse Unlust dahinter. Wusste man doch, dass es in
Deutschland ein Detektivteam gab, das eine ungebrochene
Aufklärungsrate hatte, mit deren Erfolgen sich bis heute
unzählige Beamte feiern ließen, da wir selbst nie in den
Mittelpunkt geraten wollen. Wir wussten also nicht, warum
unsere Mithilfe in Anspruch genommen werden sollte.
Unser Interesse war allerdings sofort geweckt. Hatten wir
doch gerade selbst keinen Fall in unserer näheren Umge-
bung zu klären.
Da wir aber noch nicht ganz fertig mit der schriftlichen
Aufarbeitung der letzten Fälle waren und auch noch nicht
alle Abrechnungen erledigt waren, konnten wir nicht alle gleich dorthin fahren. So beschlossen wir, dass Daniel und
Daniela vorfahren sollten, um sich die ganze Sache vor Ort
zeigen und erklären zu lassen. Sophie und ich würden hin-
terherkommen, sobald die Abrechnung erledigt wäre. Im-
merhin mussten wir alles für unsere Ingolstädter Sekretärin
vorbereiten, damit sie an unsere Kunden die Rechnung
schicken konnte. Auch das Finanzamt fordert quartals-
weise unsere Abrechnungen. Die letzten Fälle hatten ein
Auftragsvolumen von fast einer viertel Millionen Euro. So
wollten wir die Rechnungen, welche zum einen Teil an Be-
hörden und zum größeren Teil dieses Mal an Vertreter der
deutschen Wirtschaft gingen, zeitnah versendet wissen.
Ansonsten wären wir natürlich sofort in voller Stärke mit-
gefahren. Und solange Sophie mit der Abrechnung
brauchte, konnte ich meine letzten Berichte schreiben. Sie
sollten das Buch „Gefährliche Gier“ füllen. Es ist schon
immer sehr emotional, wenn ich beim Schreiben unserer
Kriminalromane feststelle, wie oft wir selbst uns in Gefahr
gebracht hatten, ohne es gleich wahrzunehmen. Waren
doch oftmals die Täter ganz in unserer Nähe. Und oft ha-
ben wir während der Ermittlungen lange mit ihnen teilweise auch unter vier Augen gesprochen. Das hätte des
Öfteren ins Auge gehen können.
Während wir wegen dem neuen Auftrag nur einen klei-
nen Spaziergang machten, konnten wir es natürlich nicht
lassen, gewisse Späße über die verbeamteten Kollegen aus
dem Alpenraum zu machen. Und obwohl Daniela auch
einmal eine österreichische Polizistin war, kamen von ihr
die meisten Witze. Diese waren sehr hart und oftmals auch
unter der Gürtellinie.
Nach dem Spaziergang packten wir unsere Sachen. Wir
hatten vereinbart, dass Daniel und Daniela auch unsere Sa-
chen gleich mitnehmen sollten. So konnten wir, wenn wir
ein paar Tage später zu unseren beiden Kollegen und
Freunden dazustoßen würden, sofort bei den Ermittlun-
gen mit einsteigen, ohne erst unser Gepäck ausladen und
auspacken zu müssen.
Am frühen Abend gab es dann den gewohnten Ab-
schiedsgrillabend. Gemeinsam mit unseren Hausangestell-
ten saßen wir um den Grill und genossen die zarten Steaks.
Auch wenn Sophie und ich noch ein paar Tage hier anwe-
send sein würden, besprachen wir schon an diesem Abend die Arbeiten der nächsten zwei bis drei Wochen. Viel lag
nicht an. Ein paar Schönheitsreparaturen, Grünanlagen-
pflege und das Streichen des Eingangstores. Also müssten
es die Angestellten sich so einteilen können, dass sie ab-
wechselnd auch mal ein paar Tage frei machen könnten.
