Zerbrochene Jahre in Preetz - Natascha K - E-Book

Zerbrochene Jahre in Preetz E-Book

Natascha K

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Beschreibung

"Zerbrochene Jahre in Preetz" ist ein schonungslos realistischer Roman über die zerstörerische Wirkung von Alkohol in der Schwangerschaft – erzählt in zwei Teilen, die tief unter die Haut gehen. Der erste Teil begleitet ein sechzehnjähriges Mädchen, das bereits im zweiten Monat schwanger ist und dennoch weiter trinkt, feiert und flieht. Zwischen toxischem Freundeskreis, Gewalt in der Familie, psychischer Labilität und Gleichgültigkeit der Umwelt rutscht sie immer tiefer in einen Strudel aus Sucht, körperlichem Verfall und seelischer Verwahrlosung. Jeder Abend im Pub, in der Bierstube oder im Club wird ein weiterer Schritt auf eine Abwärtsspirale, die sie und das ungeborene Kind an den Rand des Todes bringt. Der zweite Teil gehört ihrer Tochter, die mit schweren FASD-Folgen zur Welt kommt. Der Roman verfolgt ihr Leben über achtzehn Jahre hinweg: Pflegefamilie, Kindergarten, Schule, Überforderung, verzögerte Entwicklung, Lernschwierigkeiten, Identitätsprobleme, Wohnheim, Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Die Geschichte zeigt, wie schwer das Leben werden kann, wenn ein Kind durch die Taten anderer die eigenen Möglichkeiten verliert – und wie viel Kraft es kostet, trotzdem jeden Tag weiterzumachen. Dieser Roman romantisiert nichts. Er ist sozialkritisch, intensiv, traurig und wahr. Ein Buch, das Leserinnen und Leser nicht unberührt zurücklässt – und das zeigt, warum jeder Schluck in der Schwangerschaft einer zu viel ist. Achtung: Der Autor verwendet zum Erstellen seiner Texte meistens künstliche Intelligenz (und muss das angeben, was er hiermit macht)!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 197

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Zerbrochene Jahre in Preetz

Untertitel:

Wie Alkohol in der Schwangerschaft zwei Leben zerstört

Vorwort

Diese Geschichte tut weh. Sie soll wehtun. Sie erzählt nichts Schönes, nichts Heldinnenhaftes und nichts, das man sich als Lebensweg wünschen würde. Sie erzählt von einem Mädchen, sechzehn Jahre alt, schwanger im zweiten Monat, gefangen in einem Leben, das sie selbst kaum versteht. Von einer Jugendlichen, die sich nach Aufmerksamkeit sehnt, nach Geborgenheit, nach Halt – und stattdessen den Alkohol findet, der langsam alles frisst, was in ihr noch Hoffnung sein könnte.

Der erste Teil zeigt ihre Sicht. Er zeigt, wie sie abends in Clubs steht, mit schwankenden Knien und leerem Blick, während in ihrem Körper ein Mensch heranwächst. Er zeigt die Clique, die sie nach unten zieht, die Streitigkeiten zu Hause, den Wunsch gesehen zu werden und gleichzeitig die Angst, dass irgendjemand wirklich hinschaut. Er zeigt körperliche Warnzeichen, die sie verdrängt oder kleinredet, und ein Umfeld, das wegschaut, weil Wegschauen einfacher ist als Helfen.

Der zweite Teil gehört der Tochter. Einem Kind, das nie eine Wahl hatte. Einem Menschen, der mit FASD geboren wurde und dessen Leben vom ersten Atemzug an von einem Schaden geprägt ist, den niemand mehr rückgängig machen kann. Ihre Welt besteht aus Unsicherheiten, Verzögerungen, fehlenden Schutzmechanismen, Lernschwierigkeiten und liebevollen Pflegeeltern, die jeden Tag kämpfen – mit ihr, für sie, manchmal gegen die Realität, die größer ist als alle guten Absichten.

Diese Geschichte will nichts beschönigen. Sie will zeigen, was Alkohol in der Schwangerschaft anrichtet, ohne Filter, ohne Ausreden und ohne romantisierende Tragik. Sie zeigt zwei Leben, die miteinander verbunden sind, egal wie weit sie voneinander entfernt aufwachsen. Sie zeigt das, was passiert, wenn Verantwortung nicht übernommen wird – und was trotzdem entstehen kann, wenn Menschen trotz aller Schwierigkeiten lieben und unterstützen.

