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Kennen Sie Österreich? Vorsicht - der Schein trügt! Das beliebte Urlaubsland ist leider nicht das fröhliche, freundliche Alpenparadies, das seine Gäste unbefangen und mit unvoreingenommener Freundlichkeit begrüßt. Dieses Buch beschreibt die herrschende Situation in Österreich, wie sie der Autor selbst erlebt hat. Die Gründe für diese Verhältnisse in der Alpenrepublik werden ausführlich erklärt. Damit hält der Autor den österreichischen Leserinnen und Lesern einen Spiegel vor, der dazu führen soll, das eigene Verhalten, die eigenen Einstellungen zu überdenken und kritisch zu hinterfragen. Die "nicht-österreichischen" Leserinnen und Lesern werden aufgeklärt, wohin sie sich begeben, wenn sie Erholung und Freude in ihrem Urlaub suchen.
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Seitenzahl: 253
Veröffentlichungsjahr: 2022
Franz Albert Springer
Wie ein Pinguin in der Sahara
ÖSTERREICH – EIN EINBLICK
© 2022 Franz Albert Springer
Layout, Cover: Dr. Matthias Feldbaum, Augsburg
Coverabbildung: Alberto Andrei Rosu – Dreamstime.com
Verlag und Druck:tredition GmbH, Halenreie 40–44, 22359 Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-347-57891-3
E-Book:
978-3-347-57893-7
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Für Maria Guadalupe, die mir mit ihrem Verständnis,
ihrer Intelligenz und ihrer Liebe erst ermöglicht hat,
dieses Buch zu schreiben.
Inhalt
1. Die Gründe für die Entstehung dieser Arbeit
1.1 Die Notwendigkeit und Motivation, diese Zusammenfassung zu schreiben
1.2 Realistische Betrachtung der Situation
1.3 Die historischen Voraussetzungen für die Situation, wie sie sich heute darstellt
1.4 Die ethisch-moralische Zukunftsperspektive der Republik Österreich
2. Alltagserfahrungen
2.1 Selbstüberschätzung, Überheblichkeit und ein eklatanter Mangel an fachlichem Vermögen
2.1.1 Die wirtschaftlichen Folgen der Fehlbehandlung
2.1.2 Die physischen Folgen der Fehlbehandlung
2.1.3 Die psychischen Folgen der Fehlbehandlung
2.2 Die seltsamen Rechtsnormen in der Republik Österreich
2.2.1 Wenn Alter und vermutetes Vermögen in Widerstreit geraten
2.2.2 Wo Unrecht zu Recht wird – Wie in der Alpenrepublik kriminelle Handlungen legal durchgeführt werden können
2.2.3 Ich habe gelernt
2.3 Wo die Zivilcourage endet
2.3.1 Sich für Mitgeschöpfe einzusetzen ist gut – aber nur, solange man selbst nicht „in was hineingerät“
2.3.2 Wo das „Wegsehen“ zum elementaren Prinzip wird
2.4 Der Umgang mit geistigen Ressourcen in der Alpenrepublik
2.4.1 Wenn man älter wird, wird man auch dümmer – oder: die Ignoranz der Ignoranten
2.4.2 Der nächste Anlauf
2.5 Der in Österreich übliche Umgang mit anderslautenden Meinungen
2.5.1 Dreist, niveaulos und dumm – der eigenartige Humor in der Alpenrepublik
2.5.2 Nachbarschaftshilfe
2.5.3 Zukunftssicherung auf alpenländische Art
2.6 Der Mangel an Freundlichkeit und gutem Benehmen – oder: „Austria first“
2.6.1 „Freie Fahrt für freie Österreicher“ – oder: die Straße gehört mir
2.6.2 Wie ein Postamt als Statussymbol missbraucht wird
2.6.3 Was den Alltag erschwert
2.6.4 Wer glaubt, Macht zu haben, muss nicht unbedingt über Intelligenz verfügen
2.6.5 Überheblichkeit, Dummheit, Diskriminierung und Rassismus
2.7 Das Fehlen von Empathie, Mitgefühl und Verantwortung bei den katholischen „Schäfchen“ in der Alpenrepublik
2.7.1 Vorbemerkung
2.7.2 Ausgangslage
2.7.3 Wo beginnen Hilfe und Anteilnahme?
2.8 Leiden und leiden lassen – die Alpenrepublik und die sadomasochistische Mentalität vieler Österreicher
2.8.1 Die Machtdemonstration als Lebenselixier
2.8.2 Die gesellschaftlich vorgegebene „Hackordnung“
2.9 Relikte einer „Sklavenhaltergesellschaft“
2.9.1 Sind nur Österreicher Menschen?
2.10 Religiöser Fanatismus, Verschwörungstheorien und anderer Unsinn – die krude Gedankenwelt der Eiferer in der Alpenrepublik
