Westfalenbräu - Jobst Schlennstedt - E-Book

Westfalenbräu E-Book

Jobst Schlennstedt

4,6

Beschreibung

Ein Schluck frisch gezapftes Bier genügt, und der junge Mann ist tot. Ein vergiftetes Bierfass auf dem Herforder Hoeker-Fest lässt Kommissar Jan Oldinghaus von der Bielefelder Kripo in seiner Heimatstadt ermitteln. Galt der Anschlag gezielt dem Opfer? Oder sollte die heimische Brauerei getroffen werden? Ein Gespräch mit dem Chef der Brauerei soll Licht ins Dunkel bringen. Doch bevor Oldinghaus mit ihm reden kann, ist der Brauer tot. Was zuerst nach Selbstmord aussieht, entpuppt sich rasch als Mord. Oldinghaus deckt ein Netz aus Neid, Intrigen und Erpressung auf. Die Zukunft der Brauerei steht auf dem Spiel ...

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Jobst Schlennstedt, 1976 in Herford geboren und dort aufgewachsen, studierte Geographie an der Universität Bayreuth. Seit Anfang 2004 lebt er in Lübeck. Hauptberuflich ist er als Projektmanager in einem Hamburger Beratungsunternehmen tätig. 2006 erschien sein erster Kriminalroman; im Emons Verlag erschienen »Tödliche Stimmen« und »Der Teufel von St. Marien«. Mit »Westfalenbräu« liegt nun sein erster Band der Kriminalreihe um den Bielefelder Kommissar Jan Oldinghaus vor.www.jobst-schlennstedt.de

Dieses Buch ist ein Roman. Handlungen und Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein zufällig.

© 2010 Hermann-Josef Emons Verlag Alle Rechte vorbehalten Umschlagzeichnung: Heribert Stragholz Umschlaggestaltung: Tobias Doetsch, Berlin eBook-Erstellung: CPI – Clausen & Bosse, LeckISBN 978-3-86358-007-0 Ostwestfalen Krimi Originalausgabe

»Am Jüngsten Tage wird’s erschaut,was mancher hier für Bier gebraut.«

Sprichwort

Prolog

Tief im Innern hatte sie geahnt, dass es nicht gut gehen würde. Vom ersten Moment an hatte sie ein schlechtes Gefühl bei der Sache gehabt. Damals, als er sie mit der Wahrheit konfrontiert hatte, war trotzdem eine Welt für sie zusammengebrochen. Alles war so erniedrigend gewesen, dass sie ihn am liebsten …

Sie brach in Tränen aus und trommelte mit beiden Fäusten auf den teuren Wohnzimmertisch. Das, was sie vorhatten, war doch der absolute Irrsinn!

Sie ging zum Kühlschrank und nahm eine Kühlmanschette aus dem Eisfach. Der leichte Kopfschmerz, den sie verspürte, als sie den kalten Kunststoff auf ihre Stirn legte, war angenehm und verdrängte einen Moment lang den großen Schmerz, der sie seit Monaten lähmte.

Niemandem hatten sie etwas von ihren Problemen erzählt. Kein Sterbenswort hatten sie gesagt, nicht einmal ihren Familien. Hätten sie ihren Geschwistern oder gar ihren Vätern sagen sollen, in welcher Situation sie sich befanden?

Am schlimmsten war die Ungewissheit. Stündlich warteten sie darauf, dass es passierte. Dass ihr Plan endlich aufging. Der perfide Denkzettel, den sie ihm verpassen wollten. Der Moment, der ihn hoffentlich zur Besinnung bringen würde.

Dass sie überhaupt so weit gehen mussten, erschien ihr surreal. Menschen Schaden zuzufügen lag jenseits ihres Vorstellungsvermögens.

Es war nicht ihre Entscheidung gewesen, diesen Schritt zu gehen. Doch durch ihr Schweigen hatte sie ihr stilles Einverständnis gegeben, obwohl sie insgeheim gehofft hatte, dass er vorher einlenken würde.

Sie hatte sich geirrt. Es hatte kein Einlenken gegeben. Nicht einmal ein weiteres Gespräch. Seit Tagen schon herrschte Funkstille. Er hatte offen zum Ausdruck gebracht, dass er sich nicht unter Druck setzen lassen würde.

Sie spürte, dass sich unter ihrem Top Schweißperlen bildeten. Müde ließ sie sich zurück auf das edle Sofa fallen, das sie noch vor ein paar Wochen gekauft hatten. Ihr Körper war schlapp, erschöpft von der Hitze des Sommers und den allgegenwärtigen Gedanken an das, was kurz bevorstand.

