Wie warmer Sommerregen auf deiner Haut - Rhiana Corbin - E-Book

Wie warmer Sommerregen auf deiner Haut E-Book

Rhiana Corbin

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Beschreibung

Elli ist von Beruf Bibliothekarin und hoffnungslos romantisch. Sie lebt im beschaulichen Cape Elizabeth, an der Küste von Maine. Seit Jahren liest sie immer wieder dasselbe Buch, weil die gezeichnete Figur des Protagonisten ihr Herz höher schlagen lässt. Eines Tages findet sie in dem Buch, das sie sich immer wieder ausleiht, einen Brief, in dem sie Johann, der Protagonist, um Hilfe bittet. Er will sich aus dem Buch befreien, weil er unbedingt Elli kennenlernen möchte. Ihre Freundin Helena hält sie für verrückt, bis die nächste Nachricht auftaucht. Als dann noch Jo auftaucht, der Johann zum Verwechseln ähnelt, gerät Ellis Welt vollkommen aus den Fugen. Verliert sie den Verstand oder steckt etwas ganz anderes dahinter? Das Buch ist ein Kurzroman und Einzeltitel, abgeschlossen ohne Cliffhanger.

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Seitenzahl: 92

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Wie warmer Sommerregen auf deiner Haut

Rhiana Corbin

Inhalt

Zitat

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Danksagung

Leseprobe

Deutsche Erstausgabe

Copyright © 2019, Rhiana Corbin

Alle Rechte vorbehalten

Nachdruck, auch auszugsweise,

nur mit Genehmigung

1. Auflage

Covergestaltung: Andrea Wölk

Unter Verwendung folgender Fotos:

© Thomas Vogel by Getty Images

© oneinchpunch by shutterstock

Rhiana Corbin c/o Andrea Wölk,

Lutherstr. 16, 46414 Rhede

www.mybooklove.de

Zitat

Leben ist, das was passiert, während du beschäftigt bist, andere Pläne zu machen.

(John Lennon)

Kapitel 1

Sanft berühre ich die Buchrücken in der Abteilung Romantik. Ich gebe zu, dass ich jedes dieser Bücher mindestens einmal gelesen habe. Auch wenn Helena, meine Arbeitskollegin und beste Freundin, mich für verrückt erklärt. Aber ich liebe sie nun mal – die Liebe. Ich bin verrückt nach ihr, eine Suchende, eine immerwährend Glaubende an das große Glück.

Laut seufzend ziehe ich ein bestimmtes Buch aus dem Regal. Das in der Mitte steht, unter dem Buchstaben H, wie Hoffmann.

Wenn dir Flügel wachsen.

Es ist das Buch, das mein Leben verändert hat. Noch nie war ich vorher von einer Romanfigur so gefesselt, wie von Johann Assmussen, dem Protagonisten dieser Geschichte. Diese Beharrlichkeit, mit der Johann seiner Liebsten, Anna Beernbruck, zu Leibe rückt, um sie letztendlich zu erobern, hat mich schwer an die Romane von Jane Austen und Thomas Hardy erinnert, doch deren Figuren reichen bei Weitem nicht an Johann Assmussen heran. Obwohl ich Johann wirklich einmal fragen möchte, was er an Anna findet. Auf mich wirkt sie eingebildet, zickig und altklug. Sie schaut hochnäsig auf ihn herab und trotzdem gibt er nicht auf. Stellt sich gegen ihren Vater, findet Wege, um ihr nahe zu sein. Hach ... würde es solche Männer doch nur heute noch geben!

»Na, schwelgst du schon wieder in deinen Büchern?« Die neckende Stimme meiner Freundin Helena reißt mich aus meinen Gedanken und ich ziehe das Buch aus dem Regal.

»Du müsstest es einmal lesen, es ist so wundervoll. Er ist so wundervoll«, schwärme ich ihr vor.

»Wer? Hast du etwa jemanden kennengelernt?« Helena schaut mich mit ihren schönen braunen Augen an, die mit lustigen Sprenkeln durchwoben sind.

»Nein, natürlich nicht. Ich spreche von Johann Assmussen. Ich verstehe einfach nicht, warum du dich weigerst, dieses Buch zu lesen.«

»Ich stehe nicht auf historische Schinken. Das weißt du doch. Wenn es wenigstens ein Fantasyroman wäre.« Helena hebt die Schultern und verdreht die Augen.

»Na gut, dann leihe ich es mir eben wieder aus.«

»Das wievielte Mal ist es jetzt, bis zu schon bei fünfundzwanzig angekommen? Vielleicht bekommst du von der Oberzicke ein silbernes Abzeichen für eine Jubiläumsausleihung.« Helena grinst breit und schaut durch die Regale zum Empfang, an der unsere Abteilungsleiterin sitzt und mit Argusaugen darauf achtet, dass wir auch fleißig arbeiten. Wir können es gar nicht abwarten, ab übermorgen geht sie für zwei Wochen in Urlaub und dann hat die Sklaventreiberei ein wenig Pause.

