Werden - Günter Hiller - E-Book
Beschreibung

Im alten Griechenland wurde der philosophische Diskurs zwischen Sein und Werden zugunsten des Seins entschieden. Daraus resultiert der eigene Name für die Wissenschaft des Seins-Ontologie. Die Wissenschaft des Werdens fristete bis ins 19. Jahrhundert ein namenloses Schattendasein, bis Jean-Baptiste de Lamarck und Charles Darwin den Begriff der Evolution prägten. Evolution lässt sich eindeutig als Wissenschaft des Werdens begreifen. Damit darf Evolution nicht auf biologische Evolution beschränkt sein, sondern muss auch als kulturelle und physikalische Evolution verstanden Werden können. Das erfordert ein allgemeines Evolutionsprinzip, das alle Bereiche abdeckt und erklären kann. Dazu wird ein interdisziplinäres Denken benötigt, wie es der Wahlspruch von T.S. Huxley, einem Weggefährten Darwins einfordert: Try to learn something about everything and everything about something.

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Seitenzahl:123

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Inhalt

Einleitung

Allgemeines Evolutionsprinzip

Ein evolutionäres Universum

Wachsen und Werden

Das Babuschka-Modell I

Gott und Religion

Intersubjektive Fantasien

Gesellschaftsformen

Physikalische Evolution I

Werden

Ein neues Bild der Welt

Physikalische Evolution II

Das Babuschka-Modell II

Glossar

Literatur

In zwanzig Jahren wirst du mehr von den Dingen

enttäuscht sein, die du nicht getan hast,

als von den Dingen, die du getan hast.

Also mach die Bugleinen los.

Segle heraus aus dem sicheren Hafen.

Mark Twain

Einleitung

Der Begriff Werden beschäftigt die Philosophie seit ihren Anfängen. In der griechischen Philosophie wurde sehr wohl zwischen Sein und Werden unterschieden. Bedeutsam war der Wettstreit zwischen Paramenides von Elea (Das Sein ist) und Heraklit von Ephesos (Alles fließt – panta rhei), der in der abendländischen Denkweise mehr oder weniger zu Gunsten von Paramenides entschieden wurde. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass für die Lehre des Seins ein spezieller Begriff – Ontologie – geprägt wurde und darüber das Werden vernachlässigt wurde.

Platon interpretierte Vielfalt als Ausprägungen eines göttlichen Seins und machte ein weiteres Nachdenken über ein Werden praktisch überflüssig. Monotheistische Religionen verstärkten diese Ansicht, indem sie alles Geschehen einem übermächtigen Gott zuschreiben. Mit der Aussage die Wege des Herrn sind unergründlich wurde auch jede Suche nach möglichen Gründen im Keim erstickt.

Diese Denkweise beherrschte die Philosophie, die Religion und die Wissenschaften in Europa bis ins 19. Jahrhundert. Europa fühlte sich als Hort der Antike, als legitime Nachfolge von Athen und Rom und das Studium der griechischen Philosophen gehörte zum unverzichtbaren Teil einer anerkannten Ausbildung.

Das Sein war klar und einfach zu beschreiben, wohingegen das Werden extrem unorthodox erschien. Erst durch das Zusammenschrumpfen der Welt infolge verbesserter Reisemöglichkeiten kamen auch andere Denkrichtungen ins Blickfeld, die vielleicht am besten mit der Achsenzeit von Karl Jaspers beschrieben sind. Mit Achsenzeit bezeichnet Karl Jaspers die Zeit zwischen 800 v. Chr. und 200 v. Chr., in der sich unabhängig voneinander vier unterschiedliche Denkrichtungen (Achsen) entwickelt haben.

In China lehrten Konfuzius und Laotse, in Indien entstanden die Veden und Upanishaden und die Lehren Buddhas. Der vordere Orient wurde geprägt von den biblischen Propheten und Zarathustra im Iran und im Okzident waren es die griechischen Philosophen von Thales und Anaximander über Paramenides und Heraklit bis Sokrates, Platon und Aristoteles, die das abendländische Denken bestimmten.