Sie endet nicht harmonisch. Aber sie endet ehrlich.

Trigger Warnung / Wichtiger Lesehinweis

Dieses Buch enthält sehr belastende und realistische Darstellungen von Alkoholmissbrauch, Alkoholsucht, Schwangerschaft im Jugendalter, Vernachlässigung, körperlichen und psychischen Krisen, Blutungen in der Schwangerschaft, medizinischen Notfällen, Kontrollverlust, Abhängigkeit, sozialem Abstieg, institutionellen Eingriffen durch Jugendamt und Medizin sowie den lebenslangen Folgen von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft, einschließlich der Darstellung einer schweren Behinderung durch Fetale Alkoholspektrumstörung.

Ich schreibe diese Trigger Warnung ganz bewusst und ausdrücklich. Ich möchte nicht, dass dieses Buch von kleinen Jungen oder kleinen Mädchen gelesen wird. Ebenso möchte ich nicht, dass psychisch kranke, seelisch instabile oder akut belastete Personen diese Geschichte lesen. Ich will nicht, dass jemand durch mein Buch einen Knacks in der Seele bekommt. Ich will nicht, dass sich jemand durch die dargestellten Situationen, Schuldgefühle, Verzweiflung oder Ausweglosigkeit innerlich verliert oder sich im schlimmsten Fall selbst etwas antut.

Diese Trigger Warnung schreibe ich aus Verantwortung. Geschichten wirken. Worte wirken. Besonders Darstellungen von Suchterkrankungen, Schwangerschaft im Jugendalter, medizinischen Krisen, Versagen von Schutzsystemen und den unumkehrbaren Folgen für ein Kind können sehr tief treffen und eigene Erfahrungen aufreißen. Deshalb soll dieses Buch nicht von Minderjährigen oder besonders schutzbedürftigen Menschen gelesen werden. So wie ich keine Zigaretten an zwölfjährige Kinder verkaufen würde, sollen auch diese Inhalte nicht ungeschützt konsumiert werden.

Dieses Buch ist keine Unterhaltung, keine dramatische Zuspitzung zur Spannungserzeugung und keine moralische Abrechnung. Es ist auch keine Entschuldigung für Alkoholmissbrauch. Es zeigt schonungslos, was passiert, wenn Verantwortung nicht übernommen wird, wenn Sucht stärker ist als Fürsorge und wenn Hilfe zu spät greift. Die dargestellten Ereignisse sollen nicht schockieren um des Schocks willen, sondern aufklären und warnen.

Bitte lesen Sie dieses Buch nur, wenn Sie volljährig sind, sich psychisch stabil fühlen und wissen, dass Sie mit sehr schweren, realitätsnahen und emotional belastenden Themen umgehen können. Wenn Sie unsicher sind, ob diese Inhalte für Sie geeignet sind, lesen Sie dieses Buch bitte nicht.

Ihre seelische Gesundheit ist wichtiger als jede Geschichte.

Haftungsausschluss

Diese Geschichte ist fiktional, basiert jedoch auf realen sozialen Problemen und bekannten medizinischen Folgen von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft. Sie hat nicht das Ziel zu verurteilen, sondern sichtbar zu machen.

Sie enthält Themen wie Missbrauch von Alkohol, Schwangerschaft in der Jugend, Vernachlässigung, psychische Krisen, familiäre Konflikte, soziale Verwahrlosung und Behinderung durch Fetale Alkoholspektrumstörung. Sie kann emotional belastend sein.

Wichtiger Hinweis: Dieses Buch wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt. Ideen, Struktur und Korrekturen stammen vom menschlichen Auftraggeber, während künstliche Intelligenz bei der Ausformulierung geholfen hat. Trotz Sorgfalt kann keine Garantie für absolute inhaltliche Vollständigkeit, medizinische Exaktheit oder fehlerfreie Darstellung gegeben werden.

Diese Geschichte ersetzt keine medizinische, psychologische oder soziale Beratung. Wer selbst von Suchterkrankungen oder schwierigen familiären Situationen betroffen ist, sollte Unterstützung bei Fachstellen oder vertraulichen Beratungsangeboten suchen.

