Wir? Echt jetzt? - Michael Tysta - E-Book

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Michael Tysta

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Beschreibung

Der zunehmende Populismus bzw. das allgegenwärtige Erstarken populistischer Parteien stürzt die Demokratie in eine Krise. So oder so ähnlich lautet die offensichtlich allgemein anerkannte und öffentlich regelmäßig wiederholte These zur aktuellen politischen Situation in zahlreichen demokratischen Gesellschaften. Für den Autor, als noch nicht dem Populismus verfallenem Wähler, stellt sich die Situation aber anders dar. Da man nur einen äußerst geringen Prozentsatz der Wähler populistischer Parteien tatsächlich als Nazis, Rechtsextreme oder auch nur als rechtsextremem Gedankengut gegenüber aufgeschlossen bezeichnen kann, muss die Wahlentscheidung der Mehrheit dieser Wähler andere Gründe haben. Vielleicht sollte man also auch in politischen Kreisen probehalber mal den Gedanken zulassen, dass der Zusammenhang eventuell gerade umgekehrt verläuft. Dass nämlich die Krise der Demokratie zum Erstarken des Populismus erheblich beigetragen hat. Denn eine Demokratie hat spätestens dann abgewirtschaftet bzw. steckt in einer massiven Krise, wenn das machthabende Personal immer öfter vergisst, dass es in Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit den Interessen der Allgemeinheit und dem Gemeinwohl dienen soll. Und dies ist in der Bundesrepublik Deutschland seit mindestens 30 Jahren zunehmend der Fall, zeitigt inzwischen unübersehbare, handfeste Folgen im Alltag und geht mit einer starken Entfremdung vom Wähler einher.

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Seitenzahl: 128

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Nicht wir Bürger brauchen

hauptberufliche Politiker und Verwalter

und schon gar nicht solche,

die ihrer Aufgabe nicht sinnvoll

gewachsen sind.

Sondern Sie benötigen

in jeder Hinsicht uns.

Der Autor:

Michael Tysta, Jahrgang 1969, hat einen erwachsenen Sohn und lebt im sächsischen Vogtland.

Er hat in einem normal bewegten Privat- und einem abwechslungsreichen Berufsleben u.a. als ausgebildeter Landwirtschaftsgehilfe in verschiedensten bäuerlichen Betrieben, als examinierter Altenpfleger in der ambulanten und stationären Pflege, als Triebfahrzeugführer bei der Eisenbahn viel Lebenserfahrung und auch Menschenkenntnis gesammelt.

All das musste er jetzt für sich einmal sortieren und mit diesem zweiten Buch in einen für ihn verständlichen Rahmen bringen, unter anderem in einem, inzwischen offenen, sehr ausführlichen Brief an den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier.

Inhaltsverzeichnis

Demokratie und Populismus - ein Vorwort -

Offener Brief an den Bundespräsidenten

Demokratie und Gesellschaft am Abgrund

Exkurs: Wirtschaftswissenschaften

Zusammenhalt 1

Exkurs: Die heutige Zwangsherrschaft

Zusammenhalt 2

Macht

Epilog - Es könnte alles auch ganz anders sein! -

Demokratie und Populismus

- ein Vorwort -

„Der zunehmende Populismus bzw. das allgegenwärtige Erstarken populistischer Parteien stürzt die Demokratie in eine Krise.“

So oder so ähnlich lautet die offensichtlich allgemein anerkannte und öffentlich regelmäßig wiederholte These zur aktuellen politischen Situation in zahlreichen demokratischen Gesellschaften.

Für mich, als noch nicht dem Populismus verfallenem Wähler, stellt sich die Situation aber anders dar. Da man nur einen äußerst geringen Prozentsatz der Wähler populistischer Parteien tatsächlich als „Nazis“, „Rechtsextreme“ oder auch nur als rechtsextremem Gedankengut gegenüber aufgeschlossen bezeichnen kann, muss die Wahlentscheidung der Mehrheit dieser Wähler andere Gründe haben.

Vielleicht sollte man also auch in politischen Kreisen probehalber mal den Gedanken zulassen, dass der Zusammenhang eventuell gerade umgekehrt verläuft. Dass nämlich die Krise der Demokratie zum Erstarken des Populismus erheblich beigetragen hat.

