Witchcraft - Mya Spalter - E-Book
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Mya Spalter

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Beschreibung

Hexen sind hip – der Megatrend auf Instagram & Co.

Welche Kerzen brauche ich für meine magischen Rituale? Wie richte ich mir meinen eigenen kleinen Altar ein? Wie funktioniert ein wirksamer Liebeszauber? Auf all das und noch viel mehr weiß Mya Spalter Antworten, denn sie beschäftigt sich seit Jahren mit Astrologie, Kräuterkunde und Tarot und weiß, welche Grundausstattung moderne Hexen benötigen. Von Pendel bis zur Symbolkunde, vom Schutzzauber bis hin zum richtigen Kristall für jede Lebenslage: Mya Spalter beherrscht das Hexeneinmaleins und teilt so manch lustige Anekdote aus ihrem bislang gut gehüteten Erfahrungsschatz.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 252

Veröffentlichungsjahr: 2019

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MYA SPALTER

WITCH CRAFT

Das Hexen-Handbuch für ein magisches Leben

Aus dem amerikanischen Englisch

von Andrea Panster

Die amerikanische Originalausgabe erschien 2018 unter dem Titel »Enchantments« bei Lenny, einem Imprint von Random House, a division of Penguin Random House LLC in New York, USA.

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Deutsche Erstausgabe Dezember 2019

© 2019 Wilhelm Goldmann Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH,

Neumarkter Str. 28, 81673 München

Originalausgabe: © 2018 by Mya Spalter

This translation published by arrangement with Lenny, an imprint of Random House, a division of Penguin Random House LLC

Umschlaggestaltung: UNO Werbeagentur GmbH, München

Umschlagmotiv: © FinePic®, München

Illustrationen: Caroline Paquita

Foto Autor Klappe hinten: Mel Barlow Photography

Lektorat: Mareike Fallwickl, Salzburg

JG ∙ Herstellung: cb

Satz und E-Book Produktion: Satzwerk Huber, Germering

ISBN 978-3-641-24140-7V001

www.goldmann-verlag.de

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Für die Mondin

Inhalt

Einführung

TEIL EINS: Das Handwerkszeug der Hexen

KAPITEL 1: Altäre

Hier spielt die Magie

KAPITEL 2: Farben

Rogg Biv DeVoe

KAPITEL 3: Kerzen

Wachswerk

KAPITEL 4: Pflanzen und Mineralien

Reden wir über Kräuter

KAPITEL 5: Planeten

Wandelsterne

KAPITEL 6: Der Kalender

Der Jahreskreis

KAPITEL 7: Magisches Miteinander

Hexenfreundschaften

TEIL ZWEI: Magische Absichten

KAPITEL 8: Auflösen, schützen, bannen

Gute Haushaltsführung

KAPITEL 9: Die Magie der Anziehung

Wenn’s um die Liebe geht, sind alle ein wenig bescheuert

KAPITEL 10: Geldzauber

Stapelweise Scheine

KAPITEL 11: Divination

Spielarten der Mantik

KAPITEL 12: Astrologie

Das komplette Sonnensystem

Und zum Schluss

Dank

Einführung

In der ich mich vorstelle und erzähle, wie ich zu dem Job bei Enchantments kam, dem ältesten Hexenladen von New York City.

Ich war neunzehn Jahre alt und hatte eine Glatze. Ich konnte meine BHs nicht finden. Ich war im zweiten Studienjahr und brauchte Arbeit. Die zwanzig Dollar, die ich von meiner Mutter in der Woche bekam, reichten gerade mal für französische Zigaretten, Croissants und Ambitionen. Im Jahr 2000 konnte man sich Zigaretten und Ambitionen noch leisten. Ich wohnte 31 Union Square West. Das hört sich vornehm an, aber meine Mitbewohnerinnen und ich ließen die Wohnung verkommen. Wir rauchten Kette und warfen mit Messern auf die Wände. Bei schönem Wetter lagen wir auf den alten Fenstersimsen aus Kalkstein und vertrauten darauf, dass uns das Vordach des Restaurants im Erdgeschoß schon auffangen würde, falls wir runterfallen sollten.

Ich hatte eine Glatze, weil ich damals (a) viel Ani DiFranco hörte. Also richtig viel. So viel, dass sich die Menschen, die mich gern hatten, Sorgen machten. Außerdem hatte (b) meine Ex gesagt, ich solle endlich aufhören zu sagen, ich würde mir den Kopf rasieren, weil ich es ohnehin nie tun würde und sie es hasse, wenn Leute von Dingen reden, die sie niemals tun. Ich hatte echt keine Wahl. Die Jazzjungs im Stockwerk über uns hatten einen Haarschneider, damit war die Sache klar. Soll heißen, meine Haare lagen kurz darauf in unserer Kochnische auf dem Teppich, um später in eine Plastiktüte gekehrt und zur Aufbewahrung in die Hülle eines CD-Sets der Smashing Pumpkins gesteckt zu werden. Jetzt weißt du alles Wichtige über meine Jugend und wie ich damals so drauf war.

