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In den meisten Organisationen ist die IT inzwischen zum »Business Enabler« geworden. Mit deren Hilfe werden neue Geschäftsmodelle erst ermöglicht und ohne die digitale Transformation wären Organisationen nicht mehr wettbewerbsfähig. IT-Kräfte müssen sich daher nicht nur mit modernen Technologien und Trends vertraut machen, sondern auch komplexe betriebswirtschaftliche Zusammenhänge verstehen. Hierbei kann die Wirtschaftsinformatik als anwendungsorientierte Wissenschaft einen wertvollen Beitrag leisten. Sie ist an eben dieser Schnittstelle zwischen IT und Betriebswirtschaftslehre verortet. Einer ihrer Schwerpunkte liegt auf der Analyse und Entwicklung betrieblicher Informationssysteme, die in der Wirtschaft und der Verwaltung eingesetzt werden. Das Buch gibt eine Einführung in die Wirtschaftsinformatik. Wie in den vorherigen Auflagen werden aktuelle technologische Trends in einen betriebswirtschaftlichen Kontext gestellt, um deren Nutzen für Unternehmen zu verdeutlichen. Neu mit Ausführungen u.a. zu Cloud-Computing, modernen Webtechnologien, Internet of Things, Blockchain und Kryptowährungen sowie zu Unternehmenssoftware der SAP.
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Seitenzahl: 405
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft - Steuern - Recht GmbH
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Peter Preuss/Simon Frank
Wirtschaftsinformatik
6. Auflage, Januar 2023
© 2023 Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH
www.schaeffer-poeschel.de
© Umschlag: Stoffers Grafik-Design
Produktmanagement: Alexander Kühn
Lektorat: Petra Bandl
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Die Corona-Pandemie wirkte wie ein Beschleuniger für die Digitalisierungsprojekte in Unternehmen und Behörden. In kürzester Zeit wurden analoge Prozesse digitalisiert, Kollaborationslösungen implementiert, die IT-Infrastruktur in die Cloud verlagert und moderne Software-As-A-Service-Lösungen eingeführt. In vielen IT-Projekten geht es aber nicht nur darum, Services anzubieten, damit die Geschäftsprozesse der unterschiedlichen Unternehmensabteilungen effizienter und fehlerfreier durchgeführt werden können. Die IT ist in den meisten Organisationen zum »Business Enabler« geworden. Nur mit deren Hilfe werden viele neue Geschäftsmodelle erst ermöglicht und ohne die viel gescholtene digitale Transformation wären Organisationen nicht mehr wettbewerbsfähig.
Heutige IT-Kräfte müssen sich daher nicht nur mit modernen Technologien und Trends vertraut machen, sondern auch komplexe betriebswirtschaftliche Zusammenhänge verstehen. Hierbei kann die Wirtschaftsinformatik als anwendungsorientierte Wissenschaft einen wertvollen Beitrag leisten. Sie ist an eben dieser Schnittstelle zwischen IT und Betriebswirtschaftslehre verortet. Einer ihrer Schwerpunkte liegt auf der Analyse und Entwicklung betrieblicher Informationssysteme, die in der Wirtschaft und der Verwaltung eingesetzt werden.
Dieses Buch möchte eine Einführung in die Wirtschaftsinformatik geben. Wie in den vorherigen Auflagen werden aktuelle technologische Trends in einen betriebswirtschaftlichen Kontext gestellt, um deren Nutzen für Unternehmen zu verdeutlichen. Da seit der letzten Auflage einige Jahre vergangen sind, mussten wir insbesondere in den Kapiteln, die technologische Themen behandeln, größere Änderungen vornehmen. Einige teilweise fünfzehn Jahre alte Fallbeispiele haben wir bewusst belassen, da sich an diesen zeigt, dass uns etliche IT-Probleme über viele Jahre nahezu unverändert beschäftigen.
Bei der Überarbeitung des Buches haben wir aber immer wieder staunend zur Kenntnis genommen, mit welcher Weitsicht Bettina Schwarzer und Helmut Krcmar die fünfte Auflage geschrieben haben. Viele Annahmen, die die beiden über die zukünftige Entwicklung getroffen haben, sind genau so eingetreten. Wir treten daher mit Ehrfurcht in die großen Fußstapfen, die die beiden mit diesem Buch hinterlassen haben und haben uns sehr über die Anfrage des Schäffer-Poeschel-Verlags gefreut, das Buch neu auflegen zu dürfen.
Stuttgart, im Oktober 2022Simon FrankPeter PreussLernziele
Aufgaben der Wirtschaftsinformatik
Sie wissen, was Informatik und Wirtschaftsinformatik unterscheidet.Sie können erklären, womit sich die Wirtschaftsinformatik beschäftigt.Sie kennen Berufsfelder für Wirtschaftsinformatiker.Grundbegriffe
Sie können den Unterschied zwischen Zeichen, Daten, Information und Wissen erklären.Sie wissen, was ein Informations-/Anwendungssystem ist.Sie wissen, was man unter Anwendungssoftware versteht und welche Anwendungsgebiete unterschieden werden.Haben Sie heute schon eine Snapchat-Nachricht verschickt, ihr LinkedIn-Profil aktualisiert, oder gar einen Non-Fungible Token (NFT) erworben? Völlig selbstverständlich nutzen wir täglich das Internet, denn es ist zu einem festen Bestandteil unseres Lebens geworden.
