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Das Buch der imaginativen Schätze Imaginationen wirken kognitiv, affektiv, körperlich, neurophysiologisch, biochemisch und bis in die Genetik hinein Imaginationen fördern Selbstakzeptanz und Selbstliebe 12 Imaginationen als Audiodateien zum Download Die menschliche Vorstellungskraft zählt zu den stärksten Kräften, die uns zur Verfügung stehen. Auf dieser Grundlage entfalten imaginative Methoden ihre tiefgreifende Wirkung. Dieses Buch vermittelt alles Wesentliche, was Meditierende sowie Therapeut:innen über Imagination wissen sollten – und bietet eine Vielzahl von Imaginationen für unterschiedliche Lebenslagen und Ziele. Anders als reine Fantasiereisen, die oft unverbindlich bleiben, setzen Imaginationen klare innere Prozesse in Gang. Denn echte Veränderung braucht eine klare Intention – eine Ausrichtung, die Herz und Geist verbindet. Je präziser diese innere Ausrichtung, desto wirksamer entfalten sich die selbstregulierenden Kräfte, die Wandlung und Transformation ermöglichen. Lassen Sie sich von der Wirkung verzaubern!
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Seitenzahl: 435
Veröffentlichungsjahr: 2026
Helmut Kuntz
Zaubern im Gehirn
Spirituelle Imaginationen für persönliches Wachstum
Schattauer
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https://www.klett-cotta.de/kuntz-zaubern
Besonderer Hinweis
Die in diesem Buch beschriebenen Methoden sollen psychotherapeutischen Rat und medizinische Behandlung nicht ersetzen. Die vorgestellten Informationen und Anleitungen sind sorgfältig recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen weitergegeben. Dennoch übernehmen Autor und Verlag keinerlei Haftung für Schäden irgendeiner Art, die direkt oder indirekt aus der Anwendung oder Verwertung der Angaben in diesem Buch entstehen. Die Informationen sind für Interessierte für Wachstum und Wandel und zur Weiterbildung gedacht.
Dieses E-Book basiert auf der aktuellen Auflage der Printausgabe zum Zeitpunkt des Erwerbs.
Schattauer
www.schattauer.de
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Gestaltungskonzept: Farnschläder & Mahlstedt, Hamburg
Cover: Bettina Herrmann, Stuttgart
unter Verwendung einer Abbildung von Yunus Cakirca/istock
Gesetzt von Eberl & Koesel Studio, Kempten
Gedruckt und gebunden von CPI – Clausen & Bosse, Leck
Projektmanagement: Dr. Nadja Urbani
ISBN 978-3-608-40218-6
E-Book ISBN 978-3-608-12559-7
PDF-E-Book ISBN 978-3-608-20745-3
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Kapitel 1
Einführung: In Frieden leben. Heile dich selbst und andere durch Wandlungen im eigenen Inneren
Kapitel 2
»Zaubern im Gehirn« – Zur Theorie des Imaginierens ist (fast) alles gesagt
2.1 Die blühenden Landschaften des imaginativen Arbeitens
2.2 Verlockungen auf Abwegen: Imaginationen zur Selbstoptimierung?
Kapitel 3
Die schönsten Gründe, im therapeutischen Kontext mit Imaginationen zu wirken
Kapitel 4
Imaginationen sind für alle da: Keine Angst vor Risiken und Nebenwirkungen
Kapitel 5
Die Praxis lässt grüßen – Hilfestellungen für ein gutes Gelingen
5.1 Grundvoraussetzungen: Ungestörtheit, Ansprache, Haltung
5.2 Vom inneren Sehen: Loslassen falscher Vorstellungen
5.3 Richtig ist, wie es für dich richtig ist
5.4 Körper, Geist und Seele wollen gemeint sein
5.5 Hingabe ist das Zauberwort
5.6 Deine Gegenwärtigkeit im Fluss der Zeit
5.6.1 Alle Zeit ist deine Zeit – 24 Stunden sind ein Tag
5.6.2 Eine spielerische Etüde zum Umgang mit deiner Zeit: Dein Zeitkuchen
Kapitel 6
Die wunderbare Welt der imaginativen und meditativen heilsamen Schätze
6.1 Das Fundament: Selbstannahme und wahrhaftige Selbstliebe
6.1.1 Jeder Tag ist dein Tag
6.1.2 Du existierst deinem Namen nach
6.1.3 Darauf gilt es stets zu achten: Deine Boykotteure sind deine Saboteure
6.1.4 Achte auf deine Intentionen
6.1.5 Übe dich in Dankbarkeit
6.1.6 Du kannst nicht alles tragen: Lass los und wirf Lebensballast ab
6.2 Dem Körper Achtung erweisen
6.2.1 »Handgreiflich«: Deinen Leib als deinen Körper begreifen
6.2.2 Meditativ-imaginativ: Den Körper als Geschenk des Lebens annehmen
6.2.3 Imaginal: Der Lichtkörper als dein zweiter Körper
6.3 Die auf den Leib gerichtete Heilkraft imaginativer Visualisierungen
6.3.1 Das Immunsystem imaginativ befeuern
6.3.2 Zum Glück ist nicht alles der Ernstfall: Kleine, imaginative »Eingriffe«
6.3.3 Physisch-meditativ: Schmerz ausatmen
6.3.4 Heilungsfürbitten für den Ernstfall
6.4 Meditativ-imaginative Übungen für den Geist
6.4.1 Erkenne dich selbst: Liebevolle Bekanntschaft mit einem gnädigen inneren Helfer schließen
6.4.2 Der sichere Wohlfühlort mit hilfreichen Wesen
6.4.3 Du und dein Baum fürs Leben
6.5 Imaginativ-meditative Atemübungen
6.5.1 Der Atem: Das »Fahrzeug« deines Geistes
6.5.2 Dein Atem als Geleit in einen offenen Raum
6.5.3 Den Atem als Geschenk für dein Leben annehmen
6.5.4 Mit dem ganzen Körper atmen: Beschwernis ausleiten
6.6 Von der Kunst des Helfens, oder: Die Hilfsbereitschaft helfender Menschen
6.7 Imaginative Atem-Licht-Meditationen
6.7.1 Die Kunst des Schützens
6.7.2 Deine Sonne im Herzen
6.7.3 Weil du Licht bist, bist du auch Liebe. Und weil du Liebe bist, bist du auch Licht
6.7.4 Eine Wort-Atem-Licht-Imagination
6.7.5 Lebenskraft tanken
6.8 Meditationen zum Spüren des Herzens
6.8.1 Ein kleines Märchen über das Universum deines Herzens
6.8.2 Ankommen im eigenen Herzen
6.9 »Die Nadelspitze der Seele«: Besonders heilsame imaginale Meditationen
6.9.1 Eine transformierende Heilmeditation
6.9.2 Das Licht hinter dem Dunkel
6.9.3 Der Blick durch die Pforte deiner Seele
6.9.4 Erleichterung für Herz und Seele
6.9.5 Eine himmlische Umarmung
6.9.6 Eine heilsame Innere-Kind-Übung
6.10 Der (Regen-)Bogen schließt sich
6.10.1 Zurück zum Atem als »Fahrzeug« deines Geistes
Kapitel 7
Wofür du andere Menschen brauchst …
Kapitel 8
Ein abhängiger Blick in die Jetzt-Zeit und die nahe Zukunft: KI und Imagination
Kapitel 9
Willst du in die Sterne sehen, musst du in den Himmel schauen
Kapitel 10
Nachgereicht – einige Worte zum Imaginalen
Kapitel 11
Ein erlösender Blick in deine Zeitigkeit
Kapitel 12
Imaginiere, meditiere, visualisiere, gehe. Gehe weiter und weiter …
Literaturhinweise
Kontakt zum Autor
Kapitel 1
Ist in deinem Leben alles in Ordnung – so, wie du es wünschst? Oder wünschst du dir die eine oder andere Veränderung? Was fehlt dir am meisten in deinem Leben, was ersehnst du dir? Was bedrückt dich, lastet am ärgsten auf deinen Schultern oder deiner Seele? Falls etwas in deinem Leben eine positive Wandlung erfahren soll, frage dich nicht, was andere dafür tun könnten. Frage dich ganz konsequent: »Was kann ich persönlich aus eigener Kraft dafür tun, mehr von dem zu erhalten, was ich mir am meisten ersehne? Und was kann ich aus eigenem Zutun beitragen, um mich von Bürden, die ich durch mein Leben trage, zu entlasten?« Versuche, ehrlich zu dir zu sein. Schöne nichts – selbst wenn manche Antwort vielleicht mehr Nachdenken oder Nachfühlen mit sich bringen kann, als dir lieb sein mag. Ist alles in Ordnung, stehst du auf der Sonnenseite deines Lebens. Wirft etwas Schatten auf deine Lebenszufriedenheit, gehe Veränderungen an. Hilfreiche Möglichkeiten stehen dir in Hülle und Fülle zur Verfügung. Sie warten bloß darauf, dass du dich ihrer bedienen mögest.
