Verlag: Books on Demand Kategorie: Ratgeber Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2017

Wissensaktivierung - Neue Denkwege E-Book

Armin Rütten

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E-Book-Beschreibung Wissensaktivierung - Neue Denkwege - Armin Rütten

Es gibt keine objektive Wahrheit und kein objektives Wissen. Was immer Menschen ergründen und erforschen bleibt gebunden an ihre subjektive Wahrnehmung und Interpretation. Was heute als Wissen erscheint, egal wie viele Menschen es teilen und daran glauben, kann und wird früher oder später durch erweiterte Erkenntnis seine Gültigkeit einbüßen und damit als das entlarvt werden, was es tatsächlich ist: eine Meinung, nicht mehr. Und auch Systeme wie Mathematik und Logik oder das, was wir "Naturgesetze" nennen, sind in ihrer Bedeutung beschränkt auf die Verstandeswelt des Menschen, der sie entspringen. Anhand von Beispielen beschreiben der Philosoph Armin Rütten und der Kognitionswissenschaftler Luca Pogoda, wie und weshalb wir unsere Realität selbst konstruieren. Die Wirkung der Wissensaktivierung basiert auf der Durchdringung der aus diesem Prozess innerhalb sozialer Systeme entstehenden (Ver-)Prägungen, die vom Gebrauch des Verstandes zur unbeschränkten, kreativen Nutzung der Vernunft führt und in einem Prozess der Dekonstruktion erlebter, erlernter und verinnerlichter Denkmuster, -strukturen und -inhalte zu einer Befreiung der persönlichen geistigen Kapazitäten führt.

Meinungen über das E-Book Wissensaktivierung - Neue Denkwege - Armin Rütten

E-Book-Leseprobe Wissensaktivierung - Neue Denkwege - Armin Rütten

Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser, angelehnt an den Werbeslogan „Du bist was Du isst“ sind wir auch, was und wie wir denken.

Dabei geschieht das Denken nicht ganz so voraussetzungslos. Basis des Denkens sind Worte und Regeln. Die Effizienz der Gedanken hängt von der Tiefe unseres Verständnisses für deren gekonnte Verzahnung und die Tiefe der inhaltlichen Bedeutung dieser Worte ab. Ergo von unserer Gehirnleistung (Prozessor) und des sogenannten „Gebildetseins“ in all seiner Qualität und Quantität (Schul- und Berufsbildung, Belesenheit, Interessen, Kommunikation, Lebenserfahrung etc.).

Gleichzeitig ergibt sich aus unserer ureigenen Gedanken-, Erfahrungs- und Wissenswelt die individuelle Wahrnehmung und Fähigkeit, Zusammenhänge zu konstruieren, um eventuell im persönlichen Verständnis zu wachsen.

Bekannte Pioniere wie Euklid, Phytagoras und Thales schufen den Rahmen der geometrischen und mathematischen Auseinandersetzung mit unserer Welt. Andere, stellvertretend Sokrates und Kant genannt, warfen Schlaglichter auf das, was wir Denken nennen und wie wir dabei vorgehen.

Im Ergebnis dieser erkenntnistheoretischen Bemühungen begannen wir Menschen auf der Basis einiger mythogener Ideen (wie etwa Leben, Tod, Seelen, Materie und Licht) irgendwann Wissen zu behaupten. Kollektiv gesammelte Erkenntnisse und Erfahrungen bildeten Wissenschaften (Physik, Chemie, Biologie etc.), deren Verfügbarmachung unser Leben einerseits komfortabler und andererseits erheblich komplizierter machen.

Das vorliegende Werk gibt einen auszugsweisen Einblick in die philosophische und praxisorientierte Basis der Wissensaktivierung, die entwickelt wurde, um befähigten Köpfen verfügbar zu machen, worauf eigentlich all unser Werte, Wünsche und gedachten Realitäten beruhen, jene Wurzeln also unseres Selbst- und Weltverständnisses.

Der lesende Mensch, der das im Buch Beschriebene weiterdenkt, wird bemerken, wie man sich persönlich von alt implementierten Denkblockaden bereinigen kann, die anno dazumal zur Bereglung der Massen geschaffen wurden. Inzwischen sind diese indoktrinierten Denkweisen im wahrsten Sinne zu Blockaden mutiert und zur Belastung geworden. Die geistigen Kinder der „Aufseher der Gedanken“ verstehen selbst nicht mehr, was Herrschaftswissen ist. Einer gelungenen Aktualisierung harrte man bisher wahrlich sinnlos.