In den letzten Jahren wurden ganze Branchen, wie etwa die Medienbranche, durch das Internet revolutioniert: Die Nutzung von Newsportalen und Social Media ist heute ganz normal. Klassische Medien wie Tageszeitungen, Fernsehen und Radio verlieren massiv an Bedeutung und Medienunternehmen müssen neue Geschäftsmodelle finden, um überleben zu können.
Es ist aber nicht nur das Internet, das unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen verändert und neue Möglichkeiten der Abwicklung schafft. Es darf nicht vergessen werden, dass sich auch die »klassischen« Anwendungssysteme, die ein wichtiger Bestandteil in allen Lebensbereichen geworden sind und ohne die kaum noch etwas so funktionieren würde, grundlegend geändert haben.
Vieles, was vor zwanzig Jahren noch undenkbar erschien, betrachten wir heute als selbstverständlich. Aber haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie und warum alles funktioniert, was wir heute als ganz natürlich ansehen? Wie kommen Preis und Artikelbezeichnung im Supermarkt auf den Kassenzettel, obwohl am Produkt doch nur ein Strichcode ist? Wie schafft es der Autohändler, Ihnen bereits bei der Bestellung zu sagen, wann genau Ihr neues Auto am anderen Ende von Deutschland vom Band rollen wird?
Bevor diese und andere Fragen der Wirtschaftsinformatik beantwortet werden, wird in diesem Kapitel zunächst erklärt, womit sich die Wirtschaftsinformatik überhaupt [14]beschäftigt und was sie von der Informatik unterscheidet. Danach werden wichtige Grundbegriffe erläutert, die für das weitere Verständnis notwendig sind.
Der Begriff »Informatik« ist den meisten Menschen geläufig und sie verbinden damit typischerweise Computer und Programmierung. Das ist sicher richtig, aber kann man Informatik und Wirtschaftsinformatik, wie es immer wieder gemacht wird, einfach gleichsetzen? Was unterscheidet die beiden voneinander?
Informatik
Die Informatik (engl. Computer Science) beschäftigt sich mit der systematischen, maschinellen Verarbeitung, Speicherung und Übermittlung von Daten.
Die (Kern-)Informatik befasst sich im Rahmen der
theoretischen Informatik mit prinzipiellen (meist mathematischen) Fragen der Programmierbarkeit, z. B. in der Personal- oder Materialwirtschaft sowie h. wie können Probleme durch Rechner bearbeitet werden; dazu gehören z. B. die Automatentheorie, die Schaltwerktheorie und formale Sprachen;technischen Informatik mit der zugehörigen Hardware, dazu gehören z. B. die Schaltungstechnik, die Mikroprogrammierung und die Rechnerorganisation;praktischen Informatik mit der Umsetzung von Anforderungen in Programme; dazu gehören z. B. die Entwicklung von Datenstrukturen oder von Programmiersprachen.Angewandte Informatik
Darüber hinaus beschäftigt sich die Informatik mit Anwendungen in allen Fachgebieten und den Auswirkungen der Systeme auf Anwender und Benutzer.
Computer sind überall zu finden: in der Arztpraxis, im Supermarkt, in Banken, Büros, Hochschulen und privaten Arbeitszimmern. Was aber an den verschiedenen Orten mit den Computern gemacht wird, ist sehr unterschiedlich. Während der Arzt mit dem Computer seine Patientenverwaltung und seine Abrechnung macht, nutzt der Supermarkt seine Systeme für automatische Nachbestellungen, eine Analyse der Absatzzahlen einzelner Produkte oder die Verwaltung seines Lagers.
Mithilfe der Computer werden also sehr unterschiedliche Aufgaben abgewickelt, die aus dem jeweiligen Einsatzgebiet resultieren. Um diese Aufgaben mit Computern bearbeiten zu können, ist neben Computer-Kenntnissen auch spezifisches Know-how aus dem jeweiligen Fachgebiet erforderlich.
Aus diesem Grund haben sich für verschiedene Aufgabengebiete sogenannte »angewandte Informatiken« als eigenständige Disziplinen entwickelt. Sie verbinden die formalen Ansätze der Informatik mit den pragmatischen Inhalten der Anwendungsdisziplinen (vgl. Abb. 1-1).
[15]Zu den Gebieten der angewandten Informatik zählen z. B.
die Rechtsinformatik, die sich mit juristischen Informations- und Dokumentationssystemen, der Gesetzgebung für den Datenschutz oder Urheberrechten für Softwareprodukte beschäftigt,die Verwaltungsinformatik, die sich mit Anwendungen im Einwohnermeldewesen, der Finanzverwaltung, öffentlichen Ausschreibungen oder der Bevölkerungsstatistik beschäftigt unddie Wirtschaftsinformatik, die sich mit dem Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien in Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen beschäftigt.Abb. 1-1: Verankerung der angewandten Informatik
Wirtschaftsinformatik
Die Wirtschaftsinformatik ist eine anwendungsorientierte, interdisziplinäre Wissenschaft, die Inhalte und Fragestellungen der Betriebswirtschaftslehre und der Informatik zusammenführt und darüber hinaus eigene Methoden und Werkzeuge entwickelt. Der Wirtschaftsinformatiker sollte beide »Sprachen« sprechen. Er muss zum einen über betriebswirtschaftliches Know-how verfügen und die Denk- und Ausdrucksweise der Fachabteilungen verstehen. Zum anderen sollte er genug technische Kenntnisse und Erfahrung in der Software-Entwicklung mitbringen, um mit Technikern und Programmierern über mögliche Lösungen diskutieren und diese beurteilen zu können und ein Umsetzungsprojekt steuern zu können.
