Willkommen in der Welt für seelische Gesundheit - Harald Krauß - E-Book

Willkommen in der Welt für seelische Gesundheit E-Book

Harald Krauß

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13,99 €

Beschreibung

Heilung beginnt bei uns selbst
Wenn die Seele leidet, ist das Lebensglück getrübt. Niedergeschlagenheit, Angst, Schlafstörungen und das ewige Gedankenkarussell stellen sich ein. Schon bei jedem Vierten sind heutzutage Symptome zu beobachten, die durch Stress hervorgerufen werden. Obwohl wir nie zuvor freier und sicherer lebten als heute, obwohl sich uns nie zuvor mehr Chancen zur persönlichen Lebensgestaltung boten, verlieren viele Menschen zunehmend ihre persönlichen Perspektiven. Als wäre ihnen ihr Fixstern im Leben abhanden gekommen.
In seiner ärztlichen Praxis ist Dr. Harald Krauß jeden Tag mit solchen Schicksalen konfrontiert. Vor dem Hintergrund seiner Erfahrung als Mediziner und Chefarzt einer psychiatrischen Klinik und mit seinem ganzheitlichen Ansatz ermutigt er dazu, dass wir selber Verantwortung für unsere Gesundheit und unser eigenes Glück übernehmen und Körper und Seele in Einklang bringen. Die Voraussetzung dafür ist so einfach wie einleuchtend: Sobald wir annehmen, was ist, und uns gleichzeitig entscheiden, etwas zum Besseren zu ändern, beginnt die Heilung!
Mit Tipps und hilfreichen Übungen, die die Seele stärken und zu mehr Ausgeglichenheit, Lebensfreude und Glück führen.

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Seitenzahl: 257

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Zum Buch:

Heilung beginnt bei uns selbst: Wenn die Seele leidet, ist das Lebensglück getrübt. Niedergeschlagenheit, Angst, Schlafstörungen und das ewige Gedankenkarussell stellen sich ein. Schon bei jedem Vierten sind heutzutage Symptome zu beobachten, die durch Stress hervorgerufen werden. Obwohl wir nie zuvor freier und sicherer lebten als heute, obwohl sich uns nie zuvor mehr Chancen zur persönlichen Lebensgestaltung boten, verlieren viele Menschen zunehmend ihre persönlichen Perspektiven. Als wäre ihnen ihr Fixstern im Leben abhandengekommen. In seiner ärztlichen Praxis ist Dr. Harald Krauß jeden Tag mit solchen Schicksalen konfrontiert. Vor dem Hintergrund seiner Erfahrung als Mediziner und Chefarzt einer psychiatrischen Klinik und mit seinem ganzheitlichen Ansatz ermutigt er dazu, dass wir selber Verantwortung für unsere Gesundheit und unser eigenes Glück übernehmen und Körper und Seele in Einklang bringen. Die Voraussetzung dafür ist so einfach wie einleuchtend: Sobald wir annehmen, was ist, und uns gleichzeitig entscheiden, etwas zum Besseren zu ändern, beginnt die Heilung! Mit Tipps und hilfreichen Übungen, die in wenigen Wochen die Seele stärken und zu mehr Ausgeglichenheit, Lebensfreude und Glück führen.

Zum Autor:

Dr. med. Harald Krauß absolvierte seine Studien in Deutschland, in den USA und in der Schweiz. Er ist Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie und arbeitete an der Universitätsklinik in Bonn und als Oberarzt in Krefeld, Nordrhein-Westfalen, sowie in Niedersachsen. Seit 2004 ist Harald Krauß als Chefarzt der Klinik für Seelische Gesundheit am Marien Hospital Dortmund tätig. Seine Schwerpunkte liegen in der Verhaltenstherapie, der tiefenpsychologisch fundierten Therapie, der Psychopharmakotherapie, der Schlafmedizin sowie in der Testdiagnostik.

Dr. med. Harald Krauß

Willkommen in der Welt für seelische Gesundheit

Warum die Seele leidet – und was sie stark macht

Haftungsausschluss

Die Ratschläge im Buch sind sorgfältig erwogen und geprüft. Sie ersetzen jedoch keinen Arztbesuch. Alle Angaben in diesem Buch erfolgen daher ohne jegliche Gewährleistung oder Garantie seitens des Autors und des Verlags. Eine Haftung des Autors bzw. des Verlags und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen.

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Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter www.dnb.de abrufbar.

© 2021 Ariston Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Straße 28, 81673 München

Alle Rechte vorbehalten

Unter Mitarbeit von: Gabriele Borgmann, www.gabrieleborgmann.com

Redaktion: Evelyn Boos-Körner Umschlaggestaltung und Motiv: Hauptmann & Kompanie Werbeagentur, Zürich

