Wir lachen bis heute - Andi Herzog - E-Book

Wir lachen bis heute E-Book

Andi Herzog

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Beschreibung

Zwei Stars im Fußball, die längst Kult sind: Toni Polsters und Andi Herzogs Sprüche lassen kein Auge trocken, ihre Anekdoten sind legendär. In dieser amüsanten Doppelconférence reden sie über das Leben, über Niederlagen und Höhenflüge, über das Anfangen und das Aufhören und darüber, was sie dabei gelernt haben. Wie ist das mit dem Älterwerden? Wie schaffen sie es, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen? Und wie geht Freundschaft? Eine Mischung aus Stammtisch, Kabarett und ein wenig Philosophie.

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Seitenzahl: 196

Veröffentlichungsjahr: 2026

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WIR LACHEN BIS HEUTE

Andi Herzog,

Toni Polster:

Wir lachen bis heute

Alle Rechte vorbehalten

© 2026 edition a, Wien

www.edition-a.at

Coverfoto: Lukas Beck

Fotos im Buch:

Privat

Valerie Voithofer: S. 69, S. 159, S. 191

Lukas Beck: S. 276, S. 279

Cover: Jovana Mišković

Satz: Bastian Welzer

Gesetzt in der Premiera

Gedruckt in Deutschland

1 2 3 4 5 — 29 28 27 26

isbn: 978-3-99001-883-5

ANDI HERZOGTONI POLSTER

Wir lachen bis heute

Angehört und aufgeschrieben von Wolfgang Ilkerl

edition a

INHALT

Zwei Lausbuben …

Im Doppelpass

Kaiser und Prinzen

Epochen & Epochales

Heimathafen

Zwei Wiener und der Rest der Welt

Misstöne und Ohrwürmer

G’schichtln mit Geschichte

In Zeiten wie diesen

PS: Polster Special

Die Lehren des Lebens

Sta(r)tistik

Doppelpass in Papierform

Paul Pizzera

Zwei Legenden, die sich wie ein reifes Paar liebevoll zanken und am Ende doch füreinander die Flanke freiräumen – das ist kein Eheberatungspodcast, das sind Polster & Herzog. Der eine lebte im Strafraum wie andere im Eigenheim; der andere verteilte Pässe, als wäre er Bezirksamt und Eleganz in Personalunion. Gemeinsam haben sie mehr Kabinentüren gesehen als ich Auswärtsfans in Liebenau.

Und ja, auch nördlich des Semmerings, zwischen Dom und Weser, hat man verstanden, dass die österreichische Schule weit mehr ist als »eh a bissl kicken«.

Dieses Buch ist ihr Doppelpass in Papierform. Wer hier blättert, hört die Rasensprenger zischen, riecht den Rauch der Bengalos und kriegt den Schmäh serviert, der jedem VAR standhält. Es geht um Tore, klar. Aber auch um das Dazwischen: Druck, Demut, die Kunst des Wiederaufstehens und die Frage, wie man bei all dem Trara Mensch bleibt. Toni und Andi zeigen, dass Karrieren nicht nur aus Höhepunkten bestehen, sondern aus Haltung. Und davon haben die beiden mehr als Peter Pacults Kraftausdrücke.

Als eingefleischter Sturm-Graz-Fan bin ich naturgemäß so unparteiisch wie ein Linienrichter beim Derby. Rapid? Austria? Bitte! Aber genau darum, liebe Leute, gefällt mir das hier so: Die beiden beweisen, dass Vereinsfarben zwar das Herz färben, aber Freundschaft in Vollfarbe sendet. Toni giftelt, Andi kontert, und am Ende lachen sie miteinander – und wir mit ihnen. Das ist gelebter Fair-Play-Gedanke, nur mit Mehrweg-Wuchteln statt Einweg-Phrasen.

