Wie es endet - Michèle Minelli - E-Book

Wie es endet E-Book

Michèle Minelli

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Beschreibung

Während eines Wochenendes will eine kleine Familie im Luxus-Chalet in den Bergen das nachholen, was schon lange fehlt: gemeinsame Zeit. Der Filmcutter Thierry, die Schauspielerin Vanessa und Evie, deren fünfjährige Tochter, brauchen eine Auszeit. Schlittenfahren, Schneemannbauen, das sind die Pläne für die Tage im geräumigen Chalet. Doch Thierry arbeitet auch, er will unbedingt über eine Stelle im Film nachdenken, den er zurzeit schneidet: eine Dokumentation über die »Theorie von allem«. In den Urlaubsalltag brechen kleine, verstörende Augenblicke. Der Moment, als Thierry bemerkt, dass er von anderen Spaziergängern beim Spielen mit Evie befremdlich angeschaut wird, oder die erschreckende Erkenntnis in einer schneereichen Nacht, dass er den ausgeschilderten Schlittelweg längst verlassen haben muss. Auch die Anrufe seines Chefs, des Filmproduzenten Chris, reißen den Protagonisten aus der fragilen Sicherheit seiner Realitätsempfindung. Bis schließlich Chris in der Hotellobby vor ihm steht und in Thierry alles zusammenbricht, was sich sein Gehirn aufgebaut hat. Bis klar wird, wo es geendet hat, sein Leben, wie es einst war.

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Seitenzahl: 119

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Michèle Minelli

Wie es endet

Verlag und Autorin danken der Kulturstiftung des Kantons Thurgau für die Unterstützung dieser Publikation.

Michèle Minelli

Wie es endet

Roman

lectorbooks GmbH, Zürich

[email protected]

www.lectorbooks.com

Umschlagbild: Bide Cui

Buchgestaltung: Fabian Frey, Samara Keller, Christian Knöpfel

Lektorat: Kristina Wengorz

1. Auflage 2024

© 2024, lectorbooks GmbH

Alle Rechte vorbehalten

ISBN 978-3-906913-47-6

Für Jermaine. Und Peter. Immer wieder neu.

Inhalt

(Freitag)

(Freitagnacht)

(Samstag)

(Samstagnacht)

(Sonntagmorgen)

(Sonntagabend)

(Sonntagnacht)

(Montag)

(Montagmittag)

(Montagnachmittag)

Zur Autorin

(Freitag)

Vanessa und Evie drängen vor mir in den Aufzug. Evie kichert, und Vanessa tippt ihr mahnend an die Schulter. Die Sporttasche in Vanessas Armbeuge schaukelt bedenklich, ich nehme sie ihr vorsichtshalber ab.

Die Grübchen in Vanessas Wangen.

Ihr Blick zu Evie hinunter.

Die beiden Türhälften gleiten auseinander. Mit betont bedeutungsloser Miene betreten wir die Empfangshalle. Weitläufiger Boden, künstlicher Duft nach Arven, vereinzelte Palmen, ein Flügel, eine leicht erhöhte Bar. Dort hinten. Die Rezeption ein hellblau beleuchtetes gewundenes Band.

Ich stelle mich in die kurze Reihe, drei Gäste vor uns: ein Mann mit dunkelblauem Sakko, das über seinem muskulösen Rücken spannt, eine Frau im Pelz und ein Mann mit großem Gepäck.

Drei junge Damen hinter der Rezeption. Die eine tippt die Daten des sportlichen Sakko-Herrn ein, die beiden anderen sind etwas abseits mit einem Telefonat beschäftigt, die braunhaarige spricht, und die jüngere hört mit großen Augen zu.

Ich mache einen Schritt zur Seite und lausche mit einem Ohr.

»Ach so. Ja klar, gern. Bereit? Also: Roy Harold Scherer …«

Mein Handy vibriert, ich wechsle die Sporttasche in die andere Hand; weg von der Vibration.

»… nein, nur mit einem R, Scherer. Issur Danielowitsch, was? Kennen Sie nicht? Na gut, dann wären da noch Sahabzade Irrfan Ali Khan …« Die Brünette, die eine große Brille trägt, unterdrückt einen Lacher.