China, Indien, vorderer Orient und Okzident lassen sich durchaus als Keimzellen unterschiedlicher Denkrichtungen verstehen, deren Grenzen sich im Laufe der Jahrhunderte verwischten. Es bleibt allerdings ein fundamentaler Unterschied zwischen den monotheistischen Denkweisen und den zumindest dualen oder pluralen Denkweisen ältere Kulturen.

Die Denkweise des Abendlands möchte ich kurz als monal apostrophieren. Monal heißt dabei, dass die Welt, das Sein klar und eindeutig beschrieben werden kann, was sich typischerweise in der Suche nach einer Weltformel ausdrückt.

Diese Denkweise möchte ich kurz als dual oder komplementär bezeichnen, wobei sich jede Pluralität letztlich auf aneinandergereihte Dualität zurückführen lässt. Als komplementär werden Beschreibungen dann bezeichnet, wenn beide zwar zusammengehören, sich aber die eine nicht durch die andere ausdrücken lässt.

Da der Begriff der Komplementarität so leicht missverstanden werden kann, soll er an dem einfachen Beispiel von Miteinander – Gegeneinander kurz erläutert werden. Miteinander ist mehr als ein Nicht-Gegeneinander und Gegeneinander etwas anderes als Nicht-Miteinander. Komplementaritäten heben sich nicht gegenseitig auf, wie sich Physiker das bei Materie und Antimaterie vorgestellt haben. Auch eine These und Antithese heben sich nicht gegenseitig auf, sondern ergänzen sich zu einer Synthese, einer neuen These.

Komplementaritäten ergänzen sich zu einer neuen, einer übergeordneten Einheit, einer emergenten Einheit, zu der es wieder ein Komplementär geben muss, das sich aber eben nicht durch die emergente Einheit beschreiben lässt! Das einfachste Beispiel ist eine Münze. Eine Münze hat untrennbar zwei Seiten, die aber völlig unabhängig voneinander gestaltet sein können.

Vermutlich ist Antimaterie eine Erfindung von monalen Physikern, die eine Verletzung des Energieerhaltungssatzes um jeden Preis verhindern wollen, ohne in Betracht zu ziehen, dass unsere Wahrnehmung, unsere Beobachtung, unsere Messgenauigkeit einen unteren Schwellenwert besitzt und besitzen muss, unterhalb dessen alle Prognosen und Vorhersagen versagen müssen. Auch das lässt sich als ein duales System betrachten, das duale (komplementäre) System aus Wahrnehmbarem und Nicht-Wahrnehmbarem.

Dieser Dualismus von Wahrnehmbarem und Nicht-Wahrnehmbaren wirft allerdings ein ganz neues Licht auf den Begriff Energieerhaltung. Man kann sich vorstellen, dass es zu jeder Entität ein Komplementär gibt, das wir Ko-Entität oder einfach Kontität nennen können. Wenn diese beiden Einheiten eine neue, eine emergente Einheit bilden, die man vereinfacht Syntität nennen wollte, ergibt sich eine einfache Gleichung:

Wenn diese drei Einheiten nun gerade so beschaffen wären, dass die Entität und die Kontität gerade nicht wahrnehmbar sind, wohl aber die Syntität, ergibt sich ein Problem der Beschreibung. Entweder gilt der Energieerhaltungssatz nicht oder wir müssen etwas beschreiben, was sich nicht beschreiben lässt, weil es nicht wahrnehmbar ist.

In beiden Fällen ergibt sich ein Dilemma, das zum Nachdenken anregt. Aus etwas Nicht-Wahrnehmbarem wird etwas Wahrnehmbares, und zudem etwas, was es zuvor noch gar nicht gab, etwas Emergentes. Der Begriff Emergenz leitet sich von dem lateinischen emergere „Auftauchen“, „Herauskommen“, „Emporsteigen“ ab und beschreibt die Herausbildung von neuen Eigenschaften oder Strukturen eines Systems infolge des Zusammenspiels seiner Elemente.

So könnte beispielsweise der Energieerhaltungssatz gelten, obwohl die wahrnehmbare, das ist die gemessene oder beobachtete Energie zunimmt. Auf unser Universum und die Beobachtung der Hubbleschen Rotverschiebung bezogen, bedeutet das aber, dass das Urknallmodell und damit das expandierende Universum auf einer sehr fragwürdigen Annahme beruht. Die Verfechter der Urknalltheorie gehen davon aus, dass das, was wir wahrnehmen können, die ganze Wahrheit ist!

