Wenn ein Kind gestorben ist oder Die Farben der Trauer - Andreas Schulze - E-Book

Wenn ein Kind gestorben ist oder Die Farben der Trauer E-Book

Andreas Schulze

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Beschreibung

Trauern ums Kind: So gehen Betroffene mit dem schwersten aller Verluste um

Egal ob plötzliches Ende oder lange Leidensgeschichte: Der Tod eines Kindes stellt jede Familie vor eine schreckliche Zerreißprobe. Nach dem ersten Schock beginnt für verwaiste Eltern und zurückgebliebene Geschwister die Phase der Bewältigung. Dieses Trauerbuch zeigt den Hinterbliebenen Wege aus der Lebenskrise und führt sie zu neuem Lebensmut. Zudem ist es eine perfekte Hilfe für Therapeuten und allen anderen im Umgang mit den Betroffenen.
Zwei bekannte und ausgewiesene Experten geben einen tiefen Einblick in die Situation der Trauernden und leicht verständliche Handlungsempfehlungen für die Trauer. Zusätzlich lassen Trauerbegleiter, eine Oberärztin, ein Polizeihauptkommissar, eine Seelsorgerin, eine Hebamme, einen Strahlentherapeutin, eine Kinderkrankenschwester und Betroffene ihren reichen Erfahrungsschatz mit einfließen. - Wenn Kinder sterben: So gehen Sie mit den überwältigenden Emotionen um
- Für trauernde Eltern, Geschwister und alle, die ihnen in dieser Zeit zur Seite stehen
- Von Sternenkindern und tödlichen Krankheiten: Beispiele aus dem wahren Leben
- Den Lebensmut wiederfinden: Ein Begleiter durch die Phasen der Trauerverarbeitung
- Empfehlungen auf der Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse
- Mit Anhang: Weiterführende Literatur zum Thema Trauer, Adressen und Ansprechpartner

Sterben und Tod im engsten Familienkreis: Erfahrungen von Sternenkind bis Suizid

Je nachdem, wie ein Kind gestorben ist, stellt das alle Beteiligten vor unterschiedliche Herausforderungen. Dieser Ratgeber berichtet von jungen Menschen, die freiwillig aus dem Leben geschieden sind oder die der Tod nach Krankheit ereilt hat. Es erzählt von hilfreichen Trauerritualen und zeigt auf, wie Hinterbliebene sich von belastenden Schuldgefühlen befreien.
Wie können wir lernen, mit dem Verlust zu leben? „Wenn ein Kind gestorben ist“ beantwortet wichtige Fragen und unterstützt Sie dabei, eigene Wege der Trauerbewältigung zu finden.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Andreas Schulze · Wolfram SchulzeWenn ein Kind gestorben istoder Die Farben der Trauer

© 2023 ObersteBrink

c/o Körner Medien UG, Freiburg im Breisgau

Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der fotomechanischen Wiedergabe sowie der Übernahme auf alle digitalen Medien, vorbehalten. Ausgenommen sind fotomechanische Auszüge für den eigenen wissenschaftlichen Bedarf.

Illustrationen: Melanie Garanin

Layout und Satz: post scriptum, Hüfingen

Druck: COULEURS Print & More, Köln

www.oberstebrink.de

ISBN 978-3-96304-721-3

Inhalt

Vorwort

Kapitel 1

Die vielen Farben der Trauer

Sternenkind

Die tödliche Erkrankung eines Kindes

Verlust eines Kindes durch Suizid

Schockreaktionen

Erste Hilfe

Kapitel 2

Mit Schmerz und Trauer umgehen

Natürliche Trauerverläufe

Komplizierte oder verlängerte Trauerverläufe

Die Trauer der Geschwisterkinder

Das Traueraufgabenmodell

Selbsthilfe

Professionelle Hilfe

Kapitel 3

Mitgefühl, Unsicherheit oder Neugier – vom Umgang mit Familie, Freunden und Bekannten

Wer ist es mir wert, an meinem Leben teilzuhaben?