»Miss Jenkins und Miss Chaplin, sind Sie bereit? Wir öffnen in zwei Minuten«, dringt ihre unangenehme Stimme vom Empfang herüber.

Wir schauen uns genervt an.

»Die tut ja gerade so, als würde man uns hier die Tür einrennen. Dabei werden doch immer mehr Bücher als eBooks ausgeliehen. Mal schauen, ob die Zicke noch ihre Rente erreicht, bevor wir hier dichtmachen, weil niemand mehr eine Bibliothek besucht.«

Ich stoße Helena mit dem Ellenbogen in die Rippen. »Sei nicht so pessimistisch. Bücher werden immer gelesen. Nichts kann das Gefühl des Papiers ersetzen, wenn du eine Seite umblätterst, nichts riecht wie ein Buch, das du frisch auspackst ...«

»Elli, ist ja schon gut. Dein Wort in Gottes Gehörgang, sonst sitzen wir beiden bestimmt bald auf der Straße, denn bis zu unserer Rente sind es mindestens noch vierzig Jahre.«

Ich nicke ihr zu und überlege. Sie hat recht. Noch vierzig Jahre, in denen ich Zeit habe, einen Mann wie Johann Assmussen zu finden. Das müsste machbar sein.

Kapitel 2

»Fräulein Anna, würden Sie mir die Freude bereiten, Sie am nächsten Sonntag besuchen zu dürfen? Ich würde natürlich zuerst Ihren Vater um Erlaubnis bitten.«

»Warum tun Sie es dann nicht?«

So eine Zicke. Was findet Johann nur an dieser Anna, die nichts weiter kann, als schnippische Erwiderungen vom Stapel zu lassen? Das würde ich den Autor gerne fragen, doch er ist leider 1978 verstorben. Dummerweise hat er auch nur dieses eine Buch geschrieben. Wie schade eigentlich. Ich hätte gerne mehr von ihm gelesen, aber gegen den Tod ist nun mal jeder machtlos. Ich besorge mir einen Bleistift, Härtegrad 2H, damit er sehr fein schreibt und kaum zu sehen ist. Was findest Du an Anna?, schreibe ich mit feinen schlanken Buchstaben an den Rand. Es ist nur eine von vielen Fragen, die mir immer wieder durch den Kopf gehen, während ich das Buch zum neunundzwanzigsten Mal lese. Helena liegt gar nicht so falsch. Schnell folgt die zweite Frage: Warum hast Du Dich von diesem alkoholkranken Vater nicht einschüchtern lassen?

Unglaublich, dieser Mann, der Annas Stiefvater ist. Ein ewig betrunkener Raufbold, dem es jedoch nicht gelingt, Johann in die Flucht zu schlagen.

Warum nimmst Du in Kauf, bei einem Duell getötet zu werden, nur um Annas Gunst zu erlangen? Selbst als Anna Dich öffentlich demütigt, bleibst Du ihr treu ergeben. Warum?

Es folgt noch eine Vielzahl von Fragen, bis ich das Buch schließe. Ich darf nur nicht vergessen, die Fragen morgen wieder auszuradieren, bevor ich das Buch zurück ins Regal stelle. Unsere Zicke würde einen Anfall bekommen. Die Nacht ist schon fast zu Ende, als ich das Licht lösche, schon weit nach vier Uhr morgens. Zum Glück habe ich morgen die Spätschicht von drei Uhr nachmittags bis sieben Uhr abends. Das werde ich doch wohl hinbekommen.

Es ist unglaublich, aber wahr. Ich verschlafe. Um halb drei werde ich wach, löse mich aus einem schönen Traum, in dem Johann um meine Hand angehalten hat. Dieser gut aussehende Mann, mit blauen Augen wie das Meer an einem stürmischen Tag, schwarzen langen Haaren, die er zu einem Zopf gebunden trägt. Einem Grübchen auf der rechten Wange, das man nur erkennt, wenn er lächelt ... lächelt, bevor er mich küsst. Ich spüre diesen Kuss auf meinen Lippen und mein Herz macht einen Sprung, als wolle es meine Brust verlassen.

Mein Blick fällt auf meinen Wecker auf dem Nachttisch, halb drei. Oh Gott, ich komme zu spät und die Zicke wird ausrasten.

Ich putze schnell die Zähne, wasche mich, und raffe meine braunes langes Haar zu einem Zopf zusammen, schlüpfe in frische Klamotten und rausche mit meinem kleinen Mini Richtung Bibliothek.

»Sie sind zu spät!« Die Zicke steht am Empfang und schaut auf ihre Armbanduhr. Ich könnte schwören, sie wippt mit dem Fuß ungeduldig auf dem Boden.

»Ja, aber nur fünf Minuten.« Ich tue dieses Malheur mit einem Wink ab.

»Beeilen Sie sich, Elli. Ich brauche Sie am Ausleihschalter.«

Ich mache Dampf, meine Sachen zu verstauen und sehe zu, dass ich hinter den Schalter komme.