Das Klingeln ihres Handys ließ sie hochschrecken. Sie beruhigte sich wieder, als sie auf dem Display erkannte, wer der Anrufer war.

»Endlich«, sagte sie ohne Begrüßung. »Wo steckst du denn? Es ist gleich zwölf.«

»Schalt das Radio ein!«, sagte er aufgeregt. »Sie bringen es in den Nachrichten!«

»Was …?« Sie brach ab.

»Es ist schiefgegangen«, redete er weiter. Seine Stimme klang plötzlich seltsam monoton. »Wir hätten ihm nicht trauen sollen.«

»Wovon sprichst du? Was ist denn passiert?«

»Die Grenze ist endgültig überschritten. Wir haben ein Menschenleben auf dem Gewissen.«

Das Telefon glitt ihr aus der Hand und zersprang auf dem Parkettboden in Stücke. Sie hatte geglaubt, es könne nicht schlimmer kommen. Doch sie hatte sich erneut geirrt.

1

Die drückende Schwüle der vergangenen Tage hatte die Luft aufgeheizt. Selbst zu später Stunde hing sie noch wie eine Dunstglocke über der Stadt. Verschwitzte Menschenmassen drängten sich durch den historischen Altstadtkern in Richtung der Fixpunkte, der drei großen Marktplätze. Seit Tagen befand sich Herford nun schon im Ausnahmezustand.

Heute war Samstag. Das Hoeker-Fest – das große Bürgerfest – hatte seinen Höhepunkt erreicht: Musiker, Tanzgruppen, Gaukler und Magier, an jeder Ecke kulinarische Spezialitäten und fröhliche Gesichter. Die Menschen der Stadt genossen ihr Fest und feierten sich selbst.

Kai Stahlhut war kein Mensch, der solchen Trubel schätzte. Er bevorzugte die bodenständige Variante, um ein paar Stunden auf dem Fest zu verbringen. In der linken Hand ein Bier, rechts eine Bratwurst. Fertig. Ein gelungener Abend konnte so einfach sein.

Stahlhut war Kriminalkommissar der Herforder Polizeiinspektion. Obwohl gerade einmal fünfunddreißig Jahre alt, gehörte er unter den Kollegen schon zu den alten Hasen. Seine manchmal sehr direkte Art hatte ihm allerdings schon ein ums andere Mal Ärger mit seinen Vorgesetzten eingehandelt. Offenbar besaßen seine Mitmenschen einfach eine andere Art von Humor als er.

Das Hoeker-Fest hatte Stahlhut wie schon in den letzten Jahren auch dieses Mal alles abverlangt. Diebstähle, Körperverletzungen und ein schwerer Fall von Brandstiftung hatten ihn und seine Kollegen auf Trab gehalten. Umso glücklicher war er, dass er an diesem Abend keinen Dienst hatte.

Am späten Nachmittag hatte er seinen Kumpel Jens anrufen und fragen wollen, ob er Lust auf einen Männerabend habe. Doch als er den Hörer in die Hand genommen hatte, war es ihm wieder eingefallen. Seine Freundin Kathrin war zum Frühstück bei ihm gewesen. Sie hatte darauf bestanden, den Abend gemeinsam mit ihm auf dem Weindorf am Gänsemarkt zu verbringen. Er erinnerte sich daran, dass sie sich dort mit ihren Freundinnen und deren Männern verabredet hatte. Allein bei dem Gedanken daran hatte sich Stahlhuts Magen verkrampft, und ein hartnäckiges Sodbrennen, mit dem er schon seit der Jugend zu kämpfen hatte, machte sich bemerkbar.

Kathrin war vor ein paar Monaten aus ihrer gemeinsamen Wohnung ausgezogen, weil sie es nicht länger ausgehalten hatte, mit einem Menschen zusammenzuleben, der – wie sie ihm an den Kopf geworfen hatte – so unzuverlässig und egozentrisch wie Stahlhut durchs Leben ging. Warum sie nicht sofort mit ihm Schluss gemacht hatte und stattdessen in jeder freien Minute seine Nähe suchte, war ihm unklar.