Heute erkenne ich in der Kahlköpfigkeit einen besonderen Sinn. Die meisten geistlichen Orden verlangen von ihren Novizinnen und Novizen, sich eine Art Tonsur schneiden zu lassen. Ein rasierter Kopf ist eine klare Zäsur. Was vorher war, ist vorbei, und in diesem Moment der Abgrenzung von der Vergangenheit kann die Zukunft beginnen.

Als ich auf der Highschool war, lungerte ich an den meisten Wochenenden trübsinnig im East Village herum. Deshalb war ich überrascht, dass ich den Laden nicht kannte, als ich an jenem Tag hineinschaute. Ich war auf Jobsuche und hatte schon den ganzen Nachmittag meinen kahlen Kopf in alle Geschäfte gesteckt, die geöffnet hatten.

Schließlich stand ich vor einem schäbigen kleinen Schaufenster, vor dem als Ladenschild eine ramponierte Blechmondsichel hing. Ich trat durch die Tür in Schwaden von Rauch. Sie stiegen aus einem kleinen Hexenkessel auf, den eine Dame mittleren Alters in der Hand hielt. Sie hatte eine Frisur wie Peppermint Patty. Über einem Rollkragenpulli trug sie ein Sweatshirt, das mit einem Wolf bedruckt war, der den Mond anheulte. Ein klassischer Look. Ich fragte, ob sie Hilfe im Laden brauchen könne, und sie erwiderte: »Keine Ahnung, was du machst, Schwester, aber es funktioniert! Du bist engagiert!« So sollte es wohl sein.

In den folgenden Jahren arbeitete ich im ältesten Hexenladen von New York City. Ich füllte Öle ab und präparierte Kerzen. Damals ging es bei der Arbeit eher geruhsam zu. Das ganze Viertel hatte einen anderen Charakter. Die meisten Ladenbesucher wussten, was sie wollten. Sie hatten eine Liste mit Kräutern oder kauften Woche für Woche einen bestimmten Gegenstand. Diese Menschen pflegten Altäre zu Ehren ihrer Gottheiten. Oder ihr Auskommen wurde von der Gunst launischer Mächte bestimmt wie bei den Prostituierten und Tänzerinnen. Sie verdienten ihren Lebensunterhalt mit den Zaubern, die Kunden anlockten und sie ermunterten, es Geld regnen zu lassen.

Mehr als fünfzehn Jahre später arbeite ich wieder bei Enchantments, und die Geschäfte gehen besser denn je. Heute brauchen die Leute seltener materielle Dinge oder Zauber, die mit Sexarbeit zu tun haben. Wie du vielleicht weißt, ist das East Village inzwischen supertrendy. Heute kostet ein Kaffee über einen Dollar mehr als eine U-Bahn-Fahrkarte. Das hätte nicht passieren dürfen. Immer öfter kommen junge Leute in den Laden, die höchst interessiert sind und unbedingt eine Wunschkerze kaufen möchten, aber nicht den blassesten Schimmer haben, was sie damit erreichen wollen. Das macht mir Sorgen. Ich meine, woher weiß man, dass man eine Kerze braucht, wenn man noch nicht mal weiß, was man damit anfangen will? Bei Enchantments gibt es Kerzen, Öle, Kräuter und Räucherwerk für nahezu jeden Zweck. Ganz gleich, ob man abnehmen oder, keine Ahnung, einem verstorbenen Haustier eine Botschaft der Liebe senden möchte. Grenzen setzen nur die eigene Vernunft und Fantasie – zwei Eigenschaften, die offenbar häufig Mangelware sind.

Doch statt mich zu beklagen, habe ich beschlossen, ein Handbuch für die Leute zu schreiben, die im Laden auf den glitzernden und duftenden Krimskrams deuten und fragen: »Und was macht man damit?« Dieses Buch ist meine Antwort. Es fasst alles über die verschiedenen Spielarten der modernen Hexenkunst zusammen. Am meisten würdest du natürlich lernen, indem du den ganzen Tag bei uns im Laden abhängst und uns Hexen dabei zusiehst, wie wir herumkichern, uns mit Holzlöffeln schlagen und einander kluge Kommentare über moderne Magie und Hexerei zuwerfen. Aber wer hat dazu schon die Möglichkeit? Außerdem ist viel los, und der Laden ist klein. Deshalb ist dies ein dickes Buch. Darin ist genügend Platz für alle!