Da sich nicht einmal Entität und Kontität einheitlich beschreiben lassen (Komplementarität), ist somit eine Vorhersage der Syntität unmöglich. Man sollte davon ausgehen, dass eine Syntität entsteht, aber wie diese aussieht oder welche Eigenschaften sie hat, steht allein in der Zukunft. Das ist aber nichts anderes als das, was gemeinhin unter Unbestimmtheit oder Zufall verstanden wird. Die Begriffe Zufall und Unbestimmtheit werden im Verlauf des Essays teilweise synonym verwendet, da beide Begriffe in unserer Sprache existieren, eine Unterscheidung jedoch nicht einfach ist.

Würde man in einem Diagramm Entitäten als x-Achse und Kontitäten als y-Achse darstellen, dann könnte die Syntität theoretisch jeden beliebigen Punkt in diesem Diagramm annehmen, kann dann aber tatsächlich nur einen einzigen Wert realisieren. Zudem lässt auch keine Syntität verlässliche Hinweise auf ihre Ursachen, die ihr zugrunde liegende Entität und Kontität, zu. Das liegt vereinfacht daran, dass die beiden Achsen, Entität und Kontität keinen ähnlichen Charakter haben und keinen gemeinsamen ausgezeichneten Punkt (Null) besitzen.

Das Werden ist unbestimmt oder zufallsbedingt und somit für eine exakte wissenschaftliche Betrachtung ungeeignet, wobei die Betonung auf exakt liegen muss. Da sich Wissenschaft zumindest bis 1900 (Max Planck) immer als exakte Wissenschaft verstehen wollte, die auch konkrete Vorhersagen ermöglichte, konnte es bis dahin keine Wissenschaft des Werdens geben, wohl aber eine Erklärung von Wachsen und Wachstum.

Der Unterschied zwischen Wachsen und Werden lässt sich am einfachsten mit Struktur erklären. Beim Wachsen behält eine Entität ihre Struktur, beim Werden verändert sich die Struktur. Erst wenn man begreift und erkennt, dass Strukturen nicht unveränderlich sind, sondern durch den Einfluss der Umgebung oder Umwelt hervorgerufen werden, kann man versuchen, diese Einflussfaktoren zu begründen und zu beschreiben.

Erst im 19. Jahrhundert entwickelten Jean-Baptiste de Lamarck und in seiner Folge Charles Darwin ihre Vorstellungen einer biologischen Evolution, die genau solche Strukturänderungen untersuchte. Dabei ging es ursprünglich vor allem um die Beschreibung dieser Strukturänderungen und deren Erklärung durch eine natürliche Auslese und war auf biologische Strukturen beschränkt. Damit wurde zum ersten Mal ein Werden wissenschaftlich erfasst.

Es scheint daher folgerichtig, Evolution als die Wissenschaft des Werdens zu betrachten, als Gegenpart der Ontologie, der Wissenschaft des Seins. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass der Begriff der Evolution weiter gefasst werden muss und die Veränderung biologischer Strukturen als biologische Evolution eingegrenzt werden sollte.

Evolution beschreibt dann ganz allgemein die Veränderung von Strukturen, das Werden und der Zusatz bezeichnet das spezifische Anwendungsgebiet, je nachdem um welche Strukturen es sich handelt, z.B. um biologische, kulturelle oder physikalische Strukturen. Diese Verallgemeinerung des Evolutionsbegriffs macht aber nur Sinn, wenn sich ein allgemeines Evolutionsprinzip formulieren lässt, das unabhängig von der spezifischen Anwendung ist.

Die Ontologie, die Wissenschaft des Seins, entsprach in vollem Umfang den Vorgaben des Monotheismus. Die Schöpfung hat stattgefunden. An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass über Jahrhunderte wissenschaftliche Vorstellungen im Abendland nur im Rahmen der übergeordneten Religion, dem Monotheismus erlaubt waren. Das Diesseits wurde als isoliertes System verstanden, hinter diesem Diesseits lag nur noch das Jenseits.