Illustration auf Seite 73: Josefine Britz, Hamburg

Satz und E-Book Produktion: Satzwerk Huber, Germering

ISBN: 978-3-641-27457-3V001

Inhalt

Grußnote von Milka Loff Fernandes

Einleitung: Schmerz auf der Seele

Wenn die Seele leise ruft

Der Held in meinem Buch

Kapitel 1: Das Verschwinden des Fixsterns

Wenn das innere Leuchten verschwindet

Übung: Den Fixstern leuchten lassen

Seelische Widerstandskraft trainieren

Eigensinn bewahren

Körper und Seele ganzheitlich betrachten

Tägliche Übung: Die Belastungen erfassen

Neue Säulen finden

Übung: Dankbarkeit empfinden

Kapitel 2: Die zwei Gesichter der Angst

Lauf ums Leben

Angstfrei geboren

Die dunkle Seite der Angst

Unbegründete Ängste frühzeitig benennen

Selbsttest: Gefühle der Angst

Panik aus dem Nichts – und zwei Techniken zur Lösung

Flooding – Die Reizüberflutung in Reinform

Reizkonfrontation – Desensibilisierung

Kapitel 3: Zurück zur Pureness

Abwenden von der Fülle

Der Wert des Verzichts

Das Unverständnis der anderen

Die neun Stufen vom Verzicht bis zum Stolz

Kapitel 4: Gemüse für die Seele

Weg mit dem Fett

Sechs-Minuten-Attacke durch Alkohol

Das Drama aller Diäten

Das Glück im Darm

Detox für die Seele: intermittierendes Fasten

Sorge tragen, Zukunft gestalten

Übung: Die Vorstellung von einer intakten Welt

Kapitel 5: Die biologische Uhr zurückdrehen

Der 45-Minuten-Plan für Ihre Jugendlichkeit

Werner läuft

Telomere: Fäden mit Verjüngungspotenzial

Der fast vergessene Faktor der Jugendlichkeit

Übung: Holen Sie Ihre Träume zurück

Kapitel 6: Chronologie des Schlafes

Das Schlafzentrum im Gehirn

Schlaflos auf hoher See

Vier Szenen der Nacht

Schlafstörung, und nun?

Selbsttest: Ist Ihre Schlafarchitektur gesund?

Kein Hype ums Träumen

Kapitel 7: Die persönlichen Faktoren von Glück

Raus aus der Vergangenheit, das Jetzt zählt

Übung: Vom Krisenpunkt in die Gegenwart

Wie glücklich sind Sie?

Was die Seele will

Kein Glück ohne Krisen

Die Formel für persönliches Glück

Kapitel 8: Individuelle Stärken für die seelische Gesundheit

Was sind Ihre Stärken?

Vita activa

Kein Talent, nirgendwo?

Selbsttest: 5 aus 24. Die Wahl der Stärken

Der Held in Ihnen wacht auf

Kapitel 9: Mit Disziplin und Freude den persönlichen Fixstern polieren

Verlaufen, und nun?

Ihre Lebensgeschichte im Zeitraffer

Kein Fixstern ohne Disziplin

Eine moderne Methode zur Zielerreichung

Übung: Das ist mein Fixstern

Kapitel 10: Der Beraterstab der Königin

Den Krakeeler vor die Tür setzen

Die innere Versammlung der Berater

Teambuilding der besonderen Art

Übung: Wer zählt zu Ihrem Beraterstab?

Kapitel 11: Zeitplanung für die Seele

Zeitplan als Stresskiller

Achtung: Absturzgefahr!

Übung: Die Quadratur der Zeit

Ode an die Disziplin

Kapitel 12: Der Vertrag zum persönlichen Glück

Der Rost auf den Tagen

Kämpfen, nicht aufgeben!

Das Glücklichsein trainieren

Vertrag mit sich selbst: Ich stärke täglich meine Seele

Schlusswort: Ein Stück vom Himmel jeden Tag

Dank

Anhang: Gesund leben

Ernährung

Bewegung

Achtsamkeitsübungen

Übung: Sitzmeditation am Morgen

Übung: Meditation im Stehen

Übung: Meditation im Gehen

Vorsorge

Achten Sie auf Ihren Schlaf

Was Sie sonst noch für die Stärkung Ihrer Seele tun können

Über den Autor

Dieses Buch sei all jenen gewidmet, die sich auf die Suche begeben, ein gesundes, aktives und selbstbestimmtes Leben zu führen. Seien Sie auf ihrem Weg wohlbehütet.

Grußnote

von Milka Loff Fernandes

Gut, reden wir über Seelenschmerz. Ich kenne mich aus mit diesen Knoten in der Stimmung, die derart hart und unnachgiebig werden können, dass die Luft zum Atmen wegbleibt. In der Kindheit, ich war zwölf Jahre, spürte ich sie das erste Mal. Stopp, anders! Ich spürte gar nichts. Nebel um mich herum, wenn Freundinnen lachten. Anfangs dachte ich, ich sei eben anders im Temperament, später habe ich es als normal empfunden. Wenn man lange genug auf der Toilette sitzt, merkt man auch nicht mehr, dass es stinkt. So etwa arrangierte ich mich mit meiner permanenten Traurigkeit. Sie wurde dichter mit den Jahren, wuchs zu einem kaum zu durchdringenden Schwaden heran. Als wäre meine Seele kein durchlässiger Stoff mehr.

Warum ich Ihnen das erzähle? Weil ich will, dass Sie sich frühzeitig gegen das Gewicht stemmen, das Sie bei Gleichgültigkeit, Schlaflosigkeit, bei fehlenden Plänen, bei einer dauerhaften Müdigkeit gegenüber dem Leben empfinden. Ich will, dass Sie diese ersten Anzeichen spüren und ernst nehmen – und nicht warten, wie ich es tat.