Mit einer diesen Worten ähnlichen Imaginationsübung – symbolisch unterstützt und materiell konkret fassbar durch ein tiefrotes makelloses Herz aus Glas – eröffne ich noch vor jedweder Vorstellungsrunde gerne meine Seminare und Workshops. Da sie (zumindest für den Anfang doch höchst) private Themen berührt, wird diese Übung in aller Stille vollzogen. Sie dient der persönlichen Besinnung, lenkt den Blick und das Empfinden auf die eigenen unerledigten inneren »Baustellen« und offenen Lebenswünsche. Sie verschiebt außerdem den Fokus: weg vom Problem, hin zur Hoffnung auf Veränderung.
Wollen wir ein Problem lösen, tun wir gut daran, uns von ihm zu lösen. Die Problemebene ist niemals die Lösungsebene. Begeben wir uns auf die Bilder- und Vorstellungsebene, um die Macht unseres Geistes zu nutzen, tun sich andere Welten auf – womit wir mitten in der heilsamen Welt von Imaginationen, Meditationen, Intentionen und Visualisierungen angelangt wären.
Treten wir ein in diese Welt voller potenzieller Veränderungen und begegnen wir ihr von Anfang an mit Wundern und Staunen. Im richtigen Sinne verstandene imaginative und meditative Übungen zu unserem eigenen Wohlergehen haben nämlich genau dieses zur Folge: Wir können ihre heilsamen Ergebnisse in einer Haltung des Wunderns und Staunens betrachten und uns dankbar zeigen für die schönen Veränderungen, die sie in unserem Leben anzustoßen vermögen. Imaginationen und Meditationen zu heilenden Zwecken wohnt eine ganz besondere Kraft inne: die Macht deiner Gedanken, inneren Bilder und Visualisierungen.
Weshalb sind Wundern und Staunen wichtig? Damit du ein Gefühl dafür entwickeln kannst, was du selbst – als der Mensch, der du bist – für ein Wunder bist. Im Grunde stehen Wundern und Staunen am Anfang von allem. Sie stehen auch am Übergang dazu, die Welt mittels einer anderen Geisteshaltung zu begreifen. Ist es etwa nicht absolut erstaunlich, dass du als Mensch in all deiner Einzigartigkeit, mit all deinen Eigenheiten auf unserer schönen Erde lebst? Nimmst du das einfach so als selbstverständlich gegeben hin? Oder verwundert dich deine eigene Existenz inmitten von über acht Milliarden weiteren Menschen auf unserem Planeten in stillen Momenten bisweilen noch?
Wieso ausgerechnet du? Wieso ich? Ist es kein Grund für Wundern und Staunen, dass aus einer einzigen ersten befruchteten Zelle dein Leben entstanden ist? Die Wissenschaft ist sich einig: Der Funke, der unser Leben anstößt, ist unser erster Herzschlag. Wer das Leben schätzt, wird sich ehrfürchtig wundern, wie mit einer einzigen Zelle, die sich teilt, eine Entwicklung in Gang gesetzt wird, welche die Ausbildung eines winzigen Herzens zur Folge hat, das mit seinem ersten Schlag ein ganz einzigartiges Leben in Gang setzt. Ist dieser Funke, der das Leben anstößt, auch der Moment, in dem die Seele in den Körper einfährt? Das wissen wir nicht. Solange wir es nicht wissen können, bleibt die Frage folglich offen.
Unstrittig ist die erstaunliche Tatsache, dass du als der Mensch, zu dem du dich entwickelt hast, gerade an irgendeinem Ort, aus welchen Gründen auch immer, dieses Buch voller imaginativer Schätze in den Händen hältst und dabei bist, seine ersten Zeilen über Wundern und Staunen zu lesen. Was musste dafür alles zusammenfinden? Was hat dich dazu bewogen, zu diesem Buch zu greifen? Die einen würden das relativ einfach auf eine »bewusste Entscheidung« zurückführen oder einen »Zufall« nennen. Andere würden zumindest vom »Aufeinandertreffen mehrerer Kausalketten« sprechen. Wieder andere könnten an »Verschränkung« denken wollen. Und noch wieder andere würden »Fügung« oder »Führung« anführen wollen. Wie auch immer: Wichtig im Sinne einer sorgsamen Lebensführung ist, das, worüber wir uns häufig keine Gedanken mehr machen, aus seiner vermeintlichen Selbstverständlichkeit herauszulösen, um unser Leben in einem anderen Geist zu erfassen. Imaginationen oder Meditationen sind dafür ein sehr wirkungsvolles Mittel. Sie können dich zu etwas bewegen: zu inneren Wandlungsprozessen. Gehst du die mögliche Bewegung mit, eröffnen Imaginationen und meditative Techniken dir eine heilsamere, schönere, liebevollere, friedlichere, freudvollere Welt. Die Außenwelt vermögen Imaginationen nicht oder nur wenig zu beeinflussen. Aber deine Innenwelt mag sich mit Wohlbefinden und innerem Frieden füllen, sofern innerer Friede ein Ziel von dir als Mensch ist.
Der Lehrmeister für uns Menschen ist immer das Leben selbst, wollen wir es erfolgreich bewältigen. Wir Menschen können die Lektionen, die das Leben für uns bereithält, auf sehr unterschiedliche Weise verstehen. Um das Leben auf eine möglichst gute Art und Weise zu meistern, gilt es, diese Lehren für unseren Körper, unsere Psyche und unseren Geist fruchtbar zu machen. Doch wie mag das gelingen? Lasse mich bitte zu Anfang ein paar Fragen an dich und zu deinem Leben stellen, um sofort den Blick dafür zu schärfen, wie du imaginative Schätze für dich und dein Leben nutzen kannst – privat wie beruflich.
Du lernst vom Leben, und das Leben lehrt dich. Hast du umgekehrt Einfluss darauf, was du selbst deinen Körper, deine, Psyche, deinen Geist lehren kannst?
Hat das Leben deinen Körper und deinen Geist bereits inneren Frieden gelehrt? War es dir vergönnt, inneren Frieden zu lernen, dort bei dir im Inneren anzukommen, wo du Stille findest? Kannst du von dir aus deinen Körper und Geist emotional inneren Frieden lehren? Wie würde sich das dann wohl anfühlen, was würde es verändern?
Hat das Leben deinen Körper und deinen Geist Mut gelehrt? Kannst du deinen Körper und deinen Geist emotional lehren, voller Mut zu sein? Wie würde sich die Abwesenheit von Angst für dich wohl anfühlen? Was würde sich verändern? Das Leben würde sich verändern. In der Kalibrierung von Gefühlen – also beim Messen und Einstufen, wie hoch oder wie tief Gefühle schwingen1 – steht Mut genau an der entscheidenden Schnittstelle zwischen negativ getönten, dunklen und bedrückenden Gefühlen und den höheren Emotionen, die dem Leben förderlich sind. Kaum jemand hat diese Schnittstelle selbst so eindrücklich erfahren und sein Lebenswerk darauf ausgerichtet, wie David R. Hawkins, Mediziner, Wissenschaftler und in seiner Funktion als Klinikleiter wie Psychiater ausgewiesener Spezialist für die Heilung der aussichtslosesten, »ver-rücktesten« Fälle.
Hat das Leben deinen Körper und deinen Geist Akzeptanz, Wertigkeit und Würde gelehrt? Kannst du deinen Leib und deinen Geist lehren, sich wertvoll zu fühlen? Wie würde sich die Abwesenheit von Selbstzweifeln und Selbstentwertung wohl anfühlen? Was würde das im Leben für dich verändern?
Hat das Leben dich Freiheit gelehrt? Wie würde es sich wohl für dich anfühlen, dich wirklich befreit von Zwängen und Druck zu fühlen?
Hat das Leben dich Vitalität und Lebenskraft gelehrt? Wie würde es sich für dich anfühlen, frei von Lustlosigkeit, Mattigkeit, Erschöpfung zu sein? Was würde das in deinem Leben verändern?
Hat das Leben dich Fülle gelehrt? Wie würde sich das wohl für dich anfühlen, wenn es dir in deinem Leben an nichts für dein Wohlergehen mangeln würde? Was wäre dann anders?
Hat das Leben dich Inspiration und Begeisterung gelehrt? Kannst du deinen Geist und dein Herz Begeisterung lehren? Wie würde sich das für dich anfühlen, von einer Idee erfüllt zu sein, vollauf für etwas zu brennen, einen Plan für dein Leben zu haben?
