Yoga sei Dank - Dr. Annette Jasper - E-Book

Yoga sei Dank E-Book

Dr. Annette Jasper

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Beschreibung

Der konventionellen Medizin liegt die Überzeugung zugrunde, dass der menschliche Körper wie eine Maschine funktioniert. Dabei spielen neben dem Körper auch Geist und Seele eine große Rolle für das Wohlbefinden. Kein Teil kann vollständig gesund sein, wenn es die anderen nicht auch sind. Yoga und Meditation bringen Körper, Geist und Seele wieder in Einklang – und das ist besonders in schwierigen Lebenssituationen wichtig. Das musste auch Annette Jasper lernen, als sie an Krebs erkrankte. Im Laufe der Therapie stellte sie fest, wie sehr ihr Yoga dabei hilft, mit ihrer Krankheit fertig zu werden. Sie lernte viele weitere Menschen kennen, die mit Yoga eine Lebenskrise überwunden haben und sammelte ihre Geschichten. Heute ist sie der Überzeugung: Wer einen gesunden Körper haben will, muss seinen Blick auch auf die emotionale und seelische Gesundheit richten. Insgesamt 14 Kurzgeschichten finden sich in diesem Buch, u. a. mit Jürgen Höller, einem von Deutschlands bekanntesten Motivationstrainern. Dabei haben alle Geschichten eines gemeinsam: Yoga spielt die entscheidende Rolle auf dem Weg in ein neues Leben - ob bei der Überwindung einer Drogensucht, unerfülltem Kinderwunsch, Burn-Out oder Midlife-Crisis.

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Seitenzahl: 243

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Dr. Annette Jasper

Yoga sei Dank

Dr. Annette Jasper

Yoga sei Dank

Die heilsame Kraft von Yoga und Meditation

Originalausgabe

1. Auflage

© Verlag Komplett-Media GmbH

2019, München/Grünwald

www.komplett-media.de

ISBN E-Book: 978-3-8312-7010-1

Bildnachweis:

Alle Illustrationen im Buch: Heike Kmiotek, www.heike-kmiotek.de

Lektorat: Redaktionsbüro Julia Feldbaum, Augsburg

Korrektorat: Redaktionsbüro Diana Napolitano, Augsburg

Umschlaggestaltung: Guter Punkt, München

Satz: Daniel Förster, Belgern

eBook-Herstellung und Auslieferung:Brockhaus Commission, Kornwestheim www.brocom.de

Dieses Werk sowie alle darin enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrecht zugelassen ist, bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung des Verlags. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung.

Inhalt

Liebe Leserin, lieber Leser,

Einleitung

Den Krebs besiegen

Meine eigene Geschichte

Mit Meditation

Die eigene Heilung herbeiführen

Yoga, meine beste Freundin

Katharinas Suche nach Kraft und Energie

Neues Feuer entfachen

Wie Maja den Burn-out überwindet

Atmung –

Es kann nichts Wichtigeres geben

Der erfüllte Kinderwunsch

Arnikas Weg

Wie wirkt Hormonyoga eigentlich?

Raus aus dem Gedankenkarussell

Cordula findet durch Meditation zu sich

Eine große Vision

Carina lebt ihr Erbe

Mit Yoga Migräne überwinden

Andreas Weg zur Freiheit

Mit Yoga gesund werden

Ein neues Leben für Jule

Alles für die Kleinen

Melanies Auszeit

Die Midlife-Crisis als Chance sehen

Wie Roland zu sich zurückfindet

Nach der Prostitution

Stefanies Leben geht weiter

Die Drogenabhängigkeit besiegen

Colleen, du allein bist genug!

Himmel und Hölle …

Jürgens Weg zur Freiheit

Die dynamische Meditation

Die Gedanken sind frei

Jasons Reise zu sich selbst

Mit Yoga gesund und vital

Meditation ins Leben integrieren

Nachwort

Danke

Bücher zum Weiterlesen

Für Lara und Jannes

Mögen sie ihr Leben voller Liebe,Stärke und Dankbarkeit leben.

Liebe Leserin, lieber Leser,

als mich Annette fragte, ob ich für ihr neues Buch »Yoga sei Dank« das Vorwort schreiben würde, habe ich mich sehr gefreut.

Die Medien bezeichnen mich ja als Europas erfolgreichsten Motivations- und Erfolgstrainer, und demzufolge werde ich immer mal wieder gebeten, ein Vorwort für ein Buch über Erfolgsstrategien zu schreiben. Ein Vorwort für ein Yogabuch dagegen gab es noch nie.

Ich selbst kam bereits in jungen Jahren mit Yoga in Kontakt, als ich große Rückenbeschwerden hatte. Durch Zufall stieß ich auf ein altes Yogabuch und begann, mich zunächst für die rein körperlichen Übungen zu interessieren.

