You Are Nature - Anna Zemann - E-Book

You Are Nature E-Book

Anna Zemann

0,0
15,99 €

  • Herausgeber: Kailash
  • Kategorie: Ratgeber
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2021
Beschreibung

Entdecke deine eigene innere Natur

Wir sind ein Teil der Natur - unserem ureigensten Lebensraum, in dem wir verwurzelt sind, der uns nährt und Kraft spendet. Erst wenn wir diese Einheit wieder spüren, können wir uns rückverbinden mit unserer eigenen inneren Natur. Diese Erfahrung macht die junge Filmemacherin Anna Zemann, als sie nach arbeitsintensiven Jahren erschöpft nach Afrika aufbricht. Auf Tuchfühlung mit Löwen, Elefanten und uralten Bäumen erobert sie sich ihren eigenen inneren Rhythmus und die Verbindung zu sich selbst zurück. In zehn Etappen stellt sie einfache Übungen, Inspirationen, Naturrituale und kraftvolle Baumbegleiter vor, die uns dabei helfen, achtsam und respektvoll mit uns und unserer Umwelt umzugehen. Mit zahlreichen eindrucksvollen Naturfotos.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 238

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Über das Buch

Wir sind ein Teil der Natur - unserem ureigensten Lebensraum, in dem wir verwurzelt sind, der uns nährt und Kraft spendet. Erst wenn wir diese Einheit wieder spüren, können wir uns rückverbinden mit unserer eigenen inneren Natur. Diese Erfahrung macht die junge Filmemacherin Anna Zemann, als sie nach arbeitsintensiven Jahren erschöpft nach Afrika aufbricht. Auf Tuchfühlung mit Löwen, Elefanten und uralten Bäumen erobert sie sich ihren eigenen inneren Rhythmus und die Verbindung zu sich selbst zurück. In zehn Etappen stellt sie einfache Übungen, Inspirationen, Naturrituale und kraftvolle Baumbegleiter vor, die uns dabei helfen, achtsam und respektvoll mit uns und unserer Umwelt umzugehen. Mit zahlreichen eindrucksvollen Naturfotos.

Über die Autorin

Anna Zemann (*1986) ist Autorin und Natur-Fotografin aus Wien. Die studierte Kommunikationswissenschaftlerin gründete bereits mit 26 Jahren ihr erstes Unternehmen und ein Jahr später eine Filmproduktionsfirma, in der ihre Arbeit als Autorin begann. Doch dieser frühe Erfolg hatte seinen Preis und ging nicht spurlos an ihr vorüber. Auf einer Reise nach Afrika erkannte sie, was heute ihr Motto ist: »Weg vom Funktionieren«, hin zum »Sein mit der Natur«. Sie ist überzeugt davon, dass wir eine Antwort auf die Probleme der Umweltzerstörung nur dann finden werden, wenn wir wieder lernen, auf unsere - eigene - Natur zu hören. Anna Zemann verbindet Natur und Spiritualität auf eine geerdete Art und Weise und unterstützt heute auch andere dabei, sich wieder mit der eigenen Natur zu verbinden. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin ist sie u.a. Meditations-Lehrerin, hat eine Ausbildung für Natur-Rituale, sowie den Podcast: „Verbunden statt Online“. Ihr Motto: »Die Natur ist unser größte Lehrerin, wir müssen nur wieder auf sieh hören»

Verbinde dich

mit deiner Natur

und verändere

die Welt

Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen.

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

Bildnachweis:

Fotos im Innenteil von Anna Zemann und Doris Kwiatkowski (hier und hier).

Originalausgabe

© 2021 Kailash Verlag, München

in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,

Neumarkter Str. 28, 81673 München

Lektorat: Eva Dotterweich

Satz und E-Book Produktion: Satzwerk Huber, Germering

Umschlaggestaltung: ki 36, Daniela Hofner Editorial Design, München

Autorenfoto: Lukas Lorenz

ISBN 978-3-641-27180-0V001

www.kailash-verlag.de

Für Mama Gaia

DIE SCHÖNSTE, VERRÜCKTESTE,

KRAFTVOLLSTE UND MAGISCHSTE PLANETENSEELE

IM UNIVERSUM VON ALLEN.

DIE BLAUE WUNDERKUGEL IM ALL.

DAS FRIEDLICHE LICHT IM UNENDLICHEN SCHWARZEN MEER.