Hat das Leben deinen Körper und deinen Geist tief empfundene Lebensfreude gelehrt? Wie würde sich das für dich anfühlen, das Leben vollauf zu bejahen, es uneingeschränkt zu lieben? Was würde das verändern?
Hat das Leben deinen Körper und deinen Geist bedingungslose Liebe gelehrt? Kannst du deinen Leib, deinen Geist, dein Herzzentrum bedingungslose Liebe lehren? Wie würde es sich wohl anfühlen, dich völlig frei zu fühlen, wirklich bedingungslos zu lieben; dich durch und durch wertig zu fühlen, etwas zu empfangen? Wie würde das deine Welt verändern?
Hat das Leben dich gelehrt, voller Vertrauen zu sein? Kannst du deinen Leib und deinen Geist Vertrauen lehren? Wie würde sich das wohl anfühlen, im Vertrauen zu leben, dass sich letztlich alles in deinem Leben zum Guten fügen wird?
Hat dich das Leben gelehrt, im Hier und Jetzt zu sein, nicht an der Vergangenheit zu haften und nicht bloß an die Zukunft zu denken? Was würde es für dich und dein Leben, was an deinen Sorgen verändern, ganz im Hier und Jetzt zu sein?
Hat das Leben dich Klarheit gelehrt in dem Sinne, dass Leib, Gehirn, Verstand und Herz kohärent zusammenwirken? Wie würde sich eine Kohärenz von Herz und Verstand wohl anfühlen?
Hat das Leben dich Wandlung und Transformation gelehrt? Kannst du deinen Körper und Geist Wandlung und Transformation lehren? Wie würde es sich wohl für dich anfühlen, frei zu sein von selbst auferlegten Begrenzungen und alten, hinderlichen Glaubenssätzen? Was würde das in deinem Leben verändern?
Falls du beruflich in einem der schönen Bereiche von Helfen und Heilen tätig bist, hat dich das Leben dann das Bewusstsein und die Bewusstheit gelehrt, was es heißt, zu helfen, zu dienen, zu heilen? Kannst du deinem Geist die helle Freude an deinem wertvollen Tun lehren? Ich blende nicht realitätsfern aus, dass Helfen und Heilen manche Beschwernis mit sich bringen. Was du aber in Freude und Liebe tust und gibst, wird erfahrungsgemäß mehrfach vergütet zu dir zurückkommen.
Hat das Leben deinen Körper und deinen Geist das Wundersame und Wunderbare gelehrt? Wie würde sich wohl die innere Freiheit anfühlen, Ungewöhnliches zu tun, über viele Tellerränder zu schauen und die verbleibenden Bande und Ringe um dein Herz zu sprengen? Was würde das wohl an Wundersamem und Wunderbarem in dein Leben bringen?
Und schließlich: Hat das Leben dich sein Mysterium gelehrt? Kannst du staunend vor der Schöpfung stehen, um das Mysterium des Lebens mit seiner unglaublichen Weite, Fülle, Buntfarbigkeit zu bewundern? Hat es dich Spiritualität gelehrt als die Freiheit, die Welt immer wieder aufs Neue in einem weiten und veränderungsfähigen Geist zu durchdringen; sowie als die Bewusstheit, dass auch du von einem hohen Geist durchdrungen bist und bewegt wirst?
Verstehe all diese Fragen an dich und dein Leben als emotionale Proben. Und verstehe sie zudem ausschließlich als Ermunterung und Ermutigung. Falls du eine oder gar mehrere der Fragen nicht voll und ganz dahingehend beantworten kannst, dass dich das Leben die entsprechenden Qualitäten und Emotionen im schönen Sinne gelehrt hat, so ist das mitnichten ein Grund zum Hadern. Dann ist es ein Weckruf: Entscheide dich, ob du diese Qualitäten und Emotionen in dein Leben holen möchtest! Und falls du dich dazu entscheidest, dass du deinen Körper, deinen Geist oder dein Herz etwas davon lehren möchtest, um in den Genuss von innerer Wandlung und Transformation zu kommen, so greife auf den Schatz imaginativer und meditativer heilsamer Methoden und Übungen zu – für dich privat, zu deinem Wohle und Nutzen, um mehr Gesundheit und Lebensfreude anzuziehen. Bist du zudem in einem helfenden und heilenden Beruf tätig, prüfe, welche der obigen Qualitäten und Emotionen du mithilfe imaginativer und meditativer Schätze deinen Klienten oder Patientinnen zu deren Wohl und Nutzen vermitteln kannst. In dem Falle teilt ihr Sinnhaftigkeit wie Freude am schönen Gelingen.
Alle angesprochenen Qualitäten und Emotionen stehen natürlich nicht bloß in einem Spannungsfeld zu unserer eigenen, privaten, durch alte Glaubenssätze und gewohnte Lebensmuster geprägten Innenwelt. Sie stehen ebenso im stetigen Spannungsfeld zu der dich, mich, alle unsere Mitmenschen umgebenden Realität der äußeren Welt. Umgeben vom herrschenden Chaos in der Welt ist die Aufrechterhaltung von Gelassenheit und innerem Frieden eine hohe Kunst. Es stürmt derart vieles an negativen Nachrichten auf uns ein: Spannungen, Konflikte, Kriege überall auf der Welt, Globalisierung, Klimakrise und heraufbeschworene Klimakatastrophe, Extremwetter und Naturereignisse mit nie gesehener Zerstörungskraft, Umweltzerstörung, Artensterben, die Kluft zwischen Arm und Reich, in dieser Weise bislang nicht erlebte Spaltungen der Gesellschaft, Digitalisierung samt »sozialer« Netze voller Drohungen und Hassbotschaften, alltäglicher Rassismus, Sexismus und Fremdenfeindlichkeit, Rechtspopulismus, Neofaschismus, Autokratien, Diktaturen und Angriffe auf Demokratien quer über den Erdball, wirtschaftliche Krisen, Energiekrisen, grassierende Zivilisationskrankheiten, Pandemien, steigende Preise, Bürokratismus und vieles mehr erschweren uns das Aufrechterhalten positiver Gefühle.
Wir Menschen sind aber nun einmal zu Emotionen fähige Wesen: Die schönen sind uns willkommen, die schwierigen eher weniger. Wir kommen nicht umhin, in diesen krisenhaften Zeiten der Extreme eine eigene Positionsbestimmung vorzunehmen, unserem Leben die gewünschte Richtung zu geben und nebenbei immer mal wieder die existenziell ewigen Fragen des Lebens zu umkreisen, die uns mal mehr bewusst sind, dann wieder gänzlich verdrängt werden: »Wer bin ich eigentlich in dieser Welt? Wer möchte ich sein? Führe ich das Leben, das ich mir wünsche?«
Stelle dir einen Moment vor, nein – stelle es dir nicht lebhaft vor, denn Vorstellungen können Realität werden – lasse vielmehr einmal kurz den Gedanken zu, du würdest in einem der nächsten Momente von dieser Erde »abberufen«. Würdest du dein Leben dann als rund bezeichnen? Bedenke, dass rund eine perfekte makellose Form beschreibt. Falls ja, bist du wahrhaftig in einer glücklichen Position. Falls weniger: Was könntest du dazu beitragen, es runder zu gestalten? Zur Erinnerung: Frage dich nicht, was andere dazu beitragen könnten. Frage dich ausschließlich: »Was könnte ich dazu beitragen?«
Persönlich ist mir das »Abberufen-Werden« von der Erde, verbunden mit der Frage, ob mein Leben rund war, vor nicht allzu langer Zeit dichter auf den Leib gerückt, als mir lieb sein konnte. Als ich im September 2024 von einer Sekunde auf die nächste von einem Nahttoderlebnis ereilt wurde, konnte ich noch denken: »Aha, jetzt geschieht etwas ganz Schlimmes. Jetzt stirbst du also.« Und dann stand die Frage vor mir: »Bist du bereit?« Wie so viele Menschen mit einer Nahtoderfahrung es beschreiben, durfte auch ich glücklicherweise noch einmal auf diese Seite des Lebens zurückkehren. Meine Zeit war noch nicht gekommen. Geblieben ist mir die Frage: »Wärest du bereit?«
Kehren wir noch einmal kurz zum Wundern und Staunen zurück. Wer ist dieses Ich, das fragt, was es zum guten Gelingen seines Lebens beitragen könnte? Weißt du wirklich, ich meine wirklich, wer und was du als Mensch auf dieser Erde bist? Oder bewegst du dich in deinem Denken über dich als Mensch in den recht engen Bahnen dessen, was dir bislang über den Menschen erzählt wurde? Du bist nicht bloß, was du denkst zu sein. Du bist wesentlich mehr.