Warum solltest du dich überhaupt für die Hexenkunst interessieren? Vielleicht, weil es dabei vor allem darum geht, innere Stärke zu entwickeln, Kraft aus verschiedenen Quellen – aus der Fülle uralter und lebendiger Traditionen, von den eigenen Ahnen, aus der Erde selbst – zu schöpfen und zu nutzen, um unser zerbrochenes Selbst und unsere zersplitterte Kultur zu heilen, Wachstum zu fördern und Leben zu hegen. Diese Dinge sprechen uns heute noch genauso an wie eh und je. Noch nie waren so wenige junge Menschen in Religionen engagiert – doch das angeborene menschliche Bedürfnis nach Ritualen und Verbundenheit bleibt. Der blanke Horror der aktuellen Situation in den Vereinigten Staaten zeigt es sogar noch deutlicher. In einer Zeit, in der die Rechte von Frauen und Menschen, die nicht den gängigen Geschlechterstereotypen entsprechen, vermehrt den ständigen Angriffen mächtiger Institutionen ausgesetzt sind, ist eine nicht hierarchische Spiritualität, in deren Mittelpunkt die Göttin steht, sehr anziehend. Wir leben in einer Zeit, in der es immer mehr Menschen immer stärker nach einer Praxis verlangt, die einen Weg zu Sinn, Frieden und Selbstbeherrschung eröffnen kann.

Meiner Ansicht nach geht es in der Hexenkunst im Kern darum, Zugang zur eigenen Intuition zu finden. Wer von der Intuition geleitet wird, kommt um die Magie nicht herum. In allen Sprachen gibt es Wörter für die verblüffende Fähigkeit mancher Menschen, ihre Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen. Ich finde es hilfreich, hier den Begriff »Selbstbeherrschung« zu verwenden – sowohl wegen seiner allgemein anerkannten Bedeutung (dass man seine ganze Kraft einsetzt, sich nicht von den Meinungen anderer beeinflussen lässt) als auch wegen des Bedeutungselements der Beherrschung im Sinne von »Besessenheit« (dass ein Geist ganz von einem Besitz ergriffen hat). In diesem Fall ist es dein eigener Geist. Er nimmt Besitz von dir. Du spukst in deiner eigenen Hütte.

Wir werden uns gleich ausführlicher darüber unterhalten. Lass mich dir erst noch erklären, wie weit mein Hexenwissen reicht. Ich verfüge über weniger praktische Kenntnisse der Hexenkunst als viele meiner Kolleginnen und Kollegen bei Enchantments. Aber das Zauberhafte daran ist, dass ich gar keine Expertin sein muss, um anderen zu zeigen, wie man mit dem, was man gerade zur Hand hat, eine eigene Praxis aufbaut. Ich improvisiere schon mein Leben lang. Ich habe mit magischer Hilfe meine wahre Liebe gefunden, von meiner zauberhaften und trotzdem erschwinglichen Wohnung in Brooklyn ganz zu schweigen. Und wenn du dieses Buch liest, entwickelt sich auch der Zauber, der mir helfen soll, meine Karriere als Autorin in Schwung zu bringen, ganz prächtig.

Dieses Buch zeigt dir eine magische Sicht auf das Leben und nimmt dich mit auf einen Rundgang durch eine wunderliche Welt, mit der ich bestens vertraut bin. Ich betrachte Enchantments als einen Mikrokosmos innerhalb des größeren magischen Ökosystems. Als einen Ort, an dem Hexen, Heiden und Polytheisten jeder Couleur ihre Sieben-Tage-Kerzen und andere Devotionalien kaufen. Im ersten Teil des Buches präsentiere ich das Handwerkszeug der Hexen und erkläre dir, was du damit anfangen kannst. Im zweiten Teil sehen wir uns an, wie du diese Elemente kombinieren kannst, damit sie deine magischen Pläne unterstützen.

Mit dem Wörtchen »magisch« meine ich eine bestimmte Einstellung: Ein magischer Mensch geht davon aus, dass man die materiellen Lebensumstände beeinflussen kann, indem man sich ein Ziel setzt oder eine Absicht erklärt, diese Absicht in ein Ritual verpackt, die Erfüllung des Wunsches visualisiert – und geschehen lässt. Wir durchlaufen ständig solche Prozesse im Leben. Die unsichtbaren Impulse, die das Gehirn an unsere Körperteile sendet, sind eine Manifestation dieses Prinzips. Wenn unser Körper gesund ist und wir eine Bewegung machen möchten, wird sie auf magische/elektrische/mechanische Weise vom entsprechenden Körperteil ausgeführt. Ein leises, geheimnisvolles Simsalabim … irgendwo springt unbemerkt ein Funke über … und mit einem Mal … sieh nur … wackeln meine Zehen! Genau, wie ich es will! Dass ich weiß, wie es funktioniert, schmälert das Wunder in keiner Weise. Wir Hexen machen es nicht anders: Wir halten Ausschau nach der Magie, nach dem Göttlichen in allen Dingen. Vor allem aber erlauben wir uns, sie auch im vermeintlich Banalen zu finden. Wahrscheinlich nutzt du die grundlegenden magischen Werkzeuge und Techniken bereits in deinem Alltag. Wenn du es mit Absicht tust, dürftest du noch mehr Spaß dabei haben. Also los, amüsieren wir uns!

