WitchSpirits – Erlerne die Hohe Hexenkunst - Shisha Rainbow - E-Book

WitchSpirits – Erlerne die Hohe Hexenkunst E-Book

Shisha Rainbow

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Beschreibung

Entdecke die geheimnisvolle Welt der magischen Wesen!

Göttinnen, Geister, Engel und Feen – die Verbindung mit Wesen aus der geistigen Welt ist seit jeher ein elementarer Bestandteil der magischen Praxis. Shisha Rainbow, eine der bekanntesten Hexen Deutschlands, zeigt, wie du mit deinen unsichtbaren Begleitern Kontakt aufnehmen kannst, um von ihnen Hilfe, Rat und Orientierung zu erhalten. Schritt für Schritt erschließt dieses zauberhafte Grundlagenwerk einen einzigartigen Zugang zur faszinierenden Welt der magischen Wesenheiten: Welche Wesen gibt es und welche passen zu mir? Wie kann ich mich mit ihren machtvollen Energien verbinden? Welche Zeichen senden sie mir? Und wie entwickle ich eine sichere, harmonische Beziehung zu ihnen?
Das umfassende Handbuch für die magische Praxis – mit Schutz- und Reinigungsritualen, zahlreichen Anleitungen und praktischen Beispielen für die Kontaktaufnahme.

  • Geister, Göttinnen, Engel und Feen: Das Handbuch für die Verbindung mit magischen Wesenheiten – für moderne Hexen und alle, die es werden wollen
  • Mit klarer Anleitung für die Kontaktaufnahme, wirksamen Schutzritualen, Praxisbeispielen – zauberhaft illustriert

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Das Buch

Entdecke die geheimnisvolle Welt der magischen Wesen!

Göttinnen, Geister, Engel und Feen – die Verbindung mit Wesen aus der geistigen Welt ist seit jeher ein elementarer Bestandteil der magischen Praxis. Shisha Rainbow, eine der bekanntesten Hexen Deutschlands, zeigt, wie du mit deinen unsichtbaren Begleitern Kontakt aufnehmen kannst, um von ihnen Hilfe, Rat und Orientierung zu erhalten. Schritt für Schritt erschließt dieses zauberhafte Grundlagenwerk einen einzigartigen Zugang zur faszinierenden Welt der magischen Wesenheiten: Welche Wesen gibt es und welche passen zu mir? Wie kann ich mich mit ihren machtvollen Energien verbinden? Welche Zeichen senden sie mir? Und wie entwickle ich eine sichere, harmonische Beziehung zu ihnen?

Das umfassende Handbuch für die magische Praxis – mit Schutz- und Reinigungsritualen, zahlreichen Anleitungen und praktischen Beispielen für die Kontaktaufnahme.

Die Autorin

Shisha Rainbow ist eine der bekanntesten Hexen im deutschsprachigen Raum. Mit ihrer ansteckenden Energie zieht sie vor allem die neueste Generation von angehenden Hexen in ihren Bann und lehrt sie, frei, mutig und selbstbestimmt ins magische Wirken zu kommen. Für ihre Follower ist sie ein großes Vorbild, da sie auch jenen eine Stimme verleiht, die sich anders, ausgegrenzt oder verloren fühlen. 2020 gründete sie auf Twitch das erste deutsche Streaming-Format zu den Themen Hexerei und Heidentum sowie eine der beliebtesten Hexenschulen. Aufgrund von Shishas fundiertem Wissen und ihrer kontinuierlichen Aufklärungsarbeit zum Thema moderne Hexenkunst in verschiedenen Medien wird sie in der Szene auch »die Hexe deines Vertrauens« genannt.

Shisha Rainbow

WITCHSPIRITS

Erlerne die Hohe Hexenkunst

DAS HANDBUCH DER MAGISCHEN WESENHEITEN

Das vorliegende Buch ist sorgfältig erarbeitet worden. Dennoch erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder Autorin noch Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch gemachten praktischen Hinweisen resultieren, eine Haftung übernehmen.

Der Verlag behält sich die Verwertung der urheberrechtlich geschützten Inhalte dieses Werkes für Zwecke des Text- und Data-Minings nach § 44b UrhG ausdrücklich vor. Jegliche unbefugte Nutzung ist hiermit ausgeschlossen.

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

Erste Auflage 2026

Copyright © 2026 by Ansata Verlag, München,

in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Straße 28, 81673 München

[email protected]

(Vorstehende Angaben sind zugleich

Pflichtinformationen nach GPSR.)

Alle Rechte sind vorbehalten. Printed in Germany.

Redaktion: Ralf Lay

Illustrationen: © Shisha Rainbow (siehe hier, hier,hier, hier, hier, hier, hier, hier) und © Mi Ha, Guter Punkt GmbH & Co. KG (restliche Illustrationen)

Umschlaggestaltung: Guter Punkt GmbH, München

Umschlagmotiv: © krusto/iStock / Getty Images Plus, © Lazarev/iStock / Getty Images Plus, © dwph / iStock / Getty Images Plus

Satz und E-Book Produktion: Satzwerk Huber, Germering

ISBN 978-3-641-33336-2V001

www.integral-lotos-ansata.de

Inhalt

VORWORT

KAPITEL 1: AUSDEMALLTAGEINERHEXE

KAPITEL 2: DIEDREIFALTIGKEITDERWELTEN

KAPITEL 3: RITUELLEVORBEREITUNG – DEINSAFETYGUIDE

Effektive Recherche – von nichts kommt nichts!

Klare Intention – nur wer ehrlich ist, kommt weiter!

Geheilter Raum – erschaffe deinen magischen Safe Space!

Starker Schutz – weil nicht jede Energie Bock auf Kuscheln hat

Zentrierung – ertrag es, dich selbst zu spüren!

