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"Du sollst dich erheben, wie einst der König. Du sollst schauen, wo die goldenen Strahlen bleiben. Bis zur siebten Brücke kannst du gehen und bei der zweiten Mahlzeit den höchsten Vertreter sehen. Wenn der westliche seinen Schatten wirft, wirst du es sehen. Dann wirst du vor der Lösung stehen." - Diese rätselhaft klingende Beschreibung führte unsere Detektive ans Ziel der dritten Mordermittlung. Die erste Tote in diesem Buch war eine Apothekerin in Pirna. Im Teil 2 ermittelten Michael, Daniel, Sophie und Daniela im Naturpark Altmühltal, als zwischen zwei Waldkapellen eine tote Frau gefunden wurde. Im dritten Teil ging es um eine tote Frau, die im Innenhof der Burgruine Wildenstein nahe Bad Schandau gefunden wurde. Wie immer, gibt es diese Orte wirklich. Wenn du die Beschreibung in diesem Buch verfolgst, wirst du die Orte auf digitalen Karten schnell wiederfinden. Die iSdS-Detektive (Michael Peter, Daniel Ivanova, Sophie Richter, Daniela Lieblig) konnten wieder jede Menge erleben. Alle Fälle fanden im selben Herbst statt. Ob sie noch pünktlich ihre Weihnachtsreise antreten und so ihre lange geplante Nilreise antreten konnten, erfährst du in diesem Buch. Drei Morde, die nur stattfanden, um andere Straftaten zu vertuschen. Wobei eine tote Frau nur zufälliges Opfer wurde. Einmal mit dem Lesen angefangen, wirst du das Buch fast Pausenlos lesen. Ein Buch für jeden, der diese spannenden Beschreibungen verträgt. Ist das Buch zu stark, sind deine Nerven zu schwach
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Seitenzahl: 320
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Impressum
Texte und Layout © 2026 Michael Peter
Covergestaltung © 2026 Michael Peter
Verlag/veröffentlicht von: Michael Peter (Selfpublisher)
Ingolstädter Straße, 93336 Altmannstein
Kontakt: [email protected]
Herstellung/Druck: epubli.de – ein Service der Neopubli GMBH
Köpenicker Straße 154a, 10997 Berlin
Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: [email protected]
Preis (D/Ö Taschenbuch): € 14,95
Inhalt
Ein paar Worte zu Beginn
Die Spielsucht
Zur falschen Zeit am falschen Ort
Der geheime Gentest
Schlusswort
Weitere Bücher und Serien
Serie 1: Im Schatten der Steine.
Serie 2: iSdS – Detektive
Jeder könnte denken, es ist nur ein Kriminalroman. Aber es ist viel mehr. In diesem Buch habe ich wieder drei Kriminalfälle veröffentlicht.
Das Motiv für die Tat war stets die Vertuschung. Ob der Mord die Tat war, die es zu vertuschen galt, verrate ich im Vorwort nicht. Es könnte auch sein, dass bei der Vertuschung einer anderen Tat es zufällig zu den Tötungen kam.
Auch in diesem Buch geht es nicht nur um die Erzählung von den atemberaubenden Ermittlungen, von den grausamen Morden und den fesselnden Beschreibungen der Landschaften und Schauorte des Verbrechens. Es geht auch wieder um die zwischenmenschlichen Beziehungen der vier Detektive und auch ihr Liebesleben wird andeutungsweise erwähnt. Es ist ein Wechselbad der Gefühle. Erdrückende Fälle, romantische Momente und seltsame Entwicklungen werden facettenreich beschrieben. Und genauso wie die Ermittlungen stets ein unterschiedliches Tempo haben, so ist auch wieder die Schreibweise in diesem Buch. Genauso, wie man im realen Leben einen Gedanken hat, der aber während der daraus resultierenden Aktion verblasst, so ist es auch in diesem Buch. Realistisch und packend ist wieder einmal in diesem Kriminalroman alles detailliert berichtet. Die Fotos sind allerdings keine originalen Tatortfotos. Diese haben wir von einer künstlichen Intelligenz unter gründlicher Beschreibung der jeweiligen Tatorte erzeugen lassen. Also wirst du diese Tatorte in der abgebildeten Optik nicht ganz wiederfinden. Aber aufgrund der exakten Beschreibung wirst du aber jeden Tatort auch in der Realität wiedererkennen.
Unser Team hat sich seit den letzten Berichten nicht mehr verändert. Das liegt besonders daran, dass wir uns nicht nur bei unserer Tätigkeit als Detektive blind vertrauen können. Wir vier mögen uns sehr. Auch wenn wir nie Nachwuchs bekommen werden, lieben wir uns sehr. Und das spüren auch unsere Klienten. Zwischen uns passt nun einmal keine fremde Person.
Ich bin nicht nur der Autor dieses Buches. Gleichzeitig bin ich auch der Gründer und CEO der iSdS-Detektive. Begonnen hat meine Laufbahn als kleiner Detektiv, angestellt in einer bekannten Anwaltskanzlei in Ingolstadt. Doch schon nach kurzer Zeit wollte ich eigenständig arbeiten. Geld verdient man viel und kann so eine eigene Firma aufbauen. In der Ingolstädter Zentrale gibt es inzwischen mehrere Detektivteams und auch Personenschützer.
Daniel Ivanova war früher ein angestellter Frisör in einer großen Kette. Ich war einer seiner Stammgäste und bat ihn schnell, in meine Firma zu wechseln. Da wurde er nicht nur Friseur für unsere Mitarbeiter. Er fungierte auch als Chauffeur, Gärtner und mein persönlicher „Buttler“. Sehr schnell war er nicht mehr nur mein Angestellter. Es entstand eine richtige Freundschaft. Bei Ermittlungen war er stets mein Fahrer und Assistent.
Sophie Richter begann ihre Karriere damals als meine Haushälterin und spätere Sekretärin. In der Ingolstädter Zentrale, die gleichzeitig meine Wohnung beherbergte, bewohnte sie mit Daniel die Wohnräume für bedienstete. Heute sind diese Wohnräume für Personen, die einen besonderen Schutz bedürfen oder für Einsatzkräfte, falls unsere Ingolstädter Teams Verstärkung benötigten. Seit einem Ermittlungsfall im Auftrag der sächsischen Polizeibehörden wurde sie gemeinsam mit Daniel zu Ermittlern und ihre Stellen, die dadurch frei wurden, besetzten wir neu.