Übrigens waren wir dieses Jahr schon wieder so viele Tage
unterwegs. Jeder unserer Angestellten kommt nun inzwi-
schen schon auf mehr als dreißig freie Tage. Und es waren
noch immer fast fünf Monate bis zum Jahreswechsel.
Der Grillabend ging schnell vorbei. Und verrückt, wie
wir waren, gingen wir diesen Abend bei Regen in den Au-
ßenpool. Es war ein warmer Sommerregen. Nur hatten wir
dieses eine Mal keine Getränke, die am Rand des Pooles
standen. Wir machten eine lustige Wasserschlacht und
wärmten uns anschließend gemeinsam unter unserer Du-
sche auf.
Nach diesem erotischen Spiel unter der Tropendusche
gingen wir in unseren Abendsalon. Gemeinsam wollten
wir nur noch kurz besprechen, wie die folgenden Tage aus-
sehen würden. Sophie würde noch zwei Tage für ihr Büro
benötigen. Bei mir war es eigentlich egal, wann ich mit den Berichten fertig werde. Lag doch noch immer ein ganzer
Stapel bei Polizei und Staatsanwaltschaft und wartete da-
rauf, für die Veröffentlichung freigegeben zu werden. Die
Beamten mussten meine Romane unter datenschutzrecht-
lichen Aspekten prüfen und freigeben. Ich wusste schließ-
lich nicht immer, ob Opfer oder deren Angehörige oder
sogar die Angehörigen der Täter einer Veröffentlichung
ganze Zeit nach der Gerichtsverhandlung widersprochen
hatten. Auch gibt es immer wieder Gesetzesänderungen,
was die Genehmigungsverfahren für die Veröffentlichung
von Kriminalfällen mit besonders prekären Situationen be-
trifft. Es kommt immer mal vor, dass einer unserer Fälle
in den Ordner für geheime Fälle wandert und erst viele
Jahre später veröffentlicht werden darf. Allein dieser Ord-
ner würde jetzt schon einige Bücher füllen. Vielleicht ent-
steht daraus mal „die Reihe der geheimen Fälle der iSdS-
Detektive“.
Daniel und Daniela sollten mit dem Maybach-GL vor-
fahren. Mit diesem komfortablen Geländewagen könnten
sie erste Gespräche in Kitzbühel und der örtlichen Polizei
führen und vielleicht schon mal die Hauptverkehrsachsen abfahren. Und sie könnten natürlich schon mal die ersten
kurzen Gespräche mit den Einwohnern dieses Tals führen.
Unsere beiden wissen schon, wie sie sich anstellen würden.
Rein optisch würden sie das perfekte Paar geben. Eigent-
lich wäre da jede Zweierkombination aus unserem Quar-
tett genauso gut möglich. Jedenfalls könnten sie als gut be-
tuchte Urlauber auftreten und so den gehobenen
Dorftratsch in Anspruch nehmen. Während wir uns so un-
terhielten und über sämtliche Eventualitäten philosophier-
ten, wurde uns eines so richtig bewusst. Es kam sehr selten
vor, dass wir nicht in voller Stärke ermittelten. Aber es kam
noch nie vor, dass die eine Hälfte mit den Ermittlungen
begann und die andere Hälfte etwas später nachreiste. Und
was noch nie vorkam, dass Daniel und Daniela allein un-
terwegs waren. Sie waren zwar auch ein großartiges Team.
Aber das nur als Detektive und als gute Freunde. Aber als
intime Freunde funktionierten beide nicht. Jeder treue Le-
ser weiß, dass Daniela nicht auf Männer und Daniel nicht
auf Frauen steht. Da hatten Sophie und ich es besser. Uns
wäre es egal, wer hierbleiben würde.
Nachdem wir nun schon den ganzen Abend bei unserem Wein in gemütlicher Runde über alles gesprochen
hatten, begaben wir uns in unser Schlafgemach. Auf uns
wartete schon längst das Land der Träume. Aber so richtig
versinken konnten wir erst, nachdem wir ausgiebig mitei-
nander und durcheinander „gekuschelt“ hatten.