KAPITEL 4: DIEKONTAKTAUFNAHME

KAPITEL 5: WÄHLDIRDEINEWESENHEIT

Lokale und kultische Entitäten

Energie ist Energie – egal, ob mit Flügeln oder Fangzähnen

KAPITEL 6: KLASSISCHEGEISTER

Seelen

Totengeister

Ahnen

Schutzgeister

Hausgeister

Plagegeister

KAPITEL 7: ELEMENTARWESEN

Feenvolk

Elfenvolk

Sylphen

Undinen

Nixen und Nöcken

Salamander

Drachen

Phönixe

Gnome

Trolle

Golems

Nymphen

Dryaden

Satyrn

KAPITEL 8: TIERWESEN

Tiergeistführer

Krafttiere

Totemtiere

Seelentiere

Tiervertraute

KAPITEL 9: GÖTTERFUNKE

Gottheiten des Erfolgs

Gottheiten der Liebe

Gottheiten der Weiblichkeit

Gottheiten der Männlichkeit

Gottheiten der Sexualität

Gottheiten des Lebens

Gottheiten des Todes

Gottheiten der Heilung

Gottheiten der Abwehr

Gottheiten der Loslösung

Gottheiten der Zwietracht

Gottheiten der Gerechtigkeit

Gottheiten der Kommunikation

Gottheiten des Reisens

Gottheiten der Kreativität

Gottheiten der Weisheit

Gottheiten des Mysteriums

KAPITEL 10: MISCHWESEN

Minotauros

Zentauren

Harpyien

Greife

Hippogryphen

Hippokampen, Kelpies oder Each Uisge

Pegasos

Chimäre

Mantikor

Sphinx

Chupacabra

Basilisk

Hydra

KAPITEL 11: FABELWESEN

Zwerge

Riesen

Orks

Goblins

Kobolde

Leprechaun

Leschi

Meerjungfrauen, Sirenen, Havfrue, Rusalka und Merrow

Einhorn

Vampire

Werwölfe und Lykanthropen

Wyvern

KAPITEL 12: LICHT- UNDSCHATTENWESEN

Engel

Tulpas und Egregoren

Parasitäre Wesen

Alpe

Mahre

Aufhocker

Druden

Korrigans

Trickster

Spiegelwesen

Irrlichter

Wendigo

Skinwalker

Ghule

Untote

Succubi und Incubi

Die Dämonen Salomons

Die Großen Alten

SCHLUSSWORTANMEINEZAUBERLÖFFEL

ANHANG

Divinationsmethoden

Schwellenzeiten

VORWORT

Was habe ich davon, mit Wesenheiten Kontakt aufzunehmen?

Alles, Schwester. Alles.

Denn wenn du die alten Wesen rufst und dabei die mächtige Energie deiner Stimme in dem Zwischenraum der Welten erklingen lässt, dann offenbart sich dir der Weg zum letzten großen Mysterium des Lebens.

Sobald du anfängst, dich mit Wesenheiten zu verbinden, verlässt du den Spielplatz der netten Rituale. Du trittst ein in ein Feld, das nicht für Selbstdarstellung und oberflächliche Spiritualität gemacht ist. Sondern für echte Begegnung. Für Transformation. Für radikale Ehrlichkeit.

Diese Arbeit dringt tief in deine Essenz ein und offenbart dir die Wahrheit dieser Welt. Oder sollte ich lieber Welten sagen? Diesen Schritt endlich zu gehen, bringt dich tief in deine Schatten. Zu deinen Lichtanteilen. An deine animalischste Kraft. Wesenheiten triggern. Fordern. Bestärken. Und sie tun das auf ihre Weise, so individuell und einzigartig, dass aus jeder Begegnung etwas entwächst.

Du lernst, zuzuhören, zu spüren und ganzheitlich wahrzunehmen. Mit deiner Energie. Mit deinem Körper. Mit deinem Geist. Mit deinem Dritten Auge. Du lernst, was es heißt, nicht alles kontrollieren zu müssen. Und du erkennst ziemlich schnell, dass spirituelle Reife um einiges vielschichtiger ist, als du es je zuvor geglaubt hast.

Willkommen im Erwachen.

Denn deine Seele wird sich erinnern.

Denn auch du bist nicht von hier.

Ab hier gibt es keinen Weg zurück.

Wollen wir losgehen?

Spirits

»Spirit« – kaum ein Wort, das so vielschichtig ist und gleichzeitig so kraftvoll schwingt. Es taucht überall auf. In Gesprächen über die Seele, in Ritualen, in Songs, in Werbung, die uns das neueste und tollste Produkt verkaufen soll. Spüre den Vibe, fühle den Spirit! Und genau deshalb ist es höchste Zeit, diesem kleinen, großen Wort mal auf den Grund zu gehen. Denn egal, wie du es drehst, es hat immer mit Energie zu tun. Mit Präsenz. Mit dem, was uns wirklich bewegt. »Spirit« klingt mystisch, fancy, irgendwie kraftvoll, aber was bedeutet es eigentlich wirklich? Tja. Kommt drauf an. Denn wie bei so vielen magischen Begriffen ist auch hier die Bedeutung nicht in Stein gemeißelt. Spirit kann vieles sein. Und irgendwie ist es immer alles auf einmal. Genau deshalb fangen wir hier an. Mit diesem feinen, kleinen Wort, das dir die komplexe Welt der Wesenheiten eröffnen wird.

Manchmal ist »Spirit« einfach ein anderer Ausdruck für deine Seele. Deinen innersten Kern. Das, was bleibt, wenn du alles andere abstreifst. Der Teil in dir, der ewig ist, verbunden, uralt und trotzdem ganz wach hier in diesem Moment.

