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Wir waren klar besser! Meine Aufstiegssaison mit dem 1. FC Köln Ein Fan ist ein Mensch, der eine leidenschaftliche Beziehung zu einer Sache unterhält. Er investiert Geld, Zeit und viel Gefühl. Christian Löer ist Fan des 1. FC Köln. Ob Vorbereitung, normaler Spieltag oder Pokal, ob Wintersturm oder Affenhitze, ob Sieg oder Niederlagenserie, er liebt seinen Verein wegen oder trotz seiner Eigenheiten. Er bejubelt Siege überschwänglich, betrauert Niederlagen, pfeift aber niemals, wenn es schlecht läuft, denn eines ist doch klar (schon all die lange Johr): Wir waren klar besser!Der Fan Christian Löer verfolgt mit seiner Clique – sie unterhalten eine Whatsapp-Runde "Fußball und Weltpolitik" – die Aufstiegssaison des 1.FC Köln – im eigenen Stadion oder auf fremden Plätzen. Aber wenn es nicht anders geht auch auf Tankstellen oder unter der Sonne Floridas. Seine Aufzeichnungen sind herrlich subjektiv und erinnern in ihrer emotionalen Art immer wieder an Nick Hornby's Fever Pitch.In diesen Berichten steckt mehr Information über das Fan-Sein als in hunderten Seiten Soziologie des Fußballs – Löer ist klar besser!
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Seitenzahl: 182
Veröffentlichungsjahr: 2014
Christian Löer
Meine Aufstiegssaison mit dem 1. FC Köln
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Titelseite
Über Christian Löer
Über dieses Buch
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Hinweise zur Darstellung dieses E-Books
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Christian Löer, geboren 1976 in Köln, Kindergarten in Köln, Grundschule in Köln, Abitur in Köln, Zivildienst in Köln, Studium in Köln, Volontariat in Köln; geht schon immer zum FC und ist kein guter Fußballer, obwohl er sehr gern und regelmäßig spielt (Linksverteidiger, der eher über das Laufvolumen als über Tempo, Auge und Ballbehandlung kommt).
Zwischen 2000 und 2010 berichtete er als Redakteur des „Kölner Stadt-Anzeiger“ über den 1. FC Köln, die deutschen Teams in der Champions League sowie über die Auftritte der DFB-Nationalmannschaften in aller Welt.
Seit dem 1. Januar 2011 ist Christian Löer Stellvertretender Leiter der Lokalredaktion des „Kölner Stadt-Anzeiger“ und seither wieder Hobby-Fußballgucker ohne jedes Insiderwissen.
Christian Löer ist Dauerkarteninhaber in Block O15.
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Wir waren klar besser! Meine Aufstiegssaison mit dem 1. FC Köln
Ein Fan ist ein Mensch, der eine leidenschaftliche Beziehung zu einer Sache unterhält. Er investiert Geld, Zeit und viel Gefühl. Christian Löer ist Fan des 1. FC Köln. Ob Vorbereitung, normaler Spieltag oder Pokal, ob Wintersturm oder Affenhitze, ob Sieg oder Niederlagenserie, er liebt seinen Verein wegen oder trotz seiner Eigenheiten. Er bejubelt Siege überschwänglich, betrauert Niederlagen, pfeift aber niemals, wenn es schlecht läuft, denn eines ist doch klar (schon all die lange Johr): Wir waren klar besser!Der Fan Christian Löer verfolgt mit seiner Clique – sie unterhalten eine Whatsapp-Runde „Fußball und Weltpolitik“ – die Aufstiegssaison des 1. FC Köln – im eigenen Stadion oder auf fremden Plätzen. Aber wenn es nicht anders geht auch auf Tankstellen oder unter der Sonne Floridas. Seine Aufzeichnungen sind herrlich subjektiv und erinnern in ihrer emotionalen Art immer wieder an Nick Hornby’s Fever Pitch.In diesen Berichten steckt mehr Information über das Fan-Sein als in hunderten Seiten Soziologie des Fußballs – Löer ist klar besser!