Kathrins Freundinnen waren schlimmer als die aufgedrehten Hühner aus »Sex and the City«. Ihre Gesprächsthemen waren derart oberflächlich, dass Stahlhut dagegen selbst die Fußballgespräche mit seinen Kollegen als geistreiche Unterhaltung empfand. Und dann die Männer. Verweichlicht, unterdrückt, meinungslos, zu Dienstboten degradiert. Wie um alles in der Welt sollte er es bloß ertragen, einen gesamten Abend mit diesen Menschen zu verbringen und belanglosen Small Talk über TV-Superstars zu halten oder über die neueste Risotto-Kreation zu sprechen? Und als Höchststrafe sollte er auch noch Wein anstatt seines geliebten Biers trinken?

Das Weindorf am Gänsemarkt bot Weine aus aller Herren Länder. Merlot, Tempranillo, Silvaner, Riesling – Namen, die Stahlhut so fremd waren wie die Interessen seiner Freundin. Ihm genügte ein gut gezapftes Bier, um glücklich zu sein. Warum sollte er stundenlang darüber philosophieren, wie ein alkoholisches Getränk mundete? Im Grunde ging es doch nur darum, sich einen hinter die Binde zu kippen.

»Huhu!« Eine aufgeregte Frauenstimme drang an Stahlhuts Ohr. Widerwillig schob er Kathrin vor sich her durch die Menschenmenge in Richtung des Pfälzer Weinstandes; vorbei an dem Brunnen mit den acht aus Bronze gegossenen Gänsen, der in der Mitte des Platzes stand.

Er musste einsehen, dass seine Befürchtungen wahr geworden waren. Silke, Kathrins engste Freundin, wartete bereits auf sie. Sie war die Schrecklichste von all den Bekannten, die ihm Kathrin in den letzten Jahren vorgestellt hatte. Kaufsüchtig, laut, hysterisch.

»Hallo, Silke!«

Küsschen links, Küsschen rechts.

Stahlhut zwang sich zu einem Lächeln. Aus dem Hintergrund trat ein unscheinbarer Mann, den er als Silkes Mann erkannte.

»Kai, schön, dass du dabei bist!«, säuselte Silke. »Dann kannst du ja die Diskussion über das perfekte Pesto fortsetzen, die du beim letzten Mal mit Frank geführt hast.« Sie lachte schallend.

Stahlhut tat ihr den Gefallen und lachte mit. Drei Sekunden. Dann erfror seine Miene zu einem eisigen Blick, der Silke wie ein Blitz traf. Im nächsten Augenblick riss jemand an seiner Schulter. Stahlhut drehte sich um und sah einem Mann in die Augen, den er augenblicklich in die Schublade »Banker« steckte.

»Schön, dich zu sehen«, sagte der Mann.

»Kennen wir uns?«

»Mensch, Kai, ich bin’s, Ralf.«

Ralf? Doch nicht etwa Heikes …?

»Heike ist auch hier«, unterbrach der Mann Stahlhuts Gedanken. »Heike, komm doch mal rüber! Ich habe Kai getroffen.«

Stahlhut verzog den Mund und drängte sich weiter in Richtung der Theke. Silke und Frank, Heike und Ralf – was für ein schrecklicher Abend stand ihm bloß bevor? Ralf war die Fleischwerdung des immerzu freundlichen, immer korrekten Menschen. Jemand, den man gerne so lange provozieren wollte, bis auch aus ihm ein unkontrolliertes Wort herausbrach.

»Ah, Kathrin!«, hörte Stahlhut Ralf hinter sich rufen. »Lass dich drücken!«

Stahlhut versuchte wegzuhören, indem er die Tafel des Weinstandes studierte.

»Bitte schön, was darf’s denn sein? Ein Schoppen Riesling vielleicht?«

»Ist der sauer oder ist das so ‘n süßes Gesöff?«

»Trockener Kabinett. Wenn Sie lieber einen lieblicheren Tropfen hab…«

»Nee, is okay. Zweimal bitte.«

Stahlhut bezahlte und nahm die beiden Weingläser entgegen, die wie kleine Senfgläser aussahen. Er blickte sich um, aber Kathrin war nirgends zu sehen. Auch die anderen waren in der Menge nicht mehr auszumachen. Stahlhut hätte lügen müssen, wenn er behauptet hätte, es würde ihm etwas ausmachen.

Er nahm einen kleinen Schluck Wein und ließ ihn im Mundraum kreisen. Gar nicht so schlecht, dachte er. Er nahm einen weiteren Schluck. Diesmal einen größeren. So als hätte er ein frisch gezapftes Bier in der Hand.

