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Ein Arzt und sein Patient im Dialog zwischen Schul- und Alternativmedizin. Wie wirkt sich das menschliche Denken auf Körper und Seele aus? Wie beeinflussen Denkfehler unsere Verhaltensweisen und wie nehmen Gefühl und Verstand Einfluss auf unsere Entscheidungen und Handlungen. Welche Möglichkeiten der Einflussnahme haben wir und wie könnten wir sie nutzen? Auf diese Art von Fragen und Nichtfragen geht Dr. Svante C. Gehring in seinem Nicht- Ratgeber ein. Alle Ausführungen werden von seinem Patienten, Michael Kirschte, kritisch hinterfragt oder kommentiert. Diese verschiedenen Sichtweisen erleben Sie auf eine sehr persönliche Art und Weise. Kluge Ratschläge suchen Sie hier vergeblich. Es geht darum, die Zusammenhänge zu verstehen, um dann selbst für sich entscheiden, was für Sie wichtig oder unwichtig ist.
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Seitenzahl: 162
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Wir danken Mark Oldenburg für seine kritischen Anmerkungen als erster Leser der Rohfassung.
Cornelia Ruess gilt unser Dank als Lektorin und Udo Bialas danken wir für die Umschlaggestaltung.
Beide Autoren danken gemeinsam Ihren Familien für die unermüdliche Unterstützung.
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Nein, keine Angst, „Wie bitte“ ist nicht schon wieder ein Ratgeber nach dem Strickmuster „Wenn du es nicht verstehst, bist du eben zu blöde“. Kein Buch über „How to pimp up your life“ im Guru-Stil oder in „Supercoach-Suggestionsmanier“. Was aber dann? Wenn Sie sich erhofft hatten, ich würde mit Hilfe dieses Buches Ihren Kopf öffnen und mit Zauber und Magie an den richtigen Schrauben drehen und dann ist alles gut, vergessen Sie es. Verschenken Sie dieses Buch möglichst schnell!
Was ich den anderen Lesern bieten kann: Naive Fragen, interessante Beobachtungen, begründete Zweifel, ein wenig Provokation, subjektive Einsichten, vielleicht Anregungen und Handlungsoptionen, aber sicher keine Ratschläge - allenfalls Tipps! Ich pflücke Ihnen Blumen, Sie stellen aber bitte Ihren Strauß selbst zusammen. Würde ich Ihnen Ratschläge erteilen, würde ich mich über Sie erheben wollen. Wie war das noch mit der Würde? Alle Menschen sind gleich, nur manche sind offensichtlich „gleicher“ und können es sich herausnehmen, so ein Buch zu schreiben? Keine Angst, ich möchte Sie nicht in die Lebensjahre zurückversetzen, in denen Mama und Papa die Regeln aufstellten und Ihnen sagten, wo es lang geht! Ich versuche viel mehr mit diesem Buch in einen Dialog mit Ihnen einzutreten – auf Augenhöhe. Herr Michael Kirschte - ein Patient meiner Praxis – hat sich daher für Sie schon einmal ins Zeug gelegt und meine Ausführungen kommentiert. Diese sind in Grau unterlegt, damit Sie sie leichter erkennen! Ich erzähle etwas, er kommentiert es oder teilt Ihnen etwas mit, was für Sie wichtig sein könnte oder Sie sich vielleicht auch schon gedacht haben. Sie entscheiden dann selbst, ob Sie mir folgen wollen, ob meine Ideen auf Ihr Leben Anwendung finden könnten – hilfreich sind. Vielleicht spüren Sie auch nur, der Kerl könnte recht haben, dann müssen Sie selbst auf Entdeckungsreise gehen und Ihre ganz eigene, subjektive Wahrheit ausloten.