Wirtschaftsinformatik ist die Wissenschaft von Entwurf, Entwicklung und Nutzung rechnergestützter Informations- und Kommunikationssysteme in Wirtschaft und Verwaltung. (WKWI, 2007, S. 319)
Informations- und Kommunikationssystem
Der Begriff »Informations- und Kommunikationssystem« bezieht sich nicht nur auf die Hardware, d. h. den Computer an sich, und die darauf laufende Software, sondern umfasst auch die Menschen, die mit dem System arbeiten und die organisatorischen Rahmenbedingungen. Es handelt sich also um ein sozio-technisches System.
[16]Die Auslegung des Begriffs kann aber auch weiter gefasst werden. In diesem Fall umfasst das Informationssystem des Unternehmens die Gesamtheit aller Informationssysteme, die im Unternehmen im Einsatz sind.
Aufgaben der Wirtschaftsinformatik
Die Aufgaben der Wirtschaftsinformatik lassen sich nach dem Charakter der Aufgaben in drei große Bereiche aufteilen, die in engem Zusammenhang stehen:
Beschreibungsaufgaben,Erklärungsaufgaben undGestaltungsaufgaben.Die wichtigste Aufgabe der Wirtschaftsinformatik ist die Gestaltung und Entwicklung von Informations- und Kommunikationssystemen. Voraussetzung für ein systematisches Vorgehen bei der Entwicklung ist eine fundierte Beschreibung, denn was nicht beschrieben ist, kann auch nicht erklärt und gestaltet werden. Daher dokumentiert der Wirtschaftsinformatiker die Realität in Form von sogenannten Beschreibungsmodellen und macht sie damit der Analyse und Gestaltung zugänglich. In der Wirtschaftsinformatik sind zu diesem Zweck eigene Modellierungsansätze entwickelt worden, die die Anforderungen des Fachgebiets besonders gut abdecken, so z. B. die Datenmodellierung oder die Prozessmodellierung (vgl. Kap. 4).
Die Erklärungsaufgabe der Wirtschaftsinformatik besteht darin, in der Realität beobachtete Sachverhalte zu erklären. So kann z. B. bestimmt werden, unter welchen Bedingungen eine bestimmte Aktivität in einem Prozess durch das Informationssystem angestoßen wird.
Die Gestaltungsaufgaben lassen sich danach unterteilen, ob sie direkt in der Praxis oder eher in der Wissenschaft angesiedelt sind:
Der Wirtschaftsinformatiker im Unternehmen gestaltet und entwickelt Informationssysteme und führt diese ein, um bestimmte Praxisprobleme zu lösen.Der Wirtschaftsinformatiker in der Wissenschaft entwickelt Methoden und Werkzeuge, die dem Wirtschaftsinformatiker in der Praxis bei der Gestaltung und Umsetzung der Informationssysteme helfen sollen. Hier wird der starke Einfluss der Praxis deutlich, denn die Entwicklung von Methoden und Werkzeugen wird von den Anforderungen der Praxis bestimmt.Das Arbeitsgebiet einer Wirtschaftsinformatikerin und eines Wirtschaftsinformatikers ist sehr vielfältig. So können sie einerseits in Unternehmen der IT-Branche arbeiten, andererseits aber auch in allen Branchen, die IT einsetzen.
Unternehmen der IT-Branche sind z. B. Software-Unternehmen, die Anwendungssysteme bereitstellen, Hardware-Anbieter, die Rechner, Netzwerkkomponenten o. Ä. anbieten oder IT-[17]Dienstleister, die z. B. als Outsourcing-Partner die IT-Infrastruktur für einen Kunden betreiben oder als Consultant Spezialthemen wie z. B. die Einführung von ERP-Systemen abdecken.
In allen anderen Branchen können Wirtschaftsinformatikerinnen und Wirtschaftsinformatiker in kleinen, mittleren und großen Unternehmen entweder in den IT-Abteilungen oder in Fachabteilungen arbeiten. Sehr kleine Unternehmen verzichten häufig auf eigene IT-Experten und beziehen die Leistungen von externen Dienstleistern. Häufig setzen nicht nur die IT-Abteilungen mittlerer und großer Unternehmen Wirtschaftsinformatikerinnen und Wirtschaftsinformatiker ein, sondern auch Fachabteilungen, die einen konkreten IT-Bezug haben. So finden sich beispielsweise in Banken Abteilungen, die sich mit Online-Banking beschäftigen. In anderen Branchen gibt es Abteilungen, die sich mit Online-Shops oder Online-Marketing auseinandersetzen.
Aufgrund des sowohl betriebswirtschaftlichen als auch technischen Know-hows können Wirtschaftsinformatikerinnen und Wirtschaftsinformatiker sowohl in den IT-Kernberufen als auch in den sogenannten IT-Mischberufen arbeiten.
IT-Kernberufe
Im Mittelpunkt der IT-Kernberufe steht die Konzeption, Realisierung und der Betrieb von Hard- und Software. Mögliche Berufsfelder sind z. B. die Softwareentwicklung (Programmierung), die Datenbankentwicklung und -administration sowie die Administration von IT-Infrastruktur.
