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Der Jakobsweg inspiriert jeden, der ihn läuft. Aber nicht jeder hat die Möglichkeit dazu. Dieses Buch erzählt die Geschichte einer Pilgerschaft, erzählt durch die Eindrücke einer Daheim-Gebliebenen, die trotzdem immer dabei war!
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Seitenzahl: 90
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Dieses Buch widme ich meinem Mann Jacek, der zur Entstehung dieses Buches die schwierige Aufgabe des Laufens übernommen hat und sich damit einen Lebenstraum erfüllte.
Prolog
1. Wie die Idee entstanden ist
2. Planung und andere Unwägbarkeiten
3. Wie wir und vorbereiten
4. Der Weg beginnt
4.1. Von Zuhause nach SJPDP
4.2. SJPDP bis Roncevalles
4.3. Roncevalles bis Galar
4.4. Galar bis Pamplona
4.5. Pamplona bis Cirauqui
4.6. Cirauqui bis Irache
4.7. Irache
4.8. Irache bis Sansol
4.9. Sansol über Logrono bis Navarete
4.10. Navarete bis Ciruena
4.11. Ciruena bis Belorado
4.12. Belorado bis Ages
4.13. Ages bis Burgos
4.14. Burgos
4.15. Burgos bis Hontanas
4.16. Hontanas bis Itero de la Vega
4.17. Itero bis Carrion de los Condes
4.18. Carrion bis Legidos
4.19. Legidos bis Bercianos
4.20. Bercianos bis Mansilla
4.21. Mansilla bis Leon
4.22. Leon
4.23. Leon bis Somosa
4.24. Somosa bis Ponferrada
4.25. Ponferrada
4.26. Ponferrada bis Villafranca
4.27. Villafranca bis La Faba
4.28. Von La Faba zurück bis Ponferrada
4.29. Ponferrada
4.30. Ponferrada bis Sarria
4.31. Sarria bis Portomarin
4.32. Portomarin bis Melinde
4.33. Melinde bis Pedrouzo
4.34. Pedrouzo bis Santiago
4.35. Santiago de Compostella
5. Die Woche danach
5.1. Finisterre
5.2. Finisterre über Muxia nach Santiago
5.3. Santiago
5.4. Von Santiago nach Hause
Epilog
Anhang
Jetzt ist es also soweit! Es ist Ende April 2015 und wir stehen gemeinsam am Flughafen in Straßburg und verabschieden uns für so etwa die nächsten 6 Wochen voneinander.
Wir sind jetzt seit 22 Jahren zusammen und haben schon immer Trennungen von 2–3 Wochen erlebt. Hauptsächlich, weil mein Mann Jacek gebürtig aus Polen kommt und immer mal wieder seine Familie dort besucht. Nach einigen Versuchen, ihn dabei zu begleiten, habe ich dann für mich entschieden, dass es für alle Beteiligten das Beste ist, wenn die polnische und die deutsche Kultur in diesem Falle nicht länger aufeinander treffen, ich besser zu Hause bleibe und lieber Entspannung suche und genieße.
Aber 6 Wochen sind wir noch nie getrennt gewesen und wir beide wissen nicht, wie es sein wird.
Obwohl wir uns nun so lange auch psychisch auf die Trennung vorbereitet haben, überkommen uns jetzt doch die Gefühle und die Tränen fließen auf beiden Seiten. Noch einmal umarmen und „Buen Camino“ wünschen. Dreimal geht die elektrische Tür zwischen uns auf und zu, bis ich mich endlich umdrehe und zum Auto gehe.
Mein Abschiedsgeschenk habe ich Jacek schon zu Hause in die Hand gedrückt, aus Angst, es am Flughafen zu vergessen. Es ist eine kleine Kunststoffhülle mit einem Blatt Papier, auf das ich einen irischen Pilgersegen geschrieben habe. Dieser soll ihn auf dem Weg begleiten und ihn immer motivieren. Ich habe ihn aus einem der vielen Bücher von Jakobsweg-Pilgern, die ich vorher verschlungen habe.
Möge die Straße dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf dein Gesicht fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott dich im Frieden seiner Hand.
Auf die Rückseite habe ich „Ultreia – vorwärts!“ geschrieben und ein getrocknetes Veilchen aus unserem Garten dazugelegt.