Wenn Sie sich nicht dem Rezepte Konsum aus dem heutigen Coaching-Tourismus ergeben möchten oder etwa durch Bereisen kindlich stillender Systeme (wie Religionen oder etwas wie NLP) der geistigen Belanglosigkeiten entziehen wollen, dann ist die vorliegende Lektüre für sie die Richtige.

Dem Individuum, welches doch kritisch zu bedenken beginnt, dem winkt noch bei der Entrümplung seiner Gläubigkeitsräume ein ihm eigener Verstand.

Ein Verstand mit aufgeklärter Natur und geringerem, neurologisch belastendem, inneren Konfliktgeschehen.

Wir wünschen Gutes bei Ihrer Reise Armin Rütten und Luca Pogoda

Unser Dank für den Umschlagstext an den Kulturanthropologen Dr. Herbert Jost-Hof und besonderer Dank Dr. Erwin Kampf für die kreative Gestaltung

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Was ist Wissen?

2.1 Mathematik

2.2 Logik und menschliches Bedürfnis

2.3 Grundlegung der Naturwissenschaft

2.4 Abschließendes Resümee zu Kapitel 2

Wahrheiten und Regelräume

3.1 Abendländische Religionssysteme

3.2 Ethiken

3.3 Abschließendes Resümee zu Kapitel 3

Sinn

4.1 Sprache

4.2 Abschließende Anmerkungen

Wohin führt eine individuelle Wissensaktivierung

Komprimierter Abriss der wichtigsten Aussagen und Inhalte des absoluten Konstruktivismus

6.1 Abstraktion und Assoziation

6.2 Die grundlegenden Funktionsprinzipien des menschlichen Geistes

6.3 Stufen geistiger Entwicklung

6.3.1 Der Level des natürlichen Geistes

6.3.2 Der Level des Verstandesdenkens

6.3.3 Der Level des Vernunftdenkens

6.3.4 Der Level des subjektiven / objektiven Geistes und absoluten Geistes

6.4 Unterbewusstsein, Vorbewusstsein, Bewusstsein und Bewusstheit

Gedankenschnipsel zum Knabbern und Knacken

7.1 Kürzere Gedankenschnipsel

7.2 Etwas längere Denkanregungen

Über die Autoren

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Dieser Text über die Grundlagen der Wissensaktivierung (im Weiteren auch WA) als Methode zur Erschließung neuer Denkwege gewährt Einblick in ein ideologieneutrales System umfassender Geistes- und Persönlichkeitsentwicklung für Menschen mit besonders gut angelegtem Verstand. Aus dieser Formulierung wird bereits ersichtlich, dass die Verfasser sich nicht der Idee einer generellen Gleichheit aller Hirne anschließen.1 Um es in einem Bild auszudrücken: Wir mögen Fortbewegungsmittel der Kategorie Auto haben, doch jedem ist einigermaßen klar, dass diese sich bei aller grundsätzlichen Ähnlichkeit (geeignet zur Personenbeförderung, 4 Räder, Verbrennungsmotor etc.) in ihrer Ausstattung und Leistung erheblich voneinander unterscheiden. Das hier Geschriebene versorgt die Klasse der top-motorisierten Fahrzeuge mit dem nötigen Brennstoff, um die angelegte Leistungsfähigkeit der Motoren voll ausreizen zu können.