Man darf und soll mit und über die zwei lachen. Respekt im Kern, Ironie an der Oberfläche und viel Herz dazwischen. Für alle, die sich fragen, ob Legenden wirklich vom Sockel steigen können: Hier steigen zwei in ihre eigenen Geschichten, ohne Pathos, mit Humor. Sie verschweigen die Kratzer nicht. Sie veredeln sie. Das macht das Lesen leicht und den Inhalt schwer, im besten Sinn. Wer kickt, wer coacht, wer kommentiert oder einfach nur fußballt: Man findet sich wieder, im Triumph, im Zweifel, in der glückseligen Erkenntnis, dass der Ball rund ist, aber die Wege zum Glück gern eckig. Also: Legt’s das Handy weg, klappt’s das Buch auf, lasst’s euch von zwei Hawara mit internationalem Gütesiegel erzählen, wie es wirklich war, ist und sein sollte.

Viel Vergnügen beim Lesen – und danke Toni und Andi, dass ihr zeigt, wie man groß wird, ohne großspurig zu werden. Wenn Fußball die schönste Nebensache der Welt ist, dann ist eure Freundschaft die schönste Hauptsache dahinter.

Hochachtungsvoll,

euer Paul Pizzera

Herzog/Pizzera

Leere Seiten zum Befüllen

Christopher Seiler

Lieber Toni!

Zwar habe ich in meinem Leben schon vieles geschrieben, ein Vorwort war aber leider noch nie dabei. Darum habe ich auch keine Ahnung, was ich zu Papier bringen soll. Schulaufsätze, Entschuldigungen, Steuererklärungen, WhatsApp und natürlich unsere Liadln – aber kein Vorwort. Dass du ein guter Kerl bist, wissen ohnehin alle. Dass du auch schreiben kannst, wusste ich nicht. Ich bin sehr stolz auf dich. Sollte nach meinem Vorwort allerdings nichts mehr kommen, auch kein Problem …

Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Nutzen Sie die folgenden leeren Seiten, um einfach innezuhalten. Oder eine Liste zu schreiben. Dürfte ja genug Platz dafür sein. Schreiben Sie zum Beispiel eine Einkaufsliste. Oder ein schönes Gedicht. Machen Sie sich ein Flascherl auf und denken Sie an die tollen Momente im Leben. Sagen Sie danke zum Toni, der Ihnen dies mit viel Freiraum ermöglicht. Ich bin sicher, er hat Sie lieb.

Bussi,

Seili

PS: Ich bin überzeugt davon, dass dieses Buch super ist. Und ganz bestimmt lustig. Und vor allem, dass etwas drinnen steht. Warum? Weil der Toni leiwand ist. Und der Andi auch.

Ois Guade,

Christopher Seiler

Markenbotschafter Wiener Viktoria

Seiler/Polster

Zwei Lausbuben …

… beim Erwachsenwerden

Eine Ode an die Mütter

POLSTER: Mein Vater Anton hat auch in der Bundesliga gespielt, beim SVS Linz und bei der Admira. Natürlich nicht so erfolgreich wie Andis Papa Burli, aber er war ein richtig guter Kicker, ein Talent. Technisch hervorragend, sein linker Fuß …

HERZOG: Also ganz das Gegenteil von dir …

POLSTER: Er war aber mental nicht so stark. Ganz anders meine Mutter. Sie wäre für meine Schwester Karin und mich nicht durch ein, sondern durch drei Feuer gegangen. Wenn jemand zu uns etwas Ungerechtes gesagt hat, ist sie dem ordentlich ins Wort gefallen. Ein Orkan hat sich dagegen wie ein Lüfterl angefühlt.

HERZOG: Schön, wenn du als Kind weißt, dass deine Eltern so hinter dir stehen.

POLSTER: Kaum mit ihr allein, hat sie mich hergeholt. »Toni, anfangen brauchst nicht, aber gefallen lassen musst du dir auch nix. Dann fährst über den drüber wie ein Bulldozer.« Von der Mama habe ich mehr fürs Leben gelernt als vom Papsch.

HERZOG: Die Väter haben uns die Fußball-Gene mitgegeben: Spaß, Ehrgeiz, Leidenschaft. Wie so oft haben aber die Mütter im Hintergrund die wichtigen Entscheidungen getroffen.