Imprint:

V. i. S. d. P.: Marcus Petersen-Clausen, Ginsterweg 7, 30900 Mellendorf/Wedemark (DE) - Tel.: 491796162178

Dieses Dokument ist lizenziert unter dem Urheberrecht!

(c) 2025 Marcus Petersen-Clausen

(c) 2025 Köche-Nord.de

Achtung: Der Autor verwendet zum Erstellen seiner Texte meistens künstliche Intelligenz (und muss das angeben, was er hiermit macht)!

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1 – Zwei Striche, die alles verändern könnten (wenn man es zuließe)

Kapitel 2 – Ein Alltag, der keiner sein sollte

Kapitel 3 – Der Abend im Sub

Kapitel 4 – Die Folgen schlagen zurück

Kapitel 5 – Der Zusammenbruch

Kapitel 6 – Notaufnahme

Kapitel 7 – Die Verleugnung und der Absturz danach

Kapitel 8 – Die Spirale wird enger

Kapitel 9 – Der Druck von außen und der Zerfall innen

Kapitel 10 – Kranker Körper, kranker Geist

Kapitel 11 – Zurück ins Krankenhaus

Kapitel 12 – Die geschützte Unterbringung

Kapitel 13 – Kampf um zwei Leben

Kapitel 14 – Kein Zurück mehr

Kapitel 15 – Einsicht tut weh

Kapitel 16 – Kleine Schritte, großer Schmerz

Kapitel 17 – Konfrontation mit der Wahrheit

Kapitel 18 – Wenn Klarheit schmerzt

Kapitel 19 – Risse im Boden

Kapitel 20 – Alles hängt an einem Faden

Kapitel 21 – Zwischen Hoffnung und Grenze

Kapitel 22 – Der Körper entscheidet

Kapitel 23 – Grenze zur Entscheidung

Kapitel 24 – Kurz vor der Kante

Kapitel 25 – Die letzten Tage vor dem Bruch

Kapitel 26 – Der Beginn des Unvermeidlichen

Kapitel 27 – Ein Leben, das anders beginnt

Kapitel 28 – Ein kleines Kind in einer großen Welt

Kapitel 29 – Kindergarten ohne festen Boden

Kapitel 30 – Schulanfang, der keiner ist

Kapitel 31 – Zwischen Fortschritt und Rückschritt

Kapitel 32 – Die Jahre, in denen alles schwer bleibt

Kapitel 33 – Der Übergang ins Wohnheim

Kapitel 34 – Ein Leben unter Regeln

Kapitel 35 – Das fragile Erwachsenwerden

Kapitel 36 – Versuche, die scheitern – und Versuche, die bleiben

Kapitel 37 – In der Werkstatt: Ein neuer Alltag beginnt

Kapitel 38 – Ein Alltag, der nie leicht wird

Kapitel 39 – Die Jahre, die sie älter machen – aber nicht erwachsen

Kapitel 40 – Ein Blick in die Zukunft, die anders bleibt

Kapitel 41 – Das Leben im Gleichgewicht von Betreuung und Überforderung

Kapitel 42 – Zwischen Stillstand und Sicherheit

Kapitel 43 – Ein fragiles Gleichgewicht im Alter von neunzehn Jahren

Kapitel 44 – Zwischen Nähe und Ferne – die Beziehung zur Pflegefamilie

Kapitel 45 – Ein Alltag ohne große Ereignisse

Kapitel 46 – Zwischen Vergangenheit und Zukunft

Kapitel 47 – Der Brief

Der Brief der Mutter

Kapitel 48 – Das Nachdenken beginnt

Kapitel 50 – Das Treffen

Nachwort

TEIL 1 – PERSPEKTIVE DER MUTTER

Kapitel 1 – Zwei Striche, die alles verändern könnten (wenn man es zuließe)

Sie sitzt auf dem Rand der Badewanne, die Knie angezogen, das Handy in der einen Hand, den Schwangerschaftstest in der anderen. Der Test zeigt zwei Striche. Zwei dünne Linien, fast zärtlich, so als wollten sie sagen: Es gibt dich. Und du bist nicht allein.

Doch in ihr regt sich nichts, was dem entspricht. Kein Schock. Keine Freude. Kein Plan. Nur ein dumpfes, mattes Gefühl unterhalb der Rippen, als wäre da ein Loch, das nichts wirklich füllen kann.