Das Ziel wissensaktivierender Maßnahmen besteht zunächst darin, Menschen mit gehobenem „Mutterwitz“ (nach Kantscher Definition) aufzuzeigen, durch welche gesellschaftlich gewachsenen Vorstellungen und Denkmuster ihre eigenen geistigen Prozesse in erheblichem Maße eingeschränkt werden. Nachdem diese oftmals erheblich blockierenden Vorstellungen und Denkmuster erkannt wurden, wird es dem Individuum unter Zuhilfenahme wissensaktivierender Methodiken ermöglicht, sich von ihnen zu befreien. Hierdurch entsteht die Befähigung, originäre Lösungen zu gefühlten Problemen hinsichtlich der eigenen Lebensqualität und bis dato scheinbar „unlösbarer“ Fragestellungen selbst zu entwickeln. Die auf diesem Wege generierten Lösungen bzw. Antworten sind in keinster Weise mit jenen zu vergleichen, die man etwa durch Selbsterfahrungscamps oder eine Psychotherapie erhalten würde. Denn gerade Psychotherapien dienen primär dem Zweck, das einzelne Individuum wieder gesellschaftlich funktionstüchtig zu machen und zielen nicht darauf ab, dem Einzelnen zu wirklichem Durchblick oder geistigem Wachstum zu verhelfen – wozu sie aufgrund ihres rezeptorientierten Charakters auch nicht geeignet sind.2 Nach unserer Kenntnis ist die Wissensaktivierung in der Tat das einzig derzeit verfügbare System zur Geistesentwicklung, das speziell auf die Bedürfnisse von überdurchschnittlich begabten Menschen entwickelt wurde.

Der Grund dafür, dass die Wissensaktivierung nur für hochund höchstbegabte Menschen geeignet ist, liegt unter anderem darin, dass die gesellschaftlich gewachsenen Vorstellungen und Denkmuster, die sie geistig blockieren, für den durchschnittlich begabten Menschen absolut notwendig und funktional sind, um in psychischer und sozialer Hinsicht zurechnungs- und handlungsfähig zu sein. Denn jene gesellschaftlich gewachsenen Vorstellungen und Denkmuster stellen für den normal begabten Menschen Richtlinien und Regeln dar, an welchen er sich orientieren kann und welche ihm Handlungssicherheit im Alltag vermitteln. Wenn man einem solchen stark nach Sicherheit strebenden und regelbedürftigen Verstand nun seine Lebensrichtlinien und seinen Regelglauben nimmt, hat er nichts mehr, woran er sich orientieren könnte, da er im Gegensatz zu einem besser angelegten Verstand nicht in der Lage ist, aus sich und für sich selbst wirksame und zudem sozialverträgliche Handlungsmaximen abzuleiten. Einfach ausgedrückt: Die Wissensaktivierung fügt einem stark nach Sicherheit strebenden und regelorientierten Verstand mehr Schaden zu, als dass sie ihm Nutzen bringt, da sie mit den meisten der gesellschaftlich gewachsenen Vorstellungen und Denkmuster aufräumt, die einen besser angelegten Verstand wiederum erheblich in seiner Entwicklung und Funktionstüchtigkeit hemmen. Somit hat die Wissensaktivierung für Menschen mit einem besser angelegten mentalen Apparat einen enorm kurativen und salutogenetischen Effekt, wohingegen sie – hinsichtlich ihrer Funktion und Wirkung – für den durchschnittlichen Verstand eindeutig als destruktiv einzustufen ist.3

Das Ziel dieses Buches besteht gemäß des Konzepts der Wissensaktivierung vor allem darin, typische, gesellschaftlich gewachsene Vorstellungen und Denkmuster zu beleuchten, die bei der bereits genannten Zielgruppe zu Denkblockaden und z.T. schweren persönlichen Belastungen führen. Da erst eine differenzierte Auseinandersetzung mit allgemeinen Grundbegriffen wie Wissen, Ethik, Wahrheit, Glaube, Sinn und Sprache die auf uns täglich einströmende Menge an Wissen und Information sinnvoll erschließbar und anwendbar werden lässt, beschäftigt sich dieses Buch primär mit der differenzierten Beleuchtung gerade dieser Termini. Die folgenden Ausführungen, in der gewählten Zusammenstellung von Themenkomplexen, sollten keinesfalls mit einer individuellen Wissensaktivierung gleichgesetzt werden, die in ihrem kurativen und neue Denkwege erschließenden Effekt noch um ein Vielfaches nutzbringender sein wird, als die bloße Lektüre der im folgenden dargelegten Inhalte sein kann.

Dabei geht die Basis für die folgenden Darlegungen zur WA (Kapitel 2 bis 5) aus tiefenphilosophischer Erkenntnis hervor, die in eine Systematik mündeten, der Armin Rütten den Namen „absoluter Konstruktivismus“ gegeben hat. Aus diesem Grund wird im letzten Kapitel dieses Buches (Kap. 6) kurz auf die wesentlichsten Kernaussagen und Konzepte des absoluten Konstruktivismus eingegangen.