Mache dir einmal ausdrücklich bewusst, dass du in deiner Einzigartigkeit aus etwa 50 000 000 000 000 Zellen bestehst. Weißt du diese Zahl mit ihrer Anzahl von Nullen auf Anhieb richtig zu lesen? Oder verwirrt dich die Anzahl der Nullen einen Augenblick lang, weil du dich erst einmal zu erinnern versuchst, wie viele Nullen im Dezimalsystem für welche Zahlendimension stehen? Es kann auch einen Moment der Orientierung brauchen, weil du die Zahl zwar lesen kannst, aber Mühe hast, ihre Dimension zu erfassen. Du kannst eine hohe Zahl zwar abstrakt denken, aber schwerlich konkret erfassen. Verstehe das Zahlenspiel auch nicht als akademische Spielerei, denn es geht um nichts weniger als um dich und dein Leben.
Zu welchem Augenblick in deinem Leben machst du dir jemals bewusst, dass du als Mensch durchschnittlich aus etwa 50 Billionen Zellen oder mehr bestehst? Ist es kein Anlass zu ehrfürchtigem Staunen, dass du aus solch einer schwer zu ermessenden Anzahl Zellen zusammengesetzt bist, die allesamt kohärent miteinander zu kommunizieren wissen, um zu deinem Wohle die ihnen zugedachte Aufgabe in deinem Geist-Körper-System zu erfüllen? Wir reden von 50 Billionen Zellen, die in Harmonie und Frieden zusammenarbeiten, um dir und deinem Leben zu dienen! Mache es dir an dieser Stelle ausdrücklich bewusst, damit du einen Schritt aus der vermeintlichen Selbstverständlichkeit zurücktreten kannst. Wie gelingt es dieser riesigen Anzahl Zellen, sich miteinander zu verständigen? Ist das ein Ergebnis von Zufällen? Oder steckt da nicht vielmehr eine höhere Form von Intelligenz dahinter?
Persönlich staune ich immer aufs Neue, welches Wunderwerk an Kooperation und Zusammenhalt 50 Billionen einzelne Zellen bewerkstelligen, wohingegen es oftmals nicht mal einer Handvoll Menschen möglich erscheint, in Frieden und Eintracht miteinander auszukommen. Offensichtlich wohnt unseren Zellen eine Intelligenz inne, die die Menschen als Ganzes in ihrem Zusammenleben vermissen lassen.
Die ganz besondere Intelligenz deiner Zellen gewinnt spätestens dann ihre leibhaftige Relevanz für deinen bewussten Alltag, wenn du kraft deiner Gedanken und Vorstellungen – also vermittels hochwirksamer imaginativer Techniken – Versuche unternimmst, dich intentional gerichtet ihrer unglaublichen Intelligenz zu bedienen. Du bewegst dich dann im Innen wie Außen.
Mehr innere Gelassenheit in diesen turbulenten Zeiten, das ist ein Wunsch, den ich wörtlich von vielen Menschen im privaten wie beruflichen Kontext höre, wenn sie ihrem Leben etwas beifügen könnten, das sie aktuell vermissen. Sie meinen damit auch, weniger mit sich selbst, mit anderen, mit dem Außen zu hadern. Größere Gelassenheit bringt mehr Zufriedenheit mit sich, mehr Zufriedenheit zieht mehr inneren Frieden als eines unserer höchsten Güter an. Je tiefer du in dir ruhst, desto weniger abhängig bist du davon, was im Außen geschieht, was andere Menschen tun oder was schlichtweg das Wetter macht. Wie würde deine ganz persönliche Imagination wohl aussehen, in der du eins wirst mit der Gelassenheit?
Mein Ziel als Mensch wie Therapeut lässt sich folgendermaßen in Worte fassen: »Es möge den Menschen gut gehen in ihrem Leben, so gut als möglich.« In all meinen Beratungen, Therapien sowie Seminaren, Workshops und Fortbildungen für Menschen in helfenden und heilenden Berufen war es mir seit jeher eine Herzensangelegenheit, ihnen hilfreiche Instrumente an die Hand zu geben, mit deren eigenverantwortlicher Anwendung sie für steigendes Wohlergehen und inneren Frieden in ihrem Leben sorgen können. Imaginative, meditative und körperorientierte Methoden- und Formenschätze sind zu diesem Zwecke ein unerschöpflicher Quell für schöne Wandlungen im eigenen Leben. Sie stellen uns sämtliche ihrer wunderbaren Kräfte für einen überschaubaren Eigenbeitrag zur Verfügung.
An welches Publikum richten sich die Schätze in diesem »Sesam-öffne-dich-Buch«? Da es mein Wunsch ist, dass es allen Menschen so gut als möglich gehen möge, richte ich mich an jedefrau und jedermann, also an ein breites lesendes Publikum. Da ich mit einem Teil meiner Seele und in meiner beruflichen Identität aber auch Therapeut bin, richte ich mich immer auch an therapeutische Kolleginnen und Kollegen wie Tätige in anderen helfenden und heilenden Berufen. Als Realpersonen sind es allesamt Menschen mit gleichen und ähnlichen Bedürfnissen. Alle wünschen sie sich zutiefst, gesehen, verstanden, geachtet und geliebt zu werden.
Du wirst mit diesem Buch in der Hand rasch bemerken, dass ich mich in meinen imaginativen Angeboten an dich weitgehend der intellektualisierten und bisweilen hoch theoretischen therapeutischen Fachsprache enthalte. Ich enthalte mich ebenso des Zitierens von Sekundärliteratur – selbst dort, wo du auf Namen stoßen wirst, die mit wesentlichen Inhalten des Buches positiv verknüpft sind. Solltest du zu den Menschen gehören, die aber neugierig auf die Quellen sind, schaue ins Literaturverzeichnis. Dort werde ich dir die wichtigsten Quellen zur weiteren Orientierung anbieten. Ich versehe die jeweiligen Namen oder Titel dann im Text mit einem *, sodass du weißt, wann sich der Blick ins Literaturverzeichnis anbietet.
Dein gelebtes bewegtes Leben vollzieht sich nicht in theoretischen Kontexten. Vielmehr bist du leibhaftig mit Haut und Haaren, mit Denken und Fühlen, Bangen und Hoffen in deinen täglichen Lebensvollzug gestellt. Das Leben folgt zuvorderst der Sprache tiefer Emotionen. Ich benutze für dieses imaginative Buch zur schöpferischen Lebensgestaltung aus guten Gründen daher bevorzugt die Sprache des Herzens. Ihr wohnt die Kraft inne, zahlreiche imaginative Veränderungsprozesse zu beflügeln. Ganz hoch oben winkt der innere Frieden. Was würde sich in deinem Leben verändern, würdest du wirklich den inneren Frieden in dir finden und bewahren? Ich werde später bei den Imaginationen zum Spüren des Herzens noch einmal ausführlicher begründen, weshalb es von entschiedenem Vorteil für das Leben ist, den Weg vom Kopf ins Herz zu finden.
Ebenso werde ich dir später im Kapitel »Körper, Geist und Seele wollen gemeint sein« (siehe S. 56) eine Erklärung nachliefern, was es zum einen mit dir als Mensch und zum anderen mit den Inhalten des Buches zu tun hat, dass ich in diesem Buch von den ersten Zeilen an die persönliche, informelle Ansprache gewählt habe und nicht die gewohnte Sie-Form.
Noch eine Vorbemerkung: Politisch korrektes Gendern macht meiner Meinung nach in deutscher Sprache verfasste Texte wenig lesefreundlich. Daher habe ich mich dazu entschieden, mal die weibliche, mal die männliche Form zu benutzen oder auch zu doppeln. Dafür zeichne ausschließlich ich als Autor verantwortlich.
Damit ein Buch das Licht der Welt erblicken kann, müssen Autor und Verlag zusammenfinden. Das muss passen und sich fügen. Ich bin Dr. Nadja Urbani vom Verlag Schattauer von ganzem Herzen dankbar, dass sie in ihrer eigenen Be-Geisterung für ein Brückenbauen das Wagnis eingeht, sich für die spirituellen Inhalte des Buches zu positionieren. Nach Sucht und Spiritualität* ist es bereits das zweite Buch, das wir gemeinsam in schöner Zusammenarbeit auf den Weg bringen. Solltest du am Ende deiner Lektüre zu dem Schluss kommen, dass wir etwas Gutes hervorgebracht haben, schließe dich dem Dank an Nadja Urbani gerne an. Jede Dankbarkeit bringt ein leises schönes Lächeln in die Welt.
