Zeiten des Zeichnens - Yadegar Asisi - E-Book

Zeiten des Zeichnens E-Book

Yadegar Asisi

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Beschreibung

Warum wir alle zeichnen sollten? Yadegar Asisi zeigt es dir Yadegar Asisi ist weltweit als der erste und einzige Schöpfer monumentaler Panoramabilder bekannt. Nun legt der Künstler, Architekt und Professor ein Buch mit einer klaren Vision vor: Zeichnen soll wie Lesen, Schreiben und Rechnen ein selbstverständlicher Teil unseres Alltags sein. Für Asisi ist Zeichnen dabei zuallererst ein Handwerk und keine Kunst – ein erlernbares, unverzichtbares Werkzeug, das unsere Wahrnehmung schärft und unseren Alltag bereichert. In seinem leidenschaftlichen Appell zeigt er, warum jede und jeder zeichnen sollte – unabhängig von Vorkenntnissen oder Talent. Dabei wirft er auch die Frage nach dem Bildungskanon von morgen auf. Denn in einer Zeit, in der wir uns auf Technologie verlassen, glaubt Asisi fest daran, dass Zeichnen uns hilft, wieder bewusster zu sehen und zu fühlen. Anstatt unsere Umgebung wie eine Kamera nur abzubilden, inhalieren wir den Raum, den wir zeichnen – erleben und verstehen ihn neu und anders. Asisi nimmt uns mit auf eine Reise in drei Kapiteln: Die Geschichte des Zeichnens – Asisi sucht das Zeichnen in der Geschichte der Menschheit und zeigt uns, wie es unsere Welt und unsere Kultur grundlegend verändert hat. Persönliche Einblicke. Wir erleben, wie das Zeichnen auch Asisis eigenen Lebensweg beeinflusst. Wie es ihn zum Architekten und Künstler gemacht hat und was mit uns und unserem Leben zu tun hat. Die praktische Werkzeugkiste – Asisis bringt Jahrzehnte von Erfahrung und Lehre kurz, bündig und nachvollziehbar auf den Punkt. Er erklärt die Grundlagen der Perspektive, die der Schlüssel zum Zeichnen von Raum ist. Sechs einfache Tricks helfen zusätzlich dabei, einfach anzufangen und schnell erste Erfolge zu erleben. Yadegar Asisis Vision ist es, dass Zeichnen für jede und jeden zu einer Alltagskompetenz wird – um sich visuell auszudrücken, Gedanken zu sortieren und die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mit praktischen Übungen und einem begleitenden YouTube-Kanal zeigt Asisi, wie einfach und befriedigend es sein kann, den Stift in die Hand zu nehmen und loszulegen. Er motiviert dich, dran zu bleiben, kleine Schritte zu machen und das Zeichnen zu einer selbstverständlichen Fähigkeit werden zu lassen. In diesem Buch geht es nicht um Kunst. Es ist ein Aufruf, das Zeichnen in unser tägliches Leben zu integrieren – ein Handwerk, das jede und jeder lernen kann. Asisis Leidenschaft ist ansteckend. Lass dich davon mitreißen und erlebe, wie das Zeichnen auch ein bereichernder Teil deines Lebens werden kann.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 352

Veröffentlichungsjahr: 2024

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© Yadegar Asisi

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung bedarf der ausschließlichen Zustimmung des Autors. Dies gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Verwertung, Übersetzung und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind

im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

[email protected]

ISBN Hardcover: 978-3-96967-487-1

ISBN eBook: 978-3-96967-486-4

Originale Erstausgabe 2024

© by Eulogia Verlags GmbH

Eulogia Verlags GmbH

Gerhofstraße 1–3

20354 Hamburg

Studio asisi

Oranienplatz 2

10999 Berlin

Text: Yadegar Asisi, Julia Trachternach

Lektorat: Sandra Pichler

Satz und Layout: Tomasz De˛bowski

Covergestaltung: Denise Lüderitz / Studio asisi

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung, auch auszugsweise,

nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Wie benutze ich dieses Buch?

Zeichnen. Eine Definition

01. ZEITEN DES ZEICHNENS

Vorzeit

Antike

Mittelalter

Explosion

Der gezeichnete Reisebericht

Architektur

Ingenieurwesen

Anatomie

Zu guter Letzt: Keine Kunst

02. MEINE ZEITEN DES ZEICHNENS

Kurzvita Yadegar Asisi

Urzeit – Frühe Kindheit

Kindheit – Antike und Mittelalter

Jugend – Explosion

Reisebericht

Architektur

Kunst

Anatomie

Mein Ergebnis

Zu guter Letzt: Das gute Zeichnen

03. WERKZEUGKISTE

Meine These

Die Erfindung

Das Gesetz

Das Skizzenbuch

Sehhilfen

1. Der Rahmen

2. Das Messen

3. Die Tiefenlinien

4. Die Restflächen

5. Die Generaltöne

6. Das wissende Sehen

Zu guter Letzt: Das Bild

Meine Top 7 Zeichen-Hacks

Fazit 

Literaturverzeichnis

Quellenverweise

Fußnoten

Vorwort

Ich bin kein Schriftsteller. Aber ich kann schreiben und lesen. Ich kann auch rechnen, bin aber kein Mathematiker. Ist auch nicht nötig. Nicht für meinen Alltag. Lesen, Schreiben und Rechnen können die meisten. Das haben wir schon als Kinder gelernt. Da müssen wir nicht groß drüber nachdenken. Wie es war, das alles zu lernen, ist oft nur eine verschwommene Erinnerung. Buchstabe für Buchstabe, Zahl für Zahl musste geübt werden. Die Hefte hatten Hilfslinien und das ganze Alphabet war mit Beispielwörtern verbunden: A wie Apfel, U wie Uta, Z wie Zebra. Erinnert ihr euch? Nach dem ABC und dem kleinen 1x1 kamen irgendwann ganze Sätze und Nachkommastellen, Aufsätze und Gleichungen. Und nach und nach wurde es immer komplizierter. Aber wie man die Buchstaben und Zahlen schreibt, war dabei dann schon kein Thema mehr – man entwickelte sogar eine eigene Handschrift. Lesen, Schreiben, Rechnen sind für uns automatisierte Tätigkeiten, die unseren Alltag einfacher machen.

Nicht mehr und nicht weniger wünsche ich mir fürs Zeichnen. Einen Platz als sogenannte Kulturtechnik. In unserem Alltag – wie Lesen, Schreiben, Rechnen. Keine kleine Forderung? Ja, das musste ich auch schon feststellen. Zwar habe ich während meiner Jahre als Lehrer an Hochschulen und vielen anderen Kursen jede Menge Studentinnen und Studenten erfolgreich ins Zeichnen eingeführt, aber als eigenes Fach ist es selbst an den Hochschulen noch exotisch. Von Grundschulen oder weiterführenden Schulen gar nicht zu sprechen. Warum sollte es auch?, werden manche jetzt fragen. In einer Zeit, in der uns immer mehr Technologie so viel abnimmt und wir mit unserem Smartphone immer eine hochwertige Kamera dabeihaben, brauche ich doch nicht zeichnen zu können. Aber wisst ihr, da liegt aus meiner Sicht der Denkfehler. Denn diese Behauptung geht von zwei Dingen aus:

1. dass Zeichnen ausschließlich dafür da ist, die Wirklichkeit abzubilden, wie es eine Kamera tut.