Denn eine Demokratie hat spätestens dann abgewirtschaftet bzw. steckt in einer massiven Krise, wenn das „Personal“ immer öfter vergisst, dass es in Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit den Interessen der Allgemeinheit und dem Gemeinwohl dienen soll. Und dies ist in der Bundesrepublik Deutschland seit mindestens 30 Jahren zunehmend der Fall, zeitigt inzwischen unübersehbare, handfeste Folgen im Alltag und geht mit einer starken Entfremdung vom Wähler einher.

Diese Entfremdung wird u.a. dort offensichtlich, wo z.B. der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seinem Buch „Wir“ ganz selbstverständlich und eher nebenbei eine Zweiteilung der Bevölkerung des Landes in die Kategorie „Bürger“ einerseits und die Kategorie „politische Parteien“ respektive „Politiker“ andererseits vornimmt. Als wären Letztere nicht zunächst auch erst einmal einfach nur Bürger dieses Landes. Oder, wenn der Bundeskanzler Friedrich Merz von den „normalen Leuten“ spricht, wenn er die Bevölkerung seines Landes meint, zu denen er sich ganz offensichtlich selbst nicht zählt. Obwohl er, von allen prestigeträchtigen Ämtern bzw. Jobs und finanziellem Reichtum bereinigt, die ja am Ende nichts menschlich Substanzielles sind, auch nur ein „normales Leut`“ ist. (Dass Machthaber ganz allgemein, egal in welcher Position, auch nur stinknormale Leute sind, lässt sich ja aktuell gut am US-Präsidenten studieren. Und alle anderen sind letztlich nur mehr oder weniger erfolgreich darin, eine Fassade zu konstruieren, deren Risse regelmäßig für jeden sichtbar werden.)

Es ist genau diese mehr oder weniger offen zelebrierte Arroganz und Überheblichkeit, die am Ende zu Entscheidungen und damit zu Handlungen bzw. Unterlassungen führt, die den Interessen der Allgemeinheit und dem Gemeinwohl zuwiderlaufen und unser Land überhaupt erst in diese prekäre wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Situation manövriert haben. Es ist also kein Wunder, wenn große Teile der Wähler das Vertrauen in die Wirksamkeit von Demokratie verlieren. Weil Demokratie offenbar z.B. auch bedeutet, wichtige Infrastruktur über Jahrzehnte einfach verrotten zu lassen oder mit jahrelanger unkontrollierter Einwanderung, die Gesellschaft letztlich an den Rand der Überforderung zu bringen etc., etc.

Selbstverständlich ist es irrational zu glauben, dass populistische Parteien das besser machen und den Interessen der Allgemeinheit mehr dienen würden. Ich habe diese Wahlentscheidung meiner Mitbürger schon immer eher als Weckruf an die etablierten Parteien verstanden, endlich aufzuwachen und damit zu beginnen, einen anständigen Job zu machen. Nur wurde dieser Weckruf leider bis heute nicht verstanden. Stattdessen arbeitet man sich an Brandmauern ab, plant Parteiverbotsverfahren und diffamiert öffentlich die Gesamtheit der Wähler populistischer Parteien. Nichts davon trägt dazu bei, die Demokratie aus der Krise herauszuführen und damit dem Populismus den Nährboden zu entziehen, sondern all dies verschärft die Situation nur noch weiter.

Es ist mit relativ wenig Zeitaufwand und persönlicher Anstrengung verbunden, jetzt plötzlich ein paar hundert Milliarden Euro für Infrastruktur zur Verfügung zu stellen und dazu eine spritzige Rede zu halten. Der Inhalt solcher Reden muss aber letztlich von Millionen Menschen mit ihrer Hände Arbeit mühsam in die Tat umgesetzt werden. Was mindestens genauso viele Jahrzehnte dauert, wie man dabei zugeschaut hat, wie diese Infrastruktur zerbröselt. Und in Deutschland braucht man für solche Projekte bekanntlich mindestens doppelt so lange wie geplant und sie sind am Ende auch doppelt so teuer.

Es ist also seltsam, wenn der Bundespräsident einerseits die Bevölkerung seines Landes in zwei verschiedene, sich gegenüber stehende Kategorien einteilt und andererseits für Zusammenhalt und ein Wir-Gefühl plädiert. Wen meint er denn mit diesem „Wir“?