Zum Einstieg nun noch eine Prognose: Wie du über Wundern und Staunen denkst, lässt privat und beruflich eine ziemlich verlässliche Prognose darüber zu, wie du mit Imaginationen arbeiten wirst, sofern du ihren unermesslichen Reichtum in dein Leben nehmen möchtest.
Kapitel 2
Zur therapeutischen wie neurobiologischen Theorie des Imaginierens ist fast alles gesagt und geschrieben. Aber eben nur fast – nämlich nur solange wir uns beim Imaginieren im Rahmen der hinlänglich vertrauten Grenzen bewegen. Gestatten wir uns, mit imaginativen Methoden in sämtliche Räume vorzustoßen, die uns gemäß neuem Wissen über die Natur unseres Geistes locken können, gibt es erstaunliches Neues zu entdecken und gilt es, Altbewährtes anzupassen.
Von den Ursprüngen des Imaginierens herkommend, können wir alles wissen über die aktive Imagination nach C. G. Jung. Wir können über die Jung’schen Seelenbilder hinaus in Theorie wie Praxis die Entwicklung imaginativer Techniken bis in die Gegenwart nachverfolgen. Daher Ehre, wem Ehre gebührt: Die Bildersprache der Seele zur systematischen psychotherapeutischen Methode erhoben hat der Göttinger Arzt und Psychoanalytiker Hans Carl Leuner. Sein Verfahren des Katathymen Bilderlebens, auch Symboldrama genannt, ruft über ein ausdifferenziertes Vorgehen Tagträume auf, um emotional eingeschriebene Lebenserfahrungen emotionsnah zu korrigieren und zu heilen. Die heilsamen Bilder wirken grundsätzlich in alle Sinnesmodalitäten hinein. Statt von Katathymer Imaginativer Psychotherapie (KIP) ist heute auch gerne von Psychodynamischer Imaginativer Therapie oder Tiefenpsychologischer Imaginativer Behandlung von Klienten und Patientinnen die Rede. Eine der Pionierinnen des imaginativen Arbeitens ist Luise Reddemann* mit ihrer Psychodynamischen Imaginativen Traumatherapie (PITT). Diese Verfahren bewegen sich allesamt in einem stark strukturierten Rahmen. Er lässt zwar viel Spielraum für Improvisation, geht aber über verfahrensmäßige Grenzen kaum hinaus. Gutes, Hilfreiches entwickelt jedoch gerne eine Eigendynamik, wenn findige, kreative Köpfe sich seiner zum Wohle Dritter bedienen. Imaginative Methoden sind folglich über ihre Anfänge hinausgewachsen. Sie beruhen nicht mehr ausschließlich auf dem Hervorbringen heilsamer Bilder, sondern können auch szenisch inszenierte, emotional korrigierende Handlungsvollzüge beinhalten. Imaginative Standardmotive sowie methodisch spezifische Vorgehensweisen folgen keinem geschlossenen Regelwerk mehr, sondern bilden den Grundstock für kreatives imaginatives Arbeiten durch Ausdifferenzieren, Weiterentwickeln und Neuschöpfen von Bildmotiven, instruierten Imaginationsreisen, imaginativen Meditationen, offenen Atemübungen und konkret angewandten szenischen Verfahren auf imaginativer Basis.
Heute tun wir gut daran, imaginatives Arbeiten sehr weit zu denken und die Brücke zu schlagen zu den jüngsten wissenschaftlichen Forschungsergebnissen über den Menschen und sein Eingebundensein in die Schöpfung seitens unserer Spitzenwissenschaften, etwa der aktuellen Herzforschung, Epigenetik, Neurobiologie, Immunologie, Quantenphysik. Ich lade dich also ein, über die Begrenzungen selbst der prächtigsten Gärten hinauszuschauen. Die imaginative Welt jenseits gut gepflegter Gärten bietet weite blühende Landschaften ohne Einfriedungen.
Die menschliche Vorstellungskraft – gebunden an und befördert durch unseren Geist – ist eine der mächtigsten Kräfte überhaupt. Über sie entfalten imaginative Methoden ihren Zauber. Wir sind allerdings gehalten, uns unmissverständlich darüber zu verständigen, worin diese Kraft besteht. Imaginationen wurden und werden gerne auch als Fantasiereisen bezeichnet. Das habe ich selbst früher auch schon getan. Heutzutage muss ich mich da aber präziser ausdrücken. Unserer Fantasie sind keinerlei Grenzen gesetzt, wenn wir uns etwas vor unserem geistigen Auge ausmalen möchten. Aber reine Fantasien verfügen über keine verändernde Kraft. Eine Fantasie ist zunächst einmal – auch wörtlich aus dem Griechischen übersetzt – nur eine Vorstellung, und als solche für Gehirn und Herz, die Veränderungen anzustoßen vermögen, etwas völlig Offenes, Unverbindliches. Veränderungen brauchen jedoch Verbindlichkeit, sie folgen einem Ziel. Dieses Ziel muss unseren Steuerungssystemen klar sein, also vor allem Herz und Geist. Folglich stellen wir imaginative Vorstellungen unter eine möglichst klare Intention. Je klarer die Intention, desto eher setzen selbstregulierende Kräfte in uns die gewünschten Veränderungen, Wandlungen und Transformationsprozesse in Gang. Wir bedienen uns dafür zwar unserer unbeschränkten Fantasie, unserer Vorstellungskraft, doch ihre intentionalen, gerichteten Kräfte vermögen wie Zauberkraft zu wirken.
Wissenschaftler und Forscherinnen mögen als Privatmenschen durchaus Gefallen finden an poetisch klingenden Beschreibungen wie »Zaubern im Gehirn«. Professionell können sie sich damit verständlicherweise nicht zufriedengeben. Als wissenschaftlich tätige Menschen verfolgen sie ein geistiges Erkenntnisinteresse und sprechen eine andere Sprache. Sie möchten auf allen Gebieten immer möglichst exakte Daten erfassen, um Wissen zu mehren und zu präzisieren. So kooperieren Wissenschaftlerinnen und Forscher aus sämtlichen auf den Menschen bezogenen Disziplinen, um möglichst genau zu ergründen, was in unserem Gehirn geschieht, wenn wir uns unserer Vorstellungskraft bedienen oder meditieren. Das können wir mit spezialisierter Technik exakt anhand von Gehirnscans verfolgen. Wir sehen, welche Aktivitäten sich beispielsweise im limbischen System vollziehen oder welche Rolle dem Frontallappen zukommt. Der frontale Cortex möchte immer Ergebnisse hervorbringen. Aus der bloßen Gehirntätigkeit jedoch auf die ursächlichen Zusammenhänge menschlicher Transformationsprozesse schließen zu wollen, verleitet schnell zu lokalisatorischen Kurzschlüssen. Was können Neurobiologen und Gehirnforscherinnen heutzutage mit bildgebenden Verfahren im Gehirn beobachten, wenn Menschen in tranceartige oder meditative Zustände geraten, wenn sie ihren Geist auf ein Ziel richten oder sich eine Transformation vollzieht? In der Sprache der Wissenschaft könnte es ungefähr auf folgenden Konsens hinauslaufen:
Wenn wir anfangen, unsere Aufmerksamkeit auf Energie und Frequenz, auf die Wellenfunktion der subatomaren Welt zu richten statt auf die Teilchenfunktion, dann ermöglicht dieser Akt der Öffnung unseres Bewusstseins dem Nervensystem, sich auf größere Ordnungsebenen zu begeben und anzupassen. Wenn wir das richtig machen, verändert das Gehirn seine Frequenz. Veränderte Gehirnfrequenzen und Energien informieren die Materie und so wird auf irgendeine Weise unsere Biologie oder unser Körper verändert und transformiert.2
Die Betonung liegt auf »irgendwie«. Auf den Punkt genau vermögen weder die Wissenschaftler, die einem materiell mechanistischen Welt- und Menschenbild anhängen, noch Forscherinnen, die Brücken schlagen zwischen Wissenschaft und Spiritualität, erklären, wie sich spektakuläre Wandlungs-, Transformations- oder Heilungsprozesse im Inneren eines Menschen vollziehen – und wie Gehirn, Geist, Herz und Körper dabei zusammenwirken. Hilfsweise greifen Wissenschaftler und Forscherinnen sämtlicher Disziplinen aber immer häufiger zu Begrifflichkeiten, die bestätigen, dass es zwischen Himmel und Erde viel mehr gibt, als wir uns bislang vorstellen wollten. Formeln wie »unsichtbare Intelligenz«, »Frequenz«, »Energie«, »Schwingung«, »höhere Bewusstheit«, »Informationsfeld«, »Quelle«, »Universum« oder »Multiversum« laufen sämtlich auf den Kompromiss hinaus, dass Geist und Energie in der Lage sind, die Materie zu verändern, sofern wir sie dazu richtig einsetzen.