Doch im Laufe der Zeit erkannte ich, dass Yoga viel mehr ist. Yoga besteht aus Atemtechniken, Yoga ist für mich Meditation, geistige Achtsamkeit – Yoga ist Arbeit am Kern der Persönlichkeit.

Im Rahmen der Verbesserung meiner Stimme für meinen Beruf als Motivationsredner arbeite ich auch an meiner Stimmbildung. Umso überraschter war ich, als ich schließlich entdeckte, dass es 6000 Jahre alte Stimmübungen gibt, die ich praktizierte und die ursprünglich aus dem Yoga stammen.

Natürlich gibt es viele Bücher über Yoga. Doch Annettes Buch ist weitreichender, ganzheitlicher und nachhaltiger. Und nachdem Annette meine eigene Lebensgeschichte kannte – inklusive meiner großen Lebenskrise –, bat sie mich, diese in ihrem Buch zu verarbeiten. Und dem bin ich gern nachgekommen. Denn verschiedene von mir praktizierte Übungen aus dem Gebiet des Yoga halfen mir vor vielen Jahren, diese größte Krise meines Lebens zu überwinden.

Ich bin mir deshalb sicher, dass Annettes Buch vielen Menschen helfen kann, ihren Lebensweg leichter und besser zu meistern. Ich wünsche ihr viel Erfolg und hoffe, dass es möglichst viele Menschen erreichen wird.

Und nun viel Spaß, Freude und gutes Gelingen beim Lesen – und hoffentlich beim Umsetzen! – der hier beschriebenen Inhalte.

Herzlichst,Jürgen Höller

Einleitung

Dieses Buch möchte dir Vertrauen in deine eigene Kraft und Heilung geben. Vertrauen ist etwas, was wir nicht sehen, hören, fühlen oder schmecken können. Unser Verstand kann Vertrauen nicht beweisen. Dennoch ist es da. Genauso wie das Gute, das Göttliche in uns. Wenn wir lernen, darauf zu hören, uns mit dieser inneren Weisheit zu verbinden, dann sind wir unendlich stark.

Leider haben wir in unserer Gesellschaft verlernt, in uns hineinzuhören. Wir haben gelernt, dass nur kontrollierte Doppelblindstudien Sicherheit bringen. Das tun sie jedoch nicht. In den Universitäten wird angehenden Ärzten beigebracht, wie die Anatomie des menschlichen Körpers funktioniert. Der Mensch wird seziert und wieder zusammengebaut. Die moderne Medizin benutzt Statistiken und Studien, entwickelt Formeln, legt Regeln fest. Dem liegt eine Überzeugung zugrunde, dass der menschliche Körper wie eine Maschine funktioniert. Die Seele jedoch scheint da nicht zu existieren.

Wir bestehen aus Körper, Geist und Seele. Und kein Teil kann vollständig gesund sein, solange es nicht auch die anderen sind. Die Teile lassen sich eben nicht voneinander trennen. Wenn du einen gesunden Körper haben willst, musst du deinen Blick auch auf die emotionale und seelische Gesundheit richten.

Ich erlebe das in meiner Praxis. Täglich kommen Menschen zu mir, die an Tinnitus, Nackenschmerzen und Rückenproblemen leiden. Nie entstehen diese Probleme aus dem Nichts. Immer liegt ein seelisches Ungleichgewicht vor. Ich sehe deutlich, dass es sich bei den schmerzhaften Symptomen auf physischer oder emotionaler Ebene in Wirklichkeit um Hinweise der Seele handelt. Es sind Signale, die dem Betroffenen sagen wollen: »Schau da mal hin. Da stimmt etwas nicht.« Es sind Stimmen, die Aufmerksamkeit wollen. Sie wollen, dass der Mensch nach innen schaut. Unser Leben jedoch ist meist zu laut. Wir hören diese Stimmen nicht und sehen diese Signale nicht. Es ist einfacher, seinen Körper zu trainieren und wohl definierte Muskeln zu erhalten, als seinen Geist zu stärken und seine Seele zu beachten. Für die meisten von uns ist es selbstverständlich, morgens seinen Körper zu waschen, also Körperhygiene zu betreiben. Weitaus schwieriger ist es jedoch, Seelenhygiene zu praktizieren. Warum ist das so? Hat unsere Gesellschaft dafür keine Zeit?

Symptome werden als etwas Lästiges angesehen. Der Arzt soll sie schnell mit einer Tablette beseitigen. Symptome dauerhaft mit Tabletten oder Massagen zu beseitigen ist so, als würde man die Anzeigeleuchte beim Auto zukleben, anstatt herauszufinden, was das Auto benötigt, wenn es nicht mehr fährt. Wir sind darauf geeicht zu funktionieren. Wer Erfolg hat, hat keine Zeit zu haben, sonst stimmt etwas nicht. Beschäftigen wir uns erst mit uns, wenn es fast zu spät ist, wenn wir erkrankt sind? Geben wir uns erst dann die Erlaubnis innezuhalten?