Es geht einen Schritt voran. Vanessa führt Evie weg. Ich schaue den beiden nach. Vanessa, wie sie mit lässiger Arroganz durch die Lobby schlendert, die Lampen, die neben ihrem Licht dumpf aussehen, und Evie, die kleine Kerze, die der Mutter folgt.

Niemand kann sich so frei und selbstbewusst in einen Sessel plumpsen lassen wie Vanessa. Lässig hebt sie ihre Haare im Nacken an und lässt sie mit einem »Puh« fallen. Sie fließen ihr schwarz über den Rücken. Ich würde mein Gesicht jetzt gern genau dort hinlegen, wo kurz vorher noch ihre Finger waren, meine Wange in ihren Nacken schmiegen, der immer heiß ist und ein bisschen feucht, ganz egal, ob Winter oder Sommer, und der erregend riecht und vertraut.

Ihre Stimme, als Evie auf ihren Schoß springt.

Evies Kindermund, der sich bewegt, unentwegt.

Vanessas Gesicht der Decke zugewandt, ihr Kopf im Nacken, wie sie beide Arme auf die Lehnen legt.

Evies Staunen über die Schneeflocken, die draußen in der Dunkelheit hell aufleuchten, wenn sie die Lichtkegel der Zwergenfackelleuchten passieren.

Die größeren Fackelleuchten neben den jungen Tännchen, die den Weg markieren, den wir demnächst gehen werden.

Evies Finger, die genau dorthin zeigen, in die Dunkelheit, und dann Vanessas Blick zu mir, voll von Liebe und Vertrauen, immer noch. Wir schaffen das.

Immer noch.

Augenblicklich fällt alle Anspannung von mir ab.

Die Stimme der Rezeptionistin fragt die Frau im Pelz, was sie Gutes für sie tun könne, eine Massage buchen, einen Besuch im Hamam vielleicht? Der Mann vor mir riecht nach langer Reise und nach zu viel Aftershave. Ungeduldig wechselt er sein Standbein. Die Frau im Pelz will nichts, und der Mann macht einen Schritt vor, ich genieße den Abstand, der entsteht.

Als drüben die Braunhaarige »Ennio Morricone« sagt, drückt sich die Jüngere neben ihr, vielleicht eine Auszubildende, die Hand vor den Mund. »Der Komponist, ja, genau der. Und dann, wie alle Jahre: Grace Patricia Kelly, nein, nicht die Kelly Family … ja, Monaco. … Wie meinen Sie?« Beide, die Braune mit der Brille und die Jüngere schauen sich an, die Braune nickt befriedigt, und wie ich den Eindruck habe, jetzt auch ein bisschen genervt, ihre Augenbrauen wandern in die Höhe. Als hätte sie nichts anderes erwartet, verabschiedet sie sich höflich und legt auf.

Ihr Blick trifft mich unvorbereitet.

»Bitte«, sagt sie, und als ich zögere, winkt sie mich zu sich hinüber.

Zwischen ihren Vorderzähnen blitzt ein Edelstein. Mit professionell abgestimmten Bewegungen nimmt sie meine Kreditkarte entgegen, vergleicht sie mit der Reservierung und tippt ein paar Daten ein.

»Willkommen im Blue Mountain Resort, Herr Schoenaerts. Schön, Sie zu unseren Gästen zählen zu dürfen. Chalet Stardust ist für Sie vorbereitet. Sagen Sie, was können wir Gutes für Sie tun?« Ihr Blick ist konzentriert.

Wie geht es Ihnen? Können wir reden?

»Ennio Morricone?«

Sie stutzt; dann: »Ah, das!« Sie lacht amüsiert. »Die von der Journalistenschule sollten sich mal neue Rechercheaufgaben für ihre Studierenden ausdenken.«

Sie wartet auf etwas, vielleicht auf mein wissendes Nicken, aber ich verstehe nicht.