Am nächsten Morgen standen wir alle sehr früh auf.
Wir wollten noch einmal uns gemeinsam am gedeckten
Frühstückstisch zurücklehnen und zusammen in den Tag
starten. Nur es war auch der Tag, an dem wir uns vorerst
voneinander verabschieden mussten. Daniel und Daniela
fuhren los, kurz nachdem die Sonne vom Morgenrot in ein
goldenes Strahlen gewechselt hatte. Und sobald wir zu
zweit waren, gingen wir sofort in unser Büro. Ich wollte
meine Berichte erst einmal liegen lassen und Sophie bei
den Abrechnungen helfen. So würde sie schneller fertig
werden, und wir könnten ohne unnötige Zeitverzögerung
unseren beiden Freunden folgen. Ein Traum wäre es, am
Abend schon fertig zu sein, damit wir bei der abendlichen
Videokonferenz nicht nur alle Neuigkeiten aus dem
Brixental erfahren könnten. Wir wollten so gerne sagen,
am nächsten Morgen hinterher zu fahren. Und so vertieften wir in unsere Arbeit.
Es war kurz vor dem Mittagessen, da klingelte plötzlich
das Telefon. Es war der Herr Kirchenbauer vom Landes-
kriminalamt Sachsen. Es bräuchte dringend unsere Unter-
stützung. Doch mehr wollte er uns erst bei einem persön-
lichen Treffen verraten. Aus seiner Stimme war Trauer zu
vernehmen. Sophie und ich stimmten seiner Bitte natürlich
zu. Wir wollten nur noch schnell diesen einen Fall abrech-
nungstechnisch zu Ende bringen. Natürlich aßen wir noch
zu Mittag. Aber dann fuhren wir gleich los.
Wir waren auf dem Parkplatz der Bastei verabredet.
Diese befand sich genau zwischen dem Büro des Herrn
Kirchbauer und unserer Villa. Unser Bekannter aus dem
LKA meinte auch, dass dieser Treffpunkt nicht passender
hätte von uns empfohlen werden können. Was auch im-
mer er damit meinte, sollten wir sofort bei unserem Tref-
fen erfahren.
Herr Kirchbauer empfing uns schon ganz aufgeregt. Er
zeigte uns ein Foto. Zu sehen war eine Höhle, in die der
niedrigstehende Vollmond leuchtete. Am Boden lag eine
schlanke junge Frau mit sehr langen blonden Haaren. Neben ihr war eine Blutlache zu sehen. Vor der Toten
hockte eine andere junge Frau mit einer Fackel. Es war ein
Foto, das von einem Smartphone aufgenommen wurde.
Es sah aus, wie eine Trophäe. Und das war noch nicht al-
les. Das Opfer war die Tochter unseres befreundeten Be-
amten. Er bat uns, diesen Fall zu übernehmen. Wegen Be-
fangenheit durfte er nicht selbst tätig werden. Aber allein
auf den Ermittlungserfolg seiner Kollegen wollte er sich
auch nicht verlassen müssen. Er sicherte uns auch jegliche
Art von Unterstützung zu. Auch würde er uns sämtliche
Informationen liefern, die wir für erforderlich halten wür-
den. Und dann verriet er uns, dass wir nicht zufällig hier
auf diesem Parkplatz stehen würden. Die betreffende
Höhle wäre direkt unterhalb von unserem aktuellen Stand-
ort.
Wir folgten ihm auf einem sehr schmalen und auch stei-
len Pfad. Weit mussten wir nicht gehen. Dann kamen wir
zu dieser Höhle. Natürlich war das Opfer schon weg. Auch
könnten wir hier keine Spuren mehr finden, hatten doch
die Beamten mit ihren Stiefeln schon alles vernichtet, was
uns die Wege des Täters hätte zeigen können. Aber wir konnten uns allein wegen dem steilen Weg davon überzeu-
gen, dass seine Tochter hier vor Ort erschlagen wurde.