2.11 Ein Land zum Wohlfühlen?
3. Berufliche Erfahrungen
3.1 Wie alles begann
3.1.1 Die Grenzen der Moral oder der Wolf im Schafspelz
3.1.2 Neugierde, mangelnde Distanz und fehlende Professionalität
3.2 Wie Verantwortung in der Alpenrepublik wahrgenommen wird
3.2.1 Was ist innovativ und förderungswürdig?
3.2.2 Wie man bedenkenlos betrügt und trotzdem nicht zum Ziel gelangt
3.2.3 Andere arbeiten lassen und selbst nichts tun – eine weitverbreitete „Tugend“ in der Alpenrepublik
3.2.4 Business as usual oder die Seriosität eines Juristen
3.2.5 Krankhafte Selbstüberschätzung oder wie eine schlechte Leistung „schöngeredet“ werden soll
3.2.6 Wenn Vorurteile bestätigt werden
3.2.7 Wenn die eigene Interessenvertretung die Arbeit verhindert
3.3 Das „Verbrechen“, älter zu werden
3.4 Legal – Illegal – sch…egal!
3.4.1 Wie man legal Menschen betrügt und wie dieses Verhalten auch noch gesellschaftliche Anerkennung erfährt
3.4.2 Ich habe gelernt – Zum Zweiten
3.5 Von Herrenmenschen und Untermenschen
3.5.1 Unglaubliches aus der Baubranche
3.5.2 Wie man es verhindert, von Nazis in Anspruch genommen zu werden
3.5.3 Die alpenländische Art, Wertschätzung und Dankbarkeit zu zeigen
3.6 Was in manchen Teilen Europas als unseriös empfunden wird, erfährt in der Alpenrepublik Wertschätzung
3.6.1 Dankbarkeit ist eine Zier oder wie man durch Ausnutzen jedes Vorteils zum Erfolg kommen will
3.6.2 Pseudotherapeuten und andere zweifelhafte Gestalten
3.7 Wenn der Sturm die Eiche fällt, rennen die Schweine, die unter ihr nach Eicheln gesucht haben, davon (Gaffer Swantholt)
3.7.1 Die Versicherungsagentur
3.7.2 Die Steuerberatungskanzlei
3.8 Die große Welt der kleinen Alpenrepublik
3.8.1 Wie man Karriere macht
3.8.2 Viel Lärm um nichts
3.9 Der geschäftliche Alltag in der Alpenrepublik
3.9.1 Der freundliche Chaot mit einem Hang zur Schlitzohrigkeit
3.9.2 Big Business made in Austria
3.9.3 Wo Probleme ausgesessen werden
3.9.4 Dienstleistungserfahrungen in der Alpenrepublik
3.9.5 Visionen
3.9.6 Menschliches und allzu Menschliches oder seltsame Menschen zeigen auch seltsames Verhalten
3.9.7 Die Verbindung von Habgier, Unfähigkeit, ein berechtigtes Anliegen durchzusetzen, und obrigkeitsgläubiger Feigheit
3.9.8 Unangebrachte, diskriminierende Arroganz, die dem Dienstleistungsgedanken Hohn spricht
3.10 Die österreichische Art, Probleme zu lösen
3.11 Fazit
4. Behördenerfahrungen
4.1 Gängelung, Diskriminierung und Ausgrenzung
4.1.1 Der von fehlender Fachkompetenz, von Arroganz und Mangel an Empathie geprägte Umgang mit österreichischen Behörden
4.1.2 Unheilvolle Parallelen
4.1.3 Als Ausländer in einem österreichischen Krankenhaus
4.1.4 Vor dem Gesetz sind alle gleich – Rechtsprechung in Österreich
4.2 Mehr Schein als Sein oder wie Inkompetenz, Unzuverlässigkeit und mangelndes Wissen kultiviert werden 233
4.2.1 Vorbemerkungen
4.2.2 Der ganz normale Wahnsinn
4.2.3 Der ganz normale Wahnsinn oder wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass
4.3 Die institutionalisierte Unmenschlichkeit und Feigheit in der Alpenrepublik
4.3.1 Die Anonymstrafverfügung – Teil 1
4.3.2 Die Anonymstrafverfügung – Teil 2
4.4 Hilfe, die doch keine ist
4.4.1 Die Institution
4.4.2 Inhaltliche Gestaltung und wie die Realität aussieht
5. Zusammenfassung
1. Die Gründe für die Entstehung dieser Arbeit
1.1. Die Notwendigkeit und Motivation, diese Zusammenfassung zu schreiben
In vielen Ländern Europas habe ich gelebt und gelehrt und ich dachte, dass Misstrauen, Vorurteile und Diskriminierung in den Staaten der EU weitgehend der Vergangenheit angehören. Nirgendwo wurde ich als unerwünschter Ausländer behandelt, nirgendwo wurde ich mit Vorurteilen konfrontiert und überall war eine Integration selbstverständlich.
Viele Jahre lebte ich in dem Bewusstsein, dass ein vereintes Europa nun Realität geworden ist oder doch zumindest sich eine deutliche Entwicklung dazu abzeichnet.
Mit meiner Ankunft in der Republik Österreich wurde ich allerdings eines Besseren oder, in diesem Fall, eines Schlechteren belehrt.
Eine nicht im Entferntesten erwartete Welle der Ablehnung, des Hasses, der Gängelung, der Ausgrenzung, der Diskriminierung, des Rassenhasses schlug mir sowohl im privaten Bereich als auch in meinem beruflichen Umfeld entgegen.
Die Anfeindungen im beruflichen Bereich waren und sind so stark, dass es mir kaum mehr möglich ist, meinem Beruf nachzugehen.
Die oft unglaublichen, abstrusen, mit Hass und Ablehnung getränkten Geschichten, die ich in der Alpenrepublik sowohl als Privatmann als auch als selbstständiger Unternehmer erlebt habe, die allumfassende „Unanständigkeit einer Gesellschaft“, die weitgehend auf Lug und Betrug aufgebaut ist, und die unangenehme Vetternwirtschaft, die diese Gesellschaft in allen Bereichen beherrscht, möchte ich im Nachfolgenden darstellen. Wobei ich von meinen individuellen Erlebnissen auf die Gesellschaft der Alpenrepublik schließe und so quasi vom Speziellen zum Allgemeinen komme.