Inhalt

EINE NEUE PERSPEKTIVE

ODER AUCH: DAS VORWORT

DIE REISE ZURÜCK ZUR VERBINDUNG MIT DER – EIGENEN – NATUR

DIE ERSTE ETAPPE DER REISE

DER ALTE BAOBAB

DIE ZWEITE ETAPPE DER REISE

DIE ENTDECKUNG DER WILDNIS

DIE DRITTE ETAPPE DER REISE

DAS PRINZIP DES FRÜHLINGS

DIE VIERTE ETAPPE DER REISE

DAS SPIEL DER WELLEN

DIE FÜNFTE ETAPPE DER REISE

DIE ZWEI LÖWEN

DIE SECHSTE ETAPPE DER REISE

DIE SCHATTENSEITE DES LICHTS

DIE SIEBTE ETAPPE DER REISE

NACHRICHT AUS DEM AMAZONAS

DIE ACHTE ETAPPE DER REISE

DIE MAGIE DER ERDE

DIE NEUNTE ETAPPE DER REISE

DER TANZ DES LEBENS

DIE ZEHNTE ETAPPE DER REISE

DIE HÜTER DER NATUR

YOU ARE NATURE

ODER AUCH: DER EPILOG

Anhang

MEDITATION ZUR VERBINDUNG MIT DER NATUR

RAUS IN DIE NATUR

DIE ELEFANTENHERDE

DIE INSPIRATION FÜR DIE NATUR

QUELLENANGABEN

LOS, SIEH DICH UM. SCHAU HIN.

SCHLIESSE DIE AUGEN.

BLICKE TIEF IN DEIN HERZ.

SUCHE NICHT, SONDERN LASS DICH FINDEN.

STELLE FEST, WAS WIRKLICH ZÄHLT.

»WELCHE NEUE PERSPEKTIVE

AUF UNSERE ERDE TUT SICH SO IN DIR AUF?«,

FRAGT DIE NATUR.

EINE NEUE PERSPEKTIVEODER AUCH: DAS VORWORT

»Kuckuck … Kuckuck … Kuckuck«, tönt es in der Ferne. Jedes Mal auf der exakt selben Stelle beginnt der Vogel zu rufen. »Ob er sich wohl genauso freut, mich zu sehen, wie ich, ihn zu hören?« Eine Antwort auf die Frage darf ich mir selbst geben.

Heute ist die Luft frisch, kühl und angenehm. Der Tau glitzert in der Morgensonne. Lässt das Gras aussehen wie ein Meer aus leuchtenden Tropfen. Es herrscht eine friedliche Stimmung im Wald, und schon nach wenigen Schritten durch ihn gelingt es mir, ein Teil dieser guten Energie zu werden.

Am Rande des Weges wachsen meterhohe Disteln. Das Jahr zuvor wurden hier Bäume gefällt, und man sagt, Pflanzen mit Stacheln wachsen vermehrt an solchen Orten. Sie haben eine Schutzaufgabe, damit alles fernbleibt und sich die Erde erholen kann. Ob es tatsächlich so ist, werden wir nie wissen. Einmal mehr gilt es hier dem Wissen der Natur zu vertrauen.

Das Wasser, an dem ich entlanggehe, ist seelenruhig. Nur zwei Schwäne lassen sich auf ihm treiben. Ihre Körper spiegeln sich in der glatten Oberfläche so real, als gäbe es sie zweimal. Immer wenn ich sie sehe, öffnen sie mir ein Tor in eine andere Welt. Schenken mir so nicht nur einen wunderschönen Blick auf ihren Körper, sondern auch auf ihre Seele.

Kurz nach den Schwänen verlasse ich den Weg und tauche tiefer ab in den Wald – dem Zuhause der Bäume. Ich folge einem kleinen Pfad, der auf den ersten Blick kaum sichtbar ist. Egal wie oft ich ihn betrete, immer und immer wieder muss ich mich konzentrieren, Spuren lesen und besonders achtsam sein, um ihn nicht zu übersehen. Er zwingt mich dazu, ganz bei mir zu bleiben und der unsichtbaren Sprache der Natur zu folgen, die mir Schritt für Schritt den richtigen Weg weist. Und gelingt es mir, erreiche ich schon nach kurzer Zeit mein erstes Ziel, einen uralten Baum: dicke Rinde, starke Wurzeln, fester Körper, knorrige Ausstrahlung, ruhige Seele, wunderbare Energie. »Hallo, Buddy«, sage ich zu ihm. An der Natur nicht nur vorbeizugehen, sondern mit ihr zu sprechen und ihr Aufmerksamkeit zu schenken, ist ein Ritual, das mit der Zeit in mir gewachsen ist. Für mich fühlt es sich ganz einfach gut an, dem Leben, das darin wohnt, bewusst zu begegnen.