Das Bad ist kalt, weil sie vergessen hat, das Fenster zu schließen. Die Fliesen sind von alten Wasserspritzern stumpf geworden, die Lampe flackert. Ihre Mutter ist arbeiten, wie immer. Ihre Mutter ist eigentlich immer irgendwo, nur selten hier. Und wenn sie hier ist, riecht sie nach Zigaretten und Müdigkeit.

Sie starrt auf den Test. Er bedeutet etwas. Etwas Großes. Etwas Endgültiges.

Aber sie selbst fühlt sich nicht endgültig. Sie fühlt sich nicht einmal wie eine Person, die Entscheidungen treffen darf. Sie ist sechzehn und ihr Kopf ist laut und leer zugleich.

Ihre Hand zittert. Nicht vor Angst, sondern vor dem Rest Alkohol in ihrem Blut, vom letzten Abend. Sie war im „Sub“, einem Club in einer Nebenstraße. Ein Keller, stickig, laute Musik, billig gemixte Drinks. Sie hatte mehr getrunken als sonst. Eigentlich trinkt sie immer mehr als sonst.

Sie legt den Test auf den Rand des Waschbeckens. Er fällt um. Sie hebt ihn nicht wieder auf.

In der Küche findet sie eine halbleere Flasche Wodka, die seit Tagen dort steht, weil niemand Ordnung macht. Sie nimmt einen Schluck, ohne nachzudenken. Der Alkohol brennt, reißt ihr kurz die Kehle auf, doch er wirkt schneller, als die Vernunft gebraucht hätte.

Sie öffnet das Fenster, inhalieren die kalte Luft und spürt, wie die Kälte ihre Wangen prickeln lässt. Ihre Gedanken sortieren sich nicht. Sie treiben.

Ein Teil von ihr weiß, dass sie da gerade eine Grenze überschreitet. Dass sie das Leben, das in ihr wächst, mit jedem Schluck weiter beschädigt.

Ein anderer Teil ist erleichtert, weil der Alkohol für einen Moment alles dämpft: die Leere, die Panik, die Zukunft.

Draußen brüllen ein paar Jugendliche, wahrscheinlich auf dem Weg zur Schule. Sie müsste eigentlich auch los. Aber sie kann heute nicht. Sie kann kaum atmen.

Ihr Handy vibriert.

Marc schreibt: „Kommst du heute Abend raus? Die anderen wollen feiern. Lena hat wieder Stoff.“

Sie liest die Nachricht dreimal, bevor sie merkt, dass sie lächelt. Ein kleines, kaputtes Lächeln, das sagt: Ja, das ist der einzige Ort, an dem ich nicht nachdenken muss.

Sie tippt zurück: „Klar. Bin dabei.“

Kein Wort über die zwei Striche.

Sie stellt die Flasche auf den Tisch. Sie wankt ein wenig. Sie greift den Test und wirft ihn in den Mülleimer. Er landet schief, halb sichtbar zwischen Essensresten.

Beim Rausgehen betrachtet sie ihr Spiegelbild im Flur.

Augen zu müde für sechzehn.

Haut zu blass.

Ein Mädchen, das ein Kind bekommt, obwohl es selbst keines mehr ist. Oder nie eines sein durfte.

Sie zieht die Tür zu und geht.

Der Test bleibt da, zwischen grauem Müll, still und bedeutungslos.

So fühlt sie sich auch.

Kapitel 2 – Ein Alltag, der keiner sein sollte

Der Morgen riecht nach abgestandener Luft, erkalteter Pfanne und dem säuerlichen Schweiß einer Nacht, die längst keine Erinnerung mehr ist. Sie wacht nicht richtig auf, sondern taucht nur ein Stück weit aus dem dumpfen Nebel auf, der in ihrem Kopf hängt wie Rauch. Ihr Mund ist trocken, die Zunge pelzig. Im Bauch zieht etwas – ein dumpfes, ungeübtes Warnsignal –, aber sie schiebt es weg wie eine lästige Fliege.

Die Uhr zeigt halb elf. Schule ist wieder verpasst. Ihre Mutter hat keinen Zettel dagelassen, nur einen Stapel ungeöffneter Briefe auf dem Küchentisch. Darunter mindestens zwei vom Jobcenter, einer vom Jugendamt, einer von der Schule. Alle ungeöffnet. Niemand hier macht Dinge auf, die Probleme bedeuten.

