Yoga-Anatomie 3D - Ray Long - E-Book

Yoga-Anatomie 3D E-Book

Ray Long

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Beschreibung

Nach den erfolgreichen Büchern von Ray Long, "Yoga-Anatomie 3D: Die wichtigsten Muskeln" und "Yoga-Anatomie 3D: Die Haltungen", gibt es nun 4 weitere Bände, die sich allen Asanas widmen. Die Bände sind Yoga-Stil-übergreifend und funktionieren nach dem Baukastenprinzip. Jeder Band rückt eine Gruppe von Asanas in den Mittelpunkt. Das Grundprinzip beschreibt jeweils die biomechanischen und physiologischen Prinzipien und ihre Anwendung in den Stellungen. Die einzelnen Haltungen werden schließlich anhand farbiger, dreidimensionaler Illustrationen des Skeletts sowie der wichtigsten Muskeln, Bänder und Sehnen dargestellt und zusätzlich in einem Verzeichnis der Bewegungen und der Muskeln erläutert. Band I behandelt den Vinyasa Flow (dynamischer Yoga-Stil) und die Standhaltungen. Band II geht auf die Hüftöffner und Vorbeugen ein. Band III beinhaltet die Rückbeugen und Drehhaltungen und Band IV konzentriert sich auf die armgestützten Haltungen sowie Umkehrhaltungen. Diese Buchreihe wird für Anfänger ebenso wie für Experten zu einem unverzichtbaren Begleiter werden.

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Seitenzahl: 144

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

[email protected]

1. Auflage 2015

© 2015 by riva Verlag,

ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH,

Nymphenburger Straße 86

D-80636 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

© der Originalausgabe 2010 by Raymond A. Long. All rights served. All content, visual and textual, produced under the direction of Ray A. Long, MD, FRCSC.

Die englische Originalausgabe erschien 2010 unter dem Titel Yoga Mat Companion 2 bei Bandha Yoga Publications.

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Übersetzung: Andrea Panster, Amberg

Lektorat: Matthias Michel, Wiesbaden

Umschlaggestaltung: Pamela Machleid, München

Umschlagabbildung: Cover design by Greenleaf Book Group LLC

Satz: Grafikstudio Foerster, Belgern

Druck: Florjancic Tisk d.o.o., Slowenien

Printed in the EU

ISBN Print: 978-3-86883-470-3

ISBN E-Book (PDF): 978-3-86413-625-2

ISBN E-Book (EPUB, Mobi): 978-3-86413-626-9

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.rivaverlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unterwww.muenchner-verlagsgruppe.de

ebook by ePubMATIC.com

INHALT

EINLEITUNG

HINWEISE ZUR VERWENDUNG DIESES BUCHES

DESIGN-STRATEGIEN FÜR DIE YOGAPRAXIS

DIE SCHLÜSSELPRINZIPIEN

AGONIST/ANTAGONIST: REZIPROKE HEMMUNG

MUSKELISOLATION

CO-AKTIVIERUNG

UNTERSTÜTZTES DEHNEN

BANDHAS

DER BANDHA YOGA CODEX

DIE HÜFTÖFFNER

SCHNEIDERSITZ (SUKHASANA)

GESCHLOSSENER WINKELSITZ (BADDHA KONASANA)

VORBEUGE IM SITZEN MIT GESPREIZTEN BEINEN (UPAVISTA KONASANA)

BEINDEHNUNG IM LIEGEN (SUPTA PADANGUSTHASANA B)

BEINSCHERE MIT ANGEWINKELTEM KNIE (SUPTA PADANGUSTHASANA)

BEINSCHERE (SUPTA PADANGUSTHASANA A)

GEDREHTE BEINDEHNUNG IM LIEGEN (SUPTA PADANGUSTHASANA C)

DIE SCHILDKRÖTE (KURMASANA)

TORSTELLUNG (PARIGHASANA)

SPAGAT (HANUMANASANA)

LOTUSSITZ (PADMASANA)

DIE VORBEUGEN

STOCKSITZ (DANDASANA)

KOPF-AN-KNIE-HALTUNG (JANU SIRSASANA)

VORBEUGE IM SITZEN (PASCHIMOTTANASANA)

VORBEUGE IM SITZEN ÜBER EIN BEIN (TRIANGA MUKHAIKAPADA PASCHIMOTTANASANA)

DER REIHER (KROUNCHASANA)