Ist das für dich hier von Bedeutung? In der abstrakten Sprache des wissenschaftlichen Denkens dann, wenn du die Wissenschaft selbst zumindest in ihren Grundzügen durchdringen und verstehen möchtest. Es scheint auch wichtig zu sein, dass du etwas in richtiger Art und Weise tun sollst, um einen Effekt zu verspüren. Dieses »richtig« soll aber nicht gleich wieder zu einem imaginativen Leistungsdruck führen. Auf jeden Fall ist das bislang Festgehaltene privat und/oder beruflich von Bedeutung für dich, wenn du tatsächlich in einen imaginativen und meditativen Prozess einsteigen möchtest. Menschen, denen es erlaubt war, Heilungs- oder Transformationsprozesse zu erleben, beschreiben diese jedoch niemals in fachlich abstrakter Form, sondern sie schildern ihr Erleben ohne Ausnahme stets überaus körpernah, hoch emotional und in Metaphern:
»Ich spürte die Veränderung überall in meinem Körper.«
»Es fühlt sich an, als wäre mein gesamter Körper mit Licht erfüllt.«
»Ich habe noch nie in meinem Leben eine solche Glückseligkeit und Liebe gespürt.«
»Mein Herz explodiert und leuchtet unendlich hell.«
»Ich hatte das Gefühl, wie mein Kopf regelrecht wegflog.«
»Ich konnte spüren, wie jede einzelne Zelle meines Körpers vibrierte.«
»Ich war in einem ganz anderen Zustand, in einem Nirgendwo-Land.«
»Es war wie Gott schauen.«
Stelle dich also darauf ein, dass du während deiner imaginativen Reisen in körpernahes Erleben, hohe, heilsame Emotionen und dir bislang womöglich nicht ganz vertraute Dimensionen eintauchen kannst.
Beim »irgendwie«-Punkt ringen sämtliche wissenschaftliche Diskurse um Worte. Sie können nicht präziser werden, weil sie das letztliche Mysterium nicht zu erfassen vermögen. Dort, wo wundersame Wandlungs- und Transformationsprozesse sich vollziehen durften, kommt etwas hinzu, was sich wissenschaftlichem Durchdringen entzieht und woran sich jeder wissbegierige Geist stößt.
In Anlehnung an die beflügelnden Worte Jesu – »Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen« – wird verständlich: Es ist nicht eine bloße Fantasie oder eine vorgestellte Handlung und auch nicht das Feuern von Neuronen im Gehirn, die uns aufstehen lassen, sondern ein Glaube steht am Anfang. Glaube klingt nun aber schwer vereinbar mit wissenschaftlichem Denken, jedenfalls sofern wir in den üblichen Polaritäten gefangen bleiben. Treten wir aus dieser Polarität heraus, wird das Glauben leichter. Zuvorderst steht auch nicht unbedingt ein religiös gebundener Glaube, sondern das Vertrauen in die Kraft unserer Vorstellungen, präziser: der Glaube an die intentionale Kraft des Geistes, an die Macht unserer Gedanken, die sich aber verbinden mit einer höheren Intelligenz oder Kraft. Es braucht weiter einen Glauben daran, dass wir etwas empfangen dürfen. Solange wir nicht zumindest einen ausreichenden Mindestglauben in uns verspüren, dass uns etwas Gutes, Heilsames widerfahren darf, braucht es zu Anfang hilfreiche imaginative Übungen, die ein Mindestmaß an Selbstannahme und Eigenliebe in uns wachsen lassen können. Das Wunderbare an der unbegrenzten Vielfalt imaginativer Möglichkeiten ist, dass sie keinen einzigen Menschen im Stich lassen. Es wäre nicht bloß fatal, sondern eine menschliche Ungeheuerlichkeit, wenn jenen, die sich ausgesprochen unwert fühlen, nicht geholfen werden könnte. Imaginationen stehen allen Menschen offen. Über die Macht unserer Gedanken wohnt ihren Einsatzmöglichkeiten eine nahezu unbegrenzte heilsame Kraft inne. Imaginative Methoden wirken allerdings nicht einfach magisch, ohne ein eigenes Zutun. Sie können nur so wunderbar wirken, weil wir sie in unserer Vorstellung mit einer gezielten Intention für unser Leben aussenden.
Neuestes wissenschaftliches Forschungswissen über den Menschen und sein Eingebundensein in die Schöpfung legt uns nahe, viel weiter zu denken, als wir das noch vor wenigen Jahrzehnten getan haben. Bildlich gesprochen tun wir gut daran, unser Denken über alle gewohnten Tellerränder sich ausdehnen zu lassen, wollen wir uns nicht selbst im Wege stehen. Auch das therapeutische imaginative Arbeiten dürfen wir neu – im Sinne von viel, viel weiter – denken. Wir haben die Wahl: Wir können am strukturierten imaginativen Arbeiten der letzten Jahrzehnte festhalten oder den Quantensprüngen unserer Spitzenwissenschaften mit unseren imaginativen Vorstellungen folgen und über Grenzen hinweg in bislang ungeahnte Weiten und Räume vordringen, die uns wieder das Wundern und Staunen lehren.
Was meine ich hier mit Spitzenwissenschaften? Ganz einfach: Ich meine diejenigen Wissenschaftler, Pionierinnen, genialen Köpfe, die über das beharrende materiell-mechanistische Welt- und Menschenbild hinausdenken, Brücken bauen und den Spalt zwischen Wissenschaftlichkeit, Spiritualität und Mysterien zu schließen bemüht sind, indem sie neues Wissen erschließen. Folgen wir also den Spitzenköpfen der Neurowissenschaften in unseren mind – in das Wunderwerk unseres menschlichen Gehirns. Warum wir hier den englischen Begriff verwenden? Weil er viel mehr umfasst als das deutsche Pendant Geist, unter anderem nämlich: Sinn, Gemüt, Herz, Seele, Verstand, Gesinnung, Meinung, Gedanken, Ansicht, Neigung, Verlangen, Wille, Absicht und Vorhaben. Mit mind bezeichnen wir die grenzenlose Kraft unseres Geistes, einschließlich seiner Fähigkeit, zu glauben. Gemeint ist weit mehr als unser physisches Gehirn mit seinen Verschaltungen und Verdrahtungen, seinen neurophysiologischen und biochemischen Funktionen.
Folgen wir den Spitzenköpfen der Herzforschung in das Zentrum unseres Herzens, um uns mit der ihm eigenen Herzintelligenz zu verbinden und um uns das wundersame Wissen über die Herzkohärenz dienlich zu machen. Folgen wir den am weitesten denkenden Köpfen der Genforschung und Epigenetik mitten hinein in unsere eigene hochkomplexe genetische Innenwelt und unsere ganz private Genexpression. Folgen wir den Spitzenköpfen der Stammzellen- und weiteren Zellforschung mitten hinein in die Wunderwelt der zellulären Vorgänge in unserem eigenen Körper. Folgen wir dem Genius der führenden Wissenschaftler und Pionierinnen der Quantenmechanik und -forschung in die zwar erklärbaren, für das menschliche Bewusstsein aber kaum erfassbaren Zusammenhänge zwischen Materie, Energie, Raum, Zeit und Geist.
Die Quantenphysik erklärt uns, dass wir stark mit der Welt verbunden sind, die über unseren physischen Körper hinausweist. Die Kontroverse dreht sich nicht mehr darum, ob wir verbunden sind, sondern in welchem Maße wir verbunden sind und zu welch höherem Zweck. Darüber landen wir dann erneut inmitten der Tiefen unseres eigenen Geistes. Folgen wir den Spitzenköpfen aus Astronomie und Astrophysik in die unendlichen Tiefen und die sich Schritt für Schritt lüftenden Geheimnisse des Universums, die darauf verweisen, dass wir als Menschen mit etwas weit Größerem verbunden sind. Das führt uns zu der Frage, wie sich das Universum in uns Menschen spiegelt und wie wir unsere »Winzigkeit« als Mensch im Großen und Ganzen verorten. Im Kern durchdringen unsere vornehmsten Wissenschaften die Objekte ihres Forschens immer weiter in einem neuen Geist, weshalb sich die lange Zeit unvereinbar gedachte Kluft zwischen Wissenschaft und Spiritualität verringert.