Entlang des Weges warten noch viele »Buddies« auf mich – manche von ihnen stehen eng beieinander, bilden »Geschwisterbäume«, andere wieder brauchen mehr Platz für sich. Irgendwie ist es bei ihnen so wie bei uns Menschen: Jeder Baum sucht sich den Raum, den er für sich braucht. Sie sind zwar alle ein Teil der selben Natur, haben aber doch auch ihre ganz indviuelle.

Ich liebe es zu beobachten, wie die Sonne die Bäume begrüßt, wie durch ihre Wärme nicht nur sie, sondern auch ich aufwache, und wie die Vögel langsam mehr und mehr aus ihren Nestern kommen. Schlussendlich lande ich auf einer Lichtung mitten im Wald. Der Specht ist dort bereits eifrig am Werk und gibt den Takt vor. Ich schließe meine Augen, atme die gute Energie ein, ziehe meine Schuhe aus und stelle mich barfuß auf die Erde. Der kalte Grund weckt meinen Körper von der Zehenspitze an auf. Zieht mich nach unten, verbindet meinen Körper mit dem Körper der Erde. Meine Füße werden zu Wurzeln, mein Körper zu einem Baumstamm, meine Hände zu Ästen, meine Gedanken, Ideen, Einfälle zu Blättern, die im Wind tanzen und aus mir herauswachsen, um – so wie alles in der Natur – das Leben auf der Erde zu bereichern, als Teil von vielen. Als ein Teil des Kreislaufs des Lebens.

Immer und immer wieder zeigt mir die Natur auf ganz einfache Weise, ohne großes Tamtam, wie verbunden, lebendig und wunderbar das Leben ist, ganz einfach, weil ich es durch sie auch wieder so richtig in mir selbst spüren kann. Wann immer ich draußen in der Natur bin, brauche ich keine Ruhe, sondern bin die Ruhe selbst. Die Vögel werden meine Meditation. Die Bäume meine Ratgeber. Der Wald mein Tempel für Stille. Die Tiere meine Begleiter. Die Natur zu mir: ein Zuhause im Außen, aber auch in mir selbst. Und das Leben ein sichtbarer Ort der Fülle. Ein Tanz, den ich durch die Natur wieder gelernt habe zu tanzen.

Vor drei Jahren noch hätte ich nicht gedacht, welche Kraft die pure Natur hat und was in einem die echte und ehrliche Begegnung mit ihr auslösen kann. Sie höchstpersönlich hat mich daran erinnert, dass alles verbunden ist, dass ich ein Teil dieser Verbindung bin, und mir so unverhofft eine neue Perspektive geschenkt – auf die Welt, aber vor allem auch auf mich selbst. Aber zwischen der einen und der anderen Perspektive liegt eine Reise, auf der ich durch meine eigene Wandlung mehr und mehr erkannt habe: Die Natur ist unsere größte Lehrerin. In ihr finden wir Antworten für uns selbst. Und in uns selbst finden wir Antworten für sie.

Heute bin ich davon überzeugt: Wenn wir wollen, dass sich der Umgang mit der Natur ändert, und wenn wir auch selbst wieder mehr in unser Gleichgewicht finden wollen, dann können wir einen Riesenbeitrag leisten, indem wir bei uns selbst beginnen. Was wir brauchen, ist eine erdige Sicht auf die Welt und uns selbst. Eine Sicht, in der wir uns wieder als Teil der Natur begreifen, uns daran erinnern, dass uns die Erde nicht gehört, sondern dass wir zur Erde dazugehören, und dass es darum geht, gemeinsam mit anderen Lebewesen in die Zukunft zu wachsen. Eine Zukunft, in der wir Seite an Seite mit der Natur stehen, anstatt über ihr. Und eine Zukunft, in der wir auch selbst wieder in Kontakt mit unserer eigenen Natur stehen und das wertvolle Potenzial leben, das darin verborgen ist.

In diesem Buch möchte ich einen Raum für diese Perspektive öffnen. Einen Ort schaffen für all jene, die ebenso wie ich daran glauben, wonach Charles Eisenstein eines seiner Bücher benannt hat: Die schönere Welt, die unser Herz kennt, ist möglich.

Für mich ist diese Welt kein Zufall. Sie ist eine Entscheidung, die tief in unserem Inneren beginnt. Sie ist meine persönliche Perspektive auf die Erde. Hier teile ich, wie ich persönlich den Weg zu ihr gefunden habe, was ich von der Natur für mich selbst gelernt habe und wie sie mir dabei geholfen hat, wieder im Gleichgewicht mit ihr und mir selbst zu stehen.