Daniela Lieblig lernten wir später bei Ermittlungen in den Alpen kennen. Sie wurde uns von der örtlichen Polizei als ortskundige Kontaktperson zur Seite gestellt. Da sie aber von ihren Kollegen der österreichischen Polizei gemobbt wurde und im Alltag nur Innendienst verrichten durfte, verspürte sie sehr schnell den Drang etwas zu ändern. Es dauerte nur ein paar Jahre, dann hängte sie ihre Polizeiuniform an den Nagel und wechselte zu uns. Sicherlich muss sie hier ab und zu auch mal Telefondienst oder Computerarbeit übernehmen. Aber wir vier sind während unserer Ermittlungsarbeit gleichberechtigte Detektive. Und wir sind nicht nur ein erfolgreiches Ermittlerteam. Auch privat sind wir intime.
Über unsere erfolgreichen Ermittlungen sind inzwischen sieben Bücher veröffentlicht. Und es ist noch lange nicht Schluss.
Für weitere Informationen empfehle ich das Besuchen meiner Homepage. Dort sind auch die Mailadressen veröffentlicht. Falls Du zu speziellen Fällen eine Frage hast, so lass es uns wissen.
Aber eine Bitte haben wir noch. Auch wenn Detektive den Ruf haben, überall schnüffeln zu wollen und jeden Fall an sich reißen, um schnelles Geld zu verdienen. Wir übernehmen keine Fälle, die uns einfach herangetragen werden. Jeder Fall, der interessant ist und auch bereits öffentlich genannt werden darf, wird in unseren Büchern veröffentlicht. Observationen von eventuell untreuen Ehepartnern sind in keinem unserer Bücher beschrieben. Solche langweiligen Aufträge übernehmen wir nicht.
Nun wünsche ich gute Unterhaltung mit den hier veröffentlichten drei Fällen. Sicherlich werden einige Textstellen schwierig und anstrengend sein. Aber es waren auch wieder sehr komplexe Ermittlungen. Sie waren so intensiv, dass selbst die Verarbeitung der Fakten zu einem Roman sehr fesselnd und emotional war.
Es ist schon eine Weile her, dass wir unseren letzten Fall gelöst hatten. Wenn ich von einem Fall rede, meine ich nicht die Beschattung einer untreuen Ehefrau oder die Überführung eines Taschendiebes. Diese kleinen Fingerübungen übernehmen wir nur noch im äußersten Notfall, wenn wir allzu sehr von Langerweile geplagt werden. Ansonsten reichen wir solche Aufträge entweder an unsere jungen Teams in Ingolstadt oder gar an andere Detekteien weiter. Jedenfalls hatten wir vier (Daniela, Sophie, Daniel und ich) uns längst von den Strapazen erholt, die uns der letzte Fall bereitete. Es ging um den Fall, der uns in einen Wünsdorfer Bunker brachte. Im ersten Buch dieser Serie hatte ich bereits davon berichtet.
Nun war es inzwischen schon wieder kurz vor der Adventszeit. Wir Detektive haben keinen Sinn für diese Jahreszeit. Nur eine positive Sache können wir ihr abgewinnen. In dieser dunklen Jahreszeit steigt wieder die Zahl der Verbrechen. Und so war es natürlich nicht verwunderlich, dass wir entweder von selbst eine Leiche finden, wie im letzten Fall des Buches „Wenn aus Neid tödlicher Hass wird“, oder wir bekommen einen Anruf von einen der Polizeibeamten, die uns kennen oder von uns bereits gehört hatten. So war es doch jedenfalls in den meisten unserer Fälle. Oder wir stießen zufällig auf die Möglichkeit kriminalistischer Ermittlungen, wie bei unserem Urlaub auf Usedom, bei dem wir durch testamentarische Verfügungen durch die Aufklärung zweier Morde das Wasserschloss Mellenthin zugesprochen bekommen hatten. Aber meist geschehen die Übertragungen von Ermittlungsaufgaben rein zufällig in einem Moment, in dem wir gar nicht an so etwas denken würden. Und so war es auch bei dem jetzigen Fall, von dem ich in diesem Kapitel berichten werde.
Wir hatten nach einem sehr nebeligen Vormittag und unserem Mittagessen, welches unsere Haushälterin wie gewohnt mit viel Liebe zubereitet hatte, einen Spaziergang zu unserem Lieblingsstein unternommen. Der Weg war zwar feucht. Aber die zaghaften Sonnenstrahlen, die sich durch den Hochnebel ihren Weg auf die Erde bahnten, wärmten uns etwas. Und Sonnenstrahlen kann man Ende November meist vergeblich im Elbsandsteingebirge suchen. Wir standen am Fuße dieses Steines. Der Katzstein mit seinen vierhundertvierundsiebzig Metern Höhe hatte es uns vier Freunde schon seit unserer ersten Besteigung angetan. Und so ist dieser Stein im Elbsandsteingebirge sehr oft unser Ziel eines nachmittäglichen Spazierganges. Allerdings ist auf einem großen Teilstück dieses Weges kein Mobilfunkempfang möglich. Unser Satellitentelefon nehmen wir auf solchen privaten Ausflügen nicht mit. Aber kurz vor dem Aufstieg zur Aussichtsplattform des Katzensteines vibrierte mein iPhone. Es meldete fünf misslungene Anrufversuche. Ich brauche bestimmt nicht verraten, wer es so dringend hatte, uns zu erreichen. Es war ein Beamter, der in kriminalistischen Angelegenheiten unsere beratende Unterstützung benötigte. Aber da es schon Nachmittag war, wir von unserer Villa bereits mehrere Kilometer entfernt waren und wir auch noch den Aufstieg genießen wollten, da er der Letzte in diesem Jahr sein könnte, entschied ich erst nach unserem Spaziergang zurückzurufen. So schön war die Aussicht auf das ganze Elbsandsteingebirge. Wenn man von oben über die Wälder schaut, sieht man zu dieser Jahreszeit genau, wo es Nadel und Laubbäume gibt. Auch wenn inzwischen schon sehr viel Laub von den Bäumen gefallen war, so konnte man doch noch über einen bunten „Teppich“ schauen. Einfach herrlich war dieser romantische Ausblick, der in ähnlichen Gegenden schon von Goethe und Schiller beschrieben wurde. In die eine Richtung sieht man den Königstein mit seiner Festungsanlage, in der anderen Richtung kann man die Formation der Bastei sehen. Wenn man sich weiterdreht, kommen auch schon die Berge zum Vorschein, in dessen Bereich des Elbtals sich Bad Schandau befindet. Wir könnten ewig hier oben stehen. Auch wenn der leichte Wind etwas kalt ist, so ist dieser Ausblick Entschädigung für jede Anstrengung und auch für gelegentliches Zittern. Wir Männer Standen hinter unseren Mädels und wärmten eng umschlungen ihre Rücken. Da allerdings die Sonne anzeigte, in wenigen Stunden untergehen zu wollen, traten wir den Rückweg an. Bergab ging es die vielen und feuchten Stufen, welche teilweise aus Stein und manchmal auch aus Stahlgitter waren, um anschließend den Weg zu unserer im Wald versteckt liegenden Villa zu gehen. Es ist ein schönes Gefühl, mit seinen engsten Kollegen und intimsten Freunden diesen schönen Herbsttag genießen zu können.