POLSTER: Die Mama hat sich immer durchgesetzt. Shoppen beim TUREK auf der Favoritenstraße. Sie kauft mir eine Winterjacke. Um 1.000 Schilling. Aus Leder, gefüttert, blau. Wir raus aus dem Geschäft. Um die Ecke ist das TUREK-Outlet. Dort hängt dasselbe Modell in braun, um 800 Schilling. Sofort retour. Der Verkäufer rechtfertigt die Preisdifferenz: »Die Farbe ist der Unterschied!«

Mama war empört. »Der Bub zieht auch eine Braune an.«

HERZOG: Eine grüne Jacke hätte wohl 1.500 Schilling gekostet, eine violette hättest du geschenkt bekommen.

POLSTER: Von der Grünen hätte ich einen Ausschlag bekommen. Jedenfalls fragt der Verkäufer: »Geld oder Gutschrift?«

Mama: »Die Kohle natürlich!«

HERZOG: »Ich hatte auch ein Einkaufserlebnis mit der Mama. Sie wollte mir unbedingt weiße Schuhe kaufen. Ich wollte keine weißen. Sie sagte: »Das tragen die Jungen jetzt im Sommer.« Sie hat sich ebenfalls durchgesetzt. Ich war mit 14 Jahren noch total unselbstständig. Nicht umsonst als Mamakind verschrien.

Bei meinem Wechsel nach Bremen sagten meine Herren Kritiker sogar noch, das Muttersöhnchen ist in drei Monaten eh wieder daheim. Knapp daneben: Insgesamt war ich als Kicker fast elf Jahre im Ausland. Zurück zu meinen neuen, weißen Schuhen. Kaum aus dem Geschäft draußen, bin ich mir sofort mit dem linken auf den rechten Fuß gestiegen und umgekehrt. Solange, bis die Bock nicht mehr ganz so weiß aussahen. Meine ersten Schritte in die Selbstständigkeit.

POLSTER: Stichwort weiße Weste! Meine Mutter ist am Ostbahn-XI-Platz sogar einmal aufs Spielfeld gelaufen. Ich bin gefoult worden, es kam zu einem Tumult. Plötzlich meine Mama mittendrinnen, sie hat alle auf die Seite gestoßen. Das Kapitel wurde damit aber leider beendet. »Mama«, hab ich gesagt, »ab jetzt können wir dich nicht mehr auf den Fußballplatz mitnehmen.«

HERZOG: Mütter fiebern und leiden ja immer mehr mit als Väter. Kathi und ich haben unserem damals 17-jährigen Sohn Luca beim Meisterschaftsspiel in Retz zugesehen. Niederösterreichische Landesliga, er spielte bei Stockerau. Die Retzer Zwei-Meter-Prügel sind zu zweit auf ihn los und haben ihn fürchterlich zusammengeschnitten. Luca ist in hohem Bogen durch den Strafraum gesegelt. Das Foul war leider außerhalb. Kathi schreit entsetzt: »Jessas, jessas. Der arme Bub!« Ich habe gelacht.

»Andi, bist du wahnsinnig? Hast du nicht aufgepasst, wie sie den Luca arg bedienen?«

Ich sagte zu ihr: »Willkommen im Männer-Fußball. Er steht ja eh schon wieder!«

Die Schulzeit

Herzog: Statt Schulauf die Ersatzbank

Polster: »Ich besitze die kleine Matura!«

POLSTER: Ich war ein ökonomischer Schüler. Ich habe versucht, mit wenig Aufwand viel zu erreichen.

HERZOG: Das ist dir geblieben, im Leben wie im Fußball!

POLSTER: So bin ich immer durchgekommen. Meine Mama hatte stets den Traum vom Gymnasium mit Matura, aber das war nicht zum Schaffen. Da habe ich schon fünf Mal in der Woche trainiert. Vier Mal mit der Mannschaft, einmal Spezialtraining.

HERZOG: Ach so, im Fußball! Ich dachte Nachhilfe in Mathe. Die ersten vier Jahre in der Singrienergasse im Gymnasium war ich kein schlechter Schüler. Es ist streng zugegangen und schwer gewesen, zum Beispiel in Mathe und Englisch. Allerdings habe ich dann vier Jahre lang in der Handelsakademie in Hetzendorf davon profitiert. Bis auf Buchhaltung und Betriebswirtschaftslehre, die neuen Gegenstände, ist es mir leichtgefallen.