TEIL EINS

Das Handwerkszeugder Hexen

KAPITEL 1

Hier spielt die Magie, oder: Altäre

Da wir uns jetzt schon ein bisschen kennen, werde ich dir meine Altäre zeigen. Ein Altar ist ein Bereich in deiner Wohnung, der deinem spirituellen Leben gewidmet ist. Er kann ein Arbeitsplatz zum Schmieden deiner Zauber oder ein kleiner Tempel zu Ehren einer Gottheit, einer Heiligen, eines Vorhabens oder einer Vorstellung sein. Entscheidend ist, dass dein Altar ausschließlich diesem Zweck vorbehalten ist. Wer Hexenkunst praktiziert oder mehrere Götter verehrt, hat meist mindestens einen Altar zu Hause. Aber auch Menschen ohne spirituelle Neigungen können sich mit der Vorstellung anfreunden, dass ein Altar den Frieden und das Gleichgewicht im Leben symbolisiert. Er spiegelt deine Sehnsüchte.

Falls du noch keinen Altar hast, solltest du dir eine freie Fläche suchen, die du mit Gegenständen füllen kannst, die spirituelle Bedeutung für dich haben: Fotos von geliebten verstorbenen Menschen, Pflanzen, Postkarten, Bilder, Kristalle, Spiegel, Perlen und Schmuck, Blumen, Muscheln, Steine und andere Dinge von sentimentalem Wert. Nur keine Hemmungen! Ich wünschte, ich könnte vorbeikommen und dir dabei helfen. Das ist der Teil, den ich am liebsten mag. Ich träume sogar davon, ein Unternehmen namens »Spalters Altäre« zu gründen. Ich würde die Leute zu Hause besuchen und ihnen helfen, Altäre mit Dingen zu errichten, die sie daheim haben oder die wir auf einem Hinterhofflohmarkt oder im Ramschladen finden könnten. Eines der magischen Prinzipien, die ich am meisten schätze, ist die Vorstellung, dass man bereits von allen Dingen umgeben ist, die man braucht. Man muss nur pfiffig genug sein, sie zu erkennen.

Die Sachen, die du für deinen Altar gesammelt hast, sind nun Ritualgegenstände. Deshalb behandelst du sie mit besonderer Sorgfalt und bewahrst sie nicht mit deinen anderen Habseligkeiten auf. Mit »Ritual« meine ich eine Gewohnheit mit symbolischer Bedeutung. Wir Menschen machen aus allem ein Ritual. Jeder hat schon einmal eine ausgefallene Wimper entdeckt und sich etwas gewünscht; nach einem kleinen Liedchen die Kerzen auf dem Geburtstagskuchen ausgepustet; auf Holz geklopft oder einen Niesenden mit »Gesundheit« gesegnet. Wir lieben Rituale, weil sie einen tieferen Aspekt unseres Menschseins ansprechen. Es hat große Kraft, wenn man eine vorgeschriebene Handlung in dem Wissen ausführt, damit Teil einer Tradition zu sein. Dadurch nimmt man eine etwas weniger weltliche Geisteshaltung ein. Allerdings ist uns nicht immer klar, dass wir uns neue und eigene Rituale ausdenken und pflegen können. Dazu dürfen wir uns respektvoll bei verschiedenen Praktiken bedienen und uns aus dieser Auswahl unsere ureigene Möglichkeit zusammenbasteln, um uns verbunden zu fühlen. Dein Altar ist ein physisches Abbild dessen, wie dieser Prozess bei dir aussieht.

Es macht mir unendlich viel Spaß, meine Altäre zu errichten und zu pflegen. Neben dem Hauptaltar beherbergen all meine Fensterbänke und Blumentöpfe magischen Krimskrams. So kann ich jederzeit einen Altar errichten, der meiner Stimmung oder meiner Absicht entspricht. Ich verwende, was ich gerade zur Hand habe: eine Feder, zwei Murmeln, einen auf eine bestimmte Seite gedrehten Würfel, angeschlagene Statuen, die ich so anordne, dass sie nicht ganz so kaputt aussehen, kleine Plastiktiere, Strandglas und Edelsteine, verwitwete Ohrringe, Windrädchen, Kleingeld, Glimmerplättchen und getrocknete Kirschblüten, goldene Haarklammern und Likörgläser. Ich habe mein Leben noch nicht durch Aufräumen verändert, wie Marie Kondo in Magic Cleaning vorschlägt. Das würde bei mir sowieso nicht funktionieren, denn ich liebe alle selbst gesammelten Pailletten und Tonscherben und freue mich mit jeder Faser meines Körpers daran.

Was die Gestaltung deines Altars angeht, habe ich nur ein einziges Wort der Warnung für dich: Der Brandschutz hat oberste Priorität! Mit Kerzen und Räucherwerk musst du supervorsichtig sein. Wenn du auf deinem Altar nicht gefahrlos etwas verbrennen kannst, dann mach es in einem Waschbecken oder in der Badewanne oder auf dem Herd. Steck nicht das Haus in Brand!

Da ich allein praktiziere, ist das Errichten des Altars oft schon das Ritual. Wenn ich die winzige, wunderschöne Welt meines Altars gestalte, ist sie bevölkert von den vielen kleinen Talismanen, die meine Absicht stärken, und erfüllt von den Dingen und Düften, die dem Gefühl entsprechen, das ich auslösen möchte. Das kann manchmal bereits ein Zauber sein.