Es war nun schon Zeit für einen spätnachmittäglichen Kaffee, den wir in unseren Kaminzimmer genießen wollten. Ich nutze diesen ruhigen Moment, um die Person zurückzurufen, die uns während des Spazierganges nun schon achtmal versuchte zu erreichen. Es handelte sich um Herrn Kirchenbauer vom Landeskriminalamt Sachsens.
Da ich mein iPhone mit der Bose Box unseres Salons gekoppelt hatte, konnten meine drei Kollegen sogleich mithören, was unser guter Freund der staatlichen Ermittlungsbehörde zu vermelden hatte. Es tat ihm leid, uns an einem Sonntag zu stören. Er begründete seine unvermeidbare Störung mit dem aktuellen personellen Notstand in seiner Behörde. Zum Teil fehlen ihm wichtige Kräfte, die wegen der anhaltenden Erkältungswelle schlapp in ihren Betten verharren. Ein nicht gerade kleiner Teil ist damit beschäftigt, die Sicherheitskonzepte der diesjährigen Weihnachtsmärkte zu überarbeiten. Und so wollte er uns bitten, ob wir nicht in einem Fall ermitteln wollten. In diesem Moment schickte er auch gleich eines der vielen Tatortfotos auf mein Smartphone. Wir wussten nun nicht, was wir sagen sollten. Nicht, dass wir kein Interesse hätten, aber der Anblick der toten Frau auf dem Tresen der Apotheke mit den weit aufgerissenen Augen und Mund war schon etwas erschreckend. Natürlich nahmen wir den Auftrag dankend an. Herr Kirchenbauer sicherte uns auch sämtliche mögliche Unterstützung der örtlichen Polizeikräfte zu. Die tote Apothekerin wäre in der Pathologie in Dresden. Der Tatort befindet sich in Pirna. Die Beamten vor Ort haben schon sämtliche Details fotografiert. Uns würde man alle Aufnahmen zur Verfügung stellen. Auch die Aufnahmen, die wahrscheinlich von der Täterin oder dem Täter angefertigt und als Triumpf am Tatort hinterlassen worden, würde er uns noch schicken. Wir stellten eine Bedingung. Keiner bewegt sich mehr in der Apotheke. Die Geschäftsräume wären bis zu unserer vollständigen Untersuchung auch für die Mitarbeiter gesperrt. Auch kein Beamter sollte sich ab dem jetzigen Zeitpunkt in den Räumlichkeiten umsehen. Es geht uns da nicht nur darum, dass jeder Schritt wertvolle Spuren zerstört. Schon aus Langerweile neigen Menschen dazu, sinnlos kleine Gegenstände anzufassen, anzuschauen und an einen falschen Ort wieder abzulegen. Nachdem uns Herr Kirchenbauer dies alles garantierte und auch zusagte, gleich Montagmorgen den Honorarvertrag vom zuständigen Staatsanwalt unterzeichnen zu lassen, garantierten wir auch, gleich am nächsten Morgen mit unseren Untersuchungen zu beginnen. Danach verabschiedeten wir uns und sagten zu, regelmäßig über unseren Ermittlungsstand zu informieren.
Nun hatten wir wieder einen Auftrag, der uns aus dem Trott dieses meist doch ungemütlichen Novemberalltages herausholen sollte. Auch wenn es jetzt wieder bedeuten würde, nach Motiven, Hintergründen und Tätern zu suchen, Zeugen zu finden, um einen eventuellen Mord aufzuklären. Wir waren doch froh, wieder eine Mission zu haben. Nach dem wir unseren Kaffee ausgetrunken hatten, machten wir uns sofort an die Arbeit. Daniela schaute sich in der Karte um, wo es alles Arztpraxen in der näheren Umgebung zur Apotheke geben würde. Sophie sollte schauen, wo es weitere Apotheken in Pirna und Umgebung gibt. Die nahegelegensten Adressen sollte sie sofort dem Polizeirevier Pirna geben. Deren Aufgabe war es sofort nachzuschauen, ob in deren Apotheke alles in Ordnung war. Es gäbe immerhin die Möglichkeit, dass jemand eine größere Menge eines bestimmten Wirkstoffes oder Medikamentes benötigte. Apotheken haben schließlich in ihren streng verschlossenen Schränken auch Betäubungsmittel, aus denen man teure Partyartikel machen kann. Daniels Aufgabe war es natürlich, sämtliche Technik zu überprüfen. Ich nutzte den Rest des Nachmittages, um mir zum einen die Karte von Pirna rund um die Apotheke genau anzuschauen. Ich wollte sehen, ob es vielleicht ein kleines Netz aus Gassen und Hinterhöfen geben würde, so dass der Täter ungesehen zur Apotheke gelangen konnte und auf diesem Weg auch wieder verschwand. Nachdem ich dies aber ausschließen konnte, war ich damit beschäftigt herauszusuchen, welche Kontakte wir aus anderen Fällen gesammelt hatten. Schließlich war dies nicht unser erster Fall, der uns nach Pirna führen sollte.