Bei mir war es tatsächlich so. Erst mit der Krankheit habe ich erfahren, dass das Leben an mir vorbeigezogen war. Ich erkannte: Mein Leben kreiere ich selbst. Ich ganz allein erschaffe meine Gefühle, meine Gesundheit und meine Krankheit.

»Der Geist ist das Leben.Der Verstand ist der Erbauer.Das Physische ist das Ergebnis.«

– EDGAR CAYCE –

Dieses Zitat berührte und weckte mich. Es begleitet mich nun durch mein Leben. Denn wir müssen erkennen, dass unsere körperliche und geistige Gesundheit durch unsere Gedanken beeinflusst werden. Es gibt keine Trennung zwischen Körper, Geist und Seele. Der Mensch ist eben keine Maschine. Aus genau diesem Grund arbeitet ein tibetischer Arzt ganz anders als ein europäischer. Die Seele spricht durch unseren Körper mit uns. Sie zeigt uns durch Schmerz und Krankheit, wo etwas nicht stimmt. Schauen wir weg, können wir nicht gesunden. Bereits Napoleon Hill wusste: »Gedanken und Gefühle wirken sich auf die körperliche Gesundheit aus.« Jeder Gedanke, den wir denken, wird von einem Gefühl begleitet, und jedes dieser Gefühle ist mit einer bestimmten biochemischen Reaktion verbunden. Gedanken, die mit Stärkung, Liebe und Unterstützung zu tun haben, führen zu einem Anstieg von Immunkräften und einem Rückgang von Stresshormonen. Gedanken der Rache, des Kummers oder der Wut verursachen entzündliche Prozesse und begünstigen degenerative Erkrankungen, wenn sie längere Zeit im Körper verbleiben.

Wichtig: Wir haben immer die Möglichkeit, uns für den Gedanken zu entscheiden, der sich besser anfühlt!

Ich weiß nun: Meine Gesundheit beginnt in meinem Kopf!

Mein Glaubensbekenntnis

Ich glaube an mich selbst!

Geht nicht, gibt es nicht, und kann ich nicht, liegt tot daneben.

Was ich nicht kann, das lerne ich!

Und wenn es bislang noch keiner geschafft

hat, dann bin ich die Erste,

denn dies ist mein Leben, hier bin ich der Chef.

Die Welt und die Menschheit brauchen mich,

ich bin vollkommen – denn ich bin ein Teil

von Gott, ein Teil vom Ganzen.

Und ich erwarte nur das Beste vom Leben!

Den Krebs besiegen

Meine eigene Geschichte

Es ist 22 Uhr, ein ganz normaler Donnerstag. Ich befinde mich auf dem Heimweg von der Arbeit.

Ein voller Tag in der Praxis beginnt um acht Uhr und endet gegen 21 Uhr, dann mache ich noch etwas Büroarbeit, so bis spätestens 23 Uhr. Meine Patienten sind mir wichtig. Ich mache mir Gedanken über ihre Therapiepläne, was jeweils das Beste für sie ist, dann müssen noch Versicherungsfragen beantwortet werden … Bei einer vollen Praxis ist diese Arbeit nicht zwischen den Patienten zu bewältigen. Sie muss am Abend oder am Wochenende erledigt werden. Es ist okay.

Jetzt, um diese Zeit, schlafen meine Lieben. Meine Kinder, sie sind meine Schätze! Es ist so gut, dass es sie gibt. Ohne sie wäre ich nicht vollständig. Sie zeigen mir jeden Tag, wie viel mehr das Leben zu bieten hat. Sie zwingen mich, das Leben in allen Facetten zu leben, nicht nur an die Praxis und meine Patienten zu denken.

Ich bin also auf dem Heimweg, und die Liebe meines Lebens, mein Mann, wartet auf mich. Es ist so ein schönes Gefühl zu wissen, dass da jemand ist. Ja, wir sind schon sehr lange zusammen und sprengen jede Statistik – weit über zwanzig Jahre. Wir haben uns in der Schule kennengelernt. Es ist eine Ewigkeit her, oder war es doch erst gestern? Was haben wir für tolle Dinge miteinander erlebt, schon viel von der Welt gesehen.

Da ist noch mehr, was auf uns wartet. Und er wartet auf mich. Er ist keiner, der ständig anruft oder mich irgendwo abholt und eine große Show daraus macht, nein, dazu bin ich vermutlich auch zu selbstständig und er zu bequem. Er ist einer, der zuverlässig und still daheim wartet und dadurch eine unendliche Ruhe ausstrahlt. Gern sitzen wir dann noch ein wenig beisammen, trinken vielleicht ein Gläschen Rotwein. Wir sind glücklich, einander zu haben, und können jeweils den anderen loslassen, damit er sich entwickeln und wiederkommen kann.