Vor diesem Hintergrund wollen wir uns die in der Wicca-Liturgie empfohlene Altargestaltung ansehen, damit auch wirklich an alles gedacht ist. Anschließend werde ich dir erklären, wo ich bewusst davon abweiche, um dir ein paar Anregungen für eigene Altäre zu geben.

TU, WAS DU ALS RICHTIG EMPFINDEST

Ich nehme in diesem Buch des Öfteren auf Wicca- oder neuheidnische Traditionen Bezug. Vor allem deshalb, weil ich darüber am meisten weiß. Und mir ist aufgefallen, dass die unter den Bezeichnungen Wicca oder modernes Heidentum zusammengefassten Traditionen einen großen und nützlichen Wortschatz haben, wenn man über Dinge von universeller spiritueller Bedeutung sprechen will. Sie zeigen die Notwendigkeit auf, einen heiligen Raum zu schaffen, eine echte Verbindung zur Erde aufzubauen, über unseren Platz im Universum nachzudenken und uns mit dem Göttlichen zu verbinden. Wicca ist eine Kombination aus europäischer Volkskultur und der Überlieferung mesopotamischer, sumerischer, babylonischer und ägyptischer Gottheiten und Überzeugungen. Viele Heiden verehren das Göttliche in jeglicher Form – wenn es nur lange genug still hält. Die Struktur und die Details dieser wild zusammengewürfelten spirituellen Praktiken haben mich verzaubert. Ich fühle mich in Traditionen zu Hause, bei denen es sich um menschliche Schöpfungen handelt, die sich bewusst weiterentwickeln. Sie bieten meiner breiten Auffassung vom Göttlichen genügend Raum. Ich finde auch, dass man mit einigen leicht abgewandelten Wicca-Praktiken jeder unabhängigen Praxis Struktur verleihen kann. Anders als bei meinem Wicca-Ria-Pop-magisch-jüdischen Hoodoo mit Nippes und Familienfotos gibt es in ausgewiesenen Wicca-Traditionen strenge Vorschriften dafür, welche Ritualgegenstände auf den Altar gehören. Nicht, dass Wicca-Hexen dogmatisch wären. Es ist nur so, dass einige ihrer Ritualgegenstände für bestimmte Handlungen benötigt werden. Gleichwohl möchte ich die oberste Regel in der Witches’ Bible erwähnen (dieses Buch existiert tatsächlich, und du kannst es lesen, wenn du dich für die Wicca-Bewegung interessierst): Tu, was du als richtig empfindest. Am Ende haben dein Altar oder dein Ritual vielleicht keine große Ähnlichkeit mit dem Original – und genau das ist der Punkt.

Ich sehe das so: Ein Altar ist ein Miniaturtempel, ein Schaukasten mit kleinen Darstellungen der verschiedenen Energiearten und Energierichtungen, die sich grob als Elemente einstufen lassen: Erde, Luft, Feuer, Wasser und ein fünfter Aspekt, der sich nicht beschreiben lässt – der Geist, die beseelende Kraft, die oft in Gestalt einer Gottheit dargestellt wird.

In der Wicca-Tradition steht die Ritualschale oder der Kelch – das ist nichts anderes als das im christlichen Glauben dafür verwendete Wort – für das Wasser. Die Erde wird von einem Pentakel symbolisiert – das ist ein fünfzackiger Stern in einem Kreis. In unserem Fall besteht er aus natürlichen Materialien wie Holz oder Metall. Die Luft versinnbildlicht oft ein Athame oder ein Schwert (falls du genügend Platz hast und auf Live-Rollenspiele stehst). Das Athame ist das zeremonielle Messer der Hexen, das üblicherweise einen dunklen Griff hat (im Gegensatz zum Bolline genannten traditionellen Hexenmesser mit weißem Griff, das für alltägliche Arbeiten wie Schnibbeln von Kräutern und Präparieren von Kerzen verwendet wird). Der (Zauber-)Stab steht für das Feuerelement. Zauberstäbe sind meist rund dreißig Zentimeter lang (auf ein paar Zentimeter mehr oder weniger kommt es nicht an) und bestehen aus Holz, Metall, Edelsteinen oder aus mehreren dieser Materialien.