Denn nach seinen Angaben wog sie ungefähr zweiund-
fünfzig Kilogramm. Auch ein trainierter Mann würde es
nicht wagen, dieses Gewicht auf diesem schlechten Weg
zu tragen. Man muss unbedingt bei diesen Gedankengän-
gen erwähnen, dass diese lehmigen Wege bei dieser aktu-
ellen Feuchtigkeit sehr rutschig waren. Wir hatten alles ge-
sehen, was es noch zu sehen gab. Die Eindrücke wollten
wir erst einmal verarbeiten. Es ist bedrückend zu erleben,
wenn ein Hüter des Gesetzes seine Tochter auf einer so
bestialischen und unvorhersehbaren Art verliert. Ein paar
Fragen musste der trauernde Vater uns aber dennoch be-
antworten. Wer hatte seine Tochter gefunden? Was könnte
sie hier gewollt haben? Hatte sie Feinde? Viel kam nicht
zur Antwort. Weil sie nicht in der Uni erschienen war, in-
formierte die Verwaltung der Universität ihren Vater. Das
sei wohl ein normales Vorgehen, wenn die Angehörigen
von hohen Beamten nicht zu Terminen erscheinen. Eine
Ortung ihres Smartphones gab diesen Parkplatz als Stand-
ort aus. In ihrem Auto wurde das Mobiltelefon gefunden. Und sofort begann eine Suche. Von Feinden wusste er
nichts zu berichten. Seine Tochter war schon immer sehr
beliebt
Im Anschluss fuhren wir mit ihm zu der Wohnung sei-
ner Tochter. Da er einen Schlüssel zu dieser Wohnung be-
saß, konnten wir ohne Schlüsseldienst hinein. Uns wun-
derte nur, dass noch keine Beamten hier waren. Herr
Kirchenbauer meinte, dass auch keine kommen würden.
Erst wenn wir etwas fänden, würde die Maschinerie in
Gang gesetzt. Er hatte mit seinem Chef ausgemacht, dass
wir Detektive allein ermitteln durften, während er uns nur
als Beobachter zur Seite stand.
Wir durchsuchten wirklich alles. Aber es führte uns kein
Hinweis zu einer Person, die für die grausame Tat infrage
kommen würde. Es gab keine Einträge im Tagebuch. Im
Kalender, welcher auf ihrem Schreibtisch stand, gab es
auch keine auffälligen Termine oder unerwartete Einträge.
Ihr Notebook war ohne Passwortschutz. So konnten wir
auch hier nachschauen. Sofort stellten wir eine Verbin-
dung zwischen ihrem Computer und unserer künstlichen
Intelligenz her. Sie sollte verdächtige Inhalte suchen. Herr Kirchenbauer hatte uns auch das Smartphone seiner Toch-
ter gegeben, welchen Sophie anschaute. Aber da war nichts
zu finden. Unsere KI meldete auch, dass wir auf dem
Computer nichts finden würden.
Und so kamen wir zu dem Entschluss, dass seine Toch-
ter zwar erschlagen wurde. Aber diese Tat war wohl nur
Mittel zum Zweck. Wir fragten, wie es um die Kontakte
seiner Frau stand. Aber da wusste er auch nichts Negatives
zu berichten. Also sollten wir zu seiner Dienststelle fahren.
Wir müssten seine alten Fälle durchgehen. Aber dafür
machten wir einen Termin am nächsten Morgen aus. Dann
würden wir auch von der Pathologie erfahren, ob es noch
andere Verletzungen gab oder vielleicht auch nicht ganz so
offensichtliche Gründe, die beim Mord behilflich sein
konnten.