POLSTER: Ich habe zwar permanent meine Hausaufgaben gemacht, aber für das Lernen hatte ich im Gymnasium keine Zeit. Ich bin vis à vis vom Horr-Stadion in die Neuland-Schule gegangen. Kein Fünfer, aber sieben Vierer.

HERZOG: In der vierten Klasse durfte ich schon öfter bei den Profis mittrainieren. Ohne Entscheidungsprüfung waren es von dreizehn Noten elf Vierer im Zeugnis. Meine Mutter hat immer gesagt, Hauptsache durch. In sieben Gegenständen stand ich zwischen 3 und 4. Der Lehrer hat mich gefragt, ob ich eine Prüfung machen möchte, habe ich gesagt: »Nein, danke, Hauptsache durch.« Dann kam ich mit dem Zeugnis heim und die Mama hat mir mein Ohrwaschl verdreht …

POLSTER: Ich verbrachte nur eineinhalb Jahre im Gymnasium, bin später in die Sporthauptschule Wendstattgasse gewechselt. Dort haben wir die Schülerliga gewonnen, mit dem Rapidler Poldi Rotter. Im Finale gegen die Roda-Roda-Schule mit Andi und Ernst Ogris. Sie wurden 4:2 abserviert. Ein oder zwei Polster-Tore. Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern.

HERZOG: Dein Glück, dass du älter warst. Gegen meine Klasse hättest du nichts gewonnen. In der fünften Handelsakademie bin ich mit Rapid schon im Europacup unterwegs gewesen. Mittwoch Spiel, Donnerstag Schularbeit in Betriebswirtschaftslehre. Nach fünf Minuten war ich fertig. »Frau Professor, ich weiß überhaupt nix.«

»Das dachte ich mir schon«, hat sie geantwortet, »ich habe dich gestern im Fernsehen auf der Ersatzbank sitzen gesehen.« Im Halbjahreszeugnis vier Fünfer. Die Mama ist narrisch geworden.

POLSTER: Ich besitze die kleine Matura: Eine Volksschulklasse, eine Fahrstunde und sechzig Minuten Tanzschule. Im neunten Jahr habe ich die Schule für Elektrotechnik absolviert.

Lieblingsfächer

HERZOG: Mein Lieblingsfach: Spanisch, wegen der Lehrerin, die war sehr hübsch! Auf die bin ich gestanden. Chemie und Physik haben mich überhaupt nicht interessiert. Wenn ich das mit meinen Kindern lerne, beschleicht mich genau das gleiche Gefühl wie vor vierzig Jahren. Mich krampft es so richtig zusammen.

POLSTER: Ich hatte in Musik Probleme. Der Lehrer stand vorne mit der Geige und spielte etwas vor. Wir mussten dazu die Noten aufschreiben. Das konnte ich nicht. Ein hoher Ton, oben. Nicht so hoch, ein bisschen drunter. Für mich eine Katastrophe. Paradox, jetzt liegen meine Goldenen Schallplatten daheim!

HERZOG: Turnen hast du sicher nicht wollen …

POLSTER: In Turnen und Religion war ich Weltmeister! Sonst mit sieben Vierern überall gefährdet. Latein? Nicht meins. Eine tote Sprache. Nachher hatte ich davon allerdings in Italien und Spanien einen Nutzen. Das war ein Fundament, wo du sprachlich vieles ableiten konntest.

Stundenwiederholung

HERZOG: In Geographie und Geschichte bin ich gut gewesen, wenn mich das Thema interessiert hat. Wir haben unseren strengen Geschichte-Lehrer immer verarscht, weil er dauernd den gleichen Pullover anhatte. Ich wettete mit meinem Freund, dass er wieder den hellblauen trägt, so wie die letzten zwei Wochen. Er stand hinter uns und hat alles mit angehört. Schon musste ich zur Stundenwiederholung antreten. »Wer war der politische Gegenspieler von Mussolini?« Ein gewisser Matteotti, den hat er nur ganz beiläufig erwähnt. Ich habe ihn mir aber gemerkt, weil bei Inter Mailand hieß die Nummer 10 genauso.