Eines kann ich jetzt schon verraten: Wer mich auf dieser Reise begleitet hat und mir ganz besonders dabei geholfen hat, ist ein ganz spezieller Baum … und wie ich ihn kenne, freut er sich, wenn er auch dich begleiten darf auf deiner Reise zurück zur Verbindung mit der – eigenen – Natur.

DIE REISE ZURÜCK ZUR VERBINDUNG MIT DER – EIGENEN – NATURODER AUCH: WIE FUNKTIONIERT DIESES BUCH?

REISE MIT MIR AN DEN ORT,

DER IMMER MIT DIR VERBUNDEN IST.

MACH DICH AUF. ERINNERE DICH

AN DAS, WAS DU WIRKLICH BIST.

BIST DU BEREIT? GUT!

WIE AUFREGEND, NICHT WAHR?

»WAS WERDEN WIR

WOHL ALLES ENTDECKEN AM WEG?«,

FRAGT DIE NATUR.

Dieses Buch teilt sich in zehn Etappen auf. Es sind Stationen einer Reise, die du durchqueren kannst. Ein Weg, der sich mit der Zeit erschließt und auf dem du entdecken darfst. Denn ich sehe die Verbindung mit der – eigenen – Natur nicht als etwas, bei dem du einfach den Schalter umlegen kannst, sondern wie die Natur selbst als etwas Lebendiges, Bewegliches und Veränderliches – als etwas, das wächst. Sie ist wie Wurzeln eines Baumes, die mit der Zeit stärker werden.

Genau deshalb sehe ich dieses Buch auch als eine Art Reise, und zwar nicht irgendeine, sondern – inspiriert durch meine Erfahrungen in der Natur Afrikas – als eine Safari.

Das Wort »Safari« bedeutet im ursprünglichen Sinne »Journey« und ist demnach ein Abenteuer, bei dem man morgens aus dem Haus geht, ohne zu wissen, was einen erwartet. Eine Safari ist ein unkalkulierbarer Weg in der Natur, bei dem man Spuren lesen muss, dem Ruf seiner eigenen Natur folgt, Herausforderungen annimmt, mutig bleibt, mit Gefahren rechnet, wachsam ist, von Augenblick zu Augenblick handelt, sich selbst gut kennt und vertraut und akzeptiert, dass es Situationen gibt, die einen an Grenzen bringen, ebenso wie solche, an denen scheinbar überhaupt nichts passiert, an denen man aber dennoch Freude empfindet, weil es genau das ist, worum es geht: lebendig zu sein!

Und keine Sorge: Niemand muss im Dschungel oder in der Wildnis wohnen. Mit Natur verbunden zu sein schließt ein modernes Leben nicht aus. Für mich ist eine Safari kein Urlaub, für den man unbedingt an das andere Ende der Welt reisen muss, sondern ganz im Gegenteil: eine ehrliche, ursprüngliche Art und Weise, sich auf der Erde zu bewegen und sich selbst zu begegnen. Und zwar nicht nur, wenn man weit weg ist von all den Dingen, die im Alltag lauern, sondern genau dort ist, jeden Tag!

Du findest hier also keinen Reisebericht und auch keine Erzählung, sondern kleine Geschichten, Gedanken, Erfahrungen, »Tools« und Inspirationen, die ich in Afrika und danach von der Natur für mich selbst entdeckt habe und die ich hier mit dir teilen kann.

Am Ende jeder Etappe findest du außerdem die Möglichkeit zur Reflexion und ein »Verbunden statt online«-Ritual, das dir in der schnellen Welt dabei helfen kann, bei dir selbst zu sein. Dabei sind Rituale kein spiritueller Hokuspokus, sondern ganz einfach eine sehr alte Methode, ein wunderbares Tool, um mit der eigenen Natur in Verbindung zu stehen. Mir helfen sie immer sehr.

Also, warum auch immer dich dieses Buch gefunden hat, was auch immer du darin finden wirst: Mein Ziel ist es, dich zu inspirieren, in die Wildnis deines eigenen Lebens einzutauchen – und zwar egal, wo in deinem Leben du gerade stehst. Dich selbst auszuwildern, dich einzulassen auf das Abenteuer des Lebens und dich zu ermutigen, an die Kraft deiner eigenen Natur zu glauben. Denn genau diese Urkraft brauchen wir jetzt mehr denn je. Und noch etwas: Wir gehen diesen Weg nie allein, sondern haben stets jemanden an unserer Seite.

Die Baumbegleiter!