IT-Mischberufe
Die IT-Mischberufe beschäftigen sich mit anwendungsnahen Fragestellungen, d. h. sie arbeiten an der Schnittstelle zwischen IT und Business. Häufig sind sie Vermittler zwischen den Angestellten in den Fachbereichen auf der einen und den IT-Experten auf der anderen Seite. Da sie beide Sprachen sprechen, können sie die Anforderungen der Fachbereiche in die Entwicklersprache »übersetzen«. Darüber hinaus können sie im Rahmen der Einführung und des Supports einer Software-Lösung eine wichtige Rolle übernehmen, indem sie Schulungen anbieten oder im Support konkrete Anwenderfragen im täglichen Betrieb beantworten. Ein weiteres großes Betätigungsfeld ist die Beratung. Hier spielen die Analyse und Gestaltung von Geschäftsprozessen, die Auswahl von Anwendungssoftware oder die Anpassung von Standardsoftware eine wichtige Rolle.
Die Vielfältigkeit der Fragestellungen, mit denen sich Wirtschaftsinformatikerinnen und Wirtschaftsinformatiker in Unternehmen beschäftigen, wird am folgenden Beispiel deutlich:
Aus der Praxis: Aus dem Alltag eines Wirtschaftsinformatikers
Die Wirtschaftsinformatikerin Paula Klein (Name geändert) ist seit einem Jahr in einem mittelständischen Unternehmen in der IT-Abteilung tätig. Im Laufe des Jahres hat sie an drei Projekten mitgearbeitet. Sie schildert ihre Aufgaben wie [18]folgt: Im ersten Projekt, in dem ich mitgearbeitet habe, ging es darum, unseren Produktionsstandort in Südamerika mit einer neuen Softwarelösung auszustatten. Meine Aufgabe war es, ein Rollout-Konzept für die Einführung der Software zu entwickeln, die Maßnahmen vor Ort abzustimmen und den Rollout zu unterstützen. Dazu gehörten nicht nur die technische Unterstützung der IT-Kollegen, sondern auch Schulungen, die wir für die Angestellten in den Fachbereichen in Südamerika angeboten haben.
Beim zweiten Projekt ging es um die Frage, ob wir einen Online-Shop für Ersatzteile aufbauen sollen, damit sich die Kunden direkt an uns wenden können und nicht erst über unsere Vertragshändler gehen müssen. In diesem Projekt haben wir zunächst einmal die heutigen Prozesse hinsichtlich Ablauf, Dauer und Mengenvolumen analysiert. Auf dieser Basis haben wir Anforderungen an einen Online-Shop definiert und überlegt, welche Prozesse sich ändern und welche Prozesse wir zusätzlich benötigen würden. Zuletzt haben wir abgeschätzt, was ein derartiges Projekt kosten und wie lange es dauern würde. Alle Überlegungen haben wir dann als Entscheidungsvorlage für die Geschäftsführung zusammengefasst, aber leider ist bislang keine Entscheidung getroffen worden.
Das dritte Projekt, in dem ich gerade angefangen habe, ist eher technischer Natur und beschäftigt sich mit der Konsolidierung unserer IT-Landschaft, da wir dringend Kosten einsparen müssen. Wir haben durch den Zukauf verschiedener kleinerer Firmen eine sehr heterogene Systemlandschaft, denn jede Firma hat ihre eigene Infrastruktur und ihre eigenen Systeme »mitgebracht«, was dazu führt, dass wir Soft- und Hardware vieler verschiedener Hersteller im Haus haben. Zurzeit sind wir dabei, einerseits den Ist-Zustand zu erheben, andererseits technische Standards für Hardware, Betriebssysteme und Entwicklungsplattformen zu entwickeln. Danach werden wir einen Plan entwickeln, wie wir uns schrittweise vom Ist-Zustand zum Standard bewegen können.
Alle Projekte waren bzw. sind sehr abwechslungsreich und spannend, da es nicht nur um technische oder betriebswirtschaftliche Fragestellungen geht, sondern immer beide Aspekte zusammenspielen.
In der Wirtschaftsinformatik geht es um die Gestaltung, Entwicklung und den Einsatz von Informationssystemen. Daher spielt Information eine sehr wichtige Rolle in der Wirtschaftsinformatik. Umgangssprachlich werden die Begriffe Information, Daten und Wis[19]sen häufig synonym gebraucht, was jedoch nicht ganz richtig ist, denn die Begriffe stehen in einer hierarchischen Beziehung zueinander (vgl. Abb. 1-2).
Zeichen
Die unterste Ebene der Begriffshierarchie bilden die Zeichen. Der Zeichenvorrat in Abb. 1-2 besteht aus den Ziffern 1, 2 und dem Sonderzeichen »,«.
Zeichen sind »Bausteine« zur Darstellung von Informationen. Dabei kann es sich um Buchstaben, Ziffern oder Sonderzeichen handeln. Die Menge aller zur Verfügung stehenden Zeichen wird Zeichenvorrat genannt.
Daten
Daten folgen einer Struktur (Syntax). Werden die Zeichen in Abb. 1-2 zum Datum »1,12« zusammengesetzt, so wird implizit angenommen, dass dieses Datum einen Bezug besitzt und etwas aussagt. Für sich genommen hat das Datum jedoch keine Aussagekraft, denn es könnte sich auf die Körpergröße eines Menschen, einen Preis oder irgendetwas anderes beziehen.