Ich verzichte in diesem „Nicht-Ratgeber“ weitgehend auf Quellenangaben, auch wenn ich hier und da Hinweise gebe, die Sie gerne „googeln“ dürfen. Zu glauben, was die Wissenschaft glaubt zu wissen oder der Theologe weiß zu glauben, nützt uns an der Stelle nichts. Es macht dieses Buch weder objektiver noch heiliger. Ohnehin ist nur eines gewiss, dass wir nahezu nichts wissen und in der Unbeständigkeit des Lebens das einzig Beständige liegt!
Natürlich habe ich die eine oder andere Anregung selbst aus anderen Büchern oder wissenschaftlichen Aufsätzen gesogen, ganz subjektiv interpretiert und Ihnen als eigenes Gedankengut aufgearbeitet, so wie wir das jeden Tag mit unseren erlangten Informationen tun. Ein Plagiat bekommen Sie aber keinesfalls, auch wenn ich ebenfalls nur das Produkt meiner Umwelt bin, gefüttert mit externen Informationen, irgendwie abgespeicherten Erfahrungen und Einsichten, mit Einstellungen eingefärbt und vom momentanen Gefühlszustand beeinflusst. Ein Mensch eben, der glaubt zu sein, was er ist und sich doch beträchtlich irren könnte, alles im Sinne des Standpunktes des Betrachters. Wie war das noch mit der Relativität? Im Sinne der Raumzeit können wir in der Bewegung durch den Raum hin zum Ereignis in die Zukunft sehen, in der Bewegung weg vom Ereignis in die Vergangenheit. Also, Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit existieren jetzt, je nach Standpunkt und Bewegung des Beobachters (Ihren momentanen Aufenthaltsort kenne ich nicht!).
„Wie bitte“ möchte Fragen stellen, ohne Ihnen die Antwort „so musst du es machen“ zu geben. „Wie bitte“ möchte trotzdem Anregungen geben, wie Sie von der „Höhe der Erkenntnis“ in die Banalität „des täglichen Handelns“ hinabsteigen könnten, nach dem Motto „So könnte es sein, so könnte ich das auf meine ganz eigene Art machen“. Halt das allwissende Lächeln des Dalai Lamas in kleine Scheibchen geschnitten und in konkrete Schritte umgesetzt, die unser Leben hoffentlich zufriedener machen. Nein, Sie müssen „Gott sei Dank“ den Buddhismus nicht adoptieren und dies ist auch kein Buch darüber. Sie brauchen auch keine Kurse bei „Erleuchteten“ zu buchen, um dann gleich die ganze Familie der Weisheit zu sich einzuladen. Ich möchte nicht, dass Sie anderen oder gar mir hinterherlaufen und dabei Ihren eigenen Weg verpassen. So oder so ähnlich meine ich es mit meinem Buch.
Was motiviert und qualifiziert mich, solch ein Buch zu schreiben? Vielleicht Arzt in eigener Praxis zu sein und sich täglich mit den Unzulänglichkeiten des Lebens konfrontiert zu sehen? Vielleicht weil ich wissenschaftlich gearbeitet habe? Vielleicht weil ich Trainer gegen Stress oder Hypnotherapeut bin oder an einer neuen Form der Persönlichkeitsentwicklung arbeite, dem Kat-Coaching (Katalysiertes Coaching)? Vielleicht weil ich mich in vielen Projekten engagiere? Vielleicht ist es die Erfahrungswelt und Liebe meiner Familie? Vielleicht weil ich die dritte Welt, den Urwald, die Wüste und das Meer bereist habe? Vielleicht weil ich mich immer schon für Philosophie, Gehirnforschung und Kosmologie interessiert habe? Vielleicht auch nur weil ich ein Angeber bin mit Minderwertigkeitsgefühlen, der hier auf dicke Hose macht, sein Geltungsbedürfnis befriedigt oder von allen geliebt werden möchte? Kurzum, ich weiß es nicht. Fragen Sie mich bitte später wieder (s. Nachwort)