Sie öffnet den Kühlschrank. Darin stehen ein angebrochener Energy-Drink, eine halbvolle Packung Margarine, zwei alte Eier und Bierflaschen. Keine Milch, kein Obst, kein Brot. Sie greift nach einer Flasche Bier. Der Kronkorken fällt auf den Boden und rollt unter den Herd. Sie trinkt drei große Schlucke. Der Geschmack ist schal und bitter, aber der Körper beruhigt sich fast sofort. Der Druck im Kopf verschiebt sich, wird träger, weniger scharf.

Während sie trinkt, denkt sie kurz an den Test, an die zwei Linien. Dann daran, wie sie ihn in den Müll geworfen hat. Es fühlt sich an wie etwas, das man im Vorbeigehen verloren hat. Ein Handschuh. Ein altes Foto. Nichts, was zählt, weil niemand es vermissen würde.

Sie spürt wieder dieses Ziehen im Unterbauch. Hart, unangenehm. Fast wie ein Krampf.

Sie setzt sich auf einen der wackelnden Küchenstühle und hält die Luft an. Der Schmerz lässt nach. Sie atmet wieder.

Ein normaler Bauchkrampf, redet sie sich ein. Vielleicht vom Alkohol. Vielleicht vom Schlafmangel. Vielleicht von gar nichts. Es ist egal. Alles ist egal.

Ihr Handy vibriert.

Marc schreibt nicht.

Diesmal ist es Lena: „Heute Abend wieder im Sub. Komm nicht wie ne Leiche. Bring was zu trinken mit.“

Sie liest die Nachricht und merkt, wie der Alkohol sie leicht nach vorne kippen lässt, wie ein kleiner Schubs in Richtung „Weiter so“.

Weiter hinein in das, was ihr Leben sein soll.

Weiter weg von allem, was Verantwortung bedeuten könnte.

Sie geht ins Bad. Das Licht flackert wieder. Sie betrachtet ihr Gesicht im Spiegel. Die Augen sind rot. Die Wangen eingefallen. Unter ihren Augen liegen dunkle Schatten – so tief, als hätte jemand sie mit einem Finger in die Haut gedrückt.

Sie hebt ihr T-Shirt an und betrachtet ihren Bauch.

Noch ist nichts zu sehen.

Nur sie weiß, was da wächst. Und nicht einmal sie behandelt es wie etwas Reales.

Sie versucht zu duschen, aber das Wasser wird schnell kalt. Nach zwei Minuten dreht sie den Hahn wieder zu. Sie zittert leicht. Nicht vor Kälte.

Vor Entzug.

Mittags setzt ein benachbarter Junge seinen Müll raus. Er klingelt, weil er fragt, ob sie ein Paket annehmen kann. Sie öffnet die Tür mit halb leerer Bierflasche in der Hand. Er mustert sie. Ein Junge, vielleicht vierzehn, dünn, mit einem Schulrucksack. Eine Sekunde zu lang.

Sein Blick ist nicht böse.

Nur irritiert.

Und verwundert darüber, dass ein Mensch so aussehen kann, bevor die Sonne richtig steht.

Sie knallt die Tür zu.

Der Nachmittag vergeht in verschwommenen Stücken. Ein Nickerchen auf dem Sofa. Noch ein Bier. Ein halber Energy-Drink, der Übelkeit auslöst. Ein Streit mit ihrer Mutter, als diese kurz nach Hause kommt und fragt, warum wieder nicht in der Schule. Keine Antwort. Danach Türknallen. Danach Stille.

Abends geht sie raus.

Sie zieht den dünnen schwarzen Hoodie an, der nach Rauch und abgestandener Luft riecht.

Sie schiebt die Hände in die Taschen, geht durch die grauen Straßen, vorbei an geschlossenen Läden, vorbei an Menschen, die sie nicht ansehen. In ihrem Kopf hämmert ein Schmerz hinter den Augen.

Sie weiß, dass sie schwanger ist.

Und sie weiß, dass sie heute wieder trinken wird.

Der Gedanke daran beruhigt sie.

Das Baby bekommt keinen Platz in diesem Abend.

Nur der Alkohol.

Kapitel 3 – Der Abend im Sub

Der Eingang zum Sub riecht wie immer: kalter Rauch, verschütteter Alkohol, ein Rest von billigem Parfüm, das sich in den Wänden festgesetzt hat. Schon draußen pulst der Bass so laut, dass er ihr im Bauch vibriert. Dieser Bauch, der eigentlich geschützt werden müsste. Doch für sie ist er nur ein weiterer Körperteil, der Probleme macht.