Jahrelang dachte ich, es lässt irgendwann nach und heilt sich selbst. Bis ich einsah, dass nichts, gar nichts geschehen würde. Dass meine Haltung zum Leben vermutlich dunkel bliebe. Das war der Zeitpunkt, an dem ich Tabletten schluckte. Ich wollte so nicht sein, war am Ende meiner Zukunft angelangt mit nur 16 Jahren. Glücklicherweise überlebte ich, und endlich stellte man eine Diagnose: Depression. Aber eine Diagnose ist noch keine Heilung. Es sollte ein langer Weg werden, bis ich wieder sagen konnte: Ich liebe dieses Leben, es ist ein Geschenk!

Obwohl ich kurz nach meinem Suizidversuch eine glänzende Karriere als Moderatorin bei Viva startete, obwohl mein Umzug nach Köln Veränderungen bringen sollte, brachte das alles keine Ruhe für die Seele. Die Depression blieb, als hätte sie Widerhaken. Körperliche Reaktionen kamen hinzu. Und wenn ich Ihnen sage, dass ich äußerlich strahlte, innerlich matt war, dann denke ich: Sie wissen, was ich meine. Wie sonst würden Sie das Buch von Harald Krauß aufschlagen, würden nach einem Gegengift suchen, um Stress, Ängste, Antriebslosigkeit zu tilgen?

Dass ich sofort, völlig ohne Zögern dieses Vorwort geschrieben habe, hat natürlich mit meiner Geschichte zu tun. Ich weiß, wie sich dieser Sturz auf den Seelengrund anfühlt. Zur Traurigkeit kommen Ängste, das Leben könnte gänzlich entgleiten. Auf meinem Nachttisch lagen damals die Schlaftabletten, die mir in der ambulanten Therapie zuvor verordnet wurden. Mehr als einmal dachte ich: Was wäre wenn …

Heute weiß ich, nach der dunkelsten Stunde beginnt die Heilung. Vielleicht war der folgende Klinikaufenthalt meine Rettung. Vielleicht waren es die Spaziergänge in der Natur, das Loslassen von digitalen Medien. Auch fand ich einen Halt in der Philosophie des Buddhismus. Dieser besagt nämlich, dass jede Ursache im Leben ihre Wirkung schon in sich trägt. Das bedeutete für mich: Wenn ich gesund werden wollte, würde ich auch gesund werden. Ganz sicher. Selbst wenn es sich im Moment nicht so anfühlte. An diesem Glaubenssatz hielt ich mich fest und machte meine Schritte.

Ich kam in Bewegung. Die mag trivial erscheinen, aber für mich bedeutete sie das Wechseln von einer Galaxie in eine andere: Ich räumte meine Wohnung auf! Ich schaffte Ordnung. Ich nahm mir vor, zukünftig zuverlässig zu sein, pünktlich zu sein, meine Termine einzuhalten. Nichts mehr schleifen zu lassen. Keinen Flug mehr aus Unachtsamkeit zu verpassen. Einschätzbar zu sein, empathisch, wertschätzend den anderen gegenüber – und mir selbst. Ich traute mir zu, ohne Kosmetik zu sein, mein Gesicht ungeschminkt zu zeigen. Kein Verstecken mehr. Keine zum Schein errichtete Perfektion. Wenn ich mich heute täglich vor dem Wert dieses Lebens verneige, dann blicke ich auf eine lange Reise zurück. Eine Reise hin zu mir. Ich kann sagen: Ich bin, wie ich bin – und so bin ich richtig gut! Ich empfinde Glück und will dieses Glück mit so vielen Menschen wie möglich teilen. Und sollten Sie an sich selbst zweifeln, sollten Sie die Verantwortung für Ihr Wohlgefühl abgeben wollen, so lautet mein Rat: Tun Sie es nicht. Nicht Selbstvorwürfe, Fremdvorwürfe helfen weiter, sondern einzig Ihr Selbstvertrauen gibt Ihnen Kraft, auch schwierige Phasen gesund zu überstehen.

Und genau hier setzt das Buch von Dr. Harald Krauß an: Warten Sie nicht, laufen Sie nicht auf falscher Spur weiter. Verlieren Sie das Vertrauen in sich selbst niemals! Sie können verändern, was Sie stört. Dazu ist Mut erforderlich: Mut hinzusehen, in sich hineinzufühlen. Von falschen Routinen zu lassen. Abzureißen, was ein perfektes Gerüst ist, wenn die Fassade dahinter leidet. An die Seele kommen Sie erst heran, wenn Sie abziehen, was Sie erstickt. Dann erst können Sie frei atmen. Genau diesen Mut wünsche ich Ihnen. Natürlich wird sich damit das Leben nicht rosarot färben. Es wird immer Momente geben, in denen Sie heulen. Tun Sie es. Aber lassen Sie sich nicht vereinnahmen. Nicht von Situationen, nicht von fremden Zielen. Achten Sie auf sich und auch auf die Menschen, die Ihnen wichtig sind! Das ist auch der Kern der buddhistischen Lehre – mitfühlend zu bleiben. Denn Depression ist eine verflixt selbstbezogene Krankheit – und Mitgefühl ein wunderbares Gegenmittel. Nicht Self-Care, sondern I care.