Mir erscheint es notwendig, „Ross und Reiter“ zu nennen und einer morbiden, unehrlichen, verlogenen Gesellschaft die Maske der Wohlanständigkeit und der Biederkeit vom Gesicht zu reißen.
Natürlich bin ich mir bewusst, dass meine Schilderungen und Rückschlüsse auf meinen subjektiven Erfahrungen beruhen. Andere Menschen, die die „Kunst“ der Unterwerfung, der Anpassung um jeden Preis, der Selbstverleugnung und der Aufgabe der eigenen Persönlichkeit beherrschen, mögen andere Erfahrungen gemacht haben.
In diesem Zusammenhang führe ich einen Ausspruch an, den Thomas Bernhard einem seiner Protagonisten im Drama „Heldenplatz“ (erschienen 1988; Uraufführung am 04.11.1988 in Wien) in den Mund legt: „In Österreich muss man entweder katholisch oder Nationalsozialist sein, etwas anderes geht nicht!“
Dieses zutreffende Zitat möchte ich dahingehend ergänzen, indem ich feststelle, dass es in dieser Gesellschaft von Vorteil ist, beides, Nationalsozialist und Katholik, zu sein, denn zwischen beiden Geisteshaltungen besteht eine Art von konspirativer Beziehung. Die österreichische Form des Rassismus lässt sich gar nicht ohne eine starke Einbindung in den Katholizismus denken.
War es denn nicht der aus Graz stammende Bischof Alois Hudal, der in seinen Schriften die Verbindung von Nationalsozialismus und Katholizismus beschrieb und euphorisch pries?
Der gleiche Bischof Hudal, der nach Ende des Zweiten Weltkriegs zusammen mit Kranoslav Draganovic ein Mitbegründer der „Rattenlinie“ war, auf der viele Nazi-Kriegsverbrecher der gerechten Strafe entkommen konnten.
Dieser Alois Hudal, der gleichsam ein Sinnbild für die geistige Haltung des österreichischen Katholizismus dem Nationalsozialismus gegenüber darstellte, versuchte in seinem Hauptwerk, die Gemeinsamkeiten in den Zielen des Nationalsozialismus und der katholischen Kirche, vor allem in der Herstellung einer illiberalen und antiinternationalen Ordnung, aufzuzeigen.
Sein Versuch der Schaffung einer Symbiose zwischen Katholizismus und Nationalsozialismus fiel, vor allem beim Klerus in der Alpenrepublik, auf fruchtbaren Boden.
Hauptaugenmerk seiner kruden Lehre war ein hasserfüllter Antibolschewismus – damit leistete er dem nationalsozialistischen Bild des „slawischen Untermenschen“ Vorschub.
Seinen Einsatz in der Fluchthilfe für Kriegsverbrecher bezeichnete er, seiner eigenen Logik folgend, auch „einen caritativen Akt der Nächstenliebe“.
Ein katholisch inspirierter Rassismus, verbunden mit dem Bewusstsein, der „Herrenrasse“ anzugehören, ist die Grundlage dessen, was man als prägende Sozialisation in der Alpenrepublik feststellen kann. Österreich, Antisemitismus und Rassenhass sind untrennbar miteinander verbunden.
1.2. Realistische Betrachtung der Situation
Natürlich bin ich mir der Tatsache durchaus bewusst, dass die Beschreibung meiner subjektiven Erfahrungen und die Analyse, warum dieses seltsame Verhalten vor allem in der Alpenrepublik zu beobachten ist, nichts oder doch nur sehr wenig bewirken kann. Dass sich die österreichische Gesellschaft nicht in eine tolerante, offene Gesellschaft verwandelt (dazu hatte sie nun 75 Jahre Zeit und hat es nicht geschafft), erscheint vorhersehbar.
Grundsätzlich führe ich die bestehenden Gesellschaftsstrukturen und das Selbstverständnis der meisten Menschen in der Alpenrepublik darauf zurück, dass es die Republik Österreich versäumt hat, sich zu ihrer historischen Schuld zu bekennen.
Immer noch wird vom Leiden des „Opili“ in Stalingrad gesprochen, ohne nachzufragen, was das „Opili“ eigentlich in Russland verloren hatte und was es vorher bei seinem Zug durch die UdSSR so alles getan hat (Teilnahme an Massenerschießungen der jüdischen Bevölkerung, Mord an der Zivilbevölkerung, Erschießungen von Gefangenen, Plünderungen, Vergewaltigungen und viele weitere Kriegsverbrechen).
Die meisten Österreicher fühlen sich bis zum heutigen Tag als erste Opfer des Nationalsozialismus und verkennen dabei ganz, dass es einer von ihnen war, der die Welt in Brand gesetzt hat, und dass nicht wenige seiner Mittäter aus Österreich stammten.
In seinem Schreiben an die österreichische Bundesregierung stellte Simon Wiesenthal 1966 fest, „… dass Österreich einen Bevölkerungsanteil von 8,5 % im Großdeutschen Reich hatte.“1
Helene Maimann schreibt außerdem, dass „… der Anteil von Österreichern in der SS 14 % (!) betrug und damit extrem hoch war. Noch auffallender sind, mit einem Anteil von 40 %, die Zahlen der an Kriegsverbrechen Beteiligten Österreicher.“2
Die Österreicher sind nicht mehr oder weniger Opfer wie die Deutschen und nicht mehr oder weniger Täter wie die Deutschen, nur hat sich die Bundesrepublik Deutschland zu dieser historischen Schuld bekannt. In Österreich bevorzugt man das, was zur zweiten Natur der Menschen in der Alpenrepublik geworden ist: die Verdrängung und das „Schönreden“.