Drinnen ist es dunkel. Die Neonröhren flackern in violettem Licht. Menschen stehen eng an eng, schwitzen, lachen zu laut, reden zu hastig. Sie schiebt sich durch die Menge, den Kopf ein wenig gesenkt, als wäre sie nur ein Schatten, der sich bewegt. In ihrer Brust pulst ein nervöses Zittern, das sie nicht einordnen kann. Vielleicht Restalkohol. Vielleicht Angst. Vielleicht das, was zweimal positiv angezeigt hat.

Lena bemerkt sie zuerst.

„Da bist du ja endlich.“

Ihre Stimme ist gleisend, schneidend, als würde sie jede Unsicherheit sofort entlarven.

Lena drückt ihr einen Plastikbecher in die Hand. „Wodka Energy. Diesmal nicht so rumtrödeln.“

Sie nimmt einen Schluck. Der Mix brennt, schmeckt metallisch. Ihr Körper reagiert sofort: Erst ein warmer Schwall, dann ein kurzes Drehen im Kopf, dann die entspannte Schwere, die sie braucht, um nicht mehr fühlen zu müssen.

Marc taucht hinter ihr auf. Größer als die anderen, Schultern angespannt, Haare ins Gesicht gefallen.

„Du siehst fertig aus“, sagt er. Keine Sorge in der Stimme. Eher eine Feststellung. Als wäre sie ein defektes Gerät, das man trotzdem weiter benutzt.

Sie zuckt mit den Schultern, nimmt noch einen Schluck.

„Bin okay.“

Sie ist nicht okay, und beide wissen es.

Die Musik wird lauter, der Bass schneller. Ihr Herz schlägt ungleichmäßig, als müsse es hinterherkommen. Sie tanzt, aber es ist kein Tanzen, eher ein mechanisches Bewegen. Sie kippt den Kopf nach hinten, schließt die Augen. Die Lichter zucken über ihre Lider, als versuchten sie, Erinnerungen auszulöschen.

Nach zwanzig Minuten setzt ein stechender Schmerz ein – tief im Unterbauch. Ein scharfes, pochendes Ziehen. Für einen Moment bleibt ihr die Luft weg. Sie fasst sich mit einer Hand an den Bauch, drückt leicht dagegen, als könnte sie den Schmerz wegschieben.

Niemand bemerkt es. Niemand sieht sie wirklich.

Lena kommt näher. „Was ist los mit dir?“

„Kreislauf“, sagt sie. „Alles gut.“

„Dann trink schneller. Hilft.“

Sie reicht ihr einen zweiten Becher.

Sie trinkt.

Das Ziehen wird dumpfer. Nicht weg – nur übertönt.

In einer stilleren Ecke des Clubs bricht ein Streit aus. Zwei Jungs aus ihrer Clique, laute Stimmen, eifersüchtige Untertöne. Etwas mit Geld, mit Ehre, mit einer Lüge. Alles Dinge, die für sie keinen Sinn ergeben. Marc hält sie am Arm, zieht sie weg. Seine Hand ist fest, fast zu fest.

„Bleib bei mir. Die drehen wieder durch.“

Sie nickt. Sie fühlt sich sicherer neben ihm, aber nicht geborgen. Sicherheit heißt für sie: weniger Angst, nicht keine.

Doch je länger sie steht, desto schwächer fühlt sie sich. Der Boden unter ihr scheint zu schwimmen. Der Bass wird zu einem dumpfen Dröhnen, das nicht mehr von außen kommt, sondern aus ihrem Kopf.

Dann kommt der zweite Schmerz. Diesmal stärker.

Ihr Atem stockt.

„Alles okay?“ Marc mustert sie. Nicht besorgt. Genervt.

„Mir ist schlecht.“

„Dann komm klar. Wir sind grad erst hier.“

Sie versucht zu antworten, aber der Raum kippt. Ihr wird schwarz vor Augen.

Sie sackt gegen ihn. Er fängt sie auf, halb widerwillig.

„Immer das Gleiche mit dir“, knurrt er.

Lena kommt herüber: „Ist sie wieder dicht?“

„Ich brauch… kurz raus“, presst sie hervor.