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Verlag Kiepenheuer & Witsch GmbH & Co. KGBahnhofsvorplatz 150667 Köln
© 2014, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln
Lizenzgeber: Labonté Köhler Osnowski Verlagsgesellschaft mbH, Köln
Alle Rechte vorbehalten
Covergestaltung: Philipp Niermann, Köln
Fotos: © Rainer Dahmen, Köln
ISBN978-3-462-30830-3
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Vorwort von Toni Schumacher
Vorbereitung
Dynamo Dresden – 1. FC Köln 1:1
1. FC Köln – Fortuna Düsseldorf 1:1
SV Eintracht Trier – 1. FC Köln 0:2
SC Paderborn – 1. FC Köln 1:1
1. FC Köln – SV Sandhausen 2:0
SPVGG Greuther Fürth – 1. FC Köln 0:0
1. FC Köln – FC Erzgebirge Aue 4:1
FC Energie Cottbus – 1. FC Köln 0:4
1. FC Köln – 1. FC Kaiserslautern 0:0
1. FSV Mainz 05 – 1. FC Köln 0:1
VFR Aalen – 1. FC Köln 0:1
Karlsruher SC – 1. FC Köln 1:2
1. FC Köln – TSV 1860 München 0:0
Arminia Bielefeld – 1. FC Köln 0:1
1. FC Köln – 1. FC Union Berlin 4:0
VFL Bochum – 1. FC Köln 1:0
1. FC Köln – FC Ingolstadt 0:1
FC St. Pauli – 1. FC Köln 0:3
Hamburger SV – 1. FC Köln 2:1
1. FC Köln – FSV Frankfurt 2:0
1. FC Köln – Dynamo Dresden 3:1
Fortuna Düsseldorf – 1. FC Köln 2:3
1. FC Köln – SC Paderborn 0:1
SV Sandhausen – 1. FC Köln 0:1
1. FC Köln – SPVGG Greuther Fürth 1:1
FC Erzgebirge Aue – 1. FC Köln 2:2
1. FC Köln – FC Energie Cottbus 2:1
1. FC Kaiserslautern – 1. FC Köln 0:0
1. FC Köln – VFR Aalen 0:0
1. FC Köln – Karlsruher SC 2:0
TSV 1860 München – 1. FC Köln 0:1
1. FC Köln – Arminia Bielefeld 2:0
1. FC Union Berlin – 1. FC Köln 1:2
1. FC Köln – VFL Bochum 3:1
FC Ingolstadt – 1. FC Köln 1:1
1. FC Köln – FC St. Pauli 4:0
FSV Frankfurt – 1. FC Köln 2:0
Fußball ist wie ein Theaterstück, bei dem keiner weiß, wie es ausgeht. Das ist das Besondere: für die Spieler, die auf dem Rasen stehen so wie ich früher, ebenso wie für alle drum herum. Auch für die Journalisten auf der Pressetribüne. Denn sie können die Artikel, die sofort mit dem Schlusspfiff in die Redaktion geschickt werden müssen, nicht in Ruhe vorschreiben. Sie kennen, anders als die Kollegen aus den Kulturressorts (wie ich gehört habe), keine Buchvorlage und keine Rahmenhandlung – alles ist immer wieder anders, der Ausgang offen. Ich kann gut verstehen, dass das, was den Fußball für alle anderen so faszinierend macht, für die Journalisten in Verbindung mit dem hohen Zeitdruck dazu führt, dass sie das Spiel nicht so genießen können, wie sie es selbst gerne täten. Die Fangesänge sind nur Geräuschkulisse, die entscheidende Freilaufbewegung eines Spielers schwer wahrzunehmen, die Emotionen prallen ab am Kokon aus Konzentration, in dem der Journalist sitzt, auf den Laptop starrt – und schreibt.