POLSTER: Wären wir damals schon so gescheit gewesen wie heute, hätten wir vielleicht mehr gelernt. Natürlich ist die Schule wichtig. Trotzdem, es sind viel zu viel unnötige Sachen dabei. Ich war mit der Schule nie im Stephansdom. Das wäre doch besser gewesen als einen Zapfen auszurechnen.

HERZOG: Apropos wichtig. Ich komme von der Schule nach Hause und sage zu meiner Mutter: »Mama, Trainer Barić nimmt mich aufs Trainingslager nach Saudi-Arabien mit.«

Schon ist das Ohrwaschl wieder 360 Grad umgedreht gewesen. »Du kannst dem Herrn Barić ausrichten, mit diesen Noten fährst du nirgendwo hin. Die Mama hat es dir verboten!«

Barić hat nur den Kopf geschüttelt. »Wollen Sie die Schule machen oder Fußballprofi werden?« Ich habe zwar die Matura geschafft, aber dank dem Lernen war ich drei Monate in die Unter-21 versetzt. Das war’s mir im Nachhinein wert. Daher mein Rat an junge Spieler: nicht zu ungeduldig sein. Eine Ausbildung ist entscheidend. Wurscht ob Lehre oder Schulabschluss. Wer weiß, was nachher passiert?

POLSTER: Ich habe meine Lehre fertiggemacht als Industriekaufmann bei den Wiener Verkehrsbetrieben und am nächsten Tag einen Vertrag unterschrieben.

Allerdings: Beruf nie ausgeübt! Zurück zur Schule. Ich wiederhole mich: Eine Menge unnützes Zeug. Zum Beispiel Steno. Ich habe viel schneller geschrieben. Was ich brauche, kann ich: rechnen und schreiben.

HERZOG: In Maschinschreiben hat der Lehrer etwas diktiert. Wir mussten stenografieren und dann tippen. Ich habe normal mitgeschrieben, Steno so gut es ging nachgetragen. Also eigentlich von hinten nach vorne. Jeder hat Gegenstände, die ihm völlig egal sind. Wenn ich in Chemie und Physik schlecht bin, weiß ich doch sofort, darin werde ich nie einen Job ausüben. Viel effizienter wäre doch Persönlichkeitsentwicklung, Themen der Zukunft, wo die Schüler für das Leben etwas lernen.

Schummeln und Streiche

POLSTER: Herzerl, sei ehrlich: Hast du in der Schule geschummelt?

HERZOG: Klar habe ich in der Schule geschummelt. Fünf Stunden Mathe-Matura. Ich wusste, ein Beispiel kann ich gar nicht. Eine Gleichung aufstellen. Am Klo wurde eine Kachel rausgebrochen, mein Freund ist raus und hat die Lösung reingepickt. Danke, Genügend!

POLSTER: Ich musste auch manchmal schummeln. Ich hatte ein dunkelgrünes Federpenal. Da habe ich mir alles aufgeschrieben.

HERZOG: Es zeigt sich erneut, tief im Herzen drinnen warst du schon als Schüler ein Grüner!

POLSTER: Für etwas muss das Grüne ja gut sein …

HERZOG: Grün wie du ja hinter den Ohren bist. Welche Streiche hast du in der Schulzeit gespielt?

POLSTER: Ich habe mal einer Mitschülerin einen Liebesbrief von einem anderen hinterlegt. Zwar selbst geschrieben, aber nicht in meinem Namen. »Willst du mit mir gehen? Liebe Grüße, Rudi.« Die erste Fake-Nachricht!

Zweimal dem Tod ins Auge geblickt!

HERZOG: In meiner Kindheit und Jugend bin ich viel mit dem Radl herumgefahren. Damals noch ein richtiges Rennrad, mittlerweile fahre ich ein E-Bike. Ich habe mir im Fernsehen Motorradrennen angesehen, den Giacomo Agostini, so wollte ich auch durch die Gegend düsen. Im Gemeindebau auf engen Wegen. In den Kurven habe ich mich extrem reingelegt. Da waren mir in fünf Jahren schon drei bis vier Leute im Weg, die einfach niedergeschnitten wurden. Einmal, ich konnte gerade noch ausweichen, radierte mein Kopf nicht unerheblich an der Wand. Genau unter meinem Kinderzimmer.