Wie bitte? Der Doktor weiß gar nicht, warum er das Buch schreibt? Was soll denn der Leser davon halten? Falls Sie sich diese Frage gerade stellen, kann ich Sie beruhigen. Er und/oder sein Unterbewusstsein wissen genau, was sie tun. Wer hier wen steuert, bekommen Sie vielleicht irgendwann beim Lesen heraus. Ich mische mich an dieser Stelle einfach einmal in sein Vorwort ein. Allerdings weiß ich noch gar nicht, wie er darauf reagiert und ob mein Kommentar überhaupt abgedruckt wird. Warum ich mich hier einmische? Ich bin ein Patient aus der Praxis vom Doc. Ich kann Ihnen versichern, er macht hier nicht auf „dicke Hose“. Er weiß ganz genau wovon er spricht und er schreibt das Buch aus Überzeugung für Sie. Wenn Sie bereit sind, sich auf seine Gedanken und Ideen einzulassen, werden Sie überrascht sein, zu welchen Veränderungen Sie selbst in der Lage sind. Es ist sein und nicht mein Vorwort und ich will mich deshalb kurz fassen. Aber Sie können sicher sein, Sie werden mir in dem Buch immer wieder einmal über den Weg laufen. Ich werde mich immer dann zu Wort melden, wenn ich glaube, etwas zu sagen zu haben oder einmal nicht der Meinung vom Doc bin. Lassen Sie sich überraschen.
Und noch einen Tipp zum Schluss: Überspringen Sie bitte keine Kapitel, sie bauen aufeinander auf. Sonst verstehen Sie die letzten Kapitel im Buch nicht mehr, die aber die wichtigsten für Ihr Leben sein könnten!
Die eigentlichen Prozesse in unserem Gehirn sind sehr komplex und erst im Ansatz erforscht. Daher versuche ich hier, ein stark vereinfachtes Bild der Zusammenhänge zu entwerfen. Es soll anwenderfreundlich sein und uns helfen, die Zusammenhänge zwischen den Verhaltensweisen von Menschen und ihren Erkrankungen besser zu verstehen.
Wenn ich hier von meinem Oberstübchen rede, meine ich die Anteile meines bewusst arbeitenden Großhirns, meines „Kulturhirns“, das mich aus der Natur emporgehoben und „kultiviert“ hat, zu dem gemacht hat, was ich heute glaube zu sein, ein „zivilisierter Mensch“. Leider gibt es erschütternde Erkenntnisse der Hirnforschung, dass nicht dieser Teil des Gehirns mein alltägliches Handeln prägt, sondern eine Abteilung darunter, ältere und unbewusst arbeitende Zentren des Groß- und Zwischenhirns. Mein „freier Wille“ wird in den Zweifel gezogen, das Großhirn als „PR-Gag des Gehirns“ angesehen. Ich soll von vorsteinzeitlichen Hirnstrukturen in archaischen Bahnen durchs Leben gelenkt werden.
Wie bitte? Lieber Doc, übertreiben Sie da nicht etwas? Ich fühle mich nicht als Steinzeitmensch, der nur das Deckmäntelchen unserer zivilisierten Gesellschaft umgelegt hat! Außerdem bin ich bisher davon ausgegangen, dass mein Verstand und ich immer noch selbst über mich entscheiden. Jetzt bin ich aber auf die Auflösung gespannt. Denn bisher steht hier erst einmal nur Ihre Behauptung im Raum bzw. im Buch.