Noch vor dem Abendessen hatten wir einige wichtige Schritte erledigt. Sophie hatte die Information, dass in den beiden anderen Apotheken alles bestens sei. Auch die Inhaber dieser Geschäfte konnte man zuhause telefonisch erreichen. Also würden sie noch leben. Arztpraxen gab es eine ganze Menge in Pirna. Es waren Allgemeinmediziner, Zahnärzte und auch die verschiedensten Fachärzte hatten sich in den letzten Jahren hier angesiedelt. Das lag wohl zum einen an der Nähe zu Dresden und den etwas günstigeren Immobilienpreisen dieses Ortes, der auch schon durch seine Hanglage seine Vorzüge aufzuweisen hatte. Daniel konnte auch berichten, dass die komplette Technik einsatzbereit und im Fahrzeug verstaut war. Somit waren wir für den nächsten Tag gut vorbereitet und konnten den Rest des Sonntages genießen.
Nach dem von unserer Haushälterin wieder einmal perfekt vorbereiteten Dinner stiegen wir in unseren Innenpool. Erst schwammen wir paar Bahnen, um wieder alle Muskelgruppen zu trainieren. Anschließend folgte noch etwas Wassergymnastik. Es waren so einige sportliche Übungen, welche allerdings schnell durch romantische und intime Handlungen abgelöst wurden. Natürlich dauerte der rein sportliche Teil nicht halb so lange, wie es der erotische Teil tat. Aber wir sind nun mal nicht nur ein Arbeitsteam mit Wohngemeinschaft. Wir sind auch besonders enge Freunde. Man könnte schon sagen, dass wir eine Familie sind. Jedenfalls taten wir alles, um nach einer gemeinsamen heißen und ausführlichen Dusche wieder erschöpft in unser Bett zu fallen. Es dauerte auch gar nicht so lange, bis wir aneinander gekuschelt ins Land der Träume fielen.
Am nächsten Morgen standen wir auf, bevor die Morgendämmerung einsetzte. Es war noch weit vor sechs Uhr. Aber wir mussten schließlich so früh wie möglich in der Apotheke mit unserer Arbeit beginnen. Also machten wir uns schnell im Bad frisch und konnten noch ruhig frühstücken. Natürlich besprachen wir noch einmal unsere ersten Schritte, die wir in der Apotheke durchführen würden.
Nach dem Frühstück packten wir unsere Sachen und fuhren los. Es war ein leicht verregneter Tag, was uns so gar nicht gefiel. Als wir in Pirna vom Kreisverkehr direkt auf den Parkplatz der Apotheke fuhren, standen da schon einige Mitarbeiter. Man sah sie tuscheln. Das mag wohl zum einen an die ungewohnte Situation, von der Polizei nicht in ihre Arbeitsstätte gelassen zu werden. Auch die Tatsache dürfte eine Rolle spielen, dass wohl niemand Bescheid wissen dürfte, was in der Apotheke, welche sich in einer alten Villa aus der Gründerzeit befindet, am Wochenende passiert sein könnte. Aber das könnte auch an den beiden jungen, aber sehr resoluten Polizistinnen gelegen haben, die niemanden auch nur in die Nähe der Eingangstür gelassen hatten. Auch durften sie nicht einmal in die Nähe der Schaufenster gehen, um eventuell doch etwas zu sehen. Wir stiegen aus unserem Fahrzeug. Während Daniel sogleich den Koffer mit den verschiedenen Kameras mitnahm, Daniela und ich die einzelnen Stative trugen, bewaffnete sich Sophie mit zwei länglichen Sauberläufern. (Ich musste den Begriff loswerden, weil in der gestrigen Werbung dieses Wort für textile Artikel genutzt wurde, welche im Volksmund einfach Schmutzfangmatten genannt werden.)
Ich zeigte den beiden Beamtinnen unsere Dienstausweise. Da sie von Herrn Kirchenbauer bereits informiert waren, waren keine weiteren Worte der Erklärung notwendig. Als erstes positionierten wir drei Infrarotscanner, die den Verkaufsraum dreidimensional erfassen sollten. Danach hat der Computer genau berechnet, von welchen Punkten und in welchem Winkel er Fotos brauchte, um anhand dieser und dem 3D-Scann ein realistisches virtuelles Modell zu erstellen. Danach schauten wir uns erst einmal im Verkaufsraum und deren Schubfächer genau um. Nichts fiel uns auf. Dann gingen wir in die ganzen Nebenräume. Wir schauten, ob in dem Alphabet (so wird der Schrank mit den vielen Fächern genannt) irgendetwas auffallen würde. Aber für uns schien alles in Ordnung. Wir konnten nichts Auffälliges feststellen. Wir riefen die Spurensicherung an, ob sie von allen Türen und Griffen in den hinteren Räumen und um den Tresen im Verkaufsraum Fingerabdrücke genommen und andere auffällige Spuren eingesammelt hatte. Dies konnte sie Bestätigen. Wir verdunkelten noch einmal alle Räumlichkeiten, um mit unserem UV-Licht die Fußböden und Oberflächen von den Schränken abzuleuchten. Aber vergebens. Uns viel nichts auf. Trotzdem fotografierten wir die Spuren rund um den Verkaufstresen, auf dem die Tote gefunden wurde. Daniel schloss anschließend unseren Computer an den Server der Sparkasse an. Dank unserer großen externen Festplatte konnten wir alle Daten dieser Apotheke sichern. Das wir damit der Apotheke noch einen großen Dienst erwiesen hatten, sollten wir viel später noch erfahren. Danach ließen wir das Personal einzeln hereinkommen. Erst die diensthabende Apothekerin und dann die kaufmännischen und technischen Assistentinnen. Jede sollte sich umschauen und sagen, ob ihr irgendetwas auffallen würde. Auch den Schrank mit den Betäubungsmitteln und den Kühlschrank mit den teuren Medikamenten sollten sie überprüfen. Aber im ersten Moment konnte uns niemand etwas Unnormales melden. Kurz schauten wir uns noch einmal in der Apotheke um. Seltsam war für uns, dass es hier keine Überwachungskameras gab. Jeder Kunde konnte unerkannt die Apotheke betreten und auch wieder verlassen. Eine automatische Klingel, wie es sie in vielen besonders älteren Geschäften gibt, war hier auch nicht zu finden. Und wir kamen nicht umhin festzustellen, dass es einen extremen optischen Kontrast zwischen den modernen Schaufenstern und dem schon fast historischen Verkaufsraum gab. Wobei dieser im dunklen Echtholz gehaltene Raum auch beruhigend war. Er strahle so eine gediegene Gelassenheit aus. Richtig beruhigend war diese Atmosphäre. Mit diesen Feststellungen verabschiedeten wir uns beim Personal, welches wieder in ihren gewohnten Alltag zurückkehren durfte. Allerdings baten wir noch darum, uns umgehend zu informieren, wenn sie etwas Auffälliges feststellen würden. Dabei war es für uns egal, ob es sich um den Kassenbestand, den Lagerbestand, herumschleichende Personen oder etwas anderes handeln würde. Den Polizistinnen gaben wir Bescheid, dass sie nur noch eine Stunde nach Ladenöffnung schauen sollten, ob eine auffällige Person sich um die Apotheke herumschleichen würde. Danach könnten sie aus unserer Sicht ihren Posten verlassen. Nur nachts sollte vielleicht öfters eine Streife vorbeischauen, ob alles noch in Ordnung wäre. Und falls etwas auffällt, sollten wir umgehend informiert werden. In diesem Moment traf auch schon die Spurensicherung ein, um von allen Mitarbeitern die Fingerabdrücke zu nehmen. Wir baten sie darum, uns ihr Ergebnis mitzuteilen.