Am späten Nachmittag kehrten wir in unsere Villa zu-
rück. Es wäre so einfach, wenn wir jetzt schon alle erfor-
derlichen Akten in digitaler Form vor uns hätten. Dann
könnten wir heute Abend schon weiter ermitteln. Aber da
es sich ausschließlich um Fälle handelte, bei denen es um
schwere Verbrechen handelte, durften die Akten das Dienstgebäude nicht verlassen. Wir dürften aus Gründen
des Datenschutzes auch nicht einfach die Fakten aus jeder
einzelnen Akte sammeln. Nur bei absolut berechtigtem
Verdacht war es uns erlaubt.
Nach dem Abendessen nutzten wir die Zeit, noch etwas
an den Abrechnungen weiter zuarbeiteten. Wenigstens da-
bei verzeichneten wir einen schnellen Erfolg. Ohne den
Fall des Herrn Kirchenbauers könnten wir am nächsten
Morgen schon losfahren.
Während Sophie und ich in einer eindeutigen Pose im
Pool lagen, kam der Videoanruf unserer beiden Freunde.
Sie sahen neidisch aus, was wohl an unserem Anblick lag.
Kurz berichteten wir von der guten Nachricht, dass So-
phies Abrechnungen fertig waren. Danach folgte die etwas
schlechtere Nachricht vom Tod der Tochter des Herrn
Kirchenbauer. Diesen Fall wollten wir erst lösen, anschlie-
ßend würden wir aber sofort unseren beiden Freunden
und Kollegen ins Brixental folgen.
Was uns Daniela und Daniel von ihren ersten Informa-
tionen und Eindrücken berichteten, werden wir jetzt nicht
wiedergeben. Wir wollen schließlich unsere Leser nicht durch die parallele Lösung zweier Fälle durcheinanderbrin-
gen. Nach unserem dienstlichen Gedankenaustausch mit
anschließendem privaten flirten, verabschiedeten wir uns
voneinander. Sophie und ich stiegen aus dem Pool und
wanderten zum Bett, um in unserem geschätzten Land der
Träume zu versinken.
Der nächste Morgen hatte begonnen. Eigentlich wären
Sophie und ich jetzt auf den Weg in die Alpen. Gerade für
Sophie ist es ein unschönes Gefühl so lange von Daniela
getrennt zu sein. Und auch ich muss zugeben, mir fehlt
auch mein anderer Partner. Wie muss es da erst den beiden
gehen. So wie Daniel für Daniela nur ein Freund und Kol-
lege ist, ist es auch Daniela für Daniel. Jeder treue Leser
unserer Berichte weiß genau, was ich damit sagen will. Wir
frühstückten schnell und danach fuhren wir mit unserem
Laptop bewaffnet zum Landeskriminalamt.
Herr Kirchenbauer erwartete uns bereits. Gemeinsam
gingen wir in das Archiv. Nur hier gibt es neben den alten
Akten in Papierform den vollständigen Zugang zu allen di-
gitalen Akten. Während Herr Kirchenbauer dem zuständi-
gen Leiter des Archives unsere Tätigkeit erklärte, schloss ich unseren Laptop an den Zentralrechner an. Sicherlich
hätten wir auch auf dem Computer des Archives in den
digitalen Akten schauen können. Aber unsere Technik war
per Mobilfunk mit unserem Zentralrechner und der dazu-
gehörigen künstlichen Intelligenz verbunden. Denn wir
brauchten die Namen der von Herrn Kirchenbauer vor
Gericht gestellten Personen. Wir mussten wissen, wer ver-
haftet wurde, wann sie eventuell wieder entlassen wurden
und möglichst auch die Fotos der näheren Angehörigen
und Lebenspartner. Und das konnte nur ein Programm in-
tensiv und in einer relativ kurzen Zeit erledigen. Ich meine
KIKEBE, die Software, die in Europa zwar von einigen
Staaten und in Deutschland von uns „getestet“ wird, aber
aus datenschutzrechtlichen Bedenken einiger Mitglieds-
staaten für die europäischen Polizeibehörden offiziell
(noch) nicht zugelassen ist.