»Ich kenne das aus eigener Erfahrung, ich habe diese Schule auch einmal besucht«, sagt sie. »Dort zwang man uns zu telefonischen Live-Recherchen, bei denen wir sogenannte unmögliche Dinge herausfinden sollten, egal wie. Besitzerinnen von Postfächern auf dem Postamt zum Beispiel. Privatvermögen. Die Größe eines Swimmingpools einer Poplegende. Oder eben wie hier: einer Rezeptionsangestellten in einem Luxusresort die Gästeliste aus dem Kreuz leiern.« Wieder lacht sie, und ihr Diamant blitzt feucht auf.

Schräg hinter mir nehme ich eine Bewegung wahr, Vanessa und Evie sind aufgestanden.

»Dann lese ich denen die bürgerlichen Namen von verstorbenen Stars runter. Irgendwann merken sie’s.« Sie hält kurz inne, dann sagt sie sehr rasch: »Spätestens, wenn ich bei Charles Spencer Chaplin ankomme oder bei Norma Jean Baker.«

Die Jüngere neben ihr schaut erschrocken von mir zu ihr, als sich die Sporttasche an meinem Arm bewegt. Das Gesicht der Brünetten wird wieder professionell, konzentriert.

»Keine Sorge, Herr Schoenaerts, wir geben die Daten unserer Gäste nicht heraus. Haben Sie sonst noch einen Wunsch?«

»Hackfleisch? Roh?«

Erneut wirft die Jüngere der Älteren einen fragenden Blick zu.

Die nickt ihr zu und flüstert: »Schreib’s auf.« Und zu mir gewandt: »Tatar?«

»Tatar. Jeden Abend um sechs.«

Die Jüngere schreibt.

»Heute Abend auch schon?«, fragt mich die Brünette, während ihr Zeigefinger kurz ihre Armbanduhr berührt.

»Nein, heute nicht«, und bevor sie weiterfragen kann, füge ich an: »Das wär’s. Wir haben alles.«

»Fein. Ihr Gepäck dürfte bereits im Chalet Stardust sein. Unser Concierge begleitet Sie dann hinauf, Herr Schoenaerts.«

»Nicht nötig. Wir kennen den Weg, danke.«

Ich nicke Vanessa zu, sie greift Evies Hand, tritt zu mir hin, und zu dritt gehen wir nach draußen.

Hinter meinem Rücken höre ich, wie die Jüngere zur Älteren sagt: »Mensch, das war er also, nicht wahr? Der Mann von der … Tanner?«

Die Frische der Luft schlägt mir ins Gesicht. Wir waren elf Stunden mit unserem Wagen unterwegs, der jetzt in der Tiefgarage des Hotels am Strom hängt und tauenden Schnee von sich tropfen lässt.

Vanessa neben mir sagt genießerisch: »Aah. Es ist ein Traum.«

Dass die Luft in den Bergen so kalt, so dünn und so schneidend ist, vergesse ich immer wieder. Aber Vanessa hakt sich freudvoll bei mir ein, und ich umarme sie innig.

»Nein, Evie, warte, bis wir in unserem Chalet sind.«

Nur widerwillig lässt unsere Tochter den Henkel der Sporttasche los. Um uns zur Eile anzutreiben – die lange Fahrt war eine einzige Strapaze für sie –, rennt sie nun leise schimpfend voraus.

Der Schnee unter unseren Füßen knirscht, als Vanessa und ich von Lichtkegel zu Lichtkegel gehen, als wär’s der Weg zum Altar. Über uns die Sterne.

Die Sterne.

Evie, das Blumenmädchen, voraus. Bei der Weggabelung schaut sie über ihre Schulter.

»Links hoch, das Letzte ganz oben neben den schiefen Bäumen.«

Evie stöhnt und galoppiert weiter.

Die sechs Aufrechten. Diesen Namen hat Vanessa den Bäumen gegeben, die windschief, zerzaust, aber doch ehern am oberen Ende des Weges stehen, zwischen zwei Stämmen jeweils eine steil aufgerichtete Riesenfackel. Ich weiß nicht, was für Bäume das sind, ich habe vergessen nachzufragen. Ihre Rinde ist grob, markant, ihre Gestalt verbogen, aber hartnäckig, sie haben etwas Erhabenes bei aller Schrägheit. Als ob sie ausharren würden, egal, was da kommt.