Ein anderer Aspekt des Wortes beschreibt »Wesenheit«. Einen Geist. Einen Ahnen. Ein Naturwesen. Etwas, das sich zu dir gesellt, wenn du dich auf die feinstofflichen Ebenen einlässt. Man sagt nicht umsonst: »Working with the spirits.« Es sind Verbündete, Lehrer, Schattenflüsterer, Spiegel deiner Tiefe. Nicht immer easy zu händeln, aber ein großer Mehrwert, wenn man’s kann. Und wenn du Glück hast, auch gelegentlich sehr amüsant. Es geht eben um die Arbeit mit den Kreaturen hinter dem Schleier. Mit einer Wesenheit, die übrigens auch »Entität« genannt wird, Kontakt aufzunehmen erfordert Fingerspitzengefühl, und das wirst du durch dieses Buch erlernen.

Und dann gibt es da noch die Ebene der Essenz. Der Spirit von etwas. Das, was allem innewohnt. Der Spirit eines Rituals, einer Pflanze, einer Idee. Das, was nicht greifbar ist, aber alles durchdringt. Die unsichtbare Stimmung. Der Duft hinter dem Duft. Die Energie, die mitschwingt, auch wenn keiner darüber spricht. Der Zauber zwischen den Zeilen. Das Prickeln in der Luft, wenn du weißt: Hier passiert gerade etwas Magisches! Du kannst es nicht benennen, aber dein ganzer Körper kann es spüren.

Und, hey, manchmal ist Spirit auch einfach deine Haltung zum Leben. Dein Feuer. Dein Vibe. Dein »Ich zieh das durch, egal ob jemand an mich glaubt oder nicht«. Deine Art, durch die Welt zu gehen. Mit Weichheit. Mit Wildheit. Mit Würde. Spirit ist das, was leuchtet, wenn du dich traust, echt zu sein. Ohne Filter. Ohne Maske. Ohne Entschuldigung.

Dieses Buch ist eine Einladung. Eine Reise durch all diese Ebenen des Spirits. Von den Seelen über Wesenheiten bis hin zu deiner inneren Haltung der Welt gegenüber. Es geht darum, dich zu verbinden. Medial. Mit dir. Mit der anderen Seite. Mit dem, was zwischen den Zeilen des Lebens verborgen liegt. Dafür musst du nicht perfekt sein. Du musst nur bereit sein, dich dem, voller Mut, in Wahrhaftigkeit zu öffnen.

Bereit zu lauschen.

Bereit zu spüren.

Bereit, dich selbst ernst zu nehmen in deiner magischen Wahrheit.

Wenn du das mitbringst, dann bist du hier genau richtig.

Dieses Buch wird dir Welten offenbaren, denen du schon immer begegnen wolltest.

Dein Moment ist jetzt. Ergreife ihn.

KAPITEL 1

AUS DEM ALLTAG EINER HEXE

Es gibt Geschichten, die schreiben sich selbst. Sie durchwehen dein Leben wie ein Herbststurm, der die letzten Blätter von den Bäumen reißt. Sie ritzen sich in dein Herz, malen Spuren in deine Aura und verankern sich in der pulsierenden Wirkung deiner leuchtenden Zellen. Sie wollen nicht vergessen werden, sie wollen geteilt, gefühlt, gelebt werden. Diese Geschichte ist so eine. Sie ist mehr als nur eine Erinnerung. Sie ist eine Aneinanderreihung von Anekdoten, die zwischen den Welten existiert. Und sie verlangt danach, mit der gleichen Intensität erzählt zu werden, mit der sie sich in mein Leben gebrannt hat.

Alles begann in einer dieser seltsamen Schwellenzeiten, wenn das Leben sich am Rand seiner selbst befindet, dem Abgrund bitterlich nah. Mein Vater lag im Sterben. Und in dieser brüchigen Wirklichkeit zwischen Hoffen und Wissen, zwischen Festhalten und Loslassen saß ich an seinem Sterbebett und bat ihn, mir einen letzten Wunsch zu erfüllen: »Wenn du drüben angekommen bist, Papa, dann schick mir bitte ein Zeichen. Was Eindeutiges, so was wie einen Löwen, okay?« Es war mehr als nur eine Bitte. Es war mein verzweifelter Versuch, mich trösten zu lassen über das Irdische hinaus. Ich wollte den Beweis. Den Beweis für mehr. Für das, was jenseits liegt.

Ich drückte seine Hand, sah ihn an und er schaute mit diesen großen Kulleraugen zurück, die noch immer das verschmitzte Funkeln trugen, als gehöre ihm die Welt.

»Ich bin nächstes Wochenende wieder da, wenn ich die Buchtour gemacht habe. Wir sehen uns dann wieder, ja?«

Er lächelte sanft, so wie er immer lächelte, selbst jetzt, trotz all der Schwere. »Klar! Viel Spaß. Wir sehen uns. Und dein Buch muss ich auch noch zu Ende lesen.«

Er sagte es mit einer Selbstverständlichkeit, als hätte er noch alle Zeit der Welt. Und ich nickte tapfer, obwohl meine Kehle wie zugeschnürt war. Ich spürte es. Dieses fiese Ziehen unter dem Brustbein, direkt im Herzchakra. Was ich noch nicht wusste, aber fürchtete: Es war das letzte Mal, dass ich meinen Vater lebend sah.

Dann fuhr ich los. Auf die große Lesereise zu meinem Buch WitchPower. Mein erstes Buch. Meine Worte. Meine Wahrheit. Es war etwas Besonderes. Ein Meilenstein. Doch über allem lag eine Schwere. Wie ein feines Gespinst aus Nebel, das sich in jede Ritze meines Glücks schob. Es war diese seltsame Ambivalenz aus Freude und Schmerz, aus Stolz und Verlust. Ich tauchte ein in Lesungen, Lachen, Gespräche. Doch ein Teil von mir blieb immer woanders.