Aber eben so wenig, wie es „ein bisschen schwanger“ gibt, gibt es „ein bisschen Schuld an dem unglaublichen und bis dahin unvorstellbaren Massenmord“. Es ist durchaus ein Zeichen von Feigheit und Verantwortungslosigkeit, zu versuchen, sich aus dieser Schuld „herauswinden“ zu wollen.
Auch mag das schwache Bildungsniveau der Menschen in der Alpenrepublik dafür verantwortlich sein, dass sich das als Dunning-Kruger-Effekt bezeichnete Phänomen vor allem in Österreich feststellen lässt.
Der Dunning-Kruger-Effekt bezeichnet die kognitive Verzerrung im Selbstverständnis inkompetenter Menschen, das eigene Wissen zu überschätzen. Diese Neigung beruht vor allem auf der Unfähigkeit, sich selbst mittels Metakognition objektiv beurteilen zu können, und erklärt auch die häufig vorhandene Selbstüberschätzung und Überhöhung der Öster-reicher.
Vor diesem Hintergrund ist es auch erklärlich, dass sich viele Menschen in der Alpenrepublik immer noch als „Herrenmenschen“ fühlen (und sich so verhalten) und dass weiterhin latenter Rassismus herrscht. Zwischenzeitlich sind die geistigen Erben dieser Kriegsverbrecher wieder in der Mitte der österreichischen Gesellschaft angekommen und können ungestraft ihre „völkischen“ Parolen und, vor allem, ihr faschistisches, rassistisches Gedankengut verbreiten.
Wie sehr sich das Bewusstsein, einer bevorzugten „Herrenrasse“ anzugehören, im Unbewussten der Österreicher verfestigt hat, mag der sicher nicht mit rassistischer Absicht getätigte Ausspruch des österreichischen Innenministers Karl Nehammer, den dieser anlässlich eines Terroranschlags in Wien am 02.11.2020 gemacht hat, anzeigen. „Wer einen von uns angreift, greift alle an!“
Es ist davon auszugehen, dass der Begriff „einen von uns“ sich ausschließlich auf Österreicher bezieht und Menschen anderer Nationalität ausschließt.
Ich möchte Nehammer keine böse Absicht oder gar Rassismus unterstellen, denn er hat diese emotionale Äußerung sicher in bester, beruhigender Absicht getätigt. Dass diese Äußerung von seinen österreichischen Landsleuten als Akt der Solidarität und als Beruhigung aufgefasst wird, ist zwar schön, aber Menschen, die nicht diesem auserwählten Volk angehören, empfinden bei diesem Ausspruch durchaus etwas wie Bedrohung und Ausgrenzung.
Auf welchem „Nährboden“ sich das heutige, österreichische Selbstverständnis entwickeln konnte, beschreibt Carl Zuckmayer in seinen „Anschlussschilderungen“ (Wien nach der Machtübernahme der Nazis) treffend.
„Die Luft war von einem unablässigen, gellenden, wüsten, hysterischen Gekreische erfüllt, aus Männer- und Weiberkehlen, das tage- und nächtelang weiterschrillte. Und alle Menschen verloren ihr Gesicht, glichen verzerrten Fratzen: die einen in Angst, die anderen in Lüge, andere in wildem, hasserfüllten Triumph … Was hier entfesselt wurde, war der Aufstand des Neids, der Missgunst, der Verbitterung, der blinden, böswilligen Rachsucht – und alle anderen Stimmen waren zum Schweigen verurteilt …“3
Es wäre deshalb mehr als vermessen von mir, wenn ich mir anmaßte, etwas mit meinen Aufzeichnungen und Beobachtungen verändern zu können. Die Alpenrepublik wird immer ein von Katholizismus und faschistischem Gedankengut geprägter autoritärer Staat, in dem es demokratisch anmutende Institutionen, zum Schein, gibt, bleiben.
Selbsterkenntnis, Reue und Schuldeingeständnis gehören nicht zum Verhaltensrepertoire der Menschen in der Alpenrepublik.
Das Bemühen, aus Österreich eine freiheitliche, tolerante Demokratie zu machen, würde dem Versuch, die Quadratur des Kreises zu erstellen, gleichen.
Freiheit, Demokratie und Österreich, das scheint nicht zusammenzupassen.
„Es gibt kaum eine österreichische Familie, die in der engsten Verwandtschaft nicht mindestens einen Nazi hat …“4
Dazu passen auch die Zahlen über rassistisch motivierte Straftaten im Jahr 2019 in der Republik Österreich.
In diesem „Zwergstaat“ ereigneten sich im Jahr 2019 immerhin 1.950 erfasste rassistisch motivierte Straftaten, wobei davon auszugehen ist, dass es eine hohe Dunkelziffer nicht erfasster Straftaten gibt,5 denn gerade in der Alpenrepublik ist das Prinzip der drei Affen (nichts sehen, nichts hören, nichts sagen) weitverbreitet.
1.3. Die historischen Voraussetzungen für die Situation, wie sie sich heute darstellt
Dass die Alpenrepublik ein Land ist, in dem großes Misstrauen herrscht, ist fast greifbar. Werte wie Offenheit, Ehrlichkeit und gegenseitiges Vertrauen sind eher unterrepräsentiert, und das Zusammenleben gestaltet sich so oft etwas mühsam.
Zwar herrscht eine vordergründige Freundlichkeit in „Gottes eigenem Land“, aber diese Freundlichkeit schlägt sofort um, wenn es darum geht, einen Vorteil zu erlangen, einen Mitmenschen zu übervorteilen, einen Mitmenschen bei der Obrigkeit anzuzeigen. Und diese Freundlichkeit schließt Menschen anderer Nationalitäten meist aus.
