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© 2010 E-Book-Ausgabe (EPUB) © 2010 Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh
Verantwortlich: Eric ThodeLektorat: Heike HerrbergHerstellung: Christiane RaffelUmschlaggestaltung: Nadine HumannUmschlagabbildung: Angelika Bentin/FotoliaSatz und Druck: Hans Kock Buch- und Offsetdruck GmbH, Bielefeld
ISBN : 978-3-86793-151-9
www.bertelsmann-stiftung.de/verlag
Vorwort
Mit dem Eintreten der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise zur Mitte des Jahres 2008 hat die Weltwirtschaft buchstäblich den Atem angehalten. Die wirtschaftliche Aktivität ist weltweit eingebrochen und nur wenige Länder konnten weiterhin positive, wenn auch deutlich geringere Wachstumsraten verzeichnen. Das Bruttosozialprodukt der Welt ist um 1,3 Prozent gesunken, nach dem Zweiten Weltkrieg ein einmaliges Ereignis. Der Welthandel ging gar um zwölf Prozent zurück.
Bereits Mitte 2010 hat es den Anschein, als sei die tiefe Weltrezession doch nur eine kurze Atempause der globalen Wirtschaftsdynamik gewesen. Der Internationale Währungsfonds geht davon aus, dass der Welthandel in diesem Jahr wieder um fast zehn Prozent zulegt und somit nahezu das Vorkrisenniveau erreicht. Das zu erwartende Wachstum der Weltwirtschaft wird mit 4,2 Prozent beziffert.
Die Weltrezession wird jedoch Spuren hinterlassen. Die sprunghaft gestiegene Verschuldung in den Industrieländern, die Stabilität der Europäischen Währungsunion oder eine globale Finanzmarktordnung werden die öffentliche Debatte noch lange dominieren. Davon unbeeindruckt entwickeln sich zwei Megatrends unaufhaltsam weiter, die von der Krise überlagert und möglicherweise kurzzeitig ausgesetzt, aber keineswegs gestoppt wurden.
Zunehmende Globalisierung und fortschreitende Technisierung der Arbeitswelt in Verbindung mit der Anwendung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien sind wesentliche Treiber des wirtschaftlichen und auch des gesellschaftlichen Strukturwandels. Spätestens seit dem Abklingen der Ölkrisen Anfang der 1980er Jahre haben sie spürbaren Einfluss auf Wirtschaft und Arbeitsmärkte ausgeübt und seit Mitte der 1990er Jahre wird in Wissenschaft und Politik immer intensiver darüber diskutiert, welche Auswirkungen sie auf die Höhe und die Struktur der Beschäftigung, auf die individuellen Lohnhöhen, die Einkommensverteilung und letztlich auch auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt haben.
In der öffentlichen Debatte dominieren oft einseitige Betrachtungen. So wird die Offenheit einer Volkswirtschaft dann als positiv gewertet, wenn Exporterfolge wirtschaftlichen Wohlstand bringen, aber negativ, wenn ausländische Wettbewerber den heimischen Unternehmen im Inland Konkurrenz machen. Darin offenbart sich merkantilistisches Denken ebenso wie im Ruf nach nationalen Champions, die geschaffen werden müssten, um dauerhaft im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Auf der anderen Seite werden Arbeitsplatzverluste beklagt, die entstehen, wenn hiesige Produktionsstätten ins Ausland verlagert werden. Die Beschäftigungsgewinne, die an anderer Stelle durch die fortschreitende Integration in die Weltwirtschaft entstehen, werden dagegen regelmäßig ignoriert.
Diese Art von Asymmetrien will die vorliegende Studie von mehreren Seiten aus beleuchten. Differenziert betrachtet werden hier die trendmäßigen Auswirkungen von Globalisierung und technischem Fortschritt auf die Beschäftigungsentwicklung in einzelnen Wirtschaftszweigen und ausgewählten Berufsfeldern.
Detaillierte Betrachtungen führen in der Regel auch zu genauen Handlungserfordernissen und Lösungsansätzen. So greift die gängige Behauptung, eine höhere Qualifizierung der Arbeitskräfte führe quasi automatisch zu besserem Schutz vor Arbeitsplatzverlusten und Einkommenseinbußen, ebenso zu kurz wie die umgekehrte These, dass gering qualifizierte Arbeit in Zukunft noch weniger Chancen habe als heute. Vielmehr zeichnet sich ab, dass unterschiedliche Arten von Tätigkeiten und Berufsfeldern über Qualifikationsgrenzen hinweg künftig noch stärker als gegenwärtig darüber entscheiden, wie groß die Gefahr ist, dass Arbeitsplätze ins Ausland verlagert oder durch technische Neuerungen überflüssig werden.