Naja, schaut man sich in der Welt so um, wie Menschen mit sich und anderen oder der Natur umgehen, passt das doch - oder? Ich bin also nicht mein Herr, sondern Sklave meines, besser „seines“ Unterstübchen, denn es scheint ja nicht zu mir bzw. meinem freien Willen zu gehören, aber zu wem denn dann? Bin ich nur „kultiviert“, weil ich durch Erziehung und die Bande der Gesellschaft für zivilisiert gehalten werde und fallen diese weg, verhalte ich mich dann wieder wie eine Wildsau? Eigentlich diskriminiere ich hier die Wildsau in Anbetracht der Schandtaten von Menschen z.B. in Kriegen. So würde sich eine Sau nun wirklich nicht verhalten! In der Tat spricht einiges dafür, dass wir (besonders Männer) einen Jagdtrieb in uns haben, der in bestimmten Situationen z.B. in Kriegen oder Kurzschlussaffekten wieder zu Tage tritt und uns in einen „Blutrausch“ versetzen kann. Da kann man(n) schon mal das Fürchten bekommen – auch vor sich selbst!
Ganz ehrlich, ich brauchte auch Zeit, mich mit den Erkenntnissen der modernen Hirnforschung anzufreunden. Eines ist jedoch klar: Dieses Wissen dient uns nur, wenn es uns hilft, unser eigenes Verhalten und das unserer Mitmenschen zu erklären. Ich glaube auch, dass wir unserem Unterstübchen lange nicht so ausgeliefert sind, wie behauptet wird, wenn wir genügend über uns wissen und achtsam sind.
Wenn ich vom Verstands(V-)hirn (Intellekt) spreche, meine ich den weitgehend bewusst arbeitenden Anteil unseres Großhirns. Spreche ich vom Gefühls(G-)hirn, meine ich die weitgehend unbewusst arbeitenden Anteile unseres Groß- und Zwischenhirns. Hier befindet sich der Wohnsitz unseres inneren Wollens bzw. Nicht-Wollens. Das G-Hirn regelt in großen Teilen unser Hormonsystem aber auch unser Immunsystem und vegetatives Nervensystem, das wiederum das Herz-Kreislauf- und Verdauungssystem mit reguliert. Auch ist in diesem Hirnbereich so etwas wie ein Akku für unsere Lebensenergie und Kreativität angesiedelt. Damit hat das G-Hirn eine ganz schöne Macht. Müssten wir uns selber bewusst um diese ganzen Systeme kümmern, kämen wir wohl zu nichts anderem mehr. Diese Schaltzentrale arbeitet nahezu vollautomatisch und somit eigentlich autark!
Das V-Hirn leistet „höhere“ Rechenoperationen, verarbeitet unsere Sinnesmuster und lässt sie uns bewusst werden (Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken). So sollen wir optisch nur 1% unserer Umwelt tatsächlich erfassen, unser Gehirn „ dichtet“ 99% dazu. Wir ergänzen Formen, Farben und ordnen räumlich ein. Schließlich haben wir Erfahrungen, wie etwas zu sein hat. Auch wenn wir mit unseren Sinnen nur einen Bruchteil über unsere Umgebung erfahren können, reicht unsere selbstgestrickte innere Welt doch offensichtlich aus, uns erfolgreich durch die äußere Welt zu manövrieren. Das V-Hirn steuert dabei unseren Körper auch bei Bewegungsabläufen, Kommunikation und Handlungen.