VORBEUGE IM SITZEN MIT HALBEM LOTUS (ARDHA BADDHA PADMA PASCHIMOTTANASANA)

DAS BOOT (NAVASANA)

BEIDE-GROSSE-ZEHEN-HALTUNG (UBHAYA PADANGUSTHASANA)

DIE RUHEHALTUNGEN

EINFACHE UMKEHRHALTUNG (VIPARITA KARANI)

TOTENSTELLUNG (SAVASANA)

VERZEICHNIS DER BEWEGUNGEN

VERZEICHNIS DER ANATOMIE

REGISTER – DIE MUSKELN UND BÄNDER

GLOSSAR

REGISTER – DIE HALTUNGEN

EINLEITUNG

Ein chinesisches Sprichwort besagt: „Wenn es dir schwerfällt, dein Ziel zu erreichen, so halte daran fest, aber ändere die Strategie.“ Wie Ziele sind auch Yogahaltungen zuweilen schwer zu meistern. Welche Möglichkeiten haben Sie in diesem Fall? Sie können die Hoffnung auf Fortschritte aufgeben oder Ihre Herangehensweise ändern. Eine Änderung der Taktik erfordert Einfallsreichtum. Nutzen Sie Ihre Kreativität, um Blockaden zu durchbrechen und sicher in die Stellungen zu kommen. Die in den Büchern dieser Reihe vorgestellten wissenschaftlichen Techniken bieten die Grundlage dafür.

Nehmen wir an, Sie haben mit allen herkömmlichen Mitteln versucht, im geschlossenen Winkelsitz (Baddha Konasana) die Oberschenkel zum Boden zu bringen. Sie haben die Knie nach unten gedrückt oder die Beine mit Gewichten beschwert, aber Fortschritte sind ausgeblieben. Da weitere Versuche wenig nützen werden, ändern Sie die Taktik. Mit unterstütztem Dehnen können Sie gezielt auf die Muskeln einwirken, die Sie daran hindern, tiefer in die Stellung zu kommen. Auf diese Weise wird es Ihnen nicht nur gelingen, die Oberschenkel näher zum Boden zu bringen, Sie werden auch die Nervenrezeptoren im Beckenbereich stimulieren. Die ersten beiden Chakren werden aktiviert, Energieblockaden beseitigt. Darüber hinaus gewinnen Sie ein besseres Verständnis für die Ungleichgewichte in Ihrem Körper, was Ihnen auch bei den anderen Haltungen nützt und Ihren Erfahrungsschatz vergrößert.

Vielleicht spüren Sie bei Vorbeugen Spannungen im unteren Rücken. Sie könnten versucht sein, aufzugeben. Aktivieren Sie stattdessen lieber die Bauchmuskeln, um mittels reziproker Hemmung die Rückenmuskeln zu dehnen. Die Kontraktion der Bauchmuskeln erzeugt zudem einen „Puffer“-Effekt und stützt die Lendenwirbelsäule. Häufig bringt diese einfache Änderung der Taktik Erfolg. Diese Beispiele zeigen, wie sich moderne Wissenschaft und die Weisheit des Hatha-Yoga verbinden lassen.

In mancherlei Hinsicht ähnelt die Yogapraxis der Arbeit eines Regenmachers, der mit einer Zeremonie Spannungen in der Atmosphäre löst. Yoga beseitigt körperliche und spirituelle Spannungen. Gehen Sie beim Regenmachen erfinderisch und strategisch vor – sowohl in der eigenen Praxis als auch als Lehrer.

HINWEISE ZUR VERWENDUNG DIESES BUCHES

Beim Yogaüben ist es, als würde man eine Reihe von Türen durchschreiten, die immer neue Möglichkeiten im Hinblick auf die Haltungen eröffnen. Der Schlüssel zur ersten Tür ist das Verständnis für die Stellung der Gelenke. Es hilft erkennen, welche Muskeln der Haltung ihre Form verleihen und welche gedehnt werden. Um die Gelenke in die gewünschte Position zu bringen, müssen Sie die richtigen Muskeln anspannen. Kontrahieren Sie zunächst die Agonisten, um die Knochen auszurichten. Zur Vertiefung der Haltungen benötigen Sie Ihr physiologisches Wissen. So erzeugen Sie Länge in den gedehnten Muskeln. Wenn Sie diese Grundprinzipien beachten, ergeben sich die Haltungen wie von selbst und Yoga entfaltet seine wohltuenden Wirkungen wie mehr Beweglichkeit, Gewahrsein, Wohlbefinden und Entspannung.

