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Eine leidenschaftliche Jägerin hat ihr Hobby zum Beruf gemacht: Als Eigentümerin einer Firma, die exklusive Jagdreisen organisiert, begleitet sie ihre Kunden als Jagdleiterin. In ihrem Buch erzählt sie von ihrem Faible für die Jagd von Kindheit an. Sie ist Mitpächterin in ihrem Heimatrevier in Niederösterreich, liebt aber auch die Jagd in den Bergen. Hauptsächlich schildert sie jedoch die Meilensteine ihrer persönlichen jagdlichen Auslandserfahrung, wie eine Steinbockjagd in Kirgisistan, Jagden auf Schwarzbären in Idaho und Montana oder eine spanische "Montería" (eine groß angelegte Treibjagd auf iberisches Rotwild, Schwarz-, Muffel- und Damwild) und viele weitere beeindruckende Erlebnisse. Zusätzlich gibt es interessante Tipps und wissenswerte Informationen über die Jagd im Ausland. Thematisiert werden auch ethische Fragen zur Auslandsjagd und wie es um die Zukunft der Jagd im In- und Ausland steht.
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Seitenzahl: 167
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Eva Maria Schrittwieser
Jagen in aller Welt
Leopold Stocker VerlagGraz – Stuttgart
Umschlaggestaltung: DSR Werbeagentur Rypka GmbH, 8143 Dobl, www.rypka.at
Titelbild: © Sabine Starmayr
Alle Fotos im Innenteil des Buches wurden dem Verlag freundlicherweise von der Autorin zur Verfügung gestellt, sofern nicht direkt beim Foto anders angegeben.
Illustration auf S. 62: Canva. Alle übrigen Illustrationen: Freepik
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ISBN 978-3-7020-2310-2
eISBN 978-3-7020-2336-2
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Widmung & Danksagung
Prolog: Von den heimischen Wäldern in die weite Welt
Birkhahn in den Tiroler Bergen
Eine Sprache, die verbindet
Mein Jagderlebnis in Tirol
Frühjahrsjagd auf Schwarzbären in Nordamerika
Die Bärenjagd – Jagdarten
Mein erster Schwarzbär
Backcountry in Clearwater (Montana)
Rehbock in Südengland
Wie es dazu kam
Drei Jagdtage liegen vor uns
Auf Steinbock im Himmelsgebirge
Die Vorbereitungen
Die Anreise
Das Basislager
Letzte Vorbereitungen, bevor es losgeht
Die Jagd
Rückkehr zum Basislager
Ausritt, Sauna und Rückkehr nach Bishkek
In und um Bishkek und zurück nach Wien
Meine erste jagdliche Erkundung von Spanien
Eine Reise von Montana über Wien nach Madrid – Abenteuer, Luxus und Jagd
Ankunft in Spanien
Die Beobachtung des Königs der spanischen Berge
Eine andere Facette Spaniens
Ein würdiger Abschluss – und neue Perspektiven
Von Gepäcklisten und Grenzposten – die Kunst der Vorbereitung
Die unwiderstehliche Faszination des globalen Jagdabenteuers
Planung & Vorbereitung: Den Grundstein für ein sorgenfreies Jagderlebnis legen
Gut gerüstet und rechtzeitig genehmigt – Jagdwaffen auf Reisen
Erinnerungen für die Ewigkeit – Die Kunst der Trophäeneinfuhr
Mit Lizenz zur Verantwortung – Jagdregularien weltweit
Epilog – Auslandsjagd: Wohin geht die Reise?
Bibliografie und Literaturhinweise
Über die Autorin
Dieses Buch widme ich meiner Mama, für ihre unendliche Geduld und ihre beständige Unterstützung meiner jagdlichen Leidenschaft – obwohl sie selbst keine Jägerin ist. Sie hat es oft mit einem Lächeln akzeptiert, dass mein Papa und ich während der Hirschbrunft für nichts anderes zu begeistern waren. Sie war immer bereit, mir bei Arbeiten im Revier zu helfen, wenn ich es alleine nicht geschafft habe, und hat uns mit den besten Wildgerichten verwöhnt. Ohne ihre Fürsorge und Unterstützung wäre vieles nicht möglich gewesen – auch nicht die Verwirklichung meiner großen Vision von ARTIO, meinem Unternehmen, das lange gelebte jagdliche Traditionen mit modernem Lebensgefühl und Individualität verbindet.