Ehe er es sich versah, war nicht nur sein Glas, sondern auch das von Kathrin ausgetrunken. Er stand unschlüssig vor dem Weinzelt und ließ seinen Blick erneut durch die Massen schweifen. Irgendwo in dem Gewühl erkannte er Kathrins Gesicht. Sie lachte ausgelassen und umarmte ihre Freundinnen. Silke und Heike. Auch Martina, Kathrins pummelige Singlefreundin, war inzwischen da.

Stahlhut war genervt von dem Trubel, stellte die Gläser zurück auf den Tresen und wanderte ziellos um den Weinstand herum. Er hatte mit einem Mal das dringende Bedürfnis nach einem Bier. Aber gab es während des Hoeker-Fests überhaupt einen Bierstand auf dem Gänsemarkt? Auf der Rückseite des Standes steuerte er einen metallenen Mülleimer an und kletterte hinauf. Da er mit seinen eins fünfundsiebzig zu den kleineren Männern gehörte, musste er sich eben anderweitig helfen, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Plötzlich spürte er, dass ihm der Riesling in den Kopf gestiegen war. Er hatte Probleme, das Gleichgewicht zu halten. Sein durchtrainierter Körper schien für einen Moment lang außer Kontrolle zu geraten. Um ein Haar wäre er auf den harten Steinboden gefallen.

Mühevoll balancierte er aus und fand schließlich eine Position, in der er sich sicher fühlte. Der Blick auf die Menschenmassen ließ das Schwindelgefühl jedoch sofort wieder zurückkehren. Von überall her strömten Stimmengewirr, laute Musik und der Geruch von Wein und Gegrilltem auf ihn ein.

Er schloss für einen Moment die Augen und stellte sich vor, mit einem vollen Bierglas in der Hand davonzuschweben, während die Geräuschkulisse unter ihm allmählich immer leiser wurde.

Sein Tagtraum wurde jäh von einem lauten Frauenschrei unterbrochen. Vom anderen Ende des Marktplatzes, dort, wo der Gänsemarkt in die Radewiger Straße überging, nahm Stahlhut Unruhe wahr. Einige Menschen liefen auseinander, andere drängten sich um einen Stand herum, über dem das markante Logo der heimischen Westfalenbräu-Brauerei prangte. Aufgeregte Stimmen klangen zu ihm herüber. Hoffentlich keine Schlägerei unter Jugendlichen, dachte er. Das war das Letzte, worauf er heute Abend – an seinem freien Abend – Lust hatte. Trotzdem musste er seiner Pflicht als Kriminalbeamter nachgehen und überprüfen, was der Grund für die plötzliche Hektik war. Stahlhut sprang von dem Mülleimer hinunter und kämpfte sich unter Einsatz seiner Ellenbogen durch die Menge.

»Schatz, da bist du ja. Hast du mir einen Wein mitgebr…?«

»Jetzt nicht.« Stahlhut drängte sich an Kathrin vorbei. Das dumpfe Raunen, das über den Köpfen der Menschen auf dem Gänsemarkt hing, beunruhigte ihn. Er musste nachsehen, was geschehen war.

Je näher er dem Bierstand und der Menschentraube, die sich mittlerweile versammelt hatte, kam, desto stärker wurde sein Unbehagen. Er arbeitete sich an den Leuten vorbei, die regungslos in einem Halbkreis vor dem Bierstand verharrten. Die Hektik, die eben noch geherrscht hatte, war mit einem Mal verflogen. Eine sonderbare Stille umgab die Menschen um ihn herum. Stille, die sich Stahlhut so sehr herbeigesehnt hatte. Doch in diesem Augenblick wirkte sie alles andere als wohltuend.

»Würden Sie mich bitte durchlassen!« Stahlhut legte die letzten Meter bis zum Tresen des fahrbaren Verkaufsstands energisch zurück. »Was ist denn passiert?«

»Sind Sie zufälligerweise Arzt?«, rief jemand besorgt.

»Nein, ich bin Poliz…« Stahlhut stockte. »Ach du Scheiße!« Hinter dem Tresen kauerten mehrere Menschen auf dem Boden und versuchten verzweifelt, einen jungen Mann zu reanimieren. Gelblicher Schaum hatte sich um die Lippen des Jungen gesammelt. Seine Augen waren weit aufgerissen, die Augäpfel hervorgetreten.