Diese Buchreihe funktioniert nach dem Baukastenprinzip. Jeder Band rückt eine andere Gruppe von Asanas in den Mittelpunkt und enthält folgende Elemente:

•   Schlüsselprinzipien: die Beschreibung biomechanischer und physiologischer Grundsätze und ihrer Anwendung auf bestimmte Haltungen.

•   Bandha Yoga Codex: fünf einfache Schritte, um Beweglichkeit, Kraft und Präzision in den Asanas zu verbessern.

•   Asanas: eine genaue Darstellung der einzelnen Haltungen.

•   Verzeichnis der Bewegungen: eine Erläuterung aller Bewegungsabläufe sowie Tabellen, in denen die Muskeln und ihre Bewegungen aufgeführt sind.

•   Verzeichnis der Anatomie: eine bildhafte Darstellung der Knochen, Bänder und Muskeln (mit Ursprung, Ansatz und Funktion).

•   Glossar

•   Register – Die Haltungen

ABBILDUNG 1 Der Abschnitt „Schlüsselprinzipien“ zeigt, wie Sie biomechanische und physiologische Grundsätze auf die Asanas übertragen können. Lesen Sie ihn gleich zu Beginn, und frischen Sie Ihr Wissen zwischendurch immer wieder auf.

ABBILDUNG 2 Die Überblicksseite zu einem Asana illustriert die Grundbewegungen der Gelenke und Grundpositionen des Körpers. Hier finden Sie sowohl den deutschen Namen als auch die Sanskritbezeichnung der Haltung. Die Seite soll Ihnen helfen, die Grundform des Asanas zu erlernen, und weitere Details vermitteln.

ABBILDUNG 3 Der Vorbereitungsteil zeigt, wie Sie in die Haltung kommen. Falls Sie neu oder ein wenig steif sind, üben Sie eine der aufgeführten Varianten. Die Vorübungen beanspruchen im Allgemeinen die gleichen Muskelgruppen wie das Asana selbst. Die Haltung wird Ihnen guttun, ganz gleich welche Variante Sie wählen.

ABBILDUNG 4 Zu jeder Haltung gibt es eine Schritt-für-Schritt-Erklärung, welche Muskeln aktiviert werden müssen, um die Gelenke in die korrekte Position zu bringen, sowie eine Zusammenfassung der gedehnten Muskeln. Die kontrahierten Muskeln werden blau (die Hauptmuskeln dunkelblau), die gedehnten rot dargestellt. Mit diesen Informationen können Sie die Anatomie jeder Haltung meistern.

DESIGN-STRATEGIEN FÜR DIE YOGAPRAXIS

Bildende Künstler bedienen sich oft bekannter Methoden, um die Aufmerksamkeit des Betrachters auf ein Objekt zu lenken oder es in den Mittelpunkt zu rücken. Drei davon sind Gruppierung, Wiederholung und Kontinuität. Sie lassen sich auch auf die Yogapraxis übertragen: Sie können verwandte Haltungen zu Gruppen anordnen, wie wir es tun. Sie können eine Muskelgruppe wie den Lenden-Darmbein-Muskel (Iliopsoas) und seine Synergisten in einer Übungseinheit wiederholt ansteuern, um ihre bewusste Kontrolle zu erlernen. Sie können Kontinuität erzeugen, indem Sie die Asanas synergistisch ineinanderfließen lassen. Die größtmögliche Wirkung erzielen Sie, wenn Sie alle drei Techniken gleichzeitig anwenden. Dadurch wird Ihre Praxis zu mehr als der Summe ihrer Teile.

Ich nutze dieses Verfahren zur Aktivierung des Lenden-Darmbein-Muskels und kombiniere die Standhaltungen zu einer fortlaufenden Serie, die ihn wiederholt stimuliert. So rücke ich diesen eher schwer erreichbaren Muskel ins Bewusstsein. Einmal aktiviert, unterstützt er uns automatisch bei anderen Yogahaltungen. Nutzen Sie Gruppierung, Wiederholung und Kontinuität zur Gestaltung von Übungsfolgen für die eigene Praxis und den Unterricht.