….und dann ist er endgültig auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Mir ist reichlich schwer ums Herz. Auf der Rückfahrt wird mir erst so richtig klar, dass er jetzt tatsächlich gestartet ist in sein langersehntes, großes Abenteuer!
Ja, wie kam es überhaupt dazu, dass mein Mann jetzt einfach so losläuft?
Eigentlich ist Hape Kerkeling daran schuld! Der veröffentlicht im Sommer 2014 sein zweites Buch über seine Kindheit im Ruhrgebiet. Ich gerate etwas ins Schwärmen, denn auch ich komme gebürtig aus dem Westfalenland und höre immer wieder gerne, wohl aus Nostalgie heraus, die westfälisch angehauchte Sprechweise. Vor Jahren hat mir eine Freundin deshalb sein erstes Buch „Ich bin dann mal weg“ geliehen. Welcher Jakobsweg-Interessierte kennt es nicht! Was ich damals beim Lesen ganz lustig fand, dass es in meinem Kopf tatsächlich die Stimme von Hape war, der mir dieses Buch vorlas.
Diese Geschichte erzähle ich meinem Mann als Begründung dafür, warum ich gerne das zweite Buch hätte. Und dann passiert es! Mein Mann, eine Nachteule erster Güte, überrascht mich nach einer Woche mit dem Satz: „Ich habe mir das Hörbuch von Hapes erstem Buch angehört. Da hätte ich auch Lust drauf!“ Ich bin erst mal sprachlos. Das jemand auf die Idee kommen könnte, im Zeitalter des Automobils solche Strecken zu Fuß zu gehen, erschließt sich mir so schnell nicht.
Aber letztendlich verstanden habe ich es dann doch. Mein Mann kommt gebürtig aus Polen und hat in der Nähe der hohen Tatra seine Kindheit verbracht. Da ist ihm quasi das Wandern und Bergsteigen in die Wiege gelegt worden. Immer wieder zieht es ihn für ein paar Tage hinaus. Als wir vor Jahren in der Nähe von München wohnten, waren es an den Wochenenden immer mal wieder die Alpen. Jetzt ist es seit mehr als einem Jahrzehnt schon der Pfälzer Wald, der sich mehr oder weniger direkt vor unserer Haustür erstreckt.
Da sich meine Kindheit an Strand und Meer abgespielt hat und laufen mir nur bei Stadtbesichtigungen sinnvoll erscheint und dann auch Spaß macht, ist also Wandern keine gemeinsame Betätigung von uns geworden.
Nachdem wir ein paar weitere Tage immer mal wieder über das Pilgern, die Gründe, Erwartungen und Herausforderungen geredet haben, nimmt der Jakobsweg, den man gemeinhin auch Camino nennt, in unser beider Köpfen immer konkretere Formen an. Wollen wir wirklich, dass jeder mal 6 Wochen lang nur sein Ding machen kann? Wie klappt das mit dem Urlaub? Ist das finanzierbar? Wenn nicht jetzt, ist dann später noch Zeit? Spielen Alter und Gesundheit so lange noch mit, oder ist das jetzt die letzte Chance? Immerhin ist Jacek jetzt 52 Jahre alt. Er hat noch keine Zipperlein, die ihn sonderlich quälen, aber das muss ja in 2 oder 3 Jahren nicht mehr so sein. Die Uhr tickt also unaufhaltsam!
Ohne dass wir es recht bemerken sind wir plötzlich in der Phase gelandet, wo sich die Fragen schon um die Umsetzung drehen! Wann wäre die beste Zeit? Von wo soll es losgehen? Was braucht man eigentlich alles?
Wenn die Stadt St. Jean Pied de Port (SJPDP) in den Pyrenäen der Startpunkt sein soll um nach Santiago zu pilgern, wie kommt man dort am besten hin? Sollen wir eventuell mit ein paar gemeinsamen Tagen in den Pyrenäen starten?
Und dann, an einem Freitag im November 2014 kommt die Entscheidung. Wir sitzen mal wieder gemeinsam vor dem Computer und schauen Videos anderer Pilger. Plötzlich erzählt Jacek, das er Billig-Flüge von Straßburg nach Biarritz gefunden hat, die keine 60€ kosten, aber doch recht weit im voraus ausgebucht sind. In dem Moment wird mir schlagartig klar, dass ich den von mir gewünschten, vorhergehenden gemeinsamen Urlaub, bei dem ich ihn Richtung Pyrenäen bringen könnte, aus meinem Kopf streichen kann. Davon hätten wir beide zu dem Zeitpunkt wohl nichts. Mein Mann ist eigentlich schon auf dem Weg. Lieber heute als morgen…..