Daten werden aus Zeichen zum Zweck der Verarbeitung gebildet, ohne dass ein Verwendungszweck aufgezeigt wird.
Abb. 1-2: Die Beziehungen zwischen den Ebenen der Begriffshierarchie (Quelle: Rehäuser/Krcmar, 1996, S. 14)
Information
Werden Daten mit Kontext versehen, spricht man von Information. Information ist das Wissen, das in konkreten Situationen zum Handeln benötigt wird. Im Beispiel der Abb. 1-2 ist folgende Interpretation möglich: Der Betrachter ist ein Devisenhändler, der sich für [20]den Wechselkurs zwischen Euro und Dollar interessiert, um Entscheidungen über Tauschgeschäfte zu treffen. Das Datum 1,12 gibt ihm das zu diesem Zeitpunkt und an diesem Ort geltende Austauschverhältnis zwischen den Währungen an, d. h. sagt ihm, dass 1 Euro 1,12 Dollar kostet.
Information ist zweckorientiertes Wissen (Wittmann, 1959, 14).
Wissen
Die oberste Stufe der Begriffshierarchie stellt das Wissen dar. Im Beispiel liegt bisher die Information »1 Euro kostet 1,12 Dollar« vor, die zu einem bestimmten Zeitpunkt und an einem bestimmten Ort gültig ist. Diese Information gekoppelt mit dem Wissen, das der Devisenhändler über die Marktmechanismen an Devisenmärkten besitzt, erlaubt es ihm, Entscheidungen zu treffen.
Wissen kann als zweckorientierte Vernetzung von Informationen bezeichnet werden, d. h. Wissen besteht aus vielen Informationen sowie der Kenntnis über die Zusammenhänge der Informationen.
Information als Produktionsfaktor
In der Betriebswirtschaftslehre werden Information und die dazugehörigen Daten inzwischen als wesentlicher Produktionsfaktor betrachtet. Es ist häufig die Rede davon, dass Daten das neue Öl seien. Information bildet die Grundlage für betriebs- und volkswirtschaftliche Entscheidungen und ist deshalb von großer Bedeutung für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Funktionstüchtige Informationssysteme stellen für die Unternehmen wichtige Wettbewerbsfaktoren dar, denn wenn Entscheidungen genauer und schneller getroffen werden können, kann das Unternehmen Vorteile gegenüber der Konkurrenz erzielen. Die Qualität von Information als Produktionsfaktor wird bestimmt durch:
Aktualität,Vollständigkeit,Verfügbarkeit undGenauigkeit.Datenverarbeitung
So wie die Begriffe Daten und Information häufig synonym verwendet werden, werden auch die Begriffe Daten- und Informationsverarbeitung häufig nicht genau voneinander abgegrenzt. Wird von der oben gegebenen Definition für Daten ausgegangen, so betreibt jeder Datenverarbeitung, der beispielsweise Zahlen addiert, sei es mit oder ohne Computerunterstützung.
Datenverarbeitung ist die Verarbeitung von Daten mit Algorithmen (Verfahren, Methoden) zu neuen Daten.
[21]Zur Datenverarbeitung gehören vier Elemente, die zunächst einmal unabhängig vom Rechnereinsatz sind (vgl. Abb. 1-3):
die zu verarbeitenden Daten (Eingabedaten, Input),die Datenverarbeitung an sich, durch die Veränderungen an den Daten vorgenommen werden (Transformation),die auszugebenden Daten (Ausgabedaten, Output),die Speicherung, durch die Daten abgelegt werden.Für den Dreischritt Eingabe, Verarbeitung und Ausgabe verwendet man auch das Akronym »EVA«.
Abb. 1-3: Prozess der Datenverarbeitung
EDV vs. Informationsverarbeitung
Mit zunehmender Verbreitung von Computern wurde der Begriff Datenverarbeitung immer mehr im Sinne der Elektronischen DatenVerarbeitung (EDV), d. h. der Verarbeitung von Daten mittels Computern, verstanden.
Inzwischen ist der Begriff EDV aus der Mode gekommen. Mit der immer stärkeren Durchdringung aller Bereiche durch Computer werden nicht mehr ausschließlich Daten verarbeitet, sondern zunehmend Informationen. Deshalb hat sich der Begriff »Informationsverarbeitung (IV)« durchgesetzt.
Der Begriff Informationssystem ist in der Literatur nicht eindeutig definiert und wird teilweise synonym mit dem Begriff Anwendungssystem verwendet.
Informationssysteme sind sozio-technische Systeme, die menschliche und maschinelle Komponenten (Teilsysteme) umfassen.
Sie werden eingesetzt, um das wirtschaftliche Handeln der Unternehmen zu unterstützen, indem sie Informationen für Durchführungs-, Führungs-, Analyse- und Entscheidungsaufgaben im Unternehmen bereitstellen.