Während unser Computer nun arbeitete, bat ich Herrn
Kirchenbauer uns einen Kaffee zu besorgen. Sophie und
ich würden die Zeit nutzen, um in den alten Papierakten
zu stöbern, die noch nicht digitalisiert waren. Aber da wür-
den wir nur erst einmal auf die Umschläge schauen. Auf ihnen steht der Tag der Verurteilung, die angeordnete
Haftdauer und der früheste Entlassungstermin. Es dauerte
so einige Stunden. Wohl fühlten wir uns in diesen künst-
lich beleuchteten Kellerräumen nicht. Keiner von uns bei-
den konnte je verstehen, wie ein Beamter den ganzen Tag
hier im Keller des Archives verbringen konnte, das gleich-
zeitig als Asservatenkammer dient. Diese abgestandene
Luft, die künstliche Beleuchtung und dazu die Stille, die
nur ab und zu durch ein Telefonläuten unterbrochen
wurde, war für uns bestimmt keine angenehme Arbeitsat-
mosphäre. Wir merkten gar nicht, wie schnell die Zeit ver-
geht. Das einzige Indiz, dass wir hier schon länger suchen
würden, war der Mülleimer. Herr Kirchenbauer hatte uns
so oft schon Kaffee gebracht, dass die leeren Becher den
Mülleimer überquellen ließen. Ergebnisoffen, der Laptop
tauschte aber noch immer mit unserem Zentralrechner
Datensätze aus, gingen wir in eine längere Mittagspause.
Da jeder Besucher und nicht zur Dienststelle gehören-
der in den Polizeikantinen sich sein Mittagessen kaufen
kann, begaben wir uns auch in die kulinarische Erlebnis-
halle des Landeskriminalamtes. Eigentlich wähnten wir uns hier sicher vor Kriminellen. Aber für das, was uns der
Küchenchef heute auf den Teller zauberte, wäre er früher
auf dem Scheiterhaufen gelandet. Es reichte ihm wohl
nicht, dass man rein optisch die Zutaten nicht identifizie-
ren konnte, die er mit einem Schwung auf den Teller
klatschte. Auch der Gaumen hatte ergebnislos versucht,
gemeinsam mit der Zunge die Speise zu identifizieren. Das,
was sich der Koch heute geleistet hatte, war in höchstem
Maße kriminell. Da wir das auch nach mehreren Versu-
chen nicht genießen konnten, luden wir Herrn Kirchen-
bauer in das gegenüberliegende Restaurant ein. Dort konn-
ten wir auch in Ruhe miteinander reden, ohne dass einer
seiner Kollegen mithören würde. Es sollte nicht gleich je-
der wissen, dass er seine Tochter verloren hatte. Denn jede
Beileidsbekundung verursachte jedes Mal aufs Neue nega-
tiven Emotionen.
Wir sprachen über seine spektakulärsten Fälle. Und da
meinen wir nicht solche Fälle, bei denen er wie ein Stunt-
man im Fernsehen mit quietschenden Reifen den Verbre-
chern folgte. Wir sprachen über die Fälle, bei denen es
während der Verhaftung oder während der Gerichtsverhandlungen zu seltsamen und ungewöhnlichen
Situationen kam. Vielleicht gab es auch Hassausbrüche
nach der Verurteilung, die Angehörige ihm gegenüber oder
gegenüber den Richtern zu unschönen Äußerungen getrie-
ben hatten. Sicherlich bekommt keiner der ermittelnden
Beamten und auch kein Richter oder Staatsanwalt Blumen
vom Täter. Aber trotzdem reagieren die Betroffenen meist
gleich. Vorgespielte Reue, ruhiges Auftreten und nach dem
Urteilsspruch werden sie meist mit gesenktem Haupt her-
ausgeführt. Und genau da sollte Herr Kirchenbauer mit
seinen Überlegungen ansetzen. Oder gab es vielleicht ei-
nen Fall, in dessen Verlauf eventuell ein Unschuldiger zu
mehrjähriger Haft verurteilt wurde. Aber Herr Kirchen-
bauer konnte sich gar nicht so leicht daran erinnern.