2. dass eine Kamera diese Aufgabe viel besser und schneller erledigt.

Folgen wir diesen Voraussetzungen, ist es richtig zu sagen, dass Zeichnen heute überflüssig ist.

Was ist also der Denkfehler? Das versucht dieses Buch Stück für Stück zu beantworten – und mehr. Denn eigentlich will ich hiermit so viele von euch wie möglich zum Zeichnen bringen. Zumindest soll es euch in den Fingern jucken. Ich werde euch zeigen, dass Zeichnen:

1. auch in Zeiten von Smartphones und Photoshop viel mehr kann, als einfach nur abbilden.

2. ein Handwerk ist – mit einem einfachen Zugang, bei dem ihr schnell Erfolge erlebt.

Bilder sind für uns heute ein Massenmedium. Aber vor gar nicht so langer Zeit war das Zeichnen der Beginn eben dieser Bildkultur – und der Beginn von uns als Bildmenschen. Auch das werde ich euch zeigen. Und dabei werden wir uns alle daran erinnern, dass wir als Spezies instinktiv von unseren Sinnen geleitet werden. Vielleicht sind diese Sinne heute nicht mehr in dem Sinne überlebenswichtig wie vor ein paar Tausend Jahren (es streifen zum Beispiel keine Säbelzahntiger durch unsere Straßen). Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass wir unsere Sinne nicht mehr brauchen. Und zwar nicht nur, um Schoko von Vanille zu unterscheiden oder bei Grün über die Straße zu gehen. Ich glaube nämlich, dass da gerade etwas in Schieflage gerät. Denn wir nehmen unsere Sinne für selbstverständlich. Und das ist gefährlich. Und das finde nicht nur ich. Diverse Achtsamkeitstrends sowie die Besinnung auf bewusste Ernährung und eine gesunde Lebensweise im Allgemeinen zeigen: Wir als Menschen sind wieder auf der Suche nach einer Verbindung mit unserem Menschsein, unseren Sinnen.

Das Zeichnen kann so eine Verbindung sein. Für mich ist es das ganz sicher. Allerdings bin ich immer schon ein Augenmensch gewesen. Vermutlich bin ich deswegen Architekt, Maler, Künstler geworden – mit dem Zeichnen als meiner persönlichen Wunderwaffe. Fast alles, was ich heute bin, bin ich wegen dieser Fähigkeit. Das habe ich mittlerweile begriffen. Nun will ich euch diese Macht des Zeichnens zeigen und euch dazu motivieren, sie auch für euren Alltag zu nutzen. Ein Koch kann übers Schmecken und Riechen erzählen, ein Pianist übers Hören. Ich und dieses Buch berichten vom Sehen. Dabei ist nichts von dem, was ich behaupte und fordere, reine Theorie. Meine Sicht auf die Dinge wächst aus Erfahrungen und Wissen aus jahrzehntelanger Praxis. Sie ist, wenn ihr es so wollt, eine Insider-Perspektive.

Dieses Buch existiert aber nicht für mich oder als Selbstzweck. Ja, das Zeichnen bedeutet mir persönlich sehr viel. Und ja, das ist Teil meiner Motivation, diese Zeilen überhaupt zu Papier zu bringen. Aber mein Ziel hängt an euch – den Leserinnen und Lesern. Denn die Wahrheit ist: Wenn ich euch über die folgenden Seiten nicht dazu bringen kann, euch wenigstens mal am Zeichnen zu versuchen, dann bleiben alle Ausführungen und Beispiele hier ohne jede Wirkung. Dann sind die folgenden drei Kapitel im besten Fall interessante Anekdoten, die im Anschluss euren Bücherschrank füllen – bald verloren unter der ersten Schicht Staub.

Wieso aber unbedingt ein Buch? Jahrzehnte an Hochschullehre, 17 Riesen-Panoramen, über 400 YouTube-Videos, unzählige Vorträge und Zeichenveranstaltungen liegen bereits hinter mir. Und die ganze Zeit begleitet mich die Idee, die Quintessenz in einem Buch festzuhalten. Obwohl das Video eigentlich eine einfachere und direktere Möglichkeit bietet, das zu erklären, was ich sagen will – ein Buch hat Vorteile, die alle digitalen Kanäle überdauern. Buchstäblich. Denn ich kann es immer neben mir liegen haben, nachlesen, ein Lesezeichen an meine Lieblingsstelle machen – sogar Stellen unterstreichen und Notizen danebenschreiben. Ja, das geht digital auch irgendwie alles. Und manche und mancher wird den Youtube-Kanal zu diesem Buch (dazu gleich mehr) vielleicht dem geschriebenen Wort vorziehen. Das ist völlig in Ordnung. Aber ich träumte eben von diesem Buch. 2005 schenkten mir Kolleginnen und Kollegen sogar ein leeres Buch als Symbol für das, was ich hoffentlich daraus machen würde. Das Problem? Es kam nicht zustande. Denn wie ich schon erwähnte: Ich bin ein Bildermensch, kein Buchstabenmensch. Beim Zeichnen habe ich nie Angst vor dem weißen Blatt – aber beim Schreiben … Ich habe viel zu sagen, aber das Aufschreiben ist dann irgendwie immer zu kurz gekommen. 10 Jahre lang, um genau zu sein.

Und dann kam Julia. Und ich freue mich diebisch, dass ich sagen kann, dass die Perspektive uns zusammengebracht hat. Julia hatte an der Uni dazu geforscht und für mich ist sie sowieso ein Lebensthema. Nun träumte ich Julia meinen Buchtraum vor – und keine drei Monde später kam Bewegung in die Sache. Ich erzählte, Julia schrieb. Es dauerte zwar noch einmal fast 10 Jahre bis zum fertigen Manuskript – aber ohne Julia wäre mein Buch immer noch leer. Mein Dank geht daher raus an Julia Trachternach, die meine Stimme gefunden und aufgeschrieben hat. Dieses Buch ist ganz ich – dank dir.

Wie benutze ich dieses Buch?