Christian Löer hat das über viele Jahre getan. Bei Spielen des 1. FC Köln ebenso wie bei der Nationalmannschaft. Und wie viele Sportjournalisten hat er als Fan auf der Zuschauertribüne gestanden oder gesessen, bis er auf der Pressetribüne gelandet ist. Und da hat er, wie er selbst schreibt, das Hobby verloren, das er eigentlich zu seinem Beruf gemacht hatte. Die Liebe zum 1. FC Köln war trotzdem wohl nie weg, aber sie war unter einem Berg aus Professionalität verschüttet und sicher auch erkaltet durch Erfahrungen und Nähe. Journalisten lernen ja uns Spieler und auch uns Funktionäre recht gut kennen, man sitzt – entgegen mancher romantischen Vorstellung – eben nicht in einem Boot, sondern bestenfalls in unterschiedlichen Booten auf demselben Fluss. Der Mythos eines Clubs kann da verblassen.
Umso bemerkenswerter finde ich, dass Christian Löer den Weg zurück geschafft hat. Er ist, wie man seiner Vita entnehmen kann, aus der Sportredaktion des „Kölner Stadt-Anzeiger“ ins Lokale gewechselt, hat sich mit einer Art kaltem Entzug ein Jahr lang des Schreibens über den 1. FC Köln enthalten, die Pressetribüne gegen die Osttribüne getauscht und sitzt nicht mehr neben Kollegen, die in die Tasten hauen oder ins Mikrofon schreien, sondern neben Freunden, die – wie alle anderen rund 50.000 – vom Fußball mindestens so viel verstehen wie der jeweilige Trainer. Und siehe da: Der Mythos, der Zauber, ist nach und nach zurückgekehrt. Christian Löer genießt Fußball wieder – und er leidet wieder an ihm. Schließlich reden wir immer noch über den 1. FC Köln.
Und dann hat Christian Löer begonnen, wieder über Fußball zu schreiben. Aber nicht wie ein Sportjournalist, jedenfalls nicht ganz, sondern wie ein Fan und zugleich wie ein Dramaturg. Er inszeniert die Texte über den FC, die seit zwei Saisons als Weblog jede Woche nach den Spielen erscheinen, wie Theaterstücke. Die Spiele wechseln, die Akteure auf dem Rasen auch, aber Löers Freunde auf der Tribüne und im Whatsapp-Chat „Fußball und Weltpolitik“ sind unverwechselbarer Bestandteil des Ensembles. Auch Löer selbst taucht prominent in seinem Blog auf: seine Gedanken und Erfahrungen, mal aus dem Journalismus, mal ganz persönlich. Wir erfahren, wie er Spiele des 1. FC Köln in Florida sehen konnte und welche Fische er nach dem Spiel im Golf von Mexiko geangelt hat. Wir erfahren, welche Spielernamen unbedingt auf einem FC-Trikot aus dem Fanshop stehen sollten (und welche nicht), ja, wir erfahren sogar, wenn Christian Löer sich irrt. Können Sie sich das vorstellen? Ein Journalist, der zugibt, dass er sich geirrt hat? Das ist einer der Gründe, warum ich spontan zugesagt habe, für dieses Buch das Vorwort beizusteuern – ich habe bekanntlich etwas übrig für mutige Leute.
Im Zentrum steht aber die zurückeroberte große Liebe: der 1. FC Köln. In einer seltenen Mischung aus kölscher Arroganz und Selbstironie hat Löer sein Projekt „Wir waren klar besser“ genannt. „Wir“, das ist der 1. FC Köln, und die Aussage stimmt erstaunlicherweise jede Woche, selbst wenn es gar nicht stimmt. Selbst ein 0:0 gegen Aalen macht in Löers Nachbetrachtung Spaß, denn Löer kann schreiben. Einen guten Fußballer macht aus, dass es ihm bei allem Ehrgeiz gelingt, sich für die entscheidenden 90 Minuten die Spielfreude zu bewahren, die all die Arbeit, die dahintersteckt, ganz leicht aussehen lässt. Christian Löer ist dies auf dem Fußballfeld nach den Informationen, die mir das Scouting-Netzwerk der Bunten Liga Köln zur Verfügung gestellt hat, angeblich bisher eher selten gelungen. Er hat diese Spielfreude trotzdem – an der Sprache. Seine Freude kann Löer hervorragend vermitteln, sodass vermutlich mit ein wenig Abstand sogar Spieler darüber schmunzeln können, die in den Augen von Personen wie Pimkie oder dem Vater von Pimkies Brüdern nicht so gut wegkommen.