Unser Mittagessen hatten wir längst vom Teller in den
Magen wandern lassen. Tief ins Gespräch vertieft saßen
wir wohl schon länger am Tisch. Die ersten älteren Herr-
schaften traten in das Restaurant und ließen sich Kaffee
und Kuchen servieren. Und dann passierte plötzlich das
Erhoffte. Mein iPhone gab mir durch ein dezentes Vibrie-
ren zu verstehen, dass auf unserem MacBook im Archiv der Polizei wichtige Informationen auf uns warten würden.
Schnell bezahlten wir die Rechnung und gingen dann zügig
zurück zum Polizeiarchiv. Uns verriet der Computer den
Namen eines verurteilten Mannes. Dieser saß in Haft, weil
er illegal Waffen besessen hatte. Und laut unserem Com-
puter wurde er vor seiner Verhaftung durch viele Kameras
aufgezeichnet, während er in weiblicher Begleitung war.
Und die Frau, die der Computer als die Frau auf dem Tro-
phäenfoto identifizierte, war die Freundin des Täters. Ob
sie sich gegenseitig liebten oder ob sie sich von ihm blen-
den ließ, war nicht herauszubekommen. Aber dafür nannte
uns der Computer dank dem Abgleich mit den Meldebe-
hörden, die Anschrift der rotblonden Frau. Jetzt mussten
wir allerdings klären, wer diese Täterin verhaften sollte. Si-
cherlich wäre sie darauf vorbereitet, wenn Herr Kirchen-
bauer sie zuhause besuchen würde. Und den Trick mit
Kundendienst der Telekom oder Elektriker brauchten wir
bei solchen Personen wohl gar nicht erst versuchen.
Während Sophie und ich über die Art und Weise nach-
dachten, wie wir die Frau überwältigen würden, erinnerte
sich plötzlich Herr Kirchenbauer an diese Frau. Im Treppenhaus des Gerichtsgebäudes hatte sie ihn nach der
Verurteilung kurz angerempelt. Anstatt einer kurzen Geste
oder ein paar höflicher Worte zur Entschuldigung
schenkte sie unserem verbeamteten Kollegen nur einen
hasserfüllten Blick, für den sie eigentlich einen Waffen-
schein benötigen würde. Damals trug sie noch kurze
schwarze Haare. Der Tag der Verurteilung war allerdings
auch schon vor acht Jahren. Und so war sie sich wohl si-
cher, dass man sie nach so langer Zeit nicht erkennen
würde, wenn sie heute lange, kupferblonde Haare als na-
türlichen Kopfschmuck tragen würde. Einem normalen
Menschen wäre das natürlich nicht aufgefallen. Aber die
künstliche Intelligenz lässt sich von solchen Nebensäch-
lichkeiten nicht in die Irre führen. Für sie zählen nur bio-
metrische Größen. Von optischen Reizen lässt sich ein
Computer nicht ablenken.
Wir schauten kurz nach, wann ihr Freund entlassen
werden würde. Mit Erschrecken mussten wir feststellen,
dass dieser Herr nur noch einige Wochen in der staatlichen
Unterkunft verweilen müsste. Aber er hatte die wohl
schönsten Jahre verpasst. Wenn man mit Beginn der Volljährigkeit ins Gefängnis wandert, kann man nur davon
träumen, wie die eigenen Kumpels und die Freundin drau-
ßen in Freiheit jedes Wochenende auf Partys gehen.
Wir schauten uns auf Satellitenbildern ihre Melde-
adresse an. Es waren die berüchtigten Wohnblöcke aus
den letzten zwei Jahrzehnten der Trennung beider deut-
scher Staaten. Und diese damals als „Arbeiter- und Bau-
ernschließfächer“ berüchtigten Wohnsilos sind heute rich-