So, das war’s von mir zum Thema. Nun ist der Autor dran, der Experte für seelische Gesundheit. Ich wünsche Harald Krauß den Bucherfolg – und Ihnen, dass Sie sehr bald wieder dem Leben entgegenlachen.

Milka Loff Fernandes ist Fernsehmoderatorin, Schauspielerin und Autorin des Buches #Selbstwert. Die Happiness-Connection, Adeo, 2021.

Einleitung: Schmerz auf der Seele

Wir müssen reden! Über Traurigkeit, Ängste, Stress, über das Leiden der Seele. Denn die Seele ist jener Stoff in uns, den wir zu lange schon vernachlässigen. Wir pflegen unseren Körper, trainieren die Muskeln. Wir ernähren uns ausgewogen, meiden Gifte wie Alkohol und Nikotin, schlucken Vitamine und Mineralien. Wir investieren Zeit und Geld für die Gesundheit. Wir dürfen auf Beziehungen bauen, sind vielleicht gut unterwegs auf der Karrierespur. Und wundern uns doch, dass all dies nicht reicht, um glücklich zu sein.

Um es deutlich zu sagen: Deutschland, dieses Land im Wohlstand, wird zunehmend eine Region, in der fleißige, erfolgreiche – und traurige Menschen wohnen. Jeder vierte Bürger erfüllt die Kriterien einer psychischen Erkrankung, drei Millionen leiden an einer behandlungsbedürftigen Depression. Das ist eine erschreckend hohe Quote. Sie rüttelt auf. Hinter diesen Zahlen stehen Dramen, die in dieser Härte nicht geschehen müssten. Würden wir die ersten Signale der Seele wahrnehmen, so könnten wir viel Unglück vermeiden.

Denn erst leidet die Seele leise, dann erkrankt sie an den Umständen. Später schwindet der Lebensmut, und manchmal ruft eine kranke Seele sogar nach dem Tod.

Als Arzt und Psychotherapeut, als Klinischer Leiter eines Krankenhauses behandle ich Patienten, die an der Seele leiden. Frauen und Männer, die mir gegenübersitzen, haben ihre Ziele verloren, ihre Lust auf Zukunft. Das war nicht immer so. Würde ich sie bitten, mir einige Schnappschüsse des bisherigen Lebens auf den Tisch zu legen, ich würde auf durchaus glückliche Momente blicken. Bei den meisten meiner Patienten gab es Hochzeiten, Geburten, Liebesschwüre, Häuserbau, Reisen zu exotischen Orten. Es gab die kleinen Perlen des Glücks, wenn Kinderaugen strahlten, wenn sich Münder bis zu den Ohren dehnten, wenn Hände nach den Sternen griffen.

»Eigentlich müsste ich glücklich sein«, sagen sie – und betrachten ihre Fotos, als stammten diese aus einer anderen Zeit, aus einem anderen Leben. Fast ungläubig schütteln sie den Kopf. »Eigentlich müsste ich glücklich sein« – bei diesem Satz werde ich hellhörig. Er ist ein Signal für eine diffuse Angst meiner Patienten. Dieser Satz gibt mir einen Hinweis darauf, dass deren Freude, Selbstrespekt und Dankbarkeit abhandenkam. »Es ist schon so lange her, dass ich mich unbeschwert fühlte, aktuell habe ich enormen Stress«, so und ähnlich lauten dann die Rechtfertigungen. Dabei schreibt das Gesetz des Lebens vor, dass den guten Tagen auch schlechte folgen, dass alles im Wandel begriffen ist. Niemand steht immer im Licht. Niemand hat ein Abonnement auf störungsfreie Jahre. Immer gibt es den Wechsel aus Freude und Traurigkeit.

Wie sieht es bei Ihnen aus? Gehen Sie mit den kleinen Alltagskatastrophen locker um? Oder steigern Sie sich in Sorgen und Unglück hinein und denken sogar, in Ihrem Leben wird es nicht mehr besser werden? Denken Sie, Druck, Ängste und Schwermut werden sich zementieren? Dann sollten Sie weiterlesen; ich werde Sie davon überzeugen, dass das nie, wirklich niemals der Fall sein wird. Sie können wieder glücklich werden, was immer Ihnen aktuell widerfährt. Sie werden Ihre hellen Gefühle wieder aktivieren – wenn Sie gut zu sich sind, wenn Sie sehr ernsthaft und konsequent Ihre Seele und Ihren Körper pflegen.

In den fünfundzwanzig Jahren meiner Tätigkeit habe ich erfahren, dass Menschen in Krisen hilflos bleiben. Sie aktivieren ihre Selbstheilungskräfte nicht, sondern vernachlässigen ihre Seele. Sie sind nicht bereit, einmal innezuhalten und die Situation, in der sie feststecken, zu akzeptieren. Dabei ist das der einzige Weg, um wieder glücklich zu werden: Tempo drosseln, stehen bleiben, Situation betrachten, Gefühle zulassen und dann: weiter im Leben! Die Seele braucht diese Pausen und diese Reflexion, denn sie will nicht getrieben werden, weder in guten noch in schlechten Zeiten. Leider gibt es bis heute keine Pille, die vorbeugend gegen schlechte Tage hilft. Ich würde sie Ihnen gern verschreiben, um Sie glücklich zu sehen. Meine Einsicht aber, und das deckt sich mit allen wissenschaftlichen Studien, lautet: Nur Sie selbst können Ihre Seele wieder heilen. Sie können zu jeder Zeit entscheiden, Ihrem Leben mehr Ruhe, mehr Freude, mehr Zufriedenheit zu schenken, denn Sie besitzen die Kraft, einer depressiven Verstimmung zu entkommen.