In diesem Buch geht es nicht um Kunst. Weil du zeichnest, bist du nicht gleich eine Künstlerin oder ein Künstler. So wie du schreiben kannst, aber in den meisten Fällen keine Schriftstellerin und kein Schriftsteller bist. Wie gesagt, das Zeichnen, das ich meine, ist ein Alltagswerkzeug – ein Instrument fürs Leben. Ich gebe gleich noch eine genauere Definition, aber hier schon mal kurz: Es geht um die Übersetzung von 3D auf 2D. Die Fähigkeit, eine Raumsituation auf einem Blatt Papier festzuhalten. Das hat erst mal nichts mit künstlerischem Ausdruck zu tun. Dafür muss man nur das Handwerk Zeichnen beherrschen. Der Schlüssel dazu liegt in der Perspektive – und die ist wiederum wesentlich einfacher, als wir denken. Das und die Nützlichkeit des Zeichnens werde ich in drei Kapiteln beweisen. In Kapitel 1 gehe ich mit euch auf Spurensuche danach, wie nützlich das Zeichnen im Allgemeinen denn wirklich ist und war – in kleinen Episoden durch die Geschichte der Menschheit. In Kapitel 2 wird es dann persönlicher: Ich spreche darüber, was Zeichnen für jede und jeden von euch bedeuten kann – am Beispiel meiner eigenen Lebensgeschichte. In Kapitel 3 gebe ich euch schließlich einen einfachen Einstieg in das Handwerk und die Perspektive – den ich so noch nirgendwo gefunden habe.

Warum solltet ihr zeichnen? Das ist die Frage dieses Buches. Ich stelle sie mir und euch in den ersten beiden Kapiteln immer und immer wieder. Antworten liefern euch die große und die kleine Geschichte – und verstreut über die Kapitel kleine Einschübe zur Motivation. Und selbst in unserer Zeit der fantastischen Smartphone-Kameras, KIs und Bildbearbeitungsprogramme finde ich viele verschiedene Gründe fürs Zeichnen. Am Ende geht es dabei meistens um euren individuellen und persönlichen Mehrwert. Genau deswegen können diese Einschübe auch nur Vorschläge sein, wie Zeichnen für euch eine Bereicherung sein kann. Aber wenn nur einer dieser Vorschläge bei euch ins Schwarze trifft, reicht das schon. Denn dann juckt es euch vermutlich schon in den Fingern, mal den Stift in die Hand zu nehmen, und drauflos zu zeichnen – und hoffentlich auch dabeizubleiben. Das sind die zwei Gründe, warum Motivation hier so wichtig ist: Sie lässt einen anfangen und weitermachen. Und wenn das passiert, dann ist mein Plan aufgegangen.

Noch ein Wort zu den Kapiteln 1 und 2. Sie handeln von der großen und meiner kleinen Geschichte. Das meine ich ganz wörtlich. Denn während sich das erste Kapitel mit der Entwicklung des Zeichnens und deren Auswirkungen in der Geschichte Europas beschäftigt, dreht sich das zweite Kapitel um meine kleine, persönliche Lebensgeschichte. Kleiner Spoiler: Da tun sich einige Parallelen auf. Die Entdeckung der Perspektive ist in beiden Kapiteln ein echter Wendepunkt – sie bewirkt jeweils eine Explosion. So nenne ich das gern. Ab hier gehen die Zeichenfähigkeiten und entsprechend die Anzahl der Zeichnungen sowie deren Bedeutungen durch die Decke. Bis zu dieser Explosion ist meine Spurensuche in der kleinen und großen Geschichte chronologisch. Nach der Explosion gliedere ich meine Funde nach Kategorien, in denen das Zeichnen große Sprünge ermöglicht: Reisen, Architektur, Ingenieurwesen oder Medizin. Dabei gilt für beide Geschichten: Das Zeichnen stellt das Leben in fast allen Bereichen auf den Kopf!

Dabei bin ich kein Chronist. In meiner Spurensuche erhebe ich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Die Abschnitte und Ausführungen sind auch nicht alle gleich lang. Mal finde ich mehr, mal weniger Material – und in dieses Buch hat es nur geschafft, was ich für spannend genug halte. Die Art, wie ich meine Funde betrachte, kommt auch hier aus der Praxis: Ich nehme meine Erfahrung und was ich über die jeweilige Zeit weiß, und ziehe daraus meine Schlüsse. Geschichte ist für mich nicht eine Wahrheit, sondern viele Wahrheiten, die aus dem Leben kommen. Und jede davon erzählt mir wiederum etwas über das Leben selbst. Für mich ist wichtig, was uns Geschichte erzählen und lehren kann – und das Gespräch darüber aufrechtzuerhalten. Und auch in meiner eigenen Geschichte geht es nicht darum, ein Werkverzeichnis meiner Arbeit zu erstellen. Stattdessen sollen ausgewählte Beispiele beweisen, wie das Zeichnen mein Leben verändert und verbessert hat.

Erinnert ihr euch, was ich über das ABC und über das 1 x 1 gesagt habe? Jeden Tag hat man ein bisschen mehr gelernt und bald waren Buchstaben und Zahlen eine Selbstverständlichkeit. Nun, genauso ist es mit dem Zeichnen. Es geht darum dranzubleiben. Jeden Tag einen kleinen Schritt zu machen. Deswegen gibt es in Kapitel 3 eine kleine, aber feine Werkzeugkiste für die Zeichenpraxis. Für alle, die es dann tatsächlich in den Fingern juckt. Das 1x1 des Zeichnens ist die Perspektive (das werden die ersten beiden Kapitel hinreichend beweisen), und die ist wirklich kein Hexenwerk. Genau deswegen räume ich der Erklärung der Perspektive besonders viel Platz ein – um sie so einfach zu erklären, wie ich es bisher noch nirgendwo gefunden habe. Über 25 Jahre als Lehrer habe ich diese Erklärung entwickelt und erprobt. Erst mal klingt das recht banal: einen realen Raum (3D) auf ein flaches Blatt Papier (2D) zu übersetzen. Denn wie Raum aussieht, sehen wir ja jeden Tag, sind ununterbrochen von ihm umgeben. Geht es aber von der Theorie in die Praxis, stehen wir plötzlich vor allerlei Hindernissen, die wir nicht erwartet hatten – aber mit der Perspektive und ein paar kleinen Sehhilfen, die ich euch an die Hand gebe, werdet ihr mit der Zeit jede Herausforderung meistern. Genau dazu sollt ihr dieses Buch und den dazugehörigen Youtube-Kanal benutzen. Ich sage absichtlich benutzen, weil beides immer nur ein Mittel zum Zweck ist, um euch zu motivieren. Bleibt dran. Es lohnt sich, den Tanz mit dem Blatt zu tanzen. Denn schneller als ihr denkt, werden Stift und Papier euch zu nützlichen Freunden und Vertrauten – und bleiben es euer Leben lang.

Material: Der Bleistift

Hier schon mal ein Material-Beispiel: der Bleistift. Er ist mein liebstes und am häufigsten genutztes Zeichenwerkzeug. Er ist verhältnismäßig günstig, pflegeleicht und hat eine ganze Armada von Vorteilen auf seiner Seite:

– Von hart (H) bis weich (B) gibt es ihn in diversen Härtegraden mit unterschiedlichen Eigenschaften, je nach Vorliebe und Absicht: Besonders hart hat eine geringere Schwärze und lässt sich gut radieren – gut für Vorzeichnungen oder den Anfang von sehr komplex ausgestalteten Motiven. Je weicher, desto dunkler kann ich werden und zum Beispiel auch mit dem Finger verwischen und damit schnell und einfach Struktur in eine Fläche bringen.

