Wilde Reise durch die Nacht - Walter Moers - E-Book

Wilde Reise durch die Nacht E-Book

Walter Moers

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Beschreibung

„Mehr gefährliche Kreaturen als in Hogwarts und genügend skurrile Begegnungen, um Gullivers Reisen Konkurrenz zu machen … Ein wahrer Schatz.“ (The Glasgow Herald)

In einer einzigen Nacht muss Gustave von der Erde zum Mond, einmal quer durch das ganze Universum und wieder zurück reisen. Denn er hat eine Wette mit dem Tod abgeschlossen, bei der es um nichts Geringeres geht als um sein Leben und um seine Seele.

Mit einem Essay zu Werk und Wirkung Gustave Dorés von Walter Moers: „Wilde Reise durch die Bilder“



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Walter Moers

WILDE REISE durch die

NACHT

Nach einundzwanzig Bildern von Gustave Doré

KNAUS

»Wilde Reise durch die Nacht« erschien erstmals 2001 beim Eichborn Verlag, Frankfurt am Main.

1. Auflage

Copyright © 2013 beim Albrecht Knaus Verlag,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München

Lektorat: Rainer Wieland

Cover: Walter Moers und Oliver Schmitt

Layout und Satz: Oliver Schmitt, MainzISBN: 978-3-641-13624-6www.knaus-verlag.de

www.zamonien.de

Doré, Gustave, französischer Maler und Illustrator, geb. 6. Jan. 1832 in Straßburg, gest. 23. Jan. 1883 in Paris, zeigte schon als Knabe ein bedeutendes Zeichentalent und lithographierte in seinem 10. Jahre Skizzen zur Sittengeschichte … Mit 13 Jahren kam er nach Paris und war mit 15 Jahren bereits als Illustrator am »Journal pour rire« thätig. 1854 gab er sein erstes Illustrationswerk, Zeichnungen zu Rabelais’ »Gargantua und Pantagruel« heraus, welchem eine lange Reihe von Zyklen folgte … Der unerschöpfliche Reichtum seiner Phantasie und die Leichtigkeit seines Schaffens verführten ihn zuletzt zu Maßlosigkeiten und Bizarrerien, welche namentlich seine letzte größere Arbeit, die Zeichnungen zu Ariosts »Rasendem Roland«, entstellen.

Meyers Konversationslexikon, 1897

ls es dunkel wurde, stach Gustave in See. Er zog es vor, während der Nacht zu reisen – da er sowieso nicht wusste, wohin die Fahrt gehen sollte, schienen die Sichtverhältnisse nebensächlich zu sein. Der Himmel war von tintigen Wolken überzogen, nur ab und zu lugte ein Stern oder das kraternarbige Gesicht des Mondes dazwischen hervor und spendete gerade genug Licht, um das Steuerrad in seinen Händen erkennen zu können. Gustave hatte gelesen, dass es möglich war, sich auf dem Meer am Stand der Sterne zu orientieren. Er wollte sich diese Kunst eines Tages gefügig machen, aber im Augenblick musste er sich auf seine Instinkte verlassen.

»Hart Backbord!« brüllte er über das Deck und riss das Steuerrad nach links. Befand sich Backbord rechts oder links? Fuhr das Schiff nach rechts, wenn man das Steuer nach links drehte oder war es umgekehrt? Gustave wischte die Fragen vorläufig zur Seite und kurbelte energisch an dem hölzernen Rad, um seinen Männern den Eindruck wilder Entschlossenheit zu geben.

»Wir werden ihm nicht entkommen, Käpt’n!« Dante, sein treuer und einäugiger Steuermann, war hinter ihn getreten. Die Stimme des erfahrenen Seemanns bebte vor Furcht. »Wir können ihm unmöglich entrinnen, nicht wahr?«

Obwohl er erst zwölf Jahre alt war, blickten die Männer der Aventure zu Gustave auf wie zu einem Giganten – auch wenn sie sich dabei hinabbeugen mussten. Dante knetete seine Mütze in den groben Fäusten und sah den jungen Kapitän mit seinem übriggebliebenen Auge hoffnungsvoll an. Gustave hielt die Nase in den Wind und schnupperte. Die Luft war feucht und warm, wie vor einem großen Gewitter.