Wenn die Seele leise ruft

Wir erlauben uns im durchgetakteten Alltag kaum mehr Selbstreflexion und fragen nicht, ob Gefühle und Handlungen zueinander passen. Wir hören kaum mehr auf die leise innere Stimme, die zur Ruhe mahnt, denn die Devise lautet: höher, schneller, weiter. Aus dieser Hektik aber versucht Ihre Seele zu flüchten, denn sie erträgt keinen Stress. Sie zeichnet dann Fantasiebilder von einer Auszeit unter Palmen, von einem Trip rund um die Welt und will raus aus der Gefahr, ernsthaft krank zu werden. Viele von uns kommen mit der Beschleunigung der Zeit nicht zurecht: Sie fürchten sich vor der zunehmenden Komplexität der Aufgaben. Sie sind im Stress gelandet und sind doch weitergelaufen, so lange, bis sie erschöpft waren. Einige von ihnen erfuhren Schicksalsschläge oder zwischenmenschliche Krisen, auch Schulden, Arbeitsplatzverlust, Mobbing im Beruf können Gründe für Ängste und Traurigkeit sein. So viele Menschen es gibt, so viele unterschiedliche Geschichten erleben diese. Und auch jede Seele findet ihren eigenen Ausdruck für Schmerz. Wenn Sie darauf nicht frühzeitig reagieren, schwindet die Kreativität, die nötig ist, um das schleichende Gift auf der Seele zu stoppen. Es frisst sich durch die Gedanken, durch das Herz, erreicht den Körper. Es schwächt das Immunsystem, bringt das Herz aus dem Takt. Das Gift in der Seele macht einsam, bis kein Lebensmut mehr übrig bleibt. Der Alltag wird zäh, kaum noch zu ertragen. Äußerlich gibt es keine Wunden, keine Hämatome sind sichtbar. Aber innerlich herrscht diese schier unendliche Leere, und kaum noch gibt es eine Erinnerung daran, wie wunderbar das Leben einmal war. Und wenn ich all die Geschichten in einem einzigen Satz bündeln sollte, dann hieße dieser eine Satz: Seele und Körper sind eine untrennbare Einheit; nur wenn beide gesund sind, empfinden wir Glück. Werden wir nicht müde, beides zu pflegen.

Der Held in meinem Buch

Dass Sie mein Buch in den Händen halten, verrät mir: Auch Sie leiden an der Seele. Ich weiß nicht, wie lange Sie diesen Schmerz zur Seite geschoben haben, wie oft Sie sich eingeredet haben, alles sei gut. Meist vergehen Monate, bis die Signale der Seele lauter werden, bis Menschen bereit sind, Hilfe und Expertenrat anzunehmen. Es ist gut, dass Sie nun handeln.

Sie finden auf den nächsten Seiten ein fachlich erprobtes, nach wissenschaftlichen Kriterien ausgearbeitetes Konzept, das Sie mit all Ihren Stärken und Schwächen, aber auch mit Ihren Lebenszielen in den Mittelpunkt stellt. Denn mir geht es auf den nächsten Seiten nur um eines: um Ihr persönliches Wohlgefühl.

Verstehen Sie mein Buch als Trainingsprogramm zur Seelenkräftigung. Dabei ist es nicht leicht, die Seele zu beschreiben, ihr eine Definition zu geben. Woraus besteht die Seele? Wo wohnt sie? Und vor allem: Wie macht sie sich bemerkbar, wenn es ihr gut geht oder wenn sie leidet? Wir werden, das verspreche ich Ihnen, uns mit jedem Kapitel ein Stück mehr der Seele nähern. Wir werden erfahren, wie wir sie pflegen, gesund erhalten. Wir werden mit der Seele in Kontakt kommen. Und ich hoffe sehr, wenn Sie den Buchdeckel zuklappen, dass Sie wieder voller Zuversicht sein werden und sich selbst jeden Tag von Neuem disziplinieren, um den Ansprüchen im Außen keine Priorität zu geben. Priorität Nummer eins sind Sie und nur Sie. Wenn es Ihnen an Seele und Körper gut geht, dann befinden Sie sich auf dem richtigen Weg, dann können Sie Liebe geben, Leistung erbringen, Freude zeigen und Ihre Chancen erkennen.