Ein altes afrikanisches Sprichwort sagt: »Wenn du schnell gehen willst, gehe allein. Wenn du weit gehen willst, gehe zusammen.« Genau deshalb werden dir in diesem Buch immer wieder Bäume begegnen – ich nenne sie die Baumbegleiter. Baumbegleiter sind Bäume, die ich schon sehr lange kenne, die an den unterschiedlichsten Orten der Erde stehen und die mir in guten, aber auch in schlechten Zeiten geholfen, mich inspiriert oder mir einfach einen Moment der Stille geschenkt haben. Genau das können die Baumbegleiter auch für dich tun.

Bäume sind für mich ein Ort der Ruhe und Kraft. Ein Symbol dafür, wie sehr alles auf der Erde verbunden ist. Ich sehe sie als Spiegel für mich selbst und als einen Ort zum Innehalten, um zu fragen: Wie fest stehe ich auf der Erde? Brauche ich gerade jemanden zum Anlehnen, sollte ich mich selbst wieder mit der Erde verwurzeln? Wie ausgeglichen bin ich? Respektiere ich meine Zyklen – Zyklen der Ruhe und des Blühens? Kann ich die Früchte ernten, die aus mir entstehen? Blühe ich überhaupt, oder halte ich die Kraft des Strahlens in mir zurück?

Immer wenn du in diesem Buch einen Baumbegleiter siehst, besteht die Möglichkeit, einen Moment innezuhalten und wahrzunehmen, dass dieser Baum ein reales Lebewesen auf diesem Planeten ist, der hier seinen wertvollen Platz hat. Er steht irgendwo auf dieser Erde, wo er auf mich getroffen ist, und nun bringe ich seine Energie zu dir. Wenn du möchtest, nutze die Gelegenheit, um durch ihn auch mit deiner Natur verbunden zu sein. Reflektiere über dich selbst, oder wenn du in deinem Leben gerade nicht weiter weißt, stell dir ganz einfach die Frage: »Was würde der Baum jetzt dazu sagen?« Wer weiß, vielleicht wird einer der Bäume – wie bei mir – auch deinen Blick auf dich selbst, die Natur, die Tiere und alle Lebewesen der Erde auf wundersame Weise verändern.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Bäume haben Magie. Und zwar für all jene, die bereit sind, sie zu empfangen!

»NIMM EINEN STIFT.

EIN NOTIZBUCH.

HERZ UND SEELE.

UND SAMMLE DARIN,

WAS DICH FINDEN WILL.

ALL DAS IST TEIL DEINER REISE.UND WÄCHST –

WIE BEI EINEM BAUM –

MIT DIR MIT«,

SAGT DIE NATUR.

Was können wir von einem Baum lernen?

DA STEHT ER. FEST AM BODEN. UNERSCHÜTTERLICH.

DEN STÜRMEN TROTZEND. IMMER WISSEND, WO ER HERKOMMT.

STETS BEREIT ZU BLÜHEN. NIE MÜDE, SEINE KRAFT ZU NUTZEN.

NICHT VERLEGEN, DEN SOMMER ZU GENIESSEN.

DAMIT DIE FRÜCHTE DEN HERBST VERSÜSSEN.

UM ANSCHLIESSEND IM WINTER EINE

WOHLVERDIENTE PAUSE EINZULEGEN.

ER WIRKT, ALS HÄTTE ER DAS LEBEN VERSTANDEN.

»IST ER NICHT GENAU DAMIT DER BESTE LEHRER VON ALLEN?«,

FRAGT DIE NATUR.

Die Natur ist ein riesengroßes Gleichgewicht. Stets versucht sie, die Balance zu halten, und reguliert sich selbst. Kann sie das nicht und gerät aus dem Gleichgewicht, gibt sie Signale. Es sind Hinweise darauf, dass etwas nicht stimmt. Und genauso verhält es sich auch bei der eigenen Natur.

SCHRITT EINS: HÖR AUF DEN RUF DEINER NATUR.

NIMM IHN ERNST. UND GEHE BEWUSST MIT DIR SELBST UM.

In dieser Welt sind wir sehr schnell geworden. Wir sind gut darin, rasche Antworten und kurzfristige Lösungen zu finden, aber wir haben verlernt zuzuhören. Still zu sein. Zu fühlen. Etwas nicht zu wissen. Wir haben verlernt zu fragen, was unsere eigene innere Stimme auf Probleme und Krisen zu sagen hat und mit welchen Signalen sie sich äußert. Dabei wäre genau das die richtige Spur für den eigenen Weg. Denn niemand von uns beginnt ihn damit, sein Ziel zu kennen. Jeder beginnt seinen Weg mit einem kleinen Hinweis. Einem intuitiven Gefühl, einer dubiosen Ahnung, mit etwas, das zeigt, wo man steht und was der nächste Schritt sein könnte. Und manchmal lautet dieser Schritt ganz einfach »Schlafe dich aus«, »Kaufe dieses Buch«, »Rufe diesen Menschen an«, »Frage einen Baum um Rat« oder »Achte auf deinen Körper«.