POLSTER: Wir waren ja arme Leute. Das Radl habe ich daher von meiner Schwester übernommen. Ich bin völlig frustriert gewesen. Ein Damenfahrrad!

HERZOG: Wahrscheinlich noch mit Stützen.

POLSTER: Mit zehn Jahren blickte ich das erste Mal dem Tod entgegen. Wir tauschten. Ich habe meinen Ball hergeborgt. Im Gegenzug bekam ich ein Rennrad. Am Brunnweg ging’s ordentlich runter, ich habe noch fest reingetreten. Was ich nicht wusste: Dass die Bremsen vorne sind, mit dem Pedal gab’s keine Rückbremse. Die suchte ich vergeblich. Da trat ich ins Leere …

HERZOG: Wo bist dann angekommen? Am Schneeberg?

POLSTER: Ich bekam die Panik. Mein Plan: Ich streife seitlich an einer Mauer an, um stehenzubleiben. Das traute ich mich aber nicht. Augen zu und unten über die stark befahrene Straße drüber. Mein Glück: Genau in der Sekunde kam nichts. Auf der anderen Seite hat’s mich in hohem Bogen über die Gehsteigkante geworfen. Mit Karacho drüber. Ich lag in der Wiese, total zittrig, voller Angst. Wenn mich ein Auto erwischt hätte, wäre ich wohl tot gewesen.

HERZOG: Das sind so die Situationen im Leben, wo du tausend Schutzengel brauchst, sonst ist es schnell vorbei. Mein bester Freund bei der Admira ist mit 16 Jahren mit dem Motorrad tödlich verunglückt.

POLSTER: Auch mein Sohn hatte Riesenglück! Wir fuhren auf einen Gletscher zum Skifahren. Ich komme mit dem Auto nicht weiter, weil ich keine Schneeketten oben hatte. Rechts ran. Ich gehe mit meinem dreijährigen Buben ein paar Schneebälle schießen und rufe ihm zu: »Toni, dort musst du hin!« Auf einmal rennt er wie von der Tarantel gestochen in die andere Richtung, mitten auf die Fahrbahn. Ein Auto kommt, der Lenker muss den Wagen verreißen und landet im Graben. Gott sei Dank ist niemand zu Schaden gekommen. Da läuft es mir heute noch kalt über den Rücken.

Beim Bundesheer

Polster: Pumperlg’sund in der Krankenstation

Herzog: Als Strafe dreimal die Waffffe putzen!

POLSTER: Ich war in der Carlskaserne hinter dem Donauzentrum als Instandhalter stationiert. Aufstehen um 5.30 Uhr. Häuslputzen und Kasernenhof aufwischen. Chargendienst, alles ganz normal, wie jeder andere auch.

HERZOG: So ändern sich die Zeiten. In Spanien bei Sevilla bist du um 5.30 Uhr erst schlafen gegangen. Ich bin in die Maria-Theresien-Kaserne eingerückt.

POLSTER: Mir hat das Bundesheer nicht getaugt. Eine Ansammlung von Komplexlern. Der Vorgesetzte meinte, mein Spind sei unordentlich. Zwei Schritte zurück und er warf alles komplett auf den Boden. Ich dachte mir nur, was hat der für Probleme?

HERZOG: Das haben sie ja absichtlich gemacht, um dich zu provozieren.

POLSTER: Die waren alle nur neidisch auf die Fußballer, weil die im Gegensatz zu den Fechtern schon Geld verdienten. Das ist ja nicht unsere Schuld. Da gab es einen gewissen Oberstleutnant. Erst wollte er sich bei uns einschmeicheln. Alle hatten einen Heimschläfer. Auf einmal passte ihm irgendetwas nicht. »Herr Polster, den Heimschläfer können Sie vergessen und zerreißen. Der gilt nicht mehr!«

Entgegen dem Befehl habe ich ihn natürlich nicht zerkleinert. Tags darauf, als ich von zu Hause in die Kaserne komme, hat er mich abgepasst und befohlen: »In der nächsten halben Stunde zum Rapport.« Mit Bluse, Weste, Halstuch, Helm, allem Drum und Dran, volle Montur! Der General fragt mich: »Herr Polster, ist das richtig, Sie haben zu Hause geschlafen? Hatten Sie dafür eine Erlaubnis?«

Meine Antwort: »Selbstverständlich.« Ich zeig ihm das aufgehobene Papierl. Der Oberstleutnant tobte: »Ungültig!«

Aber der General: »In Ordnung, abtreten!«

HERZOG: Warum waren die Fußballer jahrelang für die Heeressport- und Nahkampfschule gesperrt?