Löer mag die Distanz der Pressetribüne zum Club aufgegeben haben, die Distanz des Schreibenden hat er sich bewahrt. Er ist kein Jubel-Kölner geworden. Es gibt in seinen Texten Passagen, mit denen ich oder andere Vertreter des 1. FC Köln überhaupt nicht einverstanden sind, es gibt Urteile über Spieler, die wir nicht teilen, oder Anekdoten, die wir ganz anders in Erinnerung haben. Aber das gehört dazu, und aus der Perspektive derjenigen, über die geurteilt wird, ist nicht nur angenehm, dass in den Urteilen immer ein Unterton von Humor und einer positiven Haltung zum FC mitschwingt. Angenehm ist besonders, dass Löer in „Wir waren klar besser“ nicht so tut, als wüsste er aufgrund seiner Profession alles besser. Er traut sich, radikal parteiisch zu sein. Ohne den Dünkel, den manche Sportjournalisten bei ihren Urteilen „von oben herab“ ausstrahlen und der die Menschen, über die sie schreiben, mitunter in die Raserei treibt.
Kurz gesagt: Christian Löer ist es gelungen, ein charmantes, witziges Fan-Blog über den 1. FC Köln zu schaffen, das sich trotzdem nicht wie Freizeitliga liest. „Wir waren klar besser“ kommt erkennbar von einem Profi. Das ist eine seltene Kombination. Deshalb ist es ein Blog, für das man unbedingt eine Dauerkarte in Form eines Lesezeichens haben sollte. Darüber hinaus ist es absolut würdig, auch zu einem Buch geworden zu sein – ich gehöre ja noch zu einer Generation, in der das ein Aufstieg ist, wenn Texte aus dem Internet es in eine Druckerei schaffen.
Die Saison 2013/2014 aus der Perspektive von Löer und seinem Expertenkreis auf der Osttribüne und in der Gruppe „Fußball und Weltpolitik“ noch einmal Revue passieren zu lassen, ist einfach ein Vergnügen. Das liegt natürlich auch daran, dass der Autor uns, die Verantwortlichen des 1. FC Köln, in geradezu peinlicher Häufung lobt. Entsprechend hatte ich keine andere Chance, als ein derart freundliches Vorwort für dieses Buch zu schreiben …
Es liegt daran, dass das Buch eine fantastische Saison begleitet, an deren Ende unsere Rückkehr in die Bundesliga steht. Besser noch: Wir wissen alle schon auf der ersten Seite, dass dieses kurzweilige Theaterstück gut ausgehen wird.
Der 1. FC Köln ist wieder erstklassig. Wir werden alles dafür tun, dass wir das auch bleiben und dass wir den Ansprüchen, die dieser feine Club selbst einmal gesetzt hat – und die wir an uns selbst stellen –, wieder gerecht werden. Das ist ein langer Weg, und nicht jede Saison wird auf diesem Weg so viel Leichtigkeit ausstrahlen wie diese. Schön ist, dass wir auf diesem Weg erstklassig begleitet werden. Auf allen Tribünen. Und wie man an diesem Buch sieht, gibt es selbst über unsere Fan-Blogs nur ein Urteil: klar besser.