Meine Frage: „Wann wäre denn dann überhaupt der nächstmögliche freie Flug?“ Mit diesem Satz steht jetzt für alle Zeiten und in jeder Erzählung fest, dass die Idee und die Realisierung des Jakobswegs eigentlich von mir gekommen sind.
Der erste freie Termin für einen Flug ist der 27.04.2015. Schon in den ersten Gesprächen, die es zu dem Thema gab, war für Jacek der April/Mai als Pilgerzeit günstig erschienen. Zu der Zeit ist die Wahrscheinlichkeit für Wetter ohne Extreme in die eine oder andere Richtung recht hoch und der Camino selbst noch nicht so voll. So hofft er zumindest.
Das Problem der zeitlichen Realisierbarkeit hatte sich ein paar Tage vorher schon von alleine erledigt. In unserer, immer schon etwas anderen Beziehung, war mein Mann seit jeher für Familie, Haus und Hof verantwortlich gewesen. In den letzten Jahren hat er dann genügend Zeit für einen Minijob, der in unserer Familienkasse immer für Wochenend-Trips und Kurz-Urlaube eingeplant wurde. Dieser Job nun war zum Januar 2015 aufgrund sich verändernder rechtlicher Gegebenheiten futsch. Neuen Job suchen? Na klar! Aber macht das Sinn, wenn man eventuell drei Monate später schon wieder für Wochen weg ist? Letztendlich war das der ausschlaggebende Aspekt! Also: „Buch´ diesen Flug, geh´ auf den Camino! Lass Dir die Zeit die du brauchst um dein persönliches Ziel zu erreichen. Komm mit klarem
Kopf wieder und dann suchst du dir einen neuen Job!“ So meine Meinung dazu.
Mit großem Herzklopfen bei uns beiden, wird jetzt der Flug gebucht.
Es steht fest und kann jetzt nur noch durch unkalkulierbare Ereignisse über den Haufen geworfen werden, die wir uns natürlich beide nicht wünschen. Wir sind beide ziemlich aufgeregt und verbringen den Rest des Tages und die halbe Nacht gemeinsam vor dem Computer. Ich muss mir alles ansehen und anhören, was Jacek schon an Informationen vorab in den letzten Wochen gesammelt hat. Ich erfahre etwas über Rucksack-Größe, Packlisten, Gewichtsminimierung, Funktionsunterwäsche, Wanderschuhe und Wetterverhältnisse. Mir wird bewusst, wie intensiv sich mein Mann in den vergangenen Wochen mit seinem Traum auseinander gesetzt hat, ohne mich damit allzu sehr zu konfrontieren und zu seinen Gunsten zu beeinflussen.
Letztendlich ist dieses Jahr doch perfekt. Wir haben immer schon unsere Prioritäten gut verteilt. In einem Jahr ein großer gemeinsamer Urlaub, im nächsten Jahr eher die Erledigung von Notwendigkeiten am Haus oder die Erfüllung größerer Wünsche für jeden von uns. Da wir uns im Jahr 2014 den langgeträumten gemeinsamen Wunsch erfüllt haben, mit einem roten Mustang 4 Wochen lang den Westen Amerikas zu erleben, ist dieses Jahr mal wieder ein Jahr der eher persönlichen Wünsche. Das Haus wünscht sich in diesem Jahr nichts, und so sind wir eben mal wieder dran. Dass sich das nicht immer gerecht aufteilt, haben wir nach fast 25 gemeinsamen Jahren gelernt und noch nie als problematisch empfunden. Auch ich hatte in der Vergangenheit meine Jahre für Wünsche.
Als ich in dieser Nacht endlich ins Bett gehe, verfolgt mich die Packliste und beschert mir einen eher unruhigen Restschlaf!
Nach all den gründlichen Recherchen, die mein Mann im Laufe der letzten Wochen anscheinend schon gemacht hat, sind jetzt als erstes die Schuhe dran. Sofort werden einen ganzen Nachmittag lang mehrere Geschäfte abgeklappert, mit Beratern Gespräche geführt und Schuhe anprobiert. Endlich sind welche gefunden, die anscheinend sitzen wie angegossen.