»Guten Tag. Ich habe vor einiger Zeit ein Buch vorbestellt. Ist es schon wieder hereingekommen?«

Ich blicke auf und erstarre. Ich schaue in zwei dunkelblaue Augen, deren Farbe mich an das Meer an einem stürmischen Tag erinnert. Sein schwarzes Haar trägt er bis auf die Schultern, und als er mich anlächelt, tritt ein Grübchen auf seine Wange. Seine rechte Wange.

»Hi, mein Name ist Jo.« Er hält mir die Hand entgegen und ich ergreife sie automatisch.

»Hi Jo! Mein Name ist Anna ... ähm ... nein, quatsch ... Elli, mein Name ist Elli.« Ich fasse es nicht. Dieser Mann bringt mich total aus dem Konzept und ich räuspere mich verlegen.

»Elli, ein sehr schöner Name.« Er hält immer noch meine Hand, als wären wir alte Bekannte. Seine Haut ist warm und angenehm. Die Berührung prickelt auf eine sehr wohlige Art und Weise. Ich habe meine Gefühle kaum noch unter Kontrolle.

»Ist Jo vielleicht die Abkürzung von Johann?«, frage ich zaghaft. Oh, bitte, lass ihn ja sagen.

»John, eigentlich heiße ich John, aber alle nennen mich nur Jo.«

Wäre ja auch zu schön gewesen. Ich sollte diesen Tagtraum beenden. Männer tauchten nicht einfach so aus Büchern auf. Ich muss innerlich über mich selbst lachen, reiße mich aber zusammen. »Oh, gut. Was kann ich für Sie tun?« Ich muss aus meiner Bewunderungsschleife heraus, damit das hier nicht noch peinlicher wird.

»Ich habe ein Buch reserviert und wollte fragen, ob es schon abgegeben wurde.«

»Wann waren Sie denn hier?«, frage ich verwundert.

»Ich war nicht hier, sondern habe es online reserviert«, erklärt er mit einem Lächeln auf den Lippen. Er sieht wirklich hinreißend aus. Die schwarzen Wimpern umrahmen seine schönen Augen.

»Wie ist denn der Titel des Buches?« Ich gehe hinüber zu dem Computer, in dem alle Informationen gespeichert sind. Ganz professionell und ich bin mächtig stolz auf mich.

»Hermann Hesse Today. Es ist die englische Ausgabe.«

Ich gebe den Titel ein und sehe, dass es noch nicht wieder zurückgegeben wurde. »Tut mir leid, es ist noch ausgeliehen, kommt aber in den nächsten Tagen bestimmt zurück.« Ich schaue nach und sehe, dass es von Jo Hoffmann reserviert wurde. Hoffmann? Kann das jetzt alles ein Zufall sein, oder träume ich noch? Unsicher schaue ich wieder auf diesen gut aussehenden Typen, der bestimmt eine Menge Frauenherzen höher schlagen lässt.

»Na, dann kann man nichts machen. Ich schaue mich noch ein wenig um.« Er zwinkert mir zu und läuft in die Anglistikabteilung.

Hoffmann? Da fällt mir wieder ein, dass ich Wenn dir Flügel wachsen noch ins Regal zurückstellen muss, bevor die Oberzicke mich erwischt.

Ich ziehe meine Tasche unter dem Tisch hervor und nehme das Buch zur Hand. Schnell laufe ich Richtung Romantik und schiebe das Buch an seinen angestammten Platz in der Reihe H.

»Frau Chaplin! Ich brauche Ihre Hilfe!«, tönt es durch die Halle, dabei sollen wir doch nur flüstern, damit die Lesenden nicht gestört werden. Doch diese Regel scheint nicht für alle zu gelten.

»Oberzicke!«, murmele ich leise und verdrehe die Augen. Erst dann nehme ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahr.

Dieser Jo Hoffman sitzt an einem der Tische und macht sich Notizen. Er hat mich wohl beobachtet, denn er grinst mich verschwörerisch an und verschließt mit einer Geste seinen Mund und wirft den imaginären Schlüssel über seine Schulter. Verlegen schaue ich zu Boden und laufe zum Empfang, bevor die Zicke noch einen Anfall bekommt. Mein Gott, wie peinlich! Dabei renne ich fast Mr. Sweeney über den Haufen, einer unserer ältesten Besucher.

Kapitel 3

»Hier, Würmchen, fang auf!« Helena wirft mir eine Dose zu, die ich im letzten Moment greifen kann.

Neugierig schaue ich auf das Etikett.

Schaumwein!

»Aus der Dose?«, frage ich ungläubig. »Das ist aber nicht sehr stilvoll.«

»Egal!« Helena winkt ab. »Heute ist unser erster Tag ohne die Oberzicke, das müssen wir feiern.« Sie öffnet ihre Dose und trinkt einen Schluck. »Auf die nächsten vierzehn Tage.« Sie stößt mit mir an und lacht befreit. »Los, komm schon, trink einen Schluck.«