Am anderen Ende des Spektrums liegt eine Technik, mit der Künstler ein Element von Zufälligkeit erzeugen. Ein Designer nimmt zum Beispiel ein literarisches Werk und eine Schere, schneidet den Text in Stücke und setzt diese wahllos wieder zusammen. Dabei entsteht oft Bemerkenswertes. Dies ähnelt Wahrsagemethoden wie dem I Ging, dem Buch der Wandlungen. Man stellt eine Frage und wirft scheinbar zufällig ein paar Münzen. Das entstandene Muster lässt sich einem Hexagramm zuordnen, das oft tiefgründige Antworten auf die Frage gibt. Diese Methoden streichen auf strategische Weise den Verstand aus der Gleichung und eröffnen Zugang zum Unbewussten und Unsichtbaren.

Die gleiche Technik können Sie auch im Yoga anwenden. Sie ist besonders hilfreich, wenn Sie regelmäßig eine feste Asanafolge üben. Losen Sie einmal im Monat fünf Asanas aus. Setzen Sie sich intensiv damit auseinander, um ihre Bestandteile zu verstehen. Überlegen Sie, was die Asanas verbindet, und stellen Sie eine Praxis daraus zusammen. Dies wird Ihr Verständnis für alle Haltungen erheblich verbessern. Vielleicht entdecken Sie sogar großartige neue Übungsfolgen. Die vorliegenden Bücher werden Sie bei der Analyse der Asanas unterstützen.

DIE SCHLÜSSELPRINZIPIEN

 

SCHLÜSSELPRINZIP

AGONIST/ANTAGONIST: REZIPROKE HEMMUNG

Im Westen ist Hatha-Yoga die beliebteste Form des Yoga, obwohl alle Stile auf ein uraltes System zur Pflege der körperlichen und spirituellen Gesundheit zurückgehen. Der Sanskrit-Begriff ha/tha lässt sich mit Sonne/Mond oder Ying/Yang übersetzen – eine perfekte Beschreibung der Art und Weise, wie der Körper auf biomechanischem und physiologischem Wege Gegensätze ausgleicht.

Dies zeigt sich unter anderem in der Beziehung zwischen Agonist und Antagonist und der reziproken Hemmung. Die Agonisten kontrahieren, um ein Gelenk zu bewegen; dabei werden ihre Antagonisten gedehnt. Während das Gehirn dem Agonisten signalisiert, sich anzuspannen, erhält der Antagonist den Befehl zur Entspannung. Dieses physiologische Prinzip können wir uns zunutze machen. In der Schildkröte (Kurmasana) wird der Rumpf gebeugt und der Rücken – die Rückenstrecker (Erector spinae) und quadratischen Lendenmuskeln (Quadratus lumborum) – gedehnt. Dabei können Sie den Oberkörper mit Armen und Schwerkraft beugen. Wirkungsvoller aber ist es, die Bauchmuskeln aktiv anzuspannen. Diese Kontraktion erzeugt eine reziproke Hemmung, sodass die Rückenstrecker entspannen.

ABBILDUNG 1

ABBILDUNG 2 Die Vorbeuge im Sitzen (Paschimottanasana) beugt Rumpf und Hüften. In dieser Haltung sind die Lenden-Darmbein-Muskeln (Iliopsoas) die Agonisten, die großen Gesäßmuskeln (Gluteus maximus) die Antagonisten. Die Kontraktion der Lenden-Darmbein-Muskeln erzeugt eine reziproke Hemmung, sodass die großen Gesäßmuskeln entspannen.

Der Reiher (Krounchasana) verdeutlicht die Beziehung zwischen dem Quadrizeps (Quadriceps femoris) und den Muskeln der Oberschenkelrückseite. Der Quadrizeps des gestreckten Beins kontrahiert und streckt das Knie, die hinteren Oberschenkelmuskeln werden gedehnt. Sie können das Knie natürlich auch mit den Armen strecken. Die bewusste Kontraktion des Quadrizeps aber bewirkt eine reziproke Hemmung und somit eine Entspannung der rückwärtigen Oberschenkelmuskulatur. Mit den Armen lässt sich diese Wirkung nicht erzielen.

Betrachten Sie nun das gebeugte Knie. In dieser Haltung wird der Quadrizeps gedehnt. Wenn Sie das Knie ausschließlich mit Ihrem Körpergewicht beugen, bleibt die entspannende Wirkung der reziproken Hemmung aus. Kontrahieren Sie deshalb hin und wieder die Muskeln der Oberschenkelrückseite und pressen Sie den Unterschenkel gegen den Oberschenkel.