»Entkommen?« gab er über die Schulter zurück. »Wem entkommen, mein treuer Dante?«

»Na, dem Sturm, Kapitän! Oder besser: den Stürmen, nicht wahr.«

»Sturm?« fragte Gustave. »Was für eine Art von Sturm meinst du denn?«

»Ich meine einen Siamesischen Zwillingstornado,Käpt’n! Und er ist uns schon dicht auf den Fersen.« Dante wies mit zitterndem Zeigefinger zum Heck des Schiffes, und Gustaves Blick folgte ihm. Was er dort sah, war in der Tat furchteinflößend: Zwei mächtige Wasserhosen hatten sich aus dem Meer erhoben, ihre wirbelnden Stämme ragten hinauf bis in die dunklen Wolken, saugten den Ozean und alles, was sich darin befand, in den Himmel. Sie brüllten wie tobsüchtige Riesen und kamen der Aventure buchstäblich in Windeseile näher.

»Soso, einer von diesen Siamesischen Zwillingstornados also«, sagte Gustave betont gelassen. »Nun, das ist unerfreulich, aber noch lange kein Grund, die Kontrolle über seine Kniegelenke zu verlieren.« Er blickte tadelnd auf Dantes zitternde Beine.

»Holt die Segel ein! Drei, äh, vier Strich Steuerbord!« kommandierte Gustave zackig. Der Steuermann riss sich zusammen, beschämt von der Todesverachtung dieses kaltblütigen Jungen. »Jawohl, mein Kapitän!« salutierte Dante. Er schlug die Hacken zusammen und entfernte sich steifbeinig.

Gustaves Knie wurden erst weich, nachdem Dante davongestelzt war. Seine Hände klammerten sich ans Steuerrad fest. Ein Siamesischer Zwillingstornado – na großartig, das war das gefährlichste Naturereignis, das einem auf allen sieben Meeren blühen konnte! Zwei verschwisterte Wirbelstürme, metereologische Zwillinge, die anscheinend auf telepathische Art miteinander kommunizierten und gemeinsam Jagd auf Schiffe machten. Wenn einen der eine nicht erledigte, besorgte es der andere.

Gustave warf einen Blick zurück auf die brüllenden Wirbel. Sie schienen beide ihren Umfang im Handumdrehen verdoppelt zu haben, Gustave sah riesige Kraken, Wale und Haie, die von ihnen aus dem Meer gerissen und durch die Luft geschleudert wurden. Blitze zuckten zwischen den torkelnden Sturmriesen hin und her, ein Geflecht aus weißem, blendendem Licht, das die Aventure aufleuchten ließ wie ein Geisterschiff.

»Aha – so kommunizieren sie also!« kombinierte Gustave. »Durch Elektrizität! Ich muss diese Erkenntnis umgehend der internationalen Tornadowissenschaft zukommen lassen – wenn ich das hier über leben sollte.«

Er blickte wieder nach vorn. »Es ist vollkommen gleichgültig, wohin ich steuere«, überlegte er. »Fahren wir nach links, erwischt uns der linke Tornado. Fahren wir nach rechts, der rechte.«

Kaum hatte er diesen trostlosen Gedanken zu Ende gedacht, da wurde die Aventure von einer gewaltigen Dünung in die Höhe gehoben. Für einen Moment stand das Schiff fast bewegungslos über der See, in einer Krone aus weißer Gischt. Der Ozean schien in seinem ewigen Rollen innezuhalten, als sei er zum Komplizen der Wirbelstürme geworden, der ihnen das fliehende Schiff auf einem schäumenden Tablett servierte.

»Wir stehen auf der Stelle!« dachte Gustave verzweifelt. »Wir sind verloren.«

In diesem Augenblick erwischte der linke Tornado die Aventure. Finsternis umhüllte das Schiff, ein furchterregendes Gurgeln aus den Eingeweiden des Ozeans übertönte alles andere Geräusch, auch das Geschrei der Männer. Gustave schnürte sich mit seinem Gürtel ans Steuerrad und schloss die Augen.

Er war bereit zu sterben, bereit, mit seinem Schiff auf den Grund des Ozeans versenkt zu werden, wenn es die Meeresgötter verlangten – das war seine Pflicht als Kapitän. Vor seinem inneren Auge sah er sich bereits als ein von den Fischen blankgenagtes Gerippe, gefesselt ans Steuerrad eines zerfetzten Wracks, das auf dem Meeresgrund lag und von Stachelrochen durchschwommen wurde.

Dann wurde es still: kein Ton, kein Hauch, keine Bewegung mehr. Gustave schien im nichts zu schweben, schwerelos, nur das Steuer in seinen Händen erinnerte noch daran, dass er sich eine Sekunde zuvor in einem tosenden Unwetter befunden hatte.