– Ich kann einen sehr dünnen, spitzen Bleistift nehmen für sehr feine Linien und Details. Oder einen dickeren, stumpfen für gröbere Strukturen. Oder sogar die Seite für große Schraffuren und dicke Linien.

– Der Vorteil, dass ich Bleistift radieren kann, wird oft unterschätzt. So habe ich nicht nur eine Korrekturmöglichkeit, sondern ich kann mit dem Radierer auch Negativraum – also weiße Linien und Flächen – in einer bereits ausgearbeiteten Zeichnung schaffen. Das geht weit übers reine „Löschen“ hinaus.

Bild 1

Bild 2

Um Zeichenmaterial kann man ein riesiges Bohai machen! Ich lege nicht viel Wert auf eine hochwertige Ausstattung, nur der Ausstattung wegen. Ich werde über die Kapitel verteilt einige Beispielbilder mit unterschiedlichen Materialien zeichnen und euch jeweils ein paar Kniffe dazu an die Hand geben. Das ist nur ein kleiner Einstieg in die Möglichkeiten, die ihr bei der Wahl der Materialien habt. Diese Auswahl entspricht meinen persönlichen Vorlieben und gibt euch lediglich einen ersten Kompass, den ihr dann selbst ausgestalten könnt. Ansonsten: Spielt rum, geht in Läden, probiert aus – holt euch überall Tipps und schaut, ob sie für euch etwas taugen. Schaut, was verschiedene Stifte und Materialien mit euch machen! Fragt Expertinnen und Experten! Stellt euch und anderen Fragen: Wie kommt man auf so tiefes Schwarz? Warum leuchtet das Weiß so? Das alles macht Laune und Spaß. Regeln gibt es bei der Auswahl eurer Materialien nicht, wenn ihr mich fragt. Die Hauptsache ist, dass ihr zeichnet. Womit ist erst mal egal!

Eine begleitende YouTube-Serie

Am liebsten würde ich euch das alles persönlich zeigen. Das wäre viel einfacher, als es hier zu beschreiben. Ich würde meine Erklärungen mit Händen und Füßen untermalen, immer wieder live zeichnen und noch mehr in die Tiefe gehen. Die gute Neuigkeit: In gewisser Weise geht das! Denn begleitend zu diesem Buch habe ich eine ganze Serie von Videos zu verschiedenen Zeichentechniken, zur Perspektive und dem praktischen Für und Wider des Zeichnens für euch aufgenommen. Da seht ihr direkt die Übersetzungsarbeit von 3D auf 2D und warum es oft schwieriger ist, als man sich das in der Theorie vorstellt. In diesen Videos gehe ich auch noch mehr in die Tiefe, als es in meinen Beschreibungen hier möglich ist. Aber lasst euch davon nicht abschrecken – auch der YouTube-Kanal beginnt mit den Grundlagen, die ihr in der Werkzeugkiste in Kapitel 3 findet. Wie intensiv ihr euch mit den einzelnen Tricks beschäftigt – wie tief ihr euch ins „Kaninchenloch“ stürzt –, ist auch da natürlich euch überlassen.

Hier findet ihr schon mal einen Link zum YouTube-Kanal. Weitere Links finden sich immer wieder im Buch, vor allem in der Werkzeugkiste.

Zeichnen. Eine Definition

Zeichnen bedeutet, mithilfe von Linien auf einem Untergrund Informationen abzubilden. Paul Klee

Das ist es. Nicht mehr und nicht weniger. Eine recht nüchterne, fast triviale Definition der Tätigkeit, die ich gerade so wortreich und emotional angepriesen habe. Und das ist gut so. Es nimmt dem Zeichnen nämlich etwas von seinem Mythos, kompliziert und schwierig zu sein – oder etwas mit Kunst zu tun zu haben. Ich spreche vom Zeichnen auf einer normalen Ebene. Das hat mit Kunst erst mal gar nichts zu tun. Es geht um Darstellung. Das hatten wir schon: Nicht alle, die schreiben, werden Shakespeare oder Agatha Christie. Nicht alle, die rechnen können, werden ein Alan Turing oder Albert Einstein. Aber auch nicht alle, die Fotos machen, sind gleich Fotografin oder Fotograf (auch wenn die Werbung für manche Handykamera etwas anderes behauptet). Zeichnen können heißt also nicht, Künstlerin oder Künstler zu sein. Es heißt, Informationen abbilden zu können. Wie beim Schreiben auch. Nur eben als Bild. Wir zeichnen, was wir sehen. Im Normalfall sind das räumliche Informationen: der Apfel auf dem Tisch, die neue Küche oder die Landschaft vor dem Fenster. Das ist in diesem Buch unser Ziel: So mühelos, wie wir lesen und schreiben, sollen wir auch zeichnen.

Schauen wir uns diese Definition näher an. Da ist noch das Wort Linie. Das Wort Fläche taucht dagegen gar nicht auf. Denn eine Zeichnung in ihrer Reinform besteht erst mal wirklich nur aus Linien. Flächen entstehen durch Konturen oder Schraffuren, also in einem Nebeneinander von Linien. Den Raum um uns herum nehmen wir dagegen als Flächen war – schaut euch einfach mal um. Da sind nur ganz wenige Linien zu sehen, oder? Höchstens mal so etwas wie ein Kabel oder Ähnliches. Und darin liegt auch schon das eigentliche Geheimnis des Zeichnens: Wir übertragen ein Bild, das wir in Flächen wahrnehmen, in eine Darstellung aus Linien. Jetzt wird langsam deutlich, was gemeint ist mit: von 3D auf 2D übersetzen.

Damit komme ich zum eigentlichen Problem dieses Buches: Ich kann euch hier alle Beispiele und Erklärungen natürlich nur in Bildern zeigen – und im Bild ist das Wichtigste immer schon passiert. Die Übersetzung von Raum in Fläche ist in einem Bild praktisch nicht möglich, weil das Bild selbst das Ergebnis dieser Übersetzung ist. Deswegen behelfe ich mir hier und da – vor allem in der Werkzeugkiste – mit einem kleinen Trick: Ich werde euch Situationen in mehreren Bildern schildern. Dazu zeige ich euch nicht nur das Bild, das entstehen soll; ich zeige zum Beispiel auch mich als Zeichner, wie ich im Raum stehe. Oder ich zeige mein Motiv von einem anderen Standpunkt. Dadurch werden meine Aufgaben als Zeichner sichtbar, die im Bild selbst unsichtbar bleiben: Welchen Bildausschnitt wähle ich? Wie fallen das Licht und die Schatten? Wie groß oder klein muss ich die Dinge zeichnen, damit sie alle auf mein Blatt passen. Ich könnte noch viele Dinge mehr nennen. All das habe ich als Zeichner zu bewältigen, bevor alle anderen glauben, denselben Raum auf dem Papier zu erkennen, wie ich ihn gesehen habe. Das ist es, wofür wir als Zeichnende kämpfen und dafür gilt: jeden Tag einen kleinen Schritt machen. Die Kraft liegt im Dranbleiben!