Nach diesem kurzen Wortwechsel stiegen wir in unser Fahrzeug und fuhren direkt zur Pathologie nach Dresden. Das wir uns inzwischen in diesem Gebäude in der Schubertstraße, welches offiziell Tumor Forschung betreibt, bestens auskannten, kann bestimmt jeder treue Leser nachvollziehen. Schließlich hatten wir in dieser Gegend schon so einige Fälle erlebt, bei denen wir der Polizei beratend zur Seite standen. Allerdings eine Überraschung gab es dann doch für uns. Es war der Name des Professors. Die letzten Fälle hatte eine Pathologin betreut. Wir erfuhren, dass diese nun bereits in den Ruhestand gewechselt hatte. Ihre Nachfolge trat ein Herr Professor Dr. Schnied an. Als wir in seine heiligen Hallen traten, war er gerade damit beschäftigt, junge Studenten das Öffnen einer Leiche zu demonstrieren. Nicht zum ersten Mal erleben wir diesen Moment, wo nicht gerade selten alle Neulinge das Feld räumen, um ihren Mageninhalt ordnungsgemäß der Toilette zu übergeben. Und dieses eine Mal musste er noch nicht einmal mit dem Skalpell die Haut berühren. Aber es konnte auch am Anblick des blassen Gesichtes dieses Motoradunfallopfers gelegen haben. Nachdem alle Studenten im Vorraum nach gesunder Gesichtsfarbe suchten, konnten wir kurz mit dem Herrn Professor reden. Wir wollten alles wissen, was er bereits herausgefunden hatte. Doch er vermeldete nur, nicht angefangen zu haben, bevor wir mit ihm gesprochen hätten. So hatte es der Leiter des Landeskriminalamtes ihm aufgetragen. Er holte die tote Apothekerin kurz aus der Kühlung. Wir schauten uns ihre ganze Haut an. Es befanden sich am ganzen Körper keine äußeren Verletzungen. Es gab keine Würgemahle und auch keine Blutergüsse. Der Pupillenstand könnte für eine Vergiftung sprechen. Doch wie sollte es passiert sein. Am Tatort gab es keine Zeichen dafür, dass sie zum Schlucken gezwungen wurde. Und eine Vergiftung mit Gas würde auch nicht gehen. Das hätte schließlich jede Person im Raum betroffen. Außer der Täter hätte Atemschutz getragen. Aber da bei unserem Eintreffen alle Fenster verschlossen waren und auch während der ersten Untersuchung durch die Polizei nicht gelüftet wurde, wollten wir die Verwendung von Gas vorerst ausschließen. Es half nichts. Wir baten den Pathologen um das große Programm. Dazu zählten wir Computertomographie, Erstellung des großen Blutbildes und Magnetresonanztomographie. Er sollte sich anschauen, ob im Rachen, Gehirn, Lunge oder Herz spezielle Anzeichen für einen Mord zu sehen wären. Und in Absprache mit der Spurensicherung sollte er sämtliche Fremd-DNA sicherstellen. Natürlich ließen wir uns die Krankenkassenkarte von der Apothekerin geben. Es war der Zeitpunkt gekommen, sich vorerst zu verabschieden. Schließlich brauchte der Pathologe jetzt Zeit für alle Untersuchungen, wir müssten uns mit der Krankenkasse wegen Vorerkrankungen in Verbindung setzen und es gab noch eine besonders wichtige Sache zu beachten. Es war längst Zeit für eine kleine Stärkung zur Mittagszeit.
Wir fuhren zur Villa Marie. Dieses Restaurant befindet sich auf der linken Seite der Elbe direkt am Blauen Wunder, welches den Namen erhalten hatte, nachdem Studenten diese Brücke über Nacht blau angestrichen hatten. Unser ausgesuchtes Restaurant hat schon außen etwas Seltenes zu bieten. Von der Bauform ähnelt es einem Toskana Haus. Nur ist die obere Etage mit dicken Balkenkonstruktionen errichtet, die an Fachwerkbau erinnern. Die Fassade sticht in ihrem gelben Ton aus der Umgebung hervor. Die gelbe Außenfarbe setzt sich an den Innenwänden fort. Wobei der Gastraum trotz des Alters dieses Gebäudes einen sehr freundlichen und einladenden Eindruck auf uns machte. Das Personal war dezent zurückhaltend aber durchaus sehr freundlich und zügig unterwegs. Wir bestellten uns ein Menü für vier Personen. Die speziellen einzelnen Gänge besprachen Sophie und Daniela mit der Kellnerin. Daniel und ich wollten einfach nur essen und uns überraschen lassen. Und da wir es uns egal, was wir auf den Teller bekommen würden. Während wir auf die einzelnen Gänge warteten, sprachen wir nicht nur über das durchaus attraktive Bedienpersonal. Auch unsere ersten Eindrücke des neuen Falles betreffend waren Thema unserer Unterhaltung. Aber wir wussten noch nicht einzuordnen, woran wir waren. Dazu mussten wir nicht nur auf die Auswertung der Pathologie warten, denn diese würde uns nur das WIE des Mordes liefern. Wir brauchten unbedingt von der Spurensicherung das Ergebnis ihres Abgleiches der Fingerabdrücke. Nach dem Mittagessen fuhren wir zurück zu unserer Villa.