»Hat jemand einen Krankenwagen gerufen?«, rief Stahlhut. Er hoffte, dass seine Worte nicht nur hoffnungsloser Aktionismus waren. Vielleicht würde die Hilfe noch rechtzeitig kommen. »Was ist denn überhaupt passiert?« Er sah in die Gesichter der verunsicherten Menschen, die um ihn herumstanden.

Eine Antwort blieb aus. Stattdessen brach neben ihm eine Frau in Tränen aus. Noch immer massierten hinter der Theke zwei Männer das Herz des Jungen. Stahlhut stemmte sich am Tresen hoch und schwang sich auf die andere Seite des Verkaufswagens, dorthin, wo normalerweise die Zapfer standen. Er bückte sich und tastete mit Zeige- und Mittelfinger am Hals des Jungen. Es war, wie er befürchtet hatte. Kein Pulsschlag.

Er schloss kurz die Augen, atmete tief durch und erhob sich wieder. Der Kleidung nach zu urteilen hatte der junge Mann ebenfalls als Zapfer gearbeitet.

»Was ist hier geschehen?«, fragte er noch einmal.

Ein älterer Mann, der neben der Theke stand, sah ihn mit versteinertem Blick an. Stahlhut nickte ihm auffordernd zu.

»Er hat sich mit einem Mal an den Hals gegriffen und ist einfach umgefallen«, erzählte der Mann stockend. »Dann trat plötzlich Schaum aus dem Mund, und seine Augen verdrehten sich. Es war ein schrecklicher Anblick!«

»Haben Sie gesehen, was er gemacht hat, bevor er sich an den Hals gegriffen hat?«

»Ja«, antwortete der Mann. »Ich habe kurz davor ein Bier bei ihm geordert, aber das Fass war leer.«

»Und?«

»Er hat das Fass gewechselt, das dauerte einige Minuten. Anschließend hat er den ganzen Schaum abgezapft. Als er fertig war, hat er noch einen Schluck probiert.«

»Er hat einen Schluck Bier getrunken?«, fragte Stahlhut. »Und dann?«

»Dann ist er umgefallen.«

Einer der Ersthelfer schob Stahlhut beiseite und beugte sich über das blasse Gesicht. Geübt legte er seine Lippen auf die des Jungen.

»Lassen Sie«, sagte Stahlhut leise. »Sie werden ihm nicht mehr helfen können.«

2

»Hat dir die Knisterfinkensuppe geschmeckt, Junge?« Sylvia Meyer zu Oldinghaus stellte die Teller mit dem klassischen blau-weißen Landhausmuster zusammen und verließ das Esszimmer in Richtung Küche, ohne die Antwort ihres Sohnes abzuwarten.

Jan-Hinrich Meyer zu Oldinghaus, der seinen vollständigen Namen nur zu offiziellen Anlässen und im Kreis seiner Familie benutzte, sah seiner Mutter genervt hinterher. Er hasste es, wenn sie ihn »Junge« nannte. Trotz seiner sechsunddreißig Jahre fühlte er sich in Gegenwart seiner Eltern noch immer wie ein unmündiger Teenie.

Am meisten wurmte ihn jedoch, dass ausgerechnet sein älterer Bruder Cord, der in seinem gesamten Leben noch nie von zu Hause rausgekommen und mittlerweile in den hinteren Bereich des elterlichen Gutshauses gezogen war, eine komplett andere Wertschätzung genoss. Cord war ein Arschkriecher sondergleichen und hatte schon immer nur die Erbfolge des Hofes und Gestüts Meyer zu Oldinghaus im Kopf gehabt. Mit Erfolg. Weder Jan noch seine Schwester Isabel hatten sich ihm in den Weg gestellt, als es darum ging, wen ihr Vater Heinrich als seinen Nachfolger einsetzen wollte.

»Und jetzt gibt’s Pfefferpottharst. Das mögt ihr doch so gerne.« Seine Mutter kam ins Esszimmer zurück und balancierte drei ausladende Teller auf den Armen.

Sie hatte ein weiches Herz und war so ganz anders als sein patriarchalischer Vater Heinrich. Obwohl schon jenseits der siebzig, unterstützte er Jans Bruder Cord, so gut er konnte, bei der Arbeit auf dem Hof. Und noch immer versuchte er Einfluss zu nehmen, wenn es darum ging, die Geschäfte mit den Pferden und dem Getreide gewinnbringend abzuschließen. Immerhin gehörte der Hof der Familie, der zwischen Herford und Bielefeld lag, zu den größten Pferdegestüten und Ackerbaubetrieben der Region.

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