POLSTER: Da gab es einen unliebsamen, ungustiösen Vorfall im Speisesaal. Irgendeiner hat einen Blödsinn gemacht. Reinhard Kienast, Andi Ogris, Rudi Weinhofer und meine Wenigkeit. Näheres ist nicht druckreif. Einer schiebt es auf den anderen. Ich war’s jedenfalls nicht.

HERZOG: Darum sind die Fußballer wohl bei allen so beliebt gewesen! Wir hatten ein eigenes Sportlerzimmer. Ein Golfer, zwei Segler, ein Rollschnellläufer, zwei Judokas, vier Fußballer. Der Golfer war auf gut Deutsch ein Snob. Bei einem Gefechtsdienst mitten im Jänner ist das Essen schnell kalt, Hendl mit Reis, der hat nichts angerührt. Dafür lagen in seinem Spind Mannerschnitten und Tortenecken. »Geh Golfi, gib uns was!«, haben wir gesagt.

»Nein, das gehört alles mir!« Mehr hat er nicht gebraucht. Wir haben ihn ans Bett gefesselt und alles weggefressen. Ein klassisches Eigentor.

POLSTER: Apropos kalt und Jänner. Die Einberufung ausgerechnet zu dieser Zeit ist ein Unding. Eine Katastrophe. Da läuft bei den Vereinen die Saisonvorbereitung. Ich war mit 18 Jahren schon im Nationalteam, Debüt im November. Dank Bundesheer im Jänner habe ich als Teamspieler mein Leiberl bei der Austria verloren. Ich kann mich noch erinnern, da waren einmal fünf Stammspieler von Rapid beim Bundesheer und konnten nicht ordentlich trainieren. Ein Witz!

HERZOG: Ja, da fehlen dir die Grundlagen für die Meisterschaft. Du versäumst sechs Wochen, noch dazu das Trainingslager mit der Mannschaft.

POLSTER: Die anderen haben in der Südstadt mit einem Gummiball Hockey gespielt und nix trainiert. Ich habe mir gesagt: Entweder bist du eine Sternschnuppe oder du musst dich als Nationalspieler beweisen. Ich bin in der Kälte raus und habe 400-Meter-Läufe absolviert. Oder 800-Meter, um konditionell wieder aufzuholen.

HERZOG: Was, das war dein Tagesablauf? Da ist ja dein Vormittag nach drei 800-Meter-Läufen schon vorbei gewesen …

POLSTER: Und permanent übermüdet war ich auch. Ogerl, Reini und der Weinhofer spielten bis in die frühen Morgenstunden ständig Karten. Und futterten nebenbei Chips. Dazu die Geräusche, CCCRRR, CCCRRR, CCCRRR, da konntest du nicht schlafen.

HERZOG: Ich hätte ihnen die Chips längst weggegessen …

POLSTER: Am nächsten Tag sagen sie: Lebensmittelvergiftung in der Kaserne! Ich denke mir, super, da kann ich mich hinlegen und endlich ausruhen. Wenn mich jemand fragt, sage ich, ich habe ein bisschen Bauchweh. Der Ogerl und ich hauen uns also hin und dösen ein wenig. Da platzt einer rein und scheißt uns zusammen: »Ihr habt die Wahl zwischen Krankenstation oder zum Rapport.« Besser Krankenstation. Denkste! Wir mussten übers Wochenende in Quarantäne. Ich habe ausgerechnet die Partie Austria gegen 1. FC Köln versäumt. Ironie des Schicksals. Wir sind pumperlg’sund in der Krankenstation gelegen.