Bild 3

Bild 4

Und es braucht das richtige Handwerkszeug. Was ist der erste Gedanke, wenn ihr diese beiden Zeichnungen seht? Die eine sieht aus wie ein Kinderbild und die andere wie eine Erwachsenenzeichnung? Eine ist Wollen, eine ist Können? Nun, ich bin nicht hier, um eine von beiden für richtig oder falsch zu erklären – das gibt es für mich beim Zeichnen nämlich nicht. Beide Zeichnungen sind auf ihre eigene Art völlig in Ordnung. Aber das Zeichnen, das ich euch nahebringen will, hat mehr mit dem rechten Bild zu tun. Diese Zeichnerin oder dieser Zeichner hatte das Handwerkszeug, das den Unterschied macht: die Perspektive. Sie ist das 1x1, das wir als Zeichnende begreifen, üben und beherrschen müssen. Das ist viel zu schwer? Mein Ziel ist es, dass ihr das anders seht, wenn ihr mit dem Lesen fertig seid. Ich will, dass ihr denkt: ziemlich einfach.

Noch ein Wort zu richtig und falsch: Pablo Picasso, einer der größten Künstler des 20. Jahrhunderts, konnte so zeichnen, wie ihr es rechts seht. Allerdings beschließt er recht bald in seinem Leben, dass das für ihn nicht mehr die richtige Art ist, sich auszudrücken. Er will mit seinen Bildern etwas anders erzählen. Also entwickelt er nach und nach einen Stil, der eher an das linke Bild erinnert. Hier kommt jetzt die Kunst ins Spiel – hier geht es um einen individuellen künstlerischen Ausdruck. Diese Kategorien von falsch und richtig gelten aber nur für Picasso selbst. Sie sind nicht allgemeingültig. Seht ihr den Unterschied? Und um den künstlerischen Ausdruck geht es in diesem Buch eben ganz ausdrücklich nicht.

Nun habe ich eben von Flächen gesprochen. Richtig, die gibt es. Und wenn ihr mal etwas vorblättert und euch die Funde meiner Spurensuche anseht, stellt ihr schnell fest: Die Bilder sind nicht immer nur schraffiert. Mehr noch: Das sind gar nicht alles Zeichnungen. Da sind auch Malereien, Mosaike und Fresken dabei (und Aquarelle und lavierte Zeichnungen und, und, und). Für alle diese Bilder gilt nämlich grundsätzlich: Keine davon kommt ohne das Zeichnen aus. Das Zeichnen (sei es mit Bleistift oder Pinsel) ist immer der erste Schritt – entweder als Selbstzweck oder als Vorstufe für etwas anderes. Viele Malereien bestehen, wie wir es von der Wirklichkeit kennen, nur aus Flächen. Aber an den vielen erhaltenen Vorzeichnungen können wir sehen: Zunächst entsteht der Raum in der Linie und dann erst in der Fläche. Gleiches gilt für das Lernen von Räumlichkeit: Raum lernt man beim Zeichnen, nicht beim Malen. Deswegen kann ich anhand von anderen Darstellungsarten wie Malerei oder Mosaik auf die Zeichnung dahinter Rückschlüsse ziehen.

Wo sind denn hier die Techniken? Tja. Das, was viele Zeichenschulen als Techniken betiteln, soll bei mir – wie das Material auch – eher eine untergeordnete Rolle spielen. Ich glaube nicht daran, Lernende bei jedem Schritt an die Hand zu nehmen, damit sie weiterkommen. Das muss der eigene Antrieb bewerkstelligen, die Motivation. Techniken sind kein Ziel, sondern Möglichkeiten, die sich beim Arbeiten sowieso ergeben. Ich kann von anderen abschauen – Abzeichnen von anderen Zeichnungen ist zum Beispiel eine wunderbare Lektion. Da seht ihr dann auch allerhand Techniken im Einsatz. Und genau das werde auch ich über die nächsten 3 Kapitel immer wieder tun: abzeichnen. Und euch zusammen mit einigen grundlegenden Materialien auch die eine oder andere Technik erläutern. Allerdings gilt auch hier wieder mein Grundvertrauen an eure Motivation: Es wird das daraus, was ihr selbst daraus macht. Ich weiß, wenn ihr euch die Grundlagen auf diesen Seiten einverleibt, dann könnt ihr auch noch ganz andere Dinge zeichnerisch bewerkstelligen – wenn ihr es nur wollt. Also, ran an die nächsten Seiten: Ich wünsche euch viel Spaß und den ein oder anderen Aha-Moment.

01ZEITEN DES ZEICHNENS

Zeiten des Zeichnens

Man lernt nie aus. Eine schöne kleine Binsenweisheit, für die man nie zu alt ist. Ich bin jetzt 69 und die Liste der Dinge, die ich noch zu lernen und zu tun habe, will nicht recht kürzer werden. Man lernt nie aus – das habe ich oft erfahren dürfen und müssen. Zum Beispiel, was meine Einstellung zum Thema Geschichte angeht. In der Schule will sich mir der Sinn dieses sagenhaft langweiligen Faches nicht erschließen. Es ist theoretisch und trocken, reiht Daten, Geburts- und Todestage in einer staubigen Parade aneinander und ich soll das Ganze dann auch noch auswendig lernen? Herrje. Nichts davon hat mit mir zu tun und nichts daran scheint mir sonderlich lehrreich. Und dann passiert mir etwas, das alles verändert: meine eigene Geschichte. Daten, Geburts- und Todestage beginnen sich aneinanderzureihen und mit jedem davon lerne ich dazu – ob ich will oder nicht. Und eines Tages blicke ich zurück. Wenn ich nun meine kleine Geschichte neben die große aus der Schule lege, gerate ich still ins Staunen: Da tut sich die eine oder andere Parallele auf. Es beginnt, mir zu dämmern, dass die große Geschichte, die ich immer für so belanglos gehalten hatte, einfach alles mit mir zu tun hat. Denn offensichtlich wiederholt sich das Große ganz wörtlich im Kleinen. Es ist eine milde Untertreibung, wenn ich sage, dass das mein Interesse geweckt hat. Ich spitze Augen und Ohren und bin heute ein fleißiger Schüler der Geschichte. Für mein Schaffen ist sie unerschöpfliche Quelle an Inspiration. Und mit jedem Thema, das ich bearbeite, versuche ich etwas von dem weiterzugeben, was ich für mein eigenes kleines Leben gelernt habe. Denn mit jeder Spur, der ich nachgehe, lerne ich.

Wie ich lerne, ist dabei die entscheidende Frage. Hinter dieser Aussage stehen diverse Fragen: Warum möchte ich eigentlich lernen? Was ist eine echte Lehre? Und was hat die mit mir zu tun? Das sind Fragen, die so etwas wie der „normale“ Geschichtsunterricht oft nur dürftig bis gar nicht stellt – und schon gar nicht beantwortet. Ich habe lange Zeit beruflich gelehrt. Für meinen Unterricht haben diese Fragen alles verändert. Denn sie machen Wissen einfach, zugänglich und relevant. Dann wird Lernen vom Selbstzweck zu etwas, was für mich ganz persönlich einen echten Unterschied macht. Ohne sie bleibt Lernen für viele etwas Abstraktes, das Distanz schafft, so wie das Fach Geschichte in der Schule für mich.