Der nachfolgende Brief an den Bundespräsidenten bezieht sich zwar auf sein Buch mit dem Titel „Wir – ein Plädoyer für mehr Zusammenhalt und Mut zum Handeln“. Ich denke aber, dass man dieses Buch nicht gelesen haben muss, um den Inhalt meiner Zeilen verstehen zu können. Der Autor beschreibt zunächst den Istzustand unseres Landes, versucht dann mit Hilfe eines langen historischen Abrisses zur Geschichte der Bundesrepublik eine Art „Wir-Gefühl“ heraufzubeschwören, erklärt, was aus seiner Sicht alles erforderlich ist, um Deutschland wieder auf Vordermann zu bringen und schlägt einen, wie er es nennt, „Patriotismus für demokratische Institutionen“ vor, der anstelle von ein wenig Nationalismus die Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt sein soll.

Der Brief an den Bundespräsidenten Steinmeier war ursprünglich einmal eine persönliche E-Mail, sozusagen eine Leserkritik. Erst als es auch nach mehreren Monaten darauf keinerlei Reaktion, noch nicht mal eine automatische Eingangsbestätigung gab, entschloss ich mich, diesen Brief öffentlich zu machen, indem ich ihn u.a. mehreren Medienredaktionen und vierzig mehr oder weniger zufällig ausgewählten Bundestagsabgeordneten (AFD-Mitglieder ausgenommen) zur Verfügung stellte. Denn man hat als Bürger nicht selten den Eindruck, dass in diesen „Institutionen“ teils immer noch nicht ganz angekommen ist, welche Stimmung im Land tatsächlich herrscht, und dass man die politischen Entwicklungen eher als Spiel betrachtet, dass man jeder Zeit wieder beenden kann. Man sollte als Politiker aber unmissverständliche Wahlergebnisse schon als Barometer für die Stimmung im Wahlvolk betrachten und entsprechend sehr ernst nehmen.

Offener Brief an den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier

Betreff: Ihr Buch "Wir"

19.2.2025

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Steinmeier,

kurz vorweg: wenn Sie die folgenden Zeilen als bloßes "Politik-Bashing" einfach schnell beiseite wischen, haben Sie den konkreten Wortlaut Ihres Buches im einzelnen scheinbar nicht mehr ganz vor Augen und Ihnen ist womöglich nicht bewusst, welchen Beitrag Sie zu einer solchen (teils verächtlichen) Haltung in der Bevölkerung mit einem kleinen, wahrscheinlich eher nebenbei hingeworfenen Satz, selbst gelegentlich leisten. Ich spreche mit dem Folgenden selbstverständlich überwiegend nicht Sie persönlich, sondern Sie als obersten Vertreter Ihrer "Zunft" an.

Es ist mir in Ihrem Buch zum ersten Mal begegnet, dass ein Politiker von sich aus, ohne Not, theoretisch nach reiflicher Überlegung, ganz offen, unverblümt und vollkommen ungeniert eine Zweiteilung der Gesellschaft in eine Sphäre der "politischen Parteien", also seine eigene, und eine der "Bürger" vornimmt, so als wäre dies das Selbstverständlichste von der Welt. Und mir ist schleierhaft, auf welcher Grundlage Sie das tun. Normalerweise nimmt der Bürger diese Zweiteilung (in unserem Sprachgebrauch "Die da oben" und "Wir hier unten") vor und zwar aufgrund seiner wiederholten persönlichen Erfahrungen mit Politik und vor allem auch staatlicher Verwaltung.

Machen Sie solche Erfahrungen nicht, Herr Steinmeier? Wird eventuell standardmäßig an jeden Politiker eine, nennen wir sie, "P-Card" ausgegeben? Mit welcher deren Inhaber sofort in jeder Behörde in die VIP-Launch geführt wird, wo ein zuvorkommender Sachbearbeiter z.B. im Fall einer beabsichtigten Rentenbeantragung sofort kurz im Computer nachschaut, ob alle notwendigen Daten auf dem Server gespeichert sind, was selbstverständlich der Fall ist, und dann in einem Kästchen auf dem Bildschirm ein Häkchen setzt und damit ist die Rente beantragt. Und die schriftliche Bestätigung des damit in die Wege geleiteten Rentenbezugs hat er dann am nächsten Tag im Briefkasten. Wobei "Sie" selbstverständlich nie eine Rente beantragen müssen.