HERZOG: So blöd waren die Wachtmeister dann auch nicht. Die kannten schon die Tricks und Ausreden der Kicker. Eine Geschichte habe ich noch: Gefechtsdienst in Wöllersdorf. Dauerfeuer mit Platzpatronen. Die anderen haben nicht geschossen. Warum nicht? Damit sie das Gewehr nicht putzen mussten. Ich zum Training, Waffe in den Spind. Am nächsten Tag Standeskontrolle. Gewehr präsentieren. Der Wachtmeister fährt mit der Hand über die Schlitze. Die Folge: kohlrabenschwarze Finger!

»Wehrmann Herzog, was ist da los?«

»Jessas, haben Sie mir jetzt mein Gewehr schmutzig gemacht?« Das hätte ich lieber nicht fragen sollen. Die Strafe: Dreimal die Waffe zerlegen und putzen.

POLSTER: Sie wollten uns ständig kontrollieren. Wo und wann wir trainiert haben. Ich bin an der Liesing gelaufen. Ich musste den genauen Ort angeben. Meine Antwort: »Ich weiß nicht, wo ich bin, ich renne ja.« Welche Adresse hätte ich nennen sollen?

Männer-Model oder doch Tramway-Pilot

HERZOG: Ich bin ein Sportfanatiker! Wenn es für die Fußballkarriere nicht gereicht hätte, ich glaube, ich wäre trotzdem in dem Metier geblieben. Vielleicht als Sportjournalist. Als Jugendlicher war ich außerdem ein Fan von so Eliteeinheiten oder von Bodyguards. COBRA oder WEGA! Aber ob ich die Ausbildung geschafft hätte, das wage ich zu bezweifeln. Wahrscheinlich bin ich dafür zu soft. Beim Toni ist ja alles klar: mit dem Aussehen, definitiv ein Männer-Model.

POLSTER: Da liegst du ausnahmsweise einmal richtig. So wie jeder andere Bursche in diesem Alter bin ich an Mode interessiert gewesen. Und an Autos.

HERZOG: Du wärst sicher ein Toni Lagerfeld geworden. Oder Toni Versace.

POLSTER: Hört sich gut an. Tatsache ist allerdings, meine Ausbildung zum Industriekaufmann hat auf eine Beamtenlaufbahn abgezielt. Ich denke aber nicht, dass ich das weitergemacht hätte. Nur so lange, bis ich etwas anderes gefunden hätte, was mir mehr taugt.

HERZOG: Mechaniker? Oder Autoverkäufer?

POLSTER: Keine Ahnung! Ich habe ja nicht einmal gewusst, dass ich Industriekaufmann werde. Meine Eltern haben mich bei den Wiener Verkehrsbetrieben angemeldet.

HERZOG: Vielleicht wärst du Tramway-Pilot geworden.

POLSTER: Oder Schaffner! Meine Eltern haben sich gedacht, da werde ich nicht so dreckig wie als Automechaniker.

HERZOG (singt das Lied von Wolfgang Ambros): ›Schaffner sei, des woar amoi wos. So wird’s nie wieder sei. Heit foahrt ma schaffnerlos …‹ Mir fällt noch was ein, das ich als Kind gern gehabt habe. Geographie und die Natur. So Tierfilmer oder Kameramann, so kleine Expeditionen, das tät mir taugen.

POLSTER: Weil du es gerade sagst. Ich liebe Tiere. Zur damaligen Zeit habe ich aber keinen Hund, keine Katze, kein Meerschweindl, nichts besessen.

HERZOG: Außer vielleicht einen Wolf zwischen den Füßen. Weil du ja immer so viel gelaufen bist.

POLSTER: Vielleicht wäre ich in einem Tierheim gelandet!

HERZOG: Ja, unter dem Motto: Wer will mich? Das kann ich mir bei dir gut vorstellen!

Über das erste Geldverdienen

Herzog: »Als Einziger 2.000 Schilling!«

Polster: »Als Lehrbub 1.990 brutto!«

HERZOG: Ich habe mein erstes Geld als 17-Jähriger bei der Unter-21 von Rapid verdient. Jeder hatte 1.300 Schilling als Fixum. Ich bekam