In der Republik Österreich, die sich gern als erstes Opfer des Nationalsozialismus generiert, ist der Nationalsozialismus noch keinesfalls überwunden, sondern latent in der Gesellschaft vorhanden.
Mit der Verdrängung der Mitschuld an einem unvorstellbaren Verbrechen, wie es der Zweite Weltkrieg darstellt, gelingt zwar eine Negierung, aber die Tatsachen, dass Österreich, genauso wie Deutschland, in die scheußlichen Verbrechen der Nazis involviert war, lässt sich nun einmal nicht leugnen.
Trotzdem darf in der Alpenrepublik nicht sein, was nicht ins Bild des sauberen, fröhlichen Österreichers passt.
So werden denn auch Dinge totgeschwiegen, die sich ereignet haben und bei deren Bewältigung sich die Rechtsorgane der Republik Österreich keineswegs mit Ruhm bedeckt haben.
Nach Abschluss des Staatsvertrages ließ die UdSSR über 100 österreichische Kriegsverbrecher unter der Auflage heimkehren, dass ihnen in Österreich der Prozess gemacht werde. Fast alle Heimkehrer wurden jedoch begnadigt – ordentliche Verfahren wurden nur gegen 3 eröffnet. Diese waren:
- Leopold Mitas, Schutzpolizei-Kommandeur im Getto Borislaw (Ukraine), wurde zu lebenslanger Haft verurteilt – aber schon nach zwei Jahren begnadigt.
- Mitas-Gehilfe Heinrich Poll bekam 20 Jahre, wurde aber nach einem Jahr freigelassen.
- Mitas-Gehilfe Gabriel bekam lebenslänglich.
Ende der 50er-Jahre lösten deutsche NS-Prozesse Ermittlungen gegen etwa Tausend Österreicher aus, aber die Ermittlungen kamen kaum voran – nur wenige aufgespürte Kriegsverbrecher wurden inhaftiert.
Gottfried Meir, Kompanieführer in der Leibstandarte SS „Adolf Hitler“, von Italienern zu lebenslanger Haft verurteilt, weil unter seinem Kommando am Lago Maggiore eine jüdische Familie erschossen und in einer Zentralheizung verbrannt worden war, ist Schuldirektor in Kärnten (der Bericht wurde 1966 verfasst).
Sieben Deutsche, die am Lago Maggiore Juden ermordeten, sind hingegen in der Bundesrepublik Deutschland inhaftiert. 30 zum Teil einflussreiche Angehörige des Auschwitz-Wachpersonals, darunter drei Lagerärzte, leben im glücklichen Österreich ungestört.6
Um eine unbelastete Gesellschaft zu gestalten, wäre es dringend notwendig, sich zu der Mitschuld an dem größten Verbrechen der Menschheit zu bekennen.
Eine Aufarbeitung tut not, denn nur so können menschliche Werte in eine Gesellschaft integriert werden, die diese dringend notwendig hat.
In der Gesellschaft der Alpenrepublik ist zwischenzeitlich, wie ich schon ausführte, der Faschismus in der Mitte der Gesellschaft angekommen und feiert fröhliche Urstände.
Die meist bildungsfernen Bevölkerungsschichten der Alpenrepublik tendieren dazu, rechtspopulistische Politiker zu bevorzugen. Dies hat wiederum zur Folge, dass dieses kleine, unbedeutende Land in der EU mit den menschenverachtenden Ansichten für Furore sorgt und dazu beiträgt, dass Europa kein menschliches Gesicht zeigt.
Ein unbedeutender Kleinstaat hält mit seinen ebenso schändlichen „Bundesgenossen“ Europa in Geiselhaft und blockiert die Menschlichkeit.
Im Gegensatz zur Bundesrepublik Deutschland, die, angestoßen durch die 68er-Revolution, sich mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit auseinandergesetzt und sich zu ihrer historischen Schuld bekannt hat, ist dergleichen in Österreich nicht im gleichen Umfang geschehen, sieht man einmal von der Entschuldigung des damaligen österreichischen Bundeskanzklers Vranitzky vom Juni 1993 ab. Dabei waren es auch Österreicher, die an diesem gigantischen Verbrechen einen nicht unerheblichen Anteil hatten.
Man vergisst schnell in der Alpenrepublik, vor allem vergisst man Dinge, die unangenehm sind und die die betuliche Selbstgefälligkeit der Österreicher stören könnten.
Statt aus der Geschichten Lehren zu ziehen, wird alles sorgsam relativiert, verharmlost und totgeschwiegen. Eine Bewusstseinsänderung ist jedenfalls nicht erkennbar
Das Gegenteil ist der Fall. Die geistigen Nachfahren dieser Naziverbrecher dominieren das öffentliche Leben der Alpenrepublik, sind in öffentlichen Ämtern zu finden, sind als Richter und Staatsanwälte ebenso präsent wie als Lehrer in den Schulen, und betreiben eine menschenverachtende Politik.
Solange nicht die Selbstreinigungskräfte einer sich regenerierenden Gesellschaft wirken, wird es in der Alpenrepublik weder zu einem Nachdenken, geschweige denn zu Veränderungen kommen. Die Republik Österreich ist auf dem besten Weg, zum Nordkorea Europas zu mutieren.
Wo Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung, Rassismus und Nationalismus herrschen, kann niemals ein friedliches Miteinander vorhanden sein.