»Ich bin tot«, dachte Gustave. »So ist das also: Man hört nichts mehr.«

Er wagte es, die Augen wieder zu öffnen, und sah nach oben. Wie durch einen gewaltigen Trichter konnte er direkt ins Weltall blicken, in einen schwarzen Kreis voll blitzender Sterne. Um ihn herum ein Strudel aus Meerwasser, gesplittertem Holz und wirbelnder Luft – alles wurde nach außen geschleudert. Gustave befand sich im vollkommen stillen Zentrum des Tornados.

Er musste mitansehen, wie seine Männer von der grauen Röhre in den Himmel gesogen wurden, aber er sah nur ihre geöffneten Münder und entsetzensgeweiteten Augen, hörte nicht ihr herzzerreißendes Geschrei.

Erneut wurde die Aventure hoch in die Luft gehoben, und Gustave dachte, es ginge nun direkt in den Weltraum. Aber da löste sich urplötzlich der Tornado vom Meeresspiegel, stieg in die Höhe, ließ das Schiff einfach los, wirbelte, immer schlanker werdend, himmelwärts und tauchte ein ins dunkle Wolkengebirge, eine Riesenschlange aus Wasser, Luft, Matrosen und Schiffstrümmern. Sein Zwillingsbruder folgte ihm auf dem Fuße. Ein letztes triumphales Brüllen der beiden Stürme aus den Wolken – dann waren sie verschwunden.

Die Aventure aber stürzte zurück aufs Wasser. Der Aufprall ließ die Nägel aus den Planken platzen und die Taue bersten, weißer Meerschaum erblühte rings um das gefallene Schiff, Holz splitterte, Segeltuch riss, Ankerketten klirrten. Dann wurde es still, absolut still. Das Meer hatte sich beruhigt, das Schiff schaukelte noch ein wenig hin und her, ein paar Fässer kollerten über das Deck – so plötzlich, wie es begonnen hatte, war es wieder vorbei.

Gustave befreite sich aus seinen Fesseln. Noch völlig benommen, wankte er umher und inspizierte das Schiff. Von der Aventure war nur ein Wrack übriggeblieben, die Segel waren zerfetzt, der Rumpf durchlöchert. Überall standen Holzplanken heraus wie die Federn eines vom Sturmwind zerrupften Vogels. Das Schiff sank langsam und unaufhaltsam.

»Das ist das Ende«, flüsterte Gustave.

»Ja … Alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht«, antwortete darauf eine Stimme vom Heck des Schiffes. Gustave drehte sich um.

Zwischen umgeknickten Masten und sinnlos verschlungenen Tauen saß eine schaurige Gestalt auf der Reling. Es war ein Gerippe, ein Mann ohne Haut und Fleisch, in schwarzes Leinentuch gewandet, er hielt eine Schatulle in den Knochenhänden und wandte Gustave seine leeren Augenhöhlen zu.

Zu seinen Füßen kniete eine junge Frau, die einmal sehr schön gewesen sein musste. Aber jetzt lag die entstellende Maske des Wahnsinns über ihren feinen Zügen, ihr Blick war so wirr wie ihre wehenden blonden Haare. Sie warf gerade zwei Würfel auf das Deck.

»Goethe!« sagte der Knöcherne.

»Du … du bist Goethe?« fragte Gustave irritiert.

»Nein, das Zitat war von Goethe. Ich bin der Tod. Und das ist Dementia, meine arme verrückte Schwester. Sag guten Tag, Dementia!«

»Ich bin nicht verrückt«, kreischte die junge Frau in unangenehmer Stimmlage, ohne ihr Würfelspiel zu unterbrechen.

»Und wie ist dein Name?« fragte der Tod.

»Gustave«, antwortete der Junge tapfer. »Gustave Doré.«

»Fein«, sagte der Tod. »Dann bin ich hier ja richtig. Ich bin gekommen, um deine Seele zu holen.« Er deutete auf die Schatulle in seiner Hand, die, wie Gustave jetzt erkennen konnte, die Form eines sehr kleinen Sarges hatte. »Weißt du, was das ist?«

Gustave schüttelte den Kopf.

»Das ist ein Seelensarg«, rief das Skelett, nicht ohne Stolz in der düsteren Stimme. »Jawohl! Meine eigene Erfindung. Weißt du, ich interessiere mich nicht für deinen Körper. Den kriegen die Haie, oder er verteilt sich in einem natürlichen Verwesungsprozess im Ozean – na ja, was man so Natur nennt auf diesem erbarmungslosen Planeten. Ich will nur deine Seele, damit ich sie verbrennen kann.«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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