Die Diagnose

Ist heute wirklich ein ganz normaler Donnerstag? Mein Gesicht ist nass von den Tränen. Ich kann kaum die Straße sehen. Gut, dass ich den Weg ohnehin mit geschlossenen Augen fahren kann. Heute ist der 24. April 2012. Nie merke ich mir irgendwelche Daten. Manchmal muss ich sogar überlegen, wann meine Verwandten Geburtstag haben, ich musste auch schon mal darüber nachdenken, wie alt ich bin. Es ist mir einfach nicht wichtig. Es ist nicht so, dass ich ein Problem mit Zahlen habe, nein, gar nicht. Ich wollte sogar Mathematik studieren. Aber: Dieses Datum ist nun in meinem Kopf eingraviert, unauslöschbar, da bin ich mir sicher. Heute gegen vierzehn Uhr rief mich mein Internist an und verkündete die Bestätigung seines Verdachts: Ich habe Krebs.

Ich bin zweiundvierzig Jahre alt, meine Kinder sind zwölf und sieben. Was soll das jetzt?! Es ist schon verrückt, wie das Lebenskarussell anhalten kann. Abrupt. Das Schreckensgespenst Krebs, welches sonst nur »andere« Menschen befällt, ist bei mir angekommen und bedroht mein Leben. Es will mir alles wegnehmen, was ich habe. Es wird nun mein Schicksal sein, der Punkt, an dem sich alles ändern wird. Plötzlich wird alles infrage gestellt, was bisher galt.

Den Verdacht hatte ich seit zwei Wochen. Ich merkte einfach, dass in meinem Körper etwas nicht stimmte, aber eigentlich erst, seitdem ich beim Orthopäden war und dieser nichts gefunden hatte. Das morgendliche Joggen lief etwas zäh. Meine Yogasession hatte ich schon seit Längerem vernachlässigt. Ich war nicht so ausdauernd wie sonst. Außer der unregelmäßigen Rückenschmerzen hier und da hatte ich keine Schmerzen. Verdrängen und weitermachen, ja, das konnte ich gut. Eigentlich dämmerte das ungute Gefühl erst in mir, als meine Mutter fragte: »Woher kommen denn deine Rückenschmerzen dann, wenn der Orthopäde nichts findet?« Von da an hatte ich ein ungutes Gefühl, und als der Stuhl dann auch noch »komisch« wurde, war mir vollkommen klar: Das geht nicht gut aus. Schließlich hatte ich auch Medizin studiert. Ich hatte es gelernt, und dies war fest in meinem Kopf verankert: Blut im Stuhl ist das sichere Vorzeichen des Todes. Das zumindest hatte ich aus dem Studium im Kopf abgespeichert. Nun war es Gewissheit. Ich bekam es sogar schwarz auf weiß. Das Telefonat mit meinem Internisten lief zwischen zwei Patiententerminen in meiner Praxis. Professionell, wie ich nun mal bin, habe ich ruhig weitergearbeitet. Erst jetzt, da ich auf dem Heimweg bin, wird mir bewusst, welche Nachricht ich heute erhalten habe: mein Todesurteil.

Daheim angekommen sieht mein Liebster sofort, dass ich aufgewühlt bin und nimmt mich in den Arm. Die halbe Nacht weinen wir gemeinsam, unterhalten uns, es fehlen uns jedoch die richtigen Worte, wir weinen wieder. Wir können es nicht glauben. Wir können nicht wahrhaben, dass ich so krank sein soll. Ich bin stark. Nie war ich krank. Daher habe ich auch gar keinen Arzt. Nur eine Medizinerin wird von mir mehr oder weniger regelmäßig aufgesucht: meine Gynäkologin. Ich habe höchstens Schnupfen, Kopfschmerzen und Nackenverspannungen. Irgendwann schlafen wir fest umschlungen, als wenn wir uns nicht loslassen könnten, ein. Am nächsten Tag, es ist ein Freitag, bringe ich ganz normal die Kinder in die Schule und fahre in die Praxis, um meine Patienten zu versorgen. Alles normal?

Ich bin ein Verdrängungskünstler. Der Internist hat wohl recht. Wir hatten vereinbart, dass so schnell wie möglich eine Darmspiegelung durchgeführt werden sollte. Das bedeutet: Ich muss mir den Montag freischaufeln. Patienten werden vorverlegt und umbestellt. Viele ärgern sich und schimpfen mit meinen Mitarbeiterinnen, die meisten jedoch zeigen Verständnis. Natürlich wissen weder die Mitarbeiterinnen noch die Patienten den wahren Grund. Das Wochenende steht unter der Vorbereitung für die Darmspiegelung. Ich bin nervös, ängstlich, eine Übermutter, erdrücke die Kinder mit meiner Liebe aus Angst, ihnen diese bald nicht mehr geben zu können. Die wildesten Gedanken laufen mir durch den Kopf. Jetzt ist es gar nicht so förderlich, dass ich Medizin studiert habe. Verdammt, ich weiß zu viel. Ich kann mir nichts vormachen, ich kenne mein Schicksal.