Draußen atmet sie kalte Luft ein. Ihr ganzer Körper zittert. Ihr Bauch zieht sich zusammen wie eine Faust. Ihr Kopf hämmert. Der Geschmack von Wodka liegt ihr im Hals. Sie beugt sich vor und übergibt sich heftig auf den Asphalt.

Es brennt. Es riecht nach Säure. Sie wischt sich mit dem Ärmel den Mund ab, die Knie weich wie Gummi.

Lena ruft aus dem Eingang: „Komm rein, Alter! Stell dich nicht so an!“

Niemand kommt raus, um ihr zu helfen.

Sie sitzt auf dem Bordstein, die Hände zitternd, der Atem kurz.

Sie denkt einen Moment lang daran, nach Hause zu gehen. Oder ins Krankenhaus.

Aber dann sieht sie die Lichtschwaden aus dem Club, die Musik, die Menschen, die lachen.

Sie steht auf.

Wankt.

Geht zurück hinein.

Und in ihrem Bauch wächst das, was sie immer weiter zerstört.

Kapitel 4 – Die Folgen schlagen zurück

Der nächste Morgen trifft sie wie ein Schlag ins Gesicht. Kein langsames Erwachen, kein milder Übergang – nur schmerzhafte Realität.

Der Kopf dröhnt. Der Hals brennt vom Erbrechen. Der Magen ist leer und rebelliert trotzdem. Noch bevor sie die Augen richtig öffnen kann, spürt sie den Schmerz im Unterbauch. Nicht mehr nur ein Ziehen. Ein tiefes, pulsierendes Stechen, das mit jeder Bewegung stärker wird.

Sie rollt sich auf die Seite. Es fühlt sich an, als würde ihr Körper protestieren, als wollte er laut schreien: Hör auf. Sofort.

Aber sie ist zu müde, zu benommen, zu leer, um auf Warnungen zu reagieren.

In der Küche hört sie ihre Mutter telefonieren.

„Ja, ich weiß, dass sie wieder fehlt. Ich weiß, dass es Konsequenzen gibt. Ich weiß das alles.“

Die Stimme ist rau, gehetzt, brüchig.

„Ich kann mich nicht um alles gleichzeitig kümmern. Ich muss arbeiten. Und die Briefe… ich hab’s nicht geschafft.“

Kurzes Schweigen. Dann:

„Ja. Ja, ich weiß. Ich sprech mit ihr. Heute.“

Mit ihr sprechen.

Das passiert selten. Und wenn es passiert, wird nichts besser.

Sie steht auf, langsam, auf unsicheren Beinen. Jeder Schritt fühlt sich an, als würde der Boden minimal nachgeben. Die Tür zum Bad knarrt, als sie hineintaumelt. Im Spiegel sieht sie ein Gesicht, das nicht sechzehn aussieht, sondern ausgelaugt, viel älter, ausgedörrt.

Ihr Bauch ist leicht gespannt.

Sie drückt vorsichtig dagegen und zuckt zurück.

Der Schmerz schießt heiß durch den Unterleib.

Ein Moment lang hat sie Angst. Echte Angst.

Nicht die diffuse Angst, die sie manchmal nachts spürt, sondern ein klarer Gedanke: Was, wenn etwas nicht stimmt?

Aber sofort kommt die zweite Stimme.

Die Stimme, die alles kleinredet.

Die Stimme, die sie nüchtern niemals hätte.

„Es wird schon nichts sein. Ist nur Stress. Und der Kater.“

Unten klopft ihre Mutter an die Tür.

„Kannst du heute bitte in die Schule? Die Lehrerin hat angerufen. Es wird ernst.“

Sie antwortet nicht.

Sie weiß, dass sie nicht gehen wird.

Ihre Mutter versucht, die Tür zu öffnen. „Hast du wieder getrunken?“

Schweigen.

Die Tür bleibt zu.

Dann hört sie, wie die Mutter leise flucht und weggeht.

Eine Stunde später liegt sie wieder auf dem Sofa. Der Schmerz wird stärker, unregelmäßig, wie Wellen. Ihr Herz schlägt zu schnell. Ihr Körper fühlt sich fiebrig an. Sie schwitzt, dann friert sie.

Ihr Handy vibriert.