Wir danken den Autoren der Studie, Professor Dr. Ulrich van Suntum, Dr. Sebastian Gundel, Maren Lurweg und Jens Oelgemöller vom Centrum für Angewandte Wirtschaftsforschung der Universität Münster, für ihre fundierten Recherchen und den vorliegenden Bericht sowie die konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Unser Dank gilt ferner den Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirates, Dr. Martin Ahbe (EU-Kommission, Brüssel), Dr. Hans Barth (Prognos AG, Basel), Professor Dr. Norbert Berthold (Universität Würzburg), Professor Dr. Egon Görgens (Universität Bayreuth), Dr. Rolf Kroker (Institut der deutschen Wirtschaft, Köln) und Professor Dr. Josef Schmid (Universität Tübingen), für den kritischen und stets fruchtbaren Dialog.
Dr. Stefan EmpterSenior Director Bertelsmann Stiftung
Eric ThodeSenior Expert Bertelsmann Stiftung
Inhaltsverzeichnis
Titel
Impressum
Vorwort
1 Offenheit als Erfolgsfaktor
1.1 Offenheit: Definition und empirische Fakten
1.2 Offenheit als Wachstumsmotor - Theorie und empirische Ergebnisse
1.3 Zusammenhang zwischen Offenheit und Arbeitsmarkt
1.4 Exporterfolge Deutschlands und ihre Bedeutung für Wachstum und Beschäftigung
Literatur
2 Veränderte Struktur der Arbeitsnachfrage
2.1 Die Auswirkungen des technischen Fortschritts
2.2 Zunehmende internationale Arbeitsteilung
2.3 Beschäftigtenentwicklung in Deutschland und zukünftiger Expansionsbedarf
Literatur
3 Schlussfolgerungen für die Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik
3.1 Handlungsbedarf in vielen Bereichen
3.2 Anforderungen an Staat, Güter- und Dienstleistungsmärkte
3.3 Arbeitsmarktpolitik: Indirekte und direkte Maßnahmen
Literatur
4 Fazit und politische Schlussfolgerungen
Globalisierung: mehr Chancen als Risiken
Offene Märkte erhöhen Wachstumspotenzial
Deutschland profitiert vom Außenhandel
Auswirkungen auf die Arbeitsmärkte: Gewinner und Verlierer
Qualifikation allein entscheidet nicht über Zukunftsfähigkeit von Arbeitsplätzen
Handlungsempfehlung: Differenziertes Vorgehen bei der Regulierung von Arbeits- ...
Flexibilität bewahren
Den Qualifikationsanforderungen gerecht werden
Direkte Arbeitsmarktpolitik muss effektiv und effizient sein
Unterschiedliche Effekte arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen
1 Offenheit als Erfolgsfaktor
1.1 Offenheit: Definition und empirische Fakten
Offenheit nimmt weltweit zu
Die Offenheit von Volkswirtschaften hat in den letzten Jahrzehnten weltweit stark zugenommen und auch Länder erreicht, die bisher eher geschlossen waren. Offenheit ist im engeren Sinne definiert als die Öffnung einer Volkswirtschaft für den internationalen Handel. Als ein wichtiger Indikator dient das Verhältnis der Summe aus Importen und Exporten zum gesamten Bruttoinlandsprodukt. Im weiteren Sinne erfasst werden aber auch die Kapitalmärkte und die Arbeitsmärkte, die sich ebenfalls immer weiter geöffnet und dadurch die Globalisierung der Weltwirtschaft vorangetrieben haben.
Abbildung 1: Offenheit in ausgewählten Ländern, 1995 und 2006
Quelle: OECD 2008a
Das Bruttoinlandsprodukt der Welt ist zwischen 1999 und 2008 durchschnittlich um 4,4 Prozent gestiegen, der Welthandel hingegen um 6,8 Prozent. Die Offenheit nimmt also zu. Abbildung 1 stellt sie für einige Industrieländer dar.
Kleinere Volkswirtschaften tendenziell offener
Zunächst fällt auf, dass der Grad der Offenheit bei großen Volkswirtschaften tendenziell geringer ist, denn ihnen ist es relativ leicht möglich, die nötige Produktvielfalt selbst zu produzieren. Die USA beispielsweise haben einen Offenheitsgrad von nur 28 Prozent im Jahr 2006. Kleine Länder hingegen sind stärker auf Vorleistungen und Endprodukte aus dem Ausland sowie auf ausländische Absatzmärkte angewiesen. Das äußert sich in entsprechend hohen Offenheitsgraden, etwa in den Niederlanden mit rund 140 Prozent oder in Irland mit zirka 150 Prozent. Deutschland weist allerdings einen für seine Größe ungewöhnlich hohen Grad auf. Dieser liegt mit 84,7 Prozent (2006) ungleich höher als der in den etwas kleineren Volkswirtschaften Großbritannien, Frankreich und Italien, deren Werte mit 55 bis 60 Prozent deutlich geringer ausfallen. Auffällig ist zudem, dass dieser Indikator in allen Ländern im Laufe der letzten Jahre zugenommen hat, besonders stark in Deutschland (plus 37,7 Prozentpunkte), aber auch in Dänemark, Schweden und den Niederlanden.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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