Knallharte Tatsachen

Bitte, lieber Gott, lass es ein kleiner Tumor sein, den die Ärzte wegschneiden können, nur keine Metastasen, nur keine Metastasen … Mit diesen Gedanken schlafe ich ein. Wenn mich die Kinder nicht sehen, laufe ich wie ein Zombie durch die Gegend, weine. Natürlich bemerken sie mein verweintes Gesicht.

»Der Mama geht es nicht gut. Sie hat eine schlechte Phase«, so die Erklärungen meines Mannes. Wir wollen und können nichts sagen. Wir sind selbst sprachlos. »Wir warten ab, schauen, wie schlimm es tatsächlich ist. Es kann nicht so schlimm sein, denn dir geht es ja gut.«

Leider sollte er nicht recht behalten. Die kommende Woche hat es in sich: »Sie haben einen großen Tumor im Enddarm und vermutlich Metastasen in der Leber«, sagt der Internist. »Ich möchte, dass sie sofort in die Klinik fahren und sich dort weiteren Untersuchungen unterziehen. Es ist ernst. Noch wenige Wochen, und sie haben einen Darmverschluss, und man kann nichts mehr für sie tun.«

Die folgenden Untersuchungen in der Klinik ergeben sogar fünf Metastasen in der Leber. Fünf! Das heißt: Meine Leber ist dahin. Oh, mein Gott, ich werde fast ohnmächtig. Der Boden unter meinen Füßen verschwindet. Warum ich? Was habe ich falsch gemacht? Meine Kinder! Ich weine jede Träne, die ich aus meinem Körper rausdrücken kann. Ich will das nicht. Ich will die ganzen Behandlungen, die die Ärzte mir dringend anraten, nicht. Ich will keine Chemotherapie. Ich will keine Bestrahlungen. Ich will keine Behandlung. Ich will so bleiben, wie ich bin. Über all diese Behandlungen habe ich im Studium gelesen, gelernt, ausgemergelte Menschen in Zeitschriften und Filmen gesehen. Ich will nicht so werden! Dann will ich lieber sterben. Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich habe Angst vor der Behandlung, vor den Folgen, den Nebenwirkungen der Chemotherapie. Ich will nicht regungslos im Bett liegen.

Steve Jobs, ein großes Vorbild von mir, ist 2011 an Krebs verstorben – und nun auch Patrick Swayze. Er hatte etwas Ähnliches. Ich weiß, meine Chancen sind miserabel. Verdammt. Verdammt. Ich will das einfach nicht. Nachdem alle Untersuchungen in Windeseile innerhalb einer Woche abgeschlossen sind, ist klar: Meine Krebserkrankung ist weit fortgeschritten. Ich soll eine intensive Chemotherapie erhalten, damit sich die Krebszellen nicht weiterentwickeln, und Bestrahlungen, um den Primärtumor im Darm in Schach zu halten und so einzugrenzen, dass er operiert werden kann. Wenn dieser herausgeschnitten ist, soll die Leber drankommen. Die Hoffnung ist, dass die Ärzte die Metastasen herausschneiden können. »Noch vor fünf Jahren hätten wir ihnen sagen müssen: Gehen Sie bitte nach Hause, denn wir können nichts für Sie tun. Heute können wir sagen, dass wir fünf solche Fälle behandelt haben und gute Erfahrungen gesammelt haben, jedoch können wir keine Aussage zu Ihren Chancen machen«, erklären mir die Ärzte. »Jedoch, wenn Sie sich nicht operieren lassen, können wir Ihnen versichern, dass Sie höchstens noch sechs Monate haben.«

Peng!

Mein erster Gedanke gilt den Kindern: Was soll aus ihnen werden? Mein zweiter Gedanke gilt meinem Mann: Was, wenn er mich verlässt? Was, wenn er es nicht mit ansehen kann, wie ich mich verändere? Mein dritter Gedanke gilt meinem Praxisteam: Wie soll es dort weitergehen? Die Mitarbeiter verlassen sich auf mich, dass sie ihr Gehalt bekommen. Die Patienten verlassen sich darauf, dass sie eine gute Zahnbehandlung bekommen. Was ist mit den laufenden Behandlungen? Ich bekomme eine Woche Zeit, um alles zu regeln. Dann soll es losgehen.

Auf in den Kampf

In einer schlaflosen Nacht treffe ich einen Entschluss: Ich werde kämpfen! Es sollte mein größter Kampf werden. Alles in meinem bisherigen Leben war eine Vorbereitung darauf gewesen – eine Aufwärmübung. Ich lasse mich nicht unterkriegen! Nein, niemals. Ich zeige meinen Kindern, was es heißt, stolz seinen Weg zu gehen. Für meine Kinder halte ich alles aus. Ich mache sie stark für ihr Leben. Nichts soll sie umhauen. Mit allem sollen sie fertig werden können. Und ich zeige ihnen, wie das geht. Wenn dein Warum groß genug ist, entwickelst du unfassbare Kräfte. Auf in den Kampf! Als ich ein kleines Mädchen war, vielleicht sechs Jahre alt, betete ich jeden Abend mit meinem Omchen vor dem Zubettgehen. Ich bedankte mich ganz brav für alles Gute des Tages. Heute weiß ich, dass es eine Fokussierung auf das Positive ist. Der Samen wurde schon in sehr frühen Jahren gelegt. Nun ging es darum, diesen schön zu begießen und zu pflegen.