Das G-Hirn hingegen entscheidet - im wahrsten Sinn des Wortes - instinktiv, ob etwas gut oder schlecht für uns ist, ob wir etwas wollen oder nicht wollen und dies blitzschnell und unbewusst. Auf dieser Instinktachse spielt gerne die Werbung mit uns, macht uns an dem einen Ende Wohlgefühle oder dem anderen Angst, damit wir ein Produkt erwerben. Dieser Instinkt war jedoch in der freien Wildbahn, und unser Gehirn hat sich seit jener Zeit kaum verändert, überlebenswichtig! Mit diesen blitzschnellen Entscheidungen des G-Hirns sind Gefühle gekoppelt (z.B. Furcht bei Bedrohung), die uns in Handlungsbereitschaft versetzen, aber es werden auch archaische (Abwehr-)Programme unseres Körpers gestartet, ohne dass wir das wissen. So wird bei Bedrohung der Körper mit einer erhöhten Muskelspannung und einem angeregten Herzkreislaufsystem auf den Kampf oder die Flucht vorbereitet. Nur ist es in der heutigen Zeit schwierig geworden, wenn der Chef einem mit neuer Arbeit bedroht, mit ihm zu kämpfen oder gar wegzulaufen. Da wir die überschüssige Energie des Kampf- und Flucht-Programmes nicht mehr „abarbeiten“ können, zumindest nicht ohne Sanktionen zu erwarten, können sich mit der Zeit Stresssymptome einstellen. Wir kennen sie alle: z.B. verspannte Nackenmuskulatur (will da einer mit dem Kopf durch die Wand?), Herzklopfen und erhöhter Blutdruck, um nur einige zu nennen. Auch die Anfälligkeit gegenüber Infektionen gehört dazu, denn bei Kampf und Flucht hemmt das körpereigende Kortison (Cortisol) das Immunsystem, schützt uns also akut vor Infektionen und Entzündungen und stellt den Stoffwechsel auf die Belastung ein. Bei langfristigen Belastungen schlägt diese positive Wirkung in negative um, Infektanfälligkeit, Stoffwechselstörungen (erhöhte Zucker- und Cholesterinspiegel) und Herzkreislauferkrankungen sind die Folge.
Also, bei vermeintlicher Gefahr startet das G-Hirn blitzschnell die Programme, da es die Macht hat, alle notwendigen Systeme zu regulieren, um sowohl unseren Körper als auch unseren Geist gegen die Bedrohung zu richten! Das kann bis hin zu Symptomen der „Schreckstarre“ oder des „Sich-tot-Stellen“ reichen. Beides kennen wir aus dem Tierreich, wenn sich z. B. die Maus tot stellt und so der Katze entkommt. Langfristig drohen aber die Folgeerkrankungen (z.B. Herzinfarkt), wenn ich nicht lerne, die Zeichen der archaischen Lösungsversuche meines Gehirns mit den gestarteten (Abwehr-)Programmen, die mir mein Körper mit Symptomen anzeigt, zu lesen und gegenzusteuern! Das Symptom eines unspezifischen Schwindels könnte uns vor einem ungewissen Schritt warnen, denn es hat sich gezeigt, dass einige Primatenarten vor einem zu weit entfernten Ast durch das „Programm Schwindel“ gewarnt werden (Menschenaffen haben immerhin eine bis zu 99,4%ige genetische Verwandtschaft zum Menschen). So kann das Symptom „Naselaufen“ die Reaktion auf eine kalte Umgebungsluft sein, vielleicht weist es uns aber auch auf ein unterkühltes Betriebsklima hin? Gehen wir noch etwas weiter. Wenn ich Beklemmungsgefühle am Hals oder im Brustkorb spüre, sollte ich mich fragen, wer oder was schnürt mir in meiner Umgebung den Hals zu oder sitzt mir etwas oder jemand – symbolisch gesehen - auf dem Brustkorb. Will ich bei Asthma die „Verschmutzung“ meiner Umgebung nicht einatmen oder könnten meine Magen-Darmprobleme damit zusammenhängen, dass es das eine oder andere „Unverdauliche“ in meinem Leben gibt?
Mit anderen Worten: Jedes Lebewesen hat „gute“ Gründe für seine Symptome und sein Verhalten, auch wenn wir sie nicht immer gleich verstehen! Oft verstehen wir uns ja nicht einmal selbst. Ich hoffe, ich unterstelle Ihnen hier nichts?
Wie bitte? Ich bin nicht immer Herr meines eigenen Gehirns? Es laufen auch noch irgendwelche Programme in mir ab, die mich krank werden lassen können? Und das passiert auch noch überwiegend von mir unbemerkt? Im Moment weiß ich noch gar nicht, wie ich damit umgehen soll.