Wie Sie auf Familie, Freunde und Bekannte reagieren

Die Lehnstuhltechnik

Kapitel 4

Der Verlust als Realität

Das Zurechtfinden in der Gegenwart

Wie Beziehungen sich verändern

Kapitel 5

Die vergebliche Suche nach der Schuld

Ein Sündenbock wird der Schuldfrage geopfert

Wenn sich die Frage nach der Schuld im Kreis dreht

Verantwortungsübernahme verlangt keine Strafe

Innerer Widerstand beim Ablegen von Schuldvorwürfen

Kapitel 6

Anpassung an die neue Realität

Die Welt ohne das verstorbene Kind

Anpassen und gestalten

Werte erhalten und ändern

Kapitel 7

Eine dauerhafte Verbindung zumverstorbenen Kind herstellen

Rituale als Weg der Trauerbewältigung

Gedenkorte – Andenken zur Verarbeitung der Trauer

Kapitel 8

Den Blick nach vorn wagen

Spurensuche bei Sternenkindern

Folgeschwangerschaften

Spurensuche bei älteren Kindern

Dankbarkeit – die Möglichkeit, Trauer in Hoffnung zu verwandeln

Der Blick in die Zukunft

Kapitel 9

Den Tod mit anderen Augen sehen

Hannah und Thomas Schmied – Sternenkind

Ulrike Sommer – Tod des Kindes durch Krankheit

Frank Richter – Tod des Kindes durch Suizid

Aline Andersen – Kinderkrankenschwester

Dirk Blazy – Erster Polizeihauptkommissar

Wiebke Duwe – Oberärztin und Leiterin einer Geburtsstation

Heidrun Schäfer – Klinikseelsorgerin

Susan Schröder – Hebamme

Dr. Sally Mukodzi – Strahlentherapeut

Oliver Wendlandt – Sternenkind-Fotograf

Service-Teil

Hilfreiche Informationen undwichtige Adressen

Adressen

Bestattung – Möglichkeiten und gesetzliche Regelungen

Regelungen der Bundesländer

Begriffsklärungen

Statistische Angaben

Literaturangaben

Vorwort

Ein Kind an den Tod zu verlieren gehört ganz sicher zum Schlimmsten, was einem Menschen widerfahren kann. Unmittelbar – und oft als unerträglich empfunden – ist der Schmerz des Verlusts, das Gefühl, dass da jemand weit »vor der Zeit« gegangen ist. Elementar sind die Auswirkungen auf Eltern und Familien, die mit diesem Verlust umgehen lernen müssen und deren Zusammenleben sich durch die Katastrophe von einem Tag auf den anderen verändert. Herausfordernd ist die Gestaltung eines Alltags »danach«, zumal in einer Gesellschaft, die den Tod und den Schmerz vielfach auszublenden versucht.

Dieses Buch ist für Eltern gedacht, die ein Kind verloren haben und Rat und Unterstützung suchen. Dieses Buch ist auch gedacht für deren Freunde, Verwandte und Kollegen, die sich mit dem Thema intensiver auseinandersetzen wollen, um konstruktiv helfen zu können. Und es ist gedacht für diejenigen, die beruflich immer wieder mit verwaisten Eltern in Kontakt kommen – also zum Beispiel für Ärzte, Krankenschwestern oder Hebammen, für Seelsorger oder Sozialarbeiter.

Dieses Buch ist gleichermaßen Ratgeber wie Fachbuch. Es bündelt einerseits neueste Erkenntnisse aus Forschung und Praxis. Und es gibt andererseits konkrete Tipps zum Umgang mit verschiedenen Aspekten der Trauer und ihrer Überwindung, die wir als hilfreich für viele erlebt haben.

Wir, das sind Kollegen, die sich mit dem Thema »verwaiste Eltern« seit Jahren und Jahrzehnten in Wissenschaft, Lehre und therapeutischer Praxis befassen oder dieses Thema aus eigener Erfahrung kennen. Wir, das sind Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter, Trauerbegleiter, Studenten, eine Journalistin und eine Zeichnerin.

Wir hoffen, dass wir mit diesem Buch ein stabiles Geländer errichten konnten, an dem sich manchmal orientiert, manchmal ausgeruht und immer festgehalten werden kann.

Wir folgen in diesem Buch dem Gedanken von William Worden, dass Trauer kein geradliniger Prozess ist. Sie ist eher mit einem Puzzle vergleichbar, bei dem zur Lösung der Gesamtaufgabe verschiedene Teilaufgaben gehören. Deshalb haben wir zwar den einzelnen Aufgaben Trauernder jeweils ein Kapitel zugeordnet, ihre Reihenfolge spielt jedoch eine untergeordnete Rolle.

Die Geschichten dreier Familien prägen dieses Buch: eines Ehepaars, das sein »Sternenkind« noch in der Schwangerschaft verliert, einer Familie, deren Kind an einer schweren Erkrankung stirbt, und einer Familie, die ihr Kind durch Suizid verliert.

Die Erlebnisse dieser drei Familien werden Sie durch die Kapitel begleiten – in Reflektionen unserer gemeinsamen therapeutischen Arbeit. Wir danken den Eltern mit Respekt und Hochachtung, dass wir mit ihnen an diesem Buch arbeiten und ihre Erinnerungen und Erlebnisse beispielhaft verwenden durften. Ihre Namen sind selbstverständlich verändert.

Außerdem haben wir am Ende des Buches einen Service-Teil mit Adressen, Anlaufstellen und weiterführenden Informationen hinzugefügt, der Ihnen eine Hilfe sein soll.

Wir hoffen, praktikable Hinweise zu geben, wo diese fehlen und zu jedem Schritt nach vorn zu ermutigen, wo dies wichtig ist.