Innere Kräfte mobilisieren

Yoga, meine Kraftquelle, meine Ruhepause. Da bist du wieder. Endlich spüre ich wieder in meinen Körper hinein. Tatsächlich, ich habe lange nicht mehr hingehört. Nun spüre ich sie wieder, die innere Kraft. Wie gut wir mit Krisensituationen umgehen und diese bewältigen können, hängt von unserer inneren Kraft, unserer Einstellung, ab. Aber: Der Weg zur inneren Kraft und Weiterentwicklung geht über Ruhe und Achtsamkeit. Die kommende Woche, bevor die Therapie beginnt, wird wie eine Schlacht, die es zu gewinnen gilt, geplant.

 Kinder aufklären

 Familie benachrichtigen

 Zweitmeinung zur Therapie einholen

 Mitarbeiter aufklären

 Für die Praxis eine Vertretung finden

 Alle Unterlagen sortieren

 Patientenverfügung aufsetzen

 Einen Laptop kaufen, damit ich in der Klinik arbeiten kann, dazu eine Remoteverbindung zur Praxis

 Kleidung und Kosmetika für die Klinik kaufen

 Bücher, die ich lesen will, besorgen …

Wenn ich an diese Woche denke, bleibt mir die Luft weg. Aber: Eine Entscheidung ist eine Entscheidung, und aufgeben gibt es nicht, nicht für mich. Lieber sterbe ich unterwegs als im Klinikbett. Gesagt, getan. Die Kinder aufzuklären, ist nicht einfach. Unsere Tochter weint, macht sich Sorgen. Unser Sohn weiß damit nicht viel anzufangen. Wir klären auf, sprechen über den Darm und seine Aufgaben und schauen uns eine Schweineleber genau an. Wir besprechen ganz wissenschaftlich die Tatsachen und dass eine schwierige Zeit vor uns liegt. Jedoch lassen wir keinen Zweifel daran aufkommen, dass ich es schaffe. Vor den Kindern kann ich stark sein. Wenn ich allein oder mit meinem Mann bin, nicht. Für die Kinder ist dieses klärende Gespräch wichtig, längst hatten sie gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Wir regeln die Hausaufgaben und die Lernzeiten. Ich organisiere für meine Tochter, dass sie immer zur Schülerhilfe gehen kann, wenn sie in der Schule etwas nicht versteht und mich nicht fragen kann. Wir halten uns fest und tun das, was ich bereits seit zwei Wochen tue: Wir weinen und sprechen uns gegenseitig Mut zu. Als Nächstes ist meine weitere Familie zu benachrichtigen. Meine Mutter und meine Oma, liebevoll Omchen genannt, wohnen 600 Kilometer von uns getrennt gemeinsam in einer Wohnung. So aufgelöst, wie ich bin, ein nervliches Wrack, fühle ich mich außerstande, diese Autofahrt anzutreten. Ihnen telefonisch mitzuteilen, dass ich an Krebs erkrankt und demnächst in der Klinik anzutreffen bin, kommt natürlich gar nicht infrage. Mein kleiner Bruder fährt mit mir. Mein lieber Mann und die Kinder bleiben daheim. Wir versuchen, sie so wenig wie möglich zu traumatisieren. Ich bekomme es sogar hin, dass meine kleine Schwester von ihrem Studienort auch zu unserer Mama kommt. So habe ich ziemlich viele beisammen. Natürlich weiß meine Mutter sofort, dass wir nicht einfach so zu Besuch da sind, sondern etwas zu berichten haben.

Heilende Tränen

Das, was ich zu sagen habe, zieht ihr genauso den Boden unter den Füßen weg wie mir.

Meine Mama weint.

Mein Omchen weint.

Mein Bruder weint.

Meine Schwester weint.

Ich weine.