ABBILDUNG 3 Die Vorbeuge im Sitzen mit gespreizten Beinen (Upavista Konasana) verdeutlicht die Beziehung zwischen Abduktoren und Adduktoren. Kontrahieren Sie Schenkelbindenspanner (Tensor fasciae latae) und mittlere Gesäßmuskeln (Gluteus medius), indem Sie die Fersen in die Matte drücken und versuchen, die Füße auseinanderzuziehen. Dies löst eine reziproke Hemmung aus und gibt den Adduktoren das Signal zur Entspannung.

 

SCHLÜSSELPRINZIP

MUSKELISOLATION

ABBILDUNG 1 Der Quadrizeps (Quadriceps femoris) setzt mit der Patellasehne am Schienbein an. Er kontrahiert, wenn Sie die Kniescheibe nach oben ziehen, und streckt das Knie. Einer seiner Köpfe – der gerade Oberschenkelmuskel (Rectus femoris) – überspannt die Hüfte und beugt sie mit dem Lenden-Darmbein-Muskel (Iliopsoas) und seinen Synergisten.

Die Aktivierung des Quadrizeps richtet das Kniegelenk aus und verhindert Knorpelschäden. Sie löst zudem eine reziproke Hemmung aus, sodass die Muskeln der Oberschenkelrückseite entspannen. Isolieren Sie den Quadrizeps in Haltungen wie der Beindehnung im Liegen B (Supta Padangusthasana B).

ABBILDUNG 2 Fassen Sie bei Vorbeugen wie der Vorbeuge im Sitzen über ein Bein (Trianga Mukhaikapada Paschimottanasana) den Fuß mit festem Griff und versuchen Sie, die Arme zu heben. Da die Hände fixiert sind, ziehen die vorderen Deltamuskeln (Deltoideus anterior) den Rumpf tiefer in die Vorwärtsbeuge. Drücken Sie die Wade des gebeugten Beins gegen den Oberschenkel, um die Muskeln der Oberschenkelrückseite zu aktivieren und das Kniegelenk auszurichten.

ABBILDUNG 3 Drücken Sie bei der Vorbeuge im Sitzen über ein Bein die Ferse des gestreckten Beins in die Matte. Versuchen Sie, den Fuß zur Seite zu ziehen, als wollten Sie das Bein abspreizen. Dies aktiviert Schenkelbindenspanner (Tensor fasciae latae) und mittleren Gesäßmuskel (Gluteus medius), die den Oberschenkel abspreizen und einwärtsdrehen. Da der Fuß auf der Matte fixiert ist, verlagert die Kontraktionskraft das Körpergewicht zum gebeugten Bein und dreht das gestreckte Bein einwärts. So können Sie die Kniescheiben wieder in eine neutrale Stellung bringen.

ABBILDUNG 4 Drücken Sie im Reiher (Krounchasana) mit der Hand das gebeugte Knie zum Boden. Versuchen Sie gleichzeitig, das Knie nach oben in die Hand zu schieben. Dies aktiviert den Lenden-Darmbein-Muskel (Iliopsoas). Sobald Sie ein Gefühl dafür haben, können Sie ihn auch ohne Zuhilfenahme der Hand kontrahieren.

Der Lenden-Darmbein-Muskel beugt nicht nur die Hüfte, er kippt auch das Becken nach vorne und zieht die Sitzbeinhöcker nach hinten. Dies verstärkt die Dehnung der hinteren Oberschenkelmuskeln des gestreckten Beins.

 

SCHLÜSSELPRINZIP

CO-AKTIVIERUNG

ABBILDUNG 1 Co-aktivieren Sie in der Vorbeuge im Sitzen (Paschimottanasana) Ellenbogenbeuger und Kniestrecker. Die Kontraktion von Bizepsen (Biceps brachii) und Oberarmmuskeln (Brachialis) beugt die Ellenbogen und verstärkt die Vorbeuge. Die Kontraktion der Quadrizepse (Quadriceps femoris) streckt die Knie und löst eine reziproke Hemmung aus, sodass die Muskeln der Oberschenkelrückseite entspannen.

ABBILDUNG 2 Aktivieren Sie in Vorbeugen die Lenden-Darmbein-Muskeln (Iliopsoas) und geraden Bauchmuskeln (Rectus abdominis), indem Sie den Rumpf gegen die Oberschenkel drücken. Die gemeinsame Kontraktion beugt Rumpf und Hüften und vertieft die Haltung.