1 Wer sich im Detail mit den verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen dazu versorgen möchte, dem seien die aktuellen Arbeiten (Stand Juni 2012) der Jülicher Forschergruppe um Frau Prof. Katrin Amunts ans Herz gelegt.

2 Hiervon in Grenzen ausgenommen seien die humanistischen Therapieansätze von Maslow und Rogers (Maslow, 1985; Rogers, 2005; Rogers, 2006).

3 Wir möchten uns an dieser Stelle nicht anmaßen, pauschal und ohne Kenntnis der jeweiligen Person irgendwelche Einschätzungen hinsichtlich der Verstandestauglichkeit der Leserinnen und Leser vorzunehmen. Grundsätzlich raten wir jedem Menschen, der zu einer Form von Götzenverehrung neigt (ganz gleich ob sich diese auf religiöse oder nicht-religiöse Inhalte bezieht) oder bei dem sogar ein Leiden an psychopathologischen Syndromkomplexen diagnostiziert wurde, von der Lektüre der im folgenden dargelegten Sachverhalte ab.

2. Was ist Wissen?

Wissen“ ist nicht „einfach da“, genauso wie „Denken“ nicht einfach da ist. Es entsteht. Und das bedeutet: es kann in einem bestimmten Maße beeinflusst, erlernt und auch nachträglich verändert werden.

Ein anschauliches Beispiel für die Genese und Veränderbarkeit von Wissen, stellen die verschiedenen, nacheinander von Menschen entwickelten kosmologischen Weltbilder dar: So wusste man bis ins Mitelaltter hinein, dass die Erde das Zentrum unseres Universums ist (geozentrisches Weltbild). Hingegen wusste man nach der kopernikanischen Wende, die sich zu Beginn der Neuzeit vollzog, dass nicht die Erde, sondern die Sonne Zentrum unseres Universums ist (heliozentrisches Weltbild). Heutzutage gilt das heliozentrische Weltbild als überholt, da wir mittlerweile wissen, dass die Sonne nicht Mittelpunkt des Universums ist, sondern einer unter unzähligen Sternen. Allerdings sind auch heute noch viele Fragen hinsichtlich Zusammensetzung, Entstehung und physikalischer Abläufe unseres Universums weitgehend ungeklärt: Erstens haben wir bisher keine letztgültigen Konzepte davon, was etwa Licht oder Gravitation sind. Zweitens beginnen wir allmählich zu verstehen, dass kosmologische Konstanten nicht konstant sind und der bisherige Materiebegriff keine Substanz hat. Drittens hat beispielsweise ein international anerkannter deutscher Physiker jüngst damit begonnen, zeitgenössische kosmologische Untersuchungen basierend auf der Idee eines Urknalls gewaltig auf den Kopf zu stellen, indem er mit Singularitäten und anderen Erkenntnisgrenzen erheblich aufräumt (Bojowald,2010).

In diesem Sinne ist alles Wissen, über das wir verfügen, nie mehr als eine mehr oder minder gelungene und akkreditierte Meinung, die, wie am Beispiel des gerade dargelegten Wissenswandels kosmologischer Weltbilder dargelegt, eine gewisse Halbwertszeit hat. Dass Wissen lediglich den Stellenwert einer subjektiv für plausibel gehaltenen Meinung / Ansicht hat, wird auch anhand des folgenden Beispiels deutlich: Ein Kind, das nachts aufgrund eines Albtraumes aufwacht und seinen Vater mit Nachdruck über die Existenz einer gefährlichen Kreatur im Kleiderschrank informiert, weiß, dass sich ein solches Geschöpf im Kleiderschrank befindet. Denn das Kind ist in diesem Falle von der Existenz einer gefährlichen Kreatur im Kleiderschrank überzeugt. Das bedeutet, dass die gefährliche Kreatur im Kleiderschrank für das Kind tatsächlich existiert bzw. real ist. Somit weiß das Kind, solange es nicht vom Gegenteil überzeugt wird, dass sich dieses Wesen im Kleiderschrank befindet. Aus dem Verhalten des Vaters, welches darauf abzielt, das Kind zu beruhigen und von seiner Überzeugung abzubringen, wird ersichtlich, dass dieser zu wissen glaubt, dass sich keine gefährliche Kreatur im Kleiderschrank befindet. Auch hieraus geht also hervor, dass Wissen lediglich den Stellenwert einer Meinung hat und somit etwas Subjektives ist. Damit soll jedoch nicht gesagt sein, dass alles Wissen bzw. alle Meinungen hinsichtlich seiner bzw. ihrer nutzbringenden Effekte den gleichen Stellenwert haben. Anders ausgedrückt, propagiert die obige Aussage keine Beliebigkeit hinsichtlich des Wertes verschiedener Wissensinhalte:

Optimalerweise wird Wissen angereicht bzw. vermittelt, um eine generelle Erkenntnisfähigkeit herauszubilden, die später dazu führt, dass ein Mensch (der mit einem gesundem Basiswissen ausgestattet ist) in verschiedensten Umgebungen funktionieren kann, da ihm beim Wissenserwerb die durchaus bestimmbaren Grundkomponenten für eine schnelle, flexible und angepasste Erkenntnisgenerierung vermittelt bzw. angereicht wurden. Dies war ein Seiteneffekt humanistischer Bildung.

So bringt beispielsweise jede erworbene Fremdsprache andere Beschreibungen und Gewichtungen einer geschilderten Situation oder Umgebung mit sich, weshalb einem Vielsprachigen automatisch verschiedene Formen der Realitätsbeschreibung verfügbar sind.

Bedauerlicherweise dient die Vermittlung bzw. das Anreichern von Wissen heutzutage nicht der Herausbildung flexibler Erkenntnisfähigkeit, sondern der Ausbildung spezieller berufsbzw. tätigkeitsbezogener Fertigkeiten. Dies hat zur Folge, dass die betroffenen Personen zwar über ein gutes, unhinterfragtes Spezialwissen verfügen, jedoch a) unfähig sind, aus ihrem vorhandenen Wissensfundus für andere als ihre Spezialumgebung anwendungstaugliche Erkenntnisse zu gewinnen und b) bei einer sich verändernden Arbeitsumgebung, wie sie z.B. durch einen technologischen Wandel entsteht, große Schwierigkeiten haben, sich die neuen, jetzt erforderlichen Fertigkeiten anzueignen.

Am Beispiel körperlicher Befähigung lässt sich dabei der Unterschied zwischen genereller Befähigung und spezifischer Fertigkeit schnell und leicht erhellen, der in gleicher Weise auch für unseren mentalen Apparat gilt: Werden durch das Betreiben von Kampfkunst oder Free Climbing ein umfassendes Körpergefühl wie auch eine gute Basisstärke und Flexibilität gewonnen, da beide Bewegungsarten einen hohen ganzheitlichen Entwicklungsanspruch mit sich bringen, so werden beim Sprinten, Gehen oder Fußballspielen nur spezielle Fertigkeiten ausgebildet. Insbesondere sogenannte „weiche“ Kampfkünste stellen große Ansprüche in puncto Kennen und Einschätzen Lernen eigener wie gegnerischer Anlagen und belohnen durch eine Entwicklung gehobener Erkenntnisfähigkeit, die den fortgeschrittenen Ausübenden in die Lage versetzt, sich in kürzester Zeit in allen möglichen, körperlich beschränkten Anforderungen unterliegenden Disziplinen zu beweisen. Umgekehrt darf man keine erhöhte Transferleistung von Sporttreibenden erwarten, deren Betätigung rein singulär auf bestimmte Bewegungsformen und -abläufe ausgerichtet ist.

Ergo gilt: Erwirbt man die Fähigkeit zu einem ganzheitlich aktivierten Einsatz seiner mentalen „Muskeln“, wird man sich schnell in alle möglichen geistigen Einsatz beanspruchenden Felder einarbeiten können, während die gängige Ausbildung in unserer Kultur zur Formung rein partiell fähiger Funktionserfüller tendiert. Da nur diejenigen, die wirklich verstehen, wie sie selbst, andere und „Dinge“ funktionieren, wirksamen Einfluss auf ihre Umgebung ausüben können, beantwortet sich die Frage, warum man auf unserem Kulturlevel nicht mehr auf Erkenntnisfähigkeit hin ausbildet, von selbst: Lässt man solcherart einen mündigeren Bürger heranwachsen, hat man schnell eine kritische Masse schwer kontrollierbarer „Menschfaktoren“, die ihre erkannten Möglichkeiten zur Einflussnahme auch ausüben wollen.