Marc: „Komm heute raus?“

Lena: „Bring gestern nicht nochmal! Sei mal nicht so peinlich.“

Ein anderer aus der Clique: „Heute große Runde. Bist du dabei?“

Sie liest die Nachrichten, während der Schmerz durch ihren Bauch schneidet.

Sie drückt den Arm gegen ihren Unterleib und beißt sich auf die Lippe.

Sie könnte jetzt sagen, dass sie nicht kann.

Sie könnte sagen, dass sie krank ist.

Oder dass sie schwanger ist.

Oder dass sie Angst hat.

Aber stattdessen schreibt sie:

„Bin dabei.“

Es ist, als würde jemand anderes für sie tippen. Ein Teil von ihr, der lieber zerstört als durchdenkt. Ein Teil, der die Verantwortung nicht tragen will und lieber in der Dunkelheit verschwindet, in der Lärm und Alkohol alles übertönen.

Am Nachmittag klingelt es an der Tür.

Eine Frau vom Jugendamt steht davor. Strenger Blick, dicke Mappe unter dem Arm.

„Wir müssen reden“, sagt sie zur Mutter.

„Über Ihre Tochter.“

Sie hört das Gespräch nicht, aber sie fühlt die Anspannung durch die dünnen Wände. Stimmen werden lauter. Vorwürfe fliegen hin und her.

Dann ein Satz der Frau vom Jugendamt, der durch die Wohnung sticht:

„Wenn Sie den Überblick verlieren, verlieren wir irgendwann das Kind. Und das hat Konsequenzen.“

Sie weiß nicht, dass der Satz doppeldeutig gemeint ist.

Sie weiß nicht, dass das Jugendamt längst aktenkundig macht, wie oft sie fehlt, wie oft die Mutter überfordert ist, wie viele Hinweise ignoriert wurden.

Sie weiß nur, dass sie weg will.

Weg aus der Wohnung.

Weg aus dem Schmerz.

Weg aus dem Gespräch, das sie betrifft, über sie gesprochen wird, ohne sie.

Am Abend hält sie eine Flasche in der Hand.

Noch bevor sie einen Schluck nimmt, spürt sie den Schmerz wieder.

Sie trinkt trotzdem.

Im Hintergrund vibriert ihr Handy.

Marc schreibt: „Wir holen dich gleich.“

Sie setzt sich an den Rand des Betts und atmet flach.

Ihr Bauch zieht sich zusammen.

Sie krümmt sich.

Aber sie steht wieder auf.

Weil weggehen leichter ist als stehenbleiben.

Weil betäuben leichter ist als fühlen.

Weil die Symptome nicht laut genug sind, um gegen die Sucht anzukommen.

Noch nicht.

Kapitel 5 – Der Zusammenbruch

Der Abend beginnt harmloser als sonst. Oder zumindest fühlt es sich so an, weil sie beschlossen hat, dass es sich harmlos anfühlen soll.

Diesmal gehen sie nicht sofort ins Sub.

Lena schickt eine Nachricht: „Vortrinken im Pub. Der neue Irish Place in der Innenstadt.“

Sie weiß, welchen Pub sie meint: der kleine, gemütliche Laden in der Preetzer Innenstadt, der erst seit ein paar Monaten geöffnet hat, mit warmem Licht, dunklem Holz, zuckenden Kerzen auf den Tischen. Eigentlich ein Ort für Menschen, die einen ruhigen Abend wollen. Menschen, die sitzen, reden, lachen, ohne zu grölen. Menschen, die nicht jeden Abend vor ihrer eigenen Realität weglaufen müssen.

Für sie ist dieser Pub nur eine weitere Station auf der Karte der Flucht.

Sie trifft die Clique vor dem Eingang. Das warme Licht fällt durchs Fenster auf den Gehweg. Drinnen sitzen ältere Paare, ein paar Azubis, zwei alte Männer, die über Fußball reden. Der Kellner begrüßt sie freundlich.

Die Clique ignoriert ihn.

Sie nehmen den ersten Tisch rechts. Lena schiebt sofort zwei Tische zusammen.

Der Kellner kommt.

„Was darf’s sein?“

Lena grinst. „Vier Bier, zwei Shots für den Anfang.“

Sie nickt nur. Redet nicht. Der Schmerz im Bauch ist seit dem Nachmittag nicht besser geworden. Es fühlt sich an, als neige ihr Körper sich gegen sie. Nicht wütend, eher verzweifelt.