Wenn ich dich vergäße, Jerusalem - Levi Israel Ufferfilge - E-Book

Wenn ich dich vergäße, Jerusalem E-Book

Levi Israel Ufferfilge

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Beschreibung

Vor dem Hintergrund eines Daseins in der Diaspora, das für das Judentum fast 2000 Jahre lang kennzeichnend ist, diskutiert Levi Israel Ufferfilge das paradoxe Gefühl der Sehnsucht nach Heimat. Einerseits immer im Streben nach der Heimat Israel begriffen, umfängt den Juden doch immer die Schchinah, die Gegenwart Gottes – egal an welchem Ort er betet. Wie wirkt sich dieses ambivalente Heimatverhältnis auf das Heimweh aus? In Kursbuch 198 macht sich Levi Israel Ufferfilge in einer poetischen Reflexion auf die Suche nach einer Antwort.

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Seitenzahl: 22

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhalt

Levi Israel UfferfilgeWenn ich dich vergäße, JerusalemVon einem jüdischen Nachhause

Der Autor

Impressum

Levi Israel UfferfilgeWenn ich dich vergäße, JerusalemVon einem jüdischen Nachhause

In einem der Wochenabschnitte, in die die Torah – die fünf Bücher Moses – nach jüdischer Tradition unterteilt sind, liest man einmal im Jahr in der Synagoge etwas Erstaunliches über das Juden heilig-heimische Land Israel. Im Wochenabschnitt Wajigasch im ersten der Bücher Moses begleiten die Lesenden und Hörenden einen Abschnitt im Leben Ja’akovs, den spätere Generationen auch Jankev oder Jakob nennen sollten. Ja’akov erhält die Kunde, dass – entgegen seiner Annahme – sein liebster Sohn Jossef lebe und in Ägypten weile. Er zögert zunächst, zu handeln, da er aus seiner Heimat Israel gehen müsste, die sein Groß­va­ter Avraham von G’tt erhalten hatte und sein Vater Jitzchak – Isaak – zu sei­­nen Lebzeiten ausdrücklich nicht gen Ägypten verlassen durfte. Ja’akov sucht nach Vergewisserung in Be’er Scheva, wo er G’tt ein Opfer darbringt. G’tt versichert seinem treuen Diener daraufhin, dass er Ja’akov auf der Suche nach seinem Sohn sogar nach Ägypten begleiten werde.

Etliche Jahrhunderte und Generationen später folgert der Gelehrte Nahum Sarna im 20. Jahrhundert aus dieser Episode seines biblischen Urahns Ja’akov, dass G’tt keine territorialen Beschränkungen kenne und seinem Volke Israel treu folge. Es gebe folglich nach jüdischer Vorstellung zwar heiligen Boden und ein heiliges Land, das den Juden eine Hei­mat sein könne, doch das Land Israel habe kein Monopol darauf, den einzigen Zugang zu G’tt zu ermöglichen. Passend dazu heißt es in einem mittelalterlichen Midrasch, dass, als Israel nach Ägypten gegangen war, die Schechinah (hebräisch für Gegenwart G’ttes) das Volk Israel beglei­tet habe. Ähnliche Formulierungen existieren auch in Bezug auf die an­tiken jüdischen Exile Babylonien und Edom (nach rabbinischer Interpretation ist das das Römische Reich) bereits beim Propheten Jeschaja. Und im Talmudtraktat Megillah 29a heißt es, dass G’tt dann später nach der Zeit der Exile mit Israel aus der Diaspora zurückkehren werde.

Was heute offensichtlich erscheinen mag, war lange Zeit eine Debatte im Judentum: Kann, darf ein Jude außerhalb von Israel sein? Ist die Ge­genwart G’ttes, sein Trost und sein Behüten, auch dort zu finden? Denn kann ein Zuhause nicht nur dort errichtet werden, wo G’tt das eigene Flehen erhört und annimmt?

Noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts nannten fromme europäische Juden Amerika die trejfe Medine, das unkoschere Land, ein Ort ohne Jiddischkeit (Jüdischkeit), voller Laster und von erschrecken­der Vergessenheit gegenüber den zu wahrenden Geboten und Traditio­nen. Ob G’tt überhaupt nach Amerika gekommen war?