Vor vielleicht zwei Monaten haben mein Freund Pimkie und ich darüber geredet, dass wir ein wenig unglücklich darüber sind, nicht in Stadtteilen zu leben, die in der Hymne vorkommen. Prüm und Habbelrath sind drin, Nippes, Poll, Esch, Pesch und Kalk sowieso. Aber als Lindenthaler bzw. Braunsfelder fühlten wir uns in den großen Momenten vor dem Anpfiff regelmäßig etwas ausgegrenzt. Dabei liegt ja zum Beispiel selbst das Stadion im Stadtbezirk Lindenthal. Unsere Möglichkeiten, etwas zu unternehmen, waren so überschaubar wie eindeutig: umziehen oder umtexten. Und weil ich Realist bin, ziehe ich jetzt um, noch vor dem Derbysieg gegen Düsseldorf. Nach Ehrenfeld. Erste Strophe, erstes Wort. So sieht das aus.
Mein Umzug nach Ehrenfeld ist allerdings nicht der einzige Umzug in diesem Sommer. Denn unsere Dauerkartenrunde, bestehend aus meinem Freund Pimkie, seinen beiden Brüdern sowie dem Vater von Pimkies Brüdern, wird nach einem Jahr im Unterrang wieder in den Oberrang zurückkehren. Das liegt einerseits daran, dass man da oben einfach besser sitzt (das war zuletzt vor allem die Ansicht des Vaters von Pimkies Brüdern, dem wir prinzipiell nicht widersprechen). Andererseits sind wir ja damals auch unter anderem deshalb in den Unterrang gezogen, weil der Pimkie glaubte, er könnte Christian Eichner (den wir ehrenhalber CE4 nennen) von dort unten aus aufmunternde Dinge zurufen. Aber CE4 spielt nicht mehr für uns, was dem 1. FC Köln dem Vernehmen nach eine unfassbare Menge Geld spart. Und dem Pimkie, ich muss das noch einmal erwähnen, ein paar Nerven. Was den Abschied aus dem Unterrang angeht, bin ich außerdem der Überzeugung, dass es nicht schaden kann, den Aufstieg bereits jetzt zu vollziehen – und sei es nur um ein Stockwerk. Wir wollen schließlich beste Sicht haben, wenn es bald gegen die Größen des europäischen Fußballs geht. Hinzu kam, dass unsere Umzugsgedanken mit Bekanntwerden der jüngsten Finanznöte unseres Lieblingsvereins zusammenfielen. Da war rasch klar, dass wir uns tendenziell dazu entscheiden würden, noch teurere Karten zu kaufen. Denn der große 1. FC Köln ist selbstverständlich jeden Cent wert. Leider konnten wir uns nicht mehr von den drei Damen verabschieden, die in Block O6 vor uns saßen und sich bei jedem Heimspiel derart betrunken haben, dass sie sich uns alle zwei Wochen neu vorgestellt haben, weil sie glaubten, uns zum ersten Mal zu sehen. Wir waren immer besonders fasziniert davon, wie die Mädels in Monaten mit R Glühwein und Bier durcheinandertranken und es dennoch schafften, das Stadion aufrecht gehend zu verlassen. Also: auf Wiedersehen!
Klar könnte es an dieser Stelle auch um sportliche Prognosen für die neue Saison gehen. Aber Sommerprognosen habe ich mir abgewöhnt. Ich war für den „Kölner Stadt-Anzeiger“ in gefühlt 20 Trainingslagern (Sommer und Winter, wobei Sommer besser ist). Manche meiner sogenannten Freunde verhöhnen mich bis heute dafür, dass ich einmal optimistisch genug war, dem Sturmduo Madsen/Helmes 30 Saisontore vorauszusagen.
Gern erinnere ich auch an Marco Reich, der einst in einem Vorbereitungsspiel Schalke in Fetzen spielte, es dann aber auch bei dieser einen guten Leistung beließ. Mann, habe ich Marco Reich geliebt damals. Außerdem war er ein Riesentyp. Genau richtig auch für Ewald Lienen. Ohne also aus den Testspielresultaten irgendwas ableiten zu wollen und ohne jede Faktenbasis (ich würde Daniel Halfar zum Beispiel auf der Straße nicht erkennen, obwohl ich mich gut daran erinnere, was er letzte Saison mit uns gemacht hat, als er noch für 1860 spielte) bin ich natürlich wieder maßlos optimistisch, aber ich habe ja auch gute Gründe.