Die Angst der meisten Österreicher besteht in der Vorstellung, dass die Alpenrepublik überfremdet würde. Die Angst, zur Minderheit im eigene Land zu werden, gepaart mit einem unbeschreiblichen Minderwertigkeitskomplex, führt dazu, dass die Menschen in Österreich sehr empfänglich für „falsche Propheten“ sind.
Die durch Sozialisation erworbene Obrigkeitsgläubigkeit und die autoritären Strukturen in der Alpenrepublik hindern jede kritische Auseinandersetzung mit der Umwelt, machen einen objektiven Zugang zu den Problemen der Menschheit nahezu unmöglich. Die meisten Österreicher sind nicht dazu fähig, die Welt aus einem umfassenden Blickwinkel zu betrachten, sondern sie betrachten die Welt immer nur aus der beschränkten Sicht von Bürgern eines unbedeutenden Zwergstaates.
Unangenehme Tatsachen werden „zurechtgebogen“ und relativiert, historische Wahrheiten bis zur Unkenntlichkeit umgestaltet. So ist es denn auch nicht verwunderlich, dass das österreichische Denken aus Adolf Hitler einen Deutschen und aus Ludwig van Beethoven einen Österreicher gemacht hat.
In den Jahrmillionen ihres Bestehens sind auf der Erde schon unzählige Tierarten ausgestorben und niemand beweint, beispielsweise, das Aussterben der Saurier. Das Aussterben dieser Gattung wird als evolutionsgeschichtliche Tatsache zur Kenntnis genommen. Wie überheblich und ignorant muss man sein, wenn man der Ansicht ist, das Aussterben der Österreicher wäre von irgendwelcher Bedeutung für den Weltenlauf.
1.4. Die ethisch-moralische Zukunftsperspektive der Republik Österreich
Die gegenwärtige Situation in der Alpenrepublik erlaubt keinen allzu optimistischen Blick in die Zukunft. Hat doch die jüngste Vergangenheit gezeigt, dass in Österreich eine retardierende Entwicklung eingesetzt hat und dass sich der überwiegende Teil der Bevölkerung auf alte, in diesem Fall aber keine guten, Werte besinnt.
Als Indiz für diese Entwicklung mögen die Aussagen dienen, die Efraim Zuroff in einem Interview mit dem „Standard“ getätigt hat.
Unter anderem stellt Zuroff fest, dass bei der strafrechtlichen Verfolgung lebender NS-Täter Deutschland und Österreich immer weiter auseinanderdriften. Österreichs Umgang mit den Tätern sei absolut idiotisch. Bisher habe Österreich alles versucht, um die strafrechtliche Verfolgung der Nazitäter zu verhindern.7
Der Mitte des vorigen Jahrhunderts überwunden geglaubte Rassismus feiert wieder „fröhliche Auferstehung“ und der Rassismus ist auch in die Hirne der Bewohner der Alpenrepublik zurückgekehrt. Es wird Ab- und Ausgrenzung praktiziert und die Republik Österreich ist Lichtjahre von einer freien, toleranten Gesellschaft entfernt.
In der Politik feiern „völkische Brunnenvergifter“ Triumphe und gewisse Politiker sprechen von „konzentrierter Unterbringung“ von bestimmten Straftätern.
Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bevölkerung der Alpenrepublik folgt diesen dumpfen „Hetzern“. Vor allem die bildungsfernen und bildungsresistenten Bevölkerungsschichten, von denen es in der Alpenrepublik zu Genüge, dank des erbarmungswürdigen Bildungssystems, gibt, zählen zu der Anhängerschaft dieser Politiker, die nur die allerniedrigsten Instinkte ansprechen.
Für das, was in der Alpenrepublik so alles toleriert wird, mag der Ort Bleiburg in Kärnten als Synonym dienen.
In Bleiburg findet ein jährliches Treffen von Rechtsextremisten statt, die dort des sogenannten Massakers von Bleiburg gedenken, den faschistischen Ustascha-Milizen huldigen und Ante Pavelić, der einer der übelsten Massenmörder der europäischen Geschichte war, huldigen.
Dies alles geschieht, wenn schon nicht mit ausdrücklicher Billigung, so doch mit stillschweigender Duldung der Republik Österreich.
Man fragt sich unwillkürlich, warum solche skandalösen Dinge in der Republik Österreich möglich sind.8
Außerdem fragt man sich, wie die katholische Kirche der Alpenrepublik zu solchen Dingen steht.
Einen Aufschrei der Empörung durch den Klerus habe ich bislang noch nicht vernommen. Kann es sein, dass dieser „Aufschrei“ unterbleibt, weil Ante Pavelić sehr eng mit der katholischen Kirche verbunden war?
Es wird zwischen österreichischen „Herrenmenschen“ und ausländischen „Untermenschen“ unterschieden, die bigotte, heuchlerische katholische Kirche hat nach wie vor eine Bedeutung im Alltag inne, die ihr gar nicht zusteht. Das Rechtswesen hat einen traurigen Tiefpunkt erreicht und eine „verfilzte“ Oberschicht schanzt sich die lohnenden Geschäfte gegenseitig zu.
Der Zwergstaat Österreich blockiert mit seiner rückwärtsgewandten Politik die Weiterentwicklung Europas. Werte wie Menschlichkeit, Anstand, Hilfsbereitschaft, Toleranz, Empathie und Anständigkeit sind kaum mehr vorhanden.
Österreich ist kein Ort, an dem man sich wohlfühlen und die Luft der Freiheit atmen kann.
Auf absehbare Zeit sehe ich keine Chance auf eine Änderung der bestehenden Verhältnisse in Österreich.