[22]Informationslogistisches Prinzip
Gemäß dem informationslogistischen Prinzip sollen Informationssysteme,
die richtigen Informationen, d. h. die Informationen, die der Aufgabenträger zur Erfüllung seiner Aufgabe benötigt,in der richtigen Menge, d. h. nicht zu viel und nicht zu wenig,in der richtigen Form und Qualität, d. h. sodass sie sofort weiterverarbeitet werden können,zur richtigen Zeit, d. h. dann, wenn sie benötigt werden,am richtigen Ort, d. h. dort wo der Aufgabenträger sie benötigt, zur Verfügung stellen.Informationssysteme bestehen immer aus folgenden Bausteinen (vgl. Abb. 1-4):
einer Datenbank zur Speicherung von Daten,einer Methodenbank mit verschiedenen Programmen zur Lösung betriebswirtschaftlicher Anwendungsprobleme,einer Modellbank mit betriebswirtschaftlichen Modellen.Abb. 1-4: Computergestütztes Informationssystem (Quelle: Scheer, 1990, S. 8)
Ein computergestütztes Informationssystem ist ein sozio-technisches System, bei dem die Erfassung, Speicherung, Übertragung und/oder Transformation von Informationen durch den Einsatz von Informationstechnik teilweise automatisiert ist (in Anlehnung an Hansen/Neumann, 2009, S. 85).
Anwendungssystem
Der Begriff »Anwendungssystem« ist darauf zurückzuführen, dass es für bestimmte Anwendungsgebiete sogenannte Anwendungssoftware (engl. Application Software) gibt. Anwendungssysteme unterstützen die operativen Prozesse in allen betrieblichen Funktionsbereichen, so z. B. in der Personal- oder Materialwirtschaft sowie im Finanz- und Rechnungswesen. Darüber hinaus können sie auch zur Analyse, Planung und Kontrolle eingesetzt werden. Die Anwendungssoftware, das eigentliche Programm, ist immer nur ein Teil des gesamten Anwendungssystems. Das Programm wird immer auf einer Hard[23]ware eingesetzt, läuft auf einem Betriebssystem und ist in ein organisatorisches Umfeld eingebettet. In diesem Buch werden die Begriffe Informations- und Anwendungssystem synonym verwendet. Als Abkürzung wird IT-System verwendet.
Anwendungssoftware
Alle Programme, die direkt vom Anwender genutzt werden, werden unter dem Begriff »Anwendungssoftware« zusammengefasst. In Unternehmen kommen unterschiedliche Arten von Anwendungssoftware zum Einsatz:
Betriebswirtschaftliche Anwendungen unterstützen die Prozesse in den verschiedenen kaufmännischen Abteilungen wie der Personalabteilung, dem Finanz- und Rechnungswesen oder dem Vertrieb. Sie sind entweder als einzelnes Programm für eine bestimmte Anwendung oder als integriertes Programmpaket für eine größere Gruppe betriebswirtschaftlicher Anwendungsgebiete (Software-Familie) erhältlich. Bei integrierten Softwarepaketen ist die Abwicklung der Aufgaben so aufeinander abgestimmt, dass die Daten nur einmal erfasst werden müssen. Die einzelnen Bausteine solcher Programmpakete, sogenannte Module, greifen alle auf dieselbe Datenbank zu.Technisch-wissenschaftliche Anwendungen werden z. B. in der Konstruktion für mathematische Berechnungen verwendet.Branchenbezogene Anwendungen berücksichtigen die Besonderheiten der Leistungserstellung in verschiedenen Branchen. So arbeitet der Handel beispielsweise mit Warenwirtschaftssystemen, während die produzierende Industrie Produktionsplanungs- und Steuerungssysteme im Einsatz hat (vgl. Abb. 1-5).Querschnittsanwendungen können an allen betrieblichen Arbeitsplätzen zum Einsatz kommen. Hierzu gehören z. B. Textverarbeitung, E-Mail, elektronische Kalender oder Tabellenkalkulation.Anwendungssoftware kann nach unterschiedlichen Gesichtspunkten gegliedert werden. Eine der am häufigsten verwendeten Einteilungen ist die Gliederung nach dem Anwendungsgebiet, die im Folgenden vorgestellt wird.
Abb. 1-5: Beispiele für Branchensoftware
Abb. 1-6: Übersicht Anwendungssysteme (Quelle: in Anlehnung an Hansen/Neumann, 2009, 141)
Transaktionssysteme
Transaktionssysteme unterstützen die Abwicklung von Geschäftstransaktionen. Sie sind durch umfängliche Datenbanken gekennzeichnet, die zur Bearbeitung von Geschäftsvorfällen durch Benutzereingaben abgefragt oder geändert werden können. Derartige Systeme werden auch als operative Systeme bezeichnet. Transaktionssysteme sind häufig branchenspezifisch wie z. B. Warenwirtschaftssysteme, die den speziellen Bedürfnissen des Handels genügen (vgl. Kap. 7.2), oder Produktionsplanungs- und Steuerungssysteme (PPS), die die Produktion in der Industrie planen und steuern (vgl. Kap. 7.1).
Administrationssysteme
Administrationssysteme dienen einerseits der Verarbeitung von Massendaten, andererseits der Verwaltung von Beständen.
Sie sind in der Regel branchenneutral und unterstützen die Grundfunktionen aller Unternehmen, insbesondere das Rechnungswesen, die Personalabrechnung und die Fakturierung (vgl. Kap. 6).
Führungssysteme
Die sogenannten Führungssysteme (vgl. Kap. 6.5.3) können in Führungsinformationssysteme und Planungs- und Kontrollsysteme unterteilt werden. Führungsinformationssysteme (FIS), auch Management-Informationssysteme (MIS) genannt, sollen [25]Managern führungsrelevante Informationen zur Verfügung stellen. Sie greifen dazu sowohl auf unternehmensinterne als auch -externe Datenbestände zu. Typische Anwendungsfelder sind z. B. Marketing-Informationssysteme oder Personal-Informationssysteme.