Meinem Papa danke ich von ganzem Herzen. Er hat mir nicht nur die Jagd nähergebracht, sondern mich von Anfang an als gleichwertige Partnerin auf diesem Weg gesehen. Für ihn war es, im Gegensatz zu vielen anderen, nie ein Thema, dass ich als Frau den Schritt zur Jägerin, Jagdaufseherin und Jagdpächterin wagte. Mit seiner Ermutigung und Unterstützung hat er mir den Raum gegeben, Verantwortung zu übernehmen und meine ausgeprägte Leidenschaft für die Jagd zu vertiefen. Seine Liebe zur Natur und sein immenses Wissen haben nicht nur mein Leben entscheidend geprägt, sondern auch die Grundlage für mein Wunschbild gezeichnet, mit ARTIO ein neues und auch weiblicheres Kapitel in der jagdlichen Welt aufzuschlagen.
Meinem Geschäftspartner und langjährigen Weggefährten Jürgen gilt ein besonderer Dank. Seit fast 30 Jahren kreuzen sich unsere beruflichen Wege, und mit ARTIO haben wir gemeinsam eine Vision zum Leben erweckt. Obwohl er selbst kein Jäger ist, unterstützt er das Unternehmen mit unermüdlichem Einsatz und beeindruckender Kreativität. Im Stillen sorgt er dafür, dass technische Konzepte reibungslos umgesetzt werden und bringt mit seiner Weitsicht und seinem Gespür für Ästhetik stets neue Impulse ein. Doch unsere Zusammenarbeit endet nicht bei Strategien und Konzepten – sie setzt sich am Herd fort. Jürgen liebt es zu kochen, und das Wildbret, das ich ihm bringe, verwandelt er mit großer Leidenschaft in außergewöhnliche Gerichte, immer begleitet von perfekt ausgewählten Weinen. In diesen Momenten entstehen oft die besten Ideen, die wir nicht nur bei ARTIO, sondern auch in anderen Unternehmen, die wir gemeinsam gegründet oder begleitet haben, zum Leben erweckt haben. Für seine Verlässlichkeit, seinen Innovationsgeist und die vielen inspirierenden Stunden bin ich ihm zutiefst dankbar.
Eva Maria Schrittwieser, April 2023
Foto © Sabine Starmayr
Meinem Lebenspartner und Freund Milan, der mich in all meinen Ideen bedingungslos unterstützt, danke ich für seinen unerschütterlichen Glauben an mich. Er hat mir die freie Jagd in Nordamerika nähergebracht und mich auf zahlreiche besondere Abenteuer begleitet. Diese gemeinsamen Erlebnisse, allen voran jene in den ungezähmten Weiten der amerikanischen Wildnis, haben unsere Verbindung vertieft und bereichert. Mit seiner umfassenden Erfahrung bei der Jagd im Ausland konnte ich viele wertvolle Aspekte in den Aufbau von meinem Idealbild von ARTIO einfließen lassen. Seine Begeisterung und seine Unterstützung bei jeder neuen Idee – sei es eine Reise, ein Projekt oder die Entwicklung meines Unternehmens – sind für mich von unschätzbarem Wert. Ich bin unglaublich dankbar, ihn an meiner Seite zu wissen, sowohl im Leben als auch auf der Jagd.
Die Jagd ist für mich nicht nur ein Hobby, sondern eine tief verwurzelte Leidenschaft – eine Lebenseinstellung, die mich schon seit meiner Kindheit begleitet. Bereits als kleines Mädchen zog es mich mit meinem Papa in den Wald. Nicht in eine Welt der Märchen, sondern in eine Welt voller wilder, ungefilterter Schönheit. Es war noch dunkel, wenn wir loszogen, die Stille der Morgendämmerung nur unterbrochen vom sanften Knacken unserer Schritte auf dem feuchten Waldboden. In diesen Momenten, zwischen dem Knistern des Laubs und dem ersten zaghaften Vogelruf, spürte ich etwas, das ich damals noch nicht benennen konnte: eine tiefe Verbindung und unbeschreibliche Faszination.