Am letzten Tag der Tour führte mich mein Weg in eine kleine, unscheinbare Buchhandlung. Die Besitzerin, eine Frau mit wachen, durchdringenden Augen, erzählte uns, dass es in der Buchhandlung manchmal spukte. Wir lachten, sie machte Scherze mit den Gästen – und doch, irgendetwas war anders. Die Luft war dicker. Schwerer. Der Raum atmete. Ich spürte ihn. Diesen energetischen Strom, der sich unter die Oberfläche mischte. Es war aufregend. Und ein wenig unheimlich. Aber auf die gute Art. So wie man sich an den Rand eines alten Waldes stellt und spürt, dass dort etwas lebt, was größer ist als man selbst.

Doch als ich am Abend zurück ins Hotel kam, veränderte sich die Stimmung. Der Zauber wich der Dichte. Die Nacht legte sich schwer auf mich wie ein zu dicker Mantel. Eine wabernde Atmosphäre breitete sich im Zimmer aus. Zuerst kaum merklich. Dann eindringlicher. Gänsehaut schlich sich meinen Nacken hoch, meine Haare stellten sich auf wie kleine Antennen. Ich wachte auf. Etwas huschte in meinem Augenwinkel vorbei. Ich setzte mich im Bett auf, schaltete das Licht ein, rieb mir die Augen.

»Hallo?«, fragte ich in die Stille. Es war nicht Angst, die mich ergriff, nein, ich kannte solche Phänomene. Schon als Kind in unserer Altbauwohnung waren sie mir begegnet. Doch diese Schwere, sie war neu. Anders. Ernster. Die feinen Haare meiner Arme taten es meinen Nackenhaaren nun gleich, ein Schauer fuhr mir durch die Glieder. Dann, plötzlich, begann das Tischlicht zu flackern. Mein Herzschlag beschleunigte sich. Das war eindeutig kein Zufall. Meine Haut zog sich zusammen wie ein gespanntes Trommelfell. Da war eine Präsenz. Nicht bedrohlich. Aber stark. Und sehr, sehr nah. Ich dachte sofort an den Hausgeist aus der Buchhandlung. Vielleicht hatte ich ihn mitgenommen – wie eine lose Feder im Mantelsaum. Ich kroch etwas aus dem Bett, holte tief Luft. Meine Stimme wurde fest, bestimmt: »Hey, wer immer du auch bist, ich kann gerade nicht mit dir kommunizieren. Ich muss den Kanal für meinen Vater freihalten.« Ich schaute mich um, ernst und offen zugleich. »Tut mir leid. Das ist wirklich wichtig.« Dann löschte ich das Licht und legte mich wieder hin. Die Stille kehrte zurück.

Am Morgen darauf musste ich früh los. Die Heimreise stand an. Ich war müde, leer, irgendwie ausgezehrt. Dann klingelte mein Handy. Ich sah auf das Display und mein Magen verkrampfte sich. Der Anruf, vor dem ich mich gefürchtet hatte. Der, der alles veränderte: Papa war gestorben. Tränen sammelten sich in meinen Augen, verschleierten mir den Blick. Ich japste. Es traf mich, aber irgendwie hatte ich es schon geahnt. Doch plötzlich wurde es mir klar: Die Präsenz in der Nacht, das Flackern, das Kribbeln, es war nicht irgendein Wesen. Er war es gewesen. Mein Vater. Er hatte sich verabschieden wollen. Und in all meinem Sein sah ich den Wald vor lauter Bäumen wohl nicht.

So fuhr ich zurück nach Berlin. Die längste und schwerste Fahrt meines Lebens. Direkt ins Krankenhaus. In die Leichenhalle. Zum ersten Mal in meinem Leben sah ich einen toten Menschen direkt vor mir liegen. Papas Körper war still, reglos. Ich stand da. Starrte. Suchte. Doch von seiner Seele war nichts geblieben. Kein Hauch. Keine Spur. Papa hatte es schon zu Lebzeiten gesagt: Wenn er stirbt, geht er. Ohne Larifari. Und genau so war es. Zurück blieb nur die leere Hülle. Und mein Herz, das schreiend einen Raum suchte, um den Schmerz zu fühlen. Um zu verstehen, dass der Mensch, den ich so sehr liebte, nun nicht mehr in dieser Welt wandelte.

Ein Monat war vergangen. Ein Monat, der sich wie zäher Sirup durch mein Leben gezogen hatte. Und dann war er da, der Tag der Beerdigung. Ich hatte ein Foto vorbereitet, das ihn zeigte, wie er war. Stark, lebendig, mit diesem stillen Stolz in den Augen. Umrahmt wurde es von einer Zeichnung aus meiner Feder – einem Löwen. Kein Zufall. Der Löwe war sein Sternzeichen, sein Seelentier, seine Energie. Er hatte sich sogar einen schlafenden Löwen auf den linken Oberarm tätowieren lassen. »Man sollte den schlafenden Löwen lieber nicht wecken«, pflegte er scherzhaft zu sagen, mit diesem spitzbübischen Grinsen, das ihn bis zum Schluss nicht verlassen hatte. Er hatte den Schalk im Nacken, etwas, was ich definitiv von ihm geerbt habe. Dass der erste Song bei der Zeremonie »Er lebt in dir« aus König der Löwen war, hatte ich veranlasst. Es ehrte ihn und seine Energien. Er zeigte uns immer den Weg und wachte über uns wie ein Löwe in dem Lied:

»Jemand zeigt dir den Weg,

Jemand, der dich versteht […]

Und er wacht über,

Über alle hier […]