Mögen aus Trauer und Verzweiflung Dankbarkeit und Hoffnung wachsen können.

MSc. Psych. Natalie Blücher · Dr. Daniela EhrenbergMichèle Förster · Melanie Garanin · Dr. Silke IngrischDr. Heidrun Kieslinger · Ariane Kilian · MSc. Psych. Lorena LüningBSc. Psych. Laura Rentz · Priv.-Doz. Dr. Dr. Andreas SchulzeProf. Dr. Dr. Wolfram Schulze · Carla VorderwischLena Vorderwisch

Kapitel 1

Die vielen Farben der Trauer

Die wir lieben, sind nur geborgt.Wann sie gehen, entscheiden wir nicht.

Stefan Zweig

Trauer ist kein Gefühl wie Traurigkeit. Sie geht mit einem breiten Spektrum an Emotionen, Körperempfindungen und Gedanken weit darüber hinaus. Sie kann sich ganz unterschiedlich äußern und ist verbunden mit verschiedenen Empfindungen wie innerer Leere, Wut, Liebe, Hoffnungslosigkeit, Wehmut, Schuld, Einsamkeit und Neid. Trauer kann überwältigend sein, einem den Boden unter den Füßen wegziehen oder als dumpfer Begleiter im Alltag auftreten, langsam und schleichend. Die Trauer ist da, mal im Hintergrund, mal im Vordergrund. Mal ist sie fassbar, mal nicht. Manch einer fühlt sich wie gelähmt und meint, gar nichts zu empfinden. Ein anderer kann schneller lernen, mit seiner Trauer umzugehen und wieder nach vorne zu schauen. All das ist okay. Es gibt keine genaue Anleitung zum Umgang mit Trauer, kein Falsch und Richtig. Und es gibt keine Abkürzung bei den individuellen Trauerwegen. Jeder muss seinen Weg finden.

Wie ein Trauerprozess gestaltet wird, ist unter anderem abhängig von Persönlichkeitseigenschaften, der individuellen Lebens- und Lerngeschichte und der sozialen Eingebundenheit. Je nach deren Ausprägungen bewerten wir Erlebnisse für uns ganz unterschiedlich, empfinden Trauer anders und gehen auf verschiedene Weise mit ihr um.

Trauer ist aber nicht nur individuell sehr unterschiedlich, sondern auch sehr vielschichtig. Sie läuft nicht nach einem allgemeingültigen Schema ab. Erwachsene trauern anders als Kinder, Männer anders als Frauen. Um dies besser zu verdeutlichen, kann man es sich bildlich vorstellen. Kinder springen in die Trauer wie in eine Pfütze. Plötzlich sind sie tieftraurig und müssen weinen. Aber genauso schnell können sie herausspringen, sich wieder mit ihrem Spiel beschäftigen und fröhlich sein. Wir Erwachsenen sind im Umgang mit Trauer eher wie Langstreckenschwimmer. Die Trauer erscheint uns oft wie ein großes Meer, in dem wir mal länger oder mal kürzer schwimmen, bis wir endlich auf eine Insel stoßen, auf der wir uns ausruhen und den Verlust und die Trauer mit etwas mehr Abstand betrachten können. Manchmal zieht uns die Strömung noch hinaus ins Meer, aber wir haben jetzt eine Insel, zu der wir zurückkehren können.

Die Trauer sieht man uns nicht immer an. Dies hat den Vorteil, dass es uns vor ungewollten Fragen, vor unangenehmer Anteilnahme und vor überfordernden Kontakten schützt. Nachteilig kann sein, dass wir uns dadurch mit der Trauer allein fühlen, weil wir falsch eingeschätzt oder sogar überschätzt werden.

Allen gemein ist, dass Trauer ein wichtiger und sinnvoller Prozess ist. Das Durchleben der Trauer macht es uns möglich, Bindungen aufzulösen und zu verändern. Die einzelnen Trauerschritte sind hierbei nicht klar abgrenzbar, sie sind dynamisch, überlappend und es gibt kein eindeutiges Ende.

Sternenkind

Tritt der Tod ins Leben, weil ein geliebter Mensch verstirbt, ist dies für die Hinterbliebenen eine äußerst einschneidende Erfahrung. Dies gilt besonders, wenn die Generationenfolge gebrochen ist. Das Aufwachsen einer Generation nach der anderen scheint die natürliche Abfolge und der Sinn des Lebens zu sein. Die Geschichte der Menschheit spricht genau dafür. Eine Generation gibt nicht nur Werte, Haltungen und materielle Dinge an die nächste weiter. Mit dem Tod der einen älteren Generation tritt die jüngere an die erste Stelle.

Doch was ist, wenn das Kind vor den Eltern stirbt? Ist das das Schlimmste, was Eltern passieren kann?