Es gab eine Zeit, da war Christoph Daum Trainer, Michael Meier Geschäftsführer Sport, Claus Horstmann Gesamtgeschäftsführer und Wolfgang Overath Präsident. Die sind jetzt alle weg, und das ist mal spitzenklasse. Vor ein paar Wochen gab es zwischenzeitlich gar keinen Trainer mehr und auch keinen Geschäftsführer Sport, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das im Vergleich zur Kombination Meier/Daum nicht womöglich die bessere Alternative war.
Jetzt haben wir aber Jörg Schmadtke und Peter Stöger. Schmadtke hat in Aachen und Hannover bewiesen, dass er zaubern kann. Ich habe also einmal mehr das Gefühl, dass es klappen könnte mit dem Aufstieg. Zumal wir ja schon in der vergangenen Saison beinahe aufgestiegen wären. Die Mannschaft hätte es jedenfalls hergegeben, bloß war sie manchmal etwas vercoacht und insgesamt nicht gerade stringent zusammengestellt. Aber genau dafür haben wir ja jetzt Schmadtke und Stöger. Mein Eindruck ist jedenfalls, dass wir diesmal nicht um den versprochenen Neuanfang betrogen werden: Die erste Elf ist nicht nur einfach dahergesagt, sondern tatsächlich jung. Womöglich ist Peter Stöger ja auch wirklich so ein Riesentyp, wie man uns glauben machen will. Vielleicht ist er aber auch nur ein weiterer Trainer in der Reihe derer, die anderswo Erfolg hatten und in Deutschland scheitern. Immerhin will er nicht darauf warten, was die Gegner so an Plan mitbringen nach Müngersdorf. Sondern sich offenbar selbst was zurechtlegen. Das finde ich auch gut, denn um zu sehen, wie eine Profimannschaft einen Plan in die Tat umsetzt, geht man ja ins Stadion. Planlosen Fußball kann man schließlich mit seinen Freunden im Park auch selbst spielen.
Es ist also Sommer, und im Sommer hat man Ziele. Unseres ist der Aufstieg. Es kann also losgehen. Wir wären so weit.
1. Spieltag
Ein guter Saisonstart. Der FC spielt mit neuem Trainer und neuer Mannschaft 1:1 vor ausverkauftem Haus bei Dynamo Dresden. Ujah besorgt die Führung, Kempe gleicht noch aus. Zwar kein Sieg. Aber so kann ein Aufstieg losgehen.
Was ich an ersten Spieltagen mag, ist das Wetter. Ich liebe es, wenn die Sonne satt auf dem Rasen steht. Überhaupt ist immer alles sehr ansehnlich zum Saisonstart: Alle sind vom vielen Training in den Bergen fein gebräunt und in der Regel ziemlich austrainiert. Das macht dann schon tüchtig was her. Wenn ich mir im Winter die Hinrunden-Rückblicke ansehe, denke ich immer an die schönen Sommertage des Saisonbeginns zurück.
Ein kleiner Haken am Saisonauftakt ist allerdings, dass man regelmäßig Schwierigkeiten hat, rechtzeitig aus dem Urlaub zurück zu sein. In meinem Fall war es zum Spiel gegen Dynamo Dresden so, dass ich gerade an meinem geliebten Weissensee in Kärnten urlaubte, wo sich die Hausgemeinschaft gegen einen Internet-Anschluss für alle entschieden hat, weshalb ich darauf verzichten musste, den Segen meines Bezahlfernsehen-zum-Mitnehmen-Abos auf dem Balkon zu genießen. Glücklicherweise reisen Teile unserer Familie seit den Fünfzigerjahren hierher, deshalb kennen wir uns gut aus im Ort und wissen nicht nur, dass der Bäckereiwagen, der um 14 Uhr das Seeufer abfährt und mit einer Glocke hungrige Kundschaft herbeiruft, den weitaus schlechteren Apfelstrudel anbietet, als jener, der gegen 15 Uhr auftaucht. Und wir wissen, dass es am Weissensee-Haus im Ortskern, wo eine Brücke über den tiefblauen See führt, nicht nur Wanderkarten gibt. Sondern auch kostenlosen Internet-Zugang.