Ich verstehe mein Buch als eine literarische Therapie, in der Sie der Held sind, der am Ende siegen wird. Meine Aufgabe ist es, Ihre Prosa im Leben wieder in die richtige Form zu bringen, mit Ihnen gemeinsam das angemessene Tempo zu finden. Wir werden nicht oft zurückblicken, die alten Wunden nicht aufkratzen, sondern im Hier und Jetzt bleiben und die Aufmerksamkeit auf die Gegenwart richten. Denn jede Handlung, auch die in Ihrem Leben, kennt nur eine Richtung: vorwärts. Was Sie gestern erlebt haben, mag Sie traurig und ängstlich gemacht haben, aber das lässt sich nicht mehr ändern. Niemand kommt durch seine Zeit, ohne zu stürzen. Die Kunst ist es, wieder aufzustehen, weiterzugehen, und zwar mit dem guten Gefühl, sich selbst im Alltag immer wieder zu orientieren. Das können Sie trainieren. Fangen wir an. Packen wir erst einmal Ihren Zweifel ins Gepäck, den nehmen wir mit, den nehmen wir ernst. Halten Sie bitte ein Notizheft und einen Stift bereit. Schreiben Sie auf die erste Seite Folgendes:

Ich nehme an, was ist. Ich akzeptiere den Moment.

Knipsen wir Ihre Lebensfreude wieder an! Das wird nicht wie von Zauberhand geschehen, Sie benötigen vielmehr die Entschlusskraft, Ihre Heldenreise zu beeinflussen, Ihrem Leben einen anderen Rhythmus und eine andere Richtung zu geben. Ich weiß, wie herausfordernd das klingt, aber glauben Sie mir: Ein Ignorieren der Seelensignale würde keine Heilung bringen – im Gegenteil: Es würde Ihre Vitalfelder weiter schwächen, Ihre gesamten Systeme würden sich auf Ihr aktuell empfundenes Unglücklichsein einstellen. Der Hormonhaushalt würde sich verändern, die neuronale Mixtur der Botenstoffe im Gehirn ebenso. Es würden sich Synapsen im Gehirn bilden, die sich aufgrund von Unzufriedenheit, Ängsten und Traurigkeit verdicken würden. Sie würden die schlechten Gefühle trainieren, sie würden zu Ihrem inneren Programm. Am Ende dieser unsäglichen Spirale steht die Dysbalance zwischen Körper und Seele, die eine Depression vorantreibt. Stoppen Sie unbedingt sehr früh und entschlossen diese Entwicklung. Sie bleiben nicht krank, wenn Sie bereit sind, mein ganzheitliches Konzept in Ihrem Alltag zu etablieren. Sie können kraft Ihrer Gedanken, Ihrer Sichtweise und Ihrer Pflege von Körper und Geist wieder aktiv Ihr Leben gestalten. Wohlgemerkt: Ich rede nicht von einer klinischen Depression im engeren Sinne, denn diese gehört immer in eine stationäre fachmedizinische Betreuung. Alle anderen, vorübergehenden Krisen können Sie jedoch selbst heilen. Dazu möchte ich Ihnen einen roten Faden bieten, und ich hoffe sehr, er wird Ihren Alltag zukünftig zusammenhalten.

Mein Wunsch an Sie lautet deshalb: Halten Sie inne. Jetzt! Nehmen Sie an, was ist. Sie zweifeln aktuell an einer gelingenden Zukunft. Akzeptieren Sie das bitte. Keine Worte können Ihre Situation schönreden. Aus irgendeinem Grund, sei es schicksalsbedingt oder selbstverschuldet, haben Sie auf Ihrer Reise Ihren persönlichen Fixstern im Leben verloren. Sie sind von Ihrem Weg des Glücks abgekommen. Wie gesagt: Damit sind Sie nicht allein, das passiert zahlreichen Menschen in Deutschland. Nehmen Sie es an, und weinen Sie, wenn Sie das heulende Elend überfällt.

Dieses Buch ist also keines, das Ihnen suggeriert, alles sei halb so schlimm, Sie müssten nur den Spirit des Universums in sich bündeln und über Nacht würde dann alles wieder gut. Das ist leider nicht der Fall, denn eine depressive Verstimmung ist eine ernst zu nehmende Diagnose. Deshalb lassen Sie sich die nächsten Seiten lang Zeit, sich wieder Ihrer Seele zu nähern. Sagen Sie sich:

Es ist, wie es ist. Ich stehe hier im Nirgendwo, habe meine Ziele verloren und auch den Sinn.Es ist, wie es ist – aber es wird nicht so bleiben!

Mit diesen Leitsätzen möchte ich mein Buch starten. Auf geht’s.

Ihr Harald Krauß

Kapitel 1:

Das Verschwinden des Fixsterns

Es gibt keine Zahlen und Daten, um Ihr Glück zu definieren. Ebenso wenig gibt es einen Marker, um den Grad Ihrer Traurigkeit festzustellen. Wie einfach wäre eine solche Diagnose, könnte ich meinen Patienten wenige Milliliter Blut entnehmen und diese ins Labor tragen. Auf dem Auftrag stünde: Bitte Parameter für Verstimmung isolieren. Ich könnte Ihrem Mangel an Glück eine Zahl zuordnen, könnte Ihre Traurigkeit in einer Matrix vermerken. Aber leider bietet das Blut keinen Messwert für die Seele.