Damals ahnte ich noch nicht, dass die Jagd eines Tages zu einem so zentralen Teil meines Lebens werden würde. Doch der Samen war bereits gepflanzt. Ich erinnere mich an die Spannung, dieses elektrische Prickeln in der Luft, wenn wir auf dem Hochsitz saßen, warteten und Wild austrat. Mein Vater sprach nicht viel, aber wenn er es tat, waren seine Worte bedeutsam. „Die Jagd ist mehr als das Wild zu erlegen, Eva“, sagte er einmal, während wir einen Rehbock beobachteten. Mein Vater vermittelte mir nicht nur das Handwerk, sondern auch die Verantwortung und den Respekt, die mit der Jagd einhergehen. Es ging nie darum, einfach nur zu jagen, sondern darum, die Natur zu verstehen, zu schützen und im Gleichgewicht zu halten.
Foto: © Michael Rzepa
Eine herbstliche Kulisse im heimischen Revier
Ein dramatischer Sonnenaufgang im heimischen Revier
Als ich älter wurde, war es für mich selbstverständlich, die Jagdprüfung abzulegen. Kein Muss, sondern ein natürlicher nächster Schritt – fast so, als wäre ich schon immer dafür bestimmt gewesen. Es war der Beginn einer Reise, auf der ich das Wissen, das ich bereits früh vermittelt bekam, vertiefen und erweitern konnte. Doch das erste Mal, als ich selbst ein Gewehr in der Hand hielt, war es eine Herausforderung. Die Mischung aus Ehrfurcht und Aufregung ließ mein Herz schneller schlagen. „Kann ich das wirklich?“, fragte ich mich damals.
Seitdem hat sich vieles verändert. Ich habe nach dem Abschluss meines Studiums die Prüfung zur Jagdaufseherin gemacht und auch bald die Verantwortung als Mitpächterin in dem Revier übernommen, wo ich schon immer selbst zur Jagd gegangen beziehungsweise mitgenommen worden bin – beides bedeutende Schritte in meiner jagdlichen Laufbahn.
Häufig spürte ich die Skepsis einiger Jäger aus dem Ort und den angrenzenden Hegeringen. Eine junge Frau, die ein Revier mitgestaltet? Die Entscheidungen trifft? Ich ließ mich nicht beirren. Ich wusste, was ich tat. Ich wusste, was es bedeutete, Wildbestand und Natur in Einklang zu bringen. Ich wollte gestalten, nicht nur folgen. Und so setzte ich meine Ideen mit den beiden anderen Pächtern um – mit Entschlossenheit, mit Respekt, aber auch mit einer klaren Haltung. Das Revier zu Hause ist für mich mehr als nur ein Jagdgebiet – es ist ein Ort, an dem ich tief mit der Natur verbunden bin.
Auch in anderer Hinsicht konnte ich eine Vorreiterrolle in der jagdlichen Gemeinschaft übernehmen. Ich war zwölf Jahre lang als erste Frau Funktionärin im Finanzkontrollausschuss des Landesjagdverbandes Niederösterreich tätig. Diese Position war für mich eine große Ehre und eine Chance, mich aktiv in die Entwicklung und Verwaltung der jagdlichen Angelegenheiten unseres Bundeslandes einzubringen. In dieser Funktion habe ich nicht nur finanzielle Verantwortung getragen, sondern auch wertvolle Einblicke in die komplexen Abläufe des Jagdwesens gewonnen. Es war mir wichtig, als Frau in einem traditionell männerdominierten Bereich Zeichen zu setzen und meine Expertise für das Wohl der Jagdgemeinschaft einzusetzen.
Ein weiterer Meilenstein in meiner jagdlichen Laufbahn ist meine Rolle als erste Präsidentin eines europäischen Chapters des Safari Club International (SCI). Der SCI ist eine weltweite Organisation, die sich für den Erhalt der Jagd und des Wildtierbestands einsetzt. Als Präsidentin des SCI Austrian Chapters arbeite ich daran, diese Werte in Österreich und Europa zu verankern und den internationalen Austausch von Jägerinnen und Jägern zu fördern. Der Aufbau dieses Chapters stellt eine aufregende Herausforderung dar, und ich freue mich, ein Netzwerk von Gleichgesinnten zu schaffen, das sich für den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und die Förderung der Jagdkultur einsetzt.