Und das war gut. Ich setzte mich also um 15.25 Uhr aufs Rad, sauste zum Weissensee-Haus, wo ich mich auf eine Bank in den Schatten hockte, um auf meinem Telefon 90 Minuten Fußball zu schauen. Das ging übrigens relativ gut, obwohl sich ein paar Wanderer, die sich zur Rast auf einer der Bänke niederließen, ein wenig wunderten, weil ich wohl doch relativ oft relativ laut Luft durch die Zähne einsog und ab und an auch ein paar Flüche ausstieß.
In der Halbzeit radelte ich kurz auf die andere Seite des Sees zurück, um mir ein Eis mit zwei Bällchen zu holen. Zur gleichen Zeit saßen ein paar meiner Freunde im Garten meines Freundes Pimkie und taten so, als wollten sie einen netten Tag mit ihren Familien verbringen. In Wahrheit saßen sie die ganze Zeit fluchend vor dem Fernseher und sprachen einander wechselseitig jegliche Ahnung vom Fußball ab. Allerdings sollen auch Planschbecken für die Kinder zum Einsatz gekommen sein. Ich weiß jedoch sehr wenig über die Vorkommnisse in Pimkies Garten, denn große Teile unserer Whatsapp-Gruppe „Fußball und Weltpolitik“ waren vor Pimkies Fernseher versammelt. Daher war das Nachrichtenaufkommen am Samstagnachmittag vergleichsweise gering, obwohl man sagen muss, dass wir uns bisweilen selbst dann Nachrichten schicken, wenn wir nebeneinander auf der Couch sitzen.
Tja, das Fazit fiel gemischt aus. Der FC hätte auf jeden Fall gewinnen können, daher ist es ein bisschen doof, dass wir nicht gewonnen haben. Der FC ist relativ spät in Führung gegangen, wir waren über weite Strecken der Partie klar besser. Und obwohl mir klar ist, dass wir mit 17 Auswärts-Unentschieden und 17 Heimsiegen gut aufsteigen werden, haben wir auch in Dresden vor ausverkauftem Haus nichts zu verschenken. Das nur, weil wir erstens in die vergangene Saison mit einem Riesenspiel gegen den späteren Aufsteiger Braunschweig gestartet sind, wofür wir uns an den folgenden Spieltagen nicht allzu viel gekauft haben. Und das andererseits eben auch, weil mein Freund OK schon am Sonntagmorgen zu granteln begann, „diese Schönrednerei“ müsse „ein Ende haben“.
Was mal wieder typisch ist. Tatsächlich hatten wir uns alle ziemlich zusammengerissen mit unserer Euphorie. Dabei war es so: Wenn Schiedsrichter Stark konsequent pfeift, geht Kirsten mit Rot vom Platz – fertig, aus. Stattdessen kassieren wir ein Gegentor, das aus dem Spiel heraus so nicht fallen durfte. Und dann haben wir diese Riesenaktion mit Halfar am Ende, die mindestens ein Achtzigprozenter war. Es war also ein Sieg drin. Erstens.
Zweitens bleibt festzuhalten, dass Mato Jajalo, dem Pimkie und ich immer die Treue gehalten haben, womöglich vor seinem Durchbruch als Mittelfeldspieler von Weltformat steht. Ujahs Tor wäre wenigstens ohne Jajalo nicht möglich gewesen, und ich glaube ein bisschen, dass Jajalos Auftritt ohne Pimkies und meine gedankliche Unterstützung so womöglich nicht unbedingt auf jeden Fall leistbar gewesen wäre. Weil wir uns immer besonders wünschen, dass Jajalo super spielt. Aber vielleicht überschätze ich da auch unseren Einfluss.