Vielleicht fragst du dich, warum die Wahl ausgerechnet auf diese Gegenstände gefallen ist. Sie entsprechen den Farben der Kleinen Arkana im Tarot (siehe Kapitel 11), und ihre symbolische Rolle auf dem Altar beruht auf einer ähnlichen Logik. Der Kelch (Wasser) ist ein mystisches Kürzel für die Gefühle, während das Pentakel-Symbol (Erde) für fundamentale physische und praktische Dinge, für Arbeit und Geld steht. Das von einer Klinge versinnbildlichte Luftelement soll auf die verblüffende Eigenschaft des Denkens und der Sprache verweisen, als spürbare Kräfte in der Welt den Raum zu durchdringen. Nebenbei bemerkt werden Klingen in Ritualen auch tatsächlich so eingesetzt: Die Menschen halten sie, als wollten sie damit die Luft durchschneiden, um die Energie zu lenken. Der Stab (Feuer) dient ebenfalls dem Lenken von Energie. In der Wicca-Liturgie symbolisiert er das eigene Handeln und Tun. Aber der Interpretationsspielraum ist groß. Manche Hexe tauscht die beiden Symbole und verwendet den Stab für Luft und Denken, das Schwert für Feuer und Handeln. Die Diskussion darüber ist eine rein intellektuelle Übung, auf die ich hier weniger Wert lege. Da ich keines dieser Symbole für die Elemente auf meinem Altar verwende, sind diese Feinheiten für mich nicht von allzu großer Bedeutung, und auch du solltest dich davon nicht verwirren lassen. Es geht einzig und allein um die Frage, was deinem persönlichen Stil entspricht.

Ich liebe es, die Überlegungen hinter den Ritualentscheidungen anderer Hexen zu entdecken. Das wirklich Aufregende an der Magie und der Hexenkunst aber ist für mich, der Natur meiner eigenen Überlegungen auf die Schliche zu kommen und meine eigenen Ritualentscheidungen zu fällen. Mein Ding ist es, Wasser mit … Wasser zu repräsentieren. Selbstverständlich fülle ich es in ein Gefäß. Aber ich habe keines, das nur diesem Zweck dient – obwohl ich gerade erklärt habe, dass Ritualgegenstände ausschließlich der spirituellen Arbeit vorbehalten sein sollten. Ich mache, was ich will! Meistens wähle ich ein Behältnis, das zum Tag, zur Stimmung und zum Zweck meines Vorhabens passt. Ich habe zwei Champagnergläser meiner Großmutter, die zu Kelchen werden, wann immer ich es will. Wenn ich an einem Zauber für eine wohnungssuchende Freundin arbeite, verwende ich schon mal einen Becher, der dem für New York typischen »We Are Happy to Serve You«-Kaffeebecher ähnelt. Er erinnert mich an die Drei der Kelche im Tarot. Diese Karte zeigt oft an, dass man die Fülle des Lebens freudig mit Freunden teilt. Ich bringe aber nur deshalb Abwechslung in die Angelegenheit, weil ich so gern nach der perfekten Kleinigkeit suche. Das mag bei dir anders sein. Es ist vollkommen in Ordnung, wenn du immer die gleichen Altargegenstände rockst – egal, was du gerade vorhast.

Als Symbol für die Erde verwende ich ein entsprechendes Gefäß (Kaffeekanne, Blumentopf und so weiter), das mit Salz oder Erde gefüllt ist. Mein Symbol für die Luft ist Räucherwerk (das ist Luft, die man sehen und riechen kann). Dazu brauche ich ein Räuchergefäß, einen Kessel oder einen Aschenbecher, in dem ich gefahrlos Räucherstäbchen, Räucherkegel oder -kerzen, Harze oder Räucherpulver verbrennen kann.

RÄUCHERN IST COOL

Die Auswahl an Räucherwerk ist riesengroß! Da wäre zunächst das Räucherpulver, das wir bei Enchantments von Hand herstellen. Wir arbeiten mit einer Basis aus Holz, üblicherweise superfeinem Sägemehl. Es saugt die ätherischen Öle auf, mit denen es beträufelt wird, und setzt den Duft beim Verbrennen frei. Wir verwenden eine Holzbasis, die mit Salpeter behandelt wurde. Du musst nur einen Löffel Räucherpulver in eine hitzebeständige Schale wie einen Aschenbecher oder eine Muschel geben und mit einem brennenden Streichholz hindurchfahren, damit es schön brennt.

Harze sind Tropfen von gehärtetem Baumsaft. Sie schmelzen auf einer heißen Oberfläche und verströmen dabei ihren Duft. Weihrauch, Myrrhe, Ambra, Copal und Benzoe werden oft zum Räuchern verwendet.

Räucherstäbchen bestehen aus einem mit Räucherpulver oder Harz ummantelten Holzstäbchen, das wie eine kleine Lunte gleichmäßig brennt und das Pulver am Glimmen hält.

Räucherkegel oder -kerzen sind nichts anderes als Räucherstäbchen, die in eine Form gebracht und gepresst wurden, um ein langsames und kontrolliertes Abbrennen von oben nach unten zu ermöglichen.

Wenn du mit Harzen oder größeren Mengen Räucherpulver arbeiten möchtest, brauchst du Kohle. Die Räucherkohle ähnelt den Briketts, die du auch zum Grillen verwenden würdest. Sie ist nur etwas kleiner und sieht aus wie ein Hockey-Puck. Man fasst die Scheibe auf einer Seite mit den Fingern oder einer Räucherzange und hält ein brennendes Feuerzeug unter die andere, bis die Kohle Feuer fängt und Funken sprüht. Haben die Funken etwa die Hälfte der Kohlescheibe erfasst, solltest du sie lieber ablegen, bevor du dir die Finger verbrennst. Ein kleiner Kessel ist ideal: Das Gusseisen hält der Hitze der Kohle stand, der Griff schützt deine Hände und die praktischen kleinen Füße verhindern, dass der heiße Boden die Unterlage beschädigt, auf der er steht. Die Kohle im Kessel entzündet das Räucherpulver und schmilzt die Harze.