An der Villa angekommen passierte alles automatisch. Daniel überspielte die Aufnahmen der Scanner und Kameras auf unseren Server. Unser Zentralrechner konnte uns so die gewünschte dreidimensionale Darstellung erzeugen. Der Computer sollte auch versuchen, anhand der mit dem UV-Licht sichtbargemachten Fußspuren erste Auswertungen zu beginnen. Dazu musste er von dem kompletten Spurensammelsurium die Spuren wegrechnen, die nur von der Vordertür in den Verkaufsraum und wieder zurück gingen. Wir brauchten Spuren, die vom Eingang um den Thekenbereich und wieder zurück gingen. Daniel versuchte so genau wie möglich zu formulieren, damit unsere künstliche Intelligenz die erforderlichen Arbeiten zu unserer vollen Zufriedenheit erledigen konnte.
Daniela tauschte die benutzten Schmutzfangmatten gegen frisch gereinigte aus. So wollen wir zum einen nicht nur unseren Kofferraum sauber halten. Wir wollen auch nicht aus Versehen DNA-Spuren von einem Tatort zum nächsten tragen. Denn eine Person, die sich in Pirna ganz legal aufgehalten hat, könnte dann verdächtigt werden, wenn wir ihre Spuren durch diese Unaufmerksamkeit auf einen anderen, vielleicht von der normalen Öffentlichkeit unzugänglichen Tatort übertragen würden. Sophie sortierte die einzelnen Fotos vom Tatort und heftete die großen Abzüge, die unser Drucker ausspuckte, an die weiße Wand im Büro. Wären das keine Tatortfotos, würden sie die ansonsten sehr kahl wirkende Büro Wand etwas aufwerten. Danach nahm sie sich einen Stuhl und setzte sich genau davor. Jedes Detail versuchte sie sich einzuprägen. Sie merkte schnell, dass hier etwas nicht stimmte. Nur wusste sie nicht was. Hätten wir es schon öfters mit einer Apotheke zu tun gehabt, wäre es ihr bestimmt aufgefallen. Aber auch wir anderen drei konnten ihr nicht helfen. Aber selbst uns kam da etwas komisch vor. Nur die Lösung dieses kleinen Problems fanden wir nicht. Das könnten wir aber herausfinden, wenn wir mit diesen Fotos in der Apotheke stehen würden.
Ich rief Herrn Kirchenbauer an. Er müsste uns noch mitteilen, wie es zum Fund der Leiche gekommen wäre. Irgendwie hatten wir diese Sache bis jetzt gar nicht auf den Schirm. Schließlich hatten wir vergessen, dass auf einen Sonntag die Tote in den Räumlichkeiten ihrer Apotheke gefunden wurde. Ich tippte zwar auf einem Mitarbeiter des Objektschutzes. Der könnte bei seinem Kontrollgang bei der auf dem Nachbargrundstück befindlichen Werkstatt etwas Seltsames in der Nähe der Apotheke mitbekommen haben. „Vielleicht war es auch das sprichwörtliche Pferd, das vor der Apotheke gestorben ist.“, meinte Daniel im Hintergrund, als er mich den LKA-Chef fragen hörte.
Da der Leiter des Landeskriminalamtes spontan darauf keine Antwort wusste, rief er mich nach einer Weile zurück. Es war ein älterer Herr gewesen, der in die Apotheke wollte. Er brauchte dringend seine Herztabletten, die er wegen seiner beginnenden Demenz am Freitag zu holen vergessen hatte. Er wusste, dass diese Apotheke das ganze Wochenende Notdienst hatte. Als er rechts neben der Tür an der Notdienstglocke läutete, öffnete niemand. Nach einer Weile des Wartens schaute er durch das Fenster der Tür in den Laden und sah erst einmal nichts. Aber dann erblickte er zwei Fotos im Schaufenster. Sie waren so drapiert wie Werbebilder. (Das waren die Fotos, die uns Herr Kirchenbauer am Vortag schon zugesandt hatte.) Er erkannte sofort die Inhaberin der Apotheke. Als alter Stammkunde wusste er natürlich, dass diese Fotos kein Spaß waren. War doch die Apothekerin genauso wie ihre Eltern und Großeltern. Sie hatten den Ruf weg, Spaßbremsen aus Tradition zu sein. Und so war sehr schnell klar, diese Fotos waren nicht gestellt. Deswegen hatte der Rentner sofort die Polizei gerufen, als er sich davon überzeugt hatte, dass die Ladentür und die Tür links daneben verschlossen waren. Während er auf die Polizei wartete, schaute er auch auf alle anderen Fenster des Erdgeschosses. Aber sie waren verschlossen, so wie auch die Fenster des Obergeschosses. So waren seine Angaben. Ich bedankte mich für den Rückruf und ging wieder zu meinen drei Freunden. Daniel wartete noch immer auf die komplette Auswertung der Spuren, die aber in diesem Moment beendet wurde. Der Computer konnte keine Fußspuren finden, die einem Täter zuzuordnen wären. Aber das dreidimensionale Bild war fertig. Wir konnten unsere VR-Brillen aufsetzen und so durch die Apotheke gehen. Das Schöne an diesen neuen Brillen ist, dass sich virtuelle Welt und Realität gleichzeitig betrachten lassen. Wir konnten also nicht nur in unserer Villa durch die Apotheke gehen. Wir konnten auch unsere Brillen in der Apotheke aufsetzen und so Veränderungen feststellen. Und das würden wir am nächsten Tag machen.