In diesem Kontext lässt sich auch die Entwicklung der Physik verstehen. Man suchte Erhaltungsgrößen und Erhaltungssätze, um daraus Vorhersagen für die Zukunft ableiten zu können. Wissenschaften basierten ganz allgemein auf dem Bedürfnis und Wunsch nach Vorhersehbarkeit und man ahnte frühzeitig, dass dieses Verlangen nur in isolierten Systemen möglich ist.

Die Revolution in den Wissenschaften war nicht die Quantenphysik, sondern die Evolution, die Entdeckung offener Systeme. In der biologischen Evolution basiert diese Offenheit auf zufälligen Kopierfehlern und daraus resultierenden Mutationen. Da biologische Reproduktion auf einer sehr hohen Kopiergenauigkeit beruht, könnte man in erster Näherung Kopierfehler vernachlässigen. Aber das widerspricht der fundamentalen Erkenntnis, dass sich Perfektion und Evolution gegenseitig ausschließen.

Letztlich resultiert daraus eine moderne Systemtheorie, die isolierte Systeme in einem offenen Umfeld beschreibt. Der Clou der Systemtheorie ist die Einführung einer Kopplung zwischen System und Umfeld, die praktisch alle Werte zwischen 0 uns 1 annehmen kann, aber nicht 0 und 1 selbst. Diese beiden Extreme machen eine Systemtheorie überflüssig. Im ersten Fall (0) wäre das System, die Entität, völlig unabhängig vom Umfeld und im zweiten Fall (1) gar nicht vom Umfeld zu differenzieren. 0 und 1 oder 0% und 100% repräsentieren dabei die Perfektion, die Evolution ausschließt.

Da ein offenes Umfeld für uns nur schwer vorstellbar ist, wird es meist durch eine Abfolge übergeordneter isolierter Systeme ersetzt. So umgeht man die Unvorstellbarkeit der Unendlichkeit. Die Systemtheorie erzeugt die Unendlichkeit durch Schleifen, wie sie aus der Dialektik bekannt sind. These und Antithese ergeben eine Synthese, die wiederum zur neuen These wird (Schleife). Die einzelnen Entitäten (These, Antithese und Synthese) sind also endlich, aber der Prozess ist fortlaufend.

Dieses Denkmodell ist so leider nicht ganz auf Komplementaritäten anwendbar. Zuvor habe ich geschrieben

Diese Schreibweise in Form einer Gleichung ist aber der Ontologie, dem Sein entlehnt und sollte für die Evolution, das Werden entsprechend modifiziert werden

Entität + Kontität => Syntität

Bei dieser Formulierung ist aber Kontität ein offenes System, würde also im Fall der Dialektik für die Gesamtheit der Antithesen stehen. Syntität muss dann aber auch ein offenes System sein. Zu einer Annäherung an Dialektik kommt man durch Auswahl einiger bevorzugter Kontitäten, wie es der Wettbewerb vorsieht. Evolution lässt sich folglich als eine erweiterte Dialektik begreifen, Dialektik im Hegelschen Sinn, die sich auf die wichtigsten Antithesen beschränkt.

Evolution lässt sich als eine fortwährende Schöpfung verstehen und steht damit im Widerspruch zu den meisten Religionen, insbesondere aber dem Monotheismus. Ein Essay über Werden, über Evolution ist somit gar nicht denkbar, ohne Religion mit einzubeziehen.

Wenn man das Wahrnehmbare mit Wissenschaft assoziiert und das Nicht-Wahrnehmbare, also auch das Nicht-Vorstellbare mit Religion, dann ist Religion ein Teil unseres Lebens und sollte uns somit zu Demut vor dem Unbekannten veranlassen. Daher erscheint es mir fahrlässig, das Unbekannte zu vernachlässigen und vermessen, ihm eine Bedeutung zuzuordnen. Von dem, was wir nicht wissen, wissen wir nicht, was es ist.