Aber was hat das mit Zeichnen zu tun? Nun, auch hier lautet eine wichtige Frage: Was lehrt mir die Geschichte darüber? Das Zeichnen ist ein Herzensthema von mir – und ich werde in der großen Geschichte reichlich fündig dazu. Dabei bleiben vor allem zwei große Erkenntnisse:

1. Aus der Entwicklung des Zeichnens über die Jahrtausende erfahre ich, dass es stets im Wandel ist. Immer wieder entwickelt es sich weiter, hilft den Menschen, ihren Horizont zu erweitern und ihre Welt zu entdecken. Indem ich mich mit der Geschichte des Zeichnens befasse, wird mir klar, was an Möglichkeiten in ihr steckt. Halten wir also fest: Die Geschichte zeigt uns das enorme Potenzial des Zeichnens.

2. Jahrhunderte lang ist die Entwicklung des Zeichnens mit schleppender Langsamkeit vorangekrochen. Aber vor etwa 500 Jahren gibt es eine wahre Explosion ihrer Technik, Bedeutung und Ausbreitung. Wir können sagen: Vor 500 Jahren erobert die Zeichnung als Kulturtechnik eine Stellung, die genauso wichtig ist wie Lesen oder Schreiben.

Geht mit mir auf Spurensuche – und lasst mich euch zeigen, was ich meine. Das sind ja schließlich keine kleinen Behauptungen, die ich da aufstelle. Ich lade euch ein, auf den kommenden Seiten etwas mit mir durch die Geschichte zu spazieren. Ich werde erzählen, welche Spuren des Zeichnens ich dort sehe. Vor allem geht es mir dabei um die Spuren des räumlichen Zeichnens. Aus meiner Sicht beweisen sie, dass meine Behauptungen nicht nur leere Worte sind. Dabei nehme ich mir das Recht, auf meine eigene Art auf die Geschichte zu schauen. Das bedeutet, dass ich keine Geschichtsschreibung betreibe. Ich habe keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich zeige euch einfach meinen Blick – den Blick eines Mannes, den das Zeichnen buchstäblich immer wieder gerettet hat (dazu mehr in Kapitel 2). Mein Blick verlässt sich auf meinen gesunden Menschenverstand. Das braucht hier und da ein bisschen Mut und Selbstbewusstsein. Aber auch wenn ich kein Historiker bin, habe ich dieses selbstbestimmte Betrachten der Welt immer als ein großes Geschenk empfunden.

Es lohnt sich, für das Zeichnen zu kämpfen. Das will ich euch zeigen. Das ist das eigentliche Ziel unserer Reise durch die Geschichte. Zu viel geht uns verloren, wenn wir es einfach als antiquierte Technik von Künstlern und Baumeistern (ja, in diesem Fall sind die prominentesten Vertreter leider alle Männer) in Vergessenheit geraten lassen. Wie Lesen, Schreiben oder Rechnen, kann uns das Zeichnen durch unser ganzes Leben begleiten und es bereichern. Es ist das perfekte Instrument für eine selbstbestimmte Wahrnehmung unserer Welt. Was dabei besonders wichtig ist: Zeichnen ist für jede und jeden erlernbar – und es kann ein wichtiges Lebensinstrument werden. Wer weiß, wenn ihr dieses Buch zuklappt, juckt es euch vielleicht so sehr in den Fingern, dass ihr selbst Papier und Bleistift zur Hand nehmt – und zeichnet. Dann hätte ich mein Ziel erreicht.

Vorzeit

Unsere Geschichte geht weit zurück. Richtig begreifen können wir die Anfänge unserer eignen Spezies heute nicht mehr. Die meisten Menschen in unseren Breitengraden können sich etwa ein Leben ohne Steckdose, Dusche oder Heizung nicht mehr vorstellen. Wenn ich mich dem „Ur“ in der Geschichte des Menschen nähern will, muss ich mich auf die Suche nach Artefakten machen – im Museum. Da finde ich Knochen, Grabbeigaben, Jagdwaffen und diverse andere Alltagsdinge. Aber ich bin wohl nicht der einzige, bei dem der Funke nicht so recht überspringen will, wenn ich diese Speerspitzen und Knochenmesser durch das Museumsglas anschaue. Wenn ich aber sehe, wie eine Horde Jäger, mit ebendiesen Artefakten bewaffnet, einen riesigen Auerochsen in wilder Flucht über die Steppe jagt – na, das ist doch schon etwas ganz anderes. Solche Szenen gibt es nur in Sachbüchern für Kinder? Ganz und gar nicht. Unsere Urvorfahren erzählen uns bis heute in lebendigen Zeichnungen von ihrem Alltag. In Höhlen finden wir sie mit einfachsten Mitteln aufgetragen, in einer Virtuosität und Schönheit, die mir die Sprache verschlägt. Hier sind sie – die ersten Zeichnungen unserer Geschichte.

Urmenschen hausen also nicht grunzend und quiekend in Erdhöhlen. Nein, sie erschaffen etwas, das große Reflektionsfähigkeit und ein differenziertes Verständnis für die eigene Umwelt voraussetzt: Sie wählen ein bestimmtes Element ihrer Lebenswelt, vermutlich ein besonders wichtiges, und zeichnen Bilder davon auf die Wände ihrer zentralen Orte. Und das in einer Zeit ohne Bilder. Alles ist noch so vergänglich. Die Weiterentwicklung der Kultur* schleicht noch quälend langsam dahin. Die Erinnerung ist der einzige Wissensspeicher. Was sich der Mensch nicht merken kann, geht verloren. Es gibt weder Schrift noch Papier. Die einzige Form ist das Gesprochene, die Laute der Vorzeit. Und dann diese Bilder.

Ich stelle mir vor, wie die Menschen am Lagerfeuer sitzen. Man erzählt sich von der Jagd und den Spuren des Tages. Beim Reden nimmt jemand einen Stock und untermalt die Worte mit Zeichen im Sand. Die anderen werden aufmerksam und glauben ihren Augen nicht. Die Linien im Sand erinnern sie an ein Wildpferd. Ungläubig umringen sie die Zeichen und die Person, die sie geschaffen hat. Die ist selbst verwundert. Die Höhlenmenschen werden in den nächsten Tagen und Wochen alles dafür tun, damit dieses Wunder nicht zerstört wird. Die Gemeinschaft beginnt zu diesem magischen Ort zu pilgern. Sie alle sehen das erste Mal etwas, das nur in der Realität existierte und nun in einer anderen Art sichtbar wird. So oder so ähnlich könnten die Anfänge des Zeichnens ausgesehen haben – oder zumindest stelle ich es mir so vor.