Als Symbol für das Feuer verwende ich meist, nun ja, Feuer eben! Eine brennende Kerze zum Beispiel. Auf traditionellen Altären wirst du auch Räucherwerk, Kerzen, Wasser und Salz zusammen mit Kelchen, Pentakeln, Schwertern und Zauberstäben finden. Aber ich vereinfache gern, wo ich kann – vor allem, weil ich allein praktiziere und keine Kompromisse schließen muss. Warum sollte ich ein anderes Symbol für die Erde verwenden, wenn sich so viel davon direkt unter meinen Füßen befindet und ganz wunderbar für sich selbst stehen kann?

Wenn ich die symbolische Darstellung der Elemente auf meinem Altar optimiert habe, habe ich zwei Becher, eine Kerze und ein Räuchergefäß vor mir. Mit der Wicca-Tradition hat das nicht sonderlich viel zu tun, obwohl sie mir als Vorlage diente, um meine rituellen Gewohnheiten zu entwickeln. Dieses Arrangement eignet sich für alle rituellen Zwecke auf jedem beliebigen magischen Weg, den du dir ausdenkst. Du musst dich nicht auf diese Dinge beschränken. Du kannst das ausschmücken, wie es dir beliebt. Und Blumen hinstellen. Wahrscheinlich wirst du auch Blumen haben wollen.

Wasser, Luft, Erde, Feuer. Das sind vier Elemente, wenn du mitgezählt hast. Der Geist ist das fünfte Element, das häufig einen Platz auf dem Altar findet, und hier kommt der Schrein ins Spiel. Ein Schrein unterscheidet sich folgendermaßen von einem Altar: Ein Altar ist eine heilige Arbeitsfläche, während ein Schrein einem Wesen, einer Gottheit oder einem geistigen Prinzip deiner Wahl gewidmet ist. Auf vielen Altären befindet sich auch ein Schrein, sodass die beiden Konzepte optisch oft zusammenfallen. In den meisten Religionen gibt es Schreine – die physische Darstellung eines nicht-physischen Wesens, zu dem wir beten oder über dessen Vorbild wir meditieren.

Alles ganz unkompliziert, bis auf die Sache mit dem Geist. Es widerstrebt mir fast ein wenig, das Thema anzuschneiden. Es ist gerade so gut gelaufen! Wir haben uns an den Händen gehalten und gesungen, und niemand hat an der Existenz von Wasser, Erde, Luft oder Feuer gezweifelt. Wir haben uns nicht gefragt: »Wenn es die Erde wirklich gibt, warum lässt sie es dann zu, dass gute Menschen in einen Erdrutsch geraten?« Oder: »Wasser, warum hast du mich verlassen?« Oder uns mit dem Spruch getröstet: »Die Wege der Luft sind unergründlich.« – obwohl das zweifellos zutrifft. Ich selbst betrachte Gott/Göttin eher als eine Art Mischwesen, das die unendlichen Möglichkeiten des Göttlichen in sich vereint und gleichzeitig Zugang zu den einzelnen Gottheiten gewährt, aus denen das Ganze besteht.

Vor diesem Hintergrund fällt es einigen von uns schwer, die verschiedenen Göttinnen voneinander zu trennen. Manche Hexen und Heiden verstehen die Verehrung eines Gottes oder einer Göttin als Verehrung des Göttlichen. Das Studium der unterschiedlichen Formen, die das Göttliche im Laufe der Zeit und in den verschiedenen Kulturen angenommen hat, macht bei vielen einen großen Teil der Praxis aus. Bei einigen von uns ist das Bedürfnis, diese enorme Göttlichkeit in all ihren Formen und Facetten zu würdigen, ebenso stark wie der Wunsch, Erde, Luft, Feuer und Wasser zu ehren. Bei anderen nicht. Manche Hexen sind agnostisch. Manche sehen die Sache skeptisch, weil sie nur glauben, was sie beweisen können. Für sie hat die Praxis der Magie auch ohne die Unterstützung durch eine der zahllosen Gottheiten großen Wert.

Wie wird der Geist nun auf dem Altar dargestellt? Das bleibt dir überlassen. Jedes Bildnis erfüllt den Zweck – vorausgesetzt, es ist im spirituellen Einklang mit dir und erinnert dich an einen Aspekt des besten und erhabensten Teils deiner selbst. Eine schöne Möglichkeit ist eine Statue oder ein zweidimensionales Bild von einem Wesen, das dich inspiriert. Wenn du es nicht so mit Göttinnen und Göttern hast, kannst du auch eine Darstellung von Prince oder Albert Einstein verwenden. Ich würde allerdings empfehlen, von lebenden Personen Abstand zu nehmen. Das wäre etwas heftig. Die Darstellung sollte Symbolcharakter haben. Falls du dem Göttlichen keine menschlichen Züge verleihen magst (was ich dir nachempfinden kann), lässt du einfach deine Fantasie spielen und überlegst, wie du diesen Platz füllen willst. Künstler muslimischer und jüdischer Sakralkunst lassen sich seit Jahrtausenden etwas einfallen, um das Heilige darzustellen, ohne ihm ein Gesicht zu geben. Probiere es einfach mal aus!