Allgemeines Evolutionsprinzip

In der Einleitung habe ich bereits darauf hingewiesen, dass Evolution als ein duales Prinzip verstanden werden kann oder muss. Daraus ergeben sich zwei Fragerichtungen. Lässt sich mit beliebigen Komplementaritäten, nennen wir sie Entität und Kontität und deren Vereinigung zu einer übergeordneten, emergenten Syntität ein allgemeines Evolutionsprinzip konstruieren, das die Fragen des Werdens hinreichend erklärt und welche Bedingungen müssen dafür erfüllt sein?

Sollte sich ein allgemeines Evolutionsprinzip derart tatsächlich formulieren lassen, besteht die zweite Fragestellung darin, nach anderen Komplementaritäten Ausschau zu halten, die ähnlichen Kriterien genügen. Erst dann wird aus einem spezifischen Evolutionsprinzip tatsächlich ein allgemeines Evolutionsprinzip, wie ich es bereits in meinen Büchern Das kreative Universum und Zum Zweifeln geboren – Zum Glauben verdammt dargelegt habe.

Eine grundlegende Voraussetzung für Evolution ganz allgemein und damit auch für ein allgemeines Evolutionsprinzip sind Entitäten, die eine begrenzte Lebensdauer besitzen und ein Erhaltungsprinzip der Evolution selbst. Nur diese beiden Voraussetzungen gemeinsam bewirken, dass die Entitäten Kopien von sich selbst erstellen müssen.

Diese Kopien dürfen aber nicht perfekt, nicht völlig fehlerfrei sein. Perfektion und Evolution schließen sich gegenseitig aus. Diese zweite Voraussetzung setzt Fehler, zufällige, nicht vorhersehbare Fehler voraus, also ein geringes Maß am Unbestimmtheit oder Zufall. Damit ergibt sich das Diagramm, das ich auch in meinen anderen Büchern verwendet habe:

Abb. 1 Allgemeines Evolutionsprinzip

Dieses Diagramm ist eine stark vereinfachte Darstellung, die vor allem darauf hinweisen soll, dass es sich um einen Kreislauf handelt. Kopierfehler erzeugen eine gewisse Vielfalt, die eine Grundbedingung für Wettbewerb darstellt. Wahrscheinlich ist sogar, dass Vielfalt, in welcher Form auch immer, als Grundlage jeder Evolution betrachtet werden muss. Auf eine Begründung dieser Annahme und die daraus resultierenden Konsequenzen werde ich später eingehen. Die Duplizität von Zufall und Unbestimmtheit wurde bereits erwähnt

Man kann nur von Wettbewerb sprechen, wenn verschiedene Möglichkeiten bestehen. Bei identischen Entitäten kann entweder der Zufall entscheiden oder ein Vorteil, den einige Entitäten gegenüber anderen haben. Vorstellbar wären beispielsweise zeitliche oder räumliche Nähe, wenn die Begriffe Zeit und Raum eine evolutionäre Bedeutung haben.

Beginnen wir von vorn. Evolution bedeutet Veränderung, aber nicht kontinuierliche Veränderung, sondern sporadische und messbare Veränderung. Die evolutionäre Veränderung muss mindestens einen Freiheitsgrad haben. Mehr Freiheitsgrade lassen sich immer als Summe oder Abfolge einzelner Freiheitsgrade begreifen. Ein Freiheitsgrad setzt zwei Zustandsmöglichkeiten voraus und kann am einfachsten durch ein Bit (0,1) verdeutlicht werden.

Ein Bit, das beispielsweise im Zustand 0 ist, kann entweder in diesem Zustand (0) bleiben (Verharren) oder in den anderen Zustand (1) wechseln (Verändern). Entsprechendes gilt natürlich auch für den Zustand 1. Komplementarität gilt in diesem Beispiel sowohl für die Zustände (0,1) als auch für das Verhalten (Verharren, Verändern). Komplementarität setzt dabei voraus, dass der Zustand 1 nicht durch den Zustand 0 beschrieben werden kann und umgekehrt.

Wenn eine isolierte Entität sporadisch ihren Zustand ändern würde, ist das keine Evolution, da es weder Grund noch Kenntnisnahme gibt. Bei mehreren Entitäten könnte die Zustandsänderung einer anderen Entität diese Zustandsänderung verursachen und eine weitere Entität als Beobachter fungieren.