Die benötigten Daten jedes anderen Bürgers sind selbstverständlich auch alle auf dem Server. Aber der Bürger muss, obwohl er einen Termin hat, eine Nummer ziehen und in einem übervollen Warteraum Platz nehmen, wo vielleicht nach einer Stunde seine Nummer aufgerufen wird. Zur Beantragung der Rente legt der Bürger dem Sachbearbeiter eine Mappe mit jeder Menge Nachweisen, Bescheinigungen und ausgefüllten Formularen vor und um die Dreistigkeit auf die Spitze zu treiben, muss der Rentenantragsteller auch noch seine Geburtsurkunde vorlegen. Seltsamerweise hat während der Jahrzehnte des Einzahlens in die Rentenkasse nie jemand daran gezweifelt, dass man tatsächlich geboren wurde. (Seit mir dieser Fakt vor ein paar Jahren zufällig bekannt wurde, zahle ich nicht mehr in die Rentenkasse ein und werde auch niemals eine Rente beantragen, denn viel mehr Demütigung der arbeitenden Bevölkerung geht fast nicht.) Und wenn der Antragsteller aus Versehen auf einem Formular an der falschen Stelle unterschrieben hat, weiß der Sachbearbeiter mit seiner Empörung darüber gar nicht wohin und er schickt den Antragsteller wieder nach Hause, der dann erneut einen Termin benötigt, um nun hoffentlich mit den exakt ausgefüllten Formularen wieder vorzusprechen. Und die schriftliche Bestätigung der erfolgreichen Antragstellung landet dann irgendwann nach Monaten im Briefkasten. Und die Aggressivität des Sachbearbeiters dient vor allem seinem Selbstschutz, weil er sich eigentlich innerlich massiv dafür schämt, einen solchen Schwachsinn verzapfen zu müssen auf Anweisung von "Oben".

Menschen mit Migrationshintergrund haben gelernt, dass man eine solche respektlose und demütigende Behandlung durch Behördenmitarbeiter als Rassismus und Diskriminierung bezeichnen darf und dann jede Menge Mitgefühl bekommt, weil man so etwas angeblich aufgrund der fremden Herkunft ertragen muss. Dass auch alle Bürger, die sichtbar keinen Migrationshintergrund haben, in deutschen Amtsstuben exakt genauso behandelt werden, wird nie irgendwo im gleichen Atemzug erwähnt. Und Definitionen wie "Rassismus" oder "Diskriminierung" stehen uns ebenfalls nicht zur Verfügung, weil wir keiner anerkannten Minderheit angehören. Würden Sie, Herr Steinmeier, bei solchen Erlebnissen nicht genauso empfinden wie "Wir"?

Und in der Regel wird diese Einteilung in "Die da oben" und "Wir hier unten" dem Bürger von der Politik massiv vorgeworfen, so als hätte er, der kleine Dummerjan, im Demokratieunterricht nicht richtig aufgepasst, da etwas missverstanden oder aus purer Faulheit und Dummheit das Klassenziel verfehlt. Und natürlich bin ich nicht naiv und gehe, da Politiker auch nur Menschen sind, davon aus, dass diese, warum auch immer, ebenfalls ihre Vorbehalte den "normalen" Bürger betreffend haben. Nur eben so schlau sind, dies nicht in aller Öffentlichkeit kundzutun. Aber dass ausgerechnet Sie als Bundespräsident ganz offen die Gesamtheit der Bürger dieses Landes in zwei verschiedene, sich gegenüberstehende Kategorien eben "politische Parteien" und "Bürger" einteilen, so als wären Politiker und Mitglieder von politischen Parteien nicht auch offensichtlich Bürger, das gibt mir dann doch zu denken. Und nicht zuletzt ist dies geradezu eine Steilvorlage für alle Extremisten und Demokratiefeinde. Sie versuchen zwar den "Bürgern", damit sie die Tragweite einer solchen Aussage gar nicht erst erfassen, noch etwas Honig ums Maul zu schmieren und reden von der in Ihren Augen großen Bedeutung der "Bürgervernunft". Dann frage ich mich, welche Vernunft dann eigentlich bei den Parteien und Politikern zu finden ist oder ob es da überhaupt eine solche gibt?

Immerhin erklärt mir die durch Sie gewonnene Erkenntnis so einiges, was ansonsten im Kontakt mit staatlichen Behörden unplausibel erschien: nämlich dass man als Bürger das permanente Gefühl nicht los wird, dass der Staat einen von vornherein als Bedrohung und Feind betrachtet.