Noch einmal: Weshalb ist hier die Rede von »Spitzen«? Durchschnittlich hängt der wissenschaftliche Mainstream den Erkenntnissen der Spitzenwissenschaften etwa 20 Jahre hinterher. Leider gilt das auch für die Medizin. Wenn die führenden Köpfe kooperieren, statt zu konkurrieren und ihr Wissen zum Wohle der Menschen zusammenführen, entsteht bislang nicht Gedachtes. Daraus erwächst neues Heilsames. Für Medizin und Psychotherapie tun sich neue Welten auf. Das lässt sich unter anderem an Wortneuschöpfungen ablesen, die lange Zeit Getrenntes oder nebeneinander Existierendes zu einem Größeren verbinden. Wesentliche Disziplinen unserer vornehmsten Spitzenwissenschaften, die der Gesundheit des Menschen dienen, finden zusammen in der PsychoNeuroImmunoKardiologie. In der Verschränkung mit der Quantenmechanik wissen sie um die größeren Zusammenhänge von materieller und feinstofflicher, geistiger Welt. Allein diese neue Bezeichnung für einen wichtigen Zweig unserer Wissenschaften macht Mut: PsychoNeuroImmunoKardiologie. Da forschen mit weitem Geist und offenem Herzen die klügsten Köpfe und führen zusammen, was zusammengehört: Psyche und Seele (Psychologie), Geist und Gehirn (Neurologie), grobstofflicher Körper und lichter Leib (Zell- und Genforschung) und als Krönung kommt das feinstoffliche mystische Herz (Kardiologie) hinzu.
Der Kopf könnte uns schwirren, das Herz als Taktgeber unseres Lebens wird dagegen eher wissend lächeln angesichts dessen, wie die aktuelle Spitzenwissenschaft überholte Welt- und Menschenbilder zurechtrückt. Die Astrophysik hat sich – ob der noch nie da gewesenen Bilder, die ein durch den menschlichen Geist geschaffenes technisches Wunderwerk, das James-Webb-Weltraumteleskop, liefert – zu einer Äußerung veranlasst gesehen, die uns zu denken geben darf: »Bei allem, was wir aus diesen Bildern herauslesen, können wir nur zu einem Schluss kommen: Das Universum denkt.«3 Deepak Chopra* ist überzeugt: »Das Universum lebt und ist bewusst.«4 Der nächste Schritt wird vermutlich sein, dass die Astrophysik sich zu der Erkenntnis vorwagt: »Das Universum liebt.«
Das Universum denkt also, es verfolgt einen intelligenten Plan, der wiederum eine Intention ausdrückt. Wenn dem so ist und wir als Menschen am Universum teilhaben, tun wir gut daran, sorgsam auf unsere eigenen Intentionen zu achten. Bei deren Erforschung und Präzisierung können uns imaginative Methoden beachtliche Dienste leisten. Es ist zu unserer Erleichterung nicht einmal erforderlich, dass wir uns in jeder speziellen wissenschaftlichen Disziplin, die den Menschen und sein Eingebundensein in die Schöpfung ins Visier nimmt, gründlich auskennen. Wir wären komplett überfordert.
Falls dich dein Wissensdurst oder angefachter Forscherdrang allerdings motiviert, dich mit neuem Wissen zum Menschen zu sättigen, lasse dich von deiner Intuition leiten und wähle aus, worein du dich vertiefen willst. Im Zusammenhang mit wesentlichen Inhalten des Buches werde ich immer mal wieder den einen oder anderen Namen erwähnen, zu dem du dann, wie erwähnt, im Literaturverzeichnis weiterführende Quellen wiederfindest. Verstehe die Namen als geeignete Hinweise für ein Vertiefen in unsere Spitzenwissenschaften, samt Vorschlägen, von der Theorie zur Praxis der Macht der Gedanken zu gelangen. Wundern und Staunen sind garantiert.
Du kannst eine ganze Weile mit Aufsaugen und Lesen beschäftigt sein und enorme Bereicherung erfahren. Dein Risiko besteht darin, dass dir das begierige Aufsaugen von Wissen die Zeit zum Praktizieren all deiner heilsamen imaginativen Übungen zu sehr schmälert. Gedenke gelegentlich deiner eigenen inneren Saboteure. Gehörst du zu den Menschen, die sich gut mit den inneren Stimmen der Vermeidung auskennen, kommt dir ein Ansammeln von Wissen für die »Kopfetage« vielleicht gerade recht. Dann brauchst du nicht ins aktive Tun zu kommen, um Neues leibhaftig-seelisch zu erfahren; oder um über Erfahrungen eine innere Skepsis bezüglich manch imaginativer Angebote loszulassen. Eine gesunde Portion Skepsis ist nicht von Nachteil. Ist aber die Wirksamkeit der Macht unseres Geistes längst unter Beweis gestellt, ist es ein Zeichen rationaler wie emotionaler Klugheit, Skepsis in Vertrauen zu wandeln.
Da wir unmöglich in allem gleichermaßen bewandert sein können, reicht es für unser Vertrauen in unser Tun völlig aus, wenn wir über die wichtigsten Grundzüge der Materie orientiert sind. So können wir wissen, was wir tun, wenn wir wirkmächtige imaginative Methoden zum Einsatz bringen, die das Potenzial in sich tragen, über die Kraft unseres Geistes unsere Selbstheilungskräfte in einem so hohen Maße zu aktivieren, dass sie ihren Abdruck in unserer Genetik hinterlassen können. Unsere Vorstellungskraft samt Anschluss an eine höhere Intelligenz ist das mächtigste Instrument, das wir präventiv wie kurativ zur Bewahrung oder Wiederherstellung von Wohlergehen, Gesundheit und innerem Frieden zur Verfügung haben.
Die Therapieforschung sowie für Veränderungen offene Therapeuten und Therapeutinnen greifen längst auf etliche dieser Erkenntnisse unserer Spitzenwissenschaften zu und haben sie sich über angewandte Therapieverfahren zu eigen gemacht. Neuro-Feedback, Bio-Feedback, Bio-Balance oder Herz-Kohärenz- beziehungsweise HeartMath-Training, Behutsame Trauma-Integration (TRIMB), Somatic Experiencing, Zapchen Somatics, Pesso-Boyden-System-Psychomotor (PBSP), EMDR und Klopfen, Lebensintegrationsprozess (LIP), spirituell orientierte Therapie und viele weitere Methoden sind beispielsweise Ergebnisse neueren integrativen Denkens.
Zeigen wir uns offen wie geistig beweglich genug, uns privat wie beruflich von dem Platz aus, an dem wir gerade in unserem Leben und in der Welt stehen, einem neuen, erweiterten Denken zu öffnen, hat das einen unmittelbaren Nutzen für unsere eigene körperliche, geistige und seelische Gesundheit. Es hat auch weitreichende Auswirkungen darauf, was wir künftig unter imaginativen wie meditativen Methoden und Strategien verstehen wollen. Weiten wir unser Denken, gehen wir über bisherige imaginative Standards hinaus. Wir geben diese nicht auf, soweit sie uns bei aktuellen persönlichen Schwierigkeiten weiterhin hilfreich sein können oder sofern sie im beruflichen Kontext aktuellen Klienten oder Patientinnen einen nächsten Entwicklungs- und Veränderungsschritt ermöglichen. Wir lassen uns weit darüber hinaus allerdings begeistern von bislang nicht oder eher zögerlich angewandten imaginativen Angeboten. Sie bilden die Schwelle zu Bewusstseins- wie Bewusstheitszuständen voll innerem Frieden, in denen wir uns »angetippt« fühlen könnten von etwas Größerem, in das wir eingebunden sind. Es ist uns unmöglich, uns auf Dauer imaginativ-meditativer Atemübungen zum eigenen Wohlergehen zu bedienen, ohne über kurz oder lang an den Punkt zu gelangen, an dem wir zweifelsfrei wahrnehmen, dass wir mit unserer Praxis an etwas Größeres rühren, als das, was wir für uns allein sind. Lassen wir es geschehen, können wir eintauchen in magisch anmutende Momente, in denen es uns an nichts mangelt. Mag sein, wir spüren auch so etwas wie einen »magischen Touch«, eine mystisch-spirituelle Berührung. Nicht selten überraschen Klienten oder Patientinnen ihre Therapeuten oder Behandlerinnen, indem sie ihnen in der Offenheit für weitreichende imaginative Übungen samt entsprechender »Berührungen« innerlich weit voraus sind.
Noch einmal: Heilsame Imaginationen sind keine Fantasiereisen. Sie beruhen auf der Macht unserer Gedanken und Visualisierungen, die wir mit einer Intention verknüpfen. Sie wirken kognitiv, affektiv, körperlich, neurophysiologisch, biochemisch und im Idealfall bis in die Genetik hinein, um solche nachvollziehbaren »Schubladen« zu gebrauchen. Gerald Hüther*, einer der klügsten deutschen Köpfe, glaubt als Hirnforscher fest an Die Macht der inneren Bilder. Weil innere Bilder, verstanden als die Kraft unserer Vorstellungen, so mächtig zu wirken vermögen, kommt es auf die Qualität und Gestimmtheit dieser uns prägenden Bilder an. Unsere Vorstellungen wirken mit gleicher Kraft in jene Richtung, die wir ihnen über unsere Gedanken und unsere Intention vorgeben. Dieser Tatsache eingedenk, hüten, achten und pflegen wir unsere Gedanken.