Er lebt in dir.«

Für die Beerdigung und die Vorbereitung hatte ich mich ganz schön zusammengerissen. Zusammengerissen wie auch die Wochen und Monate davor. Alles, um meinem Papa nah sein zu können. Um ihm gerecht zu werden. Auch wenn es bedeutete, mit Menschen zu tun zu haben, mit denen ich sonst nicht einmal im selben Raum atmen wollte. Warum, fragst du dich? Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen, gibt es in seinem erweiterten Verwandten- und Bekanntenkreis Personen, mit denen ich mich sonst nicht unbedingt abgeben würde. Zwischenmenschlich hatte es für mich nie gepasst. Nicht einmal in meiner Kindheit. Ich hatte immer versucht, Abstand zu wahren. Doch das wurde unmöglich, als mein Vater krank wurde. Also legte ich meinen Stolz beiseite. Legte meine Würde in eine Schublade. Nicht, weil ich klein beigab, sondern weil ich spürte: Ich muss jetzt da sein. Für ihn. Und ich bereue es nicht. Keine Sekunde. Ich würde es genauso wieder tun.

Doch wie es so oft ist, wenn du denkst, es geht nicht mehr schlimmer, klopft das Leben an die Tür – mit einem Eisenhandschuh. Einige Personen nutzten die Zeit nicht, um zu trauern, um still zu werden, um zu reflektieren. Nein. Sie entschieden sich dafür, rechtliche Schritte gegen mich einzuleiten. Gegen die leibliche Tochter des Verstorbenen, die er über alles geliebt hatte. Hast du gerade die Stirn gerunzelt? Dich gefragt, ob du dich verlesen hast? Nein. Du hast richtig gelesen. Während ich im Schmerz versank, trieben diese Menschen ihr Spiel. Und nicht irgendeines. Für mich fühlte es sich wie ein Angriff mit Ansage an, als wollten sie mir ein letztes Mal ins Herz stechen. Ich stand plötzlich da mit einem polizeilichen Schreiben in der Hand, mitten in der Trauer, und fragte mich: Ist das hier wirklich mein Leben? Es kam also Post. Ich sollte Stellung beziehen. Und ließ das Schreiben anwaltlich beantworten. Nicht aus Trotz, sondern weil ich nicht mehr konnte. Nicht noch ein Kampf. Nicht in diesem Zustand. Ich war am Boden.

Ich fühlte mich nicht nur allein, sondern komplett überfordert, weil diese Personen nun nachlegten und der einzige Puffer für das Ganze – mein Vater – nicht mehr da war, um mich zu beschützen. Mein Vater war gegangen. Und mit ihm waren alle Grenzen verschwunden, die dem Wahnsinn noch hätten Einhalt gebieten können. Jetzt drehte der Sturm frei. Und ich mittendrin. Und natürlich kamen die Fragen. Diese bohrenden, brennenden Fragen, die dich nachts wach halten. Wie konnte er mit diesen Leuten so lange auskommen? Ging es ihnen je wirklich um ihn? Und warum, verdammt noch mal, warum belastet man eine Tochter, die trauert, mit einem derart verletzenden Verhalten? In mir brach noch mehr auf. Noch mehr Schmerz. Noch mehr Zorn. Und die eine Frage, die über allem stand wie eine dunkle Wolke am Horizont: War mein Vater je wirklich glücklich gewesen? Oder wurde er immer nur ausgenutzt?

Die Tage nach der Beerdigung waren schwer. Sie zogen sich wie kalter Nebel durch mein Innerstes, ließen keinen klaren Gedanken zu, keinen wirklichen Trost. Ich war ein Schiff, das auf offenem Meer trieb, ohne Kompass, ohne Sicht. Die Dinge, die geschehen waren, rissen an meinen Nerven wie hungrige Krähen an toter Erde. Ich wusste nicht mehr wohin mit all dem Schmerz.

Und so kam es, dass Thomas, mein Bruder im Geiste, meine Zwillingsflamme, mein Fels in der Brandung, mich anschaute und folgende Worte sprach: »Warum fragen wir deinen Vater nicht direkt?« Seine Stimme war ruhig wie immer, doch ich spürte, dass es ihn Überwindung kostete. Thomas, der mit Magie nichts am Hut hatte, außer durch mich. Der sonst mit beiden Füßen auf dem Boden der nachweislichen Tatsachen stand und sich nicht leicht beirren ließ. Aber er war bereit, für mich die Tür zu öffnen. Vielleicht auch ein bisschen für sich. Falko, der Dritte in unserem Bunde, mein engster Freund, saß zusammengesunken auf dem Sofa, die Decke über dem Kopf wie ein Kind, das sich vor dem Gewitter versteckte. Er war dabei, aber völlig aufgelöst. Ihm machten solche Sachen schon immer eine Heidenangst.

Wir entzündeten die Kerzen, weihten das Brett mit einem Spruch, der schon viele Male mein Tor zur Anderswelt geöffnet hatte. Doch an diesem Abend war alles anders. Die Luft war schwer wie Quecksilber. Nichts rührte sich. Keine Regung. Kein Hauch. Ich spürte die Starre, die sich durch die Dimensionen zog, ein dichter Schleier aus Nebel und Schweigen. Wir bekamen keine Antworten. Nicht mal eine Bewegung auf dem Brett. Ich wurde nervös, aufgekratzt, fordernder. Ich spürte, wie die Energie in meinem Solarplexus zu flackern begann. Eine innere Unruhe, die wie ein Tier gegen die Wände meines Brustkorbs schlug. Es war, als sei ich aus meiner eigenen spirituellen Familie ausgeschlossen worden.