WENN DIE NATUR RUFT – EGAL WIE ANSTRENGEND IHR RUF SEIN MAG –, SAG: »HI. WELCOME. BON GIORNO. GUTEN MORGEN. CIAO. WIE GEHT’S? WAS MÖCHTEST DU MIR SAGEN?« BLICKE IHR TIEF IN DIE AUGEN. UND LAUSCHE IHREM RAT. SONST WIRD SIE ZUM STURM.

Was ich von der Natur für meine eigene Natur gelernt habe, ist: Wenn alles im Außen laut ist, wenn nichts funktioniert, wenn du den Weg nicht mehr sehen kannst, werde still. So still du kannst. Und hör in dich hinein. Nimm Kontakt zu deiner eigenen Natur auf. Akzeptiere den Status quo. Werte nicht. Lass da sein, was da sein will. Kenne die Lösung nicht. Hab keine Antworten. Lausche einfach. Folge den Hinweisen in dir selbst. Notiere, was dich finden will. Lerne, Gefühle, Probleme, Sehnsüchte genau zu artikulieren. Lerne, dir selbst in der schnellen, rastlosen Welt Aufmerksamkeit zu schenken. Nimm dich ernst. Höre auf, durch den Alltag zu hetzen. Mach kleine Pausen. Atme. Sooft du kannst. Achte bewusst auf deinen Körper, auf die Seele. Und frage dich mindestens einmal pro Tag, wie es dir geht. Und auch, wie es der Natur der Erde geht. Wenn du das machst, wird sie antworten!

MANCHMAL BRAUCHT ES EINEN UNANGENEHMEN RUF, DAMIT DU DIE SPUREN AM WEG INS EIGENE GLEICHGEWICHT WIEDER FINDEN KANNST.

Und sei darauf vorbereitet: Nicht immer wollen wir die Antworten hören, die die Natur für uns hat. Hinter dem Ruf der Natur verbergen sich Antworten, vor denen wir uns schon drücken, Wünsche, die wir nicht leben, Wahrheiten, die wir nicht aussprechen, Dinge, die wir nicht tun. Die Natur legt den Finger in die Wunde, und zwar so sehr, dass es oft schmerzt. Aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Wenn es das tut, ist es meist die heißeste Spur. Die Natur ruft uns nie, weil sie es schlecht mit uns meint, sondern weil sie will, dass wir unseren Weg finden.

für die eigene Natur

WIE SPIEGELT SICH DER UMGANG MIT DER NATUR IM UMGANG MIT DIR SELBST WIDER: DIE NATUR WIRD AUSGEBEUTET – ABER WIE VIEL RESPEKT HAST DU VOR DIR? NATÜRLICHE RESSOURCEN WERDEN ÜBER DIE MASSE VERBRAUCHT – ABER WIE GEHST DU MIT DEINEN EIGENEN RESSOURCEN UM? DIE NATUR MUSS IMMER MEHR FUNKTIONIEREN – ABER WIE SEHR TREIBST DU DICH SELBSTSTÄNDIG AN? DIE NATUR HAT IMMER WENIGER RAUM ZUR ENTFALTUNG – ABER WIE VIEL PLATZ GIBST DU DIR NOCH DAFÜR?

DER ALTE BAOBAB

ODER AUCH: MEIN RUF DER NATUR

»If we don’t listen to the voice of the soul, it sings a stranger tune. If we don’t go looking for what lies beneath the surface of our lives, the soul comes looking for us.«

ELIZABETH Lesser

Meine Sandalen berühren den sandigen Boden. Zwischen meinen Zehen tummeln sich Tausende mikroskopisch kleine Körner, die an der Haut reiben. Die dreckigen Füße fühlen sich herrlich an. So was von herrlich! Warme Luft weht mir um die Ohren, während ich in die endlose Weite starre. Rund um mich ist nur Wildnis. Nichts als Natur in ihrer ursprünglichen Form. Alles wirkt still und trocken. Aber das ist es nicht. Überall verbergen sich unzählige Tiere, die sich vor den heißen Temperaturen verstecken, sich ausruhen und Kraft sammeln für die nächtliche Jagd. Einzig und allein der Mensch, so scheint es, ist bei diesen Temperaturen in der Wildnis unterwegs – und das aus gutem Grund. Mein Ziel ist es, einem sonderbaren Wesen in der afrikanischen Natur zu begegnen – und damit meine ich zu dieser Zeit mit meinem müden »Stadtkörper« mich selbst.