Hubertusfeier in Hohenberg mit meinem Hubertushirsch und meinem Papa an meiner rechten Seite
Einer meiner liebsten Ausblicke im heimischen Revier
Doch meine Reise führte mich weiter. Mein erstes Abenteuer außerhalb Österreichs war Rumänien – eine Einladung meines Freundes Helmut. Ich hatte unzählige Bücher über die Jagd in den wilden Karpaten gelesen, aber nichts hätte mich auf den Moment vorbereiten können, als ich zum ersten Mal in dieser endlosen Landschaft stand. Ich sog die klare, kühle Morgenluft ein und ließ meinen Blick über die weiten Hügel schweifen. Mein Herz pochte schneller. Hier, in dieser unberührten Wildnis, war ich nicht nur Jägerin – ich war auch Entdeckerin, eine Reisende auf der Suche nach mehr. Diese Reise war der Auslöser für meine Leidenschaft, auch außerhalb Österreichs auf die Jagd zu gehen und neue Kulturen, Wildarten und Landschaften kennenzulernen. Seitdem habe ich viele weitere Länder bereist und jedes Mal neue Facetten der Jagd entdeckt.
Mittlerweile habe ich das Privileg gehabt, auf vier Kontinenten zu jagen – von den vielfältigen Landschaften Europas über die weiten Savannen Afrikas bis hin zu den entlegenen Weiten Amerikas und den eisigen Höhen Asiens. Ich bin durch staubige Ebenen gestreift, habe die Hitze der Steppe auf meiner Haut gespürt, die Kälte der Berge in meinen Knochen gefühlt. Doch es ist nicht nur die Jagd selbst, die mich an diesen Reisen fasziniert. Es sind die vielfältigen Kulturen, die ich dabei kennenlernen darf, die landestypischen Küchen, die ich genießen kann, und vor allem die tiefen Freundschaften, die während dieser Abenteuer entstehen. Jede Reise bringt neue Eindrücke und Geschichten mit sich, die mein Verständnis für die Natur und die Jagd auf eine ganz neue Ebene heben. Und ich bin mir sicher, dass es noch viele weitere Orte geben wird, die ich erkunden werde – immer auf der Suche nach neuen Erlebnissen und Begegnungen, neuen Freundschaften und Geschichten, die meine Leidenschaft für die Jagd und die Natur weiter anfachen.
Heute sehe ich die Jagd als weitaus mehr als nur einen sportlichen oder praktischen Aspekt. Sie ist Naturschutz, Wildtiermanagement und eine tiefe Form der Achtsamkeit gegenüber der Natur. Besonders stolz bin ich darauf, dass ich die Möglichkeit habe, mein Wissen und meine Erfahrungen mit anderen zu teilen, sei es über soziale Medien oder in Gesprächen mit interessierten Menschen. Die Jagd bleibt für viele ein oft missverstandenes Thema, doch ich hoffe, durch meine Arbeit anderen einen authentischen Einblick zu geben.
Einige Male wurde ich gefragt: „Warum jagst du? Warum begibst du dich in die entlegensten Winkel der Welt, während andere Frauen ein bequemes Leben genießen?“ Die Antwort ist einfach: Weil es mich erfüllt. Weil es mich lebendig macht. Weil ich die Herausforderung liebe, das Abenteuer, den Moment, in dem Zeit keine Rolle spielt und die Welt auf das Wesentliche reduziert wird.
Ich mit meinem lieben Freund Helmut auf meiner ersten Reise nach Rumänien
Die Jagd hat mich geprägt – nicht nur als Jägerin, sondern als Frau, als Unternehmerin, als Mensch. Und sie hat mich zu ARTIO geführt, meiner Vision, die Jagd mit Stil, Respekt und einem besonderen Lebensgefühl zu verbinden (siehe S. 13). Denn für mich ist die Jagd mehr als Tradition. Sie ist ein Statement. Sie ist Leidenschaft. Sie ist Lebenskunst.
Meine Reise als Jägerin ist noch lange nicht zu Ende, und ich freue mich darauf, weiterhin aus Überzeugung für die Natur einzustehen, neue Erlebnisse zu sammeln und diese mit anderen zu teilen.