Durch ihre angesammelten Lebenseindrücke sind Menschen ganz unterschiedlich »gestimmt«. Wer kennt sie nicht, die typischen Schwarzmaler und Pessimistinnen? Grau, schwarz oder niederschmetternd pessimistisch gestaltete Gedanken und Vorstellungen schaffen ihre entsprechende Realität und bestärken in Dauerschleife die Negation. Manche Menschen sind derart von einer Lebensverneinung eingenommen, dass sie ständig mit »Verschrecklichen« und »Katastrophieren« beschäftigt sind. Unablässige schlechte Nachrichten sowie die Flut grausamer Bilder und Bedrohungsszenarien in der Außenwelt zementieren solche Denkmuster fester und fester. Dazu gesellt sich die Resonanz: Wir ziehen durch die Kraft unserer Vorstellungen an, was wir aussenden. Helle imaginative Übungen können Menschen im Modus des »Verschrecklichens« regelrecht dehypnotisieren und sie in höhere Gefilde geleiten. Halten wir uns vorwiegend in den Regionen hoch schwingender Emotionen wie Vertrauen, Freude, Bereitwilligkeit, Dankbarkeit, Mitgefühl, Liebe, Frieden auf, sind wir durch und durch anders gestimmt. Unsere Vorstellungen und Gedanken senden die Qualitäten höherer Emotionen aus, sie hinterlassen bei Dritten, auf die sie treffen, ihren Abdruck, und wir ziehen Ähnliches oder Gleiches wieder an.
Beim privaten oder beruflichen Einsatz imaginativer Methoden sind wir folglich dazu angehalten, sorgfältigst auf die Farben, Tönungen, Motive und emotionalen Besetzungen der von uns verwendeten imaginativen Vorstellungen zu achten. Positiv gestimmte imaginative Vorstellungen, Visualisierungen, klare Intentionen oder Affirmationen können unsere Kognitionen, Gedanken, Glaubenssätze und Emotionen stärker und stärker Richtung Selbst- und Lebensbejahung verändern. Über die Wirkung auf Kognitionen, Gedanken, Glaubenssätze und Emotionen hinausreichend, vermögen die Kräfte unserer Vorstellungen tief ins leibliche Selbst hineinzuwirken und vielfältige körperlich gesteuerte Vorgänge zu beeinflussen. Sie können in unsere Biochemie eingreifen, und wenn es uns geschenkt ist, können wir mit ihrer Hilfe sogar in den Verlauf von Krankheiten regulierend eingreifen.
An all dem rege beteiligt ist unsere Gehirntätigkeit, auf die wir mit Imaginationen unmittelbar Einfluss nehmen können. Wir wissen schon länger, dass lebhaftes Imaginieren, Visualisieren und Intentionieren die gleichen neuronalen Netzwerke aktiviert wie das vorgestellte Handlungsgeschehen in realiter. Wir wissen zudem um die Macht unseres Geistes: Mit dem lebhaften Einsatz von imaginativen Methoden, Visualisierungen und stimmigen Intentionen klopfen wir an unsere genetische Tür. Die Kraft unserer intentionalen Gedanken trägt das Potenzial in sich, schmerzhafte oder traumatische Lebenserfahrungen, die sich in unsere DNA eingebrannt haben, korrigierend zu überschreiben. Darüber kann der genetische Ausdruck alter Glaubensätze oder traumatischen Erlebens abgeschaltet werden zugunsten einer veränderten gesünderen Genexpression. Das verlangt aber unsere beharrliche aktive und fokussierte Eigenbeteiligung. Wir kommen nicht umhin, eine gewisse Trägheit zu überwinden, mit der wir uns selbst im Weg stehen können. Eine solche gute Selbstfürsorge bedeutet aber auch, manch unangenehme Arbeit auf uns nehmen zu müssen, wenn wir uns als Menschen entwickeln möchten. Wir entzünden dann ein Licht in manchen dunklen Räumen. Und wir nutzen die uns innewohnende geistige Kreativität, um unsere Lebensgeschicke zu gestalten. Schöpferische Kreativität ist das Gegenteil von Karma, Passivität oder Resignation.
Der bereits erwähnte Neurobiologe Gerald Hüther*, ein Forscher mit viel Herz und einem bewundernswerten Humor, hat es in einem seiner zahlreichen Videos auf den Punkt gebracht: »Das Wissen ist nicht mehr unser Problem. Das Umsetzen und Anwenden schon.« Damit möchte er Menschen unablässig ermutigen, vom Warten ins Tun zu kommen. Eigentlich ist die Entfaltung unseres menschlichen Potenzials der natürlichste Prozess. Eigentlich, denn wir Menschen sind mittlerweile gut darin, ihn zu blockieren. Imaginative Methoden regen uns hingegen an, unsere hausgemachten Blockaden, die Bande und Ringe um unser Herz oder die Begrenzungen im Denken zu lockern.
Aufgrund unserer gewohnten Denkmuster kann uns bereits die Frage Schwierigkeiten bereiten, was wir über unseren Geist Ungewohntes dazu beitragen sollen, damit imaginative Intentionen ihre volle Wirkung entfalten können. Wenden wir imaginative Vorstellungen zu Selbstheilungszwecken oder zur Heilung Dritter an, ist das Ziel in der Regel die Heilung eines psychischen Schmerzes oder die Linderung beziehungsweise Heilung eines körperlichen Leidens. War lange Jahre die Traumatherapie eine Domäne des imaginativen Arbeitens, ist es das Anstreben leiblich-körperlicher Genesungsprozesse inzwischen nicht minder. Unserem Geist wird folgende Formel nahegelegt:
Formuliere eine klare Intention als deine Absicht. Warte nicht auf Heilung in einer unbestimmten näheren Zukunft, sondern nimm die Schmerzlinderung oder Heilung in deiner Vorstellung vorweg. Tue so, als ob das Ereignis bereits stattgefunden hat. Der veränderte Zustand von Genesung ist bereits Realität. Stelle dir das mit der Kraft deiner Gedanken unverrückbar vor. Es ist bereits geschehen.
Da das Ergebnis bereits eingetreten ist, kannst du dich umgehend dafür dankbar zeigen. Möglicherweise taucht auch schon die Freude darüber in dir auf. Vielleicht darfst du als »überirdische« Hilfe in die Liebe zu etwas Größerem eintauchen, in das du mit deinem Geist eingebunden bist.
Dankbarkeit, Freude, Liebe, Frieden als hoch schwingende Emotionen sind geeignet, niedriger schwingende Emotionen wie Angst, Mutlosigkeit, Hader zu umgehen und zu überschreiben. Es klingt fremd, mit der Macht unseres Geistes ein Ereignis vorwegzunehmen, das noch nicht wirklich stattgefunden hat. Doch für die Wirkung des empfohlenen Vorgehens scheint es unerlässlich. Aus wissenschaftlicher Sicht – etwa seitens der PsychoNeuroKardiologie, der Intentionsforschung oder der Erforschung hoch schwingender Emotionen, der David R. Hawkins* einen Großteil seines Lebenswerks gewidmet hat – dockt unser Geist damit an ein Quantenmodell an, in dem eine Erfahrung hervorgerufen wird. Um zu dem vorgestellten Ergebnis zu gelangen, wird die intentionale Vorstellung innerlich immer wieder aufgerufen. Das verlangt uns eine konzentrierte Fokussierung darauf ab. Ist das Ergebnis Linderung oder Heilung, ist alle Mühe beim Aufrechterhalten von Konzentration vergessen.
Es gibt mittlerweile reihenweise Zeugnisse von Menschen, die sich auf diese imaginative Weise ihrer Vorstellungskräfte bedient haben und eine signifikante Veränderung in ihrem Leben oder sogar Heilung von lebensbedrohlichen Krankheiten erfahren durften. Da die herkömmliche Medizin der integrativen Spitzenmedizin in der Verschränkung von Kardiologie, Neurologie und Psychologie, Epigenetik und immunologischer Zellforschung etwa 20 Jahre hinterherhinkt, bleiben ihr unglaubliche Spontanheilungen oder Remissionen ein Rätsel – während sie sofort erklärbar sind, wenn wir unseren Geist aufsteigen lassen zu höherem gesichertem Wissen.