Ich gehe ein paar Schritte über den warmen Sand, bis es nicht mehr weitergeht, hebe meinen Kopf und sehe fast senkrecht nach oben. Vor mir steht ein Baobab, ein Affenbrotbaum. Langsam gehe ich um ihn herum. Betrachte ihn und seine paar Freunde, die den afrikanischen Temperaturen trotzen und auch meinem Körper ausreichend Schatten schenken. Der Stamm eines Affenbrotbaums wird besonders dick und steht in der Landschaft wie ein Monument.

Damals in Botswana, bei meiner ersten Begegnung mit einem Baobab, wird mir auf den ersten Blick klar: Baobabs wirken unerschütterlicher, fester und kraftvoller als alle anderen Bäume, die ich kenne. Sogar Elefanten beispielsweise können den Großteil der Rinde dieses Baumes essen, und dennoch überlebt er, denn seine Aufgabe ist es, ein Fels in der Brandung zu sein. An der Grenze zwischen Mosambik, Simbabwe und Südafrika steht ein besonders altes Exemplar eines Affenbrotbaumes, das ich auf meiner zweiten Reise, rund eineinhalb Jahre später, in Südafrika kennenlernen durfte. Ranger erzählen mir dort, dass die Schätzungen für das Alter dieses Baumes auseinandergehen: Manche meinen, er sei 800 Jahre alt, andere wiederum geben ihm rund 3000 Jahre. Im ältesten Fall also gibt es diesen Baobab in Südafrika mit seiner stillen Weisheit bereits länger auf der Erde, als so manche Religion existiert, und selbst im jüngsten Fall hat er unzählige Epochen der Menschheit begleitet.

Schon in den ersten Minuten zieht mich seine Ausstrahlung in den Bann. Der alte Baobab wirkt auf mich, als könne ihn nichts umwerfen und als würde er auch die nächsten tausend Jahre noch vieles sehen, das jenseits meiner Vorstellungskraft liegt. Ich sehe ihm an, dass er eine ursprüngliche Freiheit, Lebendigkeit und Verbundenheit in sich trägt, die es heute nur noch selten in der Natur gibt. Und genau diese Freiheit und Verbundenheit war auch mir damals, vor meiner ersten Reise nach Afrika, irgendwie verloren gegangen.

Willkommen in der Rastlosigkeit der Zeit

Acht Monate bevor ich auf den alten Baobab traf, fuhr ich mit dem Rad zum Sport. Es war 19 Uhr, und endlich schaffte ich es, mich von meinem Job loszureißen, um ein wenig hinauszukommen. Jeden zweiten Tag begab ich mich in eine Sporthalle, die mir dabei half, meinen Kopf nach einem 16-Stunden-Arbeitstag frei zu bekommen.

Der Wind, die Sonne, der Regen, die Bäume, das Gras, die frische Luft waren damals nur seltene Begleiter in meinem Leben. Stattdessen war der Leistungssport meine Freizeit. Unter ihm verstand ich Erholung und einen notwendigen Schritt, um abzuschalten – meist mit Kopfhörern und lauter Musik.

Zu dieser Zeit war ich erfolgreich. Das bedeutete: Ich verdiente ausreichend Geld, hatte ein gutes Leben, konnte mir alles Mögliche leisten, Urlaube machen, von denen ich immer geträumt hatte, und mir war klar, dass dieses Dasein ein nicht selbstverständliches Privileg war, für das ich hart arbeiten musste. In mir zeigte sich, was in unserer Zeit an Wachstum möglich ist, und so war auch mein Leben irgendwann das perfekte Bild einer jungen Frau in der heutigen Zeit. Ein Musterbeispiel einer leistungsorientierten Generation, der alle Möglichkeiten offenstehen. Die Sache hatte nur leider einen Haken: Wie so viele war auch ich rastlos und irgendwie nie richtig zufrieden damit. Etwas fehlte immer. Was oder warum? Damals mein ewiges Rätsel. Und irgendwie auch ein Rätsel dieser Zeit … nicht wahr?

Zu Beginn dachte ich immer, das Gefühl der Rastlosigkeit läge darin begründet, dass ich vielleicht nicht fähig war zu schätzen, was ich hatte. Ich redete mir ein, dass ich mich nicht beklagen und so anstellen sollte, und so ignorierte ich das Gefühl in mir, das den Sinn in der schnellen Welt irgendwie nicht mehr so ganz erkennen konnte und das sich nach einem einfacheren Dasein sehnte.