Erst als meine Hände zu zittern begannen und meine Stimme die Tränen kaum noch unterdrücken konnte, meldete sich etwas. Es war nicht mein Vater. Es war auch nicht mein Schutzgeist, nein, stattdessen war es der Schutzgeist von Thomas, eine zarte, vorsichtige Energie, die sich durch das Dunkel tastete wie eine Kerzenflamme im Wind. Und was er sagte, ließ mich erstarren: Weder mein Vater noch mein Schutzgeist seien ansprechbar. Abwesend. Weg. Verloren? Ein Ozean aus Fragen tat sich auf, die unbeantwortet blieben. Ich empfand es als ein schlechtes Zeichen. Eines, das mir eiskalte Schauer über den Rücken jagte. Wenn dein Schutzgeist nicht da ist, wer hält dann Wache? Wer beschützt dich, wenn du schläfst? Wer hält deine Energie, wenn du fällst?

Ich wollte es nicht glauben. Ich konnte es nicht glauben. Panik kroch in mir hoch wie schwarzer Rauch, der sich in jede Pore legte. War ich verlassen worden? Die Antworten blieben aus. Nur diese kargen, abgerissenen Fragmente, als würde man mich absichtlich außen vor lassen. Als wäre ich ein Kind vor einer verschlossenen Tür, hinter der sich die Erwachsenen verschworen hatten zu schweigen. Thomas’ Schutzgeist ließ mir nur eine letzte Botschaft da: »Solange sie weg sind, passe ich auf euch beide auf.« Damit war das Gespräch beendet. Sollte mich das beruhigen? Etwas. Dennoch fühlte ich mich klein. Hilflos. Zerrissen zwischen den Welten.

Und so blieb mir nur eines. In der tiefsten Nacht, mit tränennassem Gesicht, kniete ich mich hin. Meine Stimme zitterte, mein Herz brannte.

»Papa«, flüsterte ich. »Bitte … gib mir ein Zeichen! Irgendeines! Ich kann nicht mehr!« Der Raum um mich blieb stumm. Kein Windhauch, kein Flackern, kein Knistern. Nur das dumpfe Echo meiner eigenen Verzweiflung. Ich weinte. Ich weinte wie ein Kind, das seinen Vater verloren hatte. Denn das war ich. Ein Kind, das gehofft hatte, dass Liebe stärker sei als der Tod.

Am Morgen danach wachte ich auf, noch benommen von der Schwere der Nacht, ich schlurfte durch die Wohnung, als mein Kumpel Falko mich mit geweiteten Augen ansah. »Du verarschst mich doch!«, stieß er hervor. Und seine Stimme klang ernst. Ich blinzelte. Verstand nicht. Noch nicht. Dann schob er mir sein Handy vors Gesicht: »Wenn das nicht das Zeichen ist, um das du gebeten hast, dann fress ich einen Besen!«

Meine Augen überschlugen die Schlagzeilen, dann folgte die Offenbarung: Ein Löwe lief durch Berlin! Ein Löwe? In Berlin? Ja! Nicht metaphorisch. Nicht symbolisch. Ganz und gar echt. Im ganzen Land wurde über nichts anderes geredet. Nachrichten überschlugen sich. Ganz Deutschland schien in Aufruhr. Das Video eines Löwen in Berlin hatte dieses Aufsehen erregt. 37 Stunden lang suchten schiere Mengen an Polizisten, durchkämmten Wälder, schickten Drohnen in die Luft, Hubschrauber über die Baumwipfel. Die Bevölkerung wurde angewiesen, sich nicht aus den Häusern zu wagen. Alles wegen eines Löwen, den niemand finden konnte. Oder sollte. War es ein Irrtum? War er entlaufen? War es doch nur ein Wildschwein? Hatte er sich in Luft aufgelöst? Keiner wusste, was wirklich passiert war. Ich lachte. Laut. Von Herzen. Dieses absurde, herrlich schräge Schauspiel. Genau Papas Humor. Ein großes Theater, aufgezogen mit einer fetten Kanne Ironie. Der Trickster in seiner besten Form. »Ach, Papa. Du. Du mal wieder.« Ich hatte ihn um ein Zeichen gebeten und er hatte geantwortet. Nicht mit einem flüchtigen Traum, nicht mit einem Löwen-Emoji in einer Nachricht, sondern mit einem lebendigen Löwen, der ein ganzes Land in Atem hielt. Dieses Zeichen war so überdeutlich, so amüsant und liebevoll, dass es selbst mein sonst recht skeptischer Verstand nicht mehr ignorieren konnte.

Einige Zeit später, in der Nacht vom 30. zum 31. Juli, um genau zu sein, war es so weit. Ich war innerlich noch zersplittert, müde vom Weinen, leer vom Kämpfen. Und in jener Nacht trat mein Vater durch die Schleier zu mir heran. Ich schlief und träumte. Aber es war alles andere als ein gewöhnlicher Traum. Es war nicht das übliche Flimmern der Fantasie. Es war etwas anderes. Tiefer. Klarer. Hyperreal. Echt und doch zerbrechlicher als jede spirituelle Erfahrung, die ich zuvor je in Träumen und Trance hatte. Ich war plötzlich woanders, in dieser Zwischenwelt, in der alles klingt wie durch Wasser, in der die Farben heller, die Luft dichter und die Zeit nicht mehr linear ist. Ich bewegte mich wie schwebend durch Nebel, am Rande des Jenseits, so schien es mir. Ich war Gast in einem Raum, den ich nicht verstand, aber mit jeder Zelle spürte. Und dann – war er da, mein Vater.