Nein, so negativ möchte ich das nicht sehen, denn immerhin können solche Programme unsere Reaktionen beschleunigen, sodass wir zunächst adäquat auf ein Stresssignal unserer Umwelt reagieren. Außerdem können wir jederzeit gegensteuern, wenn wir gelernt haben, unsere Symptome zu lesen! So hat das V- auf das G-Hirn durchaus einen steuernden Einfluss, denn es kann z.B. Ängste beherrschen und, soweit wir die ablaufenden Programme und ihre Ursachen verstanden haben, uns veranlassen, in eine andere Richtung zu denken, zu fühlen oder zu handeln. Als Beispiel nehme ich einmal die Arbeitsbelastung in Ihrem Betrieb. Sie sind eh bereits am Limit und dann kommt ihr Chef und will Ihnen den nächsten Job aufs Auge drücken. Wie fühlen Sie sich? Schlafen Sie seit Wochen schlecht? Grübeln Sie über die Arbeit nach, die Sie nicht mehr schaffen können? Leiden Sie unter zunehmenden Ängsten, Kopfschmerzen, dauernden Verspannungen und Ihr Arzt hat Sie auf Ihren erhöhten Blutdruck angesprochen? Was tun? Eins ist sicher, wenn Sie nun in dieser Situation verharren, wird es schlimmer! Sie sollten wissen, dass Ihre Bewertung des Vorfalls und Ihr Denken darüber Ihre Gefühle beeinflussen. Wie könnte nun die Lösung aussehen? Vielleicht indem Sie selber „Stopp“ sagen und sich daran erinnern, dass Sie da ein Zentrum im V-Hirn haben, das Ängste und andere negative Gefühle in Ihnen steuern kann. Als Erstes könnten Sie anerkennen, dass Ihr Chef aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mit böser Absicht gehandelt hat, sondern Sie als fähig und belastbar eingestuft hat und daher diesen Job nur Ihnen zukommen lassen wollte! Das war eine Auszeichnung, keine Anfeindung! Dann müssen Sie sich selber versprechen, dass Sie sich das Grübeln verbieten und wenn Sie sich dabei erwischen, sich mit etwas Angenehmen ablenken. Für mich ist Grübeln der „Staatsfeind Nr. 1“ der Psyche, es zersetzt sie förmlich! Dazu später mehr. Natürlich hat Ihr V-Hirn inzwischen die Symptome Kopfschmerz, Verspannungen und erhöhter Blutdruck als Stresssymptome identifiziert und Sie lassen nun mit Sport, Entspannung und Plausch mit Ihren Freunden ordentlich Druck aus Ihrem Kessel ab. Nun wissen Sie, Sie müssen nur noch mit dem Chef sprechen, sich bedanken für die Aufgabe, die er Ihnen zugedacht hat. Erklären Sie ihm, dass Sie auch weiterhin solche Herausforderungen von ihm übertragen bekommen möchten, dies ginge aber nur, wenn nicht auch das ganze Unwichtige an Ihnen hängen bliebe. Machen Sie ihm konstruktive Vorschläge, die sowohl in seinem und des Betriebs als auch in Ihrem Sinne sind. Letzteres lassen Sie natürlich nicht durchblicken! Sie werden sehen, es wird Ihnen bald besser gehen. Wenn nicht, schmeißen Sie das Buch in die Ecke und gehen Sie zu einem Arzt oder Psychotherapeuten, der Sie durch diese Situation „hindurchcoacht“.
Wie bitte? Oh man Doc, für wen soll ich mich jetzt entscheiden? Für „Ihre“ Couch mit Ihrem Buch in der Hand oder für die Couch eines Therapeuten, oder vielleicht für gar nichts? Ganz schön provokativ, diese Ansage. Das gefällt mir, denn jetzt haben Sie mich herausgefordert und mein Ehrgeiz hat mich gepackt. Wenn Sie mir jetzt noch verraten,