Ich kann nur versuchen, die Aufregung um diese Bilder zu verstehen. Was solche Zeichnungen damals bedeuten mussten! Ich fühle mich diesen Bewohnern längst vergangener Welten jetzt auf eine eigentümliche Weise näher – in diesen Zeichnungen, die die Menschen zu ihrer Zeit so sehr in ihren Bann schlagen, wie es Bilder heute leider nur noch selten können. Zeichnungen als Dialog – über die Jahrtausende hinweg zwischen jenen Menschen und uns. Wenn ich den Gedanken zulasse, bekomme ich Gänsehaut. Die Tatsache, dass es auf der ganzen Welt Höhlenbilder gibt – oder zumindest dort, wo die Erde in der jeweiligen Zeit bewohnbar war – spricht dafür, dass das Zeichnen völker- und zeitübergreifend wirklich wichtig ist. Immer schon. Das ist eine große Erkenntnis, so ganz zu Beginn meiner Spurensuche.

Ein Anfang von Raum

Nach den ersten Zeichnungen verfeinern sich die Darstellungen der Vorzeit schnell. Gekritzel im Sand wird zu Kohlezeichnungen an Wänden. Haltbarere Farb-Alternativen wie rote oder schwarze Erde lassen nicht lange auf sich warten. Es entstehen vielleicht die ersten kultischen Stätten der Menschheitsgeschichte. Die Zeichnung steht als Projektionsfläche im Zentrum – als vorzeitliches Altarbild oder Kinoleinwand. Und tatsächlich, hier und da erkenne ich die Idee von räumlicher Tiefe: Die Erfahrung etwa, dass weiter weg stehende Tiere kleiner wirken, wird in den Zeichnungen in Form von unterschiedlich großen Tieren umgesetzt. Es ist eine intuitive Nutzung der zweidimensionalen Wand als Medium für die Darstellung von Raum. Aber ich kann diese Aus-dem-Bauch-heraus-3D-Perspektive gar nicht genug bewundern. Sie zeigt mir, wie tief eine solche Darstellung in unserer Natur verankert ist – über 17.000 Jahre später.

Bild 5: Ich habe das hier mal in meinem Keller versucht nachzuempfinden. Hier seht ihr den Entstehungsprozess:

* Wenn ich über Kultur spreche, …

… geht es mir um die Entwicklung des Miteinanders. Wir entwickeln Formen des Zusammenlebens und Institutionen, die es stabilisieren. Das ist für mich Kultur. Was wir heute Kunst nennen, also abbildende Darstellung im weitesten Sinne, ist für mich eine solche Institution und damit immer nur ein Teil von Kultur. Auf dem Weg des Miteinanders hilft uns Kunst, indem sie uns Geschichten darüber erzählt. Wenn wir die Kunst so verorten, ist sie ein praktisches Werkzeug und jede ihrer Geschichten eine Reflexion des Miteinanders. Denn alle Kultur hilft nichts, wenn wir den Respekt voreinander verlieren. Das lehren uns Kriege und Ausbeutung – in der Vergangenheit und heute.

Wie Wissen überlebt

Über die Jahrtausende entwickeln die Menschen Strategien, um auch in unwirtlichen Gegenden dieser Welt zu überleben. Für dieses Überleben ist die Weitergabe von bereits gewonnenem Wissen zentral. Zunächst erzählt man sich, was man gelernt hat – von einer Generation zur nächsten. Es gibt keine Bibliotheken, keine Orte, wo man Wissen nachlesen oder hinterlegen kann. Jede und jeder Einzelne ist sozusagen Trägerin und Träger des größten Teils des Menschheitswissens. Es dauert sehr lange, bis der Mensch auf die einfache, aber geniale Idee kommt, in Platten aus feuchtem Lehm zu ritzen. Die Zeichen stehen für Wörter oder ganze Gedanken. Die Schrift entsteht. Aus Lehmplatten werden Steinplatten. Und schließlich entsteht langsam eine tatsächliche Dokumentationskultur. Sie macht die Idee von Geschichte erst möglich. Dazu kommen Schriftträger, die man buchstäblich mit sich herumtragen kann: Papyrus, Pergament und schließlich Papier. Auf einmal ist Wissen lagerbar. Man muss sich nicht mehr an alles erinnern, sondern nur wissen, wo etwas aufgeschrieben steht. Darauf aufbauend kann man sich auch immer mehr neuem Wissen widmen. Mit der Schrift schaltet die Entwicklung der Menschheit auf allen Ebenen ein paar Gänge nach oben: Technologie, Geografie, Astrologie, Biologie und so weiter und so fort.

Antike

Es ist eine mühsame Suche. Während uns nun aus einem Land vor unserer Zeit so großartige Exemplare der Zeichnung vorliegen, präsentiert sich aus den Jahrhunderten, die wir heute Antike nennen, auf den ersten Blick eine recht enttäuschende Beweislage. In den Archiven finde ich zur antiken Zeichnung fast gar nichts. Hier und da eine kleine Scherbe mit buchstäblichen Bruchstücken. Aber kommen diese glorreichen „Hochkulturen“ denn tatsächlich so ganz ohne sie aus? Dann schaue ich genauer hin. Und tatsächlich finde ich jede Menge großartige Spuren des Zeichnens. Allerdings nicht da, wo ich sie gesucht hatte.

Ägypten

16. September 2014, Luxor, Ägypten. Träge umspülen die Wellen das Heck. In hypnotischer Langsamkeit schiebt sich unser Schiff den Nil entlang. Diesen legendären Fluss, der Kulisse und Ursprung so vieler Geschichten ist. Zwei Wochen folge ich seinem Weg. Den Geduldigen lehrt eine Nil-Kreuzfahrt Entschleunigung – dem Ungeduldigen zwingt sie sich auf. Fast kann ich neben dem Schiff herlaufen. Kinder kommen uns am Ufer entgegengelaufen und springen ins Wasser, schwimmen ein Stück mit. Im Hintergrund grasen Kühe in Braun und Weiß. Es wird Ackerbau betrieben – wie seit Tausenden von Jahren. Hin und wieder passieren wir ein Industriegebiet. Aus dem Flugzeug konnte ich den fruchtbaren Nilstreifen kaum sehen, so schmal ist er. Noch vom Schiff aus sehe ich hinter dem satten Grün des Ufers den Beginn der Wüste. Es ist verrückt – eine völlig einzigartige Umgebung, die sich seit Jahrtausenden nicht wirklich verändert hat. Hier fühle ich mich einer der großen antiken Kulturen seltsam nah.

Bild 6: Zeichnung einer Nillandschaft während Napoleons Ägypten-Expedition. Description de L’Egypte.

Papyrus

Manchmal überrascht mich mein Alltag ganz unvorbereitet. Immer wieder passiert es mir, dass ich bei schlichten Tätigkeiten ins Grübeln gerate. Ich salze mein Frühstücksei oder zuckere meinen Tee – und fange an darüber nachzudenken, wie normal diese einst so begehrten Gewürze heute sind. Salz wird zeitweise sogar als Zahlungsmittel eingesetzt. Auch beim Zeichnen kommen mir diese Gedanken. Vor allem jetzt, während meiner Nachforschungen zur Geschichte des Zeichnens. Ich beginne, immer mehr Dinge zu hinterfragen. Besonders die Frage nach den Materialien lässt mir keine Ruhe. Ich habe zum Beispiel wieder begonnen, mit Silberstift zu zeichnen, und entdecke ganz fremde Vor- und Nachteile daran. Was mich aber am meisten beschäftigt, ist das Papier. Ein Mal- und Zeichengrund, ohne den mein Leben ein anderes wäre. So flüchtig und selbstverständlich Papier ist, so unersetzlich ist es für meinen Zeichenalltag. Aber was geschieht, wenn es kein Papier gibt?