Weinen hat etwas Reinigendes. Es wird ein Vorhang weggeschoben. Es wird Platz geschaffen für etwas Neues. Weinen beruhigt und lässt verarbeiten, leitet negative Energie aus. Wir weinen einen Tag lang, diskutieren, lamentieren, teilen unsere Ängste und Sorgen. Die Traurigkeit und Angst vereinigen uns. Erst jetzt verstehe ich, wie wichtig es ist, zu trauern und laut zu weinen, am besten in der Gruppe. Manchmal sehen wir im Fernsehen, wie Frauen aus Urvölkern in einer Gruppe um jemanden laut und ausgiebig tagelang weinen. Früher dachte ich: unmöglich, was für eine Show. Heute weiß ich, wie wichtig das ist. In unserer Gesellschaft werden viel zu viele Gefühle unterdrückt. Ein tibetischer Arzt sagte mir einmal: »Als Zahnärztin werden Sie täglich mit den Ängsten Ihrer Patienten konfrontiert. Sie müssen einen Weg finden, diese wieder auszuleiten, sonst bleiben Sie bei Ihnen und verursachen unverarbeitete Geschwüre.«

Sollte es Zufall sein, dass ich gerade Darmkrebs habe? Es gibt keinen Zufall, nur Dinge, die wir nicht verstehen. Heute weiß ich, wir haben an diesem Tag um mein altes Leben getrauert. Meine Mutter hat allein vier Kinder großgezogen. Sie ist eine kluge Frau, sie hatte nie studiert, obwohl sie das Zeug und die Abiturnoten dafür gehabt hätte. Sie hat gekämpft und jeden Cent umgedreht. Jetzt, wo wir alle so traurig beisammensitzen, steht sie auf und sagt: »Kinder, wir müssen alle etwas essen. Lasst uns ins Restaurant gehen.« Dieses Mahl werde ich nie vergessen! Meine Mutter lädt uns ein. Es ist ihr egal, wie viel es kostet. Am Ende ist ein Plan gemacht: Wir schaffen das! Alle wollen uns helfen und für uns da sein.

Meine Mama kommt zu uns nach München, wenn ich meinen langen Klinikaufenthalt habe. Sie muss Omchen mitbringen, da diese nicht allein bleiben kann. Sie muss betreut werden. Schließlich haben wir ein Haus, wenn auch ein kleines, aber wir machen Platz für die beiden. Dann ist mein lieber Mann nicht für alles allein verantwortlich. Haushalt, Kinder, Hund und Arbeit und eine kranke Frau sind schon viel. Erleichtert fahren mein Bruder und ich wieder nach München.

Step by step

Nächster Punkt: Die Mitarbeiter aufklären und eine Vertretung für die Praxis finden. Unfassbar, da sagt doch der Kollege, der mein Vertreter werden will, bei der Lohnverhandlung: »Ich weiß ja nicht, ob sie wiederkommen. Der Letzte, der zu mir sagte, es wäre nur für ein Jahr, ist nach sechs Monaten verstorben.« Wie kann das sein, dass ein Mensch so taktlos ist? Und dann auch noch ein Mediziner. Leider habe ich keine Zeit, jemand anderen in der Kürze zu finden, und da der Kollege fachlich einen guten Eindruck macht, nehme ich ihn. Ich habe ja auch eine angestellte Assistentin in der Praxis. Ich möchte sie nur nicht mit der ganzen Verantwortung allein lassen. Schließlich ist sie noch nicht lange Zahnärztin. Meine Mitarbeiterinnen sind süß: Beim Abschied schenken sie mir ein Bild voller Herzen und weinen alle. Mir wird sofort bewusst, was mir bis dahin im Herzen nicht klar war: Ich habe ein tolles Team! Meinen Patienten erzähle ich nicht die Wahrheit. Ich habe Angst, dass sie es mir nicht mehr zutrauen, sie gut zu behandeln. Zu groß sind die vorgefassten Meinungen, ein Krebskranker »mache es nicht mehr lang«. Mit dem Team einige ich mich darauf zu erzählen, dass ich eine Auszeit nehme müsse – wegen meines Rückens. Damit können wir leben.

Unfassbar, was mein Team erleben muss, wie erbost manche Patienten sind, wenn meine Mitarbeiterinnen ihnen die Termine nicht bei mir anbieten können. Wir wissen ja nicht, wie es mir gehen wird, wann ich wieder arbeiten kann. Ich weiß nicht, was manche Menschen sich vorstellen, wie Ärzte zu sein haben. Schließlich kann auch ein Arzt mal krank werden.

Ich arbeite in der Woche vor dem ersten Klinikaufenthalt wie eine Wahnsinnige. Ich will alles in Ordnung hinterlassen. Ich will alles unter Kontrolle haben, schaffe es, die Remoteverbindung zu bekommen, hole mir ein iPad, Macbook und Kopfhörer, Unmengen an Büchern und schöne bunte Kleidungsstücke, die Lebensfreude ausstrahlen. Ich lasse meinen Körper enthaaren, denn schließlich habe ich Darmkrebs. Bedeutet: Die Bestrahlungstherapie, die ich erhalten werde, ist am Hintern.

Ab in die Mühle

Ich erhalte Markierungen an meinen Unterkörper, die Informationen darüber geben, wie ich bei der Bestrahlung zu lagern bin. Die Markierungen werden mit wasserfesten Stiften und Klebestreifen gemacht. »Für die kommenden zwölf Wochen dürfen Sie sich am Unterleib nur mit klarem Wasser waschen«, erklärt mir die Schwester. Waas? Ich darf mich nicht duschen? Was ist das wieder für eine Scheiße? Kann man das nicht anders machen?