Die Verbindung war dünn, und ich spürte, dass ich ihr nicht zu sehr nachfühlen durfte, da sie sich sonst verlieren würde. Das Bewusstsein, zu sehr bewusst zu sein, war hier der Gegner, den es auszutricksen galt. Stattdessen musste man einfach sein. In diesem Moment sein. Papa begrüßte mich, wirkte aber schnell unzufrieden. Kein Pathos. Kein Drama. Nur: »Das läuft alles nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe.« Er meckerte. Ein bisschen genervt. Dieses Grummeln, welches das übliche Lächeln verdrängt hatte. Und dann, plötzlich, wurde er noch ernster. Fokussierter. Die Stimme fest, fast wie ein Gewicht, das zu Boden sackte: »Ich kümmere mich um sie …«

Und bevor ich ihn halten konnte, ihn fragen, ihn fest umarmen, war er schon verschwunden. »Wie, du kümmerst dich um sie?« Der Nebel verschluckte ihn wie ein Bühnenvorhang, der leise in sich zusammenfiel. Ich wachte auf. Was zur Hölle? Ich war doch hier! Wieso ging er zu ihnen? Warum wollte er sich um diese Leute kümmern, die mir das Leben zur Hölle machten? Wieso blieb er nicht bei mir? Ich wischte mir die Tränen aus den Augen, nicht ahnend, was noch kommen würde.

Dann, acht Tage später, lag die Luft noch etwas schwerer auf mir. Denn am 8. August hatte mein Vater Geburtstag. Sein erster Geburtstag ohne ihn. Ich schlurfte zu meinem Briefkasten, wie ich es jeden Morgen tat. Darin ein Umschlag. Offiziell. Ich hielt ihn in den Händen wie ein zerbrechliches Relikt. Meine Hände zitterten, mein Herz raste. Was kam nun schon wieder? Ich schluckte schwer und öffnete ihn zögerlich. Und da stand es. Klare Worte. Schwarz auf weiß. Das gegen mich geführte Ermittlungsverfahren wurde eingestellt.

Ich konnte es kaum glauben. Das war das größte Geschenk. Dann schaute ich auf das Ausstellungsdatum: 31. Juli. Die Behörde entschied genau an dem Morgen des Tages, an dem mein Vater mich besucht hatte, das Verfahren einzustellen. Die Zustellung erfolgte an seinem Geburtstag. Noch eindeutiger würde es wohl nicht werden. Nun verstand ich, was Papa gemeint hatte. Sich um sie kümmern. Das aufräumen, was sie hinterlassen hatten. Ich drückte den Brief an mich und fühlte mich ihm so unsäglich nahe. Selbst aus dem Jenseits heraus beschützte er sein geliebtes Töchterchen noch.

Einige Tage nach seinem letzten Besuch, als mein Herz sich gerade wieder traute, langsamer zu schlagen, kam er noch einmal. In der Stille der Nacht, als alles schlief, außer meiner Sehnsucht. Ich bewegte mich durch einen Raum, der wie aus Seide gewebt schien, durchtränkt von Licht und Wahrheit, so wie auch schon das erste Mal. Und dann sah ich ihn. Papa. Er stand da, inmitten eines dichten, strahlenden Nebels, der wie flüssiges Licht wirkte. Er sah mich an. Ich spürte, wie er sich löste. Wie er ging. Wie er zurückkehrte an jenen Ort, den wir »Jenseits« nennen. Ich spürte diesen Ort, konnte mich ihm aber nicht nähern. Es war wie eine unsichtbare Barriere, die mich bei den Lebenden hielt. Ich weinte. Bat ihn zu bleiben. Flüsterte stumm in seine Richtung, dass ich noch nicht bereit sei. Aber mein Herz wusste: Ich muss ihn gehen lassen. Denn jetzt war es vollbracht. Seine Aufgabe, seine letzte Berührung direkt in dieser Welt war erfüllt.

Was ich einige Zeit später durch all diese Ereignisse verstand, war eine Wahrheit, die ich nie vergessen werde: Seelen, die hinübergegangen sind, können nicht einfach zurückkehren. Sie verweilen nicht zwischen den Welten, huschen nicht durch unsere Flure. Nicht, wenn sie in Frieden gegangen sind. Sie sind nicht wie Totengeister, die sich klammern, verloren, verwirrt. Sie reisen weiter. Werden Teil jener Ordnung, die jenseits unserer Vorstellung wirkt.

Papa war direkt gegangen. Ohne Drama. Ohne Rückblick. So, wie er es immer gesagt hatte. Und doch kam er kurz zurück. Nicht, weil er musste. Sondern weil er wollte. Weil nur er dieses Chaos bändigen konnte. Und um das zu tun, musste er einen Preis zahlen. Einen energetischen Tausch vollziehen, der nur selten und unter besonderen Bedingungen möglich ist. Er tauschte den Platz mit meinem Schutzgeist. Für einen Wimpernschlag in der Ewigkeit.

Diese Erkenntnis traf mich wie ein Blitz. Denn der Schutzgeist einer lebenden Person ist kein Spielzeug. Er ist wie ein Schild aus Licht, tief verbunden mit unserem Weg, unserem Auftrag. Ihn temporär auszutauschen, ist ein komplexes Geflecht aus Absprachen, Energien, dem Aufbrechen der himmlischen Ordnung. Ich stelle mir vor, wie mein Papa dort stand, inmitten der kosmischen Bürokratie, wie er argumentierte, verhandelte, sein Anliegen vorbrachte. Und wie mein Schutzgeist, treu und geduldig, für diesen kurzen Moment zur Seite trat. Denn auch die Anderswelt hat ihre Regeln. Ihre Struktur. Ihre Konsequenz.

Und ich bin dankbar. Dankbar, dass er zurückkam. Dass er auf seine Art noch einmal da war. Dass er für Ordnung sorgte. Und dass er jetzt im Großen und Ganzen hoffentlich friedlich angekommen ist, so wie er es sich immer gewünscht hatte.

Dennoch erhielt ich immer mal wieder kleinere Zeichen, genau dann, wenn ich sie am meisten brauchte, als wüsste er, wann mein Herz zu schwer wurde, um es allein zu tragen.