Ist Papyrus das Papier der Antike? In der Urzeit ist Stein der Zeichengrund der Wahl. Das ist nicht weiter überraschend. Nun habe ich mich gefragt, warum ich in der Antike auf so wenige Spuren des Zeichnens stoße. Wenn also der Papyrus das Material ist, das dem Papier am nächsten kommt, warum gibt es dann nicht mehr Papyri, die Zeichnungen überliefern? Zuerst: Was ist Papyrus überhaupt? Es ist einer der ersten leicht transportablen Mal- und Schreibgründe. Ein enormer Vorteil im Gegensatz zu Stein- oder Lehmplatten. Aus Gräsern hergestellt, die zu einer planen Fläche über- und ineinander gepresst werden, ist es ein rein natürliches Material. Das bedeutet, dass der Papyrus sehr empfindlich ist. Wie das bei Blättern so ist, fängt es bei Feuchtigkeit schnell an zu faulen oder wird schnell zerfressen.

Im antiken Ägypten ist Papyrus das Hauptmaterial der Administration. Das ist überliefert. Das bedeutet, dass darauf geschrieben wird, nicht gezeichnet. Denn guter Papyrus ist kostbar, nur einmal beschreibbar (was es übrigens auch fälschungssicher macht). Man nutzt es nicht für so profane Dinge wie das Zeichnen. Eine Vorzeichnung vielleicht, wenn etwas darauf gemalt werden sollte. Aber am Ende ist der Papyrus eben doch kein Papier – es ist nicht so verfügbar, nicht so billig und nicht so alltäglich. Darum kann es als Zeichengrund auch nicht dieselbe Rolle spielen, wie es das Papier später sollte.

Die Idee des alten Ägyptens ist einfach nicht totzukriegen. Immer wieder aufs Neue ist sie Schauplatz und Ursprung fantastischer Geschichten. Ihre Mythen und Gestalten faszinieren in Büchern, Filmen und Bildern. Ganz historisch gesehen, begründet sich das Besondere des antiken Ägyptens vor allem in seiner geografischen Lage. Das fruchtbare Niltal ist von Wüsten umringt, die Eindringlinge recht zuverlässig fernhalten. Das Klima ist beständig warm. Der Nil tritt jedes Jahr zuverlässig über die Ufer und schwemmt fruchtbaren Schlamm über die Felder. Alles in allem ist es die perfekte Brutstätte für etwas, das wir heute Hochkultur nennen.

Menschen bedürfen […] bestimmter, möglichst unverrückbarer Orientierungs- und Bezugsgrößen, deren Lage und Beziehungsstruktur so stabil erscheint, dass sie eben als verlässlich gelten können (I, S. 7)1. So beschreibt der Ethnologe K. E. Müller das Bedürfnis der Menschen nach Fixpunkten in ihrer Wirklichkeit.

Hier am Nil ist der Tagesablauf nicht völlig damit ausgefüllt, zu überleben, wie es bei unseren Urvorfahren der Fall war. Selten hat die Menschheit so lange Ruhe, sich zu entwickeln, wie hier. Das Niltal ist eine geschützte Blase, in der sich kulturelle Charakteristika ungestört entwickeln und etablieren können: in den Künsten wie im Kulinarischen, in der Mode, Architektur oder in religiösen Riten. Im alten Ägypten geschieht das über drei Jahrtausende verhältnismäßig ungestört.

3.000 Jahre Beständigkeit zeigen sich auch in den Bildern. Innerhalb einer recht kontinuierlichen Geschlossenheit gibt es nur kleinere Veränderungen. Das erkenne ich besonders an den Darstellungen von Menschen. Sie lassen ein strenges Regelsystem erkennen. Die Proportionen und Themen sowie ihr Zweck scheinen klar festgelegt. Im alten Ägypten gibt es keine Kunst ohne funktionale Vorgaben – keine art pour l’art. Zunächst sind Bilder samt und sämtlich für die Toten und Götter bestimmt – es sind Erzeugnisse für Tempel und Grabstätten, nicht für das Auge der Lebenden gemacht. Erst später funktionieren Götter- und Königsbildnisse auch als Zeugen der Macht ihrer Erbauer. So oder so bleibt festzustellen: Das Bild, ob Mensch oder Gott, ist weder Teil des Alltags noch mobil – es ist stets Teil einer außergewöhnlichen, örtlich gebundenen Situation. Zumindest ist das der Eindruck, den uns die offiziellen Vermächtnisse glauben machen wollen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass das alles sein soll. Religion und Ritus scheinen mir so mächtig in dieser Zeit, dass ich sicher bin, dass es kleine „Abklatsche“ der großen Monumente gegeben haben muss. Kleine Altäre oder Handbilder, die Orientierung und Ordnung ins Leben bringen. Vermutlich haben sie die Jahrhunderte einfach nicht überlebt.

Werfen wir einen Blick auf die Skulpturen. Anders als die Zeichnung ist die altägyptische Skulptur bis heute ein Objekt allseitiger Bewunderung. Bildhauer schwärmen von ihrer unglaublichen Präsenz. Im Gegensatz zur Zeichnung scheint sie eine ganz eigene Daseinsberechtigung zu haben und ist vielfältig überliefert. Ich denke, das liegt vor allem daran, dass die Skulptur buchstäblich Raum ist. Man kann sie abschreiten und anfassen. Sie stellt die Frage nach einer Übersetzung vom Raum in die Fläche gar nicht – und ist damit schlicht und ergreifend zugänglicher. Für die Skulptur erkenne ich eine recht kontinuierliche Weiterentwicklung – nicht nur für die ägyptische Antike, sondern auch für die folgenden Jahrhunderte. Beim Zeichnen gibt es eine solche Entwicklung nicht – wie ich zunehmend feststellen muss. Ich denke, das liegt daran, dass Raum in der Fläche einfach noch nicht vorstellbar ist.

Bild 7

Bild 8

Wo finde ich also die Zeichnung? Wir kennen die typisch steifen Darstellungen altägyptischer Menschen von den Wänden steinerner Grabanlagen und Tempel. Es sind vor allem Reliefs und Fresken*. Das Regelwerk, die Anordnung der Elemente und die Art der Bemalung sind dabei für beide Gattungen gleich. Die Zeichnung als eigene Darstellungsform scheint es nicht zu geben, zumindest nicht in einer Form, die überdauern sollte. Allerdings erlauben Relief und Malerei Rückschlüsse auf sie. Denn ein Relief bedeutet, Formen aus einer Fläche herauszuarbeiten – das ist eine erfinderische Leistung für sich. Die Ägypter beschließen, nicht nur auf die Wand zu malen, sondern in sie hinein