Vanessas Körper strahlt Wärme ab. Ich will sie immer so bei mir haben, genau so. Neben mir. Flankiert von diesen lebensstarken Bäumen.

»Du bringst jeden Raum ins Gleichgewicht.«

»Von was für einem Raum sprichst du?«

Ich antworte nicht.

»Thierry, Evie wartet.«

Widerwillig lasse ich Vanessa aus meiner Umarmung, aber auch ihr Blick auf die Sporttasche gibt ihr recht, es rüttelt schon mächtig in ihr, also setze ich meine Beine wieder in Bewegung und gehe mit meiner Frau die letzten Meter hoch bis vor unser Chalet.

Oben angekommen, greifen fünf kleine Finger nach meiner Hand. Ich stelle die Sporttasche ab, damit ich die andere Hand frei habe, um aufzuschließen. Die Sporttasche lebt jetzt, die Katze muss raus.

Evies schwerer Schnaufer, als ich die Tür aufstoße.

Der Moment, in dem sie meine Hand loslässt und ein neues Reich betritt.

Unser Chalet ist ein zweistöckiges Holzhaus, das vollständig aus Naturmaterialien gefertigt ist. Keine chemischen Stoffe. Kein Leim, keine Nägel. Nur Holzdübel durchdringen die massiven Holzbalkenwände und festigen die Konstruktion.

Mit unseren ersten Schritten ins Innere des Chalets gehen das Licht und der großflächige Bildschirm an: Willkommen, Thierry Schoenaerts! Wir wünschen Ihnen einen schönen Aufenthalt, ist oberhalb eines digitalen Kaminfeuers zu lesen. Vanessa stellt den Bildschirm aus.

»Endlich. Davon haben wir immer nur gesprochen, Thierry. Evie ist auch glücklich, schau nur! Wir haben so etwas zu lange nicht mehr gemacht.«

Evie kniet auf dem dunklen Holzboden und zieht sehr vorsichtig den Reißverschluss der Sporttasche auf. Als nichts geschieht, schaut sie zu uns auf.

Vanessa lässt sich neben ihr in die Knie sinken. »Komm, Pusspuss-prr, komm, Pizza. Na, komm du.«

Der Kater streckt seine rosa Nase aus der Tasche. Ungläubig schaut er sich um. Aus unserem Gepäck hole ich die Wasserschale, die Futterschale und das Trockenfutter heraus.

Die Küche ist genau wie auf den Bildern: lang, hell und offen, eine massive hölzerne Küchenzeile in L-Form, die den Kochbereich vom zwei Stufen tiefer gelegenen Wohnzimmer abtrennt. Ich stelle das Futter in den Winkel, den das L bildet, und fülle Wasser auf. Das Geräusch, das der Strahl macht, als er im Chromstahlbecken auftrifft.

Es war Evies Bedingung, dass wir Pizza mitnehmen. Ich weiß, sie hätte sonst die ganze Fahrt über Theater gemacht, und keiner dieser wenigen Tage wäre glücklich gewesen. Seit wir ihn haben, geht sie nirgends mehr hin ohne ihren Kater. Nicht ohne Geschrei.

»Du hast da deinen weichen Punkt«, sagt Vanessa dazu. Aber ich verstehe Evie. Ich kann sie verstehen. Mir geht es ähnlich. Ich bin ein zu nachgiebiger Vater.

Ich beobachte, wie Vanessa die Obstschale kurzerhand zum Katzenklo umfunktioniert und sie hinten im Durchgang zum unteren Bad platziert.

Wir gehen durch die Räume. Im zweiten Stock wartet eine großzügige Terrasse, die nach Südosten ausgerichtet ist.

»Wollen wir mal schauen, was sie dieses Jahr mit der Terrasse gemacht haben?«, höre ich Vanessa fragen, als sie die Flügeltür aufstößt.

Ein Blick zurück, die offenen Treppen hinunter zu Evie, sagt mir, dass sie nicht mit uns raufkommen wird. Sie und Pizza erkunden die Wohnlandschaft. Drei Schritte und ich bin neben Vanessa.