Planungssysteme sollen das Management bei der Planung unterstützen. Anwendungsfelder sind z. B. die Vertriebs- und Absatzplanung. Die sogenannte computergestützte Planung dient hauptsächlich der Berechnung von Planalternativen und -varianten durch die Erstellung von Modellrechnungen. Unterstützung in vielen Anwendungsbereichen bieten auch wissensbasierte Systeme, die dem Gebiet der künstlichen Intelligenz (KI) zuzurechnen sind. Beispielsweise sollen Expertensysteme die Problemlösungsfähigkeiten menschlicher Experten nachahmen. Dazu sollen sie Wissen von Experten sammeln, ordnen und selber anwenden. Ihre Hauptanwendungsgebiete sind die Analyse und Diagnose von Problemfällen.
Funktionalorganisation
In der Vergangenheit waren die Unternehmen vom funktionsorientierten Denken des Taylorismus geprägt: Eine Aufgabe wurde in viele kleine Einzelschritte zerlegt und diese verschiedenen Mitarbeitern zugewiesen, um durch Spezialisierung die Leistungsfähigkeit des Einzelnen zu erhöhen. Die Spezialisten wurden in Abteilungen zusammengefasst und innerhalb der Abteilungen wurde an Verbesserungen der einzelnen Arbeitsabläufe gearbeitet. Eine enge Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen wurde nicht angestrebt, wodurch das sogenannte »Abteilungsdenken« gefördert wurde.
Dementsprechend wurden Anwendungssysteme zur Unterstützung einzelner Arbeitsplätze oder Abteilungen entwickelt, die keinerlei Schnittstellen zu anderen Systemen außerhalb der Abteilung hatten. Durch diese Vorgehensweise wurden die organisatorischen Grenzen durch isolierte IT-Systeme noch zusätzlich verfestigt.
Im Laufe der Jahre zeigte sich jedoch, dass diese Form der Arbeitsorganisation viele Schwachstellen aufweist und den Unternehmen in einer dynamischen Umwelt nicht die benötigte Flexibilität und Reaktionsgeschwindigkeit bieten kann. Die Schwachstellen sind einerseits auf organisatorische, andererseits auf informationsverarbeitungsbedingte Mängel der Funktionalorganisation zurückzuführen (vgl. Abb. 1-7).
Abb. 1-7: Schwachstellen der Funktionalorganisation
Integration
Bei der Suche nach neuen organisatorischen und technischen Lösungen, die mehr Flexibilität und Reaktionsgeschwindigkeit bieten, rückte der Gedanke der Integration in den Vordergrund. Das Wort Integration kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Wiederherstellung, indem verschiedene Teile zu einem Ganzen zusammengefügt werden.
Aus Sicht der Wirtschaftsinformatik sind im Hinblick auf Integration drei Ansatzpunkte besonders wichtig:
Die Prozessintegration,die Datenintegration unddie Integration der Anwendungssysteme.Prozessintegration
Seit den 1990er-Jahren beschäftigen sich die Unternehmen sehr intensiv mit ihren Geschäftsprozessen (vgl. Kap. 3). In prozessorientierten Unternehmen wird die Aufgabenverteilung nicht mehr innerhalb der einzelnen Abteilung, sondern entlang der abteilungs- oder unternehmensübergreifenden Prozesse gezielt gestaltet, damit die einzelnen Teilprozesse ineinandergreifen und keine Reibungsverluste an Abteilungs- oder Unternehmensgrenzen entstehen. Durch diese übergreifende Gesamtsicht, die auf eine Optimierung des Gesamtprozesses gerichtet ist, können grundlegende Verbesserungen erzielt werden.
Anwendungs-/ Datenintegration
Um Brüche im Ablauf zu vermeiden und die prozessorientierte Organisationsgestaltung zu unterstützen, sind heutige Anwendungssysteme integriert. Die früher isolierten, abteilungsbezogenen Systeme werden nun zu logisch zusammenhängendem System verknüpft.
In diesem Zusammenhang spielt die Datenintegration eine wichtige Rolle. Als Datenintegration bezeichnet man die gemeinsame Nutzung derselben Daten. Benötigen beispielsweise mehrere Anwendungssysteme eine Kundenadresse, wird diese nur einmal gespeichert, und alle Systeme greifen darauf zu. Das wird technisch durch den Einsatz eines gemeinsamen Datenbanksystems erreicht.
Dieses Buch vermittelt Studierenden und interessierten Praktikern einen kompakten Überblick über die wichtigsten Begriffe und Themen der Wirtschaftsinformatik. Die Schwerpunkte und die Struktur der Darstellung basieren auf den Leitgedanken der Prozessorientierung und der Integration, die aus unserer Sicht untrennbar miteinander verbunden sind: Damit ein Unternehmen heutzutage erfolgreich am Markt agieren kann, muss es integrierte Anwendungssysteme einsetzen, die die Geschäftsprozesse bestmöglich unterstützen. Ohne Prozessorientierung ist eine zielgerichtete Integration der Anwendungssysteme nicht denkbar, ohne eine Integration der Anwendungssysteme ist eine prozessorientierte Organisation nicht realisierbar. Dieser enge wechselseitige Zusammenhang zwischen Organisation und IT im weitesten Sinne muss gezielt gemanagt werden.