»Die Seifen und Duschgels sind zu stark. Sie würden wund werden. Wenn Sie erst einmal wund sind, werden die Wunden schlecht abheilen. Besser ist, sie werden nicht wund.« Okay, jetzt hatte ich erst recht Angst. Und wirklich: Die Bestrahlungstherapie sollte die schlimmste der Behandlungen werden. Eigentlich merkt man am Anfang nichts. Gut, man fühlt sich wie ein Stück Vieh, wenn man so halb nackt auf einer Bare liegt und zwanzig Minuten bestrahlt wird. Ich versuche, immer zu meditieren oder an schöne Augenblicke meines Lebens zu denken. Nach einigen Wochen ist jede Bestrahlung eine Qual. Du weißt, dass dein Bauchraum und Unterleib danach rebelliert. Was aber noch schlimmer ist: Deine Psyche spielt verrückt. Du bist ganz allein in dieser Röhre. Die Menschen, die dort arbeiten, ganz besonders die Mediziner, zeigen keine Regung, kein Lächeln. Es ist, als ob sie dich schon längst aufgegeben hätten.

»Wollen Sie, dass wir Eizellen einfrieren? Nach der Therapie dürfen Sie nämlich nicht mehr schwanger werden. Am besten ist vermutlich, wir entfernen die Eierstöcke gleich mit«, ist die nächste Hiobsbotschaft der Mediziner. Ich kann das überhaupt nicht leiden, immer wieder, gerade wenn ich eine Nachricht verdaut habe, gleich mit der nächsten Hiobsbotschaft beschäftigt zu werden. Klar kann ich keine Kinder mehr bekommen. Es geht ja auch darum, dass ich überhaupt überlebe! Ja, ja, ich wollte eigentlich schon noch mehr Kinder, am liebsten noch zwei weitere. Mein Traum ist eine Großfamilie. Ich träume davon, mit vielen Kindern, Enkelkindern und Freunden im Garten zu sitzen. Als ich Mitte zwanzig war, konnte ich mir Kinder ganz und gar nicht vorstellen. Ich wollte das Glück mit meinem Mann nicht mit Kindern teilen. Wie klein ich damals gedacht hatte.

Was uns oft von unserem größten Glück abhält, ist die Tatsache, dass wir zu klein denken.

Nun sollte ich auch noch entscheiden, ob die Eierstöcke ebenso raus sollen. »Einige Wochen haben Sie noch Zeit für die Entscheidung, da zunächst die Chemotherapie und die Bestrahlungen starten, erst zu einem späteren Zeitpunkt kommen die OPs«, beruhigen mich die Ärzte. »Durch die Bestrahlung am Unterleib werden Sie ohnehin in kürzester Zeit in die Wechseljahre kommen.«

Peng!

Wechseljahre. War in dieser Phase nicht gerade meine Mutter? Jammerte sie nicht gerade davon, wie ihr Hitzewallungen zu schaffen machten? Auch bei einigen meiner Patientinnen habe ich solche Probleme mitbekommen: Körper und Psyche stellen sich um. Das dauert unterschiedlich lang. Also mit Wechseljahresbeschwerden wollte ich mich jetzt gar nicht beschäftigen. Wohin komme ich da, wenn ich mir um alles einen Kopf mache.

Ich nehme doch nicht alles einfach hin, was mir vorgelegt wird: »Nein, ich mache mir die Welt, wie ich sie haben will.«

Dann die Sache mit der Zweitmeinung und der richtigen Klinikauswahl: »Also, wenn ich schon so einen Mist durchleben muss, dann bitte schön in einer schicken Klinik. So eine wie die Schwarzwaldklinik kann ich mir gut vorstellen«, sind meine Worte an meinen Liebsten. Hm. Ich will die besten Ärzte auf diesem Gebiet, schließlich bin ich selbst Ärztin und weiß, wie wichtig die Wahl des Mediziners ist. In kürzester Zeit mobilisiere ich alle meine Kontakte, nur um festzustellen, dass die Ärztekombination, wie sie mir die Klinik, in der ich war, bietet, außergewöhnlich und richtig gut ist. Denn: Ich brauche einen Darmspezialisten und einen Leberspezialisten. Genau darauf hat sich die Neuerlicher Klinik spezialisiert. Das Gebäude und die Zimmer selbst sind wenig erfreulich, und ich hadere und kämpfe mit mir selbst. Natürlich entscheide ich mich für die Ärzte und nehme das Gebäude in Kauf. Es stellt sich im Laufe der Zeit ohnehin als großer Vorteil heraus, dass die Klinik in der Nähe meines Wohnorts ist. Mein Mann und meine Freunde können mich auf diese Weise öfter besuchen.

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