Falls du das Bild einer Gottheit auf deinen Altar stellen möchtest, solltest du Platz für Opfergaben lassen. Genau genommen bedeutet das Wort Altar »erhöhter Ort, um Opfergaben darzubringen«. Im Altertum wurden meist Teile von Tieren verbrannt, damit sich ihre Essenz verflüchtigen und in die Himmel aufsteigen konnte, wo die Götter abhängen und sich am Rauch der Ergebenheit erfreuen. Als moderne Opfergaben dienen eher Lebensmittel und Blumen der unverbrannten Sorte. Bei dem Opfer selbst kommt es darauf an, was der von dir gewählten Gottheit heilig ist. Google dich schlau! Es macht einen Heidenspaß, Göttinnen, Götter und ihre persönlichen Vorlieben zu recherchieren. Es erinnert mich an die Nachforschungen, die ich mit Anfang zwanzig anstellte, um mich in eine Schwärmerei für einen Promi hineinzusteigern. Würde meine – rein theoretische – Suche ergeben, dass mein Angebeteter Lakritzstangen, die Farbe Gelb und Waldspaziergänge mag, könnte ich einen Altar mit Lakritze, gelben Rosen und Kieferräucherwerk als Opfergaben errichten, um ihn zu erweichen. Alles klar? Genau so machst du es mit dem von dir erwählten Geist.

Von Promis solltest du allerdings lieber die Finger lassen. Das ist schräg! Prominente sind auch nur Menschen.

Bevor wir zum nächsten Punkt kommen, möchte ich erwähnen, dass zu einem traditionellen Wicca-Altar weitere Gegenstände gehören, die ich zu Hause nicht oft verwende. Da wäre zum einen der Besen, der heute eher dekorative Funktion hat, mit dem man in einer rituellen Geste aber auch schlechte Schwingungen hinwegfegen kann.

Ein weiterer Altargegenstand ist der Kessel, den du vermutlich für den Kochtopf der Hexe hältst, obwohl früher alle Leute mit einem Kessel gekocht haben. Der Kessel ist in erster Linie ein Gefäß, das wie der weibliche Schoß geformt ist. Er dient zum Mischen verschiedener Elemente, um mehr daraus zu machen als die Summe ihrer Teile. Das kann bedeuten, dass man eine leckere Mahlzeit darin kocht, einen Zaubertrank mischt oder ihn als hitzebeständiges Behältnis nutzt, damit aus Kerzen, Räucherwerk oder Harz die Veränderungen werden, die man in der Welt sehen möchte. Ein Kessel ist sowohl ein äußerst robustes Behältnis als auch eine ziemlich solide Metapher.

MAGISCHER HAUSPUTZ

Was ich mit einem Kessel am liebsten mache? Ihn putzen! Sei so gut und habe ein wenig Nachsicht mit mir. Zuallererst musst du alles herauskratzen, was sich im Kessel angesammelt hat. Wenn du in deinem Kessel Räucherwerk und Harze mischst und/oder verbrennst, bildet sich darin nach einer Weile ein Mix aus öligen Rückständen und Asche mit einer vielschichtigen Duftnote. Um den ganzen Mist loszuwerden, bedeckst du den Boden des Kessels mit Florida Water (auch Agua florida oder Florida Wasser genannt). Florida Wasser ist die amerikanische Version des französischen Eau de Cologne oder des deutschen Kölnisch Wasser – ein leichter Unisex-Duft, den man als Allzweck-Parfümerieartikel oder dank der Blütenextrakte, die ihm seinen erfrischenden Duft verleihen, auch als starkes und vielseitig einsetzbares Mittel der spirituellen Reinigung verwenden kann: zum Reinigen des Körpers, wenn man es auf die Haut aufträgt; zum Reinigen des Hauses, wenn man es ins Wischwasser gibt; oder zum Abwischen von Altären und Ritualgegenständen. Es wird durchaus auch für weltliche Zwecke genutzt, kommt aber (neben Weihwasser und verschiedenen anderen Blütenwässern) bei Wicca-, Santería-, Hoodoo- und Voodoo-Praktizierenden bei der rituellen Reinigung zum Einsatz. Die meisten der zahlreichen im Handel erhältlichen Rezepturen sind eine Mischung aus Lavendel, Bergamotte (gelegentlich auch Neroli), Zitrone (gelegentlich auch Orange) und Zimt (gelegentlich auch Nelken). In Kapitel 4 werde ich etwas mehr über die magischen Eigenschaften der einzelnen Inhaltsstoffe erzählen.