Da Sie, aufgrund der von Ihnen vorgenommenen Zweiteilung, offenbar gar keinen gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt wollen, von welchem ich ursprünglich beim Lesen Ihres Buchtitels ganz selbstverständlich ausging, könnte sich Ihr Wunsch nach Zusammenhalt auch in ganz anderer Form erfüllen. Nämlich dass die "Bürger" gegen die "Parteien - respektive "Politik und Verwaltung" zusammenhalten und die "Parteien" gegen die "Bürger". Wer dabei letztlich am längeren Hebel sitzt und wer dabei mehr zu verlieren hätte, wird am Ende auch noch kurz Thema sein.

Sie plädieren in Ihrem Buch für Zusammenhalt und Mut zum Handeln. Und wollen damit, trotz der von Ihnen von vornherein vorgenommenen Zweiteilung der Bevölkerung, suggerieren, dass "Wir", die Bürger, Wähler und Steuerzahler der Bundesrepublik Deutschland zum einen mit Ihnen und Ihren zahlreichen Bundesgenossen in den VIP-Logen der Gesellschaft irgendetwas gemeinsam hätten. Und dass "Wir" zum anderen durch unser Handeln auch nur irgendetwas Sinnvolles bewirken könnten, wenn die Rahmenbedingungen, die "Sie" setzen, dafür nicht vorhanden sind.

Berufseinsteiger haben z.B. ganz unabhängig von Alter und Profession anfangs die Motivation, in ihrem Beruf etwas Sinnvolles leisten zu wollen, etwas, was zunächst erheblich über ein simples "Hauptsache am Monatsende landet genug Geld auf meinem Konto" hinausgeht. Nach relativ kurzer Zeit merkt jeder Berufseinsteiger und zwar gerade in den einmal sogenannten "systemrelevanten" Berufen wie Bildung, Gesundheitsversorgung, ÖPNV, innere und äußere Sicherheit u.ä., dass sinnvolle Tätigkeit im Interesse der Allgemeinheit, in der Regel aus vorgeschobenen Kostengründen, vom "System" offenbar gar nicht vorgesehen bzw. schlicht unmöglich ist. Nach einem kurzen Moment des Aufbegehrens und des i.d.R. erfolglosen Versuches, erstarrte, hemmende Strukturen sinnvoll und produktiv zu ändern, verliert jeder früher oder später resigniert das Interesse daran, ob seine berufliche Tätigkeit noch irgendwie sinnhaft ist oder auch nur einen sichtbaren Zweck erfüllt. Dann interessiert tatsächlich nur noch die Zunahme des Kontostands am Monatsende und das eigene Fortkommen.

Und an diesem Punkt sind wir nun in Deutschland angekommen. Und zwar nicht, weil es am Willen der Masse der Bevölkerung gemangelt hat. Sondern weil es am Willen von Politikern gemangelt hat, das eigene Ego und die eigene Gier hintanzustellen und stattdessen die Interessen der Allgemeinheit und das Gemeinwohl in den Vordergrund ihrer Ambitionen zu rücken, so wie es, wenn man schon nicht selber darauf kommt, der geleistete Amtseid ja eigentlich verlangt.

An einer solchen Zweiteilung der Bevölkerung nach sagen wir unterschiedlichen Verantwortungsbereichen innerhalb einer Gesellschaft wäre grundsätzlich nichts auszusetzen, würde diese nicht damit einhergehen, dass sich "Politiker" als Elite des Landes betrachten. Die nicht selten sogar von sich glauben, charakterliche und moralische Vorbilder, sozusagen Menschen auf einem höheren Entwicklungsniveau zu sein, die von vornherein intelligenter und somit für die Lösung gesellschaftlicher Probleme besser geeignet sind. Nur ist all dies keineswegs ausgemacht und ganz offensichtlich oft nicht der Fall. "Sie" sind letztlich auch nur mehr oder weniger durchschnittlich intelligente erwachsene Bürger dieses Landes, selbst wenn "Sie" alle einmal studiert haben und sollten deshalb auch jeden anderen Erwachsenen aus der "Bürger"-Fraktion wie Ihresgleichen also auf Augenhöhe behandeln und nicht wie kleine Kinder, die ängstlich zu ihren Eltern