ABBILDUNG 3 Strecken Sie in der Beindehnung im Liegen (Supta Padangusthasana A) mit den Gesäßmuskeln die Hüfte des unteren Beins, indem Sie den Po zusammenkneifen und die Ferse in die Matte drücken. Aktivieren Sie den Lenden-Darmbein-Muskel (Iliopsoas) und die Synergisten des oberen Beins, indem Sie den Fuß mit den Händen Richtung Kopf ziehen.

Die Co-Aktivierung der Gesäßmuskeln des einen und der Hüftbeuger des anderen Beins stabilisieren das Becken.

ABBILDUNG 4 Fassen Sie den Fuß und versuchen Sie, die Hände auswärtszudrehen (Supination). Co-aktivieren Sie die Muskeln der Unterarme, Oberarme und Schultern, um die Beindehnung zu verstärken: Beugen Sie mit Bizepsen (Biceps brachii) und Oberarmmuskeln (Brachialis) die Ellenbogen. Ziehen Sie den Fuß nach oben, als wollten Sie ihn über den Kopf heben. Dies aktiviert die vorderen Deltamuskeln (Deltoideus anterior). Drehen Sie mit den hinteren Deltamuskeln (Deltoideus posterior), Untergrätenmuskeln (Infraspinatus) und kleinen runden Muskeln (Teres minor) die Schultern auswärts. Ziehen Sie mit dem unteren Drittel der Trapezmuskeln (Trapezius) die Schulterblätter nach unten. Dies macht den Nacken frei und öffnet den Brustkorb.

 

SCHLÜSSELPRINZIP

UNTERSTÜTZTES DEHNEN

ABBILDUNG 1 Sie können die Co-Aktivierung weiter verstärken, indem Sie den Muskel kontrahieren, den Sie eigentlich dehnen möchten. Mit dieser exzentrischen Kontraktion und der Technik des unterstützten Dehnens lässt sich Länge erzeugen. Das unterstützte Dehnen nutzt einen weiteren Reflexbogen der Wirbelsäule und ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie gut die moderne Wissenschaft und die uralte Kunst des Hatha-Yoga zusammenpassen. Beim Dehnen kommt Spannung auf Muskel und Sehne. Am Übergang zwischen Muskel und Sehne befindet sich ein Rezeptor – das Golgi-Sehnenorgan. Es misst die Spannung und sendet ein Signal ans Rückenmark, das dem gedehnten Muskel daraufhin den Befehl zur Entspannung gibt. Der Reflexbogen wirkt wie ein Schutzschalter und verhindert den Abriss der Sehne am Knochen.

Da alle Skelettmuskeln über Golgi-Sehnenorgane verfügen, können Sie in den Asanas mit dieser Technik die Muskeln im ganzen Körper dehnen und Blockaden lösen. Gehen Sie dabei bitte vorsichtig und bedacht vor.

ABBILDUNG 1Reflexbogen der Wirbelsäule

ABBILDUNGEN 2 UND 3 Beim unterstützten Dehnen wird der gedehnte Muskel kontrahiert. Dadurch steigt die Spannung am Übergang zwischen Muskel und Sehne und es werden mehr Golgi-Sehnenorgane aktiviert. Beim unterstützten Dehnen befiehlt das Rückenmark dem Muskel zu entspannen, sodass er ein Stück weit erschlafft. Dies können Sie nutzen, um tiefer in die Haltung zu kommen.

Beugen Sie zum Beispiel in der Vorbeuge im Sitzen (Paschimottanasana) die Knie etwas an und drücken Sie den Rumpf gegen die Oberschenkel. Pressen Sie die Fersen leicht in die Matte, als wollten Sie die Knie noch weiter beugen. So aktivieren Sie die Muskeln der Oberschenkelrückseite und stimulieren die Golgi-Sehnenorgane am Übergang zwischen Muskeln und Sehnen. Lösen Sie die Kontraktion nach fünf bis acht Atemzügen. Die Muskeln der Oberschenkelrückseite erschlaffen. Spannen Sie nun die Quadrizepse (Quadriceps femoris) an, um die Knie zu strecken und die Dehnung zu vertiefen. Auf diese Weise lösen Sie auch eine reziproke Hemmung aus, sodass die Muskeln der Oberschenkelrückseite noch weiter entspannen.

ABBILDUNGEN 4 UND 5