Da wir ab diesem Moment erst einmal nichts weiter Unternehmen konnten, was uns in den Ermittlungen weiterbringen könnte, wollten wir den späten Nachmittag nutzen, um nach einen verregneten Tag doch noch die Sonnenstrahlen zu genießen, bevor die Sonne untergehen würde. Und so spazierten wir nur eine kleine Runde in dem Tal, in dem sich unsere Villa befand. Die goldenen Strahlen der Sonne verwandelten sich schon bald in ein perfektes Abendrot. Und so war es ein schönes Schauspiel der Natur. Auf den Wiesen brachten das Laub der vereinzelt stehenden Bäume und die letzten Herbstblumen Farbe in die ansonsten witterungsbedingt trostlose Herbstwelt. Weiter höher leuchtenten die einzelnen goldenen und roten Blätter in den Baumkronen, die von dem grellen Abendrot richtig in Szene gesetzt wurden. Auch wenn wir Arm in Arm diesen kurzen und intensiven Moment bei unserem Spaziergang genossen und einige Küsse zu sehen waren. Wir redeten auch über den Fall. Wir spekulierten, wo uns die Ermittlungen hinführen könnten. Sicherlich war es keine wegweisende Unterredung. Aber ergebnisoffene Diskussionen können oftmals erste Impulse für spätere Erfolge bringen. Und so hatten wir mehrere Möglichkeiten. Dabei gingen wir davon aus, dass der Computer recht hatte und kein normaler Kunde der Täter sein sollte, da dieses vorerst durch die Auswertung der Fußabdrücke ausgeschlossen werden würde. Sophie meinte, es könnte einer der vielen Medikamentenlieferanten gewesen sein. Vielleicht war aufgefallen, dass er Retouren oder Lieferungen unterschlagen hatte, um so einen geringen Nebenverdienst zu haben. Was für uns erst einmal nicht so wahrscheinlich war. Aber es stellte natürlich eine Möglichkeit dar. Daniela meinte, es könnte ein drogenabhängiger Kunde gewesen sein, der einfach kostenlosen Stoff brauchte. Aber da hätten wir schon etwas von der Apotheke erfahren, da sie die Bestände gründlichst überprüfen sollte. Daniel meinte, es könnte eine verzweifelte Jugendliche und ihr Freund gewesen sein. Vielleicht hatten sie ungeschützten Verkehr und jetzt Angst vor ungewollter Schwangerschaft. Und wenn jetzt die einzige Notapotheke kein Ulipristalacetat (die „Pille danach“) herausgeben würde, dann wäre Angst vor den eigenen Eltern ein denkbares Motiv. Gerade Kinder und Jugendliche reagieren oft nicht rational, wenn sie emotional in Ausnahmesituationen stecken. Ich hielt mich aus der aktiven Ideensammlung heraus. Ich hörte mir alles in Ruhe an. In meinem Kopf öffnete ich einzelne Schubfächer und da steckte ich die Gedanken hinein. Wenn wir weitere Puzzleteile finden würden, so könnte ich schauen, in welches Schubfach diese passen würden.
Als es bereits vollkommen dunkel war, kamen wir wieder in unserer „kleinen“ Villa an. Es war schon Zeit für ein abendliches Gaumenverwöhnprogramm. Unsere Haushälterin hatte im Kaminzimmer bereits unser Dinner vorbereitet. Es war Brotzeit angesagt. Eine Schinkenplatte, eine Käseplatte, gefüllte Eier und einige andere Köstlichkeiten warteten auf uns. Dazu gab es erst einen Kräutertee, um uns aufzuwärmen, der anschließend durch einen sehr aromatischen Rotwein ersetzt wurde. Als Daniela ihren Kopf nach hinten streckte und mit aufgerissenen Augen sich eine kleine Gewürzgurke in den Mund fallen ließ, hatte ich sofort wieder das Foto von der Apothekerin im Kopf. Jetzt erläuterte ich meine Gedanken zu unseren aktuellen Ermittlungen. Natürlich hatte ich noch keine Idee, wer der Täter sein würde. Aber ich wusste, was passiert sein konnte. Jemand sehr vertrautes hatte ihr etwas in den Mund gesteckt. Es musste etwas sein, was sie dazu brachte, anschließend nach Atem zu ringen. Warum waren sonst Mund und Augen weit aufgerissen. Daniela hatte durch ihr lustig gemeintes Schauspiel beim Dinner, was wir allgemein immer machten, wenn wir unter uns waren, unsere Ermittlungen gedanklich wieder einen Schritt vorangetrieben. Nach dem Motto: „Jeder (auch noch so weite) Weg beginnt mit dem ersten Schritt.“
Nach dem Essen gingen wir zu viert duschen. Es macht so viel Spaß, sich gegenseitig die Haare zu shampoonieren und die Körper einzuseifen. Dabei kann man so richtig abschalten und für diesen Moment den Fall kurz vergessen. Nachdem wir uns auch noch gegenseitig trockengerubbelt hatten, ging es zu viert ins Land der Träume.
Es ist Dienstag am frühen Morgen. Draußen ist es noch dunkel. Der starke Regen, der durch den Wind an unser Schlafzimmerfenster peitschte, hatte mich aus dem Schlaf gerissen. Ein Blick auf meine Smartwatch verriet mir, dass es kurz nach vier Uhr gewesen war. Sophie und Daniela schliefen tief und ein leichtes und zufriedenklingendes Schnarchen war von ihrer Seite zu hören. Daniel muss wohl meine Unruhe bemerkt haben. Er öffnete leicht die Augen. Ich flüsterte ihm ins Ohr, dass ich mich jetzt im Pool fitmachen wollte. Und so schlichen wir gemeinsam aus dem Schlafzimmer und betätigten uns gemeinsam im Pool. Nach dem anschließenden Saunagang mit Eisdusche waren wir beide bereits richtig fit und munter, als es um sieben Uhr Frühstück gab. Sophie und Daniela war es anzusehen, dass die Morgendusche nicht ihre gewünschte Wirkung hinterlassen hatte. Sie gähnten noch etwas, was natürlich auch an der dunklen und nasskalten Jahreszeit liegen konnte. Während des Frühstückes schaute Daniel erneut auf sein Tablet. Aber von der Pathologie war noch kein Bericht eingetroffen. So beredeten wir, nach dem Frühstück mit unseren VR-Brillen die Apotheke abzusuchen. Wir riefen gleich die diensthabende Apothekerin an, dass heute früh auf uns gewartet werden sollte, bevor jemand die Räumlichkeiten betreten würde. Gleich nach dem Frühstück machten wir uns fertig.