Dieser negative Trend hat seine Ursachen auch darin, dass, wie bereits von mir erwähnt, das österreichische Bildungswesen erschreckend schwach ist. In der Alpenrepublik ersetzt oft die Einbildung die tatsächliche Bildung – oder wie ist es sonst zu erklären, dass mir, im Jahr 2020, eine österreichische Maturantin, mit treuherzigem Augenaufschlag und etwas verschämt, erklärte, noch nie etwas in ihrem Leben von Shakespeare gehört zu haben. Allein diese Tatsache lässt den Schluss zu, dass die schulische Ausbildung in Österreich, die in der Alpenrepublik von sogenannten Professorinnen und Professoren vorgenommen wird, deren Bildung und Ausbildung im Vergleich zu ihren Kolleginnen und Kollegen im übrigen Europa sehr mangelhaft ist (in Wahrheit besteht dieser Personenkreis aus normalen Lehrern und so werden sie auch im übrigen Europa bezeichnet – nur im „titelgeilen“ Österreich wird aus einem Volksschullehrer ein Professor). Dies wiederum bedingt, dass das allgemeine Bildungsniveau in der Alpenrepublik sich auf einem erschreckend niedrigen Niveau eingependelt hat und keine Vergleiche zu den übrigen EU-Staaten standhält.
Der verschwindend geringen geistigen Elite steht ein Heer von bildungsfernen und bildungsresistenten Bürgern gegenüber, dem daran gelegen ist, seine primitiven Bedürfnisse, wenn möglich, auf Kosten „rassefremder“ Menschen zu befriedigen.
Meine Ausführungen und Erkenntnisse lassen sich durch die Studie, die Günther Rathner von der Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck erstellt hat, belegen.
Als Messinstrument diente bei dieser Studie eine sogenannte „Ausländerablehnungsskala“.
Hiernach zeigt die Hälfte der Österreicher Tendenzen zur Fremdenfeindlichkeit.
Gefragt wurde etwa danach, ob Ausländer sich dem Lebensstil in Österreich anpassen müssen oder ob sie das Land verlassen sollten, wenn die Arbeitsplätze knapp werden.
Nach dieser Skala ist die Ablehnung von Ausländern bei
- 11% sehr niedrig, bei
- 15% niedrig,
- 26% zeigten sich neutral,
- 22% zeigten hohe und
- 26% eine sehr hohe Ablehnung von Ausländern9
Zu dieser Erkenntnis kommt auch die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI), die Österreich eine zunehmende Islam- und Fremdenfeindlichkeit attestiert. Die Äußerungen der rechtspopulistischen FPÖ würden dabei besonders hervorstechen …10
Wir sollten uns an den Gedanken gewöhnen, mittelfristig die Alpenrepublik aus dem Kreis der freien und demokratischen Staaten Europas verabschieden zu müssen.
Man mag diese Tatsache bedauern, aber auf der anderen Seite ist ein Selbstreinigungsprozess unbedingt notwendig. Es sollte nicht der Fehler gemacht werden, sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, was Demokratie, Menschenrechte und Meinungsfreiheit betrifft, zu einigen.
1 vgl. Simon Wiesenthal, Dokumentationszentrum des Bundes jüdischer Verfolgter des Naziregimes an die Österreichische Bundesregierung, 1966
2 vgl. Helene Maimann: Vergangenheit, die nicht vergeht. NS-Herrschaft in Österreich 1938-1945, in Günter Düriegl/Gerbert Frodl (Hrsg.): Das Neue Österreich, Wien 2005, S. 19-87
3 vgl. Carl Zuckmayer: Als wär's ein Stück von mir. Erinnerungen, New York 1966, S. 61ff
4 vgl. "Der Spiegel" vom 10.01.1966
5 vgl. "Der Spiegel" vom 10.01.1966
6 vgl. Efraim Zuroff, Interview mit dem "Standard"
7 vgl. Efraim Zuroff, Interview mit dem "Standard"
8 vgl. ZARA Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit (Quelle)
9 Zeit ONLINE, dpa vom 02.06.2020
10 vgl. Günther Rathner: Studie Fremdenfeindlichkeit und ihre Ursachen, 2001, Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
2. Alltagserfahrungen
2.1. Selbstüberschätzung, Überheblichkeit und ein eklatanter Mangel an fachlichem Vermögen
Mit den Rechtsanwälten in der Alpenrepublik verhält es sich wie mit den österreichischen Fußballspielern.
Beide Berufsgruppen erwecken den Eindruck, als gehörten sie zu den „Auserwählten dieser Erde“, was jedoch in keiner Weise zutrifft.
Die Fußballprofis der ersten österreichischen Liga, die ein geradezu erbärmliches Niveau aufweist, führen sich auf, als wären sie einem Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo gleichgestellt – unabhängig von dem Honorar, das sie beziehen.
Anspruch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander. Wenn man sich der Tatsache bewusst wird, dass die meisten Fußballprofis in der ersten Liga Österreichs ein Salär beziehen, für das sich nicht einmal der letzte Ergänzungsspieler in der dritten deutschen Liga die Schuhe zubinden würde, müsste man lachen, wenn es nicht gar so traurig wäre.
Ebenso ist es mit den Rechtsanwälten, wobei es mitunter Ausnahmen geben kann, die ich aber leider nicht kenne.
Wie sich der Umgang mit Anwälten in der realen Welt der Alpenrepublik gestaltet, versuche ich, im nachfolgenden Teil darzustellen.
In einem anderen Teil meiner Aufzeichnungen berichte ich von dem sogenannten „Mordversuch“, dem ich im Landeskrankenhaus Graz ausgesetzt war.