Und wenn Sie nun einwenden sollten, dass körperliches Leid ein Hinweis auf eine Unterversorgung mit Glück wäre, dann will ich hier widersprechen: Auch ein kranker Mensch kann glücklich sein. Wer einen Körperteil unfallbedingt verliert, wessen Herz nur noch mit Schrittmacher schlägt, wer unter akuten oder chronischen Malaisen leidet, kann dennoch eine wunderbare Stabilität in sich finden. Er kann sich mit seinem Schicksal arrangieren, kann seine Muskeln in der Physiotherapie stärken, einen Trainingsplan umsetzen. Mehr noch, er kann eine Dankbarkeit für sein Leben spüren, die bis in die Zellen wirkt. Umgekehrt wissen wir aus zahlreichen Beispielen, dass Gesundheit, Reichtum und Prominenz keine Garanten für Zufriedenheit sind. Sie können sogar negative Aspekte auf die Seele setzen, wenn die Gier getriggert wird, mehr, immer mehr vom Gleichen zu wollen. Mehr Geld, mehr Macht, mehr Anerkennung. Gier führt immer in den Stress. Hier wehrt die Seele sich. Sie ist zu zart für diese Art Emotion.

Und damit beginnt das Dilemma: Es gibt keine Standards in der Psychologie, um einen Seelenschmerz auf den ersten Blick zu identifizieren. Lange können Menschen das Leiden der Seele ignorieren und der Außenwelt das Bild vermitteln, dass alles stimmig läuft, alles sich im grünen Bereich befindet. Ich halte solche Ignoranz für gefährlich. Obwohl Ihre Seele leise leidet, obwohl Sie Ihnen viele Fehler und Nachlässigkeiten verzeiht, bilden sich doch Risse auf ihrer Oberfläche. Anfangs können durchaus Ihre Selbstregulierungskräfte wirken, aber auf Dauer wird das nicht ausreichen, und dann verliert Ihre Seele die Balance. Traurigkeit, Erschöpfung und Depression sind die Folge. Das ist der Punkt, an dem Patienten mir gegenübersitzen und Hilfe suchen. Vermutlich, so denke ich, gab es bereits in frühen Phasen des Leidens einige Momente, in denen die Seele einen leisen Hilferuf von sich gab. Dieses Erkennen der frühen Momente ist wichtig, um nicht abzurutschen in eine seelische Dunkelheit. Denn Traurigkeit kann zur depressiven Verstimmung, zur Depression werden. Dann gibt es kaum noch Energie, um den Alltag zu bewältigen. Man fühlt sich ausgebrannt, leer, kraftlos. Burn-out ist der Begriff dafür, wenn das seelische Leid auch den Körper schwächt, bis keine Idee von einem Morgen mehr entsteht.

Über Seelenschmerz redet man nicht gerne. Warum eigentlich? Ich vermute, es ist die Angst vor einem Stigma. Männer gelten dann als verweichlicht oder als jemand, der nicht belastbar genug ist, seine Aufgaben zu erledigen. Frauen werden als hysterisch oder launisch bezeichnet. Man strengt sich also an, nach außen routiniert zu erscheinen. Wer will schon seine Karriere oder seine Beziehung gefährden? Trotz Druck auf der Seele und Anzeichen von Erschöpfung versucht man, sich mit eingefrorenem Lächeln durch den Tag zu retten. Man nimmt Termine wahr im Business, bleibt als Partner und Elternteil präsent. Man trifft Freunde, sagt die wöchentliche Tennisrunde nicht ab, man funktioniert – und vielleicht käme niemand auf die Idee, dass etwas stockt im Denken und Fühlen, dass plötzlich alles, was bisher gut und richtig war, wie von einem Nebel überzogen ist. Erst schwindet die Freude, dann kommt der Schmerz, später der Zusammenbruch. Passen Sie auf sich auf!

Viele meiner Patienten sagen nach einem Zusammenbruch: »Hätte ich doch früher reagiert. Hätte ich die ersten Anzeichen dieser Traurigkeit ernst genommen.« Die Krux ist nur: Sie dachten, diese Traurigkeit sei nur temporär, sie werde bald wieder ohne Weiteres verschwinden. Sie alle haben nicht im Traum daran gedacht, dass es sich um eine beginnende Depression handeln könnte! Vielleicht haben sie eine berufsbedingte Überlastung vermutet oder haben ihre Stimmungen hinter dem Begriff Hormonschwankung versteckt. Oder sie haben sich gesagt, dass niemand immer gleich gut drauf sein könne, es werde sich schon bessern mit der Zeit. Nur ist das nicht geschehen.

Eine beginnende Depression ist tatsächlich von einer niedergeschlagenen Laune nicht zu unterscheiden. Zunächst sind die Anzeichen ähnlich. Aber im weiteren Verlauf lichtet sich der Nebel nicht mehr, und die Niedergeschlagenheit wird zum Dauerzustand. Hinzu kommen diffuse Ängste, dann das matte Gefühl, die Freude an der Arbeit, der Liebe, am Leben zu verlieren. Zum matten Gefühl gesellt sich das schlechte Gewissen, denn von außen betrachtet gibt es keinen Grund zur Sorge. Eigentlich könnte man zufrieden sein. Man hat einen Job, eine Familie, gesunde Kinder. Man kann sich Urlaub und Hobby leisten. Eigentlich steht man auf der Sonnenseite, aber die Seele friert.