In meinem ersten Jagdbuch nehme ich die Leserinnen und Leser mit auf eine Reise durch einige meiner unvergesslichsten Jagdabenteuer. Die Vielfalt der Erlebnisse spiegelt nicht nur die unterschiedlichen Jagdarten wider, sondern auch die einzigartigen Landschaften und Kulturen, in denen sie stattfanden.
Die Birkhahnjagd in Tirol war für mich eine der emotionalsten Herausforderungen. Inmitten der atemberaubenden Alpenkulisse, umgeben von schroffen Bergen und stillen Tälern, bot sich mir eine Jagderfahrung, die mir die Schönheit und Wildheit meiner Heimat Österreich auf eine neue Weise zeigte.
In Nordamerika zog es mich zur Schwarzbärenjagd in die unberührten Wälder. Diese Jagd war nicht nur physisch fordernd, sondern brachte mich auch in engen Kontakt mit der rauen und wilden Natur Nordamerikas – ein unvergessliches Erlebnis, das tief in mir nachwirkte.
Ein weiteres Kapitel widme ich der Rehbockjagd in Südengland, wo ich in den sanften Hügeln und weitläufigen Feldern dieser historischen Landschaft eine ganz andere Form der Jagd erlebte. Die Eleganz und Anmut des englischen Rehwildes, gepaart mit der regionalen traditionellen Jagdkultur, machte diese Reise zu einem besonderen Highlight.
Eines meiner größten Abenteuer führte mich schließlich nach Kirgisistan, wo ich die Ehre hatte, auf Steinwild zu jagen. Die majestätischen Gipfel des Tian-Shan-Gebirges, die unglaubliche Höhe und die unerbittliche Natur stellten mich vor immense Herausforderungen – doch die Erhabenheit dieses Ortes und die Begegnung mit dem Steinwild machten all die Mühen mehr als lohnenswert.
In Spanien entfaltete sich eine ganz eigene Jagdkultur, in der überliefertes Jagderbe und Leidenschaft aufeinandertreffen. Zwischen sonnenverwöhnten Landschaften und wildreichen Revieren erlebte ich nicht nur die mitreißende Montería in Extremadura, sondern auch die anspruchsvolle Jagd auf das elegante Rothuhn. Opulente Festmahlzeiten und authentische Gastfreundschaft rundeten diese Erlebnisse ab und machten deutlich, dass die Jagd in Spanien weit mehr ist als nur ein Sport – sie ist ein Fest des Lebens und der edlen Jagdkultur.
Jedes dieser Kapitel bietet Einblicke in die Jagd, die Regionen und die Menschen, die ich auf meinen Reisen kennengelernt habe. Ich hoffe, dass die Geschichten in diesem Buch nicht nur Jagdinteressierte ansprechen, sondern auch jene, die eine Leidenschaft für die Natur, Abenteuer und fremde Kulturen teilen.
Rückblickend sind all diese Erfahrungen – die frühen Ansitze mit meinem Vater, die Herausforderungen im heimischen Revier und die Abenteuer in fernen Ländern – nicht nur prägende Momente meines Lebens, sondern auch die Bausteine für eine größere Vision geworden. Mit jedem Schritt auf meinem jagdlichen Weg wuchs der Wunsch, diese Leidenschaft nicht nur für mich selbst auszuleben, sondern auch anderen zugänglich zu machen. Aus dieser Idee heraus entstand ARTIO.
Heute blicke ich mit Dankbarkeit auf meinen bisherigen Weg zurück und mit Vorfreude auf das, was noch vor mir liegt. Die Jagd wird immer ein zentraler Bestandteil meines Lebens bleiben – nicht nur als persönliches Abenteuer, sondern auch als Möglichkeit, Menschen zu verbinden, Traditionen zu bewahren und neue Horizonte zu entdecken.
ARTIO ist mein Unternehmen, das die Jagd mit einem besonderen Lebensgefühl verbindet. Die fundierte jagdliche Erfahrung, das Verständnis für die Bedürfnisse von Jägerinnen und Jägern und die Faszination für die Verbindung von Tradition, Stil und Abenteuer bilden wesentliche Grundlagen von ARTIO. Hier fließen all die Eindrücke und Inspirationen aus meinem Leben zusammen, um etwas Neues und Einzigartiges zu schaffen.