Vor diesem Hintergrund werden in diesem Buch drei Schwerpunkte gelegt, die sich in den drei Teilen des Buches widerspiegeln (vgl. Abb. 1-8):
Trends und Methoden der Wirtschaftsinformatik, Anwendungssysteme sowie Steuerung der Informationsverarbeitung.Abb. 1-8: Aufbau des Buches
IT und Organisation sind in den Unternehmen untrennbar miteinander verbunden. Entwicklungen im Bereich der IT beeinflussen die Organisation und umgekehrt. In Kapitel 2 »Technologische Grundlagen und Trends« werden daher zunächst technologische Grundlagen und aktuelle Trends erläutert, die für das weitere Verständnis sehr wichtig sind. In Ka[28]pitel 3 »Organisatorische Trends« wird der Gedanke der Prozessorientierung als wichtiger organisatorischer Trend aufgegriffen. Das Kapitel 4 »Methoden der Wirtschaftsinformatik« beschäftigt sich mit verschiedenen Modellierungsmethoden und Projektmanagement. Diese Methoden bilden das Handwerkszeug eines jeden Wirtschaftsinformatikers und sind daher von großer Bedeutung.
Kapitel 5 »Bereitstellung von Anwendungssystemen« bildet den Übergang zwischen Methoden und Anwendungssystemen. In diesem Kapitel wird der Frage nachgegangen, welche Möglichkeiten der Bereitstellung von Anwendungssystemen es gibt. Dazu wird zwischen Standard- und Individualsoftware unterschieden und es werden Ansätze zur Auswahl von Standardsoftware bzw. zur Entwicklung von Individualsoftware vorgestellt.
In den Kapiteln 6 bis 9 wird auf verschiedene Einsatzbereiche von Anwendungssystemen eingegangen. Zum einen unterstützen die Anwendungssysteme innerbetriebliche Prozesse wie das Rechnungswesen oder die Personalabrechnung (vgl. Kap. 6). Zum anderen sind sie Kernstück vieler branchenspezifischer Prozesse wie beispielsweise Warenwirtschaftssysteme im Handel oder die Produktionsplanungs- und Steuerungssysteme in der produzierenden Industrie (vgl. Kap. 7). Darüber hinaus gibt es noch Anwendungssysteme, die unternehmensübergreifende Wertschöpfungsketten unterstützen, wie z. B. Supply-Chain-Management-Systeme (vgl. Kap. 8) oder Systeme, die unabhängig von Unternehmensgrenzen, die Zusammenarbeit zwischen Einzelpersonen unterstützen (vgl. Kap. 9).
Den Abschluss des Buches bildet das Kapitel 10 »Informationsmanagement«, das sich mit der Steuerung der Informationsverarbeitung beschäftigt. Damit es überhaupt zu integrierten Anwendungssystemen und einer optimalen Unterstützung der Geschäftsprozesse kommen kann, muss die Informationsverarbeitung im Unternehmen gezielt gestaltet und an den Unternehmenszielen ausgerichtet werden. Eine zielgerichtete Weiterentwicklung und Steuerung der IT im Unternehmen setzt eine entsprechende IT-Organisation, gut funktionierende IT-Managementprozesse und Kennzahlen zur Steuerung voraus.
Schlüsselbegriffe Kapitel 1
InformatikWirtschaftsinformatikDatenInformationWissenInformationslogistisches PrinzipInformationssystemAnwendungssystemAnwendungssoftware[29]WIEDERHOLUNGSFRAGEN KAPITEL 1
Erläutern Sie Inhalte und Aufgaben der Wirtschaftsinformatik.Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede bestehen zwischen Informatik und Wirtschaftsinformatik?Begründen Sie, warum ein Betriebswirt Wirtschaftsinformatikkenntnisse benötigt und zeigen Sie Anwendungsfelder für dieses Wissen aus der Unternehmenspraxis auf.Grenzen Sie die Begriffe Zeichen, Daten, Information und Wissen voneinander ab und zeigen Sie die Unterschiede an einem Beispiel.Erläutern Sie die Grundfunktionen der Datenverarbeitung.Welche Ziele verfolgen Unternehmen mit dem Einsatz betrieblicher Informationssysteme?Definieren Sie den Begriff Anwendungssystem und nennen Sie unterschiedliche Typen von Anwendungssystemen.Erklären Sie den Unterschied zwischen Anwendungssystem und Anwendungssoftware.Hansen, H.R.; Mendling, J., Neumann, G.: Wirtschaftsinformatik – Grundlagen und Anwendungen, 12. Aufl., München 2019.
Österle, H.; Winter, R.; Brenner, W. (Hrsg.): Gestaltungsorientierte Wirtschaftsinformatik – Ein Plädoyer für Rigor und Relevanz, 2010.
Rehäuser, J.; Krcmar, H.: Wissensmanagement im Unternehmen, in: Schreyögg, G.; Conrad, P.; Sydow, J.: Managementforschung, Bd. 6., Berlin, New York 1996.
Scheer, A.-W.: EDV-orientierte Betriebswirtschaftslehre: Grundlagen für ein effizientes Informationsmanagement, 4. Aufl., Berlin et al. 2008.
Wittmann, W.: Unternehmung und unvollkommene Information. Köln, Opladen 1959.
Abts, D.; Mülder, W.: Grundkurs Wirtschaftsinformatik, 9. Aufl., Wiesbaden 2017.
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