Es können Monate vergehen, bis Sie ahnen, dass Ihre Seele krank ist und Pflege braucht. Der Grund für die Abwehr dieser Einsicht ist übrigens Ihr Ego. Ihr Ego nämlich ruft Ihnen zu, dass Sie stark genug sind, ein Siegertyp sind, nicht aufgeben sollen, dass Sie trotz dieses »Psychogedöns« weitermachen sollen wie bisher. Sie lächeln in den Spiegel und sagen sich: »Nach Schatten kommt wieder Licht.« Sie übergehen die Signale weiterhin, drücken sie fort. Aber das Unterbewusstsein ist eine starke Macht, es lässt sich nicht mit Plattitüden beruhigen. Meist meldet es sich nachts zu Wort, bringt an die Oberfläche, was Sie tagsüber ignoriert haben. Das ist der Punkt, an dem sich die Grübelspirale verselbstständigt und fortlaufend schneller dreht. Schlaflosigkeit wird zum Dauerthema.

Ich halte diese Sorgen in der Nacht für ein erstes, ernst zu nehmendes Indiz einer beginnenden Depression. Sie fühlen sich zunehmend erschöpft und verlieren Ihre innere Klarheit. Wie unter einer Dunstglocke aus Traurigkeit stecken Sie fest, und bald schon werden Sie Ihren Fixstern im Leben nicht mehr sehen.

Wenn das innere Leuchten verschwindet

Sie und ich und jeder andere Mensch auf dieser Erde trägt in sich einen Fixstern. Er leuchtet über Ihrem Gedanken- und Wertehimmel. Er ist Ihre Orientierung im Leben und weist Ihnen den Weg zu Ihrem höchstpersönlichen Glück. Wo Ihre Talente, Werte und Träume zusammentreffen, dort finden Sie ihn. Er steht also hoch am Himmel, weit über all Ihren beruflichen und privaten Zielen. Man könnte sagen: Er ist eine Vision, die Sie niemals in Gänze erreichen, weil die Vision zu groß und mächtig ist und unsere Zeit auf dieser Erde zu kurz.

Ich möchte das Bild des Fixsterns als Metapher verstehen für das, was uns antreibt, was in der Seele seinen Anfang nimmt und sich in Teilen in unserem Leben realisiert. Und sollte er in Ihrer Phase der Traurigkeit nicht leuchten, dann rufen Sie ihn bitte in Ihre Erinnerung zurück.

ÜBUNG: DEN FIXSTERN LEUCHTEN LASSEN

Legen Sie Notizbuch und Stift bereit.

Achten Sie auf eine ungestörte Atmosphäre.

Schließen Sie Ihre Augen und stellen Sie sich die Wunderfrage:

Würden alle Hindernisse verschwinden, wären alle Quantensprünge möglich, dürften Sie aus allen Möglichkeiten die für Sie beste suchen, welche wäre das?

Trauen Sie sich, groß zu denken! Es gibt keine Grenzen, Ihr Fixstern braucht Höhe und Weite sowie Ihren Mut, das Unmögliche wahr zu machen.

Wenn Sie Bundeskanzler werden wollen, schreiben Sie das in Ihr Notizheft.

Wenn Sie davon träumen, vor 10.000 Zuhörern in der Royal Albert Hall Saxofon zu spielen, schreiben Sie es auf.

Wenn Ihr Herz warm wird bei der Vorstellung, in dreißig Jahren mit neun Enkelkindern im eigenen Garten nahe Ihrem Olivenhain in der Toskana zu spielen, schreiben Sie es auf.

Wahrscheinlich werden Sie nie der Bundeskanzler von Deutschland sein, aber Sie werden viele der kleinen untergeordneten Ziele erreichen und dabei Ihrem Glück einen Vorschub leisten: Sie werden Mitglied in einer Partei. Sie lassen sich in den Ortsvorstand wählen. Sie werden Schatzmeister oder Pressesprecher. Sie werden Beauftragter in Ihrem Kreis. Sie engagieren sich für Themen, die Ihnen wichtig sind, geben Interviews in der regionalen Presse. Sie sehen Ihren Fixstern vor sich und empfinden Sie einen tiefen Sinn in dem, was Sie tun.

Nur den wenigsten Menschen gelingt es, mit Saxofonspielen eine der berühmtesten Hallen der Welt zu füllen. Aber sobald der Fixstern leuchtet, werden Sie die Schritte in die für Sie richtige Richtung setzen. Sie leihen sich ein Instrument, nehmen Unterricht, üben mit Freude und empfinden irgendwann den Wunsch, in einer Band zu spielen, mit Ihrem Können andere Menschen zu erfreuen. Vielleicht geben Sie für Freunde hin und wieder ein Hauskonzert?

Oder Sie werden einmal im Jahr für zwei Wochen aussteigen und auf einem Gut in der Toskana die Seele baumeln lassen.

Fazit: Ein Fixstern kann nach einem Schicksalsschlag aus Ihrem Blickfeld verschwinden, untergehen aber wird er nie. Davon erzählen Mutgeschichten von Menschen, die am Abgrund standen. Sobald sie sich nach überwundenem Leid wieder auf den Weg zu ihrem Fixstern machen, finden diese Menschen ihre Orientierung. Es kommt übrigens nicht darauf an, das Große ganz zu erreichen, oft reicht ein Stück vom Glück, um die Seele wieder heilen zu lassen.

Seelische Widerstandskraft trainieren