Birkhahn als Stillleben vor der Berghütte
Die Tiroler Berge im Frühling – der Schnee schmilzt langsam, und die ersten Blumen wagen sich durch die weiße Decke. Die Stille wird nur vom leisen Rauschen eines Baches und den Rufen der ersten Singvögel durchdrungen. Hier, in dieser magischen Kulisse, begann eines der prägendsten Jagderlebnisse meines Lebens.
Die Jagd in Österreich ist mehr als eine Passion. Sie ist ein Kulturgut, geprägt von jahrhundertealten Traditionen und einer besonderen Sprache, die von Generation zu Generation weitergegeben wird: der Weidmannssprache. Mit ihren poetischen und ehrfürchtigen Ausdrücken verbindet sie uns mit der Natur und untereinander und bewahrt das Erbe unserer Vorfahren. Die Begriffe wie „Anschuss“, „Balzplatz“ oder „Weidmannsheil“ sind nicht nur Worte, sondern tragen Emotionen und Geschichte in sich. Besonders auf meinen Reisen wurde mir bewusst, wie einzigartig unsere traditionsreiche Jagdart ist – ein Instrument, das die Jagd auf eine höhere kulturelle Ebene hebt.
Es ist die Weidmannssprache, die uns erlaubt, Jagderlebnisse auf eine Weise zu beschreiben, die ihrem Wert gerecht wird, die das Erbe der Vorfahren in sich trägt und uns mit der langen Geschichte der Jagd verbindet. Die verwendeten Begriffe sind nicht nur Beschreibungen, sondern ein Ausdruck von Wertschätzung und Achtsamkeit. Sie sorgen dafür, dass wir Jägerinnen und Jäger uns unserer Verantwortung bewusst bleiben und verleihen der Jagd eine eigene, ehrwürdige Dimension, die über das rein Praktische hinausgeht. Die Weidmannssprache ist damit nicht nur Tradition, sondern meines Erachtens auch ein Mittel, um die Ethik der Jagd zu bewahren und weiterzugeben.
Jagdfibel
DAS BIRKWILD – EIN MEISTER DER ANPASSUNG
Bis Mitte des letzten Jahrhunderts war das Birkwild in Österreich weit verbreitet. Doch die Veränderungen seines Lebensraums – Moorentwässerungen, intensive Landwirtschaft und touristische Erschließungen – ließen die Bestände drastisch schrumpfen. Glücklicherweise hat sich dies bis heute wieder geändert, und Dank gezielter Schutzmaßnahmen hat sich die Population in einigen Regionen in Österreich erholt.
Das Birkwild ist ein Meister der Anpassung. Mit seinem dichten Federkleid und seiner Genügsamkeit trotzt es den härtesten Bedingungen. Ihren Namen haben die Raufußhühner übrigens aufgrund ihrer befiederten Ständer und ihrer ebenso mit Federn ausgestatteten Zehen. Die Zeit von April bis Juni ist ein wahres Naturspektakel: Auf den sogenannten Balzarenen messen sich die Hähne in beeindruckenden Ritualen, bei denen der stärkste Hahn, der Platzhahn, die Gunst der Hennen gewinnt. Die Balz vereint Eleganz und Kraft, sie ist geprägt von ritualisierten Kämpfen und melodischen Lauten – dem Kullern (Rodeln), Blasen, Zischen und Fauchen – die weit über die Berglandschaft klingen. Dieses Schauspiel bildet die Grundlage für eine Jagd, die eine althergebrachte Jagdkunst ist und Erfahrung sowie ein besonderes Gespür erfordert.
Vor vielen Jahren durfte ich in Tirol einen Birkhahn bejagen. Dieses Revier war seit Jahren in der Pacht von Hermann, einem Freunde unserer Familie. Mein Vater und mein Bruder hatten dort bereits erfolgreich gejagt, und nun war ich an der Reihe. Ich erinnere mich noch an das Kribbeln in meinen Adern, als ich wusste, dass endlich auch meine Zeit gekommen war.
Ich freute mich sehr und konnte den Mai nicht schnell genug herbeisehnen. Nun war es so weit, mein Papa begleitete mich. Wir holten Hermann von zu Hause ab, und schließlich ging es bei wunderschönem Frühsommerwetter in Richtung Westen. Der Duft von frischem Gras und der leise Klang der erwachenden Alm ließen mein Herz höherschlagen, während wir uns in dieses Abenteuer stürzten.