Ihr Duft in meiner Nase.

Meine Hand greift nach ihr, aber sie ist schneller und lachend tritt sie hinaus. Ihre schwarzen Haare fallen locker über ihre Schultern.

Das Blue Mountain Resort ist eine Hotelanlage mit einem massiven Hauptbau und fünf einzeln stehenden Luxus-Chalets auf einem weitläufigen Gelände, einem Hochplateau in den Bergen. Vanessa und ich haben das Chalet Stardust, Sternenstaub, gebucht. Zweihundertdreißig Quadratmeter, drei Schlafzimmer, drei Bäder, zwei Küchen, ein Fitnessraum, ein Spielraum, ein Spiegelzimmer, ein Kuschelalkoven, ein Balkon und die große Terrasse, über der sich der gesamte Sternenhimmel weitet. Seit ich die Aufnahmen dieses Chalets für einen Film, in dem Vanessa gespielt hat, geschnitten habe, haben wir immer mal wieder davon gesprochen, es irgendwann privat auszuprobieren. Als Familie. Vanessa war damals noch frisch mit Evie schwanger. Sie hat mir vom Jacuzzi auf der Terrasse erzählt und gesagt, dass sie einmal mit mir darin baden wolle, bis unsere Haut weiß und runzlig ist.

»Wirst du alt mit mir?«, hatte sie mich gefragt. »Willst du?«

Sechs Jahre ist das her. Und jetzt kommt also auch Pizza in den Genuss sorgenbefreiter Tage, der Kater, der alles mit sich machen lässt. Von unten höre ich Evie auf ihn einreden wie eine Lehrerin. Ihre Sätze, die auf der Schlusssilbe einen Ton höher enden, wenn sie rückversichernd »Ja?« zu ihrem Kater sagt.

Vanessa geht über die Terrasse in den Abend. Lautlos gehe ich ihr nach und will sie von hinten umarmen, aber sie dreht sich um und drückt sich in meine Umarmung hinein.

»Thierry, das ist so schön hier.«

Meine Nase in ihrem Haar.

Ihre Brust an meiner.

»Dass du das möglich gemacht hast, dass wir tatsächlich hier sind …«

Ihr Duft in meiner Nase, Moleküle von ihr in mir.

Ich drücke meine Frau an mich. Als ich die Augen wieder öffne, sehe ich verschleiert, dass da unbestritten ein Jacuzzi ist.

»Wirst du alt mit mir?«, fragt sie mich.

Ich halte sie ein Stückchen von mir weg, gerade so weit, dass ich in ihre dunklen Augen sinken kann: »Danke, dass du mitgekommen bist. Du und Evie, dass ihr bei mir seid, jetzt.«

»Wie«, kommt ihre Antwort leicht verzögert, »könnte ich nicht?«

Ich halte sie fest und fester.

»Au«, sagt sie lachend, »du tust mir weh. Tu mir nicht weh.«

»Das könnte ich nie.«

Sie entwindet sich meinem Gefängnis aus Armen, Händen, bebender Brust, und sofort wird es ein paar Grad kälter. Ein Lufthauch weht, nur leicht, nur gerade so viel, dass sich ein paar zarte Strähnen von ihren Haaren lösen und im Wind schweben. Bis zur Mitte ihres Rückens reicht ihr schweres schwarzes Haar, daran würde sie jeder immer und überall erkennen, zu ihr hineilen und ein Autogramm von ihr wollen; nur hier sind sie zurückhaltend, diskret.

»Ich finde, sie hätte dich dennoch begrüßen können«, sage ich, »die Rezeptionistin.«

Vanessa dreht sich um: »Ach was, ich war mit Evie beschäftigt, da hätte es mich nur gestört, Small Talk zu machen.«

Über die Jurte auf der Terrasse sprechen wir nicht, als wir Hand in Hand zurück ins Innere des Chalets und hinunter zu Evie gehen.

Jedes Jahr dekoriert das Blue Mountain Resort die Terrassen seiner Luxus-Chalets neu. Dieses Jahr sind offenbar Jurten und der Himmel über der Steppe das Thema.