Ich nahm es ganz einfach nicht ernst. Ebenso wenig wie die Zeichen, die sich nach und nach in mein Leben schlichen: die eigenartige Laune, die Angespanntheit, die niedrige Energie, die anhaltende Müdigkeit, die mittelmäßige Freude, die versickernde Kreativität, die Anspannung in meinem Körper, weil die Masse der Reize und Informationen nach einem Tag regelmäßig in mir zu explodieren drohte … Ich funktionierte einfach immer weiter, wollte mithalten, alles schaffen, was andere und ich selbst von mir erwarteten, und überspielte, dass sich meine Vorstellung von einem guten Leben allmählich in ein Monster verwandelte, das mich durch den Alltag jagte.

Und vielleicht kennst du es auch von dir selbst, dieses unterschwellige Gefühl der Rastlosigkeit der heutigen Zeit? Fühlst dich eben daran erinnert, dass möglicherweise nicht mehr allzu viel übrig ist von dem, was du einstmals warst: ein neugieriges Kind der Leichtigkeit, das Freude hatte, die Welt zu entdecken? Das hinausgehen wollte in den Wind, in den Regen und ins Wasser. Das Lust hatte zu sein, wie es ist. Und nicht, wie es sollte.

Aufgewachsen bin ich noch ohne Smartphone, ohne E-Mail oder SMS. Um Kontakt mit meinen Freunden zu haben, musste ich einen Treffpunkt vereinbaren und dann auch wirklich vor Ort sein – am liebsten immer schon im Freien. Rein ins Abenteuer – schon als Kind liebte ich dieses Entdecken in der Natur. Die kalte oder warme Luft im Freien. Den ganz ursprünglichen Kontakt mit allem, was es darin zu finden gab. Draußen zu sein, dreckig zu sein war das Schönste für mich. Noch heute erzählt mir meine Oma, dass ich ständig auf Felsen kletterte, als sei es für mich die natürlichste Sache der Welt. So schnell konnte sie meinen kleinen Schritten gar nicht folgen, wie ich bereits in luftiger Höhe war. Ich besaß Neugierde, aber keine Furcht. Alles, was ich wissen wollte, war, wie hoch ich kommen konnte. Meine Schritte setzte ich dabei intuitiv und war dabei mit meinen Sinnen verbunden. Verbunden mit meiner Natur.

Von klein an begleitete mich der Wunsch, irgendwo draußen mein kleines Lager aufzuschlagen und mit dem, was ich in der Natur finden konnte, etwas zu erschaffen. Einen Weg zu finden, selbst wenn es noch keinen gab. Letztendlich ist es genau das, was ich bin, und was wir alle heute zu einem Teil sind: Übergangskinder einer Generation, die neue Wege gegangen ist. Einer Generation des Wandels, die in den letzten 50 Jahren ein unglaubliches Wachstum an den Tag gelegt hat. Und das noch dazu ziemlich rasant: Ich persönlich weiß, wie es ist, keine Bildschirme zu haben. Und ich weiß auch, wie es ist, auf drei zeitgleich zu starren. Ich weiß, wie sich Langeweile anfühlt, aber ich weiß auch, was für ein Gefühl es ist, nicht mehr zu wissen, womit was man als Erstes beginnen soll.

Wir gehören eben nicht nur zu einer Generation der Möglichkeiten, sondern auch zu einer Generation, die immer mehr dafür leisten muss: höher, schneller, weiter, willst du dabei sein, musst du mithalten. Und diese ständige Leistung geht weder an der Natur noch an uns selbst spurlos vorbei – genau das durfte auch ich an meiner eigenen Natur spüren.

Damals nämlich sollte sich das Blatt für mich wenden, denn das eigenartige Gefühl der Rastlosigkeit in mir, das ich ignoriert und übergangen hatte, und das immerwährende Leisten explodierten eines Tages einfach so in Form einer Allergie – bestehend aus roten Punkten – mitten in meinem Gesicht. Und diese zeigten mir von da an jeden Morgen sehr auffällig im Spiegel, dass etwas nicht stimmte, nur dass ich nach wie vor nicht wusste, was das war. Denn nicht einmal in diesem Moment erkannte ich den »Ruf meiner Natur«, so wie ich es heute nenne, und das, was er mir bereits über sehr lange Zeit innerlich zu sagen versuchte. Alles, was ich wollte, war eine schnelle Lösung, damit ich so weitermachen konnte wie bisher. So war ich es gewohnt. So ist es üblich in dieser Welt – egal ob beim Klima, dem Artensterben … oder uns selbst.

Der Ruf des alten Baobabs