Um nun die Folgen dieser Attacke auf „Leib und Leben“ physisch, psychisch und wirtschaftlich zu verarbeiten, begann ich, sobald mir dies möglich war, aktiv zu werden.
2.1.1. Die wirtschaftlichen Folgen der Fehlbehandlung
Durch meinen Krankenhausaufenthalt und meine relativ lange Zeit der Rekonvaleszenz war ich über vier Monate daran gehindert, Einkommen zu generieren, was für mich als Selbstständigen eine extreme Existenzbedrohung darstellte.
Nicht nur, dass ich einen Umsatzrückgang (bei gleichbleibenden Kosten) von ca. 40.000,00 € zu verzeichnen hatte. Ich wurde auch noch von der Abrechnungsstelle des Landeskrankenhauses mit einer Rechnung konfrontiert, die die 20.000,00-€-Grenze erheblich überschritt.
Dieses mehr als schamlose Vorgehen erscheint typisch für die Alpenrepublik und erinnert mich daran, wie während der Zeit der Nazidiktatur in Deutschland und Österreich die Angehörigen hingerichteter Widerstandskämpfer auch eine Rechnung von irgendeinem Reichsamt erhielten, verbunden mit der Aufforderung, die Kosten der Hinrichtung, die im Übrigen detailliert aufgelistet waren, zu begleichen.
Es gab also genügend Gründe, um sich juristischen Rat einzuholen und gegebenenfalls gegen die Klinik Schadenersatzansprüche geltend zu machen.
Nun gibt es, der Streit- und Prozesslust der österreichischen Bevölkerung geschuldet, beinahe an jeder Hausecke eine Rechtsanwaltskanzlei, die ihre Dienste anbietet.
Meine Aufgabe bestand jetzt darin, aus einer Vielzahl von Anwälten einen Spezialisten für Medizinrecht herauszufiltern und mit diesem den schwierigen Fall anzugehen.
Die einschlägigen Kanzleien in Graz wollten den Fall nicht so gern übernehmen, weil sie sich von einem Streit mit dem mächtigen Landeskrankenhaus nur persönliche Nachteile versprachen (was durchaus der Mentalität der Menschen in der Alpenrepublik entspricht), aber zum Schluss fand ich eine Anwältin, die als ausgesprochene Spezialistin für Medizinrecht gilt, über einen hohen Bekanntheitsgrad und die dadurch entsprechende Medienpräsenz verfügt und die bereit war, den Fall zu übernehmen.
Also begab ich mich zu diesem „glamour girl“ der Juristerei, um ein Erstgespräch zu führen, und schilderte den Fall.
Die freundliche Anwältin war bereit, mich zu vertreten, und schlug mir vor, 15.000,00 € an Schadenersatzforderungen (einschließlich Schmerzensgeld) geltend zu machen.
Ich widersprach heftig, denn ich habe bleibende Schäden durch die Falschbehandlung zurückbehalten, hatte Todesangst und hatte/habe immer noch heftige Schmerzen. Außerdem gab es ja noch den Verdienstausfall von mindestens 40.000,00 €, den ich durch die „segensreiche Tätigkeit“ des Landeskrankenhauses zu verkraften hatte.
So einigten wir uns auf einen Betrag in Höhe von 40.000,00 €, der geltend gemacht werden sollte.
Was nun ablief, war das übliche Prozedere: Anfrage bei der Rechtsschutzversicherung, Erhalt der Deckungszusage (bei einer Eigenbeteiligung von 1.100,00 €) und ein Aufforderungsschreiben der Anwältin an das Krankenhaus, die geforderten 40.000,00 € zu bezahlen.
Dann geschah beinahe ein Jahr nichts mehr!
Offenbar wartete die Anwältin darauf, dass ich die 1.100,00 € Selbstbehalt bezahlen würde (zwischenzeitlich konnte ich mich mit der Rechtsschutzversicherung dahingehend einigen, dass mein Selbstbehalt nur noch 650,00 € betragen solle).
Die Summe von 650,00 € nahm die Anwältin, teilte mir allerdings bei einem Fall mit einem Streitwert von 40.000,00 € nicht mit, dass nichts geschieht.
Ist es mir da zu verdenken, dass ich mich nicht so besonders gut aufgehoben und vertreten fühlte?
Nach einem Jahr sah ich mich genötigt, einen Anwaltswechsel durchzuführen und dabei darauf zu dringen, dass gegen das Landeskrankenhaus eine Forderung in Höhe von 60.000,00 € geltend gemacht wird.
Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Sache entwickelt.
Vor Gericht und auf Hoher See ist man in Gottes Hand (vor allem in der Alpenrepublik).
2.1.2. Die physischen Folgen der Fehlbehandlung
An den Folgen des „segensreichen Wirkens“ der Ärzte im Landeskrankenhaus leide ich noch heute, beinahe zwei Jahre nach meinem Krankenhausaufenthalt. Nach wie vor habe ich extreme Schmerzen, bin in meiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt, leide unter Herz- und Kreislaufbeschwerden und unter Schlaflosigkeit.
Dies alles hat dazu geführt, dass ich hin und wieder einen Arzt aufsuchen muss. Und auch bei diesen Arztbesuchen erlebe ich Dinge, die ich mir nicht einmal in meinen schlimmsten Alpträumen ausgemalt hätte.
So wird mir regelmäßig, in der typisch fatalistischen, obrigkeitshörigen Art der Alpenrepublikaner, erklärt, ich solle mich mit meinen Dauerschmerzen abfinden. Und überhaupt sei ich schon 67 Jahre alt – andere Menschen würden in diesem Alter bereits ihre Pension genießen (wie soll ich etwas genießen, wenn ich Schmerzen habe?).