An der Apotheke angekommen bewaffnete sich Sophie wieder mit einer Schmutzfangmatte und legte sie vor den Eingang. Wir ließen uns die Tür vom Nebeneingang öffnen Dem Computer hatten wir zuvor gesagt, dass wir hier unseren Rundgang beginnen wollten. So hatte er die Möglichkeit schneller das richtige Bild vor die reale Welt zu stellen. Natürlich sahen wir mal einen Wischeimer, der nicht so stand, wie wir es am ersten Tag gesehen hatten. Auch gab es Stühle, die im Pausenraum nicht so standen, wie wir es am Vortag mit den Kameras aufgenommen hatten. Das sind aber alles normale Veränderungen, die uns egal waren. Wir gingen erst die hinteren Räume durch. Deren Auswertung ging schnell. Und dann durfte auch schon das Personal in ihren Pausenraum und musste nicht mehr auf dem kalten und nassen Vorplatz warten. Wir betraten an den Gang mit dem großen Alphabet. Hier war etwas seltsam. Der letzte Schieber hatte keine Buchstaben. Sogleich fragte Sophie die Apothekerin, ob das richtig sei. Aber sie verneinte es. Hier würden die Medikamente lagern, die eine Ziffer vor den Namen haben. Nun hatten wir eine Aufgabe für das andere Personal. Sie sollte bei den gefühlten hunderten Schubfächern feststellen, welche Buchstabenkombination fehlen würde. Nachdem die Aufgabe den kaufmännischen Assistentinnen übertragen war, gingen wir weiter. Ein kleiner Blick ins Labor stand an. Doch hier wurden wir nicht fündig. Das lag besonders daran, dass hier gerade neue Salben angerührt wurden. Dieser mehrtägige Prozess war am Morgen des Vortages noch nicht aufgebaut. Aber bei so vielen Veränderungen hatten wir keine Chance etwas Abnormales festzustellen. In diesem Raum mussten wir ganz besonders auf das Personal vertrauen, dass uns jede Veränderung oder Auffälligkeit melden sollte. Nun waren die hinteren Räume von uns untersucht. Es folgten der Verkaufsraum.
Zuerst positionierten wir uns an der Ladentür. Von hier blickten wir uns um. Der Verkaufsraum war noch immer so, wie man es aus den alten Filmen kannte. Alle Wände, zu denen der Kunde freien Zugang hat, waren mit wandhohen Regalen verkleidet. Oben standen überdimensionale Verpackungen, die als Werbung dienten. Jahreszeitlich beding stand viel Arznei gegen Erkältungsbeschwerden in dem einen Regal auf der linken und somit Eingangsseite. Ihr gegenüber waren da Salben gegen Schmerzen und anderen Sportbeschwerden. In der Mitte waren zwei Holzsäulen, die ebenfalls mit den verschiedensten rezeptfreien Mittelchen bestückt waren. Alle Holzflächen waren aus hochpoliertem Kirschholz. Das sieht zwar sehr edel und hochwertig aus, aber es verdunkelt sehr den Verkaufsraum. Auch muss das Personal ständig Staub wischen, so sauber wie es hier aussah. Nachdem wir nun den Verkaufsraum allgemein betrachtet hatten, schauten wir nun aus der Perspektive auf den Verkaufstisch, aus der das Foto aufgenommen wurde, das Sophie am Vortag stutzig gemacht hatte. Wir mussten nicht lange suchen, denn schnell stellten wir den Fehler fest. In der rechten Vitrine stand auf dem Foto eine Flasche, dessen Etikett nicht zu sehen war. Aber an diesem Morgen stand sie wieder richtig. Es war der Vitrine anzusehen, dass diese Flaschen selten gebraucht wurden. Sie dienten wohl mehr zur Dekoration. Wir fragten die Apothekerin, welche Wirkung dieses Pulver in der uns aufgefallenen Flasche hat, wenn man es so einnehmen würde. Aber zum oralen Einnehmen war dieser Stoff nicht gedacht. Gemeinsam mit einem anderen Mittel mixt man daraus Tinkturen, um besondere Verletzungen zu heilen. Allerdings hat seit einem Video, welches in Amerika ins Internet gesetzt wurde, dieses Pulver eine vollkommen neue Verwendung bekommen. Wenn man es durch die Nase zieht, so wie es auch bei Kokain üblich ist, hat es eine sehr ähnliche, das Bewusstsein erweiternde Wirkung. Und da es viel billiger ist und viel mehr gestreckt werden kann, wird es sehr gerne von drogenabhängigen genutzt. Ansonsten ist dieses Pulver allein harmlos. Man konnte es sogar in ein Getränk rühren. Die Magensäure würde die berauschende Wirkung zerstören. Auch die Enzyme im Mundraum lassen es wertlos erscheinen. Allein über die Nasenschleimhäute oder direkt über die Lunge muss es ins Blut gelangen, damit die volle Wirkung dem Konsumenten der Sinne beraubt. So oder noch ausführlicher war der Vortrag der Apothekerin. Wir ließen uns zwei Gramm in eine kleine Glasflasche füllen. Danach baten wir die Apothekerin, den Bestand zu prüfen. Sie müsste feststellen, ob eine gewisse Menge von diesem Mittel fehlen würde, oder ob alles als Arznei an Kunden übergeben worden ist. In diesem Augenblick kam auch schon die fleißige Auszubildende und verriet uns, welche Buchstaben fehlen würden. Es war „Nic-Nit“. Noch immer sah ich die Tote mit den aufgerissenen Augen und Mund vor mir. Und so tippte ich auf ein Medikament, welches in Apotheken oft einen großen Platz im Schieber einnehmen würde. Ich nannte den Namen „Nitrolingual“. Die Apothekerin erschrak und nickte. Dieses Spray ist eigentlich ein sehr gebräuchliches Präparat bei Herzinfarkten. Aber ohne Indikation und dazu in Überdosis gereicht erzielt es durchaus einen anderen Effekt. Es kann sogar direkt tödlich sein. Aber wozu wurde das ganze Alphabet umsortiert. Das war doch ein sehr großer Aufwand. Und so hatten wir unsere nächsten Fragen. Wir baten darum, so schnell wie möglich alle Medikamentenvorräte zu überprüfen. Eventuelle Unregelmäßigkeiten waren für uns von bedeutendem Interesse. Auch wiesen wir explizit darauf hin, den Bestand von Ulipristalacetat und ähnlichen Präparaten zu überprüfen. Danach verabschiedeten wir uns und wünschten einen angenehmen Tag.
Die Spurensicherung hatte bei der erneuten Überprüfung ihrer gefundenen Spuren auch keine neuen Erkenntnisse. Jedenfalls hatten wir von ihr noch keine diesbezügliche Nachricht erhalten. Wir standen noch kurz auf dem Parkplatz vor der Apotheke und schauten uns um. Wir wollten auch die kurze Regenpause nutzen, um mal so richtig bei dieser staubfreien Luft durchzuatmen.