Einmal, an einem besonders dunklen Tag, brannten die Erinnerungen so schmerzhaft in mir, dass ich sie stundenlang unterdrückte. Doch als ich endlich allein war, barst der Damm. Tränen, schwer wie Blei, bahnten sich ihren Weg über mein Gesicht. Ich japste nach Luft, verloren auf offener Straße. Da hob ich den Blick und sah ihn. Nicht wirklich, aber doch: Ein Mann kam mir entgegen, auf seinem Shirt prangte ein dekadent golden glänzender Löwenkopf. Brachial das Licht brechend. Fast identisch mit dem, den ich für Papas Beerdigung gezeichnet hatte.

Ein anderes Mal saß ich mit Falko im Auto, der Himmel grau, die Stimmung gedämpft wie durch dichte Watte. Mein Herz schmerzte so sehr, dass selbst Worte zu schwer wirkten. Eine unserer CDs lief leise im Hintergrund, eine dieser melancholischen Melodien, die einen mehr fühlen lassen als sagen. Plötzlich begann das Lied zu haken, sprang immer wieder an die gleiche Stelle zurück, als wolle es nicht vorwärtsgehen. Als bliebe es bewusst im Moment hängen. Falko warf mir einen Seitenblick zu, schnaubte halb belustigt: »Na, die Technik dreht wieder durch. Dein Vater sendet wohl ein Zeichen an sein Töchterchen, was?« Ich sah ihn an, verheult, das Herz im Hals, die Stimme kaum mehr als ein Hauch: »Nur, wenn es bei 2:22 springt. Sonst ist das auch nur ein dummer Zufall.« Wir starrten beide stillschweigend auf die Anzeige. Die Sekunden zogen sich wie Kaugummi. Anspannung lag in der Luft. Dann kämpfte sich das Lied vor. Minute 2:20. Minute 2:21. Minute 2:22. Und tatsächlich, wieder sprang das Lied gut eine halbe Minute zurück und begann den Zyklus von vorn.

Falko erstarrte, dann fuhr er sich über das Gesicht und gab einen lauten Ausruf von sich: »Du und deine Hexenfamilie … Scheiße noch mal!«

Ich musste schmunzeln. Zum ersten Mal seit Tagen so was wie ein Lächeln. Ich war nicht allein. Da draußen, jenseits der Schleier, zog jemand leise, aber liebevoll seine Fäden.

Ein anderes Mal war ich mit Thomas unterwegs. Wir besuchten am Tag der Toten, dem Día de Muertos, eine Ausstellung über das Sterben. Schon beim Betreten legte sich eine dichte Energie über uns, die uns zur Grenze zwischen Leben und Tod führte. Die Räume erzählten vom Loslassen, von den letzten Atemzügen, vom Übergang. Und ich spürte es in jeder Zelle. Wie war es für ihn gewesen? Für Papa? War er sanft gegangen? Oder hatte es ihn zerrissen? Wie ist es wirklich zu sterben? Wenn man weiß, dass es kommt, man eigentlich nicht will, aber nichts tun kann? Mein Herz war schwer.

Draußen, wieder in der hellen Welt, begannen Thomas und ich ein tiefgründiges Gespräch. Über das Leben. Den Tod. Und irgendwann auch über Organspende. Ich zog meinen Spenderausweis aus der Tasche, ein kleines, unscheinbares Kärtchen, auf dem ein Stück Entscheidung vermerkt war. Ich wollte es Thomas reichen, doch in dem Moment, als mein Blick darauf fiel, durchzuckte mich etwas. Ich stutzte. Da stand ein Datum, handschriftlich von mir eingetragen. Was dort geschrieben stand, ließ mein Herz kurz aussetzen: Das Datum war der exakte Todestag meines Vaters. Ich hatte es scheinbar versehentlich falsch vordatiert.

Das deutlichste aller Zeichen und zugleich das rätselhafteste kam etwa ein Jahr nach seinem Tod. Der erste Todestag, ohnehin schon wie ein tiefer Riss im Kalender, hatte schwer auf meiner Brust gelegen. Ich fühlte mich leer, sehnsüchtig, beinah kindlich verletzlich. In unserer kleinen Freundesgruppe schrieb ich einige Zeit später, was mich erdrückte. Wie sehr ich ihn vermisste. Wie traurig ich war, dass er meine Erfolge nicht mehr sah. Mein Wachstum. Mein Werden. Alles, was ich ihm so gern gezeigt hätte. Immerhin war ich jetzt nicht mehr die brotlose Künstlerin, um die er sich immer Sorgen machen musste. Ich war jemand, der die Menschen bewegte und Gutes in die Welt brachte. Zwar hatte er den Anfang davon mitbekommen, doch die Ausmaße meines Tuns mehrten sich in immer größeren Wellen und ich hätte es so gern mit ihm geteilt.

Ich schlief an jenem Abend spät ein und wachte am nächsten Tag erst mittags auf. Verschlafen griff ich zum Handy, öffnete WhatsApp und hielt den Atem an. Da stand es. Unmissverständlich. Um 7:52 Uhr hatte ich einen verpassten Videocall. Von der Nummer meines Vaters. Mein Herz setzte aus. Die Luft im Raum schien für einen Moment dicker zu werden, elektrisch aufgeladen. Ich starrte auf den Bildschirm, blinzelte, versuchte, mir einzureden, dass es irgendein technisches Versehen sein musste. Aber tief in mir wusste ich: Das hier war kein Zufall.

Ich machte einen Screenshot. Schickte ihn sofort in den Gruppenchat mit Falko und Thomas. »Ich kann es nicht glauben«, schrieb ich. »Aber schaut mal. Was soll mir das jetzt sagen?«

Und Thomas, nüchtern und klar, wie er ist, antwortete nur: »Dass er dich sieht. Und mitbekommt, was du tust. Ein besseres Zeichen gibt es nicht.«...Ende der Leseprobe